Wood Grouse Coffee im Test: Hell, transparent und köstlich!

Wood Grouse Coffee im Test: Hell, transparent und köstlich! Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 2. Dezember 2018 von 0

Mit jedem Kaffeebohnen-Test, den ich für Coffeeness durchführe, wächst mein Bohnen-Vorrat um weitere Kaffee-Päckchen. Glücklicherweise handelt es sich dabei fast immer um fruchtige und teeartige Ostafrikaner, wie ich sie mag.

So auch diesmal bei den vier Kaffees, die ich von Wood Grouse Coffee Roasters testen durfte. Darunter zwei äthiopische Filterkaffees, ein Washed und ein Natural, sowie ein Filterkaffee aus Tanzania und ein Espresso aus Rwanda.

Espressi bringen mich als Filterkaffee-Liebhaberin immer ein wenig an ihre Brühgrenzen. Dank meines Berliner Kaffee-Netzwerkes habe ich daher auch beim Wood Grouse Espresso die deutsche Barista-Meisterin Nicole Battefeld um Unterstützung gebeten.

In diesem Artikel lest ihr, warum Filterkaffee nicht gleich Filterkaffee ist, und wie unterschiedlich hell geröstete Kaffeebohnen aus Ostafrika schmecken können. Das Ergebnis ist auch bei diesem Test keine Überraschung, zumindest nicht für mich, den Natural-Fan. Einen kleinen Aha-Effekt gab es dennoch, aber lest selbst.

Arne Preuß Coffeeness.de

Kommentar von Arne: Auch ich bin schon öfter in den Genuss der Kaffees von Wood Grouse Coffee gekommen und durfte Arno bei einem Transparency Colloquium kennenlernen.  Ich kann euch sagen, krass sympathischer Typ und darüber hinaus ist der Kaffee einfach ein Traum. Wenn ihr die Bohnen zuhause habt, freut ihr euch beim ins Bett gehen schon auf den nächsten Morgen. Mit den Kaffees könnt ihr alles machen – einfach genießen oder auch krass kombinieren. Ich habe viel mit den Kaffees und Käse experimentiert. Dafür müssen die Bohnen einfach fruchtig und der Kaffee klar sein. Ihr wisst ja: „Die Welt gehört dem, der sie genießt“, wobei Giacomo Leopardi das sicher im italienischen Original viel schöner sagte. Wer sich auch auf eine Sache mehr beim Aufstehen freuen möchte, bestellt sich einfach einen Kaffee bei den Wood Grouse Coffee Roasters.

Woodgrouse Kaffeebohne

Wood Grouse Coffee Roasters – Die Kaffeepackung mit dem Vogel

Es scheint zum Trend zu werden: Tiere auf Kaffeepäckchen. Beim Kaffeebohnen-Test für coffeeness gab es sogar gleich zweimal nacheinander Geflügeltes. Nicht nur auf der Verpackung, sondern auch im Markennamen der Kaffeeröster. Nach Flying Roasters aus Berlin, kommt nun Wood Grouse Coffee Roasters, zu Deutsch Auerhahn, aus Hannover. Erst beim Schreiben dieses Artikels fällt jedoch bei mir der Groschen: In Auerhahn steckt Auer. Mit letzterem ist niemand Geringeres gemeint als Arno Auer, seines Zeichens Inhaber und Gründer von Wood Grouse Coffee Roasters.

Das erste Mal ist mir Arno beim Berlin Coffee Festival 2017 über den Weg gelaufen. Natürlich nicht ohne mir eines seiner Kaffeepäckchen zuzustecken: Sein Omni Roast Burtukaana, ein Natural aus Äthiopien. Genau diesen Natural durfte ich für den coffeeness Kaffeebohnen-Test nun auch wieder testen.

