Bonavita Wasserkocher im Test

Bonavita Wasserkocher im Test Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 17. November 2017 von 0

Wie ich schon im Artikel zum Test des Hario Buono Wasserkochers festgehalten habe, sind inzwischen genug andere Unternehmen auf den Hype-Zug aufgesprungen und orientieren sich ganz klar am erfolgreichen, minimalistischen Design der Japaner.

Und weil ich unbedingt wissen wollte, ob die Konkurrenz nun schläft oder nicht, habe ich den Bonavita BV382510V in meinen Wasserkocher Test 2018 aufgenommen. Und selten war ich mir so uneins, was ich am Ende nun davon halten soll.

Der Wasserkocher und die Verpackung

Denn dieser Wasserkocher kann definitiv um einiges mehr als sein Vorbild, es macht richtig Spaß, ihn zu benutzen und die Temperaturen sind auch ziemlich genau. Er ist aber ebenso lahmarschig wie sein Hario-Kollege und hat ebenfalls ein paar Macken.

Dennoch war ich sofort begeistert. Und habe erst hinterher nochmal aufs Preisschild bei Amazon geguckt. Was mich bei einem aktuellen Preis von 0.00 € wirklich ins Grübeln gebracht hat.

Der Preis ist happig

Sollte man oder sollte man nicht fast 100 Scheinchen für einen ausgesprochenen Hipster- und Hype-Wasserkocher auf den Tisch packen? Ich muss euch gestehen, eine richtige Antwort habe ich immer noch nicht. Vielleicht habt ihr sie nach dem Lesen des Testberichts!

Datenblatt

EINTRAGWERT
ModellnameBonavita BV382510V kabelloser Wasserkocher
HauptmaterialEdelstahl
Füllmenge max.1,0 Liter
Nennleistung1.000 Watt
Tatsächliche Leistung*930 Watt
Kochzeit pro Liter*3.50 Minuten
Stromverbrauch*0,057 kWh
Wassertemperatur direkt nach dem Kochen*99,4 Grad
Wassertemperatur nach 1 Minute Standzeit*94,7 Grad
KalkfilterX
360 Grad-Sockel
Einhand-BedienungX
ExtrasSchwanenhalsausguss,
Temperatureinstellung, Warmhaltefunktion,
„Ausguss-Timer“,
„Profi-Sockelabdeckung“

Preis (Preis zum Kaufzeitpunkt)0.00 € (94,99 Euro)

* laut Testergebnis

So habe ich getestet

Da ich mich des Hario-Eindrucks beim Bonavita BV382510V einfach nicht erwehren kann, habe ich den Wasserkocher dieses Mal ebenfalls mit einer Füllmenge von 0,5 Liter getestet, obwohl der Bonavita insgesamt 1 Liter hinkriegt.

Alle anderen Grundbedingungen sind gleich geblieben und ihr erfahrt im Übersichtsartikel Wasserkocher Test 2017. mehr dazu, warum ich mir diese Mühe überhaupt mache:

  • Ausgangstemperatur Wasser von rund 19 Grad Celsius
  • Ich messe Stromverbrauch und Kochdauer
  • Unterschied zwischen Nennleistung und tatsächlicher Leistung (an meiner Steckdose)
  • Wassertemperatur direkt nach dem Kochen
  • Wassertemperatur nach 1 Minute Standzeit bei offenem Deckel

Da dieser Schwanenhals-Schnuckel zudem über eine Temperatureinstellung verfügt, habe ich (wie bei allen Geräten dieser Kategorie im Test) auch noch einmal nachgemessen, was der Bonavita bei einer Nenntemperatur von 70 Grad Celsius wirklich abliefert.

Der erste Eindruck

Dass die Produktdesigner beim Bonavita BV382510V vor allem darauf Wert gelegt zu haben scheinen, dass der Kocher selbst die Hario-Freunde anspricht, zeigt sich am Sockel: Der ist für das Gerät unheimlich riesig, besteht aus Kunststoff und ist hässlich wie die Nacht.

Stylisch kann man den Sockel sicher nicht nennen

Man könnte argumentieren, dass hier schließlich auch die ganze Technik für die stufenlose (!) Temperatureinstellung sowie die Warmhaltefunktion untergebracht werden muss, aber schöner wird’s dadurch auch nicht.

Die Kanne selbst ist jedoch ein schlankes Träumchen aus Edelstahl, auch wenn sie ein bisschen so wirkt, als würde eine Mutter auf Teufel komm raus so hip wie die Tochter sein wollen. Der Look ist ein bisschen spießig und hat so gar nichts von der Hario-Coolness. Oder irre ich mich?

