Die Robu Espresso Kollektion von Huber Kaffee aus dem Allgäu im Test – Trinkt mehr Robusta!

Die Robu Espresso Kollektion von Huber Kaffee aus dem Allgäu im Test – Trinkt mehr Robusta! Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 5. Juli 2017 von 4

Treue Coffeeness-Leser können sich an die Rösterei Huber Kaffee aus dem Allgäu sicher noch erinnern – falls nicht, hier gibt’s die Auffrischung zum Kaffeetest.

Jetzt hat mir Inhaber Andreas Huber mal etwas zum Testen geschickt, was sich viele von euch vielleicht nicht bestellen würden: Die Robu Espresso Kollektion verbannt die Arabica-Bohne in die zweite Reihe und lässt Robusta den Vortritt.

Und wenn Robusta das Sagen hat, wird’s kräftig, stark und ziemlich Crema-lastig. Damit ist die Robu Espresso Kollektion von Huber Kaffee sozusagen der krasse Gegensatz zum blumigen Third Wave-Kaffeetrend.

Drei Kombination könnt ihr bei Huber online bestellen oder vor Ort kaufen: Die Fifty-Fifty Mischung Robu 50 ist der perfekte Einstieg, Robu 80 ist das zweite Level, Robu 100 der Endgegner. Andreas Huber nennt sie allesamt „Wuchtbrummen“.

Soviel sei schon einmal gesagt: Vergesst alle Vorurteile über Robusta und lasst euch diese kräftigen Schwarzen schmecken – am besten, wenn ihr danach noch viel vorhabt.

Die drei Huber Kaffee Robu Espresso im Überblick

Zunächst einmal eine kleine Auffrischung, warum der Unterschied zwischen Arabica und Robusta für diesen Test so wichtig ist und warum die Robu-Kollektion ziemlich gegen den Strom schwimmt:

Arabica und Robusta sind beides Pflanzenvariationen aus der gleichen Familie – der Kaffeepflanze. Obwohl die Arabica-Variation im Anbau und der Ernte viel empfindlicher, anspruchsvoller und damit auch teurer ist, macht sie etwa 70 Prozent der weltweiten Kaffeeproduktion aus.

Das liegt am von Natur aus harmonischen und ausgeglichenen Aromengerüst, das selbst für eher zart besaitete Gaumen angenehmer wirken kann. Und ja, ein hochwertiger Arabica-Kaffee ist an wunderbaren Kaffeeölen, Ausgeglichenheit und angenehmem Körper auch kaum zu übertreffen.

Dagegen müssen sich Robustabohnen den Vorwurf gefallen lassen, dass Erde, Holz und Bitternoten ihr Geschmacksbild bestimmen. Außerdem weist der sogenannte Tieflandkaffee bei schlechter Verarbeitung auch mehr Chlorogensäuren auf, die dem Magen zu schaffen machen können.

Dass Robusta unter diesen Voraussetzungen im breiten (westeuropäischen) Kaffeegeschäft überhaupt eine Rolle spielt, verdankt die Sorte eigentlich nur der Tatsache, dass sie für eine besonders stabile Crema auf Espresso sorgen kann – der geringeren Kaffeeöle sei dank. Und gleichzeitig sorgt sie für den nötigen Koffeinschub im Kleinen Schwarzen.

Das macht sie aber bitte nicht solo, sondern lieber in einer Mischung, bei der der Arabica-Anteil die Hauptrolle spielt. Machen wir uns also nichts vor: Robusta ist das Stiefkind der westlichen Kaffeewelt. In Osteuropa sieht die Sache übrigens anders aus.

Doch auch Stiefkinder können mit der richtigen Förderung (in diesem Fall Bohnenauswahl, Röstung und Mischung) zu echten Stars heranwachsen. Und das beweisen die Robu Mischungen von Huber Kaffee.

Zusätzlich sei noch einmal gesagt: Der Aufdruck „100 % Arabica“, mit denen viele Kaffees (gerade im Supermarkt) werben, ist keineswegs eine Qualitätsauszeichnung, lediglich eine Tatsache. Das gilt natürlich anders herum auch für hundertprozentige Robustas.

