Cold Brew – Kalt gebrühter Kaffee – 6 Ultimative Rezepte

Cold Brew Coffee – ein schöner und offensichtlich inhärenter Widerspruch. Wie kann Kaffee kalt gebrüht werden? Brühen bedeutet doch etwas mit kochendem Wasser zu übergießen.

Egal, gemeint ist eben den Kaffee mit kaltem Wasser aufzugießen und die Extraktion von Aromen und Koffein ohne Hitze stattfinden zu lassen. Das ganze findet in der Regel über einen langen Zeitraum statt.

In diesem Artikel möchte ich diesem Verfahren auf die Spur kommen. Es gibt unterschiedliche Varianten, die sehr unterschiedlich aufwändig sind. Das Tolle schon jetzt vorab, ihr braucht kein zusätzliches Equipment (und was noch schöner ist – man kann sich trotzdem etwas zulegen).

Ich liebe Cold Brew. Für viele handelt es sich um ein Sommer Kaffeegetränk, aber Cold Brew ist auch im Winter spannend.

Ich habe bereits einen Artikel geschrieben, in dem ich die Unterschiede zwischen Cold Brew, Cold Drip Coffee und Ice Brew erkläre: Kalt gebrühter Kaffee – Anleitung und Varianten.

Für Coffeeness habe ich auch schon ein YouTube Video zum kalten Kaffee gemacht.

https://www.youtube.com/watch?v=L3s7q5_7Ksw

Geschmack von Cold Brew

Cold Brew Kaffee hat einen einzigartigen Geschmack. Der hängt natürlich auch sehr von der genutzten Kaffeebohne ab. Wie immer, frischer Kaffee ist sehr wichtig. Auch solltet ihr den Kaffee selbst mahlen. Das rate ich generell für jede Zubereitungsmethode von Kaffee, in diesem Fall ist es aber besonders wichtig. Ihr benötigt einen sehr groben Mahlgrad für den Kaffee. Der sollte sogar noch ein wenig gröber sein als bei der French Press.

Cold Brew Hand

Afrikanische Kaffees, insbesondere aus Äthiopien gefallen mir als Cold Brew besonders gut. Den Charakter des Kaffees könnt ihr maßgeblich durch die Zeit des Ziehens beeinflussen. Durch den direkten Kontakt des Wassers mit dem Kaffee gibt dieser sein Aroma ab. Je länger der kalte Kaffee zieht, desto mehr Körper bekommt er, allerdings leidet nach einiger Zeit das fruchtige und florale Aroma. Nach 8 – 12 Stunden bekommt ihr schöne Zitrusbomben. Wenn ihr länger wartet, werden diese Aromen langsam von einer gewaltigen Fülle, dem Körper, erdrückt. Das kann auch spannend sein, und machmal macht ein sirupartiger Cold Brew auch Spaß – das ist dann aber nach 24 Stunden oder mehr eher die Holzhammer-Variante für Erwachsene.

Wie immer gilt: Experimentieren lohnt sich und erlaubt ist was schmeckt. Ich würde aber möglichst einen groben Mahlgrad beibehalten.

Cold Brew Equipment

Eigentlich braucht ihr nicht viel. Es reicht ein Einweckglas und ein Handfilter zum Filtrieren. Auch ein Baumwolltuch kann genutzt werden. Nachdem ich das ein paar mal gemacht habe, war es mir zu viel Arbeit und ich habe mir den Hario Cold Brew Coffee Pot geholt.

Gerade neu ist der Dripster für Cold Drip Coffee. Den habe ich ausgiebig auf Coffeeness getestet: Dripster Test.

https://www.youtube.com/watch?v=Z_j-DpJIQeo

Der Hario Cold Brew Coffee Pot ist eine weitere Variante aber für Cold Brew Coffee. Er hat einen eingebauten Filter und so muss nicht extra Zeit investiert werden. Außerdem passt der gut in den Kühlschrank. Ich bin mit ihm sehr zufrieden und nutze ihn seit über einem Jahr fast wöchentlich.

