Espressomaschinen Test: Vergleiche die Testsieger 2021 | Der ultimative Ratgeber

Die Auswahl der richtigen Espressomaschine ist selbst für Kenner eine Herausforderung. Ich teste Siebträger auf Herz und Nieren und finde für euch Sieger in unterschiedlichen Kategorien. Die beste günstige Espressomaschine ist für mich aktuell die Sage the Bambino Plus.

Solis Barista Gran Gusto (Typ 1014)

Sage Oracle Touch

Solis Barista Perfetta Plus

Rancilio Silvia

QuickMill Orione 3000

DeLonghi EC685.BK

Sage SES500 the Bambino Plus

DeLonghi La Specialista

Gastroback 42612 S Design Espresso Advanced Pro GS

La Pavoni Professional

Funktioneller Purist für anspruchsvolle Einsteiger.

Sehr puristisch-hochwertiger Look

Hochwertiges Zubehör

Einfache Programmierung und Bedienung

Milchschaumdüse etwas schwach auf der Brust

Die beste halbautomatische Siebträgermaschine auf dem Markt.

Echter Espresso

Eignet sich für Espresso-Anfänger

Milchschaum automatisch oder manuell

Sehr hoher Preis

Gerechtfertigter Preis – auf den zweiten Blick.

Sehr kompakt und hochwertig

Viele sinnvolle Einstellungen

Sehr guter Espresso

Preis und Auftreten ein Widerspruch

Günstig und mit viel Power.

Sehr gute Verarbeitung

Kompaktes Gerät

Minimalistisch

Beim Milchaufschaumen müsst ihr wissen was ihr macht

Der mitgelieferte Tamper ist für die Mülltonne

Rostgefahr bei schlechter Handhabung

Toller Siebträger für Einsteiger!

Guter innerer Aufbau

Gute Verarbeitung

Sehr gutes Preis-Espresso-Verhältnis

Mitgeliefert Tamper taugt nichts

Liefert, was man zu diesem Preis erwarten kann.

Kompakt und günstig

Sinnvolle Einstellungen

Einfache Bedienung

Nur für Einsteiger

Klein, günstig, brauchbar – doch kein Barista-Standard.

Ultra-kompakt und schön designt

Automatisches Milchaufschäumen per Sensor

Guter Espresso

Espresso nicht ganz sauber

Abstriche bei der Materialqualität

Weckt den Spaß an gutem Espresso – verlangt etwas Einsatz.

Hochwertiger Hybrid aus Vollautomat und Espressomaschine

Übersichtliche Einstellungsmöglichkeiten & Funktionen

Sehr guter Milchschaum ohne Gefrickel

Verlangt mehr Engagement und Justierung

Beste Kombi Espressomaschine mit Mahlwerk.

Sehr einfache Bedienung

Schickes Design

Hochwertige Verarbeitung

Kombi-Gerät mit den üblichen Beschränkungen

Eine sehr schöne Handhebelmaschine.

Unter 10 Minuten zum Aufheizen

Gute Verarbeitung

Sieht toll aus

Muss abkühlen, bevor Wasser nachgefüllt werden kann

Kann nach einiger Zeit überhitzen

Über die Jahre bin ich meinen professionellen Barista-Wurzeln ziemlich untreu geworden. Ich habe mich für euch mit allen möglichen Zubereitungsarten beschäftigt – nur nicht mit der Siebträgermaschine.

Dabei ist sie der Inbegriff der professionellen Kaffeekultur und die einzige Möglichkeit, einen echten Espresso zu zaubern. Doch sie hat ein Image-Problem: Der Endkunde schreckt vor dem Aufwand, dem Lernprozess und dem flankierenden Equipment zurück.

Das ist ein Grund, warum der Hype um die Kaffeevollautomaten derart groß werden konnte: Sie liefern ähnliche (!) Ergebnisse mit weitaus niedrigeren Hürden.

Andererseits taten die Hersteller von Siebträgermaschinen nichts dafür, dass sich etwas am Image ändert. Espressomaschinen sollten einen bestimmten Look haben, ein bestimmtes Preisschild tragen und eine ganz besondere Klientel ansprechen. Pfeif doch auf die Anfängertrottel!

Das hat sich nun geändert, und ich glaube, dass wir in ein neues Maschinenzeitalter eintreten. Denn die Hersteller werfen in einer Tour neue Espressomaschinen für den Consumer- und Einsteigerbereich auf den Markt. Auch in der preislichen Mittellage tut sich viel.

Die Kunden beschäftigen sich intensiv mit dem perfekten Zusammenspiel von Kaffeebohnen, Mahlgrad und Druck. Und finden dabei heraus, dass ihnen ein Vollautomat keine Perfektion liefern kann. Egal, wie sehr er sich anstrengt.

Auch gibt es mit den Hybridmaschinen nun eine ganz neue Gerätekategorie, die die Lücke zwischen Vollautomat und Profi-Siebträger schließen soll. Hier hat sich bisher die Sage Oracle Touch als beste Siebträgermaschine mit Mahlwerk profiliert.

Bei den echten Espressomaschinen habe ich viele neue Produkte für euch getestet und neue Sieger in Bereichen wie „Beste Espressomaschine für Einsteiger“ gefunden. Hier kann sich zum Beispiel die DeLonghi EC 685 Dedica als Nachfolger der 680 stark positionieren. Bei der Stiftung Warentest schneidet sie ebenfalls gut ab.

Eine recht neue Kategorie ist die „Beste Espressomaschine ab 300 Euro“. Gab es hier früher kein sinnvolles Angebot, kann ich euch nun zum Beispiel die Sage the Bambino Plus problemlos ans Herz legen.

Doch mit der La Pavoni Professional und der Rancilio Silvia führen zwei preisintensivere und hochwertige Modelle unangefochten das Feld an – und könnten dabei unterschiedlicher kaum sein.

Rancilio Silvia Test

Einen Gesamtspitzenreiter werdet ihr aber vergeblich suchen. Denn es gibt zig verschiedene Siebträgermaschinen, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und unterschiedliche Wünsche erfüllen.

Es war an der Zeit, diesen Ratgeber und Leitartikel zu überarbeiten und euch brandneue Informationen zu folgenden Punkten zu liefern:

  • Welcher Typ Espressomaschine passt zu mir?
  • Welche Faktoren an der Espressomaschine sorgen für den perfekten Espresso?
  • Warum zaubere ich keinen anständigen Espresso aus dem Siebträger?
  • Vollautomat oder Siebträger: Was will ich wirklich?

Bevor ich euch meine Favoriten genauer vorstelle, noch eine kleine Erklärung: Ähnlich wie bei Vollautomaten teste ich bei Siebträgermaschinen nur “realistische” Geräte für den Endanwender.

Im Vergleich zu Vollautomaten können sehr gute Espressomaschinen locker 10.000 Euro kosten. Aber das sind Gefilde, in denen keiner von euch unterwegs sein dürfte. Darum setze ich ungefähr 1.500 Euro als absolute Schmerzgrenze für den typischen Endanwender an – und ignoriere erst einmal alles, was darüber liegt.

Die beste Espressomaschine unter 200 Euro: DeLonghi Dedica

Noch vor wenigen Jahren habe ich mir diese Kategorie komplett klemmen können. Denn die damals von mir getestete DeLonghi EC 685 Dedica war eine absolute Ausnahmeerscheinung. Andere Maschinen in diesem Bereich waren erstens selten und zweitens Schrott.

Tolles Einsteigergerät

DeLonghi EC 685

Liefert, was man zu diesem Preis erwarten kann.

Kompakt und günstig

Sinnvolle Einstellungen

Einfache Bedienung

Guter Espresso und Milchschaum

Nur für Einsteiger

Heute hat sich zwar das Angebot erhöht, doch der Schrottanteil ist ähnlich geblieben. Die Dedica als Einkreiser mit totalem Einsteigerformat liefert auch in der neuen Version DeLonghi Dedica EC685 weiterhin ordentlich ab, während selbst aus dem eigenen Hause keine Konkurrenz kommt.

Mit der DeLonghi ECOV 311.11 GR zum Beispiel hat sich das Unternehmen überhaupt keinen Gefallen getan. Ich prophezeie aber, dass sich in dieser Preisklasse demnächst noch einiges mehr tun wird – weil die Hemmschwelle bei diesem Preisschild so schön gering und das Interesse theoretisch groß ist.

Delonghi EC685bk Espresso Laeuft

Die beste Espressomaschine unter 500 Euro: Sage the Bambino Plus

Ab welchem Preisschild ihr ordentliche Leistung bei absoluter Einsteiger-Eignung erhaltet, zeigt die Sage the Bambino Plus. Sie liefert einen modernen Look, der seine Siebträger-Wurzeln aber nicht verneint und lässt sich in Sachen Temperatur oder Wassermenge überraschend gut regeln.

Sage The Bambino Plus Latte Macchiato

Für viele Einsteiger dürfte sicherlich auch die automatische Milchschaumlanze ein Argument sein, da ihr euch so den ganzen Lernprozess um die richtige Zubereitung von Milchschaum prinzipiell sparen könnt. Der Tamper ist zwar Mist und die Siebe sind ebenfalls nur für Einsteiger interessant.

