Ich mag keinen Kaffee!

Foto: Peru, Credit: Jeong Seong Hee

Der Coffeeness Blog bereitet sich auf seinen 10. Geburtstag vor und es wurde höchste Zeit, dass ich mir sachkundige Unterstützung hole. Für mich war es wichtig jemanden zu finden, der Kaffee liebt und etwas zu sagen hat. Ich war begeistert Melanie für die Zusammenarbeit gewinnen zu können. Sie ist selbst Kaffee-Bloggerin und erzählt heute, wie sie dazu kam. Ihr könnt euch auf viele weitere Artikel freuen. Herzlich willkommen Melanie und viel Spaß bei dieser persönlichen Geschichte: 

Ja, ihr habt ganz richtig gelesen! “Ich mag keinen Kaffee!”… korrekterweise muss es jetzt natürlich ganz anders heißen: Ich bin verrückt nach Kaffee. Aber zurück zum Anfang. Zurück zu der Zeit, in der ich eine Tasse Kaffee nicht mal schief von der Seite angeschaut habe.

Jeder, der mich jetzt kennen lernt, weiß wie sehr ich Spezialitätenkaffee liebe. Bis in meine späten Zwanziger hinein jedoch, habe ich nicht mal Kaffee getrunken. Nein, nicht mal während des Studiums! Man kann sogar sagen, ich habe Kaffee gehasst!

Cupping mit Melaine

Foto: Peru, Credit: Jeong Seong Hee II

Warum? Kaffee hat mir einfach nicht geschmeckt! Diese schwarze, bittere – man verzeih’ mir dieses Wort – Plörre, konnte ich unmöglich trinken.

Mit dem Ende meines Studiums und dem ersten Job allerdings, begannen sich die Dinge langsam zu drehen. Ich war bereit, Kaffee zu probieren, wenn auch mit einer GANZEN MENGE Milch. Nie Zucker wohlgemerkt.

Meine Kaffeetrink-Karriere entwickelte sich dann von Milchkaffee über Latte Macchiato hin zu Cappuccino, und ich merkte, ja, auch Espresso (in Verbindung mit Milch) hat was! So allmählich konnte ich diesem Getränk etwas abgewinnen.

Dass ich damals noch viel zu oft viel zu schlechten Kaffee getrunken habe, wusste ich (noch) nicht… Der Bürokaffee war schon arg schlimm, aber welcher Bürokaffee ist das nicht?!

Warum dann jetzt so viel Kaffee und gleich noch beruflich, fragt ihr? Nur Geduld!

Einige Jahre in meiner Bürojob-Karriere später, stellte ich fest, den ganzen Tag am Schreibtisch sitzen ist so gar nichts für mich. Wer kennt das auch? Genau!

Aber was tun? Was sollte ich mit mir und meinem beruflichen Background anfangen?

Lange Zeit hatte ich keine Ahnung. Meinen Frust im Büro hat keiner so wirklich nachvollziehen können. Ich hatte doch alles, was ich wollte: Einen festen und gut bezahlten Job, ein Dach über dem Kopf… Happy war ich damit nicht.

Ich hab schon immer gefühlt, dass ich lieber meine eigenen Ideen, Ziele und Pläne verfolgen wollte.

Das Jahr 2013 hat dann alles verändert! Ich hatte damals nicht nur einen Partner, bei dem ich ernsthaft überlegt hatte, in Deutschland alles aufzugeben und ihm in die USA zu folgen. Ich habe auch zwei DER europäischen Kaffee-Städte besucht – Amsterdam und Wien. Inspiration pur!

Eine kleine Rösterei gegenüber meines damaligen Büros (ich war in jeder Mittagspause dort) und eine Menge coffee talk – das was ich so liebe heute! – taten ihr Übriges und ich entschied: Ich musste mein eigenes Café haben. Schon allein, weil man ein Café überall auf der Welt eröffnen konnte. Zudem, ich musste unbedingt weg von diesem Schreibtisch!!!

Alles für Melanies Kaffee-Ecke

Foto: Melanies Kaffee-Ecke

Der Mann war inzwischen nicht mehr an meiner Seite, dafür aber noch mehr Kaffee! Ich hab alles mitgenommen, was nur ging! Angefangen von einem Nebenjob als Barista in einem Café in Frankfurt, wo ich damals lebte, über unzählige Seminare und Workshops zu Barista Skills, Latte Art, Rösten und Barista Camps bis hin zu Events, Coffee Festivals und Co.

Mein Kaffee-Netzwerk wuchs von Woche zu Woche. Meine Kaffee-Lektüre (mein erstes Buch war die Balzac-Story) und mein Homebrewing Equipment – ich bin inzwischen ein großer Filterkaffee-Fan – mit fast ebensolcher Geschwindigkeit.

Kaffee hatte mich gefunden! Ich hatte meine Leidenschaft für Kaffee (in mir) entdeckt.

