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Kaffeebohnen Test 2020: Die beste Bohne hat mehr als Geschmack

Schon seit 2008 teste ich auf Coffeeness Kaffeebohnen. Dabei sind wunderbare Kaffees von Kaffeeröstereien, aber auch Supermarktkaffees. Ob für den Handfilter, die Kaffeemaschine oder den Chemex, hier findet ihr den richtigen Kaffee. Das Leben ist einfach zu kurz für schlechten Kaffee.

  • Elephantbeans

    Arnes Empfehlung

    Direkthandel

    Richtig guter Kaffee und Espresso

    Jörg ist ein toller Röster

    Der Kaffee hält nie lange

  • mehrwert kaffee

    Arnes Empfehlung

    Tolles Projekt trifft auf tollen Kaffee und Unternehmer, denen wir ihre Mission glauben

    Transparent

    Nachhaltig

    Köstlich

  • Quijote Kaffee

    Arnes Empfehlung

    Bestes Preis-Leistungsverhältnis

    Tolles Preis-Leistungs-Verhältnis

    Tolles Team

    Tolle Espressos

    Machmal ausverkaufte

  • Langen

    Tolles Preis-Leitungs-Verhältnis

    Beständige Qualität seit Jahren

    Viele Bio Kaffees

    Keine sehr fruchtigen Kaffees

  • Nossa Senhora

    Nossa Senhora

    Eleganz

    Spannende Bitterstoffe

    Hauch Honig ein paar Trockenfrüchte

    Bleibt aber nicht im Gedächtnis

  • Solino Harar

    Starke Idee, schwacher Auftritt.

    "Projektkaffee"-Initiative

    Schonend geröstet

    Gleichmäßig geröstet

    Muffiger Geruch

    Kaum Frische, Säure und Spritzigkeit

    Zu alte Bohnen

Auch wenn der größte Teil meiner Arbeit darin besteht, für euch Kaffeevollautomaten, Espressomaschinen und anderes Equipment für die Kaffeezubereitung zu untersuchen, sind Kaffeebohnen-Tests meine Lieblingsaufgabe.

Project caffeine overview filter

Denn nirgendwo sonst kann ich meine eigene Meinung und Vorlieben einbringen – und muss es sogar. Außerdem habe ich hier Gelegenheit, mich mit Adjektiven, Metaphern und ein bisschen Tresen-Lyrik auszutoben. Das wäre bei den objektiven Maßstäben, die für Kaffeevollautomaten oder die Siebträgermaschine gelten, irgendwie fehl am Platze.

DeLonghi EC685bk fertiger espresso Arne hat spass

Diese Subjektivität macht diese Kategorie aber auch so kompliziert. Neben formalen Anforderungen an die besten Kaffeebohnen dreht sich hier schließlich alles um Geschmack. Und der ist nicht nur subjektiv, sondern auch unheimlich schwer zu beschreiben.

4 Kaffeebohnen-Sorten im Überblick

Produkt NameFlying Roasters Fire FinchLavazza PerfettoCoffee Circle Limu Quijote Kaffee Guatemala
Arabica /Robusta100% ArabicaArabica 70% Robusta30%100% Arabica100% Arabica
Bewertung 100%50%100%100%
Preis pro Kg 27,40 €17 €26,90 €23,00 €

In diesem Ratgeber stelle ich euch daher vor, wie ich an meine Tests gehe und auf bestimmte Charakterisierungen komme. Außerdem erfahrt ihr, woran ihr die besten Kaffeebohnen erkennt, welche Trends und Stile es gibt und auf welche Klassiker ihr euch immer verlassen könnt.

Natürlich liefere ich euch auch ein paar Tipps, welcher Kaffeebohnen-Stil am besten zu welcher Zubereitungsmethode passt.

Was ihr hier nicht finden werdet, ist ein Loblied auf Supermarkt-Kaffee oder eine pauschale Heiligsprechung vermeintlich „nachhaltiger“ Bohnen aus „traditioneller Röstung“.

Schwarzer Kaffee Supermarktkaffee

Gerade mit dem Thema Nachhaltigkeit lässt sich in der Bohnenwelt sehr viel Geld verdienen. Und das nicht immer mit lauteren Mitteln.