Es gibt aber auch die Möglichkeit mit anderen Dingen aus der Kaffeeecke zu arbeiten. Hier habe ich bereits eine Anleitung vorgestellt, in der ich erkläre, wie ihr Cold Brew mit der Aeropress machen könnt. Die Aeropress ist sehr gut geeignet, um kleine Mengen kalten Kaffee zu erzeugen.

Beim Pressen filtert sie den Kaffee automatisch. Diese Variante ist daher auch nicht so aufwändig.

Cold Brew Aeropress

Für alle, die den Kolben noch nicht kennen, hier kommt ihr zu meinem Artikel: Aeropress.

Aber auch eine French Press kann zum “Brühen” genutzt werden. Wenn der Cold Brew durchgezogen ist, kann der Stempel gedrückt werden. Allerdings schwemmen so noch viele Partikel mit aus. Der lange Kontakt zum Wasser zersetzt den Kaffee stark. Deswegen sollte auch nach Drücken des Stempels noch einmal mit einem Handfilter ausgefiltert werden.

Zubereitung von Cold Brew

Für alle Rezepte, die ich im weiteren vorstelle, braucht ihr das Cold Brew Rezept, das an erster Stelle zu finden ist. Bei der Kaffeepulvermenge könnt ihr gerne experimentieren. Bei der Ziehzeit auch. Ich habe schon von 8 bis 24 Stunden getestet und bin zu interessanten Ergebnissen gekommen. Bei den meisten Kaffees lande ich am Ende immer wieder bei 12 Stunden und habe diese als meine Standardempfehlung etabliert.

Ich braucht:

  • Guten frischen Kaffee – Siehe Kaffeebohnen Tests.
  • Eine Kaffeemühle, um den Kaffee grob zu mahlen.
  • Einen Behälter (Glas, French Press…) und einen Handfilter oder den Hario Cold Brew Coffee Pot.
  • Frisches, klares und gegebenenfalls gefiltertes Wasser.
  • 12 Stunden Zeit.
  • Zum Anrichten braucht ihr Eiswürfel.

Cold Brew Rezepte

Auf geht es. Hier gibt es das Rezept für die schwarze Substanz, die sich Cold Brew Kaffee nennt. Das schöne ist, die Zubereitung ist wirklich einfach und es kann wenig schief gehen. Der häufigste Fehler ist sicher ein zu feiner Mahlgrad.

Das Rezept ist für 1 Liter Wasser gedacht. Die tatsächliche Menge des Konzentrats wird ein wenig geringer. Allerdings fülle ich am Ende immer noch Wasser nach und komme wieder genau auf den geplanten Liter. Das Kaffeepulver saugt einen Teil des Wassers auf.

Es kommen 100g Kaffeepulver auf 1 Liter Wasser.

  1. Kaffee grob und frisch mahlen.
  2. In das Glas oder bei dem Hario Pot, in den Filter geben.
  3. Jetzt das Wasser dazugeben – Dieses sollte gefiltert und KALT sein.
  4. Gegebenenfalls umrühren, um den Satz zu verteilen und abdecken.
  5. Jetzt bei Raumtemperatur 12 Stunden ziehen lassen.
  6. Den Filter raus nehmen oder ausfiltern.
  7. Die Lösung mit Wasser aufgießen, bis wieder ein Liter erreicht ist.

Jetzt seid ihr stolze Besitzer oder Besitzerinnen von einem Liter köstlichem kalten Kaffee und könnt es mit den weiteren Rezepten krachen lassen. Der Cold Brew kann für 10 Tage im Kühlschrank gelagert werden.

Cold Brew für Puristen

Ihr braucht:

  • Ein schweres Glas und einen gemütlichen Sessel.
  • Drei bis fünf Eiswürfel.
  • 300 ml Cold Brew Coffee.

Die Puristenvariante kann auch mit zusätzlichem Wasser verlängert werden, sollte sie zu kräftig sein. Hier schmeck ihr am meisten von dem Kaffee und um den geht es. Die Aromen erinnern von ihrer Intensität und Komplexität an einen guten Whisky – das schwere Glas und der Sessel verstärken der Effekt noch deutlich.