Wood Grouse Coffee Roasters ist eine Specialty Coffee Rösterei, die sich gemeinsam mit Panama Kaffee eine Rösterei teilt. Derlei Konzepte mag ich besonders – sich die Räumlichkeiten und einen Röster zu teilen – denn die Investition in einen Röstofen ist schon nicht Ohne, gerade in der Anfangszeit. In solchen Fällen können dann beide Seiten noch vom Know-How des Gegenübers profitieren. Win-Win im doppelten Sinne.

Woodgrouse hell geröstet

Das Team um Arno setzt sich besonders für Transparenz der von ihnen gesourcten Kaffeebohnen ein. Angefangen von der Arbeit der Importeure bis zu den Preisen soll alles so nachvollziehbar sein, wie möglich. Das verspricht zumindest die Website. Mir als Besucher der Internetpräsenz und Konsumentin stellt sich allerdings die Frage, ob die dort veröffentlichten Zahlen, Daten und Fakten wirklich für mich als Kaffeetrinkerin gedacht sind: Mit Einkaufs- und Verkaufspreisen kann ich noch etwas anfangen, ein FOB- oder gar ‚farmgate’ Preis erschließt sich dem wirtschaftlichen Laien aber wohl eher nicht. Wenn ihr dazu Genaueres nachlesen wollt, dieser Artikel von Counter Culture Coffee (EN) erklärt die Begriffe sehr anschaulich.

Vielfach lese ich bei Kaffeeröstern, Cafés und Coffee-Shops das Wörtchen Qualität, das nicht selten inflationär gebraucht, und als DAS Argument schlechthin genutzt wird, um sich für Röster A oder B zu entscheiden. Wood Grouse Coffee Roasters macht es zumindest dem Konsumenten hier etwas leichter. Das Team um Arno spricht nicht nur von Qualität, es benennt auch, welche Rolle diese für sie spielt: Die Cupping-Scores von mindestens 84 Punkten werden bei Wood Grouse Coffee als Qualitätskriterium gesetzt.

Woodgrouse Filterkaffee aus dem Handfilter

Allerdings wundere ich mich als Leserin und potentielle Kundin der Rösterei dann doch ein wenig über das viele Fachsimpeln – meinen Kaffee-Background mal außen vor gelassen: Was soll mir das alles jetzt genau sagen? Was ist ein Cupping? Was sind Cupping-Scores? Was hat es mit der Punktezahl 84 auf sich? Und was hat das überhaupt damit zu tun, ob mir der Kaffee schmeckt…?

Bei all der Fachsimpelei sollte meines Erachtens die eigene Zielgruppe nicht aus den Augen verloren werden. D.h., bevor ich derlei Daten und Fakten auf meiner Website veröffentliche, sollte ich sicherstellen, dass die potentiellen Leser (und auch die zukünftigen Kunden) verstehen, was dort geschrieben steht. Es spricht grundsätzlich nichts gegen den Trend – transparenter Umgang mit den eigenen Unternehmensdaten – vieler Kaffeeröster hierzulande. Jedoch sollte der Austausch dazu auf Augenhöhe passieren.

Wood Grouse Coffee Roasters – Der Kaffeebohnen-Test

Espresso Woodgrouse

Für die Filterkaffeebohnen habe ich mir auch diesmal wieder meine Hario V60 an die Seite gestellt. Denn auch bei kleinen Brühmengen liefert der V60-Filter repräsentativ vergleichbare Ergebnisse. Bei mir waren es 10 Gramm Kaffeemehl, medium-fein gemahlen, auf 150 Milliliter Wasser. Die perfekte Menge, um sämtliche Abkühlungsstufen – heiß, warm, kühl – zu testen. Wer das so noch nie probiert hat, testet das mal! So werdet ihr noch mehr Aromen wahrnehmen, denn erst mit dem Abkühlen entwickelt sich das volle Aromenpotential eures Kaffees.

