From Dusk till Dawn im Kaffee-Wahn

Bali ist eine Kaffee-Insel! Glaubt ihr nicht? Ist aber so! Ich meine damit nicht nur die Cafés und Coffee Shops, die es gerade in den Touristenzentren an jeder Ecke gibt – ja, auch Starbucks hat es bis hierher geschafft…

Auf Bali wird sogar Kaffee geröstet und angebaut. Die Kintamani-Region im Nordosten der Insel bietet dafür die perfekten klimatischen Bedingungen. Es hat allerdings knapp 3 Wochen gebraucht, bis ich einer der dort ansässigen Kaffeefarmen einen Besuch abgestattet habe. Warum das so lange gedauert hat, fragt ihr?

Bali

Wer Bali nicht kennt, die Insel ist nicht groß, man benötigt vom nördlichsten Zipfel bis zum südlichsten Punkt nur rund 4 Stunden. Die meisten Einheimischen und auch Touristen legen viele der kurzen Strecken mit einem Scooter bzw. Roller zurück.

Ich bin zwar Kaffee-Expertin und Reise erprobt, aber ich habe keinen Führerschein, der es mir erlaubt, ein solches Gefährt zu fahren. Und, um ehrlich zu sein, habe ich auch ein wenig Sch… So, jetzt isses raus.

Allerdings gibt es auch auf Bali unglaublich tolle Kaffeemenschen, seien es nun Locals oder Reisende, wie ich, die nur darauf brennen, die Insel kaffeeseitig zu erkunden. Dass ich dafür um 4 Uhr morgens aufstehen musste, war die andere Seite der Medaille und verlangte mir doch einiges an Disziplin ab, bin ich doch kein Frühaufsteher. Nun, zumindest nicht so früh! Was tut man nicht alles für eine gute Tasse Kaffee…

An einem Donnerstagmorgen um 5 Uhr ging es also los. Nick, italienischer Barista, holte mich am vereinbarten Treffpunkt ab; glücklicherweise noch genauso verschlafen wie ich und hungrig! Diese Uhrzeit war entschieden zu früh für ein Frühstück in meiner Unterkunft, fand selbst ich.

Bevor wir uns also auf Nick’s Roller auf den Weg in Richtung Norden begaben, legten wir einen Zwischenstopp auf dem Markt im Zentrum von Ubud ein, der nicht nur bereits morgens um 3 Uhr öffnet, sondern den auch nur die Einheimischen aufsuchen. Ein Trubel und Feilschen um die besten Früchte und Gemüse von den Feldern der Insel. Tagsüber ist davon nichts zu sehen, ich habe es nachgeprüft.

Ausgestattet mit einer Staude Mini-Bananen, einem Zweig voller saftiger Rambutan (eine Art Lychee) und einer Tüte Bananenkrapfen stärkten wir uns auf der Fahrt in Richtung Kintamani, der Sonnenaufgang begleitete uns dabei im Osten.

Bananenkrapfen

Bananenkrapfen bei der Zubereitung

Wer noch früher aufsteht als wir, schafft es vielleicht sogar zum Sonnenaufgang auf Balis bekannten Berg, Mount Batur. Diverse Trekking-Angebote um den Gipfel zu erklimmen – nicht nur für den Sonnenaufgang – , gibt es auf jeden Fall am Fuße des Berges.

Dafür waren Nick und ich allerdings zu spät dran. Ungefähr auf halber Strecke erklomm der rote Feuerball den Horizont und warf breite Schatten auf Palmen und Reisfelder, die unseren Fahrtweg säumten. Was ist der unschlagbare Vorteil einer privaten Roller-Tour? Anhalten und Fotos machen ist jederzeit möglich!

Gegen 7 Uhr erreichten wir unser erstes Ziel, den See unterhalb von Mount Batur, der um diese Uhrzeit noch in dicken Nebel gehüllt war. Die Straße westlich von Danau Batur führt durch karges Grün und kleine Dörfer, die auch um 7 Uhr morgens schon so geschäftig sind, wie 12 Uhr mittags.

