Der Camry CR 1242 Wasserkocher im Test

Der Camry CR 1242 Wasserkocher im Test Ergebnis

Letztes Update: 04.02.2017: Wer einen Wasserkocher Test veranstaltet, muss sich natürlich auch den Geräten mit Temperatureinstellung widmen. Schließlich können sie uns theoretisch alle Sorgen um die perfekte Wassertemperatur zu unseren verschiedenen Zubereitungsmethoden nehmen.

Theoretisch. Zwar tritt in dieser Kategorie der Testsieger Bosch Styline den Beweis an, dass diese Zusatzfunktion durchaus toll ist. Aber in diesem Testbericht geht es um den Camry CR 1242.

Konnte nicht überzeugen!
Der Camry CR 1242 Wasserkocher

Kauft in dieser Kategorie lieber den Bosch Styline.

Camry wer? Ganz genau. Abgesehen davon, dass keiner je von dieser Marke gehört hat (oder irre ich mich?), ist dieser Wasserkocher mit Temperatureinstellung vollkommener Blödsinn. Das hat noch nicht einmal was mit den technischen Werten zu tun. Sondern mit dem ganzen Drumherum.

So habe ich getestet

Bei meinem Wasserkocher Test musste ich diesmal etwas genauer hinschauen und mit einem Küchenthermometer von Habor sowie einem Arendo Stromzählergerät ans Werk gehen: Beim Wasserkocher kommt es schließlich weniger auf das Ergebnis, als auf die Technik an.

Wie für alle anderen Wasserkocher im Test galten für den Camry folgende Grundbedingungen:

  • Die Ausgangstemperatur des Wassers lag bei rund 19 Grad Celsius.
  • Jeder Wasserkocher wurde mit genau einem Liter befüllt.
  • Die Kochzeit habe ich mit der Stoppuhr festgehalten.
  • Leistung und Stromverbrauch habe ich mit dem Stromzähler gemessen.
  • Außerdem habe ich die Wassertemperatur direkt nach dem Kochen und nach einer Minute Standzeit mit offenem Deckel überprüft.

Bei den Wasserkochern mit Temperatureinstellung habe ich zusätzlich geguckt, ob eine voreingestellte Temperatur auch wirklich erreicht wird. Die einzig sinnvolle Schnittmenge bei den drei Testgeräten waren 70 Grad.

Ich weiß zwar nicht, was irgendjemand mit 70 Grad heißem Wasser veranstalten will, weil für Handfilter oder French Press Temperaturen von etwa 94 Grad nötig sind und auch Tee wenigstens 80 Grad braucht.

Aber darin liegt schon eine Crux der Wasserkocher mit Temperatureinstellung: So ganz erklärt sich die Funktion nicht. Der Camry CR 1242 treibt diese Unerklärbarkeit noch auf die Spitze.

Der erste Eindruck

Vielleicht sollten wir erst einmal klären, wer oder was Camry ist. Der Packungsaufdruck spricht von Schweizer Qualität, aber die Internetseite verrät, dass es sich um eine Firma mit Sitz in Warschau handelt, zu deren Markenportfolio Adler gehört, deren Wasserkocher mich durchaus überzeugt hat.

Camry mit Verpackung

Dieses Durcheinander dürfte erklären, warum ich bei der Bestellung des markenlosen Glaswasserkocher exklusive von Platz 4 der Amazon Bestsellerliste für Wasserkocher den ADLER AD 1225 erhalten habe. Der markenlose Kollege wird auf der Camry-Seite als Camry CR 1239 identifiziert – ist aber baugleich mit dem Adler. Hä?

Auch der hier getestete Wasserkocher mit Temperatureinstellung wird bei Amazon über mehrere Ecken verkauft und lässt sich nur durch das Bild als Camry identifizieren.

Beim Auspacken macht er jedoch einen ganz guten Eindruck. Der Sockel ist breit und recht stabil, darauf befinden sich eine Digitalanzeige und Einstellknöpfe für die Temperatur und den Betrieb.

Sockel

Der Kocher selbst besteht aus einem Edelstahlboden, einem Glaskorpus und einer Kunststoffeinfassung inklusive Plastikgriff. Das Gewicht ist sehr angenehm, auch gegen den Ausgießer mit Kalkfilter habe ich (außer, dass er aus Plastik ist) erst einmal nichts.

Glas Wasserkocher

Der Kocher lässt sich durch den Knopf am Griff mit einer Hand öffnen. Der Deckel springt allerdings recht heftig – doch das tun andere auch.