Der Huber Robu 100 Kaffee Test

Kategorie
Eintrag
RösterHuber Kaffee
NameRobusta Revival (Robu 100)
HerkunftIndien, Sirgoor Plantage
Varietät100% Canephora (Robusta)
Aufbereitunggewaschen
Preis pro kg20,80 €
Empfohlen fürVollautomat / Siebträger / Herdkann

Die Zubereitungsempfehlungen machen schon deutlich, dass der Robu 100 als Kaffee aus der French Press oder dem Handfilter nichts taugen würde. Dazu ist er einfach zu konzentriert, zu vordergründig, zu „in your face“. Also einfach zu Espresso.

Er ist ein wahrer Espresso, den ihr am besten in den klassischen Zubereitungsmethoden Siebträger bzw. Espressokocher zaubert.

Im Vollautomaten müsstet ihr ganz schon frickeln, um den perfekten Mahlgrad für diesen intensiven Kaffee zu finden und in meinen Augen peitscht diese Zubereitungsmethode den Charakter oft zu heftig nach vorne – und jegliche Eleganz ginge flöten.

Und gerade die ist ein wichtiges Stellrädchen für den Unterschied zwischen „Boar, ist der gut“ und „Hui, lieber nicht“.

Geruch

Nuss, sehr dunkle Schokolade und ein gewisses erdiges Aroma bestimmen den Geruch, der unglaublich voll und rund ist. Der Robu 100 lässt in der Nase zumindest schon einmal keine Zweifel daran, dass er es ernst meint.

Spannend finde ich auch die Note von frisch gemahlenem Getreide aus einer alten, holzlastigen Mühle (also die mit Flügeln und Müller). Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich das Aroma entschlüsselt hatte, aber genau diese Vielschichtigkeit macht diesen Huber Robusta so interessant.

Säure

Wer beim ersten Schluck (aus dem Siebträger) Angst hat, jetzt würde er von rumpeliger Säure erschlagen, irrt beim Robu 100 gewaltig. Wie auf der Produktseite versprochen, ist die Säure angenehm dezent und praktisch kaum zu spüren. Dazu solltet ihr beim Mahlgrad etwa eine Vierteldrehung vor „superfein“ Halt machen.

Mundgefühl und Charakter

Schlichtweg ein Hammer – und zwar in allen Facetten des Wortes. Der Robu 100 legt sich wie ein wunderbar runder Ball auf den Gaumen und löst das Versprechen seines Duftes mit Wucht und Macht ein.

Die Bitterstoffe preschen zwar vor, doch habe ich nichts anderes erwartet und bin dennoch überrascht, wie fein gedrechselt sie ans Werk gehen. Spätestens hier sollte man seine Robusta-Vorurteile noch einmal überdenken.

An den Zungenrändern kitzelt er gewaltig und lässt auch eine gewisse Süße nicht außen vor. Aber eines ist klar: Für Anfänger und zarte Gemüter ist dieser Robusta wirklich nichts, denn die Komplexität fordert schon beim ersten Schluck heraus.

Abgang

Weiter geht’s mit den Facetten des Robusta-Aromas und hier habt ihr von jedem Schluck des Robu 100 unglaublich lange etwas. Intensiv und immer noch nussig, sehr kräftig und schon mit einer Ahnung davon, dass euer Herzschlag in wenigen Minuten auf Turbo schalten wird.

Nach mehreren Probeschlücken tendierte selbst mein trainiertes Kaffeetrinker-Herz in Richtung Kolibri, aber auf eine sehr angenehme, aktivierte und wache Weise, wenn ihr versteht, was ich meine.

Bewertung

Der Huber Robu 100 dürfte Koffeinfans und Leuten, die der blumigen Röstung so gar nichts abgewinnen können, ziemlich viel Freude machen. Das Schöne daran: Trotz seiner Intensität taugt er in meinen Augen auch als „Alltagskaffee“, also für alle, die ohne Milch nicht können oder sich mehrfach täglich ein Tässchen gönnen wollen.

Die weiche Cremigkeit von Milch ist eine wunderbare Ergänzung zum Robusta-Wumms und euer Morgen-Cappuccino schickt euch jetzt mit noch mehr Schwung in den Tag. Aber auch solo macht der Robu 100 eine überraschend elegante Figur, die ich euch auf jeden Fall ans Herz legen möchte.