Durch tiefe Schlaglöcher und Pfützen – in Kintamani regnet und gewittert es fast täglich – führte uns die Straße bis zum nordöstlichen Ufer. Dann war Schluss. Das balinesische Straßennetz ist nur bedingt gut ausgebaut und eine Umrundung des Sees war – zumindest auf diesem Weg – nicht möglich.

Zeit für eine wohlverdiente Pause, vor allem für Nick, meinen Fahrer, an einem der stillsten Orte, den ich auf Bali bis dahin gesehen hatte, der kleine Tempel Segara Hulundanu Batur. Die Wasseroberfläche, die alles darüber 1 zu 1 spiegelte, war mein Zeuge.

Die frühe Morgenstunde forderte allerdings inzwischen ihren Tribut. Wir brauchten ganz dringend Kaffee! Welch’ ein Glück befindet sich nur wenige Fahrtminuten entfernt Kintamani Coffee, ein Specialty Coffee Shop, der erst im vergangenen Sommer eröffnet hatte. So ging es also für uns auf demselben Weg, durch die gleichen Schlaglöcher und Pfützen, zurück auf die Hauptstraße und zu Kintamani Coffee, das gerade erst seine Türen für den Tag und für unseren Kaffeedurst öffnete.

Kintamani

Kintamani und die Kaffeebar

Kintamani Coffee bietet neben espressobasierten Getränken auch Filterkaffee an, ausschließlich allerdings mit Bohnen aus Indonesien. Einen Äthiopier oder Brasilianer wird man dort vergeblich suchen. Das atemberaubendste Highlight, und DER Grund, warum ihr, wenn ihr einmal auf Bali seid, unbedingt diesen Coffee Shop aufsuchen müsst, ist der Ausblick! Nicht nur auf Mount Batur und den See, sondern auch auf Mount Agung.

Filterkaffee

Filterkaffee aus dem Handfilter

Sagt euch nichts? Das ist der Vulkan, der noch im Herbst 2017 kurz vorm Ausbruch stand. Seit einiger Zeit herrscht aber wieder Ruhe, auch an diesem Morgen mit schönstem Sonnenschein. Der perfekte Platz für unseren ersten Kaffee heute. Allerdings nicht für lange… Ich hatte es bereits erwähnt, in Kintamani regnet es fast täglich. Ach, was sage ich, es schüttet wie aus Eimern.

Kintamani Vulkan

Das hieß leider für Nick und mich eine unfreiwillige Unterbrechung unseres Bali Coffee Road Trip, zumindest für die Dauer des Regengusses, der sich an diesem Morgen erstaunlich hartnäckig hielt. Die dunklen dicken Wolken schienen direkt über uns zu kreisen. Das gab uns aber auf jeden Fall Zeit, noch einen der Gemüse-Wraps zu probieren, die für uns frisch zubereitet wurden.

Das klingt schon nach einer Menge Abenteuer für einen Tag? Ich sage euch, das war erst der Anfang…

Als der Regen endlich nachgelassen hatte, steuerten wir uns nächstes Ziel an, Bali Beans Coffee. Eine Empfehlung, die Nick erst wenige Tage zuvor von einem Café-Inhaber, Kaffeeröster und -farmer in Ubud erhalten hatte.

Ohne zu wissen, was uns erwarten würde, geleitete ich uns dank Google Maps und GPS geradewegs auf eine Einfahrt zu. Das musste es sein!

Beim Abnehmen unserer Helme begrüßte uns eine Balinesin mittleren Alters, die aufgeregt die Arme wedelnd ins Wohnhaus stürzte. Wenige Minuten später tauchte aus eben diesem Haus Adi, der Sohn der Kaffee-Familie, auf. Auf seinem T-Shirt prangte in großen Lettern BALI BEANS. Wir waren richtig!

Wenn ich die gut zwei Stunden, die wir auf dem Grundstück der Familie verbrachten zusammenfassen soll, dann so: Bali Beans ist ein Kaffee-Imperium, gegründet bereits 1985, das sich auf den Anbau, das Verarbeiten, das Rösten und den Verkauf von Bio-Kaffee hauptsächlich der Varietät Bourbon spezialisiert hat.

