Der Philips HD4646/20 Wasserkocher im Test

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Letztes Update: 04.02.2017: Die Wasserqualität und -temperatur haben für Kaffee mindestens ebenso eine Bedeutung wie die Kaffeebohnen und die Zubereitungsart.

Philips Wasserkocher im Test

Letztes Update: 04.02.2017: Die Wasserqualität und -temperatur haben für Kaffee mindestens ebenso eine Bedeutung wie die Kaffeebohnen und die Zubereitungsart.

Als großer Freund der manuellen Zubereitungsmethoden war es also an der Zeit, mich einmal mit dem Thema Wasserkocher auseinanderzusetzen.

Viel Kunstoff!

Philips HD4646/20 Wasserkocher

Ich würde lieber mehr Geld ausgeben!

Kocht relativ schnell

Verbraucht Strom im Rahmen

Trockengehschutz

Ordentliche Isolierung

Nennleistung entspricht nicht tatsächlicher Leistung

Kein Betriebssignal

Schaut euch lieber alternativen an
Best Product

Worauf ihr dabei grundsätzlich achten müsst und was für oder gegen einen Wasserkocher spricht, habe ich im Begleittext zum großen Wasserkocher Test 2017 erklärt. Dort findet ihr alles zum Thema Wasserhärte oder der Wassertemperatur für verschiedene Kaffees.

In diesem Artikel geht es um den ausführlichen Test des Philips HD 4646/20 Wasserkochers. Dieser Wasserkocher ist ein typisches Einsteigergerät aus schwarzem Kunststoff, wie es wohl in vielen Küchen steht.

Mit rund 21 Euro ist er ziemlich günstig und hält die Pole-Position auf der Bestsellerliste von Amazon. Doch sind diese Lorbeeren überhaupt gerechtfertigt? Was kriegt ihr für den Preis? Und vor allem: Müsste man überhaupt mehr für einen Wasserkocher ausgeben?

Ich finde, grundsätzlich ja.

So habe ich getestet

Bei meinen anderen Testberichten kann ich meist viele wichtige Faktoren am Gerät auch am fertigen Kaffee abhaken: Stimmen der Mahlgrad und der Geschmack? Stimmt die Handhabung und alles was dazu gehört?

Bei einem Wasserkocher ist das schon schwieriger, denn erstens ist Wasser vorher und hinterher immer noch Wasser. Zweitens haben bestimmte Geräte einer Gruppe (zum Beispiel Wasserkocher aus Glas oder mit Temperatureinstellung) meist ziemlich ähnliche Eigenschaften.

Für meinen Wasserkocher Test 2017 bin ich deshalb fast wissenschaftlich an die Sache herangegangen und habe für alle Produkte die gleiche Ausgangssituation geschaffen und knallharte technische Werte überprüft – natürlich zusätzlich zu üblichen Testaspekten wie Handling, Ausstattung etc.

Den Philips HD 4646/20 Wasserkocher habe ich (wie alle anderen Geräte) unter folgenden „Laborbedingungen“ getestet:

  • Ausgangstemperatur des Wassers rund 19 Grad Celsius (kommt so aus meinem Wasserhahn).
  • Füllmenge zum Aufkochen: 1 Liter.
  • Messen der Kochzeit mit der Stoppuhr.
  • Messen des Unterschieds zwischen Nenn-Leistung und tatsächlicher Wattzahl mit dem Arendo Stromverbrauchszähler.
  • Messen des Stromverbrauchs mit dem gleichen Zähler.
  • Wassertemperatur direkt nach dem Kochen.
  • Wassertemperatur nach 1 Minute Standzeit mit offenem Deckel.

Diese Mühe habe ich mir nicht ohne Grund gemacht: Die Wassertemperatur muss immer genau zur Zubereitungsmethode passen und wer täglich viel Wasser kocht, sollte sich nicht gerade einen Stromfresser ins Haus holen.

Die Standzeit-Messung erklärt sich aus einer typischen Barista-Faustformel: Wasser aus dem Wasserkocher erreicht nach etwa einer Minute eine für den Handfilter oder die French Press geeignete Temperatur von etwa 94 Grad – zumindest theoretisch.

Der erste Eindruck

Beim Philips HD 4646/20 Wasserkocher gibt es beim Auspacken wenig Überraschungen. Er besteht vollständig aus Kunststoff, ist ziemlich leicht und setzt sich aus einem kabelgebundenen Sockel nebst kabellosem Behälter zusammen.