Doch das ändert nichts am durchdachten Funktionsprinzip und der hochwertigen Umsetzung von Kaffeemehl in Espresso.

Die beste Hybridmaschine: Sage Oracle Touch

Mit der Sage Oracle Touch bin ich erst wirklich mit den Hybridmaschinen warm geworden. Denn sie hat es geschafft, einen vernünftigen Mittelweg zwischen Automatisierung und Lernprozess zu finden.

Oracle Touch Sage Espresso Einstellen

Ihr werdet unweigerlich viel über die Zubereitung von Espresso im Siebträger lernen, seid aber nicht gezwungen, jeden einzelnen Schritt zu können, bevor ihr guten Kaffee erhaltet.

Für mich persönlich hat sie damit der durchaus guten (und günstigeren) Gastroback 42612 S Design Espresso Advanced Pro GS etwas voraus. Denn dieser Hybrid hat noch ein wenig mehr mit den typischen Problemen aller Kombigeräte zu schaffen.

Gastroback Siebtraeger Barista

Positiv erwähnen muss ich auch die DeLonghi La Specialista, die allerdings (bewusst) einen etwas anderen Weg als Sage oder Gastroback geht. Sie verschiebt den Zielgruppenfokus eher auf den Nutzer, der bereit ist, sich mit den Parametern der Espressozubereitung auseinander zu setzen.

Delonghi Specialista Test

Wer das nicht will, wird von der La Specialista ein wenig angezickt. Allerdings ist der Milchschaum aus der automatischen Schaumlanze ein absoluter Knaller und selbst dann perfekt, wenn ihr praktisch alles falsch macht, was man in dieser Hinsicht falsch machen kann.

In dieser Kategorie muss ich nichts prophezeien, hier bin ich mir sicher: Der Hybridmarkt ist für die Hersteller das nächste große Ding. Bei der IFA 2019 kam jeder Kaffeemaschinen-Anbieter auf irgendeine Weise auf dieses Thema zu sprechen. Der Konsens war eindeutig:

Hybride nehmen die Angst vor dem Siebträger – und sind deswegen schon jetzt bei den Kunden das nächste große Ding.

Die beste ambitionierte Siebträgermaschine: Rancilio Silvia

Wenn ich „ambitioniert“ sage, meine ich Espressomaschinen, die erstens danach aussehen, zweitens die Sache mit der Zubereitung sehr ernst nehmen und drittens bei den Bauteilen und der Hochwertigkeit keine Kompromisse eingehen.

Diese Kompromisslosigkeit resultiert jedoch auch in Herausforderungen, denen sich der Nutzer unweigerlich stellen muss.

Früher habe ich meinen persönlichen Favoriten Rancilio Silvia noch als klares Einsteigermodell vorgestellt. Aus Profisicht stimmt das immer noch. Angesichts der neuen Kategorisierungen allerdings nicht mehr so richtig. Als Einkreiser (siehe unten) ist sie günstiger als sehr hochwertige Maschinen mit einem anderen Wasserkreislauf-System.

Allein der Wassertank ist schon ein klares Einsteiger-Signal – zumindest in der Größe und Beschaffenheit wie bei der Silvia. Außerdem erkennt ihr an Details wie viel Kunststoff an Abdeckungen oder den Schaltern, dass noch Luft nach oben ist.

Dennoch bekommt ihr einen schönen Klopper von einem Siebträger, der mehr als ordentlich arbeitet, langlebig und robust ist und einen schönen altbackenen Siebträger-Look ohne Schnickschnack hat.

Rein von der Funktionalität wäre für viele die QuickMill Orione 3000 die bessere Wahl. Auch sie konnte in meinem Espressotest absolut überzeugen, zumal sie beim Thema Wassererhitzen ein paar clevere Ideen hat, die typische Einkreiser-Probleme auflösen sollen.

Dass ich mich trotzdem für die Rancilio entscheide, liegt nur an meinen Praxiserfahrungen mit beiden Maschinen. Ich „fühle“ die Silvia einfach mehr – und kann damit im Endeffekt auch besseren Espresso zaubern. Das bilde ich mir zumindest ein.

In dieser Kategorie habe ich die Zügel wirklich schleifen lassen. Meine Annahme war, dass ihr euch sowieso nicht für „teure“ und komplizierte Maschinen interessiert. Aber das war offensichtlich Quark, wie eure zahlreichen Kommentare gezeigt haben.

Um euch einen Überblick über die besonders beliebten Maschinen in dieser Kategorie zu geben, setze ich euch Links (wenn verfügbar) zu den Siebträgermaschinen, die positiv erwähnt wurden:

  • Nuova Simonelli Oscar II – futuristischer Look im Einsteiger-Zweikreiser für um die 800 Euro
  • ECM Classika II – schon recht alt, klassischer Einkreiser mit echtem Italien-Flair um die 1.000 Euro
  • – ähnliches Format (in jeder Hinsicht) wie die ECM
  • – etwas leistungsstärker als die 3000

Ich habe unbändig Bock, in dieser Kategorie wieder Geräte zu testen. Dazu müsst ihr mir verraten, welche neuen Produkte oder Super-Klassiker ihr hier unbedingt sehen wollt. Wie ich schon sagte: Alles über 1.500 Euro fände ich für den typischen Kunden zu krass. Ansonsten, legt los und hinterlasst fleißig Kommentare!

Die beste Handhebelmaschine: La Pavoni Professional

Ich gebe zu, hier bin ich voreingenommen. Und ich gebe zu, dass eine Maschine wie die La Pavoni Professional ziemlich viel mit Angeberei zu tun hat. Denn Handhebel schaffen eine Notwendigkeit, für die es im Zeitalter der automatischen Geräte keinen Grund gibt.

Doch auch wenn die La Pavoni eine absolute Zicke ist und ihr sehr genau wissen müsst, wie ihr damit umgeht, habe ich bisher keine Handhebelmaschine bedient, die so exakten und hochwertigen Espresso liefern konnte.

Habt ihr hier ebenso begeisternde Alternativen entdeckt? Auch dann nehme ich gerne jeden Kommentar!

Mini, Hybrid, Klassiker oder Handhebel: Welche Siebträgermaschine passt zu mir?

Allein an der Tatsache, dass es keine definitiv beste Espressomaschine in meinem Test gibt, könnt ihr schon meine Grundeinstellung erkennen: Jede Kategorie ist für unterschiedliche Ansprüche gemacht. Früher bestand diese Kategorisierung (bei mir) aus drei klar abgrenzbaren Typen:

  1. Einkreisige Espressomaschinen
  2. Zweikreisige Espressomaschinen
  3. Espressomaschinen mit Dualboiler

Diese Einteilung bezieht sich auf die Art und Weise, wie das Wasser erhitzt wird und unter welchen Umständen es aus der Brühgruppe und der Dampflanze kommt. Eine andere Unterscheidung hätte beim ursprünglichen Schreiben gar keinen Sinn ergeben, weil die Hersteller auch nach diesem Schema vorgingen – oder nur billigen Schrott angeboten haben.

Wie schon mehrfach erwähnt, hat sich das grundlegend gewandelt. Lassen wir die Profigeräte mal außen vor, haben wir es mit wenigstens fünf verschiedenen Typen an Espressomaschinen zu tun, die jeweils eine ganz unterschiedliche Klientel ansprechen:

  1. Siebträgermaschinen um 150 Euro
  2. Espressomaschinen ab 300 Euro
  3. Klassische Siebträgermaschinen ab 500 Euro
  4. Hybridmaschinen als Mix aus Kaffeevollautomat und Siebträgermaschine
  5. Handhebelmaschinen

Wenn ihr auf der Suche nach einer Espressomaschine seid, halte ich es für wichtig, dass ihr beide Einordnungssysteme kennt und beherzigt. Dann seid ihr nämlich in der Lage, genau zu ermitteln, worauf es euch bei einer Siebträgermaschine ankommt.

Außerdem schadet es nie, ein paar Fachbegriffe und -konzepte zu kennen, damit ihr das Marketinggetöse mancher Hersteller dekodieren könnt. Hier habe ich in letzter Zeit so einiges erlebt!

Espressomaschinen um 150 Euro: Reicht der Minimalanspruch?

Ich persönlich würde allein schon aus Gründen der Nachhaltigkeit nicht auf die Idee kommen, mir eine 150-Euro-Siebträgermaschine in die Küche zu stellen. Ihr könnt davon ausgehen, dass diese Versionen nicht lange halten. Außerdem können die billigen Bauteile weder den Druck noch die Temperatur oder Präzision (dauerhaft) erreichen, die es für den perfekten Espresso braucht.

So mancher von euch hat mir gesagt, dass er mit dieser Kategorie wirklich nur „geschnuppert“ und sich dann sehr schnell für ein Upgrade entschieden hat. Interessant dabei: Bisher ist niemand von der Siebträgermaschine zurück zum Kaffeevollautomaten gewechselt. Selbst nicht mit der billigsten Bude.

