Kaffee ohne Koffein – Entkoffeinierung

Ist Kaffee ohne Koffein noch echter Kaffee?

Ist Kaffee ohne Koffein noch echter Kaffee?

Das ist eine gute Frage, auf jeden Fall gibt es eine sehr große Nachfrage nach Kaffee ohne Koffein.

Wer schon in einem Kaffeehaus gearbeitet hat, weiß, dass es Nachfrage nach entkoffeiniertem Kaffee gibt. Schwangere, Stillende, ältere Personen und vermeintlich Gesundheitsbewusste bestellen Kaffee ohne Koffein. Über den Sinn und Unsinn davon zu philosophieren, verkneife ich mir an dieser Stelle. Ich kann aber schon jetzt versprechen, dass bald ein neuer „Kaffee und Gesundheit Artikel“ erscheinen wird.

Wie so oft geht es im Barista Blog um den Geschmack. Die Vertreter der Decaf Gemeinde schlagen immer mit den gleichen zwei Argumenten um sich.

  •  Entkoffeinierter Kaffee sei gesünder!
  •  Koffein ist nicht maßgeblich für den Geschmack von Kaffee!

Zum ersten Punkt etwas zu sagen ist schwer.

Aber wenn man sich die Summe aller Studien zum Thema Kaffee anschaut, kann niemand sagen, dass Kaffee mehr negative als positive Auswirkungen auf den Körper hat.

Ich habe noch keine seriöse, groß angelegte Studie gefunden die beweist, dass Kaffee schädlich ist – oder das entkoffeinierter Kaffee gesünder sei.

Der zweite Punkt bringt mich immer zum Haare-raufen. JA – Kann sein.

Das Problem beim Geschmack ist auch nicht das fehlende Koffein, sondern dass ein Großteil des Aromas bei den Entkolonialisierungsprozessen verloren geht.

Ich sage ja auch nicht: „Wieso, deinen Blinddarm brauchst du doch nicht“ und schnappe mir das Küchenmesser….. Was ich meine werdet ihr sehen, wenn ich die Prozesse beschreibe.

Hat entkoffeinierter Kaffee kein Koffein?

Als „entkoffeiniert“ darf sich nur Kaffee und Espresso der maximal 0,1% Koffein enthält nennen. Das gilt für die EU. In anderen Ländern gibt es andere Schwellenwerte.

French Press zubereitet

Es gibt zwei relevante Entkoffeinierungsprozesse:

1. Direct method

Hier werden die Kaffeebohne in heißem Wasser eingeweicht und es wird Dichlormethan oder Ethylacetat hinzu gegeben. Dichlormethan hat mich beim Nachlesen verwirrt. Da ich nur Methylenchlorid von der Entkoffeinierung kannte. Jetzt weiß ich, dass es die gleiche Chemikalie ist, nur einen anderen Namen hat.
Ethylacetat ist nur reizend und Dichlormethan sogar gesundheitsschädlich und steht unter dem Verdacht Krebs-erregend zu sein. Wird aber nach der Entkoffeinierung abgegossen und hat einen Siedepunkt bei 39,8 °C. Also dürfte nach der Röstung nichts mehr über sein.

Dichlormethan dient als Abbeizmittel für Lacke, Entfettungsmittel und Extraktionsmittel für Koffein sowie als Lösungsmittel für Harze, Fette, Kunststoffe und Bitumen. Außerdem wird es als Kältemittel in Kühlaggregaten eingesetzt. Wer noch mehr darüber wissen will, kann bei Wikipedia nachlesen.

Nach diesem Prozess werden die Bohnen getrocknet und dann geröstet. Jammmy 😉

Vor und Nachteile:

  • Günstig
  • Viel Chemie
  • Geschmack?
  • Das Koffein kann weiterverarbeitet werden

Swiss Water® Process:

Diese Methode wurde von der Swiss Water Decaffeinated Coffee Company entwickelt und vermarktet. Die ungerösteten Kaffeebohnen werden in heißem Wasser aufgeweicht und geben so all ihre Bestandteile ab. Auch Koffein und Aroma. Das „Aromatisierte“ Wasser („green coffee extract (GCE)“) läuft jetzt durch einen Aktivkohlefilter, durch den alle Koffeinmoleküle entfernt werden. Die ersten grünen Kaffeebohnen werden entfernt und durch neue ersetzt und der Prozess wird in der GCE (was auch immer ) wiederholt bis die Kaffeebohnen zu 99,9 Prozent Koffein-frei sind.

Vor und Nachteile

  • Aufwändig
  • Teuer
  • Hoher Kaffeeverbrauch
  • Geschmack?
  • Das Koffein kann nicht weiter verwendet werden

Puh – das ist echt nicht einfach. Aber doch interessant. Ich habe das natürlich alles mit einem Hintergedanken geschrieben. Bis jetzt bin ich mir sicher bei „echtem Kaffee“ zu bleiben. Ich trinke auch keinen Wein ohne Alkohol. Aber wie immer wird im Barista Blog getestet! Und es kommt natürlich ein hochwertiger Espresso (wenn das bei Decaf möglich ist?) in die Tasse.

Ein weiterer Espresso der BPCC im Test.

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Entkoffeinierung durch:

Swiss Water® Process – ist es nicht ein Traum, dass wir jetzt alle wissen, wie der funktioniert. Zu Erinnerung: das ist der ohne Chemie und das schwarze Kreuz auf orangenem Hintergrund 😉

Geruch

Riecht schon wie ein „echter“ Espresso. Schokoladig, weich und lieblich süß. Mehr Aroma, als ich erwartet habe.

Säure

Eine milde und passende Säure. Ich spüre ein leichtes Prickeln auf den Zungenaußenseiten – das ist allerdings nicht leicht aus zu machen.

Körper

Piraten EspressoDieser Espresso hat einen mittleren Körper. Er wirkt sehr partikelhaltig. Ob das gut oder schlecht ist, ist sicher Geschmackssache. Ich finde es gut.

Crema

Kräftig, dunkel fleckig, homogen und nach dem ersten Schluck noch da. Mit anderen Worten: „sie ist, wie sie sein sollte!“

Abgang

Ist recht lang. Rauchig und es findet sich das Partikelgefühl wieder.

Bewertung

Was fällt dem denn ein auch noch zu schmecken!? Ja ich gebe es zu – dieser Espresso ist nicht schlecht. Ich habe bisher noch keinen so guten Entkoffeinierten Espresso getrunken. Wer darauf wert legt, macht mit dieser Mischung aus verschieden Anbauregionen (Guatemala, Kolumbien und Äthiopien) alles richtig.

Entkoffeinierter Kaffee – Resümee

Das ich kein Fan von entkoffeiniertem Kaffee und Espresso bin, wird jedem Leser des Barista Blogs schon durch den ein oder anderen Kommentar aufgefallen sein. Ich finde Koffein gehört da einfach rein. Für alle, die aus welchen Gründe auch immer, das nicht wollen/ dürfen kann ich nur sagen: Was für andere Kaffees und Espresso gilt, zählt auch hier! Qualität hat ihren Preis. Gebt lieber mehr Geld aus.

 

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