Stiftung Warentest – trainierte Kaffeeprüfer sind keine Kaffeegourmets

Veröffentlichungsdat um: 15. Mai 2009 von 5

Kaffeetest

Ich will auch noch etwas dazu sagen! Ich habe in der letzten Zeit viele Berichte über diesen Test in Blogs gelesen. Zuerst bin ich im Vital-Genuss Blog von Manuel drauf gestoßen. Weil er den Bericht super zusammenfasst, verweise ich euch einfach zu seinem Eintrag zum Test und habe damit mehr Platz zum meckern!

Was wurde getestet?

Das Testergebnis an sich kann ich nicht kritisieren. Es wurden „31 Industrie-Kaffees“ gekauft und verkostet (sowohl als Filterkaffee, als auch in der French Press). Die Verkostung haben „sieben trainierte Kaffeeprüfer“ (was das auch immer das heißen soll) durchgeführt. „21 der 31 geprüften Kaffees unterscheiden sich im Aroma nicht signifikant„. Die meisten träfen aber den Einheitsgeschmack der Deutschen wie die Faust aufs Auge. Dieser lieblings Kaffeegeschmack der deutschen wird im Test als komplexes, kräftig, mit Röstnoten, säuerlich und bitter beschrieben.

Teufelskreis des schlechten Geschmacks

Ich sehe das anders. Es handelt sich um einen Teufelskreis. In Supermärkten können wir in der Tat nur billige (im eigentlichen Sinne; also Produkte mit niedrigen Preisen und schlechter Qualität) Kaffees kaufen. An die „Brühe“ gewöhnen wir uns, weil wir nichts anderes kennen. Also wird für viele schlechter Kaffee zu Kaffee. Was wir kennen und wiedererkennen mögen wir. Das sehen dann auch die „7 sieben trainierten Kaffeeprüfer“ so. Das glaube ich auch aber die Erklärung, wie es dazu kommt, finde ich fadenscheinig. Das ist nicht unser Geschmack, sondern was aus ihm gemacht wurde!

Ohh und dann kommt das:

Das sensorische Einheitsprofil der Kaffees im Test mag Kaffeegourmets nicht schmecken. Sie zahlen viel Geld für Kaffee einer bestimmten Herkunft und Sorte. Doch solche Spezialitätenröstungen haben mit dem Alltagskaffee von heute wenig gemeinsam„.

Ich finde schon lustig, dass sie ihre „sieben trainierte Kaffeeprüfer“ damit als keine Kaffeegourmets outen. Müssen sie auch nicht sein, wenn es, wie es heißt, den breiten Massengeschmack wiederspiegeln soll. Aber die dann als (und ich sage es wieder, weil es so schön ist) „trainierte Kaffeeprüfer“ vorzustellen, ist dann auch kein Glanzstück.

Ok, Stiftung Wahrentest hat sich entschieden nur Massenkaffees zu testen. Das macht auch ein Stück weit Sinn, weil die dann jeder überall kaufen kann. Das Internet scheint leider noch nicht zu zählen. Damit supportet sie natürlich extrem viele der teilnehmenden Röster. Aber dann auch noch auf Kaffeegourmets „einzuhauen“ und als extrem Teuer und irgendwie unnormal-elitär zu bezeichnen finde ich gemein.

Was ist denn viel Geld für Kaffee?

Der Testsieger „Lidl / Bellarom Gold“ kostet pro 500g 2,49€. Daraus kann ich, wenn ich die Mengenangaben aus dem Test verwende (0,125 Lieter auf 7 Gramm Kaffeemehl) ca. 9 Liter Kaffee machen. Das macht einen Literpreis von 0,27€. Das ist nicht viel Geld! Vor allem nicht, wenn ihr bedenkt welchen Weg, Arbeit und Veredlungsprozesse der Kaffee hinter sich hat. Was kauft ihr denn für einen Literpreis von 0,27???

Daran gemessen wird jetzt gesagt Kaffeegourmets zahlen viel Geld für ihren Kaffee. Auch das finde ich ungerecht.

Schade, dass kein guter Kaffee im Test gewesen ist!

Die ausführlichen Ergebnisse findet ihr hier , allerdings würde ich mir die 2€ für den nächsten Kaffeeeinkauf sparen!

Viele Grüße,

Arne

19 Kommentare
  • Jörg
    15 Mai, 2009

    Bin genau deiner Meinung. Ich habe zufällig im Büro das Magazin mit dem Test auf den Schreibtisch bekommen. Der einzige Lichtblick war noch dass man auch eine French Press verwendet hat. Bei dem Wissensgehalt des Tests hätte man das ganze auch gleich durch eine 8€ Kaffeemaschine mit 70° Brühtemperatur jagen können.

    Hauptsache billig scheint heute der Zeitgeist zu sein. Das hört auch bei Kaffee gar nicht auf. Über Gammelfleisch wundern und dann pro kg weniger bezahlen als für Hundefutter. Das kann nix tolles sein.

  • Jörg
    15 Mai, 2009

    Sorry Nachtrag

    … lieber Qualität für einen vernünftigen Preis vom Erzeuger der seine Produkte mit Liebe und Hingabe herstellt als wenig ausgeben für Dinge an denen man dann sowieso keine Freude hat. Weg von den Konzernen zu den kleinen Betrieben die sich noch für das Produkt interessieren und nicht für die maximale Marge

  • Manuel
    16 Mai, 2009

    Danke für die Erwähnung 🙂

    Was mich bei der ganzen Sache noch am meisten stört – da wird dann in der Presse noch verkürzt zu: Teurer Kaffee lohnt sich nicht, schmeckt eh alles gleich. Und das kolportieren dann auch die Blogs (bps: http://das-ist-drin.de/blog/archives/1042-Kaffee-getestet-Lidl-Gut-Tchibo-Mangelhaft.html#c671).
    FALSCH. Die getesteten Kaffee schmecken vielleicht alle gleich, weil man ja auch nur die typischen Industrie-Kaffees genommen hat. Dort, wo es interessant wird (preislich, aber eben auch qualitativ), wurde ja gar nicht weiter getestet…

    *grrrr*

  • Arne
    16 Mai, 2009

    @Jörg: Nachträge sind sehr erwünscht. Vielen Danke! Hehe, mit der Kaffeepresse habe ich das genauso empfunden. Das schöne ist, wenn ich mich mit Kaffeetrinkern darüber unterhalte, sehen sie es meistens ein. Mit jedem reden kann ich leider nicht;-)

    @ Manuel: Klar, immer gerne! Du hast vollkommen recht, echt schade! Jetzt wir schon versucht, es als positiv hinzustellen, dass alle Kaffees gleich schmecken „Interessant“!

  • Frank
    18 Dezember, 2014

    Ich bin ja grundsätzlich dafür, dass man nur Instantkaffee trinkt. Da kann man auch bei der Zubereitung nichts falsch machen!

Ich freue mich über deinen Kommentar

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