Cold Brew mit frischem Zitronensaft

  • Drei bis Fünf Eiswürfel.
  • 300 ml Cold Brew Coffee.
  • 20 ml Zitronensaft.

Ich habe einen Entsafter und schnappe mir Bio Zitronen, die ich mit Schale entsafte. Das Ergebnis ist intensiv, natürlich und köstlich. Hier lohnt es sich zunächst mit einer kleinen Menge zu testen, ob die Kombination gut ist.

Ich habe festgestellt, dass es in einigen Kaffees genial ist und in anderen keine gute Idee. Ausprobieren lohnt sich!

Kalter-Kaffee mit Zitrone

Cold Brew Tonic

  • Drei bis fünf Eiswürfel.
  • 80 ml Cold Brew Coffee.
  • 220 ml Tonic Water.

Das wird ein erfrischendes Sommergetränk. Tonic Cold Brew geht an heißen Tagen einfach sehr gut. Eine interessante Kombination, die sich die meisten vor dem ersten Probieren schlecht vorstellen können.

Cold Brew Tonic

Tipp: Wenn ihr erst Eiswürfel und Tonic und später den Cold Brew einfüllt, und dabei langsam vorgeht, kommt ihr zu einzelnen Schichten im Glas. Das sieht einfach super aus. 

Allerdings solltet ihr beachten, dass die meisten Tonic Water ca. 10% Zucker enthalten und ihr euch eine kleine Bombe baut, die nicht für jeden Tag geeignet ist.

Cold Brew Tonic – für Kaffeejunkies

Ihr könnt den Tonic immer weiter reduzieren. Ich finde es 50 / 50 sehr gut aber ihr könnt auch gerne mit 2/3 Cold Brew testen. Das ist wirklich Geschmacksache.

  • Drei bis Fünf Eiswürfel.
  • 150 ml Cold Brew Coffee.
  • 150 ml Tonic Water.

Cold Brew mit Mandelmilch

Cold Brew Milch

Cold Brew ist mit allen Milchsorten eine gute Kombination. Hier auf dem Foto seht ihr wie ich schwungvoll Mandelmilch in einen Cold Brew kippe, es handelt sich dabei um den African Blue von Tchibo – für Supermarktkaffees haben die “Privat Kaffees” von Tchibo eine erstaunlich gute Qualität.  Der African Blue bekommt einen sehr starken Körper, der sehr gut zu einer Mandelmilch oder Nussmilch passt.

Mandelmilch kann in Cold Brew leider ein wenig flockig werden, das ist für den Geschmack nicht schlimm, sieht aber “interessant” aus.

Am besten ist es natürlich die Mandelmilch oder Nussmilch selbst zu machen. Dazu wird es auch bald ein Rezept geben – wie ihr an den Fotos seht, ist es schon bestens dokumentiert.

Mandelmilch selber machen Mixer

Mandelmilch selber machen Nussmilchbeutel

Mandelmilch selber machen Barista

Cold Brew Bulletproof Coffee

Einen ausführlichen Artikel zu der heißen Variante findet ihr hier: Bulletproof Coffee.

Bulletproof Coffee wird mit Weidebutter und Kokosöl hergestellt. Diesem Getränk wird so einiges nachgesagt – dazu solltet ihr euch aber den entsprechenden Artikel auf Coffeeness durchlesen, hier gibt es nur das Rezept. Ihr baucht einen Mixer für dieses Rezept.

  • Drei bis fünf Eiswürfel.
  • 300 ml Cold Brew Coffee.
  • 15 g Weidebutter.
  • 15 g Kokosöl

Ihr müsst jetzt den kalten Kaffee mit der Butter und dem Kokosöl in den Mixer geben. Die Fette lösen sich bei dem kalten Kaffee schlechter, als bei der heißen Variante. Deswegen ist es eine gute Idee Butter und Kokosöl aufzuwärmen und flüssig in den Mixer zu geben. Anschließend gießt ihr das Getränk auf die Eiswürfel.

Cold Brew und Bulletproof Coffee sind eine tolle Kombination, die ich persönlich lieber mag als die heiße Variante.