Mit Verpackung

Ein dicker Pluspunkt: Ihr könnt den Behälter in jeder beliebigen Richtung auf den Sockel setzen. Der Sockel an sich steht relativ stabil auf der Arbeitsplatte, allerdings wackelt der Behälter darauf herum, sobald ihr ihn aufsetzt.

Mit Sockel

Die beidseitige Füllskala geht von 0,5 bis 1,5 Liter, doch bin ich mir nicht ganz so sicher, wo die jeweiligen Stände liegen und ob die Punkte dazwischen Viertelliter-Schritte sind. Ich habe das Wasser jedenfalls bis zur Zahlenangabe 1.0 aufgefüllt.

Die Skala

Es gibt keinen Druckknopf zum einhändigen Öffnen des Deckels, was schon einmal dicke Abzüge in Sachen Handling bringt. Auch ist der Deckel, wenn ihr am Griff zieht, ziemlich widerspenstig und quietscht unheilvoll.

Der Deckel wirkt gefährlich

Der Kalkfilter am Ausgießer ist überraschenderweise recht groß und ziemlich fein und das ist bei den Wasserhärten in unseren Breitengraden überaus wichtig, wenn man keinen Wasserfilter benutzen möchte. Mehr dazu erfahrt ihr im Wasserkocher Test 2017.

Der Ein-Aus-Schalter hat ziemlich viel Spiel und beim ersten Anschalten war ich mir nicht ganz sicher, ob der Wasserkocher nun an ist. Das hatte aber auch noch andere Gründe.

Schalter ein / aus

Zum Erhitzen nutzt der Wasserkocher den modernen Standard für diese Geräteart: Das Wasser wird auf einem flachen Heizelement aus Edelstahl erhitzt. Das geht theoretisch schneller und der Kocher lässt sich hinterher wieder gut säubern.

Ist der Deckel erst einmal auf, funktioniert das mit dem Befüllen aber ganz leicht und auch die gut geformte Tülle deutet darauf hin, dass ihr zumindest halbwegs vernünftig ausgießen könnt.

Trotz all dieser Macken liegt der Philips Wasserkocher ganz gut in der Hand und bringt auch ein gewisses Eigengewicht mit, was ich bei einem Gerät stets zu schätzen weiß. Mit rund 21 Euro bei Amazon ist der Wasserkocher natürlich ein Schnapper – für viele ein wichtiges Argument.

Fassen wir also bis hierhin zusammen:

Das sieht gut aus!

  • 360 Grad Sockel.
  • beidseitige Füllskala.
  • relativ gutes Gewicht.
  • relativ standstabil.
  • gut geformter Ausgießer.
  • feiner Kalkfilter.
  • günstiger Preis.
  • flaches Heizelement.

Konnte auf den ersten Blick nicht überzeugen.

  • Deckel nur händisch zu öffnen.
  • Deckel klemmt ein bisschen.
  • Ein-Aus-Schalter hat viel Spiel.
  • grobe, unklare Füllskala.
  • Kunststoff.

Der letzte Punkt ist in meinen Augen absolut entscheidend, weil die Gefahr besteht, dass sich beim Wasserkochen Bestandteile aus dem Kunststoff lösen und ins Wasser geraten. Markenware hin oder her.

Der Philips HD4646/20 Wasserkocher im Einsatz

Dass ich mit dieser Vermutung nicht ganz falsch liege, zeigt sich am leichten Kunststoffgeruch, der beim ersten Kochen aus dem Gerät steigt. Darum mein Rat an alle Nutzer und für alle Geräte:

Kocht ein paar volle Ladungen, die ihr anschließend wegschüttet. Das spült zumindest Verunreinigungen und Produktionsrückstände aus dem Kocher. Ihr könnt zusätzlich mit Essig oder Zitronensäure ans Werk gehen.

Beim Wasser kochen

Widmen wir uns zunächst den technischen Werten, die der Philips HD4646/20 Wasserkocher im Test zeigt:

  • Laut Hersteller beträgt die Nennleistung ordentliche 2.400 Watt. Der Strommesser zeigt jedoch ausschließlich Werte um 2.000 Watt. Selbst mit viel gutem Willen und üblichen Schwankungen ist dieser Unterschied zu groß!
  • Die Wassertemperatur beträgt direkt nach dem Kochen 98,8 Grad Celsius.
  • Nach einer Minute sind es 94,4 Grad Celsius.
  • Für das Kochen hat der Philips HD 3.04 Minuten gebraucht.
  • Der Stromverbrauch beträgt 0,107 kWh.

