Kaffee mit  einem Stofffilter zuzubereiten ist für viele Menschen in Deutschland sicher noch keine übliche Methode. Der klassische Handfilter ist bekannt, aber Baumwollfilter sind noch selten in den Küchen zu finden.

In diesem Artikel möchte ich euch den Woodneck Drip Pot von Hario vorstellen und testen. Ihr bekommt eine Bedienungsanleitung, Tipps zur Reinigung und erfahrt, was den Kaffee aus dem Drip Pot von Kaffees aus dem Handfilter oder der Frech Press unterscheidet.

Hario Drip Pot Woodneck

Was ist der Woodneck Drip Pot?

Es handelt sich um eine Glaskanne, die an ihrer Verjüngung mit Holz ummantelt ist, um das Greifen ohne
Verbrennung zu ermöglichen. Auf ihr wird ein Baumwollfilter aufgesetzt. Das Verfahren ähnelt der klassischen Filtration mit dem Handfilter, allerdings handelt sich sich bei dem Stofffilter um eine wiederverwendbare Alternative zum Einweg-Papierfilter.

Der Drip Pot sieht wirklich gut aus und passt in jedes Landhaus genau wie in eine modern eigerichtete Wohnung. Das Glas ist sehr filigran und ich hatte Angst, dass es sofort zerbricht als ich es zum erstem Mal in die Hand nahm.

Im Vergleich dazu besteht eine French Press aus Panzerglas.

Doch nach einigen Monaten stelle ich überrascht fest, dass alles noch im Stück ist. Die Holzummantelung (der Woodneck) besteht aus zwei Teilen und wird mit einer Lederkordel zusammengehalten. Das Auseinanderbauen ist einfach, allerdings wird das Leder nach einiger Zeit steif. Der Baumwollfilter wird auf einen Draht aufgezogen, der an einem Holzgriff endet. Der Drip Pot ist mit drei Ersatzfiltern bei Amazon günstig zu erstehen. Ich nutze meinen ersten Filter jetzt schon seit über 4 Monaten täglich.

Wie bereite ich Kaffee mit dem Woodneck zu?

  • Insgesamt gibt es sehr viele Schnittmengen zur Zubereitung mit dem klassischen Papierfilter. Das Wasser fließt ein wenig langsamer durch den Filter und die Zubereitung kann ein paar Minuten länger dauern. Das fällt aber hauptsächlich im direkten Vergleich auf und stört nicht weiter.
  • Wasser Kochen.
  • Der Filter sollte mit heißem Wasser ausgespült werden. Die Naht des Baumwollfilters sollte nach außen zeigen. Es ist wichtig, dass der Stoff Wasser zieht und durchtränkt ist, dass kann gerade bei einem schon oft benutzen und durchgetrockneten Filter eine Weile dauern.
  • Den Kaffee frisch mit mittlerem Mahlgrad mahlen. Ich verwende für die 400ml Kanne meistens 30g Kaffeemehl – hier würde ich einfach experimentieren.
  • Den Kaffee in den Filter geben und durch klopfen gleichmäßig verteilen und auf die Kanne legen.
  • Mit dem leicht abgekühlten Wasser 90-95 Grad langsam das Kaffeepulver benetzen. Es soll noch kein Wasser durchlaufen, der Kaffee zieht Wasser, so kann beim weitern Aufgießen eine gleichmäßige Extraktion stattfinden. Dies sogenannte “blooming” lässt du ca. 20 Sekunden stattfinden und gießt dann langsam und gleichmäßig Wasser auf, bis der obere Rand des Filters erreicht ist. Jetzt warten, bis das Wasser vollständig durchgelaufen ist und den Vorgang wiederholen.

 

Reinigung des Hario Drip Pot

Weiße Baumwolle und Kaffee – klar, der sieht nicht mehr lange Weiß aus. Der Filter nimmt sehr schnell eine Kaffee Patina an. Das finde ich nicht weiter schlimm aber es gibt sicher Menschen, denen das überhaupt nicht gefällt.

Ich spüle den Filter nach jeder Nutzung mit heißem Wasser aus und hänge ihn zum Trocknen auf. Ich habe in vielen anderen Blogs gelesen, dass sie den Filter nach dem Ausspülen in einer Plastiktüte in den Kühlschrank stecken – das gefällt mir wiederum nicht. Weder die Plastiktüte noch die Vorstellung, dass die Nasse Baumwolle im Kühlschrank liegt.