Cold Brew Bulletproof Coffee

Cold Brew Bulletproof Coffee

Cold Brew Coffee Parameter

Ich muss zugeben, die kalte Methode Kaffee zu “kochen”, ist lange an mir vorbeigegangen. Ich habe aufwändige Konstruktionen in guten Cafés bewundert, in denen Eiswürfel langsam das Wasser abgaben. Fasziniert, aber auch ein wenig überfordert, habe ich dann doch heißen Kaffee getrunken.

Wie dumm von mir. Ich bin seit einiger Zeit auf den Geschmack gekommen und bereite fast täglich Cold Brewed Coffee für den nächsten Tag vor. Aber bevor ich ins Schwärmen gerate (zum Geschmack gibt es später noch ein Kapitel), kommen wir zu den Rezepten und Zubereitungsmethoden.

Wie immer wäre es langweilig, wenn wir nur einen Weg hätten, wie wir kalten Kaffee kochen können. Es gibt die üblichen Parameter, mit denen gespielt werden kann:

  • Kontaktzeit von Wasser und Kaffee
  • Mengenverhältnis von Kaffee zu Wasser
  • Mahlgrad des Kaffees
  • Sorte des Kaffees
  • Ausgewähltes Wasser

Im Glas mit Schraubverschluss + Handfilter

Das Schöne an dieser Methode für den Cold “Brewed” Coffee ist, dass ihr nicht viel braucht. Grob gemahlenen Kaffee. Kaltes Leitungswasser. Einen Handfilter, Woodneck oder ein feines Sieb.

Ein Glas, das ihr zuschrauben könnt. Ich habe auch viele Rezepte gesehen, bei denen Folie zur Abdeckung genommen wurde – bitte Plastik vermeiden. Sieht besser aus, ist gesünder und schont die Umwelt, eure Gesundheit und den Geldbeutel. Außerdem sieht es scheiße aus – so ein schönes Weckglas macht einfach mehr her!

Cold Brewed Coffee

Das Schöne an dieser Methode für den Cold “Brewed” Coffee ist, dass ihr nicht viel braucht. Grob gemahlenen Kaffee. Kaltes Leitungswasser. Einen Handfilter, Woodneck oder ein feines Sieb.

Ein Glas, das ihr zuschrauben könnt. Ich habe auch viele Rezepte gesehen, bei denen Folie zur Abdeckung genommen wurde – bitte Plastik vermeiden. Sieht besser aus, ist gesünder und schont die Umwelt, eure Gesundheit und den Geldbeutel. Außerdem sieht es scheiße aus – so ein schönes Weckglas macht einfach mehr her!

Die Kaffeemenge ist recht hoch, ihr bekommt auch einen kalten Kaffee, der einmal ein Wackelpudding werden wollte. Sehr voll, mit viel Aroma aber wenig Säure. Er ist eine Art Konzentrat, welches auch noch mit den Eiswürfeln gestreckt wird. Ihr braucht also doch etwas, vor allem Zeit!

Cold Brewed Coffee in der French Press

Praktisch, die French Press ist eine Glaskanne, sie hat einen Deckel und kann das ja ohnehin grobe Kaffeemehl ausfiltern.

So habe ich mir das vorher vorgestellt. Was ich nicht erwarte habe ist, dass das Kaffeemehl das über 12 Sunden Kontakt zum Wasser hat anfängt sich aufzulösen. Gerade bei kräftigen Röstungen ist der Kaffeesatz dabei sich zu atomisieren und erinnert eher an nasse, feine Blumenerde.

Wer jetzt aus der French Press einschenkt, schwemmt viel davon mit in den kalten Kaffee.

Das ist Geschmacksache, die meisten mögen einen klaren Kaffee lieber. Deswegen ist eine Kaffeepresse immer noch gut geeignet für das Ziehenlassen, ich würde auch den Stempel drücken, aber den Kaffee im Anschluss trotzdem durch einen Handfilter gießen.

