Café Frappé – Die griechische Tragödie

Es gibt Kaffeevariationen, bei denen werde ich besonders bockig. Allein schon, wenn ich mich die Grundidee dahinter komplett abstößt, schalte ich auf stur und kümmere mich im Normalfall nicht darum.

Das geht solange gut, bis ich mich mit einer neuen Gerätekategorie auf Coffeeness beschäftige und mich bei jedem Test frage, was man mit dem Produkt in Sachen Kaffee noch so alles anstellen könnte.

Und jetzt haben wir den Salat. Denn seit Neuestem findet ihr auf Coffeeness den Standmixer Test 2017. Und die Frage ist berechtigt: Was hat denn ein Mixer mit Kaffee zu tun? Eine ganze Menge. Fragt mal den Café Frappé.

Diese ursprünglich griechische Variante des Eiskaffees wird heute meist darin zubereitet. Ihr braucht nämlich scharfe Klingen, um Eiswürfel und (Instant-)kaffee zu einem trinkbaren Etwas zu vermischen. Moment mal. Instantkaffee? Habe ich jetzt den Verstand verloren?

Frappe mit Espresso ohne Zucker

Natürlich nicht! Das traditionelle Caffé Frappé Rezept mit Instantkaffee steht für alles, was mit der Kaffeewelt schief läuft. Nichtsdestrotrotz ist so ein Mixer ein ziemlich starkes Tool, um eisigen Kaffee – und zwar aus guten Zutaten – zu machen.

Darum ist der Caffé Frappé und die Grundidee dahinter auf jeden Fall einen zweiten Blick wert. Ich präsentiere euch hier meine ultraleckeren Varianten für Eiskaffee aus dem Mixer und beleuchte außerdem, wer auf die Krümelkaffee-Idee in Kalt gekommen ist.

Welche Varianten gibt es? Und kann man diesem Eiskaffee für Faule vielleicht noch ein bisschen mehr Eleganz abgewinnen? Kann man.

Der echte Caffé Frappé existiert eigentlich nicht mehr. Gottseidank?

Wir haben den Griechen einige gute Dinge zu verdanken. Demokratie zum Beispiel. Oder den Ouzo. Aber leider müssen sie sich auch die zweifelhafte Ehre zuschreiben, als Erste auf die Werbung eines Konzerns hereingefallen zu sein und so den Caffé Frappé aus der Taufe gehoben zu haben. Aber der Reihe nach:

Eigentliche Schuld an der traurigen Mischung aus kaltem Wasser und Instantkaffee trägt die Instantmarke schlechthin: Nescafé von Nestlé. Und noch eigentlicher verdankt die Mischung ihre Existenz einem „findigen“ Messemitarbeiter namens Dimitrios Vakondios.

Der stand nämlich 1957 auf einer Messe in Thessaloniki rum und fand kein heißes Wasser für den fixen Instantkaffee seines Arbeitgebers. Also schüttelte er den löslichen Kaffee mit kaltem Wasser auf.

Das fanden seine Kollegen so prima, dass sich die lokale Vertretung von Nestlé dazu entschied, das Produkt im heißen griechischen Sommer zu bewerben. Ohne, dass die Zentrale davon wusste. So zumindest geht die Sage, die Nestlé vor allem in Griechenland gern wiedergibt.

Das für die Griechen Spannende war dabei eine physikalische Eigenheit von löslichem Kaffee im Allgemeinen und Nescafé anno 1957 im Besonderen. Durch das sogenannte Sprühtrocknen wurde den Krümeln praktisch alles Fett entzogen. Übrig blieben nur noch traurige Reste dessen, was wir Kaffee nennen.

Wird dieses Grundgerüst mit Wasser aufgewirbelt oder geschüttelt, entsteht ein Schaum. Weil keine Fette vorhanden sind, bleibt dieser Schaum auch noch lange stabil.

So wurde der ursprüngliche Caffé Frappé vermutlich deswegen zum Hit, weil die Schaumschicht durch ihre besondere Konsistenz darüber hinwegtäuschte, was da eigentlich im Glas ist.

Espresso für Frappe mit Eis

Und natürlich dürfte entscheidend gewesen sein, dass dieser Instanteiskaffee aus Instantkaffee auch noch ohne Maschinen auskam. Krümelkaffee, kaltes Wasser, schütteln, Schaumschlacht. Jamas!

Wer jetzt in die Küche rennt und diese Tatsache mit dem verstaubten Rest Krümelkaffee von Omas letztem Besuch ausprobieren möchte, wird sicher enttäuscht. Denn heute kommen andere Verfahren zur Herstellung von Instantkaffee zum Einsatz.