Für die Hersteller ist diese Kategorie besonders lukrativ, weil die Hemmschwelle, sich so ein Gerät zuzulegen, angesichts des niedrigen Preises gering ist. Wenn es hin ist, macht der angefixte Espressotrinker von selbst ein Upgrade in höhere Preisgefilde. Außerdem kann man hier mit bunten Farben und niedlichem Design für Punkte bei der Instagram-Crowd sorgen.

Delonghi Ecov 311gr Uebersicht Arne

Zu solchen Insta-tauglichen Fails zähle ich die DeLonghi ECOV 311.11 GR, die auf Fotos hübsch rüberkommt, aber ansonsten nichts gebacken kriegt.

Dass ich diese Kategorie dennoch erwähne, liegt hauptsächlich daran, dass der Markt von solchen Maschinen praktisch überrannt wird. Auch wenn ich etwa die DeLonghi EC 685 Dedica für ihr Preis-Leistungsverhältnis schätze, bewegen wir uns doch auf einem sehr niedrigen Niveau.

Was heißt das nun für euch? Ich fände es ziemlich cool, wenn irgendjemand eine Mitmach-Kaffeebar aufmachen würde, in der die Kunden selbst an den Siebträger dürfen. Dann gäbe es nämlich das Schnupper-Problem nicht mehr.

Eine (teure und eigene) Espressomaschine weckt Respekt, den euch 150-Euro-Buden nicht abverlangen. Darum ist es vollkommen okay, wenn ihr euch die wenigen guten Produkte in dieser Kategorie in die Küche stellt. Seid euch nur bewusst, dass der Wunsch nach einer besseren Maschine sehr schnell aufkommt.

Espressomaschinen ab 300 Euro: Startblock für frische Ideen

Was bei den Kaffeevollautomaten der Preisbereich zwischen 600 und 800 Euro ist, ist bei den Siebträgermaschinen die Kategorie ab 300 Euro aufwärts. Hier gibt es erstaunlich viel Innovationsfreude, die sich zum Beispiel in brauchbaren automatischen Milchschaumlanzen niederschlägt.

Ein sehr gelungenes aktuelles Beispiel ist die Sage the Bambino Plus, die für um die 350 Euro genau dieses Milchschaumsystem bietet und zusätzlich auch noch mit einstellbaren Temperaturen, einer regulierbare Wassermenge und einem ordentlichen Druck für guten Espresso punktet.

sage The Bambino Plus Uebersicht Arne

Wenn ihr eine „ernsthafte“ Einsteigermaschine sucht, die die Espressozubereitung gleichzeitig lehrt und die Scheu davor nimmt, würde ich tatsächlich um die 300 bis 400 Euro investieren. Solltet ihr gerade frisch auf der Suche sein und mit der Sage nicht ganz warm werden (Espressomaschinen muss man “fühlen), wartet noch ein wenig.

Denn in dieser Preiskategorie wird der Konkurrenzkampf demnächst auf jeden Fall größer, Neuentwicklungen werden immer häufiger auf den Markt geworfen. Das ist auch gut für den Preiswettbewerb.

Espressomaschinen ab 500 Euro: Klassiker sterben nie aus

Die „alten“ Einsteiger-Empfehlungen Rancilio Silvia und QuickMill Orione 3000 sind in meiner Einordnung etwas weiter nach oben auf der Niveau-Skala gerutscht, weil sie erstens mehr kosten als die wirklichen Einsteiger und zweitens den Anfänger sicher stärker abschrecken.

Aber beide Maschinen genießen ihren Klassikerstatus nicht umsonst und haben zum Beispiel den 300 Euro-Produkten eine sehr hochwertige und langlebige Bauweise voraus. Dafür sind sie zwar etwas komplizierter und in Sachen Aufheizzeit teilweise lahmarschig.

Wenn ihr euch allerdings eine solche Maschine zulegt, sage ich voraus, dass ihr euch an anderes Modell nur dann zulegt, wenn ihr euch unsterblich darin verknallt. Steht die Silvia oder ein Verwandter in eurer Küche – und habt ihr euch mit allen Macken vertraut gemacht und eingepegelt – wären alle anderen Maschinen für den Normalnutzer nicht wirklich besser.

Da lasse ich gern mit mir diskutieren – es gibt genug Argumente für Hammermaschinen wie die Rocket Espresso Dual Boiler R58 (Liebe!!!).

Doch ein bisschen ist das wie mit dem Vergleich zwischen einem Smart und einem Lamborghini: Beides sind Autos, beide bringen euch ans Ziel, der Smart hat gegenüber dem Sportwagen viele Vorteile, aber der Lamborghini ist für viele Auto-iger als der Smart.

Hybridmaschinen: Der angesagte Remix

Den weitaus größten Alarm machen alle typischen Endkunden-Marken um ihre neuen Espressomaschinen mit Mahlwerk, die ich der Einfachheit halber Hybridmaschinen getauft habe.

Die Idee ist nicht ganz neu. Mit der alten Gastroback 42612 Design Advanced Pro G habe ich euch bereits 2015 einen solchen Remix kurz vorgestellt. Dann passierte jahrelang erstmal nichts.

Gastroback Siebtraeger Mit Mahlwerk Espresso Beszug

Und nun gibt es mit der verbesserten Gastroback 42612 S Design Espresso Advanced Pro GS nicht nur einen Nachfolger bei Gastroback.

DeLonghi ist jüngst mit der La Specialista als taufrischer Hybrid auf den Markt gekommen, während sich die Sage Oracle Touch bei mir besonders beliebt machen konnte.

Specialista Lieferumang

Auf der IFA 2019 habe ich ähnliche Entwicklungen auch beim Mühlenmeister Graef und bei den Schweizern von Solis befummeln dürfen. Ich würde fast behaupten, dass die Hybridmaschinen momentan der Trend in der Kaffeemaschinenwelt sind.

Das liegt an der cleveren Kombination aus zwei Maschinenprinzipien, die viele Vorteile hat:

  • Meist so einfach wie ein Vollautomat, aber echter (!) Espresso
  • Ihr braucht euch keine extra Kaffeemühle kaufen
  • Der Milchschaum wird weitestgehend automatisch zubereitet
  • Die Maschine automatisiert viele typische Espresso-Einstellungen
  • Eine Hybridmaschine ist fehlertoleranter
  • Das Gerät ist bei hoher Funktionalität recht kompakt
  • Der Kaffee muss nicht durch die Maschine – die Reinigung funktioniert besser

Allerdings handelt es sich eben auch um ein Kompromiss-Gerät. Viele Hersteller haben richtig erkannt, dass die Aufgabe dieser Kategorie ist, die Scheu vor dem Siebträger zu nehmen. Dieser Zwischenschritt hat damit natürlich auch Nachteile. Die decken sich weitestgehend mit den Vollautomaten:

  • Geht ein entscheidendes Teil kaputt, ist die ganze Maschine unbrauchbar
  • Die Bohnen werden immer miterhitzt
  • Ihr habt bei fortschreitenden Fähigkeiten weniger Einflussmöglichkeiten
  • Ein Update einzelner Komponenten (gerade der Mühle) ist nicht möglich

Schon rein zahlenmäßig überwiegen die Vorteile aktuell die Nachteile. Darum macht es mir auch sehr viel Spaß, die Hybridmaschinen zu testen. Preislich gesehen solltet ihr ungefähr mit einem Niveau wie bei der La Specialista einsteigen.

Mehr als für die Sage Oracle Touch würde ich aber nicht investieren. Denn es bleibt dabei: Wer sich eine Hybridmaschine kauft, wird irgendwann Lust auf einen echten Siebträger und eine individuelle Kaffeemühle bekommen. Das kann ich fast garantieren.

Allerdings bin ich mir noch nicht sicher, wie lange es dauert, bis diese Lust zur Kaufentscheidung führt. Denn der Preis der Hybriden ist kein Pappenstiel, die Hemmschwelle für einen Wechsel also höher. Und die Geräte liefern nun einmal sehr ordentlich ab.

Abgesehen von Mühlenmacken oder Totalausfall gibt es rein zweckorientiert wenig Grund zum Wechsel. Der Espresso aus den guten Varianten fetzt, der Milchschaum meist noch mehr.

Der Image- und Angeber-Faktor spielt aus meiner Sicht daher eine recht große Rolle. Hybride sind toll, lassen sich aber beim nächsten Treffen der anonymen Espressojunkies nicht so cool begründen wie ein schnieker Siebträger-Klotz nach italienischem Vorbild.

Handhebelmaschinen: Geduld und ein bisschen Angeberei

Genau genommen sollte ich die Handhebelmaschinen nicht weiter ausführen. Und es hat einen Grund, warum ich die La Pavoni Professional als einziges Gerät im Espressomaschinen Test vorgestellt habe.

La Pavoni Professional

Denn Handhebelmaschinen sind eigentlich nur etwas für Manufactum-Opfer: Sie machen eine Sache unnötig kompliziert, kosten vergleichsweise abenteuerlich viel – sehen dabei aber hammermäßig gut aus und verbreiten in der Küche das Flair des wahren Kaffee-Connaisseurs.

