Handfilter: die alternativlose Anleitung zur Kaffeezubereitung

Der Handfilter ist der absolute Klassiker und mittlerweile mache ich fast alle Kaffeebohnen-Tests mit ihm. In diesem Artikel erkläre ich euch, wie ihr den perfekten Filterkaffee macht.

Diese Zubereitungsart ist der echte Klassiker: Kaffee mit dem Handfilter

Wie bei Klassikern üblich, erleben sie immer wieder eine Renaissance. Aber der Handfilter ist kein verstaubtes Relikt, er ist eine praktische Sache und liefert hervorragende Ergebnisse. Ich nutze ihn täglich. In diesem Artikel bekommt ihr eine Anleitung zur Zubereitung von Kaffee mit dem Handfilter, Tipps zur Dosierung sowie Mahlgrad und ich kann schon jetzt verraten, der Handfilter ist besser als jede Kaffeemaschine, zumindest bei Kaffeemengen unter einem Liter.

Vielen Kaffeefreunden entwickelt der Kaffee aus der French Press einen zu starken Körper und es befinden sich im Kaffee einige Partikel und ein kleiner Bodensatz – der kommt gerade bei meiner Oma überhaupt nicht gut an! Hier kommt der Vorteil der Handfiltration ins Spiel – denn es wird filtriert.

Das Ergebnis einer gelungenen Handfiltration ist klarer. Keine Kaffeepartikel, kein Bodensatz. Dafür findet allerdings eine Filtration (nicht überraschend bei einem Filter) statt. Aber der handfiltrierte Kaffee behält auch bis zum Abkühlen seinen klaren Geschmack. Wo keine Partikel rumschweben extrahiert auch nichts mehr. Der Papierfilter kommt mit dem Kaffeesatz in den Biomüll, den Porzellanfilter abspülen und fertig.

Arne mit Handfilter

Für welchen Handfilter sollte ich mich entschieden?

Handfilter Amazon

Ich nutze den Hario Kaffeefilter aus Porzellan. Den gibt es in zwei Größen. Den 01 Filter (der ist wirklich nur für eine Tasse geeignet) und den 02 Filter für 1-4 Tassen oder eine große. Ich benutze jeweils die dazugehörigen Filter (für 01 und für 02). Die sind recht teuer aber ich bin von der Qualität überzeugt. Als Alternative kann man sicher auch einen Melitta Filter benutzen aber bei denen gefallen mir die Filtertüten nicht und die Marke erinnert mich einfach zu sehr an den Geschmack von schlechtem Kaffee.

Bedienungsanleitung eines Handfilters

1. Frischen Bohnenkaffee mahlen. Auf die Dosierung kommt es natürlich auch beim Handfilter an! 8-12 g bei 120 ml Wasser. Wer eine anständige 0,5l Tasse hat, sollte es mit einem anderen Verhältnis versuchen. Am besten nicht einfach hochrechnen! Bei einem halben Liter 30 bis 38 Gramm. Einfach testen! Je mehr Kaffeepulver ihr eingebt, desto länger läuft der Kaffee durch – die Kontaktzeit ist also länger und der Kaffee kann überextrahieren. Der Kaffee sollte mittelfein gemahlen sein. Feiner als bei der French Press und gröber als Espresso.

Kaffee Mahlgrad Schaubild

2. Die Filtertüte an der Naht knicken und in den Filter einlegen.

Filter

Herzhaft mit Wasser benetzen, schwenken und auskippen. Das schwämmt Partikel aus und bewirkt, dass sich der Filter an das Porzellan ansaugt.

Filter Nass

3. Wasser nach dem Aufkochen ein paar Sekunden stehen lassen. Kaffeepulver rein. Kurz im Filter schütteln, damit sich eine ebene Oberfläche bildet. Jetzt langsam den Kaffee gleichmäßig benetzen bis er komplett feucht ist – aber er soll noch nicht im Wasser schwimmen. So lässt du ihn einen kleinen Moment ziehen. Er soll schön gleichmäßig durchweichen. Ca. 30 Sekunden. Diesen Prozess bezeichnet man als „blooming“ aber aufquellen passt auch ziemlich gut.

Kaffee Geruch

4. Jetzt langsam in kreisenden Bewegungen das restliche Wasser aufgießen, bis es kurz vor dem Rand des Filters ankommt. Jetzt aufhören. Falls noch Wasser übrig bleibt warten, bis das Wasser des ersten Durchgangs komplett durchgelaufen ist. Jetzt noch einmal nachgießen. Hat sich das Kaffeemehl an den Rändern festgesetzt, löse es mit einem gezielten Strahl aus dem Wasserkocher.

