DAS White Russian Rezept: Prost, euer Dudeheit!

Kann man einen Artikel über das White Russian Rezept, die Rolle von Kaffee in diesem Cocktail und die Herkunft der Erfolgsmische schreiben, ohne in irgendeiner Weise auf den Dude zu verweisen? Kann man natürlich nicht.

Darum beginnen wir diesen Beitrag doch einfach mit dem Video, wie Jeff Bridges in „The Big Lebowski“ seinen Signature Drink mischt.

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Ihr könnt von der Mutter aller Slacker-Komödien halten, was ihr wollt. Aber ohne den Dude würde der White Russian heute vermutlich in den hintersten Seiten der Cocktailkarte verstauben.

Denn eigentlich passt die Mischung aus Wodka, Kaffeelikör und irgendeiner Form von Milchprodukt so gar nicht in unsere Zeit – zu fett, zu mächtig, zu undurchsichtig, zu plebejisch. Von Laktose und Klischees mal ganz zu schweigen.

Und dennoch: White Russian wird in etwa genauso oft geordert wie der plötzlich wieder coole Gin Tonic – oder sein Kaffeeäquivalent mit Cold Brew.

Warum? Weil der White Russian, wird er gut gemacht, wie ein hochprozentiges Dessert schmeckt, weil er ordentlich Umdrehungen hat – und vermutlich auch, weil wir allesamt doch meist mehr Plebejer sind, als wir tun.

Ich habe mich mal auf die Suche nach dem ultimativen White Russian Rezept gemacht, beleuchte die Herkunft des Drinks und stelle natürlich vor allem die Frage, wie der Kaffee in den Cocktail kommt.

Und alle DIY-Spezialisten unter euch dürfen sich außerdem auf eine Anleitung zum Kaffeelikör Selbermachen freuen.

Auf die Völkerfreundschaft: Wer hat den White Russian erfunden?

Jeder Barkeeper, der euch heute was vom ursprünglichen White Russian Rezept vorfaselt und euch trotzdem eine Mischung mit Kaffeelikör und Milchprodukt serviert, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Denn als der Drink als simpler “Russian” im Jahre 1930 wohl erstmals in einem Cocktailbuch erwähnt wurde (The Savoy Cocktail Book, wenn ihr es ganz genau wissen wollt), enthielt er Wodka, Gin und Crème de Cacao. Brrr.

Im Grunde war der Russian ein Versuch, dem Wodka, den russische Einwanderer mit in die westliche Welt brachten, irgendeine Form von Eleganz und Barkultur abzuringen. Dass die Engländer unbedingt Gin dazu kippen mussten, war natürlich klar.

Irgendwann fiel den Leuten aber auf, dass der Russian nicht gerade viele Fans hatte. Der Gin wurde schnell aus der Mischung verbannt. Es dauerte aber noch ein paar Jahrzehnte, bis aus dem Russian erst einmal der “Black Russian” wurde.

Es ist ein bisschen umstritten, wer wirklich wann auf die Idee kam, Kaffeelikör mit Wodka zu mischen. Namentlich erwähnt wird jedenfalls Barchef Gustave Tops aus dem Metropole Hotel in Brüssel. Und ich wette, dass dabei ein aufdringlicher Getränkevertreter die Finger im Spiel hatte.

Denn Kahlúa, der bekannteste aller Kaffeeliköre, wurde just zu jener Zeit in Mexiko entwickelt, als Monsieur Tops in den 1950ern auf seine Black Russian-Idee gekommen sein soll. Er wurde schnell hip und ersetzte nach und nach das Kakaopendant.

Nochmal rund zehn Jahre später kippte dann jemand Sahne und Zucker zu Wodka und Crème de Cacao und kreierte den „Russian Bear“. Und weil Barkeeper gern voneinander abgucken, entstand 1965 praktisch als Mix aus allen vorangegangen Varianten offiziell der White Russian.

#thedude don’t mind if I do! #whiterussian #thedude

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Dieser wurde vor allem in der Ära der Bee Gees getrunken, als Disco-Tänzer schnell betrunken und dabei satt werden wollten. Und dann zirpten um den White Russian erst einmal ein paar Jahrzehnte lang die Grillen, bis sich ein gewisser Dude damit fröhlich einen ganzen Film lang besoff…

Allerdings ist der White Russian à la Lebowski nun wirklich kein Cocktail im Sinne eines eleganten Drinks mehr. Schließlich kippt er nur die Zutaten zusammen und nimmt auch noch Half & Half – gerne auch in Pulverform – zur Abrundung.

Wer die Geschichte noch einmal nachlesen will, dem sei dieser überaus launige und kenntnisreiche Artikel zum White Russian der Whiskey Experts empfohlen. Denn die nächste Evolution des Russen-Drinks steht schon in den Startlöchern und gibt dem Ganzen einen irischen Dreh.

Doch wie geht denn nun das ultimative White Russian Rezept? Auch dazu haben viele eine eigene Meinung.

Das White Russian Rezept – Sahne, Milch, Eis oder nicht?

Einig ist sich die Cocktailwelt nur darin, dass der White Russian nur mit gutem Wodka und Kaffeelikör (i.e. Kahlúa) wirklich schmeckt. Was aus dem Schwarzen dann aber einen Weißen Russen macht, darüber herrscht kein Konsens. Ich stelle euch deswegen mal ein paar Varianten vor und beleuchte die Vor- und Nachteile.

White Russian Classic

  • 1 Teil Wodka
  • 1 Teil Kahlúa
  • 1 Teil Sahne
  • Gerührt auf Eis

Diese Variante ist recht niedlich und schmeckt ganz angenehm, allerdings vertragen sich Eis und Sahne meist nicht, wenn sie zu lange gemeinsam stehen. Wässrige Sahne macht den Drink ziemlich unelegant, weshalb es auch Variante zwei gibt:

White Russian Elegant

  • 2 Teile Wodka
  • 1 Teil Kahlúa
  • In ein Martini-Glas oder einen Tumbler
  • Sahne leicht anschlagen
  • Über den Drink floaten

Wichtig ist hier, dass alle Bestandteile vorher schon eine gute Temperatur haben und auch das Glas entsprechend vorgekühlt ist. Dann könnt ihr den schick geschichteten Drink ohne Wässrigkeit und Strohhalm schlürfen und habt (ähnlich wie beim Pharisäer) immer alle Geschmackskomponenten gleichzeitig im Mund.

Die doppelte Portion Wodka gibt dem Drink Wumms und nimmt auch etwas die Kahlúa-Macht heraus, was bei einem Drink mit Sahne eine durchaus gelungene Kombi ist.

„Skinny“ White Russian (für Faule)

  • 2 Teile Wodka
  • 1 Teil Kahlúa (oder auch zwei)
  • Milch (aber bitte Vollfett!)
  • auf Eis

Diese Mischung, die gerade in Deutschland meist als Lebowski-Variante angeboten wird, hat natürlich weniger Fett als die klassische Version. Was ich bei diesem Drink aber irgendwie auch kein Argument finde.

Ich habe mir zudem mal den Spaß gemacht, und die übersetzte Lebowski-Variante mit verschiedenen Pflanzenalternativen ausprobiert. Sojamilch ist in diesem Fall ziemlich lecker, weil sie eine gewisse Süße, die hervorragend passt, ins Spiel bringt. Auch schön fettige Nussmilchvarianten können hier durchaus überzeugen.

Wer wirklich einmal richtig einen auf dicke Hose mit seiner Cocktail-Expertise machen will, tweakt den White Russian nicht in Sachen Eis und Milchkomponente, sondern schaut beim Kaffeelikör – oder Kahlúa – genauer hin.

Kaffeelikör: Was kommt rein, was macht den Unterschied?

Auch wenn wir Kaffeelikör und Kahlúa gern synonym verwenden, so ist der Mexikaner doch längst nicht das Nonplusultra auf dem Markt. Obwohl er zugegebenermaßen im riesigen Angebot an (Industrie-)Likören qualitätsmäßig heraussticht.

Alkoholische Grundlage dieses Likörs ist Rum, auch wenn es mehr als eine Markenvariante mit Whiskey, Tequila oder Brandy gibt. Rum ist allerdings weicher und passt deswegen ziemlich gut zum angestrebten Smooth-Level eines Likörs.

Entscheidende Zutat ist jedoch gerösteter Arabica-Kaffee, der in der Destille mit Vanille, Zuckerrohrdestillat und Rum zum Kahlúa verarbeitet wird. Das Ganze ergibt einen Likör mit 20 Volumenprozent.

Dessen Kaffeenote ist zwar präsent, aber eben nicht so durchschlagend, dass er nicht auch für Liköromas und zarte Cocktailgemüter gemacht wäre.

Es gibt auch eine Especial-Variante, die ihr leider nur auf Import-Wegen erhaltet. Die hat allerdings einen doppelten Alkoholgehalt, es ist weniger Zucker im Spiel und der Espresso-Geschmack kommt hier mit einem Roundhouse-Kick in den Drink.

„Zart“ ist er zwar nicht, aber es gibt nicht wenige Barkeeper, die euch liebend gerne einen White Russian Especial mixen, eben weil die ansonsten sehr cremig-süße Mischung hier plötzlich echte Brusthaare und eine feine Bitternote erhält, die den Cocktail schlichtweg erwachsener und durchaus vielschichtiger macht.

Natürlich sagt niemand, dass ihr unbedingt Kahlúa in euren White Russian mixen müsstet. Es gibt schließlich genug hochwertige Alternativen, ebenfalls mit ordentlich Wumms, die ihr hierzulande problemlos kriegt.

Falls es euch mit eurem White Russian Rezept wirklich ernst ist, rate ich dazu, mal ein kleines Tasting zu veranstalten und einen reichhaltigen, cremig anmutenden Likör auszusuchen. Es gibt auch ein paar kleine Röstereien, die ihren eigenen Likör anbieten! Und an die solltet ihr euch in erster Linie wenden!

Denn auch, wenn Kahlúa einen auf Folklore macht, handelt es sich immer noch um ein Unternehmen, das inzwischen Teil des Weltkonzerns Pernod Ricard ist. Was das für die Rohkaffeelieferanten bedeutet, könnt ihr euch vermutlich vorstellen.

Warum also nicht den „Guten“ unter die Arme greifen und sich gleich noch einen leichten Schwips abholen? Gut, oder? Noch besser ist es natürlich, wenn ihr euch hochwertige Kaffeebohnen besorgt und den Kaffeelikör gleich selber macht. Das ist nämlich babyeierleicht.

Kaffeelikör selbermachen – So geht’s!

Ähnlich wie beim industriellen Kaffeelikör für eurer White Russian Rezept findet ihr auch in Sachen DIY Kaffeelikör unzählige Varianten. Manche kommen auf die Idee, frisch gebrühten Espresso aufzukochen und mit Gewürzen und Alkohol sowie Sahne zu panschen.

Was ich davon halte, Kaffee noch einmal aufzukochen, ist euch sicherlich bewusst. Darum gehen wir den sanfteren (und einfacheren) Weg der sogenannten Mazeration bzw. Infusion. Dieses Verfahren kommt im Grunde auch bei Kahlúa zum Einsatz.

Dabei werden aromatische Bestandteile aus Zutaten (in diesem Fall Kaffeebohnen und Vanille) über einen längeren Zeitraum in einer Lösung (in diesem Fall Alkohol) extrahiert.

Nichts anderes ist Kaffee kochen, auch wenn das schneller – weil bei höheren Temperaturen – vonstatten geht.

Infusions sind zwar Standard in der Spirituosenwelt, werden aber erst in letzter Zeit so richtig durch die Trend-Mangel gedreht. Bacon Infusions in Bourbon? Klaro! Basilikum im Gin? Na sicher!

Ähnlich wie beim Kaffee kochen ist auch bei der Herstellung eines Kaffeelikörs der Schritt von perfekt zu überextrahiert schnell getan, obwohl ihr hier aufgrund des sowieso längeren Extrahierens durchaus mehr Zeit habt. Dennoch gilt: länger Mazerieren = besserer Kaffeelikör geht nicht unbedingt auf!

Ihr müsst etwa vier Wochen Zeit einplanen, um aus den Zutaten Likör zu machen, länger als sechs Wochen sollte das Ganze aber nicht stehen. Und: Je mehr und aromatischere Zutaten ihr pro Liter verwendet, desto schneller ist der Likör “angereichert” und danach passiert nichts Gutes mehr mit dem Geschmack.

Klären wir zunächst einmal, was ihr an Zutaten benötigt:

  • Eine große, sehr saubere, am besten ausgekochte Flasche mit sehr gutem Verschluss
  • Rund 1 Liter Alkohol
  • Mindestens 100 ganze Arabica-Kaffeebohnen, am besten mit einer etwas dunkleren Röstung
  • Rund 200 bis 350 Gramm Rohrohrzucker
  • 1 Vanilleschote, ganz, aber aufgeschlitzt
  • Evtl. einen Spritzer Orangenschale oder Zimt

Den Alkohol könnt ihr euch aussuchen. Wodka ist im Grunde neutral und damit perfekt für Infusions geeignet. Allerdings ist dieser Likör für unser White Russian Rezept dann doch etwas zu einseitig und ich persönlich würde einen schnuckeligen braunen Rum empfehlen.

Wir könnten jetzt darüber diskutieren, ob ihr wirklich guten Alkohol nehmen sollt oder lieber zur Bückware greift. Mein Credo: Nur aus guten Zutaten kann Gutes entstehen, weshalb ich dann doch ein paar Mark mehr ausgebe und auch auf Kinkerlitzchen wie Vanillearoma oder -zucker verzichte.

Bei den Kaffeebohnen finde ich die dunkleren Röstungen in diesem Fall geeigneter, weil sie den Especial-Wumms à la Kahlúa besser ins Spiel bringen. Aber auch hier könnt ihr gerne mit blumigeren Noten experimentieren, wobei ein Wodka sich dann wiederum eher anbietet.

Alle Grammangaben sind deswegen so ungenau, weil ihr viel ausprobieren könnt. Mehr Kaffee und weniger Zucker macht mehr Brusthaare im Likör, die Mädchenvariante kommt mit der umgedrehten Kombi besser.

Und dann braucht ihr eigentlich nicht mehr viel zu machen:

  • Alle trockenen Zutaten in die Flasche geben
  • Den Alkohol aufgießen
  • Das Ganze verschließen und einmal durchschütteln
  • Flasche an einen warmen Ort mit möglichst konstanter Temperatur stellen
  • Wenigstens wöchentlich durchschütteln
  • Nach etwa 3 bis 4 Wochen, wenn der Zucker vollständig aufgelöst ist, durch ein Tuch abgießen
  • Entweder gleich genießen oder die filtrierte Lösung noch einmal gut verschlossen an einem dunklen Ort etwas weiterreifen lassen.

Das Ergebnis mag etwas rumpeliger als die Profi-Version sein, aber Infusions per se sind sowieso dafür gemacht, sie in Cocktails unterzubringen und diesen einen neuen Dreh zu geben. Und mit eurem eigenen Kaffeelikör könnt ihr nun eurem White Russian Rezept eine eigene Unterschrift verpassen.

White Russian – Rutsch mal zur Seite, G&T!

Auch wenn der White Russian in seiner Mischung ein bisschen zu viel des Guten ist und schon für so manchen Kater gesorgt hat, finde ich doch, dass er eine neue Renaissance verdient hat. Und zwar deswegen, weil er nicht so tut, als müsste man Cocktails mit abgespreiztem kleinen Finger trinken.

White Russian Rezept

Ja, er ist vordergründig eine Alkohol- und Kalorienbombe. Wenn man aber bedenkt, dass er nur aus drei Zutaten besteht und diese auch noch fast unter Clean Eating fallen, ist er vom eleganten Gin Tonic gar nicht mehr so weit entfernt.

Er macht einfach Spaß, kommt ebenfalls ohne Chichi aus, wir können eine der wichtigsten Zutaten auch noch selbst machen und dabei unsere Geschmacksnerven und Cocktailmeister-Skills unter Beweis stellen. Ach ja, Kaffee ist auch noch im Spiel. Was will man mehr?

Habt ihr ein eigenes White Russian Rezept oder Erfahrungen mit dem Herstellen von Kaffeelikör? Lasst es mich wissen!

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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