Ginge es wirklich um mehr als Angeberei, hätte jede Kaffeebar nur Handhebel-Espresso im Angebot.

Die mechanische Arbeitsweise ist natürlich eine Verbeugung vor den ersten Espressomaschinen, die in der Lage waren, überhaupt Espresso nach unseren heutigen Qualitätsmaßstäben zu zaubern. Doch seitdem hat die „Automatisierung“ vieles einfacher und besser gemacht.

Schema Handhebelmaschinen

Grundsätzlich beziehen auch Handhebelmaschinen den Espresso mit einem Druck von 9 bar. Dafür müsst ihr zunächst den Handhebel nach oben drücken, damit Wasser den Kolben nach oben presst und als Widerstand dient (Abbildung 1).

Sobald das Wasser in die Brühkammer läuft, besteht ein Kontakt zum Espressomehl im Siebträger. Das ist gar nicht so schlimm. Denn wenn ihr noch ein paar Sekunden wartet, geschieht eine Pre-Infusion, die für die perfekte Extraktion hervorragend ist.

Sollte es sich um den ersten Bezug handeln, kühlt das Wasser schnell ab. Die Brühgruppe ist in der Regel massiv und nicht erhitzt. Sie muss also zunächst auf Temperatur gebracht werden. Dazu bietet sich ein Leerbezug an. Dadurch wird gleichzeitig der Siebträger durchgespült und ebenfalls erhitzt.

Auf dem zweiten Bild seht ihr, wie der Handhebel nach unten gedrückt wird und somit den nötigen Druck für den Bezug aufbaut. Da zu diesem Zeitpunkt kein Wasserkontakt mit dem Kessel besteht, ist die Temperatur am Siebträger geringer als die Temperatur des Kessels – und bestenfalls optimal abgekühlt.

La Pavoni Professional Arne

Bis ihr soweit seid, dass ihr diesen Arbeitsablauf im Schlaf beherrscht und in jeder Lebenslage hinbekommt, vergeht sehr viel Übungszeit. Außerdem verzeiht euch eine Handhebelmaschine Fehler an der Mühle oder bei der Espressowahl nicht.

Doof ist auch, dass die Handhebelmaschine (insbesondere die La Pavoni) bereits nach wenigen Espressobezügen überhitzt und erst einmal ihre Ruhe braucht. Über Milchschaum braucht ihr hier gar nicht erst nachdenken. Allerdings gibt es auch einen guten Grund, warum die La Pavoni Professional aus meiner Küche nicht wegzudenken ist:

Wenn ihr wisst, was ihr tut, gibt es kaum eine bessere Möglichkeit, wirkliche Spitzenleistungen aus der Espressobohne zu holen. Das kostet euch im Falle La Pavoni dann rund 600 Euro aufwärts bei Amazon. Und eben viel Zeit, Geduld und Muskelschmalz.

Einkreisige Espressomaschinen: Einstieg für Puristen

Kommen wir zu ersten „Profi“-Kategorie und einer Funktionsweise, an der ihr Espressomaschinen für Einsteiger auch dann erkennen könnt, wenn es kein offensichtliches Preisschild gibt.

Einkreiser tragen ihren Namen, weil derselbe Wasserkreislauf bzw. Kessel für die Zubereitung des Espresso und das Aufschäumen der Milch genutzt wird.

Einkreiser Espressomaschine

Das ist problematisch, weil zum Aufschäumen der Milch eine höhere Wassertemperatur als für den Espresso benötigt wird. Der Unterschied ist ziemlich groß: Für den Espresso braucht ihr Wasser bei rund 94 Grad Celsius, ordentlichen Wasserdampf gibt‘s erst zwischen 110 und 130 Grad Celsius.

So oder so muss die Maschine nach dem Espressobezug weiter heizen bzw. für die Zubereitung des nächsten Cappuccino oder Flat White erst einmal abkühlen. Klappt das nicht richtig, wird der Espresso beim nächsten Bezug bitter und falsch extrahiert. Logisch.

Außerdem dauern diese Heiz- oder Kühlvorgänge immer länger. Aber ein guter Cappuccino lebt davon, dass sich Milch und Kaffee möglichst sofort zusammentun. Andersherum lautet die Schlussfolgerung jedoch:

Wenn ihr ausschließlich Espresso – oder vielleicht noch Americano – trinkt, spricht nichts gegen eine einkreisige Espressomaschine!

Ich als oller Purist bin deswegen auch so ein großer Fan von der Rancilio Silvia. Als Einkreiser ist sie trotz hochwertiger Ergebnisse und Komponenten günstiger als die Konkurrenz. Genauso angenehm hat mich die SAGE SES500 the Bambino Plus für noch weniger Geld überrascht.

Sage the Bambino Plus Arne Happy

Wer das „Abenteuer Einkreiser“ auch als Milch-Fan eingehen will, sollte sich mit dem sogenannten Temperatursurfen beschäftigen. Dabei geht es um einen gekonnten Mix aus Wartezeit, Leerbezügen und Maschinenkenntnis. Genaueres erfahrt ihr im Kaffee-Wiki-Eintrag Temperatursurfen.

Eine recht gelungene maschinelle Lösung für das Temperaturproblem liefert die QuickMill Orione 3000, da sie die einkreisige Bauweise um einen Durchlauferhitzer ergänzt. Dieser liefert schneller einer stabile Dampftemperatur.

Zweikreisige Espressomaschinen

Wer sich aufmerksam den Teil über Einkreiser durchgelesen hat, der wird sich denken können, dass es sich bei Zweikreisern um Siebträgermaschinen mit zwei unterschiedlich temperierten Wasserkreisen handelt.

So können der Dampf zum Milchschäumen und das Brühwasser für die Espressozubereitung gleichzeitig und ohne Wartezeit entnommen werden.

Zweikreiser Espressomaschine

Wie ihr in der Zeichnung erkennen könnt, befindet sich im Kessel Wasser mit einer Temperatur zwischen 110 und 130 Grad Celsius. Dieses Wasser wird zum Milchschäumen verwendet. Durch diesen Kessel verläuft ein Rohr.

Hier fließt Wasser hindurch, dass durch die Materialwahl des Rohrs und die Durchlaufzeit den optimalen Temperaturbereich für den Brühvorgang erreicht. Dieses Rohr trägt den Namen Wärmetauscher, oder auf Englisch „heat exchanger“. In vielen Foren wird aus Faulheit und Internettigkeit dafür die Abkürzung HX verwendet.

Allerdings besteht auch in diesem Rohr die Gefahr des Überhitzens. Das erkennt ihr daran, dass Dampf aus dem Siebträgerauslass quillt. Wir haben es also wieder mit einem ähnlichen Problem wie beim Einkreiser zu tun: Zu heißes Wasser sorgt für einen bitteren Espresso.

Anders als beim Einkreiser ist die Wassermenge im Zweikreiser-Rohr jedoch überschaubar. Dampft es also aus dem Siebträger, drückt ihr auf den Knopf für einen Espressobezug und lasst die heiße Brühe ab. Schöner Nebeneffekt: Dieses Wasser könnt ihr gleich zum Vorwärmen der Espressotasse nutzen.

Im Zusammenhang mit Zweikreisern fällt auch häufiger das Wort Thermosiphon. Dieses Bauteil kann beim Temperaturausgleich helfen. Wenn ihr mehr dazu wissen wollt, schaut doch einfach in den Beitrag im Kaffee Wiki.

Das bekannteste Einsteigermodell unter den Zweikreisern ist die Oscar Nuova Simonelli, die heute in der zweiten Generation verkauft wird. Sie hat nicht nur einen außergewöhnlichen Look, sondern hinterlässt bei Fans auch in Sachen Kaffeequalität immer Eindruck.

Ihr Preisschild um 800 Euro zeigt euch, wie groß der Sprung von der einkreisigen zur zweikreisigen Espressomaschine im Normalfall ist.

Außerdem ist das Ding mit rund 17 Kilogramm Gewicht und einer sehr langen Aufheizzeit nicht gerade ein fixes Mini-Maschinchen. Zudem gibt es keinen Heißwasserauslass, keine optische Druckkontrolle über ein Manometer und keine standardmäßige Möglichkeit zur Druckreduzierung.

Wenn ihr Lust habt, euch richtig was zu gönnen, schaut euch zum Beispiel den Klassiker ECM Technika IV an. Der ist zwar inzwischen eher alt, aber ein gutes Anschauungsobjekt dafür, was ihr bei einer Investition von rund 1.600 Euro erwarten dürft.

Die ECM verwischt die Grenze zwischen Privat und Profi, sieht hammermäßig aus und ist ausnehmend hochwertig. Auch viele Bezerra Espressomaschinen sind eine Erwähnung wert.

Espressomaschinen mit Dualboiler

Die dritte „Profi-Kategorie“ bezeichnet Siebträgermaschinen mit zwei unabhängigen Boilern, die ich in der Zeichnung Kessel I und Kessel II nenne.

