Coffee Road Trip Thailand – von der Farm bis in die Tasse

Veröffentlichungsdat um: 23. August 2018 von 0

In welchen Ländern glaubt ihr, ist es möglich, Kaffee zu trinken, der nur wenige hundert Kilometer weiter entfernt geerntet wurde? Brasilien? Kolumbien? Mexiko? Mag sein! Aber auch da bin ich mir gar nicht so sicher. Oft ist es doch so, dass der angebaute Kaffee direkt exportiert wird und nicht für den Eigengebrauch gedacht ist. Viele der Kaffeebauern haben ihren eigenen Kaffee noch nicht mal probiert, wie ich weiß! Besonders wird das vermutlich in den afrikanischen Kaffeeländern der Fall sein.

Entfernt euch gedanklich mal von den bekannten Anbauregionen und dreht den Globus vor eurem imaginären Auge ein wenig in Richtung Osten. Dort liegt Asien, klar! Ja, auch in Asien wird Kaffee angebaut. Und nein, nicht nur in Indonesien, Indien oder Vietnam. Sondern auch in Thailand! Besonders im Norden Thailands in der Region Chiang Mai / Chiang Rai wird Kaffee angebaut und das nicht zu knapp und vor allem für den einheimischen Markt.

Dank meiner globalen Coffee Connections war es mir möglich, einen unglaublich inspirierenden und engagierten Kaffeemenschen kennenzulernen, Fuadi Pitsuwan, von Beanspire Coffee, seines Zeichen Exporteur von Spezialitätenkaffee aus Thailand.

Fuadi, der gerade seine PhD in Oxford macht, hat uns (Resi von The Way to Coffee, Korn, Head Roaster bei Roots BKK, und mich) Mitte Januar mitgenommen auf einen Coffee Road Trip in den Norden Thailands – von der Farm bis in die Tasse. Ein Kurztrip, der viel mehr beinhaltete als die Suche nach Kaffee. Aber lest selbst.

Dienstag, 16. Januar 2018, The Baristro, Chiang Mai, 8 Uhr

Los geht es mit Kaffee an diesem 16. Januar, ganz klar! Unsere Truppe trifft sich bereits 8 Uhr morgens, ein Kaffee ist in jedem Fall eine gute Wahl für den Start unseres Road Trips. Treffpunkt ist im The Baristro, eines der hippen Cafés im Stadtteil Nimman im Westen Chiang Mais, Thailands Kaffeehauptstadt, und nur wenige Gehminuten entfernt von meiner Unterkunft. Nach einigen letzten Absprachen klettern Resi und ich auf die hintere Sitzbank von Fuadis Jeep, dann geht es auch schon los.

Nine One Coffee_innen_Café

Unsere Tour erstreckt sich über knapp 200 Kilometer, die wir aber nicht am Stück zurücklegen. Vielmehr liegen unsere Ziele entlang des Wegs, und von Stop zu Stop erhalten wir einen tieferen Einblick in die Verarbeitung und Aufbereitung als auch die Röstung der in der Region angebauten Kaffees.

Erster Stop: Indoi Coffee Farm, Doi Saket, 9.45 Uhr

Nach nur einer guten Stunde ist die erste Etappe auch schon geschafft. Wir machen Halt bei der Indoi Coffee Farm, ein Familien-Business. Das junge Paar, das die Farm heute unterhält und bewirtschaftet, ist gerade dabei die Kaffees auf den Trockenbetten zu wenden. Ich lerne, Naturals und Honey Processed Kaffees sind nur möglich, wenn auch das Wetter mitspielt, sprich, wenn die Sonne scheint. Sobald es regnet, ist die komplette Charge Natural-aufbereiteter Kaffeebohnen, die zum Trocknen in der Sonne lagen, dahin…

Indoi Coffee Farm_steiler Hang

Nach einem Rundgang über das Aufbereitungsgelände, geht es zunächst ein paar hundert Meter weiter auf die eigentliche Farm. Obwohl, von Farm kann man im Falle der Indoi Coffee Farm eigentlich nicht reden, handelt es sich doch um fast wild wachsende Kaffeebäume an einem, teilweise recht steilen, Hang. Meine Kamera um den Hals gehängt, bahne ich mir gemeinsam mit den anderen also den Weg durch die Sträucher, immer wieder unterbrochen von Fuadis Erläuterungen rund um die hier angebauten Kaffeekirschen.