 

Meine Versuchsanordnung verläuft immer ähnlich: Ich versuche alle Kaffees parallel mit denselben Voraussetzungen zu verkosten, auch wenn das Einiges an Koffein-Input für mich bedeutet. Im Falle der drei Filterkaffees von Wood Grouse Coffee Roasters habe ich mir zunächst den gewaschenen Kaffee aus Tanzania vorgenommen, dann den Natural aus Äthiopien und als Drittes einen weiteren Äthiopier, diesmal aber ein gewaschener Kaffee. Beide äthiopische Filterkaffees stammen aus der Region Guji. Den Espresso mit Rohbohnen aus Rwanda habe ich bei diesem Vergleichstest nicht noch einmal verkostet.

Alle von mir getesteten Filterkaffees haben ein sehr helles Bohnenbild, ein Anspruch den Wood Grouse Coffee Roasters auf ihrer Onlinepräsenz auch noch einmal deutlich macht: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich,“ D.h., es wird gerade so viel aus den Bohnen geholt, dass sich sämtliche gewünschten Aromen entfalten können und unerwünschte Röstaromen außen vor bleiben.

Und so bin ich dann doch positiv überrascht von der Vielfalt und Unterschiedlichkeit dieser drei ostafrikanischen Filterkaffees. Dazu aber gleich mehr.

Espresso mit Milchschaum und Latte Art

1. Ilomba aus Tanzania, Washed

Benannt ist dieser Filterkaffee nach dem Dorf und der gleichnamigen Washing-Station, indem die Kaffeesträucher dafür wachsen, in Ilomba im Mbozi Bezirk, einer Region im südwestlichen Hochland Mbeya.

Die Bohnen stammen von der Varietät Bourbon und sind auf ca. 1.900 Metern Höhe gewachsen. Beim Blick auf die Website wäre es mir wohl nicht aufgefallen. Im Zuge des Kaffeebohnen-Tests stolpere ich aber über verschiedene Angaben der den Röstern so wichtigen Cupping-Scores. Auf der Kaffeepackung steht 86 Punkte, auf der Website allerdings 87,5. Ein Versehen oder aber Daten aus einer alten Ernte?

Bei meinem ersten Verkosten im heißen Zustand hat Ilomba fast etwas Krautiges und Grasiges, das eher auf eine unterentwickelte Röstung schließen ließe. Beim Abkühlen jedoch entfalten sich die auf der Verpackung versprochenen Noten von grünem Tee. Ja durchaus, eine leicht an Grüntee erinnernde Bitterkeit (im positiven Sinne) hat Ilomba tatsächlich. Sehr interessant, kenne ich doch bisher nur ostafrikanische Filterkaffees, die Noten von Schwarztee vorwiesen.

2. Burtukaana aus Äthiopien, Natural

Bereits beim ersten Probieren des Burtukaana stellte ich mir die Frage: ‚What the heck is Omni Roast?’ Nur keine Bange, hier erfahrt ihr es! Ein Omni Roast ist eine spezielle Röstung, die es erlaubt, diese Kaffeebohnen sowohl als Filterkaffee als auch als Espresso zuzubereiten. Ich glaube auch die besondere Röstung am Bohnenbild zu erkennen. Denn im Vergleich zu den anderen Filterkaffees sind die Bohnen des in der Region Guji gewachsenen Kaffees deutlich dunkler.

Ich habe mich nur an die Zubereitung als Filterkaffee gewagt. Wer sich den Omni Roast für daheim kauft und als Espresso zubereitet bzw. mit Milch als Cappuccino oder Latte, lasst mich mal wissen, wie er euch geschmeckt hat! Ich persönlich bin ja inzwischen ein sehr großer Fan von fruchtigen Kaffees mit Milch. Ich bin also gespannt auf euer Feedback!

Denn der auf 2.000 Metern Höhe gewachsene Burtukaana ist tatsächlich dank der sonnengetrockneten Aufbereitung sehr fruchtig, weinartig, sogar fast sirupartig. Die Beschreibung auf der Verpackung besagt ‚Noten von Weingummi’. Oberlecker!