Der Huber Robu 80 Kaffee Test

KategorieEintrag
RösterHuber Kaffee
NameRobusta Revival (Robu 80)
HerkunftIndien (Sirgoor Plantage), Mexico (Finca Montegrando)
Varietät80% Canephora (Robusta), 20% Arabica
Aufbereitunggewaschen
Preis pro kg21,60 €
Empfohlen fürVollautomat / Siebträger / Herdkanne

Huber Robusta 80 %Die grundsätzlichen Zubereitungsbedingungen und Erkenntnisse für den Robu 80 unterscheiden sich nicht wesentlich vom Robu 100, allerdings müsst ihr jetzt beim Mahlgrad natürlich noch einmal nachjustieren, solltet aber dennoch am besten bei Siebträger oder Herdkanne bleiben.

Die 20 Prozent Arabica schmeckt man dem Robu 80 durchaus an – er ist ein wenig sanfter, gleichzeitig noch facettenreicher und schon der Geruch tendiert ein wenig mehr in Richtung milde Süße.

ABER: Ich finde ihn als Mittelstück zwischen Robu 50 und Robu 100 eher langweilig, auch wenn er an Kraft gegenüber dem 100 kaum nachlässt. Das liegt nicht an der Qualität des Kaffees oder an der Leistung von Huber Kaffee, sondern an der Tatsache, dass wir uns hier auf Robusta-Territorium befinden.

Was ich damit sagen will: Eine hundertprozentige Robustamischung ist ein Abenteuer und eine Herausforderung, eine 50/50-Mischung überaus elegant und quasi das Beste aus beiden Welten. Eine 80/20-Mischung hingegen ist irgendwie zu ungenau, um sich wirklich zu positionieren.

Dennoch ist meine neu gefundene Robustabegeisterung mit dem Robu 80 ganz sicher nicht kleiner geworden, denn diese Mischung ist genauso sorgfältig komponiert wie die beiden anderen. Und damit genauso ein Kaffee für alle, die von zart und blumig die Nase voll haben.

Der Huber Robu 50 Kaffee Test

KategorieEintrag
Röster Huber Kaffee
NameRobusta Revival (Robu 50)
HerkunftIndien (Sirgoor Plantage), Mexico (Finca Montegrando)
Varietät50% Canephora (Robusta), 50% Arabica
Aufbereitunggewaschen
Preis pro kg22,00 €
Empfohlen für
Vollautomat / Siebträger / Herdkanne

Huber Robusta 50 %Was ich über die erstaunliche Alltagstauglichkeit des Robu 100 gesagt habe, gilt in noch größerem Maße für den Huber Robu 50. Diese wirklich ausbalancierte Mischung könnt ihr nämlich auch hervorragend im Vollautomaten zubereiten.

Dabei erhaltet ihr einen wunderbar widersprüchlichen KVA-Espresso, den ich rundum schmatzig und weich finde – ohne, dass er seinen relativ hohen Robusta-Anteil nebst Wuchtbrummenstatus verhehlt.

In der Nase kommen jetzt mehr Blumen und süße Gewürzhölzer zum Tragen, die Erde und die Nuss sind nur noch das Duftfundament. Die Komplexität am Gaumen ist zugänglicher, und auch ein bisschen mehr Säure schadet hier kein bisschen.

Ich habe den Getreide-Duft, der sich wie ein roter Faden durch die Robu Kollektion von Huber zieht, hier noch einmal extra auf die Probe gestellt, und geschäumte Hafermilch zum Robu 50 gegeben. Und das war die richtige Entscheidung zum Thema Milchschaum.

Dadurch bekommt euer Morgen-Latte Macchiato eine ganz besondere Note, wird sehr viel eindeutiger im Geschmack und macht auch noch ziemlich wach. Gerade dieser kleine Nebentest zeigte, wie überfällig das von Huber Kaffee propagierte Robusta Revival tatsächlich ist.

Fazit zur Huber Kaffee Robu Espresso Kollektion

Fassen wir zum Schluss die wichtigsten Faktoren der Huber Kaffee Robu Espresso Kollektion noch einmal zusammen:

  • Alle drei Varianten sehr kräftig
  • Absoluter Koffeinkick
  • Je nach Mischung sehr herausforderndes Aroma
  • Sehr sauber und sorgfältig geröstet
  • „Pro Kaffeebauer“-Direktvertrieb
  • Überraschende Eleganz
  • Für alle, denen es gar nicht stark genug sein kann

Letztendlich ist es gleich, für welche der drei Mischungen ihr euch entscheidend. Sehr leckere Qualität bekommt ihr immer. Aber dennoch würde ich eindeutig den Robu 100 wieder kaufen, weil er beweist, dass Robusta seinen Stiefkindstatus ganz sicher nicht verdient hat.

