NIVONA CafeRomatica 769 im Test: Willkommen in der Familie

NIVONA CafeRomatica 769 im Test: Willkommen in der Familie Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 30. Oktober 2018 von 3

Trommelwirbel. Fanfaren. Jubelnde Mengen.

Leute, endlich ist es soweit: Nivona hat als Marke Einzug in unseren Kaffeevollautomaten Test gehalten. Ihr liegt uns seit Jahren (zurecht) damit in den Ohren, dass wir endlich einmal dieses Nürnberger Unternehmen genauer unter die Lupe nehmen sollen.

Nivona Caferomatica im Test

Denn Nivona gilt unter KVA-Fans als zuverlässiger Lieferant von großartigen Vollautomaten, die ohne Schnickschnack auskommen und einfach nur richtig guten Kaffee machen. Bisher haben wir uns immer vor dem Unternehmen gedrückt, da es ein paar sehr besondere Eigenschaften hat:

  1. Nivona gibt es vorrangig im stationären „Fachhandel“.
  2. Nivona hat keinen eigenen Onlineshop.
  3. Nivona lässt die Maschinen in der Schweiz produzieren und verbaut praktisch die gleichen Teile wie Miele und andere große Namen.
  4. Nivona hat ein etwas snobistisches Image.

Diese vier Punkte machen es gar nicht so einfach, viele Produkte des Unternehmens zu testen. Denn wer mit Absicht die große Masse an Vollautomatenkunden ausschließt, die am liebsten online kaufen und sich auch dort informieren, hat es in einem Format wie Coffeeness schwer.

Aber eben weil ihr immer so schwärmt, haben wir auf der IFA 2018 einen Termin mit Nivona ausgemacht und uns ein Testgerät gesichert.

Nivona 9er Kaffeevollautomat

Hier gab es ein kleines Missverständnis. Wir sind davon ausgegangen, euch die neueste 9er-Baureihe mit LED-Disko und allem Pipapo im Test präsentieren zu können. Nivona wollte damit aber (vorerst) nicht rausrücken und hat uns die NIVONA CafeRomatica 769 Dimension Silver ins Haus geschickt.

Das Argument: „Das ist der Nachfolger unseres Verkaufsschlagers.“ Da mache ein Test besonders Sinn. Ahja. Ich lese das so: „Macht mal einen Test, damit wir bekannter werden und ein gutes Gerät noch besser loswerden.“

Also schauen wir uns zunächst den NIVONA CafeRomatica 769 an. Aber ich gucke beim Verkaufshit genauso kritisch hin wie ich es bei der Messeneuheit gemacht hätte!

Nivona 8er Kaffeevollautomat

Das Gerät wird zwar auf Amazon angeboten, aber nicht direkt von Nivona vertrieben. Die haben nämlich auch weiterhin etwas gegen den Plebejer-Onlineshop. Digitalisierung hin oder her.

Man möchte wirklich den Kopf schütteln. Wir haben schließlich auch ein Ego. Aber die NIVONA CafeRomatica 769 ist dann eben doch eine sehr, sehr nette Maschine, bei der sich die Vorstellung lohnt.

Die NIVONA CafeRomatica 769 im Überblick

Räumen wir erst einmal mit einem Fehler auf: Der Kaffeevollautomat im rasanten Silberpanzer-Look heißt nicht Romantica, sondern Romatica. Die falsche Schreibweise habe ich schon oft gehört und gelesen, weshalb ich dazu hier mal klugscheißen muss. Der etwas sperrige Gerätename bezieht sich wohl auf das Wörtchen Aroma.

Nivona Caferomatica Espresso-Bezug

Sei es drum, Namen sind Schall und Rauch. Die NIVONA CafeRomatica 768 Dimension Silver ist als Vertreter der 7er-Baureihe tatsächlich seit einigen Jahren sehr beliebt und erhält ab und zu ein Design-Update oder kleinere Verbesserungen. Das äußert sich dann in der aufsteigenden Zahl hinter der 7.

Unser Modell 769 besitzt folgende Eigenschaften im Überblick:

EintragWert
NameNIVONA CafeRomatica 769
DisplayTFT-Farbdisplay
Bedienung /GetränkevorauswahlDrehknöpfe
Benutzerprofilek.A.
Kapazität Bohnenbehälter in g250
Kapazität Wassertank in l2,2
Pumpendruck in bar15
2-Tassenfunktionnur für Kaffee
MilchschaumsystemMilchschlauch
MahlwerkKegelmahlwerk aus Edelstahl
BesonderheitenLive-Programmierung, Kaffeetemperatur wählbar in 3 Stufen, Kaffeestärke 5-stufig einstellbar
Gewicht in kg10,0

Selbst auf der Produktseite der aktuellsten 76-Maschine hält sich Nivona mit (für uns) wichtigen Angaben zur Maschine zurück. Dieser Minimalismus scheint beim Hersteller wirklich in jeder Unternehmensfaser zu stecken.