Das hat sogar noch den Vorteil, dass der Kaffee schneller durch den Handfilter läuft, weil weniger feiner Kaffeesatz durch kommt (ein wenig fängt die French Press dann doch auf).

Cold Brew Drip Coffee (Die aufwändige Alternative)

Oder was die Herzen von Equipment-Freaks höher schlagen lässt. Der Eine oder die Andere hat es sicher schon gesehen, eine Gläserne Konstruktion aus vielen Teilen. Einen Turm der Schönheit. Etwas zwischen Laborbedarf und Kunst. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber der löst bei mir extreme “Haben-Wollen-Reflexe” aus.

Aber dann meldet sich das Über-Ich zurück und sagt, die Küche ist voll. Du hast kein Geld. Du benutzt das sowieso nicht jeden Tag. Willst du dafür eine der Kaffeemühlen abschaffen – an der Stelle hat das Über-Ich gewonnen. Scheiß auf’s Geld aber die zweit Kaffeemühle abschaffen geht zu weit.

Solltet ihr so glücklich sein und kein funktionierendes  Über-Ich (oder keinen Partner oder Partnerin, die euch den Kopf abreist) haben, könnt ihr hier einen “Hario Water Dripper” Clear für schlappe 200€ kaufen. Sieht schon cool aus – und man kann sein Geld für unwichtigere Sachen ausgeben, wie verarbeitete Lebensmittel, die nur aus Zucker bestehen…

Schluss jetzt – ich baue meinen Cold Brewed Drip Coffee Gerät selbst…

Cold Brewed drip Coffee

Cold Brewed Drip Coffee selber bauen

Ab in die Werkstatt (also in unsere Küche) und schon wird Tetris gespielt. Eine Glaskanne für Öl mit Zapfhahn, eine Aeropress, eine Glaskanne, ein Trichter. Zwei Aeropress-Filter. Los geht’s.

Für das Kaffeepulver nutze ich den Trichter und Filter einer Aeropress. Unten kommt der übliche Filter rein. Auf des Kaffeepulver lege ich einen zugeschnittenen kleinen Filter.

Der dient dazu, dass das auftropfende Wasser gleichmäßig verteilt wird. Sonst bestünde die Gefahr, dass es an einer Stelle durchläuft.

Cold Brewed Aeropress

Als Wasserbehälter und Tropfstation dient eine Glaskanne, die ursprünglich für Olivenöl gedacht war – ich kaufe aber doch in Blech abgepacktes Öl und nutze sie deswegen nicht. Es funktioniert, als wäre es dafür gedacht.

Ich habe die Zeit gemessen und bin bei ca. 40 Tropfen pro Minute. Bin gespannt, wie lange es jetzt läuft.

Bei dem Rest des Aufbaus handelt es sich um beliebige Teile zum Draufstellen (der Trichter war wegen des besseren Winkels nötig).

Extra Ausgaben für mich sind 0 €. Wer keine Aeropress hat, kann auch was aus einer PET Flasche basteln und normale Filter verwenden. Ich glaube das “Ölglas” hat ca. 15€ gekostet.

Wie viel Koffein hat ein Cold Brewed Coffee?

Das ist eine gute Frage, mit der ich mich gerade eine Zeit beschäftigt habe. Ich habe in Foren und Blogs gelesen und Experten befragt. Dort, wo Angaben gemacht wurden, habe ich versucht valide Quellen zu bekommen. Mir scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: so genau weiß das keiner.

In meiner subjektiven Wahrnehmung handelt es sich beim Cold Brewed Coffee um ein Getränk mit mehr Koffein, als bei einem konventionellen Handfilterkaffee.

Es gibt weitere anekdotische Evidenz dafür, dass dieser Kaffee besonders stark ist. Es gibt Berichte über überquellende Lebensfreude und schlaflose Nächte.

Hier ein paar Überlegungen:

Mit einem Refraktometer / TDS Meter ist es möglich Vergleichsmessungen mit dem Wasser und dem entstandenen Kaffee zu machen. Damit kann aber nur getestet werden, was sich insgesamt gelöst hat – wie der Zusammenhang zur Koffeinmenge ist, kann so nicht herausgefunden werden.