Die Kanne ist sehr schick

Das Kännchen ist jedenfalls sehr leicht und liegt ausnehmend angenehm in der Hand. Was mich aber schon auf den ersten Blicken vom Bonavita BV382510V wirklich überzeugt hat, sind die vielen kleinen Details, auf die man erst einmal kommen muss:

  • Am Griff aus Kunststoff ist ein kleiner Haken, in den euer Zeigefinger perfekt reinpasst. Damit führt ihr den Ausguss noch genauer und eleganter und die Kanne liegt ultrasicher in der Hand.
  • Der Sockel ist mit einer zusätzlichen Kunststoffhaube abgedeckt, die vor allem im gewerblichen Gebrauch eine echte Hilfe sein kann. Aber auch zuhause verhindert ihr hier Fettspritzer und sonstigen Kram, der sich zu einem schönen Schmierfilm auf technischen Geräten auswachsen kann.
  • Der Deckel bzw. die Deckelspannung lässt sich anpassen. So könnt ihr den ansonsten etwas festsitzenden Deckel ein wenig komfortabler machen. Nice.

Auch bei der Funktionalität lässt sich der Bonavita BV382510V nicht lumpen und bietet Ideen, bei denen so mancher Kaffee- und Teefreund vermutlich feuchte Augen kriegt:

  • Stufenlose Temperatureinstellung (also in Einerschritten) zwischen 60 und 100 Grad. Außerdem gibt es voreingestellte Temperaturen für bestimmte Tee- und Kaffeesorten.
  • Er merkt sich die letzte Einstellung
  • Er hat einen Ausgießtimer. Ja wirklich! Im Grunde ist das eine Stoppuhr am Sockel, mit der ihr zum Beispiel beim Handfiltern genau auf die Ziehzeit achten könnt. Auf diese Funktion stehe ich besonders, auch wenn mir die Zeiten inzwischen in Fleisch und Blut übergangen sind.
  • Er hält das Wasser auf Temperatur, wenn ihr wollt.

Bis hierhin wäre ich sofort bereit „Shut up and take my money!“ zu rufen. Nur kommt dann wieder der Tester in mir durch, der auch dieses Gerät zunächst einmal als Wasserkocher im Vergleich mit den Konkurrenten aus meiner Testauswahl bewerten muss. Und da wird es etwas kniffliger, wie die Pro- und Contraliste verrät:

  • ansprechender Look
  • Extrem guter Ausgießer
  • 360 Grad-Sockel
  • Viel Edelstahl
  • Viele Einstellungen
  • Hervorragende Design- und Funktionsideen
  • recht kleine Kochmenge
  • Keine Einhandbedienung
  • Keine kleinteilige Füllstandsanzeige
  • Kein Kalkfilter
  • Etwas wacklig auf dem Sockel
  • Hoher Preis

Der Bonavita BV382510V ist also zwar wesentlich funktionsstärker als der Hario Buono Wasserkocher, aber eben auch wesentlich unpraktischer als die Sieger-Kollegen namens Bosch Styline und Co. Und ordentlich mehr Geld kostet er auch.

Der Bosch TWK8613P Wasserkocher Styline

Der beste Wasserkocher im Test.

Aber diese tollen Einfälle! Und der kann so viel! Und Ausgießen fetzt auch! Menno! Shut also doch ab und take my money? Die Leistung bringt uns bei der Entscheidung nicht wirklich weiter…

Der Bonavita BV382510V Wasserkocher im Einsatz

Ich habe dem Bonavita BV382510V ehrlicherweise in Sachen Leistung durchaus mehr zugetraut als dem Hario. Einfach aus Sympathie für die guten Einfälle. Aber eigentlich nehmen sich die beiden Produkte fast nichts. Hier die Werte für den Bonavita bei einer Füllmenge von 0,5 Litern:

  • Die Nennleistung von 1.000 Watt wird mit sehr ordentlichen 930 Watt an meiner Steckdose praktisch erfüllt.
  • Die Kochzeit betrug allerdings ganze 3.50 Minuten
  • Der Verbrauch lag dabei bei 0,057 kWh
  • Die Temperatur direkt nach dem Kochen lag bei super 99,4 Grad Celsius
  • Nach einer Minute Standzeit mit offenem Deckel waren es 94,7 Grad Celsius
  • Die Nenntemperatur von 70 Grad Celsius wurde mit 71,6 Grad Celsius geradezu vorbildlich erfüllt.