Für rund 700 Euro erhaltet ihr auf jeden Fall einen kompakten Kaffeevollautomaten, an dem mir vier Dinge auf den ersten Blick besonders gut gefallen:

  • Minimalismus vom Scheitel bis zur Sohle sorgt für eine tolle Optik
  • Das Bohnenfach ist schön klein und verführt nicht zum Bevorraten
  • Das Milchschaumsystem besteht nur aus einem Schlauch und ist deswegen schön flexibel
  • Das Display und Menü machen schon beim ersten Anschauen Spaß

Bohnenfach

Nichts, aber auch gar nichts an dieser Maschine lässt sich mit den üblichen Funktions- und Blinkmonstern vergleichen, die wir sonst in dieser Preiskategorie kennen.

Die NIVONA CafeRomatica 769 sieht eher wie eine Einsteigermaschine aus, obwohl sich unter der Haube zahlreiche Einstellmöglichkeiten verstecken. Und diese Zurückhaltung gefällt mir sehr.

Viele durchdachte Einstellungs-Möglichkeiten

Die NIVONA CafeRomatica 769 einstellen

Schon auf der IFA ist uns aufgefallen, wie babyeierleicht Nivona Kaffeevollautomaten zu bedienen sind. Das übersichtliche Display der NIVONA CafeRomatica 769 erfreut mit klaren Ansagen, gut verständlichen Symbolbildern und einer eindeutigen Menüführung.

Tolles Display und gute Menüführung

Dafür stehen euch die beiden Dreh-/Druckknöpfe zur Verfügung, die ihr ohne Betriebsanleitung oder Erklärung kapiert. An Einstellmöglichkeiten beschränkt sich Nivona auf die Dinge, die bei der Kaffeezubereitung wirklich wichtig sind:

  • 3-stufige Einstellung der gewünschten Kaffeetemperatur (bzw. Wassertemperatur)
  • 5-stufige Einstellung der gewünschten Kaffeestärke
  • Live-Programmierung als Getränke

Live-Programmierung heißt, dass ihr in der Zubereitung von zum Beispiel Cappuccino in die Einstellung wechseln könnt, die Milchschaum- und Kaffeemenge reguliert, während die Zutaten ins Glas laufen und die Sache dann speichert.

Dieses Feature hatte ich jüngst schon im DeLonghi PrimaDonna Class Test genau vorgestellt. Ich finde aber, bei Nivona geht das Ganze noch intuitiver.

Ansonsten solltet ihr das Kegelmahlwerk aus Edelstahl wie immer erst einmal auf die feinste Mahlgradstufe einstellen und die Kaffeemenge hochprügeln. So kommt am Ende der wie immer beste KVA-Espresso zustande.

Drei Mahlgrade sind einstellbar

Beim Ausprobieren ist mir jedoch nichts weiter aufgefallen, was in den Einstellungen so besonders oder außergewöhnlich wäre. Und das ist gut! Denn die meisten unter uns wollen zwar immer besonders viele Funktionen fürs Geld. Doch geht es ans Benutzen, lassen wir die meisten Features links liegen. Warum also dafür bezahlen?

Fach für externes Kaffeepulver

Espresso und Milchschaum aus der NIVONA CafeRomatica 769

Habt ihr die Grundeinstellungen vorgenommen (Mahlgrad fein, Kaffeemenge hoch, Wassermenge runter), ist der Espresso aus der NIVONA CafeRomatica 769 eine sehr runde Angelegenheit. Ich habe auch dieses Mal einen recht dunkel gerösteten Espresso verwendet und fand insbesondere die schnuckelige Crema sehr gelungen.

Crema des Espressos aus dem Caferomatica

Das Milchschaumsystem beschränkt sich hier auf einen Schlauch, was ich prinzipiell immer begrüße. Den hängt ihr einfach in die Milchtüte eurer Wahl, spart euch das Umfüllen und habt auch noch weniger Ärger bei der Reinigung.

Schlauch für den Milchschaum

So lässt sich der Caferomatica mit wenig Aufwand reinigen

Auch der Milchschaum kann sich sehen lassen, auch wenn er, wie ihr auf dem Latte Macchiato-Bild seht, nicht ganz so gleichmäßig geport und weniger fein ist, als wir es jüngst beim einstellbaren Milchschaumsystem von DeLonghi gesehen haben.