Inhaltsverzeichnis

Formale Anforderungen an die besten Kaffeebohnen: Transparenz ist alles

Es gibt einen guten Grund, warum ich Marken wie Illy, Lavazza oder Dallmayr Prodomo nur sehr ungern teste – und warum diese Tests schon pauschal mies ausfallen. Diese Kaffeemarken erfüllen praktisch nie die formalen Anforderungen an gute Kaffeebohnen.

Diese Anforderungen hängen eng mit der Transparenz der Beschaffungskette zusammen – also dem Weg der Bohne vom Strauch bis in die Tasse. Und das ist keine überhebliche Forderung arroganter Kaffee-Snobs, sondern eine grundsätzliche Tatsache, der wir uns alle stellen müssen.

Eine idealtypische Röstung liefert folgende Angaben – entweder auf der Verpackung oder auf der jeweiligen Internetpräsenz. Noch besser auf beidem:

  • Hersteller/Röster: Nicht nur Angabe des Firmennamens, sondern auch Name des Rösters
  • Kaffeesorte: Angabe des Verhältnisses von Arabica und Robusta mit Prozentwerten
  • Varietät: Genaue Angabe der verwendeten Unterart der Arabica- und/oder Robustabohne
  • Herkunftsland: Angabe aller Ursprungsländer des verwendeten Kaffees – keine Sammelbegriffe (Lateinamerika etc.)
  • Herkunftsort: Angabe von Plantage, Standort, Kooperative etc., Höhenmeter optional
  • Aufbereitung: Genaue Angabe des Verarbeitungsverfahrens vor Röstung (natural, washed etc.)
  • Handelsweg: Genaue Angabe der Beschaffungsstrukturen – im Idealfall Direkthandel (Direct Trade)
  • Röstprofil: Angabe des angestrebten Röstgrads – von Light bis Dark Roast
  • Zubereitungsempfehlung: Angabe der aus Sicht des Rösters besten Zubereitungsmethode
  • Röstdatum: Auf den Tag genaue Angabe der Herstellung, MHD nur optionalKaffeemarktplatz Test Amazon Vergleich Roestdatum
  • Preis: Preis pro Packung und jeweils verhältnismäßige Angabe von Preis pro Kilo

Warum will ich das alles wissen? Was bringt es mir, den Plantagennamen zu kennen oder einen unaussprechlichen botanischen Namen zu lesen?

Einerseits könnt ihr aus diesen Angaben viel über den Stil und das Geschmacksprofil herauslesen. Andererseits – und das ist das Wichtigste – erkennt ihr aus den Angaben, wie offen der Hersteller mit seinem Herstellungsprozess umgeht und wie intensiv er sich um sein Produkt bemüht.

Kaffee als First World Privilege

Eines sollten wir nie vergessen:

Kaffee ist ein First World Privilege, das für zahlreiche Third World Problems verantwortlich ist!

Der Knackpunkt daran ist simpel. Unser Produkt Kaffee beruht auf einem Herstellungsprozess, dessen Richtung immer aus armen Ländern in die Industrienationen verläuft.

Dabei nimmt der Wert bzw. Preis der Bohne mit jedem Verarbeitungsschritt zu. Den größten Wertzuwachs gibt es, wenn der Rohkaffee zur verkaufsfertigen Bohne geröstet wird.

Kauft der Kunde den gerösteten Kaffee, fließt dieser Wert in Form von Geld wieder in die entgegengesetzte Richtung. Dabei bleibt an jedem Zwischenschritt etwas von diesem Geld hängen. Einen Löwenanteil behält der Röster. Das ist logisch.

Doch dann kommen auch noch Importeure oder Großhändler, Exporteure im Ursprungsland etc. ins Spiel. Also eine ganze Menge Leute, die ihre Hand aufhalten.

Beim eigentlichen Erzeuger des Produkts, den Kaffeebauern, kommt am Ende nur ein lächerlich geringer Betrag an, von dem es sich kaum leben lässt. Dieser Betrag ist einerseits gut am aktuellen Weltmarktpreis für Rohkaffee ablesbar.

Andererseits ist der RTO-Wert interessant. RTO steht für Return To Origin und bildet den oben beschriebenen Weg des Gelds in Prozentzahlen ab. Genauer gehe ich auf diese ganzen Zusammenhänge im Artikel Was bekommen Kaffeebauern? ein.

