Der Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher im Test

Der Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher im Test Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 18. Oktober 2017 von 0

Ich habe bereits beim Test des {Russell Hobbs Retro Wasserkocher} angefangen, ein kleines Mea Culpa zu dieser Marke zu singen. Denn der war trotz relativer Style over Substance-Attitüde doch definitiv mit mehr Substanz ausgestattet, als ich dachte.

Und so ähnlich geht es mir nun auch mit dem Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher, den ihr als Wasserkocher mit Temperatureinstellung für fast lächerliche 57.50 € bei Amazon bestellen könnt.

Wirklich sehr günstig

Dieser Preis ist für das angebotene Leistungspaket wirklich mehr als in Ordnung, auch wenn sich im Test ein paar kleine Macken offenbaren, mit denen ich fast schon gerechnet hatte. Aber ansonsten: nicht schlecht und vor allem auch nicht teuer. Aber: Kunststoff in jeder einzelnen Facette. Schauen wir genauer hin.

So habe ich getestet

Für alle Wasserkocher mit Temperatureinstellung habe ich mein übliches Testdesign noch um einen Punkt erweitert:

  • 1 Liter Wasser mit einer Ausgangstemperatur von rund 19 Grad Celsius
  • Stromverbrauch und Kochdauer
  • Unterschied zwischen Nennleistung und tatsächlicher Leistung (an meiner Steckdose)
  • Wassertemperatur direkt nach dem Kochen
  • Wassertemperatur nach 1 Minute Standzeit bei offenem Deckel
  • Tatsächliche Wassertemperatur bei eingestellter Nenntemperatur von 70 Grad Celsius

Denn der Witz an diesen Geräten soll es sein, dass ihr euch umständliches Nachmessen der präzisen Temperatur bei verschiedenen Zubereitungsmethoden für Kaffee und vor allem für Tee sparen können sollt. Also gucken wir doch einmal genauer hin, ob das wirklich stimmt.

Wenn ihr wissen wollt, warum ich so und nicht anders teste, schaut einfach im Übersichtsartikel Wasserkocher Test 2018 vorbei.

Datenblatt

EINTRAGWERT
ModellnameRussell Hobbs Precision Control 21150 -70 Wasserkocher
HauptmaterialKunststoff
Füllmenge max.1,7 Liter
Nennleistung2.200 Watt
Tatsächliche Leistung*1.866 Watt
Kochzeit pro Liter*3.25 Minuten
Stromverbrauch*0,105 kWh
Wassertemperatur direkt nach dem Kochen*99,1 Grad
Wassertemperatur nach 1 Minute Standzeit*95,1 Grad
Kalkfilter
360 Grad-Sockel
Einhand-BedienungX
ExtrasTemperaturanzeige,
Temperatureinstellung, Warmhaltefunktion
Preis (Preis zum Kaufzeitpunkt)57.50 € (39,99 Euro)

* laut Testergebnis

Der erste Eindruck

Hübsch geht irgendwie anders. Der weiße Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher sieht wie der unfreundliche und weniger coole Cousin von R2D2 aus, zumal er mit seinem Vollplastik-Look nicht gerade hochwertig wirkt.

R2D2-Design?

Das ist zwar nur meine Meinung, aber ich finde gerade bei Russell Hobbs, wo sonst so viel Wert auf einen Super-Style gelegt wird, fällt der Unterschied zu den anderen Geräten schon auf.

Die Front wird von einem Display dominiert, dazu kommen vier Einstellknöpfe: einmal für Kochen, einmal für Warmhalten, zwei Knöpfe zum Einstellen der Temperatur. Die könnt ihr in 5er-Schritten von 60 bis 100 Grad einstellen.

Bedienung des Russell Hobbs

Das Thermometer ist eine Sache für sich: Ist der Kocher nicht in Betrieb, misst es die aktuelle Temperatur im Innenraum aktiv. Sobald ihr den Wasserkocher anstellt, zeigt das Display die Temperatur, die ihr erreichen wollt.

Daraus folgen zwei Tatsachen: Die aktive Messung kommt euch beim Warmhalten zwar zugute. Allerdings zieht der Kocher, selbst wenn er nicht warmhalten soll, ständig Strom. Das gilt zwar für alle einstellbaren Geräte, ist aber immer wieder nervig.

Auch wenn der Precision Control einen fest installierten Deckel mitbringt, könnt ihr den Kocher nicht mit einer Hand bedienen. Denn der Deckel muss oben über einen Schnappverschluss geöffnet werden. Und das geht nicht mit einer Hand.

Öffenen mit einer Hand ist nicht möglich

Bei der Füllanzeige scheint sich Russell Hobbs mit diesem Gerät vor allem bei Linkshändern beliebt machen zu wollen – vermutlich unabsichtlich. Denn die Skala von 0,5 bis 1,7 Liter ist auf der „Rückseite“ angebracht, die man als Rechtshänder beim Befüllen nur mit Verrenkungen lesen kann.

Füllanzeige auf der Rückseite

Aber wenigstens ist die Skala nicht nervig unter dem Griff versteckt. Es klingt vielleicht nicht so, doch trotz aller Abers finde ich den Kocher im ersten Eindruck gar nicht schlecht, zumal der Preis für das, was ihr bekommt, mehr als klar geht. Schauen wir uns die Vorteile noch einmal im Überblick an:

  • Temperaturanzeige
  • Temperatureinstellung
  • Warmhaltefunktion
  • Handlich
  • 360 Grad-Sockel
  • Guter Preis

Die Nachteile sind erstens Geschmackssache und hängen zweitens in meinen Augen auch recht nahe mit dem Preis zusammen:

  • Kunststoff
  • Zieht Strom
  • Keine Einhand-Bedienung möglich
  • Skala (für Rechtshänder) schwer lesbar
Der Bosch TWK8613P Wasserkocher Styline

Der beste Wasserkocher im Test.