Milchschaumbezug mit dem Nivona Caferomatica

Nivona Caferomatica Latte

Doch Temperatur, Aussehen und Geschmack aller von mir zubereiteten Getränke waren sehr zufriedenstellend.

Cappuccino aus dem Nivona Caferomatica

Noch ein Wort zur oft gewünschten 2-Tassenfunktion: Die könnt ihr bei Nivona erst ab der 8er-Reihe für Getränke mit Milchschaum erwarteten. Bei der 7er-Reihe ist sie nur für reinen Kaffee möglich. Ich könnte mir vorstellen, dass das manche unter euch abschreckt.

Die Lautstärke ist für ein Edelstahlmahlwerk erstaunlich gering, auch wenn die Geräuschkulisse bei weitem nicht mit dem Flüstermodus der Siemens Kaffeevollautomat EQ6 mithalten kann. Aber bei Siemens gibt es ja auch Scheiben aus Keramik und ihr müsst rund 100 Euro mehr zahlen.

Allerdings haben die Nivona-Entwickler tatsächlich besonderen Wert darauf gelegt, dass die Vollautomaten ab der 7er-Reihe insbesondere durch ihre geringe Geräuschkulisse aus dem Rahmen fallen und damit auch morgens problemlos zum Einsatz kommen können.

Nivona Caferomatica Reinigung

Reinigung der NIVONA CafeRomatica 769

Spätestens bei der Hygiene macht sich die übersichtliche Einfachheit der Nivona Maschinen bezahlt. Denn ihr könnt jeden Aspekt im Display einfach nachvollziehen, wisst immer, wann ihr was spülen oder reinigen sollt und könnt auch noch auf komplizierte Handgriffe verzichten.

Der Milchschaumschlauch wird beispielsweise einfach in eine Halterung in der Abtropfschale gesteckt und spült dann direkt in diese durch. Nach getaner Spülerei könnt ihr alle Elemente einfach entnehmen und den jeweiligen Reinigungsritualen unterziehen.

Abtropfschale

Dabei ist mir auch aufgefallen, wie schön trocken und kompakt die Kaffeepucks in ihrem Tresterbehälter sind. Ich sage immer:

Sieht der Puck so aus, ist die Maschine durchdacht und der Kaffee wird ordentlich zubereitet!

Kaffee-Puck aus dem Caferomatica: Schön trockener Trester

Die Brühgruppe ähnelt nicht nur den Varianten bei Miele, auch Melitta scheint beim gleichen Zulieferer wie Nivona zu bestellen. Das ist jetzt aber nur eine optische Vermutung.

Worum es mir geht: Die Nivona Brühgruppe lässt sich genauso einfach entnehmen und reinigen wie die Versionen anderer beliebter und guter Kaffeevollautomaten.

Brühgruppe

Wassertank

Einfache automatische Reinigung des Schlauches

Fazit zur NIVONA CafeRomatica 769

In meinem Testnotizen steht als Fazit ein flapsiger Gedanke: „Alles in allem ein KVA wie jeder andere. Aber etwas durchdachter.“ Und auch jetzt, wo ich meine Erfahrungen noch einmal ins Reine geschrieben habe, könnte ich nichts anderes sagen.

Besonders gut gefallen mir folgende Aspekte:

  • Sehr intuitive und gute Handhabung
  • Alles dabei, was man für guten Kaffee braucht
  • Klare Reinigungsregeln und gute Hygiene
  • Toller Espresso
  • Brauchbarer Milchschaum
  • Schicke Optik
  • Hochwertige Verarbeitung
  • Für den Mahlwerktypus sehr leise

Wenn wir aber ehrlich sind, haben wir diese Eindrücke schon genauso häufig für andere Vollautomaten festgehalten. Nun erfindet jedoch kaum ein Unternehmen die gesamte Produktkategorie jedes Mal neu.

Insgesamt hätte ich mir weniger Marketing-Blasen und ein paar mehr Fakten gewünscht.

Wir hätten da Blödsinnsbegriffe wie „AromaticaSystem“, das unsägliche „Barista in a Box“ und könnten auch noch mit „Swiss Quality“ auf dem Gerät aufwarten. Das hilft aber keinem Kunden weiter, der von Vollautomaten nichts versteht und vor seinem Besuch beim Fachhändler erst einmal einen Überblick erhalten möchte.

Oder anders gesagt: Wüsste ich nicht, was ein Vollautomat in einer bestimmten Preiskategorie können muss und mitbringen kann, hätte der NIVONA CafeRomatica 769 bei mir kaum eine Chance, weil ich nirgendwo wirklich handfeste Informationen dazu finde, was ihn wirklich besonders macht.