So oder so gibt es ein enormes Missverhältnis zwischen dem, was ein Röster für seinen Kaffee verlangt und was er dafür an die Kaffeebauern weiterreicht. Und ja: Die Lücke wird umso größer, je konzerniger eine Marke ist!

Röster mit einem Gewissen und einer Wertschätzung für ihr Produkt wollen dieses Missverhältnis zugunsten einer fairen Beschaffungskette verschieben:

  • Sie schalten möglichst viele/alle Zwischenhändler aus und verhindern so, dass Geld in der Kette an den falschen Stellen hängen bleibt
  • Sie bezahlen die Kaffee-Erzeuger anständig – unabhängig vom gerade herrschenden Weltmarktpreis für Kaffeebohnen
  • Sie senken die Abnahmemengen auf das richtige Maß von Angebot und Nachfrage und verringern so die Auswirkungen der Massenproduktion auf Mensch, Wirtschaft und Umwelt
  • Sie engagieren sich für eine direkte Qualitätssicherung und zeigen auch den Kunden, wo ihr Kaffee unter welchen Bedingungen von welchen Personen hergestellt wird

Bohnen mit Gesicht und Namen

Insbesondere die Sichtbarkeit aller Produzenten ist wichtig. Denn Namen und Gesichter machen eine Bohne plötzlich zu einer persönlichen Angelegenheit. Das wissen auch die großen Supermarktmarken und verstecken vorsorglich, wer die Bohnen liefert.

Und zwar so gründlich, dass ihr oftmals noch nicht einmal erfahrt, aus welchem Land, oder wenigstens aus welcher Himmelsrichtung, euer Kaffee stammt. Denn mit armen Bauern, die auf riesigen Plantagen unter schrecklichen Bedingungen Kaffeebohnen zu Dumpingpreisen anbauen, lässt sich kaum Werbung machen.

Die besten Kaffeebohnen erkennt ihr also schon daran, dass ihr mit den Angaben auf Packung und Website theoretisch direkt zum Ursprung eures Kaffees fahren und euch vor Ort mit dem Bauern unterhalten könntet.

Weil die Forderung nach Transparenz immer unverzichtbarer wird, schließen sich immer mehr Röster, die ihren Namen verdienen, der Initiative The Pledge an.

Dies ist ein rückhaltloses Bekenntnis zur Transparenz. Die Röster verpflichten sich nicht nur, ihre gesamten Beschaffungsstrukturen offenzulegen, sondern auch anzugeben, wer welchen Geldbetrag von jeder verkauften Tüte bekommt.

Zwei Pledge-Röstereien, die für mich in Deutschland Vorbildcharakter haben (weil sie auch endlos guten Kaffee machen), sind die Flying Roasters aus Berlin und Wood Grouse Coffee aus Hannover. Ich animiere euch dazu, deren Transparenzberichte auf den jeweiligen Websites zu lesen.

Woodgrouse Filterkaffee

Eine Kaffeebohne erhält ihr Gesicht aber nicht nur durch die Menschen, die sich um sie kümmern. Es gibt auch botanische, verfahrenstechnische und geografische Faktoren. Diese erkläre ich euch im Folgenden einmal genauer.

Arabica oder Robusta: Welche Kaffeesorte macht die besten Kaffeebohnen?

In meinem ausführlichen Aufsatz Arabica und Robusta Kaffee: Gemeinsamkeiten, Unterschiede und der Tanz um den Qualitätsbegriff habe ich mich darüber ausgelassen, dass die Dominanz der Arabica-Bohne auf Missverständnissen beruht und aufgrund des Klimawandels sowieso bald vorbei sein könnte.

Darum sollten wir nicht mehr pauschal davon ausgehen, dass die Robustabohne bzw. Canephora nur ein Thema für den Espressobohnen Test ist. Im Espresso ist Canephora häufig eine Beigabe, um ordentlich Wumms und eine stabile Crema zu erzeugen.

Ich erwähne die Robusta-Arabica-Frage an dieser Stelle jedoch auch, weil ich es faszinierend finde, dass Massenmarken so tun, als wäre die Bezeichnung „100% Arabica“ eine Auszeichnung, mit der sich gerechtfertigte Werbung machen lässt.