Meine Überlegung war, dass beim Handfilter oder Espresso ca. ¼ der Koffeinmenge aus den Bohnen ausgelöst wird.

In Wasser ist aber extrem viel mehr Koffein löslich. Je heißer das Wasser, desto mehr. Aber auch schon bei Zimmertemperatur 20g pro Liter. Also viel mehr als in jedem Kaffee jemals drin sein wird.

Kaffein ist also wasserlöslich – bedeutet dann nicht eine sehr lange Kontaktzeit eine sehr hohe Koffeinauslösung? Oder kann das heiße Wasser so schnell mehr Koffein auslösen?

Also ist die Frage, wie sich die Parameter ZEIT und TEMPERATUR in ihrer Fähigkeit das Koffein aus der Bohne in den Kaffee zu lösen, verhalten.

Wenn wir davon ausgehen, dass in Kaffee 1,3% mg Koffein in den Bohnen enthalten sind und 100% ausgelöst werden, sind es bei 0,1L =130mg als Maximum (bei einem handgefilterten Kaffee sind es ca. 0,1L=57mg Koffein) Jeweils bei einer Kaffeemenge von 10g . Also muss der Wert zwischen 0 und 130mg rangieren. Ich vermute es wird mehr Koffein ausgelöst als bei einem herkömmlichen handgefilterten Kaffee.

Gibt es Chemiker die mehr dazu sagen können?

Gibt es eine praktikable Möglichkeit das zu testen?

Ausblick und Verbreitung

Cold Brew wird immer präsenter. In Starbucks und neuerdings auch in Tchibo Läden ist er zu kaufen. Melitta hat einen Filter entwickelt, der extra für Cold Brew da sein soll.

Die “Third Wave of Coffee” Bewegung hat sozusagen das Monopol über dieses Getränk eingebüßt und die “Second Wave” mischt munter mit. Aber auch Cold Tea Varianten werden immer beliebter. In Berlin gibt es, wie auf Schlag, einige Startups, die sich dem Cold Brew verschrieben haben. Die Haltbarkeit von hochwertigerem und fertig zubereiten Kaffee ist ein einmaliger Vorteil. Von Goodspirits könnt ihr  den Cold Brew kaufen, der in Gläser und Kartons im Plastikschlauch verpackt wurde.

Ich mache meinen Cold Brew immer noch liebsten frisch und selbst mit einem schönen Yirgacheffe. In Deutschland gibt es immer noch eine starke Lobby für den klassischen Eiskaffee mit Speiseeis. Mit dem könnt ihr mich leider jagen!

Cold Brew Glas

Ob ihr den kalten Kaffee im Kaffeebereiter von Bodum oder dem Mizudashi von Hario macht – er gelingt eigentlich immer. Nur wie hoch sein Koffeingehalt ist, konnte mir noch niemand belegen.

0 Kommentare
  • Susanne Steinbeck
    2 October, 2015

    Tolle Informationen rund um kalten Kaffee brauen. Setze ich gleich in die Tat um.Danke

  • Sabine
    31 December, 2015

    Bei uns steht das erste Schraubglas mit Kaffee-Wasser-Mischung. Morgen gibt es dann den ersten cold brew, wahrscheinlich mit heissem Wasser aufgegossen.
    Alles Gute fürs neue Jahr und danke für die guten Tipps!
    Liebe Grüße
    Sabine

  • Marion Rieke
    18 April, 2016

    Hallo Arne,
    mittlerweile habe ich verschiedene Zubereitungen für Cold Brew Coffee gelesen. Bei einigen wird das komplette Wasser auf einmal zum Kaffee gegeben; bei anderen
    läuft es ganz langsam tröpfelnd durch. Dann wieder werden Eiswürfel benutzt.
    ??????????
    Jetzt habe ich die Frage an Dich: Kommt man bei allen diesen verschiedenen Möglichkeiten zum selben Ergebnis?