Zum Vergleich noch einmal kurz die Hario-Werte:

  • Nennleistung zwischen 900 und 1.000 Watt. Tatsächliche Leistung bei 940 Watt.
  • Die Kochzeit betrug 3.29 Minuten
  • Verbrauch bei 0,054 kWh
  • Die Temperatur direkt nach dem Kochen: 99,1 Grad Celsius
  • Nach einer Minute Standzeit mit offenem Deckel: 94,1 Grad Celsius

Bonavita oder Hario

Was lernen wir daraus? Der Bonavita ist eine unheimlich lahme Gurke. Und das, obwohl die Temperaturanzeige, die mitläuft, am Anfang richtig Gas gibt. Etwa ab 50 Grad schleppt sich die Sache ewig dahin. Die Temperatur startet übrigens nicht bei 100, sondern bei 85 Grad. Aber das Einstellen funktioniert problemlos.

Die mitlaufende Temperaturanzeige

Geräusche oder Gerüche gibt es hier absolut keine. Nicht einmal kurz vor 100 Grad lässt sich der Kocher zum Brüllen und Brodeln hinreißen. Das konnte so nur noch der Severin Reisewasserkocher. Und auch die Temperaturtreue ist beim Bonavita BV382510V vorbildlich groß, was für Wasserkocher bei Weitem nicht selbstverständlich ist.

Natürlich wird das Edelstahlding extrem heiß und der Kocher hat in einer Familie mit Kindern deswegen also kaum etwas verloren. Aber habe ich schon erwähnt, wie verknallt ich in das Ausgießen bin?

Das Außgießen hats mir wirklich angetan

Übrigens: Auch wenn es so aussieht, als würde sich der Kocher nicht selbst abschalten – er tut es. Oder auch nicht. Kurz vor dem Erreichen der Wunschtemperatur fängt das Ding an zu klicken. Und klickt ne Weile vor sich hin …. und klickt und klickt. Bei 100 Grad hat er einfach weiter Strom gezogen und geheizt. Bei 70 hat er ordentlich abgeschaltet. Darf ein Wasserkocher sowas? Eigentlich nicht!

Bei 70 Grad ging der Kocher aus

Wiederum gibt es ein ausgewogenes Für und Wider bei den Kochereigenschaften, die uns immer noch nicht dabei helfen, eine gute Entscheidung zu treffen:

  • Nennleistung entspricht tatsächlicher Leistung
  • Selbstabschaltung (????)
  • Keine Geruchsentwicklung
  • Deckel problemlos zu öffnen
  • sehr hohe Temperaturtreue
  • viel zu lange Kochzeit für wenig Wasser
  • wird sehr heiß
  • relativ hoher Verbrauch

Die Reinigung

Deckel ab, Tuch rein, fertig ist der Lack. Der Bonavita BV382510V lässt sich hervorragend reinigen. Allerdings gibt es bereits nach der ersten Nutzung deutliche Kalkrückstände auf dem Boden, was ein wenig gegen die Qualität der Edelstahllegierung spricht.

Mein Fazit: Was kann der Bonavita BV382510V Wasserkocher?

Achtung, jetzt wird’s diplomatisch und salomonisch. Wenn es euch auf einen Wasserkocher ankommt, der euch den Zwischenschritt vom Kocher in die Schwanenhalskanne in den Kaffee- oder Teebereiter spart, dann ist der Bonavita BV382510V genauso gut (oder schlecht) wie der Hario Buono.

Wenn es euch auf ganz viele tolle Funktionen rund um die verschiedenen Zubereitungsmethoden ankommt, dann ist der Bonavita BV382510V eine echte, wahre und durchdachte Freude und schlägt den Hario um Längen.

Tee und Kaffee lassen sich perfekt kochen

Wenn es euch aber auf einen guten WasserKOCHER ankommt, dann wird das nix mit dem Bonavita BV382510V. Der Lahmarsch dürfte jeden verrückt machen, der einfach, schnell und günstig Wasser aufkochen will. Und das sind sicher viele von euch. Hier könnt ihr den Wasserkocher auf www.amazon.de kaufen.

Auch in Sachen Preis/Leistung ist der Bonavita BV382510V eher so mmmpf. Für eine Schwanenhalskanne ist er definitiv zu teuer, für einen Wasserkocher mit Temperatureinstellung im direkten Vergleich mit den Könnern dieser Kategorie auch.

Und dennoch: Ich sage keineswegs Nein, weil die Funktionalität einfach klasse ist und hier Produktentwickler am Werk waren, die offensichtlich selbst gern Kaffee und Tee trinken. Was meint ihr? Vernunft oder Verliebtheit? Welchem Gefühl sollte man bei diesem Wasserkocher folgen? Habt ihr den Bonavita BV382510V und könnt uns weiterhelfen? Kommentare, marsch!

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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