Zurück auf sicherem Boden, verkosten wir die ersten Kaffees, klassisch per Hand aufgebrüht, ein yeast fermented Kaffee ist auch dabei. Die Indoi Coffee Farm experimentiert mit allerlei Aufbereitungsmethoden, trotz der überschaubaren Aufbereitungsanlagen; da wird schon mal die Einfahrt für das Trocknen der Bohnen genutzt. Und, ich probiere meinen ersten Kaffeeblüten-Honig! Vielmehr, ich trinke ihn, denn ich bekomme den Honig in einer Tasse serviert. Sehr floral und süß, richtig lecker, wie ich finde!

Indoi Coffee Farm_Trocknen in der Auffahrt

Zur Mittagszeit drängt Fuadi zum Aufbruch, haben wir doch noch einige Stationen auf unserem Road Trip vor uns, auch wenn unser nächstes Ziel nur eine gute halbe Stunde entfernt liegt.

Zweiter Stop: Nine One Coffee, Doi Saket, Raststätte und Organic Coffee Farm, 13 Uhr.

Video zu Nine One Coffee

Dieses Ziel kommt genau zur richtigen Zeit, denn Road Tripping und Kaffees verkosten macht hungrig. Nine One Coffee in Doi Saket liegt direkt an der Hauptstraße und ist die perfekte Raststätte für hungrige (Kaffee)Reisende. Ich bin erstaunt über das Ausmaß des Geländes, das ein Café und ein Restaurant sowie üppige Grünanlagen, verschlungene Pfade und kleine Brücken beherbergt. Ich kann mich kaum satt sehen. Ein wahres Kleinod, das sich hinter dem eher unscheinbaren Eingangsbereich verbirgt.

Nine One Coffee_Eingangsbereich

Nine One Coffee kenne ich bereits aus Chiang Mai, ein Café, das für mich als ortsunabhängig Arbeitende optimale Bedingungen bietet. In Doi Saket befindet sich die Farm der Kaffeebauern um Mr. One, den Inhaber von Nine One Coffee. Damit die Bio-Bohnen direkt verarbeitet werden können, gibt es im Dschungel eine wet mill. Für unseren Road Trip ist ein Besuch der Farm nicht vorgesehen, dafür aber ein Mittagessen inmitten der paradiesischen Kulisse. Und natürlich Kaffee.

Dritter Stop: Beanspire Dry Mill, Mae Kha Jan, 14.50 Uhr.

Direkt nach dem Essen geht es auch schon weiter. Hinter einer Tankstelle, die Fuadis Businesspartnerin Jane Kittirattanapaiboon gehört, verbirgt sich eine riesige, fast leere, Lagerhalle mit einer, für mein Empfinden, überdimensionalen Dry Mill, die von Jane ebenfalls unterhalten wird, und ein paar Kaffeesäcken mit den Aufschriften Roots BKK, Beanspire Coffee oder Cafe Imports. Während der Erntezeit ist hier sicherlich Hochbetrieb.

Beim Gang durch die Anlage, die ungefähr auf halbem Weg zwischen Chiang Mai und Chiang Rai liegt, erfahren wir von Fuadi alles über die Anlieferung, die Verarbeitung und den Weiterversand der hier aufbereiteten Kaffeebohnen; Beanspire exportiert in die ganze Welt.

Ganz besonders stolz sind Fuadi und auch Korn, Head-Röster bei Roots BKK, einem DER Specialty Coffee Hot Spots in Bangkok, auf die in der Region Chiang Mai / Chiang Rai angebauten und verarbeiteten Kaffees. Denn beide Seiten haben alle ihre Kräfte in die Weiterentwicklung der Farmen, die Erfahrung der Bauern und die Qualität der hier angebauten Kaffees gesteckt.

