Ist Kaffee ungesund? Nur wenn dir ein 100-Kilo-Sack auf den Kopf fällt!

Wo kommen eigentlich die vielen Gerüchte über schädliche Wirkungen von Kaffee her und warum halten sie sich so lange?

Ist Kaffee ungesund?

Wo kommen eigentlich die vielen Gerüchte über schädliche Wirkungen von Kaffee her und warum halten sie sich so lange?

Je mehr medizinische Studien über Kaffee erscheinen, desto klarer wird, dass Kaffee nicht ungesund ist. Immer öfter stellen Forscher sogar fest, dass Kaffee positiv auf die Gesundheit wirkt und anscheinend vor Krankheiten schützt.

Calciummangel GesundheitNatürlich gelten solche Aussagen immer nur für halbwegs vernünftige Mengen. Im Übermaß ist irgendwann alles ungesund. Oder eben wenn es einem auf den Kopf fällt. Der Spruch geht auf ein Zitat des Kaffeehändlers Albert Darboven zurück und bringt die Sache für mich super auf den Punkt.

Woher die Gerüchte und Ängste auch kommen, sie werden wohl nicht so bald wieder verschwinden. Deshalb versuche ich in diesem Artikel noch mal, die “beliebtesten” Gerüchte über angeblich ungesunden Kaffee zu entkräften.

Wie immer bei Gesundheitsthemen belege ich alle Aussagen mit vertrauenswürdigen Quellen. Trotzdem weise ich ausdrücklich darauf hin, dass ich kein Arzt, Biologe oder Ernährungsberater bin. Meine Artikel ersetzen in keinem Fall eine ärztliche Beratung.

Redet immer mit einem Arzt, bevor ihr Entscheidungen trefft, die sich auf eure Gesundheit auswirken. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Kaffee verringert Krebsrisiken

Krebs gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Krankheiten, und Kaffee galt lange als möglicher Risikofaktor. Doch hier hat sich das Blatt gewendet. Heute deuten die verfügbaren Daten eher darauf hin, dass Kaffee das Risiko für einige Krebsarten senkt.

Diese Information habe ich von einer guten Übersichtsseite des deutschen Krebsinformationsdienstes zum Thema Kaffee und Gesundheit. Demzufolge verringert Kaffee das Erkrankungsrisiko für Leber-, Nieren- und vielleicht auch Darm- und Brustkrebs.

Wenn die Forschung das langfristig bestätigen sollte, könnte es auch noch für andere Krebsarten gelten. Die Krebsforschungsorganisation Cancer Research UK deutet sogar an, dass die Erforschung dieser Schutzwirkung des Kaffees helfen könnte, neue Krebstherapien zu entwickeln.

Die Internationale Krebsforschungsagentur hat im Juni 2016 erklärt, dass es keine Beweise für eine krebserregende Wirkung von Kaffee gibt. Hier die englische Pressemitteilung als PDF. Die Agentur hat sich damit von ihrem früheren Standpunkt verabschiedet, der seit 1991 lautete, Kaffee wäre “vielleicht” krebserregend.

Die Forscher sehen allerdings Anhaltspunkte dafür, dass zu heiße Getränke (ab 70 Grad) das Risiko erhöhen, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Das hat nichts direkt mit Kaffee zu tun, sondern nur mit der Temperatur. Es gilt genauso für heißes Wasser. Normal ist für Kaffee aber eher eine Temperatur von 60 bis 65 Grad.

Hoher Blutdruck: Ist Kaffee ungesund fürs Herz?

Ein weiterer Evergreen unter den Gerüchten ist, dass Kaffee ungesund fürs Herz oder für den Blutkreislauf wäre. Die Vermutung kommt wahrscheinlich daher, dass die anregende Wirkung des Koffeins tatsächlich den Blutdruck erhöhen kann und dass man das nach einer kräftigen Tasse Kaffee auch spürt.

Herz Kreislaufsystem und KaffeeAn vorübergehend erhöhtem Blutdruck ist aber nichts ungesund.

Im Jahr 2013 ist ein großer wissenschaftlicher Artikel erschienen, für den die Forscher Daten von 36 medizinischen Studien aus den Jahren 1966 bis 2013 ausgewertet haben. Dabei ging es speziell um mögliche Zusammenhänge zwischen Kaffeekonsum und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Auf Basis dieses Artikels und anderer Quellen habe ich das Thema Kaffee und Blutdruck für Coffeeness schon mal ausführlich behandelt.

Die Quintessenz:

Kaffee erhöht nicht das Risiko, an Herz oder Kreislauf zu erkranken. Die Analyse von 2013 stellt sogar fest, dass mittlerer Kaffeekonsum (etwa drei Tassen am Tag) das Risiko zu verringern scheint. Bei stärkerem Konsum (fünf Tassen am Tag) “erhöhte” es sich wieder auf das Niveau, auf dem es auch ohne Kaffee wäre.

