Der Klarstein Aquavita Wasserkocher im Test

Der Klarstein Aquavita Wasserkocher im Test Ergebnis

Mein Wasserkocher Test 2017 scheint ein paar Wellen zu schlagen (Wasser, Wellen, get it? 😉 ), denn ich erhalte inzwischen Anfragen von Firmen, die ihre Produkte gern von mir testen lassen würden. Das mache ich natürlich gerne. In diesem Fall ist es der Klarstein Aquavita Wasserkocher.

In diesem Fall hat mich Klarstein angesprochen, eine noch relativ unbekannte Firma aus Berlin, die neben Wasserkochern eine ganze Palette an Home & Living-Geräten im Angebot hat. Markenbotschafterin ist Enie van de Meiklojkes – und das passt.

Denn bei Klarstein weht ein echter Retrohauch durch die Designideen, es geht um die neue Lust am Kochen und Backen mit Vintage-Feeling. Das sieht man auch dem Wasserkocher Klarstein Aquavita an, den ich hier für euch ausführlich bespreche.

Design Wasserkocher!
Klarstein Aquavita

Gutes Preis-Design-Verhältnis und ohne Kunstoff.

Als kleines Gegenprogramm habe ich mir auch den Klarstein Assam Express Wasserkocher angeguckt, der eine Mischung aus Wasser- und Teekocher ist. Aber dazu gibt’s natürlich einen eigenen Testbericht.

Der Aquavita ist ein Beispiel dafür, was ich im großen Ratgeber über Design Wasserkocher gesagt habe: Ein unschlagbarer Look heißt nicht unbedingt, dass das Gerät ebenso unschlagbar ist. Der Klarstein Aquavita ist jedoch keineswegs schlecht – kleine Abstriche müsst ihr trotzdem machen.

Design Wasserkocher

Einen direkten Konkurrenten in meiner Geräteauswahl kann ich bisher nicht benennen. Am ehesten ließe sich der Aquavita noch mit dem WMF Bueno aus Edelstahl oder dem Aicok Wasserkocher vergleichen – aber nur des Materials wegen. Der Rest spielt fast in einer eigenen Kategorie.

So habe ich getestet

Wie schon in der letzten Testrunde habe ich für den Klarstein Aquavita mein Küchenthermometer und ein Stromzählergerät gezückt – zwecks Laborbedingungen und so.

Auch der Aquavita musste sich folgenden Bedingungen stellen:

  • Füllmenge 1 Liter bei einer Wassertemperatur von 19 Grad.
  • Kochzeit mit der Stoppuhr festhalten.
  • Messung von Stromverbrauch und tatsächlicher Leistung per Stromzähler
  • Messung der Temperatur direkt nach dem Kochen.
  • Messung der Wassertemperatur nach Standzeit von 1 Minute mit offenem Deckel.

Wenn ihr mehr wissen wollt, warum ich da so genau hingeschaut habe und was das mit Kaffee oder Tee zu tun hat, empfehle ich euch meinen Übersichtsartikel zu Wasserkochern sowie den Streifzug durch die verschiedenen Zubereitungsmethoden.

Arne mit dem Deckel

Der erste Eindruck

Wenn ich schon auf meine Einlassungen zum Thema Design Wasserkocher hinweise, dann muss ich fairerweise sagen, dass Klarstein im Gegensatz zu den anderen Vertretern, die ich genannt habe (Russel Hobbs und KitchenAid) einen riesen Vorteil hat:

Bei Amazon kostet der Klarstein Aquavita in Creme, zum jetzigen Zeitpunkt (29.03.2017), schnuckelige 42 Euro und ist damit wesentlich günstiger als die Design-Konkurrenz. Das tut dem Look aber keinen Abbruch:

Der Aquavita sieht wie ein ganz klassischer Wasserkessel aus den Fünfzigern oder Sechzigern aus. An der Seite thront eine analoge Zeigerskala für die Wassertemperatur, sodass ihr in einer Mußestunde dem Wasser beim Erhitzen ganz meditativ zugucken könnt.

In der Verpackung

Beim Einfüllen des Leitungswassers habe ich übrigens gesehen, dass diese Skala ziemlich genau ist, was euch später beim Ermitteln der perfekten Temperatur für Tee oder Kaffee natürlich zugute kommen wird.

Der Sockel ist aus Kunststoff und sehr breit, was der bauchigen Form des Kessels geschuldet ist. Ich finde ihn etwas zu leicht, aber die breite Grundfläche löst evtl. Wackelprobleme spielend leicht auf.

Der Kessel selbst besteht komplett aus Edelstahl, nicht einmal die Unterseite des Deckels enthält Kunststoff. Und das ist natürlich ein riesiger Vorteil, den ich sehr lobenswert erwähnen muss.

Der Griff liegt gut in der Hand und ist aus nichtleitendem Kunststoff. Hier ist das Material auch angebracht.

Der Deckel bereitet mir schon im Vorfeld ein wenig Kopfzerbrechen. Er ist komplett abnehmbar, was für die Reinigung prima ist. Allerdings lässt er sich nur schwer fest auf den Rand drücken und geht ebenso schwer wieder ab. Und das könnte später mit kochendem Wasser blöd werden. Wird es auch.

