Besuch in einer Nespresso-Boutique

Wir sind in Barcelona auf dem Passeig de Gràcia, einer der größten Geschäftsstraßen der Stadt. Wir kommen zu Fuß von der Metro Jaume I und sind schon einige Zeit unterwegs, um uns umzusehen und Fotos zu machen. Es sind 35 Grad. Wir sind ein wenig langsamer als das Stadttreiben um uns.

Dann tut sie sich vor uns auf. Eine Nespresso-Boutique. Ein Tempel, ein Schloss, ein Designwunder.

Wir werden noch langsamer und kommen zum Stehen. Kurze Besprechung: Wir gehen rein!

20 Grad. Eine junge Dame im goldenen Hemd begrüßt uns. Über eine Treppe kommen wir zum Hauptschauplatz. Links von uns tut sich ein langer Tresen mit ca. 20 weiteren goldenen „Priestern“ auf.barcelona39 Sie bewegen sich wie eine edle Version einer Mischung von Apothekern und Juwelieren. Hinter ihnen befindet sich eine unglaubliche, meterhohe Wand aus bunten länglichen Kartons.

Neben uns wuchtet eine junge Mutter ihre bunten Röhren in Richtung Ausgang. Sie sieht glücklich aus.

Wir fragen, ob wir Fotos machen dürfen. Die Priesterin stimmt zu. Sie ist stoß, dass wir ihrer Religion diese Beachtung schenken.

Dann fällt unser Blick auf 30 verschriene Nespresso-Maschinen. In vielen Preislagen stehen futuristische Maschinen in Reih´ und Glied.

Es gibt einen Degustationsraum. Der „La Mesa de Degustation„ steht bereit. Doch zwei der Priesterinnen verwehren uns den eintritt. Wir sind nicht konvertiert. Wir gehören nicht dazu. Wir werden nicht in den innersten Zirkel dieses Tempels gelassen weil wir keine Nespresso-Maschine besitzen. Erst kaufen, dann probieren. Dieser Ritus erschließt sich uns noch nicht.

barcelona42Wir würden auch gerne zum inneren Zirkel gehören. Wir würden gerne diesen „Kaffee“ probieren.

Irgendwas stimmt nicht. Wir gehen zum Ausgang. Wir sind immer noch langsamer als alles um uns herum. Die Nespresso-Boutique – ein Kaffeetempel der heutigen Tage – verlassen wir ohne Kaffee gesehen, gerochen oder geschmeckt zu haben. Wir verlassen ihn ohne auch nur ein Wort über Kaffee verloren zu haben.

Bei Kaffee können wir nicht widerstehen. In der Nespresso-Boutique hat man uns nicht in Versuchung geführt.

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Viele Grüße,

Arne

69 Kommentare
  • Sabrina
    12 July, 2009

    Strange ! Ich muß doch wissen was ich kaufe bzw. was ich will, was mir schmeckt. Die Katze im Sack kaufen ? Auf keinen Fall….ich verstehe diese Geschäftspraxis nicht. Eventuell sollte ich mit meinem enormen Fachwissen in Sachen Marketing mal meine CV zu Nespresso senden….als neue Marketingchefin !

  • Jörg
    14 July, 2009

    Sehr schön geschrieben! Ich kann mich gut in die Situation rein versetzen. Vielleicht hättet ihr mit den bunten Töpchen ja Master Mind spielen dürfen?

  • Arne
    14 July, 2009

    @ Sabrina: Ich befürchte die sind rech zufrieden mit ihrem Marketing Management. Das erfühlt unglaublich seinen Job. Im Bereich „Qualität“ und „Soziales“ brauchen die Unterstützung, würde ich sagen 😉

    @ Jörg: Danke! Aus dem Nespresso-Mastermind kann ein lustiges Video gemacht werden. „Umnutzung mal anders“ 😉

  • sonnenhexer
    16 August, 2009

    Schöner Bericht, nur verstehe ich nicht, warum ihr nicht probieren durftet, ihr hättet ja sicherlich auch bezahlt, denn gerade eine Verkostung, da kann man sich doch für etwas entscheiden, sprich, wenn man etwas verkosten kann, kauft man es ggf. eher als ohne Verkostung.

  • Arne
    16 August, 2009

    Hallo Sonnenhexer,

    ich war auch „verwirrt“. Ich denke wenn ich den „Nespresso-Kaffee“ verkoste kommt es auf selbe heraus (nicht kaufen) aber interessant wäre es gewesen.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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