Arabica und Robusta Unterschied

Ist sie nicht. Nie. Es handelt sich um eine reine Tatsache, die uns nur dann interessiert, wenn der Anteil an Arabica abnimmt und durch Robusta ergänzt wird.

Varietät: Ein bisschen Botanik schadet nie

Während uns die Gattungsüberschrift Arabica nicht weiter interessieren muss, ist alles, was danach steht, wesentlich spannender. Mit botanischen Namen wie Bourbon oder Catuai ist zwar noch nicht viel gesagt.

Doch unterschiedliche Varietäten haben unterschiedliche Charaktermerkmale, die ihr später im Kaffee schmeckt. Um es noch ein bisschen komplizierter zu machen, hat zum Beispiel der berühmte Bourbon-Kaffee noch zig Unterarten und Kreuzungen, die wiederum aus völlig anderen Gründen so beliebt sind.

Schauen wir uns das kurz praktisch an: Im dezidierten Alltagskaffee (dazu später mehr) Elbgold Mischgold aus Hamburg spielt die Varietät Caturra eine Hauptrolle.

Elbgold Mischgold Kaffeebohnen Uebersicht

Botanisch gesehen ist Caturra eine natürliche Mutation der Bourbon-Varietät, die wiederum ein Ableger der Typica-Familie unter dem Dach der Gattung Coffea arabica ist. Caturra ist eine Hausversion Brasiliens, weil sie da hervorragend gedeiht.

Sie ist für ihren Ertragsreichtum und eine recht frische Säure bekannt, während sie weniger herausfordernd als die „Mutter“ Bourbon ist.

Hier kann ich nur allgemein raten, euch mit der spannenden Welt der Varietäten nach und nach vertraut zu machen. Ein sehr guter Ausgangspunkt dafür ist der Variety Catalogue der Initiative World Coffee Research. Auch die englischsprachige Wikipediaseite List of Coffee Varieties hilft euch weiter.

Geschmacklich könnt ihr beispielsweise mit der fast stereotypischen Bourbon-Röstung Kaffee Bosque Lya aus El Salvador loslegen und diese als „Eichung“ für euer Geschmackstraining verwenden.

Bosque Lya Kaffee

Herkunft: Am Land erkennt ihr oft den Kaffeestil

Im direkten Zusammenhang mit den Varietäten steht oft auch das Herkunftsland des Kaffees. Während ihr euch bei den Varietäten erst einmal durch kryptische Stammbäume wühlen müsst, ist das Herkunftsland (oder der Mix aus unterschiedlichen Ländern) relativ einfach zu dechiffrieren.

Natürlich spielen dabei auch Klischees und Traditionen eine Rolle. Doch selbst mit unserer wachsenden Vielfalt an guten Kaffeebohnen ändert sich meist nur wenig an den geografischen Einordnungen und dem typischen Kaffeestil.

Das lässt sich hervorragend an einigen der größten und wichtigsten Kaffeeproduzenten der Welt und von mir getesteten Beispielen ablesen:

Brasilianischer (Arabica)-Kaffee ist heute der Inbegriff von Kaffee. Ich habe zwar keine verlässlichen Zahlen, aber mein Eindruck ist, dass die Bedeutung der Brasilianer in der Specialty Coffee-Szene abnimmt, während der Einfluss auf dem Massenmarkt ungebrochen bleibt.

Allein die schiere Menge, die das Land jährlich exportiert, trägt nämlich auch ihren Teil zum Preisdumping bei. Und brasilianischer „Hochlandkaffee“ ist das, was den geschmacklichen Einheitsbrei im Supermarkt bestimmt.

Gleichzeitig gibt es hervorragende Brasilianer, die in Sachen Nachhaltigkeit, Transparenz und Qualität vorbildlich sind.

Idealtypische Brasilianer im Kaffeebohnen Test sind zum Beispiel der Coffee Circle Cerrado Omniroast sowie der Murnauer Nossa Senhora. Beide stammen vom gleichen Ort (Minas Gerais) und haben recht ähnliche geschmackliche Merkmale – was nicht zuletzt an der Varietät Mundo Novo liegt.