Bio Kaffee

Bali Beans ist ein beeindruckendes Familienunternehmen mit viel Leidenschaft für Kaffee. Angefangen vom Vater, der auch mit weit über 70 Jahren noch kräftig zupacken kann bis hin zu den drei Geschwistern, die es für das Erlangen von noch mehr internationalem Kaffeewissen sogar bis nach Dubai und Japan verschlagen hat.

Die ganze Story durften wir zum Glück nicht nur am Coffee Shop Tisch erfahren, sondern beim Spaziergang durch die Kaffeesträucher, die zum Zeitpunkt unseres Besuchs nur wenige Wochen vor Reife standen – geerntet wird ab Mai –, und beim Verkosten des hier angebauten Kaffees.

Für mich persönlich hielt dieser Bali Coffee Road Trip noch eine weitere interessante Überraschung bereit: Ich habe tatsächlich meinen ersten Kopi Luwak getrunken!

Kopi Luwak

Ja, ich habe es getan! Obwohl ich mir bis dahin geschworen hatte, diese Mischung aus Marketing und Tierquälerei niemals zu probieren, überzeugte mich Bali Beans’ Anspruch dann doch und ich trank meine ersten Schlucke Kopi Luwak.

Kopi Luwak Kaffee

Wer noch nie von Kopi Luwak gehört hat, hier nur ganz kurz erläutert: In Indonesien ist eine katzenähnliche Tierart, Civet genannt, beheimatet, die, sofern in natürlicher Umgebung, neben heruntergefallenen Früchten, auch überreife Kaffeekirschen frisst. Durch die Darmbakterien der Katzen werden die Früchte und somit auch die darin befindlichen Kaffeebohnen auf natürliche Weise fermentiert, was dem Kaffee ein besonderes Aroma verleihen soll.

Die aus den Exkrementen der Tiere entnommenen und weiter verarbeiteten Kaffeebohnen werden unter dem Label Kopi Luwak weltweit zu hohen Preisen vermarktet. Viele Käufer wissen jedoch nicht, dass sich hinter einigen der Betriebe eine Maschinerie aus in Käfigen gehaltenen Civets befindet, die mit den Kaffeekirschen regelrecht zwangsgefüttert werden. Genau das war der Grund für mich, diesen Kaffee niemals zu probieren. Bis zu diesem Donnerstag.

Die natürliche Art und Weise wie Bali Beans ihre Luwak-Kaffeebohnen gewinnt, hat mich etwas besänftigt. Die besonderen Bohnen gibt es nämlich nur während der Erntezeit und nur, wenn genügend reife Früchte von den frei umher laufenden Civets gefressen wurden und nur, wenn genügend Exkremente mit den ‚kostbaren’ Bohnen durch Adi und seine Familie aufgesammelt, weiterverarbeitet und geröstet wurden. Nicht ohne Grund heißt es, dass traditionsgemäß Kopi Luwak als Hochzeitsgeschenk verschenkt wurde.

Was kann ich zum Geschmack meines ersten Kopi Luwak sagen? Er war sehr mild und gut ausbalanciert, aber keineswegs so speziell, wie beworben. Dafür ziehe ich doch lieber einen fruchtigen Äthiopier oder Kenianer mit mehr Charakter vor.

Ein Blick auf die Uhr – es war inzwischen später Nachmittag – und viele Kaffeemomente voller Fachsimpelei später, schwangen Nick und ich uns wieder auf seinen Roller und begaben uns auf den Weg Richtung Ubud. Nicht jedoch, ohne von einem Trauerzug kurz vor unserem Ziel aufgehalten zu werden, dem, angeführt vom in weißes Tuch gehüllten Sarg, das halbe Dorf zu folgen schien.

Sonnenaufgang

Über zwölf Stunden später und um viele unvergessliche Erinnerungen, Eindrücke und Erfahrungen reicher, erreichten wir schließlich den Treffpunkt an dem wir uns am Morgen noch vor Sonnenaufgang verabredet hatten. Inzwischen war es schon wieder dunkel geworden.

Sonnenaufgang in Bali

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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