Der Robu 80 ist sehr nett, aber für mich zu ungenau. Der Robu 50 wiederum hat genug Konkurrenz auf dem Markt, der er aber problemlos die Stirn bieten kann. Das Besondere in dieser Kollektion ist eindeutig die reine Robustavariante.

Über die ziemlich angenehme Preisstruktur brauchen wir uns nicht unterhalten und ihr profitiert damit auch davon, dass Robusta einfacher zu ernten und eben auch nicht einmal ansatzweise so stark nachgefragt ist.

Ihr könnt euch dennoch mal den Spaß machen und die Robu Kollektion direkt mit handelsüblichen Espressomischungen aus dem Supermarkt vergleichen, die ebenfalls auf viel Robusta setzen. Ihr werdet merken:

Der Unterschied ist himmelweit und beweist, dass man selbst einer eher unbeliebten und „platten“ Kaffeevarietät unglaubliche Facetten entlocken kann, wenn man sich von industriellem Massenkrempel fernhält und nicht auf das hört, was der Durchschnittsgeschmack diktiert.

Mich würde interessieren, ob ihr euch schon einmal mit Robusta-Kaffees beschäftigt habt und welche Favoriten oder Erfahrungen ihr habt. Teilt es mir in einem Kommentar mit!

4 Kommentare
  • Markus
    26 Juli, 2017

    Hallo,

    Ich habe zum Geburtstag eine Mischung aus 50% Arabica und 50% robusta von einem italienischen feinkostladen bekommen. Das war der bisher aromatische Kaffe, den ich bis dato getrunken hatte. Wobei ich sagen muß, daß ich sehr viel Kaffe trinke und auch etwas mehr Milch verwende als der ein oder andere.

    An den Namen kann ich mich leider nicht mehr erinnern und seit wir weggezogen sind ist der weg auch etwas weit um diesen wieder zu bekommen.

    Erstaunlich war der Preis mit 15,50€ pro kg

    Kann mir vorstellen, das er mit der richtigen Maschine noch aromatischer wird. Ich besitze leider nur eine Jura C5

  • Uwe
    9 November, 2017

    Hallo Arne,
    sehr schöner und interessanter Test…. Du hattest mich schon nach der Überschrift 😉
    Das ist genau mein Ding…. kräftig und so wie die meisten ihn nicht trinken.
    Unabhängig von Deinem Test habe ich mir gerade in Kempten (ich habe das große Glück im schönen Allgäu leben zu dürfen) in einer kleinen Rösterei, der “Kaffeerösterei Kempten” einen Espresso mit einem 50/50 Anteil von Arabica und Robusta aus dem Hochland Südindiens geholt. Ich muss sagen, ich habe noch nie einen so eleganten und vollmundigen und intensiven Kaffee aus der Moccakanne getrunken. Bin sehr gespannt wie er aus der Silvia schmeckt… die kommt allerdings erst.
    Die Robustas von Huber werde ich auf jeden Fall probieren… kann ich ja praktisch persönlich abholen. 🙂
    Vielleicht schreibe ich dann noch mal.
    Gruß Uwe

  • Stephan
    1 März, 2018

    Robusta FTW!!!! 🙂

  • Jens Leovsky
    31 Mai, 2018

    Hallo,
    Ich habe mal vor ca. 1-2 Jahren einen 100% Robusta TOGO aus der Rösterei GANOS (Leipzig) geschenkt bekommen. Dies war für mich der bisher absolute Favorit, allerdings leider nicht mehr verfügbar. Ich verstehe auch nicht warum so viele auf 100% Arabica schwören. Allerdings sollte die Robusta schon gekonnt geröstet und verlesen sein.
    Kurz zur Ergänzung: ich probiere , suche und bewerte für mich seit ca. 4 Jahren die verschiedensten Kaffees, trinke ausschließlich Espresso, zubereitet mit einer Siebträger Handhebelmaschine. Es macht mir halt Freude.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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