Die Tülle (ohne nennenswerten Kalkfilter) ist aber ziemlich klasse geformt und ich finde sie zum Ausgießen besser als bei allen anderen Geräten im Test.

Wie schon beim Bueno oder Severin Wasserkocher deutlich wurde, ist die Sache mit der Füllskala bei einem Metallkocher schwierig. Der Severin WK 3364 hat das am besten gelöst, der Klarstein Aquavita zieht hier leider komplett den Kürzeren.

Es gibt nämlich nur eine max-Anzeige im Inneren. Ein Blick auf die Packung hat mir verraten, dass diese Anzeige bei 1,7 Liter liegt. Ansonsten müsst ihr also entweder raten, Pi mal Daumen Wasser kochen oder wie ich einen Messbecher benutzen.

Bis hierher gibt es ein paar eindeutige Pro-Argumente, und nur so manches Contra-Argument gegen den Klarstein Aquavita:

PRO

  • 360 Grad Sockel.
  • gutes Gewicht.
  • gute Verarbeitung.
  • standstabil.
  • guter Sockel.
  • sehr gut geformter Ausgießer.
  • toller Look.
  • Temperaturanzeige (genau).
  • KEIN Kunststoff!

CONTRA

  • keine nennenswerte Füllskala.
  • kein nennenswerter Kalkfilter.
  • schwieriger Deckel.
  • keine Einhand-Bedienung möglich.

Grundsätzlich mag ich vor allem den Look, den Preis und die kleinen Einfälle, wie die Temperaturanzeige und die bombige Tülle. Aber was kann er denn nun?

Der Klarstein Aquavita Wasserkocher im Einsatz

Wie auch der Edelstahlfreund von WMF ist der Aquavita eine Freude für die Nase. Will heißen: Aus dem Gerät kommt auch nicht ein Fitzelchen Neugerätegeruch. Trotzdem habe ich ihn vor dem Benutzen gereinigt. Sicher ist sicher.

Theoretisch ist ein Edelstahlwasserkocher überaus flink. Das hängt aber immer von der Isolierung, der Power und der Materialwahl ab.

Ich musste dreimal hingucken, ob der Aquavita an ist, denn die Signalleuchte ist sehr klein und das Gerät selbst überaus leise – selbst kurz vor dem Kochen.

Temperatur Anzeige

Bei den technischen Werten würde ich den Kocher im sehr guten Mittelfeld einordnen:

  • Einer ausgewiesenen (!) Maximalleistung von 2.200 Watt steht eine tatsächliche Leistung von 1.860 Watt gegenüber.
  • Direkt nach dem Kochen beträgt die Temperatur fast perfekte 99 Grad Celsius.
  • Eine Minute später steht das Thermometer bei Handfilter-verträglichen 94,4 Grad Celsius.
  • Das Ganze hat 3.30 Minuten gedauert.
  • Es wurden 0,108 kWh verbraucht.

(Die Werte aller getesteten Geräte findet ihr im Vergleich im Ratgeber-Text.)

Wenn ihr genauer hinschaut, werdet ihr sehen, dass der Aicok Wasserkocher und der Klarstein Aquavita sehr nah beieinander liegen.

Ein und Aus Schalter

Bisher hatte nur der Bosch Styline darauf hingewiesen, dass die Wattzahlen Maximalangaben sind. Klarstein hält sich ebenso an diese Offenheit und schafft damit grundsätzlich schon einmal Verbrauchervertrauen.

Der Bauch des Kochers wird recht heiß, aber ich habe das Gefühl, dass die emaillierte (?) Oberfläche ein bisschen Hitze abhält und ich nicht (wie beim Bueno) das Gefühl habe, Brandsalbe auftragen zu wollen.

Eine Sache halt ich aber für wirklichen Quatsch: Der Deckel will nach dem Kochen nur widerspenstig aufgehen und dabei gibt es den ein oder anderen heißen Wasserspritzer. Der Kocher ist also in meinen Augen nicht dafür geeignet, ihn direkt nach dem Kochen zu öffnen.

Ihr solltet lieber etwas länger warten und euch an die Temperaturanzeige halten, um die beste Wassertemperatur zu finden.

Kommen wir kurz zu den wichtigsten Fakten im Überblick:

Vorteile

  • solide technische Werte bei Kochzeit und -temperatur.
  • Selbstabschaltung.
  • Das Wasser wird wirklich heiß.
  • keine Geruchsentwicklung.
  • guter Temperaturabfall für schnellen Wassergebrauch.
  • sehr gutes Ausgießen.
  • Offenheit bei der Leistung.

Nachteile

  • Deckel widerspenstig.

Mal von dem Deckel abgesehen, kann sich der Klarstein also sehr gut mit der gesamten Konkurrenz messen, nur Bosch und WMF überflügeln ihn – aber nicht beim Look!
Die Reinigung

Eine beschichtete Edelstahloberfläche hat den Vorteil, dass ihr hier nicht jedes Mal polieren müsst, um einen sauberen Eindruck zu erhalten.