Der bisherige Testsieger Bosch Styline, der auch diese Kategorie (also Temperatureinstellung) anführt, kriegt das mit dem vielen Kunststoff auch nicht besser hin, obwohl er in ein paar Kleinigkeiten doch schon im ersten Eindruck überzeugender ist.

Der Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher im Einsatz

Kunststoff für Wasserkocher ist ein zweischneidiges Schwert: Seine tranige Leitfähigkeit sorgt einerseits dafür, dass Wasser weniger schnell kocht als im Edelstahl-Gerät.

Andererseits ist es aber gut isolierend, sodass die Geräte außen nicht heiß werden sollten.

Durch den Kunststoff gut isoliert

Dieser Eindruck hat sich im Test nur teilweise bestätigt. Kommen wir erst einmal zu den technischen Werten:

  • Die Nennleistung ist mit 2.200 Watt angegeben, tatsächlich kommen rund 1.866 Watt an. Das entspricht dem Durchschnitt bei den meisten Geräten im Test.
  • Die Kochzeit beträgt 3.25 Minuten
  • Der Verbrauch lag bei 0,105 kWh
  • Temperatur direkt nach dem Kochen: 99,1 Grad Celsius
  • Temperatur nach einer Minute bei offenem Deckel: 95,1 Grad

Wenn ihr die Styline-Werte gegenüber stellt, kann sich der Precision Control dagegen sehr gut behaupten, auch wenn er einen Hauch traniger ist. Dafür ist der Verbrauch etwas niedriger und auch die fast genaue Kochtemperatur macht Freude. Zum Vergleich: Der Edelstahlkollege {Russell Hobbs Retro} war um etwa eine Minute schneller, heizte aber das Wasser nicht ganz so präzise auf.

Russell Hobbs Retro Vintage

Optisch toll und funktional ohne viel Schnickschnack aber mit viel Schịck.

Insofern hat sich die Kunststoff-Annahme also schon einmal bestätigt. Aber: Für einen Plastik-Freund, bei dem so gar kein Edelstahl abseits der Heizplatte im Einsatz ist, wird der Precision Control doch ziemlich warm. Ich möchte sogar sagen: heiß.

Das spricht für ein eher schlechtes Material und eine noch schlechtere Isolierung und erklärt auch den deutlichen Temperaturabfall trotz sehr kleiner Deckelöffnung.

Wie ich ebenfalls nicht anders erwartet habe, entfaltet der Kocher beim ersten Durchgang einen leichten Kunststoffgeruch, der aber längst nicht so stark ist, wie es bei Ultrabillig-Kollegen der Fall ist.

Leichte Geruchtsentwicklung

Und was ist nun mit der „Precision Control“ für die Temperatureinstellung? Naja. Wie immer, wenn ich wirkliche Präzision erwarte, enttäuschen mich die Geräte mit einer Abweichung – die in diesem Fall 75,6 Grad bei einer Einstellung von 70 Grad heißt. Beim Styline war die Abweichung geringer.

Dennoch: Die Pro- und Contraliste ist zwar nicht euphorisierend, aber durchaus in Ordnung:

Vorteile

  • annehmbare technische Werte
  • Selbstabschaltung
  • Deckel sicher zu öffnen
  • guter Ausgießer

Neutral

  • Nennleistung in der Nähe der tatsächlichen Leistung
  • nur leichte Geruchsentwicklung

Nachteile

  • Temperaturkontrolle nicht so präzise wie versprochen
  • wird extrem warm

Die Reinigung

Hier gibt es eigentlich keine Probleme, trotz der kleinen Deckelöffnung. Ihr kommt an alle Bereiche des Kocher-Innenlebens gut heran und hier gibt es keine riesigen Temperaturfühler oder Einbauten, die im Weg sind. Das gelang dem Retro-Kollegen aus dem gleichen Hause schlechter.

Nur zeigten sich schon nach den ersten beiden Kochdurchgängen deutlichere Kalkablagerungen auf dem Edelstahlboden, was dafür spricht, dass ihr öfter entkalken müsst, als euch vermutlich lieb ist.

Mein Fazit: Was kann der Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher?

Wenn wir ganz ehrlich sind, ist der Russell Hobbs Precision Control Wasserkocher eigentlich nur eine hochgejazzte Version der günstigen Kunststoffkocher. Und gegen zu viel Kunststoff habe ich ja immer was.

Andererseits ist der sehr ähnliche Bosch Styline bei mir jetzt immer im Gebrauch und es wäre irgendwie bigott, wenn ich den Russell Hobbs-Vertreter aus der gleichen Kategorie deswegen abkanzeln würde.

Insgesamt ordentliche Leistung

Also mache ich das nicht und betone vielmehr, dass es sich hier um ein gutes Gerät mit einem sehr ordentlichen Preis-Leistungsverhältnis handelt. Präzision müsst ihr hier zwar etwas kleiner schreiben.

Aber ich habe schon öfter erwähnt, dass ihr, wenn es euch um wirklich genaue Wassertemperaturen geht, sowieso zum Thermometer greifen müsst.

Es freut mich auch, dass Russell Hobbs hier mal nicht einen Style- und Imageaufschlag verlangt, sondern sich ganz auf die Funktionalität beschränkt. Und schon das ist ein gutes Signal aus dieser Ecke.

Habt ihr weitere Fragen oder braucht noch mehr Aufklärung und Präzisierung meinerseits? Dann hinterlasst sehr gerne einen Kommentar!

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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