Diese Werte allein sagen dem Laien nur wenig, darum findet ihr den Vergleich aller Wasserkocher im Test 2017 im Begleittext noch einmal übersichtlich zusammengefasst. An dieser Stelle müsst ihr nur wissen, dass der Philips im Normbereich zu Werke geht und ihr nach einer Minute Standzeit Kaffeewasser zur Verfügung habt. Auch der Stromverbrauch liegt im Rahmen.

Natürlich schaltet ein ordentliches Markengerät wie der Philips HD4646 automatisch ab, wenn es fertig gekocht hat. Dumm ist nur, dass ihr euch darauf verlassen müsst, dass der Philips überhaupt mit dem Kochen anfängt:

Es gibt keine Warnleuchte, kein Tonsignal, kein LED am Gerät, das euch irgendwie deutlich machen würde, dass es in Betrieb ist. Das halte ich für ein großes Sicherheitsrisiko, denn wie schnell kommt man aus Versehen auf einen Knopf, auch wenn dieser sinnvoll am Griff angebracht ist.

Zwar verfügt der Kocher laut Herstellerseite über einen Trockengehschutz, aber ich habe keine Lust, ständig Strom mit einem einsam vor sich hin rumpelnden Wasserkocher zu verbrauchen.

Der Korpus wird beim Kochen sehr warm, allerdings nicht heiß, was für eine recht ordentliche Isolierung spricht. Der Griff bleibt jedoch vollkommen kalt, was ich ebenfalls für ein KO-Kriterium bei einem Wasserkocher halte.

Spätestens aber, wenn ihr den Deckel aufmachen wollt, um das Wasser runter zu kühlen, zeigt sich, warum so ein Einsteigerding nur eine bedingt gute Idee ist. Denn es ist schon etwas schwierig, den Deckel ohne Wasserspritzer und Dampfkontakt aufzuhebeln.

Schauen wir uns die Pro- und Contras für den Philips HD 4646/20 Wasserkocher noch einmal in der Übersicht an:

Vorteile

  • kocht relativ schnell.
  • verbraucht Strom im Rahmen.
  • Selbstabschaltung und Trockengehschutz.
  • ordentliche Isolierung.

Nachteile

  • Nennleistung entspricht nicht der tatsächlichen Leistung.
  • kein Betriebssignal.
  • Sicherheitsrisiko Deckelöffnung.

Die Reinigung

Grundsätzlich müsst ihr einen Wasserkocher nicht ständig reinigen, solange ihr keine Suppe darin erhitzt (Tut das bitte nicht!). Bei einem Kunststoffkocher sieht man sowieso nicht, ob das Innere sauber ist oder nicht.

Wenn ihr gerade in Gegenden mit ultrahartem Wasser (wie etwa in Berlin) öfter mal Wasserreste vom Heizelement wegwischt, sorgt ihr allerdings dafür, dass die Leistung gleich bleibt und der Wasserkocher länger funktioniert. Außerdem könnt ihr so das Entkalken gut hinausschieben.

Der Philips HD ist da ein bisschen widerspenstig, weil Menschen mit großen Händen und Handtuch nur schwer in die eher schmale Öffnung kommen. Den Kalkfilter könnt ihr aber zum Durchspülen herausnehmen.

Direkt nach der ersten Koch-Session bleiben auf dem Heizelement übrigens kleine Wasser-Kalk-Flecken zurück, was dafür spricht, dass der verwendete Edelstahl nicht allzu hochwertig ist.

Mein Fazit: Was taugt der Philips HD4646/20 Wasserkocher?

Viel Kunstoff!

Philips HD4646/20 Wasserkocher

Ich würde lieber mehr Geld ausgeben!

Kocht relativ schnell

Verbraucht Strom im Rahmen

Trockengehschutz

Ordentliche Isolierung

Nennleistung entspricht nicht tatsächlicher Leistung

Kein Betriebssignal

Schaut euch lieber alternativen an
Best Product

Wie euch aufgefallen sein dürfte, habe ich am Philips HD4646 ganz schön viel auszusetzen. Auf der anderen Seite finde ich aber, dass das bei einem Preis von 20 Euro irgendwie zu erwarten war. Ja, der Kocher kocht, ja, er tut das auch recht schnell.