Allerdings, und jetzt kommt’s, habe ich nach meinem Test mit der V60 diesen Kaffee noch einmal mit meiner Lieblingsmethode, der Chemex, ausprobiert und die eben in höchsten Tönen gelobten Aromen nicht (mehr) finden können… Sollte also die Chemex diesmal nicht als Siegerin hervorgehen? Ich bin fast ein wenig enttäuscht.

Woodgrouse im Kaffeebohnen Test

3. Magarrisa, aus Äthiopien, Washed

In meinem Kaffeebohnen-Test befanden sich gleich zwei Kaffees aus derselben Region, Guji in Äthiopien. Magarrisa ist genau wie Burtukaana eine Heirloom-Varietät – eine Mischung ursprünglich aus den Wäldern stammender einheimischer Kaffeesorten – wächst aber ‚nur’ auf knapp 1.900 Metern Höhe. Magarrisa wird in der erst 2014 gegründeten Washing-Station Gigesa aufbereitet.

Auch hier entdecke ich wieder eine Unstimmigkeit, wenn auch eine kleine: Auf der Website wächst Magarrisa auf 2.000 Metern Höhe, das Kaffeepäckchen versichert mir aber 1.900 Meter über dem Meeresspiegel.

Eine weitere Überraschung offenbart sich mir beim Aufbrühen und Probieren dieses Kaffees. Denn trotz des sehr hellen Bohnenbildes schmeckt der Kaffee schokoladig! Das kannte ich bisher nur von südamerikanischen Kaffees aus Brasilien oder Kolumbien und / oder von Medium-Röstungen. Sehr spannend!

Woodgrouse Filterkaffee aus Afrika

4. Kageya PB aus Rwanda, washed. Der Espresso

Espresso und Crema

Da ich wie angedeutet nicht im Besitz einer Espressomaschine bin, habe ich mich für das Verkosten des Kageya PB wieder in die treuen und fachkundigen Hände von Deutschlands Barista-Meisterin Nicole Battefeld aus der Berliner Röststätte begeben.

Die Kaffeekirschen für diesen Espresso sind auf 1.700 Metern Höhe in der westlichen Provinz im Distrikt Ngororero gewachsen und werden durch die gleichnamige Kooperative, Kageya, und ihrer Washing-Station verarbeitet.

Nicole und ich haben diesen Kaffee der Varietät Red Bourbon als Espresso und mit Milch als Cappuccino probiert. Im Vergleich zu den drei Filterkaffees fiel der Kageya PB geschmacklich allerdings etwas ab. Die Noten von Pfirsich, Pflaume und kandierten Äpfeln konnten wir beide nicht wahrnehmen.

Man muss dazu sagen, dass wir den Kaffee rund eine Woche nach Röstdatum verkostet haben. Es kann also gut sein, dass sich die eben beschriebenen Noten erst noch entwickelt haben.

Mein Fazit

Es bleibt bei meiner Vorliebe für fruchtige Naturals aus Ostafrika. Der Omni Roast Burtukaana mit seinen Weingummi-Noten ist mein absoluter Favorit in diesem Test! Und, die Chemex darf als meine Lieblingsbrühmethode auch mal für die anderen meiner Kaffeeutensilien von ihrem Podest zurück treten.

Kaffeebohnen Test

Kommentar von Arne: Herrlich finde ich schon des Satz auf der Webseite „Obwohl wir den Begriff etwas schwierig finden könnte man uns als Hannovers erste Third Wave Coffee Rösterei bezeichnen.“ Ich würde diese Konstruktion gerne (zumindest für mich) auflösen. Höchste Qualität auf allen Ebenen. Dazu gehören tolle Kaffees, Transparenz und Handwerkskunst. Dabei verzichtet Arno auf Attitude und arrogantes Tamm Tamm. Das gelingt im „Third Wave Kosmos“ wenigen, aber wenn es gelingt findet ihr spannende Menschen und einzigartige Produkte.  Im Shop von Woodgrousecoffee findet ihr die aktuellen Kaffee- und Espressobohnen.

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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