Die CoffeeGeeks reinigen ihren Filter nach einiger Zeit mit JoeGlo, einem Reinigungsmittel für Kaffeerückstände in Espressomaschinen – ich persönlich lasse nur Kaffee und Wasser an den Filter.

Vor- und Nachteile des Hario Drip Pot

Vorteile:

  • Kein Abfall durch die Wiederverwendbarkeit des Baumwollfilters. Das spart auch Geld, denn gerade die Hario Papierfilter sind recht teuer.
  • Das Handling ist relativ einfach zu lernen.
  • Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Der Kaffee ist klar und hat doch einen vollen Körper (siehe dazu den Vergleich von Woodneck, French Press und Handfilter).
  • Der Kaffee hat nur Kontakt zur Baumwolle und dem Glas.

Nachteile:

  • Sehr dünnes Glas – Bruchgefahr.
  • Wer mehr als 400ml Kaffee braucht muss zwei Durchgänge einlegen.

Drip Pot Woodneck Hario

Abgrenzung zum Handfilter und zur French Press

Das spannende ist, dass Kaffee tatsächlich mit jeder kleinsten Änderung in der Zubereitung einen anderen Charakter bekommt. Das gilt für den Mahlgrad, die Kaffeemenge, das verwendete Wasser und natürlich auch die Zubereitungsmethode.

Der Geschmack eines Kaffees, der im Baumwollfilter aufgegossen wurde, liegt näher an dem aus dem Handfilter als an dem der French Press. Das liegt an den unterschiedlichen Kontaktzeiten des Wassers mit dem Kaffeepulver.

Die Filtration mit dem Pappfilter ist stärker und es wird ein größerer Anteil an ätherischen Ölen ausgefiltert.

Das findet beim Baumwollfilter nicht so stark statt, aber anders als bei der French Press werden die feinen Kaffeepartikel komplett ausgefiltert.

Kaffee Filter aus Baumwolle

Das Ergebnis ist sozusagen ein Hybrid der beiden Methoden mit den Vorzügen der French Press und des Handfilters. Der Kaffee aus dem Hario Drip Pot Woodneck ist so rein und brillant wie der Kaffees aus dem Handfilter und hat einen vollen Körper mit vielen ätherischen Ölen wie ein Kaffee aus der French Press.

Ich hoffe ich konnte euch ein wenig helfen und ihr seid dem perfekten Kaffee auf der Spur. Habt ihr auch schon Erfahrungen mit dem Hario Drip Pot Woodneck?

11 Kommentare
  • Schmalfeldt Hildegard
    8 June, 2015

    Oh,jeh,die Kaffeefiltertüte aus Stoff ist wieder da.——-

    Unsere Mütter waren damals froh,als in de 30er Jahren endlich die Papierfiltertüte au den Markt kam.

    Man merkt,das “Alte” war doch nicht schlecht,denn es spart Papier und schont zugleich die Gldbörse und die Umwelt.

    Ich bestelle mir sofort wieder eine Kaffefiltertüte aus Stoff mit
    Zubehör.

  • Arne
    8 June, 2015

    Hallo Oma,

    du bist mit deinen 94 Jahren offiziell der älteste Mensch der auf coffeeness.de jemals einen Kommentar hinterlassen hat (denke ich zumindest).

    Danke dafür!

    Ich muss gerade an viele “Fertigprodukte” denke, die in der Nachkriegszeit auch als Errungenschaft angesehen wurden und jetzt versuchen viel Menschen davon los zu kommen.

    Sobald du uns in Berlin besuchst testen wir den Woodneck Drip Pot gemeinsam.

    Beste Grüße,
    Arne

  • Axel
    7 July, 2015

    Wir haben ähnliche Stoff-Filter in Kolumbien kennengelernt und unseren Reisefilter leider in der Zwischenzeit verloren.

    http://www.durch-die-welt.de/wp-content/gallery/medellin-cali/dsc_0361.jpg

    Hast du einen Idee wo man nur einen Filter herbekommt?