Hoher Blutdruck und Bluthochdruck sind völlig verschiedene Dinge. Starker Kaffee kann den Blutdruck erhöhen, vor allem wenn die Person nicht daran gewöhnt ist. Aber hohen Blutdruck habt ihr auch beim Sport, und der ist bekanntlich nicht ungesund. Er ist im Gegenteil wichtig, weil er das Herz-Kreislauf-System trainiert.

Bluthochdruck ist dagegen ein chronisch, also permanent hoher Blutdruck. Der ist gefährlich, weil er ständig die Arterien belastet. Die werden dadurch härter und enger, sodass der ganze Körper schlechter durchblutet ist. Das erhöht das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Ländern gehören.

Kaffee ist daran aber unschuldig. Um das Risiko zu senken, solltet ihr euch vielseitig ernähren, euch regelmäßig körperlich betätigen, zu viel Stress vermeiden und natürlich nicht rauchen. Wenn ihr vermutet, unter Bluthochdruck zu leiden, sprecht auf jeden Fall mit einem Arzt.

Calciummangel durch Kaffee?

Immer wieder höre ich auch, dass Kaffeekonsum einen Calciummangel bewirken oder verstärken könne. Stimmt das?

Calciummangel KnochenCalcium ist wichtig für den Körper. Es ist ein Hauptbestandteil von Zähnen und Knochen. In kleineren Mengen brauchen außerdem Nerven und Muskeln Calcium. Wenn die zu wenig davon über die Ernährung bekommen, holt sich der Körper das Calcium aus den Knochen.

Das kann zu Osteoporose (Knochenschwund) führen, einer häufigen Alterskrankheit, bei der die Knochen geschwächt sind und leichter brechen. Außerdem kann der Rücken krumm werden, was dann auch schmerzhaft ist.

Was hat das mit Kaffee zu tun? In Wirklichkeit nicht viel.

Unter anderem bewirkt Koffein, dass der Körper verstärkt Flüssigkeit ausscheidet. Daher kommt auch die Befürchtung, dass Kaffee den Körper “dehydriert”, ihm also Flüssigkeit entzieht, obwohl Kaffee selbst flüssig ist. Dazu komme ich unten noch.

Es stimmt, dass Koffein diese Wirkung hat. Sie fällt aber kaum ins Gewicht. Laut einer Studie von 2002 genügen zwei Esslöffel Milch, um den Calciumverlust durch Koffein auszugleichen. Zum Vergleich: Der Tagesbedarf an Calcium entspricht etwa einem Viertelliter Milch, einem Becher Yoghurt plus zwei Scheiben Käse. Dagegen sind zwei Esslöffel nicht viel.

Milchkaffeetrinker können das Thema also schon mal abhaken. Die Milch leistet einen guten Beitrag zum Calciumhaushalt. Aber nicht nur Milchprodukte liefern Calcium, sondern auch verschiedene Obst- und Gemüsesorten, Nüsse und Sonnenblumenkerne, Fisch, Eier und andere Lebensmittel.

Kurz: Um mit Kaffee einen Calciummangel auszulösen oder zu verstärken, müsstet ihr euch generell ziemlich mangelhaft ernähren. Das wäre mit Abstand das größere Problem, um das ihr euch dann kümmern solltet.

Wenn ihr euch genauer informieren wollt, empfehle ich meinen ausführlichen Artikel zum Thema Kaffee und Calciummangel.

“Kaffee dehydriert nicht, sonst wäre ich schon Staub”

Noch ein schönes Zitat zur Ehrenrettung des Kaffees. Angeblich stammt es von Franz Kafka.

Der Mythos, dass Kaffee dem Körper Flüssigkeit raube, ist seit langem widerlegt. Heute behauptet das niemand mehr ernsthaft. Koffein regt die Ausscheidung von Flüssigkeit an, aber der Effekt ist begrenzt und der Körper steuert schnell dagegen.

Hier findet ihr einen netten Artikel im Tagesspiegel dazu, der sich auf eine aktuelle Studie bezieht. Normalerweise zitiere ich bei wissenschaftlichen Fragen nicht so gerne rein journalistische Quellen, aber in diesem Fall ist der Wissensstand eindeutig.

So eindeutig, dass die Deutsche Gesellschaft für Ernährung in ihrem Flyer “Richtig trinken – fit bleiben” das Thema mit einem Satz abhandelt: “Kaffee sowie schwarzer und grüner Tee können in der Flüssigkeitsbilanz wie jedes andere Getränk behandelt werden.”

Ist Kaffee ungesund für die Zähne?