Dualboiler Espressomaschine

Das Spiel ist ähnlich wie beim Zweikreiser: Kessel I liefert Espressowasser und sorgt für den Druckaufbau, Kessel II liefert Wasserdampf-Temperaturen für Milchschaum. Die beiden Kessel beseitigen alle Probleme der Einkreiser und auch Zweikreiser:

  • Es gibt keine Wartezeit mit möglichen Qualitätsverlusten
  • Es besteht kein Überhitzungsproblem dank völlig unabhängiger Kreisläufe

Allerdings liefern die beiden Kessel ein anderes Problem: Je nach Nutzungsintensität lungert das Wasser länger im jeweiligen Boiler rum – es wird ja nur für eine Sache gebraucht. Und Wasser, das ständig erhitzt wird, wird dadurch nicht besser.

Ihr solltet also beim Dualboiler-Kauf unbedingt berücksichtigen, welche Kesselgröße am besten zu eurer Nutzungsintensität passt. Mein Motto: je kleiner, desto besser!

Bei den Empfehlungen zur besten Espressomaschine mit Dualboiler werde ich persönlich und höchst subjektiv. Als ich noch Student war und gerade erst mit Coffeeness begonnen hatte, gab es einen eigenen Spartopf für die Rocket Espresso Dual Boiler R58.

Sie kostet (im Oktober 2019) immer noch über 2.200 Euro, wiegt immer noch fiese 30 Kilogramm und hat dabei keinen Deut an Schönheit eingebüßt. Auch bei der Funktionalität schwärme ich wohl bis ans Ende aller Tage:

Die Brühtemperatur ist flexibel einstellbar. Die PID-Steuerung hat ein externes Bedienteil. Wie cool ist das bitte?! Damit könnt ihr die Wassertemperatur regulieren. Sie ist außerdem exzellent verarbeitet und leise.

Leider hat sie es immer noch nicht in meine Testküche geschafft. Weil ich erstens so viele andere Maschinen besitze und zweitens immer noch nicht sicher bin, ob sich das Preisschild und mein Coffeeness-Anspruch nicht doch irgendwie ausschließen. Was meint ihr?

Vielleicht noch ein Wort zu meiner Begeisterung über die PID-Steuerung. PID steht für Proportional-Integral-Derivative und ist einfach gesagt dafür verantwortlich, dass die Wassertemperatur beim Brühen IMMER konstant bleibt.

Dabei spielen drei Aspekte einander in die Hände und das Ganze ist furchtbar technisch. Aber merke: PID ist eine vorrangige Spezialität von Dualboilern und einfach tiptop. Vor allem, wenn ich wie bei der Rocket darauf Zugriff habe.

Mach mal Druck: Wie funktioniert eine Espressomaschine?

Wollte ich euch die Funktionsweise einer Espressomaschine bis ins Detail erklären, bräuchte ich das halbe Internet und ihr ein Ingenieursstudium. Das ist aber nicht nötig, um die grundsätzliche Funktionalität zu verstehen:

  1. Wasser wird in der Maschine erhitzt – je nach Aufbau in unterschiedlichen Kesseln, Rohren oder in einem Behälter. Siehe Einkreiser, Zweikreiser und Dualboiler
  2. Eine hochwertige Pumpe sorgt dafür, dass dieses Wasser nicht einfach aus dem Auslauf tröpfelt, sondern mit einem hohen Druck herausschießt.
  3. Das wichtige Gegenstück dazu, damit dieser Druck mit optimalen 9 bar für einen optimalen Espresso sorgt, ist der Siebträgerhalter. In ihm bilden eine genau bemessene Menge Kaffeemehl in genau der richtigen Körnung und mit der besten Verdichtung den Widerstand von unten

Wenn alle Komponenten perfekt zusammenspielen, entsteht ein Espresso aus folgenden Parametern:

  1. Mischung: Hochwertige Espressobohnen, gerne mit einem sichtbaren Anteil an Robusta Bohnen für eine extra stabile Crema
  2. Menge: Rund 7 g Kaffeepulver werden mit einer Wassermenge von rund 25 ml im Einzelbezug beschossen und extrahiert
  3. Mahlgrad: Feinstmögliche Einstellung, die nicht nur die optimale Extraktion, sondern auch die optimale Kontaktzeit von rund 25 Sekunden garantiert
  4. Maschine: Vom aufgebauten Druck werden idealerweise 9 bar abgerufen und mit einer Brühtemperatur von rund 94 Grad in den Siebträger befördert
  5. Mensch: Ordentliches Leveln und Tampen, sauberes Flashen und perfekte Einstellung der Maschine sind das Zünglein an der Waage.

Diese sogenannte 5M-Formel verändert sich in ihren Grundfesten nie, kann aber je nach Geschmack, Bezugsgröße, Kaffeebohnen oder Maschineneigenheit leicht variiert werden.

An dieser Formel seht ihr aber auch, dass die Espressomaschine nicht allein dafür verantwortlich ist, dass ihr Bock auf euren Espresso habt. Eine superteure Profi-Maschine produziert immer noch Mist, wenn ihr bei allen anderen Aspekten schludert oder minderwertige Qualität benutzt.

Darum gilt: Nicht die Espressomaschine macht den Meister, sondern die Übung und Sorgfalt!

Was ist das Geheimnis der Crema-Siebe?

Immer wieder rede ich im Espressomaschinen Test leicht abfällig von Crema-Sieben. Und suggeriere damit natürlich, dass ein Sieb nicht gleich ein Sieb ist. Tatsächlich lässt sich der Unterschied zwischen einer Espressomaschine für Einsteiger und einer Siebträgermaschine für Profis ziemlich einfach an den Sieben – und manchmal auch am Siebhalter – ablesen.

Dazu müsst ihr die Siebeinsätze nur umdrehen und befühlen:

Sind die Siebe doppelwandig aufgebaut und besitzen an der Unterseite nur ein paar kleine Löcher oder ein einzelnes Loch, handelt es sich um Crema-Siebe für Einsteiger.

Ist das Material einwandig und der gesamte Boden ein einziges Sieb, reden wir von der Profiversion.

Wie die Bezeichnung Crema-Sieb vermuten lässt, hat dieser Unterschied etwas mit dem so heiß diskutierten Espresso-Schaum zu tun. Mal unabhängig davon, ob die Crema für den Espresso wirklich so wichtig ist oder nicht: Sie ist ein perfekter Indikator dafür, ob bei der Zubereitung alles 5M-mäßig stimmt.

Einer der größten Wackelkandidaten ist dabei der notwendige Druck, der prinzipiell durch das Zusammenspiel von Maschinenleistung, Puckverdichtung, Mahlgrad und Kaffeemenge erreicht wird – also durch vier der fünf M-Aspekte. Und bei all diesen Aspekten bringen Einsteigermaschinen und Einsteigernutzer nun einmal nicht immer Spitzenleistungen.

Darum helfen die doppelwandigen Siebe mit kleinerem Loch dabei, diese Mängel auszugleichen und den notwendigen Widerstand gegen das Wasser aufzubauen. Es wird also ein bisschen getrickst, um wenigstens überhaupt von einem ordentlichen Espresso reden zu können.

La Pavoni Professional expresso

Sowas kommt dem Könner natürlich nicht in die Tüte. Der hat alles richtig gemacht und außerdem eine anständige Maschine vor sich, die er perfekt kalibriert hat. Er will eine vollständige, gleichmäßige und saubere Extraktion. Dafür braucht er ein vollständiges, gleichmäßiges und sauberes Sieb.

Wer dabei noch richtiger Ästhet ist, spart sich gleich noch die typischen „Ausläufe“ und greift zum bodenlosen Siebträger. Damit könnt ihr dem Espresso unmittelbar beim Extrahieren zusehen. Viele Profis sagen auch, dass es für den Kaffee gut ist, wenn die Flüssigkeit nicht mit zu viel Metall oder gar Plastik (Billig-Maschinen!) in Berührung kommt.

Dies wird wahlweise mit der Hygiene, der Bedenklichkeit bestimmter Materialien oder dem Temperaturabfall bei Metallkontakt begründet. Ich mag bodenlose Siebträger auch, bestehe aber vorrangig auf guten Sieben und einem Siebträger, der perfekt in der Hand liegt.

Siebträger vs. Vollautomat: Welche Maschine will ich wirklich?

Ihr fragt mich nicht nur sehr häufig, welche Siebträgermaschine ich empfehlen würde. Ihr fragt mich mindestens genauso oft, ob ihr eine Espressomaschine oder einen Kaffeevollautomaten in den Warenkorb legen sollt.

Die kurze Antwort wäre:

Ist mir vollkommen egal, Hauptsache, Ihr nehmt anständige Kaffeebohnen.

Die lange Antwort beginnt mit einer Gegenfrage:

Wie viel Engagement wollt ihr eurem Kaffee widmen?

Und das meine ich nicht nur in Sachen Lernbereitschaft, sondern auch in Sachen Zeit, Geld und Geduld. Eine Siebträgermaschine ist kein Nebenbei-Gerät, ein Vollautomat hingegen schon. Ein Siebträger kann Espresso, ein Vollautomat kann nur KVA-Espresso. Dieser Vergleich ließe sich ewig fortsetzen.