Beim Gefriertrocknen oder Heißluftrocknen bleiben die Öle erhalten. Das soll einerseits den ursprünglichen Kaffeegeschmack (hahahaha) besser unterstreichen, sorgt aber andererseits dafür, dass sich der Schaum kaum bis nicht hält.

Aber warum eigentlich dieser gestelzte französische Begriff für eine griechische Tragödie von einer Kaffeeidee? Dazu müssen wir wiederum bei den Amis vorbeischauen.

Die nannten ihre Milchshakes ursprünglich trés blasé gern auch Lait frappé. Also „geschüttelte Milch“. Wird Milch zu Kaffee, wird daraus Café Frappé. Und das schon vor der Erfindung der Griechen.

Die haben also einfach den Begriff der Amis für ihre eigene Kreation übernommen. Oder war es andersherum? Die Amis waren nämlich diejenigen, die den griechischen Kaffee in ihrer Kultur groß machten.

Witze über die Instant-Mentalität der USA sparen wir uns jetzt mal. Die Griechen wiederum haben den Begriff als „kafes frape“ wieder nach Hause geholt. Der Rest der Welt ist beim sexy Franzosen-Wort geblieben.

Caffé Frappé heute: Der Stand der Geschmacksverirrung

Wenn ihr beim Schlagwort Caffé Frappé an das Kaltgetränke-Angebot von Mäckes denken müsst, ist das gar nicht falsch. Denn die Fast Food-Kette brachte den Griechen-Import aus den USA in die ganze Welt. Und plötzlich mussten sich gestandene Eisdielen die Frage gefallen lassen, wo denn in ihrem Eiskaffee die Eiskristalle sind.

Denn statt den Frappé einfach mit kaltem Wasser und evtl. Eiswürfeln aufzuschütteln, jagten die Mäckes-Mitarbeiter kalten Kaffee, Crushed Ice, Milch und Sirup durch den Hochleistungsmixer.

Das Ergebnis war vom Aussehen her dem griechischen Original sehr ähnlich, hatte aber wesentlich mehr Zutaten, Zucker und Kalorien. Aber so mögen es die Amerikaner nun einmal. Und so mochten es plötzlich auch viele Europäer.

Natürlich musste jedes Land seinen eigenen Senf dazu geben und ein eigenes „Original“-Rezept entwickeln. Aber nicht mal die Griechen sehen das so eng und servieren ihren Eiskaffee mit und ohne Milch, süß oder nicht, mit und ohne Eis, mit Kondensmilch etc.

Der englische (!) Guardian hat dem französischen (!) Caffé Frappé sogar einmal einen eigenen Artikel gewidmet und beschreibt dort die heute gültige Grundidee ganz gut:

  • Gebrühter Kaffee trifft auf
  • Gesüßte Kondensmilch und
  • 1 Kugel Vanilleeis zu dem auch
  • Etwas Vanilleextraxt und
  • Crushed Ice nicht verkehrt sind.

Alles kommt zusammen in den Mixer und fertig ist die kalorienintensive und ultrasüße Gartenlaube.

Aber auch die traditionelle Variante hat überlebt. Dafür müsstet ihr euch allerdings entweder nach Griechenland begeben und dort handelsüblichen Nescafé kaufen. Oder ihr könntet hier tatsächlich Special-Frappé-Instantmischungen erwerben. WTF?

In Griechenland jedenfalls sorgt Nestlé dafür, dass der ursprüngliche Erfolg des Frappé nicht abreißt und verkauft weiterhin sprühgetrockneten Instantkaffee. Und damit könntet ihr dann euren Milchaufschäumer bestücken.

Auch wenn ich dieses Caffé Frappé Rezept sicher nicht empfehlen werde, will ich es euch doch nicht vorenthalten. Am besten ist, ihr nehmt hier eine manuelle Variante wie den Bodum Latteo, da ihr hier ordentlich und nach Gusto pumpen könnt.

Frappe aus dem Standmixer

Auch eine batteriebetriebene Variante geht klar und wird sogar als eigenständiges Frappé-Gerät hin und wieder angeboten. Völlig bescheuert.

Jedenfalls füllt ihr etwas Zucker, einen Esslöffel Instantkaffee (griechisch) und etwa 50 ml kaltes Wasser in ein Gefäß oder den Schäumer. Das Ganze schlagt ihr dann auf, bis der Arzt kommt und der Schaum richtig schön steif ist. Darauf kippt ihr dann noch Eiswürfel und schon fühlt ihr euch wie am Kiosk in Athen.

Wollt ihr euch die volle Dröhnung geben, kippt ihr noch etwas Kondensmilch hinzu und macht das Ganze zum Frapogalo. Mit einer Kugel Vanilleeis hieße das Getränk dann Pagotó.