    LIebe Grüße

    Marion Rieke

  • Arne
    19 April, 2016

    Hallo Marion,

    es gibt “Cold Brew Coffee” hier ist das Kaffeepulver die gesamte Zeit mit dem Wasser in Verbindung. Dann gibt es noch “Cold Drip Coffee”. Bei dieser Variante tropft das Wasser langsam durch das Kaffeepulver. Eine Variante davon ist mit Einswürfeln.

    “Cold Brew Coffee” ist die einfachere Variante mit sehr guten Ergebnissen. Es gibt unterschiede im Geschmack, aber ich würde diese ausprobieren. Wie das geht habe ich im Artikel beschrieben.

    Viele Grüße, Arne

  • Marion Rieke
    19 April, 2016

    Hallo Arne,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort!
    Wie heißt es so schön? Probieren geht über Studieren!

    LIebe Grüße nach Berlin

    Marion

  • Silke
    16 May, 2016

    Hallo Arne,

    toll beschrieben. Ich hab mir das nach der Methode “Kaffe in kaltes Wasser und einen Tag warten” im letzten Sommer mehrmals zubereitet. Das Ergebnis ist fantastisch. Ich trinke das Konzentrat gern mit Milch.
    Ein Problem gibt es aber doch und das ist das abseien. Dabei verbrate ich immer mehrere Papaierfilter (oder Tücher), weil die sich immer wieder mit dem feinen Mehl zusetzen und dann kein Wasser mehr durchgeht. Das Ganze ist immer eine Riesenschweinerei, die ich nur um des Ergebnisses willen in Kauf nehme. Hast du einen Tipp?

    Liebe Grüße, Silke

  • Arne
    16 May, 2016

    Hallo Silke, genau das Problem kenne ich. Meinen ersten Cold Brew habe ich in einem Weckglas gemacht und dann im Handfilter gefiltert. Das Kaffeepulver löst sehr feine Partikel über die lange Zeit im Wasser und verstopft den Filter sehr schnell. Weil mir das zu aufwändig war habe ich einfach eine French Press genutzt. In der habe ich dann sozusagen vorgefiltert aber immer noch einen Handfilter genutzt. Das war schon besser aber immer noch zu aufwändig. Seit einem Jahre habe ich einen Hario Cold Brew Coffee Pot. Ich bin noch nicht dazu gekommen über den zu schreiben. Er ist aber eine wunderbar Lösung und auf einen Schlag gibt es keine Riesenschweinerei mehr 🙂 Viele Grüße aus Berlin, Arne

  • Peter
    1 June, 2016

    Laut dem Magazin Make soll ein “Cold Brewed Coffee” ganz wenig Koffein enthalten, da das Koffein als auch die Säure erst bei heißen Temperaturen aus dem Kaffee gelöst werden können.

    Trotzdem vorsichtig beim genießen sein und nicht gleich literweise trinken.

  • Arne
    2 June, 2016

    Hallo Peter, danke für deinen Kommentar. Kannst du sagen ob die einen Labortest gemacht haben? Ich hätte wirklich gerne mal gemessen Zahle. Es stimmt, Koffein löst sich schneller bei höheren Temperaturen. Die Frage ist was die Zeit des Kontakts ausmacht.

    Koffein löst sich halt schon mäßig in Wasser bei 20°C… aber dann über 12 Stunden.

    Viele Grüße,
    Arne

  • Robin
    5 July, 2016

    Hi Arne,

    Hab gestern Dein Video zum Cold Brew gesehen, sehr interessant. Habs bisher immer einfach in ne Karaffe gegeben (so Mocka mässig), und dann 12 Std später durchgesiebt. Allerdings hab ich immer meine Espressobohnen verwendet, das ist schon recht kräftig, aber trotzdem sau lecker.

    Wollte mir jetzt für solche Zwecke ne Handmühle zulegen, also irgendwas was ich beim Bushcraften (im Wald unter der Hängematte) auch nutzen kann. Dachte da an dieses Miniding (Hario MSS-1B Mini). Vorteil zu Hause kann ich damit grob mahlen und muss meine “richtige” Mühle nicht umstellen. Fluch und Seegen bei Stufenlosen Mahlgradmühlen.