Delonghi Ecam 23.466.b Espresso Lustig

Weil das aber keinem hilft, habe ich euch lieber eine Art von Checkliste mit typischen Anfragen und der passenden Antwort gebastelt. Sollte hier noch etwas Wichtiges fehlen, schreibt mir gerne einen Kommentar!

  1. Ich habe von beiden Kategorie-Versionen keine Ahnung, habe aber großes Interesse an Espresso, Cappuccino und Co.
    Gäbe es nicht die Hybridmaschinen, würde ich sie als Antwort auf diese Frage glatt erfinden. In vielerlei Hinsicht sind sie wesentlich einfacher aufgebaut als der Vollautomat, verlangen aber auch nicht so viel Wissen wie ein Siebträger. Dicker Vorteil ist natürlich, dass sie die Mühle schon an Bord haben und meist über eine automatische Dampflanze verfügen. Auch der Tamper ist eingebaut. Und das Beste: Sie zaubern echten (!) Espresso.
  2. Ich probiere gerne unterschiedliche Bohnen und habe einen hohen Anspruch an meinen Kaffee
    Wenn du Espressobohnen und Espresso-Kaffee meinst, geht nichts über den Siebträger. Denn nur damit gelingt es, wirklich die Essenz aus den Zutaten zu kitzeln – ohne Kompromisse, ohne Faxen und genauso, wie es sich der Röster gedacht hat. Geht es um Filterkaffee und Kaffeebohnen, reden wir vom Handfilter. Ein Vollautomat liefert immer (!) nur Kompromisse und weder Espresso noch Filterkaffee.
  3. Ich liebe Espresso und Milchschaumgetränke, habe aber nur ein begrenztes Budget
    Auch wenn sich in Sachen sehr günstige Espressomaschinen viel tut, müsst ihr immer noch die Kosten für eine gute Kaffeemühle, einen anständigen Tamper, eine Knockbox und natürlich die Bohnen einberechnen. Da hat der All-in-One-Allrounder Vollautomat ein bisschen die Nase vorn. Allerdings haben Siebträger den enormen Vorteil, dass sie bei einer gewissen Qualität sehr lange halten. Geht zudem ein Bauteil kaputt, ist nicht gleich das ganze Ensemble im Eimer.
  4. Meine Familie ist bunt und voller unterschiedlicher Kaffeetrinker
    Wenn nicht alle absolute Kaffeenerds sind, rate ich zum Vollautomaten. Sonst wird’s zu kompliziert und es geht schneller was kaputt. Außerdem kann jeder am Vollautomaten sein eigenes Lieblingsgetränk programmieren. Auch das automatische Milchschaumsystem ist nicht zu verachten.
  5. Ich trinke ausschließlich Espresso
    Ganz klar Siebträger – von mir aus auch günstig. Vollautomaten zaubern zwar eine „Art“ von Espresso, den real deal gibt’s nur bei der Siebträgermaschine. Ein Kompromiss wäre die Hybridmaschine.
  6. Ich vergesse manchmal die Reinigungsintervalle
    Siebträger! Hier muss kein Kaffee durch die Maschine, es schimmelt weniger. Reinigungen und Entkalkungen sind trotzdem Pflicht – aber weniger aufwendig als beim Vollautomaten.
  7. Ich möchte morgens einen schnellen Kaffee trinken
    Kommt drauf an: Wenn du vorher viel Übung in den Siebträger-Ablauf investiert hast, geht es fast so fix wie mit dem Vollautomaten. Allerdings haben gerade hochpreisige Modelle eine längere Aufheizzeit. Der Vollautomat bietet also mehr Komfortpunkte für den Tagesstart.
  8. Ich suche eine Maschine für das Büro
    Auf jeden Fall Vollautomat! Viele Menschen mit unterschiedlichem Kenntnisstand und Anspruch fummeln an einer komplizierten Maschine mit viel Feinmechanik rum? Besser nicht!
  9. Ich will auf Instagram angeben
    Siebträger – was sonst?! Auch ohne Follower ist der Look unschlagbar und jede Küche sieht damit gleich wie ein Gourmettempel aus.

Welches Zubehör zur Espressomaschine muss ich kaufen?

Das Wörtchen muss macht schon deutlich, dass es bei der Investition in eine Espressomaschine leider nicht bleiben wird. Denn anders als bei Kaffeevollautomaten verfügt ihr hier nicht über eine eingebaute Kaffeemühle, sondern müsst sie extra kaufen.

Selbst, wenn ihr dieses Problem mit einer Hybridmaschine umgeht, werdet ihr nach ersten Versuchen mit dem mitgelieferten Zubehör merken, dass irgendwas zum absoluten Siebträger-Glück fehlt.

Darum will ich das wichtigste Zubehör zur Siebträgermaschine kurz vorstellen – ganz gleich, ob es obligatorisch oder optional ist:

  • Investiert in eine gute Kaffeemühle!

Besser noch … in eine exzellente Espressomühle. Viele automatische Einsteigervarianten haben meist das Problem, dass sie die Kaffeebohnen nicht fein genug für den optimalen Druckaufbau im Siebträger gemahlen kriegen.

Witzigerweise haben gute manuelle Espressomühlen wie meine Comandante (preisintensiv) oder die Porlex Tall Handkaffeemühle damit praktisch nie Probleme. Doch wer will sich schon für jeden Espressobezug einen Wolf kurbeln?

Comandante Handkaffeemuehle Espresso

Zwei Modelle aus meinem Kaffeemühlen Test zeigen euch, was ich unter einer exzellenten Espressomühle, die perfekt zum Siebträger passt, verstehe:

Das Preisschild beider Empfehlungen ist natürlich etwas heftig. Aber aus meinen Langzeittests weiß ich, dass diese Mühlen fast unkaputtbar sind. Außerdem findet ihr in dieser Preisklasse kaum homogenere Mahlergebnisse.

(Preislich) wesentlich tiefer stapelt ihr mit der Graef CM 800, die in unserem Team ebenfalls im Dauereinsatz ist. Sie hat inzwischen mehrere Upgrades durchlaufen und ist jetzt in der Generation B07GZ9TN2D vertreten.

Graef CM 800 ohne Schrauben

Die Graef 800er Reihe zeichnet sich vorrangig durch sehr gute Ergebnisse bei einem relativ geringen Preisschild aus. Die Mahlung erfolgt zwar nicht stufenlos, aber ist mit 40 Graden recht geräumig.

Allerdings ist der Zusammenbau – bzw. der Auseinanderbau für die Reinigung –umständlich. Und Reinigung ist hier eine häufige Aufgabe, weil es durch einen recht großen Kunststoffanteil viel statische Aufladung gibt. Dennoch: Mit Graef und der CM 8er-Reihe seid ihr erst einmal ziemlich gut versorgt.

Übrigens: Nur, weil ihr eine Hybridmaschine habt, heißt das nicht, dass eine externe Mühle überflüssig wäre. Bei der DeLonghi La Specialista beispielsweise spart ihr euch mit einer externen Kaffeemühle viele Umstellarbeiten, wenn ihr neue Bohnen ausprobiert. Das ist zwar kein Muss, aber ein Tipp.

  • Gönnt euch einen „echten“ Tamper

Ich muss es mal so sagen, wie es ist: Praktisch alle Siebträgermaschinen, die ich für euch schon getestet habe, bringen einen Tamper mit, der wie ein YPS-Gimmick wirkt. Die meisten Versionen liegen schlecht in der Hand, sind zu leicht und erzeugen damit nicht den notwendigen Anpressdruck von rund 15 kg.

Delonghi EC 680 Tamper Groeße

Ohne diesen Druck gibt es aber keinen ordentlich verdichteten Kaffeepuck. Dann schießt das Wasser lässig durch den Kaffee, vielleicht fliegt der Siebträger ab, oder ihr dürft euch über eine Kaffeeschwemme beim Abnehmen des Siebträgers freuen. So oder so: Tamping saves the espresso!

Gibt es eine automatische Tamping-Station – was ein Merkmal der Hybriden ist – gelingt dies meist schon besser. Aber nicht immer kommt die Art von Verdichtung aus dem Tamper, die ihr euch wünscht. Oder die Mechanik hat einen schlechten Tag. Oder, oder, oder.

Oracle Touch Sage mit externe Bruehgruppe

Ein ordentlicher Tamper ist ein Komfortpunkt, der nicht unbedingt die Welt kostet. Ich habe darüber nachgedacht, dazu auch einen Test zu machen. Was meint ihr?

Einen Favoriten habe ich hier bisher nicht. Wichtig ist mir, dass der eigentliche Stempel aus einer sehr schweren und glatten Legierung besteht, während der Griff so geformt ist, dass ich ihn perfekt in der Hand halten und ordentlich und ohne Schmerzen senkrecht Druck ausüben kann.

  • Vereinfacht euch die Arbeit mit einer Knockbox

Wie kommt der gebrauchte Kaffeepuck aus dem Siebträger? Geht es nach den Herstellern von Espressomaschinen, seid ihr auf euch allein gestellt. Entweder, ihr klopft das Ding auf dem Mülleimerrand aus (Igitt!), findet ein passendes Gefäß im Haushalt oder kauft euch eine Knockbox.