  • Arne
    7 July, 2015

    Hier kannst du drei Filter Kaufen: Hario Ersatzstofffilter für Drip Pot DPW-3 Oder einen mit Halterung: Hario Replacement

  • Urs
    19 December, 2015

    Hi Arne,
    ich habe so einen Woodneck ja noch nie gesehen. Aber die Eltern meiner Frau haben wohl einen gehabt. Das spielte sich Anfang der 70er ab. Toll zu sehen und dass Du erwähnst, das Baumwollfilter nicht nur die ätherischen Öle erhalten sondern auch die Umwelt und das Portemonnaies schonen. Ich muss das mal ausprobieren, der Kaffee sah wirklich sehr gut aus. Danke für’s Teilen
    Urs

  • Anke
    1 January, 2016

    Wir haben auch so ein System aber von Bodum der ist mit Dauerfilter vorgesehen.Den Dauerfilter mögen wir aber nicht und wir haben dafür den Stofffilter von Hario drin.Uns gefällt das viel besser besonders auch für die Umwelt.Unser Problem aber ist der Stofffilter den wir haben ist für uns etwas zu klein ist weißt du wo man größere bekommt.Selber nähen ist nicht so mein Ding.
    LG Anke

  • Arne
    4 January, 2016

    Hallo Anke,

    das Problem kenne ich, der ist wirklich ein wenig klein. Ich haben bisher noch keinen größeren gesehen. Ich würde einfach einen selbst bauen. Also nähen.

    Danke für den Kommentar.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Arne

  • Anton
    20 January, 2016

    Also ich verwende schon seit Jahren wiederverwendbare Perlon-Kaffeefilter von Sonja (W. Böhm GmbH – ehem. DDR-Produkt). Diese kosten in der Größe 1×4 unter 4€
    Der mit Sonja-Filter aufgebrühte Kaffee (ich verwende ausschl. Trommelröstungen – meistens von Machwitz Hannover) ist m. E. sehr gut und kommt auch bei meinen Freunden super an.

    Vor dem 1. Gebrauch sollte man den Filter in heißem Kaffee einlegen und auf dem Herd im Kochtopf einige Minuten leicht sieden lassen.

    Vielleicht kannst Du mal eeinen Vergleichstest anstellen und darüber schreiben!

  • Christian
    1 August, 2016

    Hi Arne. Ich bin durch deinen Bericht hier überhaupt erst auf den Woodneck aufmerksam geworden. Danke dafür! Ich finde den Kaffee aus dem Woodneck viel aromatischer als aus dem v60. Wie eine Mischung aus Karlsbader Kanne und Filter. Ich folge auch deinem Rat den Filter nach Verwendung einfach heiß und gründlich durchzuspülen und dann trocknen zu lassen. Mir gefällt die Kühlschrankvariante auch nicht sonderlich. Das mache ich nun seit ca. 2 Wochen und bis jetzt riecht und schmeckt alles noch tadellos.
    Wie lange hielt denn dein erster Filter? Oder ist er womöglich immer noch in Gebrauch? 😉 Woran erkennt man dass es Zeit wird den Filter zu wechseln?

  • Christian
    4 August, 2016

    Hallo Kaffeefreunde 🙂
    Ich hab mal im Urlaub Vietnamesischen Kaffee kennengelernt. Dort läuft er üblicherweise durch einen Metallfilter (auch mit oben beschriebenen “blooming”) direkt auf der Tasse. Der vietnamesische Kaffee ist auch nicht so fein gemahlen wie hier handelsübliche Kaffeesorten. Es werden viel Robusta-Bohnen verwendet, weniger Arabica. Durch die grobe Körnung fallen schon weniger Partikel durch den Metallfilter und die Bohnen werden speziell geröstet, in Butter wenn ich mich nicht irre. Dadurch hat das Kaffeepulver eine etwas klebrigere Konsistenz und eine besonderes Aroma. Blablabla… jedenfalls eignet sich dieser Kaffee auch prima für den Drippod mit Baumwollfilter. Und es geht viel praktischer und schneller damit, als mit dem Metallfilter. Die Reinigung geht schneller (mache ich auch nur mit Wasser 🙂 ) und man kann genau dosieren, wieviel Wasser man durchlaufen lässt und wie oft. Das erlaubt mit etwas Übung eine sehr gute Abstimmung des Geschmacks auf die persönliche Vorliebe. Ich brauch noch einen zweiten fürs Büro… 🙂

  • Margit
    29 December, 2016

    Hallo,

    ich denke ich werde das Ganze mal gemischt probieren. Handfiltern mit Stofffilter…ohne extra Gerätschaft, nur den Porzellanfilter+Stoff, Tasse drunter, fertig. Klingt gut, finde ich. Übrigens gibt bei etsy VIELE VIELE Stoffilter zu kaufen. “Selbst”gemacht, meist aus den USA. Aber immerhin :-). Es gibt doch auch Teesiebe aus Stoff…würden die nicht auch funtionieren?

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