Nivona Caferomatica im Barista Test

Apropos Fachhändler: Ich finde es gut, dass Nivona den Einzelhandel stärken will und die Expertise echter Menschen über Listen in Onlinehandelsmonopolen stellt. Doch seien wir einmal ehrlich: zeitgemäß oder kundenfreundlich ist das nicht.

Denn damit werden automatisch alle Nutzer ausgeschlossen, die sich einfach nicht trauen, den Weg zum Fachhändler zu gehen. Oder die in Klein-Hintertupfingen keinen Fachhändler zur Verfügung haben.

Nivona verpasst damit die Chance, seine wirklichen Vorteile auszuspielen: In meinem Augen sind die Geräte nämlich Vollautomaten im besten Sinne, die ein tolles Ergebnis schon mit wenigen Handgriffen und noch weniger Ahnung ermöglichen.

Dazu braucht es keine Features abseits des Standards. Nur eine intuitive Benutzerführung und Maschinenfunktion. Und mit beidem kann Nivona punkten. Das weiß nur keiner, der es nicht weiß. 

Jetzt könnt ihr endlich loslegen: Welche Nivona-Nutzer unter euch lieben ihre Maschinen aus welchem Grund? Welches Modell habt ihr, könnt ihr es empfehlen? Habt ihr noch Fragen oder wollt meiner Meckerei etwas erwidern? Dann ab in die Kommentare!

3 Kommentare
  • Roland Horf
    30 Oktober, 2018

    Hallo Arne
    Erst einmal Danke für deine tolle Arbeit hier. Dadurch bin ich z.B. auf Kaffeebohnen aufmerksam geworden, von denen ich vorher noch nie was gehört habe. Und auf deine Meinung vertrauend habe ich da bisher auch schon positive Erfahrungen machen können.
    Zum Test:
    Trotz deiner leichten Abneigung gegen das Marketing der Firma Nivona, die man im Test doch rauslesen kann, hat der KVA doch noch recht gut abgeschnitten 😉
    Die von dir genannten Gründe bezüglich der Bedienung waren unter anderem ein Grund für den Kauf einer Nivona (859). Da hier zu Hause auch Personen sind, die keine komplizierte Bedienung mögen, aber trotzdem die Vielfalt eines KVA schätzen war dieses Gerät ideal und deshalb ist sie seit knapp 1 Woche hier zu Hause!
    Die 8er Reihe hat (für uns) auch noch den Vorteil, dass man 4 „Rezepte“ abspeichern kann.
    Auch das schlichte und einfache Erscheinungsbild gefällt uns sehr gut und auch die relativ kleinen Abmaße finden wir schön (praktisch)
    Dazu kommt die recht einfache Reinigung durch die, wie die meisten Automaten, herausnehmbare Brühgruppe, aber auch eben wegen der schlichten und glatten, ohne Ecken und Kanten geformten Edelstahlfront.

    Als kleine Kritikpunkte hätte ich bisher folgende:
    Die Zeit, bis die Maschine in den „Energiesparmodus“ schaltet ist sehr kurz und lässt sich nicht einstellen!
    Der Kaffee und Espresso ist für unseren Geschmack heiß genug. Jedoch sobald Milchschaum ins Spiel kommt (Latte, Cappu) ist das Getränk nicht mehr richtig heiß, sondern nur noch gut warm.
    Aber ansonsten bin ich sehr zufrieden mit dem KVA!!!

    Übrigens: Auch „euronics“ hat das ganze Sortiment von Nivona in ihrem Programm!

    Sorry, du wolltest bestimmt jetzt eher einen Kommentar zu deinem Test lesen, aber da ging die Tastatur mal wieder mit mir durch…. 😉
    Mach weiter so!!! Ich habe schon einiges hier gelesen und gelernt und freue mich immer wieder auf neue Tipps und Tests!!!
    Gruß
    Roland

  • Johannes
    7 November, 2018

    Vielen Dank für den Test. Schade dass Nivona nicht die 970 bereit gestellt hat. Hier würde mich wirklich mal interessieren ob in Sachen Verarbeitung und Lautstärke eine deutliche Verbesserung zum Vorgänger der 9er Serie gelungen ist?!

    Grüße

  • Stefan
    12 November, 2018

    Hallo Arne!

    Vielen Dank für den Test der Nivona 769!
    Bin über nen Freund auf die Maschine gestoßen und war recht begeistert. Sowohl vom Espresso, aber gerade von dem schlichten, durchdachten Bedienkonzept.
    Wie würdest du sie denn im Vergleich zur EQ6 einschätzen?
    Hier hört man nur Gutes, die Bedienung und Optik gefällt mir allerdings gar nicht…

    Beste Grüße
    Stefan

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