Diesen Artikel hat mir Martin per Mail geschickt.

Er baut auch gerade an einem Kaffee-Blog, da auf diesem aber noch „Baustellen-Alarm“ herrscht, könnt ihr seinen Beitrag hier lesen und sobald Martin sich entscheidet seinen Blog der Weltöffentlichkeit zu präsentieren werde ich natürlich auf seine Seite verweisen. Jetzt sind schon einige Blogs bei der “Blog-Parade” dabei, ich hoffe noch auf einen weiteren Endspurt!

Viele Grüße,

Arne

Kaffee – Kulturgut der Geschmacksnerven

Gehört die Zubereitung für dich mit zur Kaffeekultur oder ist sie nur Mittel zum Zweck?

Ich kann ganz klar von mir behaupten, dass ich die Zubereitungskultur für mich entdeckt habe und diese immer mehr zelebriere.

Das war aber nicht immer so. Als ich noch gelegentlicher Kaffeetrinker war schenkte man mir eine Senseo mit zwei verschiedenen Sorten Kaffee. So einfach hat meine Kultur angefangen. Vorher kannte ich nur das schwarze Zeugs welches von jedem Großhersteller eigentlich gleich geschmeckt hat (eben durchschnittlich).

Mit der Zeit habe ich mich mehr und mehr mit dem Thema Kaffee beschäftigt. Als ehemaliger Koch und Italienfanatiker wurde das auch langsam mal Zeit. So hab ich nach weiteren Italienreisen meinen Gaumen noch mehr sensibilisiert als ich bewusst den Espresso geschmeckt habe und nicht einfach nur als „Kick“ getrunken habe. Auch habe ich begeistert dem Barista zugeschaut wenn er mit viel „Amore“ seine Macchina bedient hat. Genauso haben sich bei mir die Nackenhaare aufgestellt wenn ich zusehen musste wir der Barista einfach nur lieblos seinen Job machte. So schmeckte dann auch das ernüchternde Ergebnis. So war mir recht spät (wieso auch immer erst jetzt und nicht schon früher) klar geworden das ich es mit dem Kaffee genauso machen sollte wie ich das schon lange mit dem Essen und Kochen praktiziere. Nur mit Liebe und Leidenschaft in der Zubereitung kann man ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen.

So kann ich ganz klar behaupten, dass die Zubereitung für mich in der Kaffeekultur eigentlich sogar an oberster Stelle steht. Erst die perfekte Bohne in Komposition mit der perfekten Zubereitung (dem Ritual) kann ein Ergebnis schaffen welches zum perfekten Genuss führt. Und erst dann erhält man die Möglichkeit bzw. Fähigkeit den perfekten Geschmack zu schmecken, zu riechen…einfach diese dann stattfindende Aroma-Explosion zu genießen!

Welche Wirkung hat Kaffee auf dich?

Genuss! Meine Sinne werden dadurch gestärkt, fast liebkost. Er ist anregend, fördert meine Kreativität in jeder Hinsicht! Er verbessert das gesellschaftliche Miteinander. Nichts fördert das gemeinsame nette Gespräch mehr als die dazu servierte gut anregende Tasse Kaffee. Sei es privat oder beruflich, bei Freunden oder im Cafè am Tresen.

Guter Kaffee ist bei mir aufmunternd und beruhigend zugleich. Er funktioniert als „Weckhilfe“ (so würde ich dieses wunderbare Getränk aber nie direkt bezeichnen) genauso wie auch als „Einschlafhilfe“(dann aber nicht zu hoch dosiert). Zum Einen regt er meine Sinne an, macht mich aufnahmefähiger, lustiger zum Anderen aber auch entspannter und gelassener. Man kann wenn man die Aromaflut eines guten Kaffees in sich aufnimmt richtig in sich gehen, ja fast einen Zustand der Meditation erreichen. Ein Gefühl des Glücks und der Ausgeglichenheit. Klingt vielleicht merkwürdig. Andere würden vielleicht andere (bessere) Worte finden. Aber ich denke die meisten Leute mit gutem Geschmack wissen was ich damit auszudrücken versuche.

Kaffeekultur oder Subkultur, sind Kaffeekapseln, Kaffeepads und Instantkaffes auch Teil der Kultur?