Lässt sich gut öffenen

Bis hierhin gibt es also kaum einen Unterschied zu den anderen Kochern – außer, dass dieser Kocher mehr Funktionen mitbringt.

Doch als ich genauer hingeschaut habe, zeigte der Camry CR 1242 bereits erste Macken, die zwar nicht schlimm sind, aber nerven:

Die einseitige Füllskala (sorry, Linkshänder!) reicht von 0,6 bis 1,7 Liter. Die Zwischenschritte sind 0,9 – 1,2 – 1,5. Und damit für den üblichen deutschen Haushalt nicht zu gebrauchen. Jetzt mal ehrlich, wer bringt denn bitte für ein Rezept genau 0,9 Liter Wasser zum Kochen?

Skala

In Vorbereitung meines Experiments habe ich außerdem schon einmal den Sockel in die Steckdose gesteckt. Und siehe da, die Anzeige scheint immer (!) an zu sein und der Kocher zieht laut Strommesser permanent Strom. Was für ein Blödsinn.

Der Bosch Styline macht vor, dass das nicht nötig ist, auch wenn er kein Display hat. Welche Temperatur eingestellt wird und ob er läuft, zeigt er mir nur, wenn er wirklich an ist!

Mit rund 50 Euro bei Amazon ist der Camry CR 1242 sicherlich kein Schnäppchen, aber auch nicht der teuerste Vertreter in dieser Kategorie (stand 24.01.2017). Allerdings habe ich ein sehr ähnliches (oder gar identisches?) Ding unter dem Firmennamen First Austria auch noch für 37 Euro plus 5 Euro Versand gefunden (stand 24.01.2017).

Dieser wird auch als BPA Free beworben, was beim Camry nicht der Fall ist. Das bunte Markenkarussel dreht sich also weiter und ich bin fast sicher, dass ihr jedes Mal einen anderen Kochernamen bekommt, obwohl ihr das gleiche Gerät bestellt.

Der Adler Wasserkocher hat zwar gezeigt, dass das nicht unbedingt zulasten der Qualität des Geräts geht, aber ein bisschen mehr Transparenz würde ich mir als Käufer schon wünschen. Doch noch einmal: Hier teste ich nur das Gerät, das ich habe und verkneife mir eine Wertung des Hin und Hers.

Bringen wir kurz auf den Punkt, was ich über dem Camry CR 1242 bisher denke:

  • 360 Grad Sockel.
  • gutes Gewicht.
  • gute Verarbeitung.
  • standstabil.
  • gute, breite Öffnung.
  • gut geformter Ausgießer.
  • wenig Kunststoff.
  • flaches Heizelement.
  • Einhand-Bedienung möglich.
  • Bedienknöpfe scheinen selbsterklärend.
  • Quatsch-Füllskala, einseitig.
  • zieht permanent Strom.
  • recht hoher Preis.

An dieser Stelle sieht es für den Camry also noch gar nicht so schlecht aus, obwohl die Sache mit der permanenten Betriebsbereitschaft erstens sinnlos und zweitens teuer ist.

Der Camry CR 1242 Wasserkocher im Einsatz

Musste ich sonst immer (!) nur die Wasserausgangstemperatur regeln, die Stoppuhr bereitlegen, den Kocher und die Uhr starten und dann abwarten, musste ich beim Camry alles noch einmal machen.

Denn der verwirrte und verwirrende kleine Freund ist nicht etwa auf 100 Grad (was logisch wäre) voreingestellt, sondern kocht von allein nur bis 50. Ich wiederhole mich, aber trotzdem: Hä?

Mit LEDs

Die Temperatur könnt ihr in 5er-Schritten ab 50 Grad einstellen. Und Überraschung: Es geht nicht bis 100, sondern nur bis 95. Das wäre natürlich ideal für alle Kaffeefans. Wenn’s denn stimmen würde. Tut es aber nicht.

Geruchstechnisch hatte ich aber nichts auszusetzen – weder vor, noch beim Kochen.

Ansonsten hat der Camry folgende Werte gezeigt:

  • Einer Nennleistung von 2.600 Watt steht ein tatsächlicher Wert von 1.880 Watt gegenüber.
  • Nach dem Kochen beträgt die Wassertemperatur 99,2 Grad Celsius.
  • Nach einer Minute sind es 95,7 Grad Celsius.
  • Zum Kochen musste der Camry 3.33 Minuten laufen.
  • Dabei hat er 0,113 kWh verbraucht.
  • Zusätzlich habe ich den Kocher vollständig auskühlen lassen und noch einmal 70 Grad eingestellt. Die tatsächliche Temperatur betrug 77,6 Grad Celsius.
  • Die Werte aller getesteten Geräte findet ihr im Vergleich im Ratgeber-Text.