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Expertentipps zum Handfilter

  • Am besten gleich in die Tasse! Den Porzellanfilter einfach auf die Tasse stellen. Vorher mit der Tasse das Wasser abmessen und aufkochen. So hast du heißeren Kaffee und ein Teil weniger für den Abwasch. Das Abmessen mit der zu befüllenden Tasse erlaubt dir angstfrei aufzugießen, weil nicht die Gefahr des Überlaufens besteht.
  • Immer den Filter durchnässen – so werden mögliche Partikel entfernt. Außerdem fügt sich der Filter so schön an die Ablaufrillen im Porzellan an.
  • Gib kein unnötiges Geld aus! Ein anständiger Porzellanfilter und gute Filtertüten reichen völlig aus, gegebenenfalls noch eine Kaffeekanne, solltest du Kaffee für mehrere Personen zubereiten. Niemand braucht einen extra Wasserkocher! Ich ahne schon dafür bekomme ich von einigen Kaffeeliebhabern Ärger. Aber „gleichmäßiger und dosierbarer Aufguss“ klappt auch aus jedem konventionellen Wasserkocher – vom Kaffeeentzug bekomme ich jedenfalls keinen Tatter.Wer ihn wegen des netten Designs doch kaufen möchte, bitte. Ich kaufe mir für die 84,69€ lieber Kaffee. Ok – noch mal dazu – ja, wir leben im Kapitalismus und es ist natürlich für die Industrie blöde, dass eine der besten Arten Kaffee zuzubereiten günstig ist – hmmm was mache ich als internationales Unternehmen da!? Einen überteuerten Wasserkocher, cool – noch drei Wochen warten und schon fangen alle an zu erzählen, der sei unerlässlich! Mein Kaffeekocher ist nicht gerade Hipster-tauglich, dafür aber mit blauen LEDs – ich bin halt ein Kind der 90er Jahre.

Häufige Fragen zum Handfilter:

Das Wasser läuft zu langsam durch?

Versuche es mit etwas gröberem Kaffeemehl!

Ich habe alles gemacht wie in der Beschreibung aber der Kaffee schmeckt trotzdem nicht!

Kaufe besseren Kaffee!

Warum kann ich dann nicht gleich eine Filtermaschine benutzen?

Das ist einfach. Die meisten Filtermaschinen spritzen unkontrolliert, kochendes Wasser in den Filter. Dann auch nur schön in die Mitte – der Kaffee am Rand wird teilweise nicht erreicht. Es gibt eine Platte zum warmhalten. Genereller Tipp fürs ganze Leben: „Meide alle Dinge die eine Platte zum warmhalten haben“.

40 Kommentare

    Bereite meinen Kaffee seit geraumer Zeit nur noch mit Handfilter zu.
    Ich glaube allerdings dass wir alle einem Irrtum unterliegen, was die Aufbrühtemperatur angeht. Ich vermute dass binnen weniger Sekunden die Wassertemperatur des aufgekochten Wassers im Wasserkocher deutlicher als angenommen abkühlt. Beim einschütten in den Filter gibt der Wassrstrahl sicher auch mehrere Grad Temperatur an die Umgebung ab, so dass wir es kaum ereichen können das Wasser nennenswert über 90° aufs Kaffeepulver zu gießen.
    Bisher nur Vermutung! Werde mir ein digitales Thermometer besorgen und Messungen vornehmen und dann hier berichten.

    Liebe Grüße…. Christian

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    Hallöchen. Seit neustem gibt es von Bodum so eine „Pour over“ Lösung. Sieht ein bisschen wie eine Chemex aus, hat aber einen Permanentfilter aus Metall. Würde mich mal sehr interessieren, was du zu dem Gerät sagst. Ist auch nicht großartig teuer.

    Antworten

    Hallo Arne
    Mir gefällt deine Seite gut und ich werde bestimmt noch eine Weile hier lesen und mir Anregungen holen.
    Mir ist es jetzt schon bei zwei verschiedenen Kaffeesorten passiert, dass das gemahlene Pulver oben auf dem Wasser schwimmt und ein viel zu heller Kaffee (sieht aus wie Tee) in der Tasse landet. Ist dir das aus schon passiert ? Woran kann das liegen?

    Liebe Grüße Nikola

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    Hallo !
    Bräuchte mal einen Tipp von euch.Wollte 750ml Kaffee brühen,Habe das Pulver abgewogen,dann die Kanne ,Filter Mehl auf die Waage gestellt und Tariert.Wenn ich dann 750ml Kaffee in der Kanne habe,zeigt die Waage 1010 ml an Wieso zeigt die Waage immer mehr an als in der Kanne ist.Bei 750ml auf der Waage muß auch in der Kanne sein. Was mache ich bloß falsch? Werde schon langsam unruhig. (Und wenn die Kanne kein ml maß hat?) Ich hoffe das reicht an Fragen.
    Danke,danke, K.H.Giersberg.

    Antworten
    Arne

    Hallo Karl-Heinz, danke für Deine Kommentar. Das ist von hier schwer zu sagen. Bist du sicher, dass die Kanne beim Tariert auf der Waage gestanden hat? Viele Grüße, Arne

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    Hi,

    ist es denn normal das ein wenig Öl auf dem Kaffee schwimmt? Ist mir heute nocheinmal aufgefallen nachdem ich nun die Bohnen selbst mahlen und das Ganzen ein wenig mehr tracke.

    Danke und Gruß

    Robert

    Antworten
    Arne

    Hallo Robert,

    danke für deine Nachricht. Ein bisschen kann normal sein. Kommt auf die Bohnen an. Sind diese jedoch übertrieben ölig, dann sind sie nicht gut! Liebe Grüße Team Coffeeness

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