Der Witz an diesen Tischmülleimern für Kaffeereste ist der Quersteg, auf den ihr den Rand des Siebträgers schlagen könnt. Dadurch wird der Kaffeepuck in einem Rutsch aus dem Sieb befördert.

Dafür sollte die Knockbox standfest und möglichst schwer sein. Eine Gummierung oder ähnliches am Quersteg sorgt außerdem dafür, dass die Klopferei nicht so viel Radau macht.

Übrigens ist der spezielle Abklopfbehälter nicht nur eine Frage der Hygiene und Komplettierung der Kaffeestation. Er ist auch so etwas wie ein Kontrollgerät. An der Art und Weise, wie der Puck aus dem Siebträger kommt, und wie stabil er im Behälter landet, könnt ihr beurteilen, ob bei der Zubereitung alles geklappt hat.

Baratza Sette 270w Kaffeemuehle Test Puck

Flatscht er feucht und wie Schlamm in den Behälter, ist das genauso falsch, als wenn er knochentrocken rausbröselt und sofort beim Auftreffen auf den Boden zerfällt. Ein optimaler Puck behält weitestgehend seine Form, bevor er austrocknet und zerfällt.

  • (Nur) als Milchmaler braucht ihr ordentliche Pitcher

Eine Milchkanne, die perfekt in eurer Hand liegt, ist kein Muss. Es sei denn, ihr wollt Meister der Latte Art werden. Alle anderen kommen mit den mitgelieferten Pitchern meist gut zurande. Fehlt das Kännchen allerdings, ist die Investition vergleichsweise gering, der Gewinn aber hoch.

Kaffee Hassen Latte Art

Milch Pitcher haben die optimale Form zum Aufschäumen und sind absolut unempfindlich gegen Hitze und Wasserdampf. Bei so manchem Glas wäre ich mir da nicht sicher.

  • Wenn es unbedingt sein muss …

… und euch gar nichts mehr einfällt, was ihr euch noch kaufen könnt, macht ihr euch mit einer Tampermatte sicherlich eine ebenso große Freude wie mit einem schicken Kaffeepinsel aus Holz. Ihr könnt natürlich auch richtig in die Vollen gehen und die Kaffeepucks in eine echte Sudschublade befördern. Über die schönsten Espressotassen will ich gar nicht erst reden.

Bevor ihr aber Gimmicks kauft, investiert euer Geld immer (!) in exzellente Bohnen. Keine Supermarktware, keine Industrieröstung, keine Tüte aus undurchsichtiger Herkunft. Wendet euch an Röstereien, die fair und transparent mit ihren Beschaffungswegen und Bezugsquellen umgehen und sorgfältig an die Röstung gehen.

Diese Bedingung ist unverrückbar. Nicht umsonst ist die „Mischung“ der erste Faktor in der 5M-Formel.

Die wichtigsten Tipps für exzellenten Espresso aus dem Siebträger

Eine umfassende theoretische Einführung in die Zubereitung von Espresso in der Siebträgermaschine ist ziemlich sinnlos. Denn hier wie bei keiner anderen Kategorie gilt: Ihr müsst es machen. Immer und immer wieder. Außerdem ticken jede Maschine und jede dazu passende Mühle anders.

Delonghi EC685bk Fertiger Espresso Vorne

Was ich euch dafür gern mit auf den Weg gebe, sind ein paar Tipps, wir ihr schneller zu tollem Espresso kommt und typische Fehlerquellen eliminiert.

  1. Ein hoher Robusta-Anteil hilft: Auch wenn die Robusta-Bohne im Vergleich zur Arabica gerade erst Fans gewinnt, ist sie für (italienisch orientierte) Espressotrinker keine Neuigkeit mehr. Denn italienische Röstungen sind meist mit einem recht hohen Robusta-Anteil versehen. Das sorgt für den nötigen Koffein-Kick und stabilisiert die Crema. Selbst wenn es im 5M-Universum etwas hakt, kann dennoch ein vollmundiger Espresso entstehen.
  2. Lernt die Betriebsanleitung auswendig: Bei vielen Vollautomaten oder anderen Gerätschaften sind die Funktionen selbsterklärend oder werden nicht gebraucht. Bei einer Siebträgermaschine solltet ihr euch intensiv mit der Betriebsanleitung beschäftigen und sie mehrmals (!) komplett durchspielen.
  3. Sucht den Fehler zuerst bei der Mühle: Die meisten Extraktionsfehler werden bereits beim Mahlen eingebaut. Es dauert sehr lange, bis ihr für eure Mühle den Sweet-Spot gefunden habt, an dem das Espressomehl sehr fein, aber eben nicht zu fein ist. Wenn kein Espresso aus dem Siebträger kommt, solltet ihr zuerst den Mahlgrad gröber stellen. Meist kann das Wasser dann nicht durch den Puck. Schießt es hingegen zu schnell und hell in die Tasse, gilt das Gegenteil. Und hilft all das nichts, überprüft erst einmal, ob eure Mühle wirklich was taugt.
  4. Übt mit einer Küchenwaage: Jeder frische Barista muss das Tampen erst einmal mit einer Küchenwaage üben. Nur so lernt er, wie sich der optimale Druck auf den Kaffeepuck anfühlt. Danach könnt ihr auf euer Muskelgedächtnis vertrauen. Wie wir schon gesehen haben, ist der notwendige Druck das A und O – also kümmert euch darum.
  5. Werdet zum Pedanten: Weiter unten findet ihr ausführliche Aussagen zur Reinigung einer Espressomaschine. Beherzigt sie und setzt sie vor allem eifrig um. Zwar muss bei einer Siebträgermaschine kein Kaffee durch die Innereien, dafür sind Kalk und andere wasserbezogene Dinge ein sehr großes Thema. Je öfter ihr Reinigungszwischenschritte erledigt, desto weniger habt ihr Probleme mit Kalk oder verstopften Sieben.

Siebträgermaschinen gebraucht kaufen: Gute Idee?

Bei den Kaffeevollautomaten predige ich stets, dass der Gebrauchtkauf keine gute Idee ist. Denn ihr wisst nie, wie die Maschine vom Vorbesitzer gepflegt wurde – und ob überhaupt.

Das gilt natürlich auch für gebrauchte Espressomaschinen. Allerdings gibt es hier den Vorteil, dass Kaffeemehl niemals durch die Maschine laufen muss. Es kann also auch nicht tief im Inneren schimmeln. Alle anderen Aspekte könnt ihr direkt sehen und ausprobieren – und solltet das vor dem Gebrauchtkauf immer tun.

Insbesondere bei sehr hochwertigen Espressomaschinen mit theoretisch langer Lebensdauer könnt ihr im Gebrauchtkauf ein Schnäppchen machen. Aber vom Blindkauf muss ich wie immer abraten. Meist zeigt sich auch im Gespräch mit dem Verkäufer, ob der was von seiner Maschine versteht und ihr den nötigen Respekt entgegengebracht hat.

Siebträgermaschine entkalken und reinigen: Einfach, aber notwendig

Im Vergleich zu Vollautomaten ist das Reinigen einer Espressomaschine ultraeinfach. Hier gibt es keine Milchschläuche, keine interne Brühgruppe, keine fest verbaute Mühle, die man mühselig auseinander frickeln muss.

Oracle Touch Sage Latte Mahlwerk Reinigen

Das verleitet aber häufig auch dazu, es mit dem Säubern nicht ganz genau zu nehmen und die typischen Reinigungsschritte zwischen zwei Kaffeebezügen als ausreichend zu betrachten. Aber wo so viel Wasser im Spiel ist, kommt ihr natürlich auch um das Entkalken der Siebträgermaschine nicht herum.

Ich empfehle grundsätzlich bis zu sechs verschiedene Reinigungsschritte (je nach Maschine), die ihr unterschiedlich oft (und unterschiedlich intensiv) durchführen müsst:

Vor, zwischen und nach jedem Espressobezug

  • Schnellreinigen und Trocknen von Siebträgerhalter und Sieb
  • Evtl. Entfernen von Kaffeeresten an der Brühgruppe mit speziellem Pinsel
  • Flashen der Brühgruppe – kurz heißes Wasser ohne eingesetzten Siebträger durchlaufen lassen

Vor, zwischen und nach jedem Milchschäumen

  • Reinigen und Trocknen von Milchkännchen
  • Kurzes Flashen der Dampflanze mit Wasserdampf
  • Entfernen äußerer Milchschaumreste mit einem eigenen (!), feuchten und sauberen Lappen

Bei jedem Nachfüllen von Wasser

  • Kurzes Ausspülen des Behälters vor Neubefüllung

Nach jedem Nutzungstag

  • Flashen und Bürsten der Brühgruppe
  • Tiefenreinigung und Trocknung aller entnehmbaren Komponenten (Siebe, Siebträger, Wassertank, Milchkännchen, Abtropfschale, Tamper, Knockbox etc.)
  • Intensive Reinigung der Dampflanze

Je nach Einsatzhäufigkeit einmal wöchentlich

  • Rückspülen der Brühgruppe mit sogenanntem Blindeinsatz für den Siebträger

Je nach Einsatzhäufigkeit einmal monatlich

  • Rückspülen der Brühgruppe mit Blindeinsatz für den Siebträger
  • und speziellem Reinigungspulver zum Lösen festsitzender Kaffeeöle

Eines der wichtigsten Utensilien dafür ist das sogenannte Blindsieb bzw. der Blindeinsatz. Bei der Mini-Maschine Sage the Bambino Plus nennt sich das Ding „Reinigungsscheibe“. Die Aufgabe ist immer gleich: Sie verhindert, dass das Wasser aus dem Siebträger läuft und hält es in der Maschine.