Das mittelfristige Ziel ist es, in den Roots Cafés nur noch in Thailand angebaute, verarbeitete und geröstete Kaffees anzubieten. Ich bin mir sicher, es dauert nicht mehr lange, dann wird auch der Rest der (Kaffee)Welt seine Augen auf Thailand richten, nicht zuletzt seit den Coffee Masters während des London Coffee Festivals 2018, bei dem es ein thailändischer Kaffee unter die letzten drei Teilnehmer geschafft hatte und sogar den höchsten Score bei den Signature Drinks erreichte.

Vierter Stop: Kaffee-Aufbereitung in Doi Panghkon, Chiang Rai, 17.20 Uhr.

Die längste und aufregendste Etappe führt uns fernab der Hauptstraße in tiefsten Dschungel und in ein kleines Dorf, das fast ausschließlich vom Kaffeeanbau lebt, Doi Panghkon, Chiang Rai. Unser Jeep passiert mehrere Wasch- und Aufbereitungsstationen für die in der Region angebauten Kaffeebohnen und hält schließlich direkt vor Akha Noi Coffee, Kaffeefarm- und -österei.

Viele der Einheimischen gehören den Akha an, einem Bergvolk, das sich im frühen 20. Jahrhundert von China aus in Richtung Südostasien auf den Weg gemacht hatte und nun große Teile Nord-Thailands bewohnt. Ungefähr 300 Familien verwalten die Kaffeefarmen in Doi Panghkon. Am Abend werde ich sogar Zeuge des Chinesisch-Unterrichts, den die Akha-Kinder nach dem regulären Thai-Unterricht tagsüber von 18 bis 20 Uhr in einer eigens dafür eingerichteten Schule abhalten. Wirklich sehr beeindruckend.

Angekommen im Dorf, müssen wir uns zunächst sputen, um es vor Einbruch der Dunkelheit noch auf die sehr abgelegene Farm zu schaffen, mit der Beanspire zusammenarbeitet. Fuadis Jeep allerdings ist für die Huckelpiste nicht ausgelegt, weshalb wir in einen Vierrad-betriebenen Geländewagen wechseln, der uns zu den Plantagen bringen soll. Allein diese Fahrt ist abenteuerlich genug. Ich lasse es mir nicht nehmen, mir stehend auf der Ladefläche den Fahrtwind um die Nase wehen zu lassen. Wann bekomme ich schon mal wieder diese Gelegenheit, denke ich so bei mir…

Doi Panghkon_Kaffeefarm

Die Aussicht ist atemberaubend! Ich befinde mich auf ca. 1.500 Metern Höhe, Kaffeebäume und Dschungel so weit das Auge reicht. Zwischendrin immer mal wieder ein paar Tupfer Rosarot – Januar ist Hochsaison der Kirschblüte im Norden Thailands.

Allerdings ist es nun doch schon sehr dunkel geworden. Dabei wollten wir doch noch bei der Anlieferung der im Laufe des Tages geernteten Kaffeekirschen dabei sein und uns die Fermentationsanlage anschauen…

Während der Erntezeit werden jeden Abend bis zu 3 Tonnen reife Kaffeekirschen von den Farmern in Säcken angeliefert, die anschließend und noch am selben Tag gewaschen werden, um die Bohnen vom Fruchtfleisch zu befreien. In den Fermentationstanks durchlaufen die Bohnen in den nächsten Stunden dann verschiedene Trocken- und Nassfermentationen bevor sie weiterverarbeitet werden. In einem dieser Fermentatationstanks befinden sich auch die Bohnen für den Wettbewerbskaffee für London, erfahre ich hier. Ein Sonderprojekt, bei dem die Kaffeebohnen mit Ananas fermentiert wurden.

Connect Hostel, Chiang Rai, 22.30 Uhr.

Nach einem ausgiebigen Abendessen in einem traditionellen Thai-Restaurant in Chiang Rai falle ich an diesem Dienstag sehr müde und voller unvergesslicher Eindrücke schon recht früh in mein Hostel-Bett. Denn am nächsten Morgen sind wir im The Roast Chiang Rai, Kaffeerösterei, zum Cupping der Kaffees verabredet, die auf einer der von uns besuchten Farmen gewachsen sind.

Habt Ihr schon mal Kaffee aus Thailand probiert? Wenn ja, in welchem Café oder bei welchem Röster? Und wie hat’s euch geschmeckt?

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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