Wie schon bei der ersten Frage erwähnt habe ich diesen Pads zu verdanken, dass ich es geschafft eben durch diese kleinen lieblosen Dinger endgültig auf den „Kaffee-Gourmet-Zug“ aufzuspringen. Auch finde ich gut, dass sie immer mehr die Thermoskannenkultur verdrängen. Man kann also behaupten, dass sie den deutschen Durchschnittsgeschmack nach vorne gebracht haben. Auch gibt es einige die sich nach der Portionsmaschine (weil zu unflexibel) dann auch noch einen Siebträger oder einen Vollautomaten angeschafft haben um die „gute“ alte Kaffeemaschine entgültig aus der Küche zu verdammen.

Die Kehrseite der Medaille ist der Hype, verbunden mit der Werbevielfalt mit der diese Geräte angepriesen werden und dadurch zu sehr den Markt überschwemmen. Wenn man sich von der Werbung dann doch wieder einlullen lässt und den üblichen Kaffee der Massenhersteller in sein teuer erstandenes Gerät kippt ist man auch nur unwesentlich besser als vorher. So hat man nicht mehr die Möglichkeit sich geschmacklich weiterzuentwickeln. Die liebevoll arbeitenden Kleinröster bleiben so mal wieder auf der Strecke. Ein guter, sanft gerösteter Kaffee in Verbindung mit der korrekten Komposition mit z.B. der French Press (die viel günstiger ist und dazu auch noch einfacher zu bedienen) ergibt einen absolut höherwertigen Kaffee als eine Dröhnung aus dem teuren Vollautomaten.

DAS gilt es erfolgreich an den Geschmack der Menschen zu bringen. Noch ist diese Pad-Kapsel-Kultur für mich eine unterentwicklelte Subkultur die mit Hilfe von Blogs wie diesem hier und den Menschen die sich damit beschäftigen in die Richtung gelenkt werden kann.

Zum Thema Instantkaffees: Diese sollten verboten werden. Eine Frechheit für jeden Gaumen.

Welche Veränderungen würdest du dir für die Kaffeekultur im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren wünschen?

An dieser Stelle muss ich mich einschleimen und DANKE sagen für diese den Geschmack vorantreibende Blogparty. Schlechter Geschmack wird durch Werbung verkauft. Guter Geschmack wird durch die Mund- bzw. Blog-„Propaganda“ durch Menschen wie Arne in die Welt hinausgetragen. Also an alle die Kaffee genießen und nicht nur trinken – MITMACHEN!

Ich hoffe also, dass sich das Qualitätsbewusstsein der Menschen ändert. Wenn man überlegt was eine Tasse Kaffee kostet kann man locker auch mindestens das Doppelte ausgeben und bekommt dafür eine mehr als doppelt so gute Qualität, die besser schmeckt und dazu auch durch die schonende Röstung verträglicher ist. Also tut man so auch etwas für seine Gesundheit. Durchschnittlich konsumiert man in Deutschland ungefähr ein Pfund Kaffee im Monat. Anstatt bei Aldi 2,99€ dafür auszugeben sollte man sich einfach dazu bereit erklären für 6-10€ etwas Besonderes anzuschaffen. Das macht einen glücklicher und gesünder.

Auch hoffe ich, dass sich Tests wie die von Stiftung Warentest nicht noch mal wiederholen. Wie kann man diesem ganzen Einheitsbrei eigentlich (fast) durchweg gute Noten geben? Eine Frechheit und eine Schande für jeden echten guten Geschmack! Aber wir haben ja laut dieser Organisation auch miserable Qualitätsstandards in deutschen Fußballstadien.

Was ist für dich ein absolutes Kaffee No-Go?

  1. Instantkaffees –Pfui! Sollte verboten werden!
  2. Kaffeeketten mit Knöppe drückenden „Baristas“ – lieblos; einfach nur schlecht
  3. Kaffee aus der Thermoskanne – da dreht sich mir der Magen um
  4. Kaffee aus der Kanne der auf einer Warmhalteplatte vor sich hinglüht – hier ist er noch mehr am drehen
  5. Kaffee in gemahlener Form kaufen und sich für ein/zwei Monate einteilen – Da hätt sich die Kaffeekirsche das wachsen auch sparen können.
  6. Hochkonzentrierte Kaffeesahne – wozu dann der Kaffee?
  7. Propellermühlen – welch eine Misshandlung
  8. Kaffee mit Zigaretten genießen – weiß nicht wie das möglich ist, auch wenns für viele selbstverständlich ist
  9. Kaffee mit viiieeel Zucker – ein ehemaliger Kollege hatte sich immer 10-15 Löffel Zucker in den Becher gegeben; eines Tages hatten sich unsere Becher irgendwie vertauscht…ein unglaublich widerliches Geschmackserlebnis, brrrr!!!

Bis bald,

Martin

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