Apropos Kaffee mit O: Auch die Italiener kennen eine eigene Variante des Caffé Frappé. Sie nennen das Ganze Caffè Shakerato und nehmen als Grundlage – vorbildlich, vorbildlich – echten Espresso. Dieser wird mit Eiswürfeln und vielleicht etwas Sirup oder Sprit aufgeschüttelt und in einem Weinglas serviert.

Schaumschlägerei mit Eleganz: Meine Vorschläge für brauchbare Caffé Frappé Rezepte

Für die meisten Fans des Caffé Frappé ist die kühle, luftige und erfrischende Mischung das Ausschlaggebende an diesem Rezept. Der Schaum spielt vermutlich auch eine Rolle. Aber muss es denn wirklich spezieller Instantkaffee sein, um diesen Effekt zu erzielen? Natürlich nicht!

Meine Caffé Frappé Rezepte haben in Sachen Schaumqualität zwar nicht den Bestand des Griechen-Eiskaffees, dafür aber wesentlich mehr ursprünglichen Geschmack bei wesentlich weniger künstlichen Zusätzen.

Um ordentlich Schaum zu produzieren, ist der Coktailshaker (oder ein Schraubglas) tatsächlich euer bester Freund. Und das gilt sowohl für kalten Kaffee als auch für kalte Milch.

In meinem Eiskaffee-Artikel hatte ich euch schonmal den Iced Latte Macchiato vorgestellt, der ultracremig und schaumig ist, obwohl ihr hier nur kalte Milch aufgeschüttelt habt. Für den Standard Skinny Frappé macht ihr euch das Ganze noch einfacher:

  • Espresso (frisch gebrüht!)
  • Kalte Milch
  • Ein Hauch Vanilleextrakt
  • Etwas Crushed Ice
  • Kommen zusammen in den Shaker oder das Glas und werden mit voller Pulle durchgeschüttelt.

Wenn ihr das Ganze dann umkippt, habt ihr zwar keinen Badeschaum, aber doch einen sehr schönen Frappé-Verwandten, der in der Kombi mit der Vanille auch noch süß schmeckt, ohne dass Zucker im Spiel ist.

So richtig schön dick, kalt und erfrischend wird die Sache aber erst, wenn ihr euren Mixer hervorholt. Im Standmixer Test habe ich viele Varianten untersucht, allerdings kommt ihr bei diesem Rezept am besten weg, wenn ihr nicht auf die kleinen Smoothie-Mixer, sondern auf die größeren Aufsatzmixer setzt.

Frappe mit Espresso und Kokos

Empfehlen kann ich euch dabei den WMF Kult pro Power Standmixer. Auch der Philips HR2195/08 Standmixer ist eine gute Entscheidung. Am besten finde ich aber in diesem Fall den Philips HR3655 Hochleistungsmixer. Dieser bringt nämlich genau die richtige Power mit, damit wir am Ende Frappé im Glas haben.

Der Witz ist nämlich, dass das Eis schnell zerstoßen werden muss, aber bitte nicht schmelzen soll, wenn ihr wiederum die oben angegebenen Zutaten zusammenmischt. Ich würde aber erstens wenigstens einen doppelten Espresso nehmen und zweitens auch wesentlich mehr Crushed Eis verwenden.

Das ist nämlich das Trägermaterial, aus dem wir uns den „Schaum“ basteln. Falls ihr keine Espressomaschine zuhause habt, ist hausgemachter Cold Brew natürlich ebenfalls eine perfekte Grundlage.

Wer seinen Caffé Frappé mit einer ordentlichen Dosis Koffein und einer feinen Säure, die so richtig erfrischt trinken möchte, greift zu folgenden Zutaten für Cold Brew Frappé und gibt sie in den Mixer:

  • Cold Brew mit blumigen Noten oder Espresso mit vollem Körper
  • Kaffee-Eiswürfel (aus Kaffee mit heller Röstung)
  • Frisch gepresster Zitronensaft oder Grapefruitsaft

Süß ist hier sicher nichts, dafür aber extrem elegant und auch noch ohne Verwässerungs-Effekt. Aber Achtung: Vor dem Einschlafen solltet ihr diesen Frappé nicht zubereiten, denn die Zitrusfrüchte geben dem Koffein noch zusätzlich Nachhilfe.

Frappe mit Zitrone

Frappe Zitrone und Kaffee

Wieder mal will ich euch als alter Industriezucker-Hasser noch ein paar Zutaten mit auf den Weg geben, die den Caffé Frappé mächtiger erscheinen lassen, als er ist:

  • Naturreiner Kakao: Nommy Schokonote und sanfte Bitterkeit. Achtung bei Espresso, kann schnell zu bitter werden.
  • Vanille: der Alleskönner in Sachen Hirn-Verkasperei
  • Zimt: Erweckt ebenfalls das Gefühl von Süße
  • Kokosflocken: Nicht jedermanns Geschmack, aber wirksam

Kokus Frappe mit Espresso

Barista mit Zitronen für den Frappe

Frappe Rezepte ohne Zucker

Wo wir gerade bei Kokos sind: Wenn ihr wirklich richtig viel Cremigkeit in euren Caffé Frappe bringen wollt, könnt ihr auch einen Bulletproof Frappé zaubern.