Mit der Kochzeit und dem Stromverbrauch liegt der Camry solide im Mittelfeld. Aber selbst, wenn (wie ich inzwischen gelernt habe) die tatsächliche Leistung nicht unbedingt der Nennleistung entspricht, ist der Unterschied viel zu groß.

Außerdem verstehe ich nicht, warum der Kocher 95 Grad behauptet, wenn die Anzeige beim Kochen doch in Einer-Schritten nach oben geht und damit in der Lage wäre, 99 Grad halbwegs akkurat anzuzeigen?!

Ein Gutes hatte der Camry allerdings: Wie die anderen Wasserkocher aus Glas im Test wurde auch er nur warm, nicht brühend heiß, wie dies bei vielen Wasserkochern aus Edelstahl der Fall ist. Außerdem konnte auch er mit schicker LED-Disko beim Kochen aufwarten.

Gucken wir uns die Katastrophe noch einmal im Überblick an:

  • Selbstabschaltung.
  • gut sichtbare LED Beleuchtung.
  • ordentliche Isolierung.
  • keine Geruchsentwicklung.
  • gutes Ausgießen.
  • Nennleistung entspricht nicht mal ansatzweise der tatsächlichen Leistung.
  • die Leistung ist für den Preis eher mittel.
  • sinnlose Voreinstellung.
  • Anzeige und tatsächliche Temperatur weichen voneinander ab.
  • Wasser wird erheblich heißer, als voreingestellt.

Die Pro- und Contraliste zeigt, dass das wichtigste Verkaufsargument – die voreinstellbare Temperatur – hier überhaupt nicht greift. Und damit hat sich das Ding eigentlich selbst disqualifiziert.

Ein Glaswasserkocher sollte immer nachpoliert werden, damit er schick aussieht. Das ist auch beim Camry CR 1242 kein Problem. Nur der Temperaturfühler am Edelstahlboden ist ein bisschen im Weg, aber gut.

Nach dem ersten Kochen waren keine Kalkflecken auf dem Edelstahlboden zu sehen, nach dem zweiten Durchgang jedoch schon (trotz wischen). Damit ist der Camry aber weder besser, noch schlechter in seiner Edelstahlqualität als der Rest.

Mein Fazit: Was taugt der Camry CR 1242 Wasserkocher?

Es dürfte klar sein, was ich über den Camry CR 1242 denke: Spart euch die 50 Euro und kauft in dieser Kategorie lieber den Bosch Styline für rund zehn Euro mehr.

Der Bosch TWK8613P Wasserkocher Styline

Der beste Wasserkocher im Test.

Oder spart euch einen Wasserkocher mit Temperatureinstellung gleich ganz.

Der Camry ist von hinten bis vorne beknackt durchdacht und macht nichts so, wie er soll. Außer, dass das Wasser am Ende kocht. Aber das können andere Wasserkocher besser und günstiger.

Ausschenken

Außerdem kann man dieses Markengemauschel doch nicht ganz außen vor lassen, auch wenn ich vermute, dass die Adler-Sparte etwas zuverlässiger sein könnte.

Oh Freude: Auch hier hätte ich bei Amazon genau das gleiche Gerät wie den Camry, nur eben von Adler, kaufen können. Und zwar für rund 7 Euro weniger (stand 24.01.2017). Da soll mal einer durchsteigen. Doch Achtung: Sollte es sich um ein baugleiches Gerät handeln, wird der Adler-Kollege vermutlich die gleichen Macken haben.

Habt ihr Erfahrungen mit den First/Camry/Adler-Kochern? Oder allgemein mit einem Wasserkocher mit Temperaturanzeige und Einstellung? Teilt es mir gern in einem Kommentar mit!

1 Kommentar
  • Schwenke, Gerd
    2 März, 2017

    Ich habe Ihren Test gelesen, weil ich nach dem Wasserkocher Camry CR 1242 gegoogelt hatte.
    Ich habe nämlich ein ganz anderes Problem mit diesem Wasserkocher. Am Boden der Glaskanne rostet der Edelstahl. Ich suche nun nach dem Hersteller und finde den auf Anhieb nicht.
    Auf der Unterseite des Unterteils steht: SERIAL NO. 1503, ADLER Sp. z o. o. Ordona St. 2A, 01-237 Warsaw, Poland.
    Ich weiß nicht, bei welchem Händler dieser Kocher gekauft wurde. Er stammt aus einer Haushaltsauflösung aus dem Familienkreis, in 12 /2016.
    Mit freundlichen Grüßen
    Gerd Schwenke

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