Ich weiß nicht genau, woher das Gerücht kommt, dass Kaffee ungesund für die Zähne sein soll. Beim Recherchieren habe ich keine Seite gefunden, die das behauptet, aber dafür einige, die das Gegenteil beweisen. Außerdem kam mir dabei in die Quere, dass Kaffee die Zähne verfärben kann.

Das stimmt, aber “schädlich” ist es höchstens für euer Lächeln, und es ist nichts, was ihr durch Zähneputzen und professionelle Zahnreinigungen nicht in den Griff bekommen würdet. Diese Zahnreinigungen sind ja auch medizinisch sinnvoll, weil der Zahnarzt dabei Beläge entfernt, in denen sich Bakterien ansiedeln.

Ich sehe zwei Möglichkeiten, wie man darauf kommen könnte, dass Kaffee ungesund für die Zähne ist.

Erstens: Zähne brauchen Calcium. Der geringe Calciumverlust durch Koffein fällt aber nicht ins Gewicht – siehe oben.

Zweitens: Kaffee enthält Säure und Säure greift die Zähne an. Hier droht aber auch keine Gefahr, denn Kaffee ist weniger sauer als viele andere Getränke, zum Beispiel Wein, Apfelsaft, Orangensaft und Cola. Dazu gibt es einen schönen Artikel im Tchibo-Blog.

Mit Kaffee und Zahngesundheit hat sich auch der Informationsdienst “Go Ask Alice” beschäftigt, der zur Columbia University in New York gehört. Demzufolge schützt Kaffee die Zähne sogar vor Bakterien. Das behauptet auch die Berliner Zeitung auf Basis einer italienischen Studie und das Portal der Zahnmedizin.

Eine andere, etwas neuere Studie habe ich selbst beim Googeln gefunden. Die Forscher haben gezogene Zähne in verschiedene Getränke “eingelegt” und zwei Wochen lang regelmäßig gewogen, um festzustellen, ob sie an Substanz verlieren.

Das Ergebnis: Der Zahn im Kaffee verlor geringfügig mehr Gewicht als der im Leitungswasser, aber ein Vielfaches weniger als Zähne in Eistee, Cola oder Sprite. Diät-Cola schneidet fast überhaupt nicht besser ab als normale Cola.

Aber auch der geringe Gewichtsverlust des Kaffee-Zahns kam unter extremen Bedingungen zustande. Er war rund um die Uhr von nichts anderem als Kaffee umgeben. Selbst wenn ihr ständig Kaffee trinken würdet, hätten eure Zähne noch bessere Karten, denn im Mund können sich Zähne regenerieren. “Remineralisierung” ist der Fachausdruck dafür.

Der European Food Information Council hat eine hervorragende Übersichtsseite zum Thema Zahngesundheit auf Deutsch.

Praktisch täglich greifen Säuren aus Speisen und Getränken den Zahnschmelz an, indem sie ihm Mineralien entziehen. Die aber holt sich der Zahn aus seiner natürlichen Umgebung zurück. Die wichtigste natürliche Quelle dafür ist der Speichel. Wir unterstützen die Remineralisierung unter anderem mit fluoridhaltiger Zahnpasta.

Wegen dieser Kraft zur Regeneration empfehlen Zahnmediziner, nach dem Verzehr stark säurehaltiger Lebensmittel nicht sofort die Zähne zu putzen. Das Zähneputzen drückt die Säure sonst nur noch fester gegen den Zahn. Nach einer halben Stunde oder Stunde haben die Zähne selbst schon einen Teil der Säure unschädlich gemacht.

Fazit: Vorsicht vor 100-Kilo-Säcken Kaffee!

Es noch mehr Kaffee-Mythen, die ich hier nicht besprochen habe. Zum Beispiel bin ich auf die Behauptung gestoßen, Kaffee sei ungesund für die Haut. Als ich das recherchieren wollte, war ich sofort in der buntesten Gerüchteküche und umzingelt von unzähligen gefühlten Wahrheiten über Kaffee und das Funktionieren des Körpers.

Kaffeesoprte Espresso mit Crema

Da hat jemand Hautprobleme und fragt in einem Forum nach möglichen Ursachen, jemand anderes antwortet, er hat mal gehört, dass Kaffee den Körper entwässert, und die Haut braucht doch Feuchtigkeit …

Es gibt keine Beweise dafür, dass Kaffee ungesund sei, aber immer mehr Hinweise, dass er positiv wirkt. Der anregende Effekt des Koffeins ist Geschmackssache, aber er schadet nicht. Ein internationales Forscherteam hat 2015 sogar festgestellt, dass Kaffee gegen chronischen Stress hilft.

Was meint ihr, habe ich was Wichtiges vergessen? Ergänzt gerne weitere Infos in den Kommentaren, am liebsten mit guten Quellen!

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