Beim Aquavita ist das Reinigen des Innenraums recht einfach und hier ist auch der abnehmbare Deckel sinnvoll. Die Öffnung ist groß genug. Ich würde warten, bis der Korpus abgekühlt ist, aber dann geht’s ratzfatz.

Mein Fazit: Was taugt der Klarstein Aquavita Wasserkocher?

Ich empfinde den Klarstein Aquavita Wasserkocher als ein sehr schickes Gerät zum vernünftigen Preis, das in Sachen Leistung durchaus solide ist. Was kann man daran nicht mögen?

Ausschank mit dem Wasserkocher

Allerdings sollten die Produktdesigner in meinen Augen beim Deckel unbedingt nacharbeiten und auch von einer anständigen Füllskala würde dieses Teil noch profitieren. Die Sache mit dem fehlenden Kalkfilter ist ebenso eine Überarbeitung wert.

Design Wasserkocher!
Klarstein Aquavita

Gutes Preis-Design-Verhältnis und ohne Kunstoff.

Überaus lobenswert ist für mich, dass der Wasserkocher ohne Kunststoff an den neuralgischen Punkten auskommt. Auf der anderen Seite ist er aber nichts für sehr kleine Küchen, da er doch recht viel Platz beansprucht.

Insgesamt steht bei diesem Wasserkocher mal wieder das alte Problem von „Style over Substance“ im Vordergrund, doch nur in den Details.

Wie seht ihr das? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar!

3 Kommentare
  • Barbara Buchmann
    24 Juni, 2017

    Haber mir aufgrund der Beschreibung hier diesen Wasserkocher gekauft. Zuerst war ich begeistert, denn er sieht einfach toll aus.
    Dann kam aber die Ernüchterung: Minimaleinfüllmenge ist 0,75 l Wasser! D.h. , wenn ich mir morgens meine Tasse Tee mache kann ich einen halben Liter Wasser wegschütten! Abends das gleiche. Kannen mache ich halt nicht immer.
    Deswegen geht er wieder zurück, sehr schade!!

  • Helwig Arenz
    26 September, 2017

    Hallo,
    ich habe mir den Wasserkocher auf deinen Test hin bestellt. Aber ich war enttäuscht, dass im Innenraum des Kessels zwei Kunststoffteile verbaut sind.
    Werde ihn zurückschicken.

  • Harald Thielking
    17 Februar, 2018

    Hallo,

    gut schonmal, daß man sich für Kommentare nicht anmelden muß. Ich finde das lästig auf Seiten, die man selten oder nur mal “nebenbei” besucht.

    Zum Kessel: ich bin relativ zufrieden mit einem sehr ähnlichen der Marke KHAPP. Habe ich beim Allesverkäufer gekauft und bin als rückwärtsgewandter Traditionalist – gilt übrigens auch für Melitta Filter -, recht zufrieden damit. Hat indes weder Thermometer noch Füllanzeige, beides würde das “Retro-Design” schmälern, finde ich. Elektrisch ist schon das maximale Zugeständnis an Modernität. Ich bin da nunmal etwas anglophil schrullig, für Tee habe ich z.B. einen extra Flötenkessel (einen aus England natürlich) der noch ganz altmodisch auf den Herd gestellt wird. Ein Teethermometer – so eine Art kleines Fieberthermometer -, habe ich auch, und Tee-/Kafferwasser läuft bei uns sowieso durch einen großen Wasserfilterbehälter zunächst in einen bis anderthalb Liter fassenden Meßbecher. Ergo kein weiterer Bedarf.

    Einziges Mank des KHAPP: der Deckel ist an der Unterseite sehr schmal bzw. scharfkantig, und da man ihn, nicht nur als Old Tatterhand, nicht immer ganz exakt und millimetergenau aufsetzt, ist alsbald die Kessel-Lackierung um die Einfüllöffnung herum abgeschabt, was häßlich aussieht!

    Dafür ist die Öffnung aber größer, genau mittig und gerade im Vergleich zum Klarstein, was die Reinigung erleichtert.

    Und ein Kalksieb in der Tülle hat er auch, – die Löcher sind aber jeweils ca. 2-3mm riesengroß und würden nur regelrechte dicke Klumpen zurückhalten, Kalk oder sonstwas, das im Wasser schwimmt (*ihgittihgitt-brrrh*). Dieses “Sieb” ist natürlich sinnlos, man hätte es besser weggelassen. Denn nach Reinigung des Kessels mit den üblichen Entkalkungspulvern bleibt auf der Außenseite des Siebs (wenn man in die Tülle hineinguckt) die bräunliche Kalkverfärbung zurück, die man noch extra z.B. mit Essig abwischen muß. Wenn sie einen stört, denn von innen ist alles sauber. Naja, das pure Glück totaler Zufriedenheit ist in dieser Welt selten, nicht wahr?

    Weiß nicht ob es zulässig ist, jedenfalls hier der Link von wegen Bild und Preis (65 Teuro) usw.:

    Amazon: KHAPP Retro Premium Wasserkocher

Ich freue mich über deinen Kommentar

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