Espresso im Test – Starbucks vs. Balzac

Espresso im Test – Starbucks vs. Balzac Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 13. September 2011 von 6

Zu Kaffeehausketten im allgemeinen.

Das ist ein schwieriges Thema. Denn es gibt viel zu kritisieren, allerdings sollte jeder sich über den Einfluss dieser Ketten auf die weltweite Kaffeeszene in den letzten Jahrzehnten bewusst sein. In der Baristawelt – in Blogs und im realen Leben – haben fast alle nur ein Naserümpfen und Verachtung für die einschlägigen Ketten übrig. Einige der „Third Wave of Coffee“-Vertreter surfen auf ihrer Welle, sie schweben geradezu. Die blonden Locken wiegen sanft im Wind ihrer Herrlichkeit – sie haben ja auch den neuen – den guten Kaffee und Espresso erfunden. Wen schert da schon eine Kaffeehauskette, die nicht mal Siebträger verwendet – und da ist auch auch echt was dran!

Fakt ist:

  • Ohne die großen Kaffeehausketten wäre die Barista-Bewegung weltweit noch nicht da, wo sie jetzt ist
  • Sie liefern besseren Kaffee und Espresso als der Durchschnitt der deutschen Gastronomie (das ist leider nicht schwer!)
  • Sie verkaufen besseren Kaffee als normale Supermärkte

Zutreffende Kritik

  • Zunehmende Ausrichtung auf Fertigprodukte (Pads, Instandkaffee und Kapseln).
  • Oft keine Siebträger Espressomaschinen, oder kein French-Press Kaffee
  • Kein röstfrischer Kaffee

Es gibt viel zu bemängeln, doch ein Großteil der Kritik ist leider haltlos. Ein gutes Beispiel ist die Das-große-amerikanische-Unternehmen-muss-böse-sein-und-alle-ausbeuten-Methode. Mobilisiert sicherlich, muss aber durch Fakten belegt werden.

Ich will wirklich nichts glorifizieren, ich sage nur: „Wer rumstinken will, muss die Windeln ordentlich voll haben“. In diesem Sinne auf notwendige Kritik mit Fundament!

Bevor ich mich jetzt in weiteren Metaphern verliere, die mir später peinlich sind, kommen wir jetzt zum Test.

Im Test die 250g Espresso Sorten von Starbucks und Balzac Röstung

Bereits getestet habe ich den Arabien Moca JAVA von Balzac.

Starbucks EspressoBalzac Espresso
Alle diese Angaben sind natürlich ohne Gewähr
Preis4,90€6,95€
GeruchKaramell und Rauch. Es handelt sich um einen
vollen und intensiven Geruch
Weniger voll. Er riecht auch rauchig
allerdings auch ein wenig sauer.
SäureSchwache SäureKeine lebendige Säure, unangenehm sauer
CemaHomogen, gesprenkelt bleibt auch nach
dem ersten Schluck.
Homogen, ein wenig blass (trotz verschiedener
Mahlgrade). Ein Schlückchen = keine Crema
mehr.
KörperVoll, weich und schwer. Wie ein Ozean 😉Auch voll und schwer aber absolut nicht weich
MundgefühlDie Röstung bestimmt hier den Geschmack.
Karamellig, würzig und süß.
Ich möchte jetzt nicht mutmaßen was für diesen
sauren Geschmack verantwortlich ist. Unangenehm!
AbgangLang und intensiv.Lang intensiv und immer noch sauer 🙁
FrischeFrisch aus dem Röster gesprungen sind
beide Kaffees nicht! Kein Röstdatum!
Beide Espresso wirken nicht frisch.
BewertungEin bodenständiger Esprsso, der seine tiefschwarze
Seele zeigt. Vielen wird dieser Espresso zu dunkel
geröstet sein. Das macht ihn aber nicht nur rauchig,
sonder auch süß. Wie gesagt, besser als alles in
normalen Supermärkten. In die Top 10 schafft er es nicht
Besser als alles in normalen Supermärkten? Na ja, bin mir
nicht sicher. Der starke saure Geschmack hat alles überdeckt,
mehr kann ich leider nicht sagen… oder doch – für 250g von
diesem Espresso 6,95€ ausgeben zu haben ist echt traurig!