Dazu braucht ihr nur einen Cold Brew, etwas Butter, einen Esslöffel Kokosöl und das obligatorische Crushed Ice.

Das massive Fettangebot sorgt hier für eine ausnehmend hohe Cremigkeit, die an Schaum erinnert, ohne Badeschaumqualitäten zu haben. Stabil wird es mit dem Crushed Ice.

In eine ganz andere, durchaus abenteuerliche Kerbe, schlägt der Fruity Cold Brew Frappé:

  • Cold Brew
  • Crushed Ice
  • Fruchtsorbet

In den Mixer geben und anschließend genießen. Hier könnt ihr am besten mit frischen, sehr fruchtigen Fruchtnoten arbeiten und bleibt auch beim Cold Brew eher zart. Fruchtsorbet kann man übrigens auch ganz einfach im Mixer vorbereiten. Wie gut, dass ihr jetzt wisst, welcher sich anbietet!

Fruchtiger Frappe

Frappe aus Fruchtsorbet

Natürlich zwingen all diese Rezepte praktisch dazu, auch die Hausbar zu plündern und mit Likören, Gin oder Rum (mein momentaner Favorit zu Kaffee!) nachzuhelfen. Auch hier bin ich ein Fan eher purer Zutaten.

Beim Erarbeiten meines Artikels zum White Russian ist mir eine Idee für eine Frappé Variante des Kaffeelikör-Cocktails gekommen. Ich nenne das Ganze jetzt mal Siberian Frappé und nehme folgende Zutaten:

  • Doppelten Espresso oder drei bis vier Ristretto oder ordentlich starker Cold Brew
  • Wenige Kaffeeeiswürfel (ganz wichtig! Kein normales Eis!)
  • 4 cl Wodka (plus x)
  • 2 bis 3 Spritzer Zuckersirup
  • Kalte Vollmilch
  • Extra Crushed Ice
  • Vanilleextrakt oder -sirup

Hier ist es wichtig, dass ihr erst einmal nur den Kaffee mit wenigen Kaffeewürfeln, dem Wodka und dem Zuckersirup vermischt, sodass fast Slushie-Qualität dabei entsteht.

Dafür braucht ihr am besten einen Mixer, dessen Messer auch mit geringen Füllmengen und wenig Flüssigkeit klarkommen. Das ist zum Beispiel beim WMF Kult pro Power Standmixer der Fall, die anderen müssen hier meist passen.

Frappe mit Alcohol

Frappe mit Vodka

Diese Mischung gebt ihr in einen Tumbler oder ein Martiniglas und streicht die Oberfläche glatt. Im Idealfall schüttelt ihr dann sofort die Milch (oder auch flüssige Sahne) im Schraubglas oder Shaker mit Crushed Ice und Vanille auf. Nicht vergessen: Schmackes!

Wenn ihr die Milchcreme dann über den Slushy floatet, habt ihr die Frappé Variante eines Kaffeecocktails eines Frappés gezaubert. Verrückt. Und hochprozentig.

Noch ein Wörtchen zu Milchaufschäumern, vor allem automatischer Natur: Die können in vielen Fällen auch kalte Milch schäumen, die allerdings meist schnell zusammenfällt.

Außerdem finde ich, dass durch die Mischung mit Vanilleextrakt, Eis und dem bloßen Einsatz von Kräften ein ebenso, wenn nicht gar cremigeres Ergebnis dabei herauskommt. Aber ihr könnt mich gern eines Besseren belehren.

Vorfreude auf den Frappe

Frappe mit Schichten

Frappe mit Alkohole und auf Eis

Caffé Frappé: Zeit für einen Neuanfang?

Kommen wir noch einmal zu meiner Eingangsthese und meiner Bockigkeit. Nachdem mich unsere Mixer nun praktisch dazu gezwungen haben, beim Thema Kaffee aus diesem Gerät neue Ideen zu entwickeln und zu testen, bin ich beim Thema Caffé Frappé Rezept nicht mehr ganz so negativ eingestellt.

Solange wir alles vergessen, was wir zum ursprünglichen bzw. etablierten Rezept wissen.

Jetzt trinke ich beide Frappes mit Vodka

Nehmen wir die Grundidee jedoch als Ausgangspunkt für echten Kaffeegenuss, bin ich gern bereit, dem Caffé Frappé eine neue Chance einzuräumen. Wie seht ihr das? Habt ihr noch Rezeptideen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

Ich freue mich über deinen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *