Wie man ein Kaffee Start-up gründet

Gastartikel im Barista-Blog

Hiermit präsentiere ich euch den ersten offiziellen Gastartikel im Barista-Blog. Lesern des Barista-Blogs und Kaffeefreunden ist die BPCC schon ein Begriff. Ich habe die Seite vorgestellt und ihren Kaffee getestet. Wir haben sogar schon einen gemeinsamen Podcast aufgenommen. Jetzt ist es Zeit, die Piraten selbst zu Wort kommen zu lassen. Und was könnte spannender sein als ein Bericht über ihre Gründertage.

GRÜNDERTAGEBUCH

Von Frankfurt nach Passau, oder wie man ein Kaffee Start-up in der niederbayerischen Provinz gründet.

TAG 1: DER UMZUG

Der Umzugswagen legt den ersten Gang ein, um den schmalen, steilen Weg vom Mietshaus zurück auf die Hauptstraße zu kriechen. Wir sind in Passau. Hier gibt es viele Berge, tolle Landschaft, niederbayerische Idylle – und dazwischen nicht viel mehr. Ach doch, mein neues Leben als Gründerin eines Start-Ups, Deutschlands erstem Shoppingclub für Kaffeefreunde, genauer gesagt.

Doch eins nach dem anderen und noch mal zurück nach Passau…

caro&anniAls ich meinen Freunden in Frankfurt, wo ich die letzten zehn Jahre meines Lebens verbracht habe, erzählte, dass ich mich zusammen mit meiner Schwester selbständig machen werde, waren die meisten begeistert. Als ich dann hinterher schob, dass das Ganze erst einmal in Passau stattfinden wird, erntete ich entweder mitleidige Blicke oder verwirrtes Stirnrunzeln. „Was wissen die schon“, dachte ich mir. Passau ist nicht der schlechteste Ort, um ein Start-Up zu gründen. Die niedrigen Lebenshaltungskosten und die geografische Nähe zu München oder Österreich sind nicht verkehrt. Außerdem bin ich ja auch nicht zum Spaß hier, sondern um der Welt (oder zumindest Deutschland) zu zeigen, dass die derzeitig vorherrschende Kaffeekultur das Prädikat Kultur eigentlich nicht verdient hat, sondern einer qualitativen Revolution bedarf.

TAG 2: DAS BÜRO

Ob in New York, Berlin oder Passau, das Büro eines Start-Ups sieht, glaube ich, überall auf der Welt ähnlich aus: Zwei Pressspanplatten auf Malerböcken dienen als Schreibtisch, hinter uns die guten alten Billy-Regale, in denen sich Kaffeetüten und Fachzeitschriften über Kaffee stapeln. Daneben eine Gaggia Espresso Maschine von 1975, die wir für 40 Euro bei ebay ersteigert haben und die immer noch eine Crema auf unsere Espressi träufelt, von der wir nachts träumen.
Immerhin funktionieren mittlerweile das Internet und das Telefon, so dass wir mit der Recherche und Akquise von Herstellern beginnen können, die Premium-Kaffees anbieten. Viele Röstereien sind von unserer Idee begeistert und freuen sich, dass wir ihnen mit unserem Shop die Möglichkeit bieten, ihre oftmals sehr kleinen und unbekannten Marken auf dem deutschen Markt vorstellen zu können.

Fröhlich gestimmt vom positiven Feedback einiger Röster und leicht hyperaktiv durch den Konsum diverser Espressi (schon vor 9 Uhr morgens mussten wir drei neue Espressomarken testen), mache ich mich an das Briefing der Programmierer, die unsere Website und den damit verbundenen Shop programmieren sollen.

Dass das Briefing bereits das vierte ist und wir schon in der dritten Korrekturschleife hängen, verdränge ich kurzerhand. Wird schon alles, auch wenn die Kommunikation zwischen uns, den Programmierern und dem Grafiker etwas gestört scheint. So hat eben jeder seine Vorstellungen, wie man das Piratenthema, das sich durch die Wahl unseres Namens ja förmlich aufdrängt, am besten in Form einer Website umsetzen könnte.

Nach einer mehrstündigen Diskussion, bei der wir leider mal wieder keinen Schritt weiter gekommen sind, fühle ich mich langsam selbst wie ein Pirat auf hoher See – leicht blümerant und in der Hoffnung, dass endlich mal Land in Sicht kommt. Ich brauche erstmal einen Kaffee.

TAG3: GEDANKEN EINER LEICHT HYSTERISCHEN GRÜNDERIN

Mit den allgemeinen Klischees, die jedem Gründer früher oder später mal durch den Kopf gehen, wie „Was passiert, wenn keiner meine Idee gut findet und meine Produkte kauft?“, über Tagträumereien à là „Was mache ich mit den ganzen Millionen, die ich spätestens nächstes Jahr mit meinem Konzept verdienen werde?“, will ich mich an dieser Stelle gar nicht aufhalten. Vielmehr führen die derzeitige Aufregung, Anspannung und der Schlafmangel aufgrund ausgedehnter Bürozeiten (gestern haben wir wieder bis drei Uhr nachts an unserem Packaging-Design herumgebastelt), zu leicht hysterischen Anwandlungen. Wer hätte gedacht, dass es so schwierig sein könnte, den richtigen Anbieter für gepolsterte Papiertaschen oder Kartons zu finden, in denen wir unsere Kaffee-Spezialitäten verschicken können? Deutschland bietet hier eine prosperierende Landschaft von mal mehr, mal weniger seriösen Anbietern, die zwar service-orientiert, jedoch leider oftmals relativ hilflos auf unsere nicht ganz alltäglichen Anforderungen reagieren. Mir schießt der Gedanke durch den Kopf, dass sich hier eine echte Marktlücke auftut… da könnte man doch mit wenig Geld und ein bisschen Know-How… Oh nein, schnell wieder zurück zu Bohne und Crema – schließlich will ich Deutschland ja jetzt erstmal mit anständigem Kaffee versorgen.

EIN JAHR SPÄTER

Mittlerweile haben sich viele der anfänglichen Probleme wie schlechter Milchschaum in Luft aufgelöst: Die Programmierer haben unsere Website samt
Shop doch noch irgendwann hinbekommen, wir konnten bereits Kaffeeschätze von zehn verschiedenen Kleinröstern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellen und unsere eigene Kaffeemarke wird in vielen Kombüsen der Republik getrunken.

An Passau habe ich mich inzwischen mehr als gewöhnt – ich freue mich über die Ruhe, die diese Stadt ausstrahlt, denn Stress habe ich im Büro immer noch mehr als genug. Der Stress ist natürlich gewollt und macht Spaß und ich habe es bis heute noch keinen einzigen Tag bereut, dass ich diese Entscheidung getroffen habe. Das Leben als Gründerin ist einfach abwechslungsreich, Kaffee finde ich nach wie vor ein spannendes Produkt und sogar mit der bayerischen Kultur habe ich mich mittlerweile ganz gut angefreundet. Diese Freundschaft manifestierte sich erst kürzlich wieder in einer neuen Rezept-Kreation meinerseits: Schweinsbraten in Espressokruste. Doch davon erzähle ich Euch ein anderes Mal…

INFORMATIONEN ZUR BLACK PIRATE COFFEE CREW

Gefährlich guter Geschmack: Die neuen Bohnen-Dealer des WorldWideWeb

Im Oktober 2009 hissten die Schwestern Annika Poloczek (27) und Carolin Maras (30) die Segel und gingen mit der Black Pirate Coffee Crew – dem weltweit ersten Shopping-Club für Kaffeefreunde – online.

Qualität: Mit dem Konzept der Kaffeepiraten sollen vor allem Kleinröster eine Plattform erhalten, auf der sie ihre hochwertigen Kaffees einer passgenauen Zielgruppe vorstellen können.

Transparenz: In regelmäßig wechselnden Verkaufsaktionen werden besondere Kaffees sowie das passende Kaffee-Zubehör angeboten und ausführlich über Herkunft, Qualität und Verarbeitung informiert.

Bewusstsein:Ziel ist es, gerade der jüngeren Generation von bewussten Kaffeetrinkern eine Alternative zum industriellen Kaffee-Einheitsbrei zu bieten.

Bewegung: Durch ihr progressives Design, will die Black Pirate Coffee Crew das bisherige Kaffee-Image entstauben: Bei den Kaffeepiraten gibt es keine Bilder von Frauen, die vor dem Kamin eine dampfende Tasse Kaffee trinken, das kann und will doch keiner mehr sehen.

Wissen: Eine stetig wachsende Bibliothek über Kaffeewissen steht Mitgliedern kostenlos zum Download zur Verfügung. So kann jeder zum echten Kaffeekenner werden.

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