ABER: Ich traue Kunststoff nicht über den Weg, finde es ultrahässlich und außerdem macht es mir dieser Wasserkocher nicht gerade leicht, ihn zu benutzen.

Bei Testen - wie läuft das Wasser?

Zweifelsohne gibt es einige schlagende Argumente für den Philips HD 4646/20 Wasserkocher:

  • Sehr günstiger Preis.
  • gute Kochzeit.
  • verträglicher Stromverbrauch.
  • geeignet für Links- und Rechtshänder.
  • recht solider Stand.

Für mich überwiegen jedoch die Gegenargumente:

  • falsche Leistungsangabe.
  • keine Betriebskontrolle.
  • viel zu viel Kunststoff (inklusive typischem Geruch in den ersten Wasserladungen).
  • keine Einhand-Bedienung.
  • relativ schwierige Reinigung.

Nun wäre es aber falsch, den Philips HD komplett zu verteufeln. Denn in seiner Preisklasse gibt es wesentlich schlechtere Geräte (hier geht’s zu meinem Test des Clatronic WK 3445). Ich finde aber dennoch, dass ein Kaffeefan lieber einen anderen Wasserkocher wählen sollte.

Wie seht ihr das? Habt ihr einen Favoriten oder schon Erfahrungen mit dem Philips HD? Dann hinterlasst mir gern einen Kommentar!

2 Kommentare

    Hallo Arne,
    ich benutze den Philips HD4646/20 bereits seit mehreren Jahren und besitze zwei Stück davon (einen in der Küche und einen im Arbeitszimmer). So ganz nachvollziehen kann ich Deine Kritik in manchen Punkten nicht.
    – Falsche Leistungsangabe: auf dem Gerät wir eine Leistung von 2000-2400 Watt angegeben. Wenn Du 2000 W mißt, dann paßt das doch.
    – Keine Betriebskontrolle: das ist schlicht Ansichtssache. Eine zusätzliche LED oder ein nerviger Piepton, der mir anzeigt, ob ich das Gerät gerade angeschaltet habe oder nicht, benötige ich nicht. Ich hatte noch niemals infrage stellen müssen, ob der Kocher an oder aus ist. Abgesehen davon sieht man das eindeutig an der Schalterposition des Wippschalter.
    – Kunststoff: da stimme ich zu 100% mit Dir überein. Man muß die ersten paar Ladungen Wasser wegschütten und ich finde es heutzutage fraglich, wieso ein Hersteller keine Angabe macht, ob der verwendete Kunststoff BPA-frei ist oder nicht.
    – Einhandbedienung: wieso sollte das wichtig sein? Ich kann bei meinen beiden Kochern den Deckel problemlos öffnen, auch ohne mit dem Dampf in Berührung zu kommen. Aber wieso sollte ich den Kocher mit dampfendem Wasser darin überhaupt öffnen? Leeres Gerät öffnen, Wasser einfüllen, kochen, Wasser in den Zielbehälter einfüllen, fertig. Eine Einhandbedienung wäre bestenfalls für Personen mit nur einer Hand relevant.
    – Schwierige Reinigung: kann ich nicht nachvollziehen. Ab und zu den Behälter mit 2 Eßlöffel Zitronensäuregranulat auf 1 Liter Wasser befüllen, einschalten und warten, bis das Wasser mäßig warm (ca. 50-70°C) ist, 10-15 Minuten einwirken lassen, ausschwenken und ausschütten – fertig. Keine Ahnung, was daran schwierig sein soll. Ich wüßte auch nicht, wieso ich mit meiner Hand dort hineingreifen sollte – und selbst wenn, gibt es Gläserbürsten dafür.

    Für mich klingen viele der negativen Punkte konstruiert oder sind zumindest Ansichtssache. Das einzige, das mich tatsächlich stört, ist das Behältermaterial in Verbindung und die möglichen Gefahren der Abgabe von Mikroplastik und der Übergang von Weichmachern u.ä. ins Wasser.

    Antworten
    Arne

    Hallo Ralph,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Diese Sachen sind tatsächlich Ansichtssache. Deshalb sind unsere Test mit objektiven Kriterien und auch viel persönlicher Meinung :). Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

Ich freue mich über deinen Kommentar