Allerdings war ich immer noch hinterm Schreibtisch. Ich nutzte jedoch jede freie Minute mit Recherche und wälzte Ideen, wie ich meine Passion in einem freiberuflichen/selbständigen Job ausleben konnte.

Zu diesen Ideen zählten neben dem eigenen Café, eine eigene Rösterei, ein Café-Catering, ein Coffee Truck…

Aus irgendeinem Grund wollte ich mich aber noch nicht festlegen. Ich wollte mir (noch) keinen festen Standort suchen. Heute weiß ich wieso.

Melanie im Barista Camp

Foto: Barista Camp, Credit: Alexey Karmanov

Also schaute ich mir genauer an, wie man online mit Kaffee Geld verdienen konnte. Da ihr fleißige coffeeness-Leser seid, wisst ihr, dass Bloggen über Kaffee eine Möglichkeit sein kann.

Es gibt aber noch mehr: Ich überlegte mir unter anderem Konzepte zu Dropshipping und Amazon FBA – Ich wollte online Kaffee und Kaffee-Equipment verkaufen. Und ich fing an für die ersten Online-Magazine über Kaffee zu schreiben.

Und dann flog ich aus meinem festen, sicheren Bürojob einfach so raus!

Naja, gut, eine Vorgeschichte gibt’s dazu schon, was aber viel wichtiger ist, dieser Rauswurf gab mir den notwendigen Arschtritt, endlich mal in die Pötte zu kommen und mich nicht mehr in meiner Komfortzone auszuruhen.

Eine Idee, die mich schon eine Weile begleitet hatte, meinen Background in Marketing und Kommunikation mit Kaffee zu verbinden – das lag ja quasi nahe – war dann der Schritt in die Selbständigkeit für mich! Coffee Marketing Consulting hieß das Ganze. Dazu gibt’s sogar einen Podcast, adding some flavor. Wer Bock hat da mal reinzuhören, hier geht’s zum Coffee Podcast.

Melanie mit Kaffeetasse

Foto: Melanie Böhme, Credit Olga

Was soll ich sagen, es war harte Arbeit! Online- und Offline-Kundenakquise, jede Woche neuen Content für meine Website und für Social Media kreieren, immer geradeso Kohle für den nächsten Monat auf dem Konto…

Nach einem Jahr habe ich mir dann endlich eingestanden, es macht mir einfach keinen Spaß! Und hab fast von einem auf den anderen Tag aufgehört. Das war’s mit Simel.Coffee!

Tief in mir schlummerte allerdings noch immer der Wunsch, die Welt und ihre Coffee Shops zu erkunden. Einen kleinen Vorgeschmack darauf hatte ich bereits in den USA bekommen, wo ich 2016 sechs Städte und ihre Kaffee-Szenen erkundet hatte. Meine erste Kaffee-Ursprungsreise nach Peru im Sommer 2017 bestärkte mich darin nur.

Zu den Schreibaufträgen für Magazine und Blogs kam dann mein eigener Blog Mel’s Coffee Travels dazu, auf dem ich über meine Kaffeereisen berichte.

Nur, mit Kaffeereisen und über Kaffee zu schreiben, kann man doch seinen Lebensunterhalt nicht verdienen…? Das war meine feste Überzeugung!

Melanie lernt alles über Kaffee

Foto: Coffee Talk, Credits: Theresa Schlage

Im Juni letztes Jahr war allerdings die Sehnsucht nach einer weiteren großen Kaffeereise so stark, dass ich kurzerhand einen Flug nach Tokyo buchte. Für Oktober. Ohne Rückflug!

Das Verlassen Frankfurts und die Aufgabe meiner Mietwohnung im Frühling 2017. Das Minimalisieren meines kompletten Hab und Guts auf 4 Umzugskisten und der (vorübergehende) Umzug nach Berlin. Die vielen wunderbaren (Kaffee)Menschen, die mich dabei begleitet haben, waren und sind die Wegbereiter für diese Reise.

Inzwischen bin ich fünf Monate in Ost- und Südostasien unterwegs. Nach Tokyo machte ich mich auf in Richtung Süden nach Korea, Taiwan, Vietnam, Thailand, Malaysia und Indonesien. Ein paar meiner Kaffee-Utensilien sind von Anfang an mit dabei.

Während dieser Zeit habe ich mehr über Kaffee – von der Farm bis in die Tasse –, die Kaffee- und Cafékultur der von mir besuchten Länder gelernt, als jemals zuvor.

Auf Instagram, meinem Blog und in meinen Artikeln, die ich schreibe, teile ich diese Erfahrungen.

3 Kommentare
  • hannes
    7 Juni, 2018

    und warum werden hier geschriebene Kommentare nicht mehr veröffentlicht, weil Frau immer noch mit ihren vier Umzugskisten von Frankfurt beschäftigt ist 🙁

Ich freue mich über deinen Kommentar

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