Braun J700 Multiquick 7 Entsafter im Test

Braun J700 Multiquick 7 Entsafter im Test Ergebnis
Veröffentlichungsdatum: 17. August 2018 von 0

In meinem Tester-Alltag gibt es manchmal Geräte, die an sich vielleicht tip top sind, mir aber schon im Vorfeld mit Kleinigkeiten unfassbar auf die Nerven gehen – und damit vielleicht auch das Endergebnis manchmal einen Hauch beeinflussen.

Das war auch beim Braun J700 Multiquick 7 Entsafter der Fall. Der war über und über – auf der Verpackung, auf Pappschildern am Gerät usw. – mit dem „Made in Germany“-Zeichen und dem dazugehörigen Qualitätsversprechen zugepflastert. Und sah damit aus wie eine Fanmeile vor dem Vorrundenaus (den konnte ich mir nicht verkneifen!).

Dagegen ist zwar prinzipiell nichts einzuwenden, aber Braun gehört seit 2005 zu Procter & Gamble, liefert zwar sehr brauchbare, aber nicht zwangsläufig Spitzenqualität und ist außerdem eher im Rasierer-Bereich bekannt.

Darum werde ich etwas fuchsig, wenn das schlagende Verkaufsargument die Herkunft sein soll, die sich vor allem in einem ziemlich dicken Preisschild äußert. Zwar liefert der Braun J700 Multiquick 7 Entsafter diese Qualität zu großen Teilen auch ab und zaubert sehr aromatischen Saft.

Aber er hat so manche Macke, bei der ich mich im Test gefragt habe, ob das so stimmen kann. Ich bin zwar kein Ingenieur, aber ich habe das Gefühl, dass mit der Reibe irgendwas nicht stimmt. Worum es geht, erfahrt ihr im Test.Braun_entsafter-j700

Erster Eindruck und Lieferumfang zum Braun J700 Multiquick 7 Entsafter


Braun_entsafter-j700_verpackung

Ähnlich wie der Philips HR1921/20 Entsafter kommt auch das Braun-Modell in einem riesigen Karton bei euch an. Und es wird euch auch praktisch komplett zusammengebaut geliefert. Anders als bei Philips erhaltet ihr hier aber keine runden Entsafter nach dem Stapel-Prinzip, sondern ein Modell, das eher an einen Kaffeevollautomaten oder eine Kaffeemaschine erinnert.

Das bedeutet, dass sich der Tresterbehälter hier am Hinterteil des Geräts befindet und das Ganze dann recht schlank und kompakt wirkt.

Auch die Optik mit viel Edelstahl ist hier durchaus gelungen, zumal das recht enorme Gewicht darauf hindeutet, dass die metallenen Oberflächen nicht nur so aussehen, sondern auch daraus bestehen. An Standkraft oder Vertrauenswürdigkeit mangelt es dem Maschinchen jedenfalls nicht.

Der Saft-Auffangbehälter erinnert in seiner abgeflachten Form ebenfalls eher an eine Kaffeekanne. Das eröffnet schon im Vorfeld ein Problem: Denn Kanne und Auslauf mit Tropfstopp passen zwar hervorragend zusammen, aber der Auslauf sitzt so niedrig, dass andere Messbecher o.ä. darunter keinen Platz haben.

Zudem frage ich mich, wer bei den Ingenieuren auf die Idee gekommen ist, die eigentlich zusammengebaute Maschine in ihren Bestandteilen noch einmal mit extra Plastik zu umhüllen. Sind wir Deutschen nicht Vorreiter in Sachen Müllvermeidung? (Sind wir nicht, England und auch Indien sind da schon viel weiter. Aber wir tun ja gerne so.)

Da ihr aber einen Entsafter vor dem ersten Betrieb sowieso auseinandernehmen und gründlich abspülen sollt, ist das Auspacken an sich weniger nervig als der Müll, der am Ende auf der Arbeitsplatte liegt.

Das zweite Ärgernis folgte auf dem Fuße, nachdem ich die Maschine in mein Strommessgerät gesteckt habe. Es werden konstant 0,9 Watt abgerufen. Und es gibt wirklich absolut keinen Grund dafür! Denn hier gibt es weder Anzeigen noch Leuchtioden noch sonstwas!

Davon abgesehen wirkt das Ding dennoch ausnehmend hochwertig und soll mit zwei Geschwindigkeitsstufen und einer Motorleistung von 1000 Watt ordentlich was abliefern können. Auch beim Zubehör zeigt sich, dass sich Braun zumindest teilweise mit seinem Qualitätsversprechen beweisen will.Braun_entsafter-j700__reinigungsbuerste

Denn dieses Mal ist eine Reinigungsbürste an Bord, die zwei Seiten besitzt – einmal schmal und borstig, einmal breitflächig und borstig. Wer ein Schelm ist, könnt jetzt sagen, dass ein solches Profi-Gerät nur deswegen dabei ist, weil es auch nötig wird.

Ich bin ein Schelm. Und ich hatte Recht. Aber dazu nachher mehr.

Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang der Preis: Der ändert sich nämlich gefühlt alle paar Tage. Wir haben rund 120 Euro bezahlt, zwischenzeitlich gab es das Modell für 79 Euro, dazwischen für 75 und wieder für 120 Euro.

Die Erkenntnisse zum ersten Eindruck im Überblick:

  • Kompakt und sehr hochwertig
  • Sehr niedriger Auslass
  • Viel zu viel unnötige Verpackung
  • Gute Saft-Voraussetzungen
  • Profi-Reinigungsbürste
  • Gut zusammenzubauen
  • Zieht beständig Strom
  • Gelungene Optik

 

EINTRAGWERT
GerätenameBraun J700 Multiquick 7 Entsafter
GerätetypZentrifuge
Nennleistung in Watt1000
Abgerufene Leistung in Watt152
Auch für ganze Früchte?*
Durchmesser Einfüllschacht in mm75
Anzahl Geschwindigkeitsstufen2 (keine Angabe RPM**)
Größe Tresterbehälter in Liter1
Größe Saftauffangbehälter in Liter1,25
Maximale Saftmenge pro Durchlaufk.A.
Tropfstopp
ZubehörReinigungspinsel mit zwei Seiten
Saftausbeute***303 /180
SaftkonsistenzDünn-aromatisch
Angegebene Lautstärkek.A.
Tatsächliche Lautstärke in Dezibel52 bis 60
Spülmaschinenfest
Gewicht in kg4,54
Maße in cm30,5 x 40,6 x 35,6
Preis (Preis zum Kaufzeitpunkt)143.81 € (122,14 Euro)

* geeignet laut Herstellerangabe

**RPM –revolutions per minute; Umdrehungen pro Minute

*** Einwaage Zutaten in g zu Saft in ml

Vorbereitung und Inbetriebnahme beim Braun J700 Multiquick 7 Entsafter

Zwar ist der Einfüllschacht mit 75 mm Durchmesser genauso breit wie etwa beim Philips HR1855/00 Entsafter, den ich in der gleichen Runde mit der gleichen Rutsche an Früchten getestet habe. Aber die Testäpfel haben dieses Mal dennoch nicht im Ganzen hinein gepasst.

Das liegt aber eindeutig an den Früchten und ändert nichts an der Aufnahmebereitschaft der Maschine, in die ihr normalerweise praktisch jede Kernfrucht vollständig einfüllen könnt. Offensichtlich ist jedoch, dass der Schacht hier wesentlich kürzer als bei Philips ist.Braun_entsafter-j700 entsaften

Das stört zwar solange nicht, wie ihr den Stopfer benutzt und die Früchte mit ein wenig Sicherheitsabstand in den Entsafter werft – aber Angst um meine Finger hatte ich dennoch ein wenig.

Vergessen dürft ihr außerdem nicht, alle Teile vorher zu putzen – hier besonders, weil ja noch eine Extra-Ladung Plastik drumherum war. Und ihr solltet sich den Motor im Leerlauf ein wenig eingrooven lassen.

Bei diesem Schritt fiel mir sofort auf, wie leise der Braun J700 Multiquick 7 Entsafter ist. Ich hatte es nur mit einem Säuseln zu tun – zumindest im Vergleich zu den restlichen Geräten, die ich bisher am Wickel hatte. Außerdem verbreitete sich sofort ein definitiver „Neugerätegeruch“, der sich jedoch schnell erledigt hatte.Braun_entsafter-j700-sicherheitsbügel

Zur Vorbereitung gehört außerdem immer, dass ihr den Sitz des Sicherheitsverschlusses noch einmal checkt. Der ist bei Braun analog zum Philips-Modell der Einsteigerklasse mit zwei Klickmechanischem schnell in Position gebracht.

Die Erkenntnisse zur Vorbereitung und Inbetriebnahme im Überblick:

  • Einfüll-Öffnung etwas zu kurz
  • Bei entsprechender Fruchtgröße müsst ihr die Zutaten nicht durchschneiden
  • Keine besonderen Vorarbeiten nötig (außer Abspülen und einmal Leerlauf)
  • Schneller Sicherheitscheck auf einen Blick möglich

Der Braun J700 Multiquick 7 Entsafter im Einsatz

Der flüsterleise Eindruck hat mich im Einsatz zunächst am meisten interessiert, weshalb ich auch als erstes meinen Lautstärkemesser gezückt habe. Und ja, es stimmt: Rund zehn bis 20 Dezibel weniger im Vergleich zu allen davor getesteten Geräten ist schon eine echte Hausnummer.

Auch, als härtere Früchte auf die Reibe trafen, erhöhte sich der Pegel nicht wesentlich. Er erhielt nur eine sehr sanfte Kreissägen-Note, die aber im Ohr nicht weh tat. Ansonsten sahen die technischen Ergebnisse beim Braun J700 Multiquick 7 Entsafter so aus:

EintragLautstärke Leerlauf in dBLautstärke
Entsaften
In dB
Abgerufene Leistung in WattEinwaage Zutaten
In g
Saftausbeute
In ml
Wert5257 bis 60152303180

In Sachen Saftausbeute nahmen sich die beiden direkt hintereinander getesteten Geräte von Philips (HR 1855) und der Braun-Kandidat absolut nichts. Allerdings habe ich mich ziemlich schnell gefragt, ob die Reibe bei Braun falschrum eingebaut oder stumpf ist.Braun_entsafter-j700 saft

Denn hier musste ich auffällig häufig und mit Kraft zum Stopfer greifen. Ein halbierter Apfel, der zufällig flach auf die Reibe traf, hat sogar solange den Verkehr aufgehalten, bis ich fast mit Gewalt nachgestopft habe.

Bei den Philips-Modellen sitzt die Reibe als Kegel auf ihrer Halterung, in der Braun-Maschine wie ein Becher. Das war zwar auch beim Aicok Entsafter Wide-Mouth der Fall, der sehr ähnlich aufgebaut ist. Aber hier musste ich nie so heftig stopfen. Was stimmt da also nicht bei Braun?

Weil sich Braun und der Philips-Einsteiger in der Saftausbeute so ähnlich sind, habe ich mich auch nicht gewundert, dass der Trester hier ebenfalls noch sehr feucht war und auf Fingerdruck viel Saft abgegeben hat.Braun_entsafter-j700_trester

Aber wenigstens konnte ich mich hier auf den Tropfstopp verlassen und fand auch das Schaum-Aufkommen in der Kanne mehr als in Ordnung.

Die Geschwindigkeit würde ich schon deswegen als langsamer einschätzen, weil sich der Braun J700 Multiquick 7 Entsafter mit den Zutaten so affig hat. Die kamen übrigens, wie schon vermutet, gerne mal wieder aus dem Einfüllschacht rausgesprungen, wenn sie nicht gerade den Schacht blockiert haben. Menno.

Die Erkenntnisse zum Einsatz im Überblick:

  • Sehr leise
  • Gute Saftausbeute
  • Etwas unbequemes Nachlegen von Zutaten
  • Reibe scheint nicht richtig zu greifen
  • Laufruhig und sicher

Das Ergebnis im Glas

Braun_entsafter-j700 saftausbeute

In einer Sache hat das Braun-Modell dann doch noch ohne Abstriche überzeugt: Das Saftaroma ist hier wesentlich prägnanter und ausgefeilter als beim Philips HR1855/00 ausgefallen. Sogar die Minze hatte hier einen kleinen Auftritt. Außerdem hat sich die Temperatur der kühlschrank-kalten Zutaten auch nicht wesentlich erhöht.

Das ist für eine Zentrifuge schon einmal ein riesiger Vorteil, auch wenn ich mir persönlich ein bisschen mehr Festanteil in meinem Saft wünschen würde.Braun_entsafter-j700 safttester arne

Und vor allem wäre auch theoretisch mehr Saft pro Frucht drin, wenn ich mir den Trester so angucke. Der wies in meinen Augen sogar noch mehr Feuchtigkeit als der Philips auf. Geschmeckt hat er aber trotzdem.

Die Erkenntnisse zum Ergebnis im Überblick:

  • Sehr aromatischer Saft mit (etwas zu) dünner Konsistenz
  • Maschine erhöht die Temperatur des Saftes nicht
  • Für Kräuter nur sehr bedingt geeignet
  • Trester mit relativ hoher Restfeuchte

Die Reinigung

Braun_entsafter-j700 reinigung

Um an den Trester zu gelangen, musste ich nicht lange suchen. Denn der Fruchtmatsch klebte wirklich in der ganzen Maschine. Nur nicht im Tresterbehälter.

Ihr ahnt es schon: Die Reinigung war ein Traum. Nicht.

Ich habe mir nicht nur an den einzelnen Bestandteilen einen Wolf geputzt, ohne die Superduper-Reinigungsbürste war auch kein Vorsäubern möglich. Gerade am Sieb bin ich fast verzweifelt. Und das, obwohl ich dieses Mal keine stärkehaltige Aprikose entsaftet habe (siehe Testbericht Philips Philips HR1855/00).

Der Trester haftete wie Ast an den kleinen Siebporen und klebte zusätzlich in all den Ecken und Rillen, die den Braun J700 Multiquick 7 Entsafter so „besonders“ machen. Zwar könnt ihr den ganzen Bumms auch in die Spülmaschine stellen, doch würde ich hier zunächst immer zur Handarbeit raten, gerade weil der Trester so feucht und klebefreudig ist. Sonst habt ihr nur doppelte Arbeit.

Man mag es Ironie nennen, dass auch ausgerechnet der fast leere Tresterbehälter sich so gar nicht von seinen Fruchtresten trennen wollte. Auch hier ist das Ding zu dämlich aufgebaut, um es wirklich gut und auf Anhieb zu säubern.

Einziger Lichtblick: Sieht man mal von der Putzdauer ab, ist die Profi-Reinigungsbürste wenigstens sehr brauchbar.

Die Erkenntnisse zur Reinigung im Überblick:

  • Alle beweglichen Bestandteile dürfen in die Spülmaschine
  • Sehr umständliche Reinigung, insbesondere am Sieb
  • Reinigungsbürste sehr brauchbar

Fazit zum Braun J700 Multiquick 7 Entsafter

Liebe Braun-Mannschaft, bitte achtet weniger auf Marketing und mehr auf Details! Denn der Braun J700 Multiquick 7 Entsafter könnte ein ausnehmend hochwertiges Gerät sein, wenn er sich nur nicht so umständlich reinigen ließe, eine bessere Auslaufhöhe hätte und sich bei den Zutaten nicht so unnötig zieren würde.

Denn das Saftaroma überzeugt, die Temperatur stimmt und das Ganze ist eine Augenweide in der Küche, der man bei der Verarbeitungsqualität gern vertrauen möchte. Eines der schlagendsten Argumente ist die auffällig geringe Lautstärke, für die es einen Testsieg als bester leiser Entsafter gibt.

Das müssen wir aber immer im Spiegel des jeweils gültigen Preises bewerten und dürfen dabei auch die ganzen kleinen Nachteile nicht vergessen, die sich am Ende zu einem großen „Es gibt bessere Geräte!“-Urteil summieren.

Wollt ihr widersprechen oder habt noch weitere Fragen zum Gerät? Dann schreibt doch gerne einen Kommentar!

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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