starbucks espresso

Röstung

Auf diesem Foto zeigt sich hervorragend der krasse Unterschied bei der Röstphilosophie. Links die Balzac Espresso Bohnen, rechts die Starbucks Espresso Bohnen.

Abschließend muss ich noch zu bedenken geben, dass es ein großes Glück für beide dieser Espressos ist, dass ich sie nicht mit einem „Milch Blend“ der Bonanza Coffee Heroes oder einem „Langen Espresso Kuba“ verglichen habe – sie wären untergegangen…

Viele Grüße,

Arne

6 Kommentare
  • Nana Holthaus-Vehse
    9 Dezember, 2011

    Hallo Arne,

    habe mit großem Interesse den Blogartikel gelesen. Wie immer von Dir – sehr interessant, objektiv und informativ.

    Grüße aus unserer Kaffeewelt,

    Nana

  • _svensch_
    16 Januar, 2013

    Hab den Espresso von Starbucks mal ausprobiert… Ich habe vermutlich schlecht gewählt, die Bohnen in meiner Packung waren zum großen Teil zerbrochen und unterschiedlich dunkel. Das lag aber vermutlich an meinem typischen Pech und ich bekam umgehend Ersatz.

    Ich finde aber, dieser Espresso schmeckt nach durchschnittlicher deutscher Gastronomie, was nicht gerade positiv ist.

  • Martinus Oktobre
    22 März, 2016

    Ich habe mir gestern spontan den Espresso aus dem Starbucks hier in München gekauft und bin ziemlich begeistert. Zuvor habe ich den Dallmayr Espresso d’Oro probiert und war ziemlich enttäuscht. Mir fehlte etwas Profil. Dies ist beim Starbucks Espresso wirklich anders. Rauchig, mit einer kräftigen Crema und karamelligem Aroma.
    Beide bereitete ich mit meinem Siemens EQ9 KVA zu.
    Außerdem hatten die Bohnen (anders als beim Dallmayr) eine gleichmäßig sehr dunkle Röstung und waren nicht gebrochen. Überrascht hat mich der starke Glanz (fast schon etwas ölig) der Starbucks Bohnen. Weißt du woran dies liegt?

    P.S. Danke für deine Beiträge 🙂 Ich verfolge sie wirklich permanent.

  • Arne
    23 März, 2016

    Hallo Martinus, danke für deinen Kommentar. Ich komme leider erst gerade zum Antworten. Starbucks röstet seine Espressos und Kaffees sehr stark. Dadurch treten mehr ätherische Öle aus. Allerdings sind die die Bohnen und insbesondere der Espresso verbrannt. EQ 9 ist super. Ich würde dir mal einen frischen und besser gerösteten Espresso empfehlen. „Yirga Santos“ von Coffee Circle 75% Arabica / 25% Robusta und schön frisch. Kostet nicht viel mehr als der von Starbucks und ist um Welten besser. Der war auch im EQ 6 sehr gut. Viele Grüße aus Berlin 🙂

  • Martinus Oktobre
    25 März, 2016

    Super, danke für den Hinweis und die Empfehlung!
    Ich habe mir jetzt von einer lokalen Rösterei in Mecklenburg
    ein Kilo kräftiger Bohnen aus Tansania geholt und werde danach gerne deine Empfehlung („Yirga Santos“ von Coffee Circle) probieren.

    Herzlichen Gruß aus München

  • Arne
    25 März, 2016

    Das hört sich doch nach einem guten Plan an. 🙂

Ich freue mich über deinen Kommentar

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