Ich habe dafür auch schon mal die Bezeichnung „die Maschine gurgeln lassen“ gehört. Doof ist das nicht. Weil der Reiniger nirgendwo anders hin kann, rotiert er in der Brühgruppe und erledigt dort seine Aufgabe.

Das klingt alles ziemlich umfangreich und aufwendig, ist aber in der Realität meist in Sekunden erledigt und gehört bei entsprechender Routine fest zum Arbeitsablauf. Eine Siebträgermaschine zu reinigen ist wirklich kein Akt!

DeLonghi EC 685.BK Entkalker

Das Entkalken einer Espressomaschine klingt ebenfalls aufwendig. Aber genauso wie beim Vollautomaten ist es erstens weniger häufiger nötig und zweitens eine Routinesache. Die Entkalkungsintervalle richten sich selbstredend nach

  • Dem Härtegrad eures Leitungswassers oder verwendeten Wassers
  • Der Nutzungsintensität

Die gute Nachricht ist, dass eine Entkalkung viel einfacher als beim Vollautomaten ist und weniger häufig notwendig wird. Wir reden hier von Monatsintervallen, gerne auch von Quartalen.

Hier richtet ihr euch auch nach dem äußeren Erscheinungsbild. Wird’s kalkig im Kaffee, an den Siebträgern oder an der Brühgruppe, ist es schon fast zu spät.

Alles, was ihr zunächst tun müsst, ist den Entkalker in den Wassertank oder eine Schüssel zu geben und entsprechende Einweichzeiten für allen beweglichen Teile einzuhalten. Siebe und Siebträger sollten rund 30 Minuten einweichen, bevor sie anschließend gut nachgereinigt und abgetrocknet werden.

Der Wassertank wird ähnlich lange mit Entkalkerwasser stehen gelassen. Gleiches gilt auch für (abschraubbare) Milchschaumdüsenspitzen oder einen Heißwasserauslass mit Sieb.

Das Entkalken der Siebträgermaschine richtet sich ein wenig nach dem Aufbau des Geräts und der Bauweise (Einkreiser, Zweikreiser, Dualboiler etc.). Günstigere Einkreiser wie die Sage the Bambino Plus führen euch mit leuchtenden Tasten und bestimmten Tastenkombinationen durch den Vorgang, bei hochwertigeren Modellen nach klassischem Vorbild wird’s etwas komplizierter.

Ich rate daher dringend dazu, immer die Betriebsanleitung für eure jeweilige Maschine zu beachten.

Delonghi Ecov 311gr Bedienungsanleitung

In der ursprünglichen Fassung dieses Artikels habe ich darauf hingewiesen, dass ich gerne auf Chemie verzichte und Zitronensäure für das Entkalken nehme. Viele von euch haben mich dafür zurecht angezählt.

Ich habe nämlich beim Schreiben stets an meine La Pavoni Professional gedacht, deren Kessel nicht aus Aluminium besteht. Viele andere Siebträgermaschinen setzen aber genau auf dieses Material. Und das wird von Zitronensäure angefressen.

Darum lautet mein Tipp jetzt: Nehmt einen Entkalker, der vom Hersteller empfohlen wird. Ihr müsst nicht zwingend auf das Markenprodukt setzen, aber auf die gleichen Inhaltsstoffe!

Milchschaum aus der Espressomaschine: Eine Welt für sich

Dem (bisher) recht schwierigen Thema Milchschaum mit der Dampflanze habe ich im Milchschaum-Text einen eigenen ausführlichen Abschnitt gewidmet. Dort findet ihr grundsätzliche Hinweise, wie ihr fließfähigen, feinporigen und wohltemperierten Milchschaum mit dem recht komplizierten Lanzenverfahren an der Espressomaschine hinbekommt.

Allerdings muss ich trotz aller Fertigkeiten, die ich mir im Laufe der Jahre zum Thema manuelles Milchaufschäumen angeeignet habe, eines festhalten: Die automatischen Milchlanzen vieler günstiger Espressomaschinen oder der Hybriden finde ich großartig!

Zwar gibt es hier kaum einen Lerneffekt. Und nicht jede automatische Lanze liefert exakt das Ergebnis, das sich eine Milchmaler vorstellen würde. Aber Schaum wie aus der DeLonghi La Specialista oder der Sage Bambino muss man erstmal hinkriegen!

Sage the Bambino Plus Milch aufschaeumen

Was ich damit eigentlich sagen will: Rein manuelle Milchschaumlanzen sind zwar das Merkmal sehr hochwertiger Espressomaschinen – und ihre Beherrschung damit sowas wie ein Statussymbol.

Aber wenn diese Art des Milchschäumens einer der Gründe ist, warum ihr euch nicht an einen Siebträger traut, dann liefert die neue Generation an Consumer-Geräten endlich Abhilfe. Und hygienischer als mit einem automatischen System aus dem Vollautomaten ist das Ganze auch noch.

Datenblätter dekodiert: Worauf ihr beim Espressomaschinen Kauf achten müsst – und worauf nicht

Statt eines ellenlangen Fazits will ich euch zum Schluss noch ein paar Tipps auf den Weg geben, wie ihr Datenblätter oder Produktbeschreibungen für Siebträgermaschinen lesen solltet. Mir ist es wichtig, dass ihr euch nicht von den falschen Zahlen blenden lasst bzw. eine Maschine kauft, die ihr am Ende auch komplett nutzt.

  1. Einkreiser, Zweikreiser, Dualboiler: Wer Espresso schwarz trinkt, braucht nur einen Kessel und kann sich den Aufpreis für kompliziertere Prinzipien theoretisch immer sparen.
  2. Aufheizzeit: Je größer und detaillierter der Kesselaufbau bzw. die Maschine, desto länger ist die Aufheizzeit. Das sollte man dringend beherzigen, wenn man morgens wenig Zeit hat. Bei der Rancilio Silvia gehen zum Beispiel rund 20 Minuten ins Land, die Sage the Bambino Plus ist in drei Minuten fit.
  3. Pumpendruck: „Die hat 19 bar, die ist super“. Nee. Die kann 19 bar, abgerufen werden hoffentlich 9 bar direkt an der Brühgruppe. Analog zum Vollautomaten gilt: Ignoriert die Druckangabe, es sei denn, sie fällt negativ komplett aus dem Rahmen. Alles andere ist Megapixel-Mogelei.
  4. PID: „automatische Temperaturstabilisierung“. Dicker Pluspunkt, der euch bessere Ergebnisse liefert.
  5. Einwandige oder doppelwandige Filterkörbe: Doppelt hält zwar tatsächlich besser (den Druck), aber langfristig erreicht ihr mit einwandigen Sieben die besseren Ergebnisse. Schaut also nach, ob der Siebträger zum Austauschen mit „Profimodellen“ geeignet ist. Der Durchmesser des Siebträgers (in mm) ist hier eure wichtigste Hilfestellung
  6. Größe Wassertank: Hier habe ich nichts gegen ein paar Milliliter mehr. Durch das ordentliche Flashen usw. geht ziemlich viel Wasser durch die Maschine. Jedes Mal zum Hahn tigern wird mitunter nervig. Etwa bei der La Specialista als Hybrid war das Tankvolumen exzellent (trotz Dauereinsatz und unzähligen Bezügen)
  7. Mahlgrade: Selbstverständlich nur bei Hybriden wichtig. Klarer Fall: je mehr, desto besser!
  8. Auslaufhöhe und „Treppchen“: Ein hoher Auslauf ist super für Latte-Gläser. Aber näher ran an der Espressotasse ist wichtiger. Sonst sprotzelt es und der Kaffee wird schnell kalt. In diesem Fall solltet ihr auf „Treppchen“ oder ähnliche Vorrichtungen achten, die die Espressotasse näher an die Brühgruppe bringen.
  9. Maße: Beachtet vorrangig, dass ihr bei manuellen Milchlanzen Platz nach links oder rechts einkalkulieren müsst, sonst wird’s krampfig. Die Tiefe ist je nach Modell für die Entnahme des Tanks wichtig, die Höhe ebenfalls.
  10. Gewicht: Zweischneidige Sache: Bei einem geringen Gewicht steigt die Gefahr, dass sich die gesamte Maschine beim Einsetzen der Siebträger mitdreht. Für richtig schwere Klopper braucht ihr zwingend eine entsprechend stabile Unterlage. Wir reden hier von 20 kg und mehr.

Welche Tipps, Tricks und Fragen habt ihr noch parat? Ich freue mich über einen Kommentar!

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