    Kannst Du denn die Hario MSS-1B Mini empfehlen? Der Behälter ist ja aus Plastik, ich vermute dadurch dann auch nicht so schwer? Oder kennst Du für draußen ggf noch ne gute Alternative? So ein Teil aus Holz sieht ja geil aus, aber bei feuchtem Wetter stelle ich es mir schwierig vor.

    Liebe Grüße

    Robin

  • Arne
    6 July, 2016

    Hallo Robin, ich habe meinem Bruder zu Weihnachten einen Porlex Tall Handkaffeemühle geschenkt. Mit der ist er sehr zufrieden glaube ich. Die ist allerdings ein wenig teurer als die Hario MSS-1B Mini, hat aber ein besseres Mahlwerk und ist robuster. Holz ist für outdoor sicher keine gute Idee. Muss auf jeden Fall auch keine Comandante sein 😉

    Viele Grüße aus Berlin,
    Arne

  • Robin
    7 July, 2016

    Hi Arne,

    danke für die Antwort. Hab mich dennoch für eine Hairo (http://amzn.to/29B6YJX) entschieden. Die größere Variante mit dem Glas. Der Vorteil bei dieser ist, dort kann man andere Gläser dran schrauben (mir wurde gesagt manche Marmeladengläser gehen, ich werd aber noch nach einer Plastikvariante für unterwegs suchen wegen des Gewichtes).

    Zugegeben etwas groß die Mühle für den Rucksack; bei der Mini-Variante war mir der Behälter aber zu klein. Da ich ja auch Cold Brew damit machen möchte, braucht man ja schon recht viel grobes Pulver. Eine Idee wäre jetzt noch ne Flasche zu finden die ggf direkt auf das Gewinde passt. Dann könnte man dort auch direkt Wasser auffüllen. (Ich lass den Satz übrigens nach ca. 12 Stunden einfach durch ein Handaufguss Sieb laufen.)

    Die Porlex hatte ich mir auch angeschaut, sah aber irgendwie aus, als lasse man die lieber zu Hause als das man die mit raus nimmt. Hätte gar nicht mal viel mehr bezahlt (gefunden für 30 Eur).

    Hab jetzt auch mal Deinen Tipp mit dem Privatkaffee ausgetestet, kann man machen, so als Drink zwischendrin. Ich hatte noch ein paar Reste vom Guatemala Espresso von quijote-kaffee.de , das hatte richtig Geschmack als Cold Brew, man merkt einfach direkt wenn ein Kaffee wirklich frisch ist.

    Liebe Grüße aus Bonn

    Robin

  • Siglinde
    9 July, 2016

    Hallo Arne,

    herzlichen Dank für die schöne Anleitung, habe mich nie so recht rangetraut an den Coldbrew. Nochmal ein Extrateil wollte ich nicht kaufen, aber in der French Press wird er großartig.

    Herzliche Grüße aus München

    Siglinde

  • Martina
    12 July, 2016

    Hallo…

    Danke für die tollen Rezepte!
    Eine Fragen an den Profi:
    Mein Cold Brewed Coffee wird im Kühlschrank gelagert aber nach ein paar Tagen wird er immer sehr bitter oder streng (schwer zu beschreiben). Woran kann das liegen?
    Ich führe eine Filterung über Nacht mittels Handfilter durch, mit gekauftem gemahlenen Kaffee.

    Schöne Grüsse
    Martina

  • Rufus
    4 August, 2016

    Hallo Martina,
    wie ist Dein Mischungsverhältnis Kaffee/Wasser.
    Welchen Kaffee hast verwendet? welchen Mahlgrad?
    Ziehzeit?

  • Sacha
    13 August, 2016

    Super Blog! Hab auch viel Freude mit meiner Hario Mizudashi und dem Cold Brew. Sehr vollmundig. Allerdings kostet ein Liter Cold Brew ja doch mindestens 4-5 Euro, wenn man gute Bohnen verwendet. Gibt es Tipps, wie das auch günstiger geht, oder ist das nun mal der Preis des Besonderen?
    Schönen Gruß und weiter so.

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