Murnauer Nossa Ueberblick

Brasilianer bezeichne ich gern als vorlaute und herausfordernde Kaffees, die keine halben Sachen machen. Sie können sowohl säurebetont als auch knallsüß oder mega schokoladig sein, liefern also immer ordentliche Anreize für die Geschmacksnerven. Andersherum gilt: Kommt euch ein reiner Brasilianer irgendwie Blah vor, stimmt da was nicht!

Für mich ist kolumbianischer Kaffee ein Synonym für schokoladig-kräftige Kaffeebohnen mit ordentlich Wumms und reichlich Süße. Anders gesagt könnte man auch von Oldschool-Style sprechen. Wie das mit modern-leichtem Einschlag funktioniert, zeigt euch der Martermühle Colombia Kaffee.

Diese wichtige Kaffeenation ist für mich meist entweder ein Lieferant von „Ergänzungsbohnen“ für Blends, oder ein Trigger-Wort für einen Hass-Artikel. Denn aus Indonesien stammt der berühmte „Katzenkaffee“ Kopi Luwak, bei dem ihr viel Geld für Tierquälerei zahlt.

Kaffeesorte Kopi Luwak - Katzenkaffee

Ist das eine gerechte Einordnung von mir? Natürlich nicht. Schließlich gibt es mit Java und anderen legendären Kaffee-Orten genug Argumente für Indonesien. Allerdings habe ich das Gefühl, dass indonesischer Kaffee ein wenig in der Vergangenheit lebt und sich auf seine Legende beruft, dabei aber nicht (mehr) konstant abliefert.

Stilechter indonesischer Kaffee, der mich vom Hocker gehauen hat, ist mir jedenfalls lange nicht untergekommen. Das dürft ihr gern ignorant nennen. Oder mir Vorschläge machen, welche modernen Indonesier ich unbedingt mal testen sollte!

Es ist kein Geheimnis, dass äthiopischer Kaffee mein absoluter Favorit ist. Für mich geht nichts über die elegante und facettenreiche Säure, die mit viel Frucht und jeweils eigenen stilistischen Ergänzungen aus dem Ursprungsland des Kaffees kommt. Je heller und tee-artiger, desto besser.

Äthiopien – bzw. Ostafrika allgemein – ist Dreh- und Angelpunkt der Third Wave und damit eine Region, in der sich besonders viele neue Kooperativen und Social Entrepreneurs der Kaffeewelt engagieren.

Ich weiß gar nicht, welchen Äthiopier ich euch als erstes ans Herz legen soll. Ich liebe den Silichio von Elephantbeans und feiere die Varianten von Wood Grouse Coffee. In dieser Hinsicht teste ich aber so viel, dass ich mich schwer entscheiden kann.

Silichio Kaffee Aethiopien Angaben

Auch Honduras ist für mich häufig ein Lieferant von „Ergänzungsbohnen“, dieses Mal allerdings mit positivem Einschlag. Kaffee aus Honduras erzeugt im Allgemeinen eine wunderbare Cremigkeit, die anderen Bohnen schnell abgeht.

Außerdem ist er für den geringen Säureanteil und eine ziemlich erfreuliche Süße bekannt. Insgesamt ist Kaffee aus Honduras eine mittelpräsente Angelegenheit, die sich deswegen perfekt für den Alltag und als Omniroast eignet.

Wie das im Idealfall aussehen und schmecken sollte, konnte ich bei unserem großen Koffein Test sehr genau überprüfen. Denn ich habe den Flying Roasters Pezcadito Microlot aus einer Kooperative in Honduras auf 15 verschiedene (!) Arten getrunken. Und jede hat funktioniert.

Projekt Koffeinkick fertige Proben nah

Die Ernte des Pezcadito ist immer schnell vergriffen. Darum solltet ihr euch eure Packungen sichern, wenn ihr auf einen vielseitigen, nicht zu vorlauten Kaffee steht.

Peruanischer Kaffee ist ein wenig der Gegenentwurf zu Kaffee aus Honduras: Typischerweise liefert er eine recht spritzige Säure und weniger Süße, präsentiert sich aber genauso mittelkräftig.

Folgerichtig funktioniert auch Kaffee aus Peru als Omniroast. Ein aktuelles Beispiel, das ich im Test sehr gelungen fand, ist der Happy Coffee Puno.

Geht es nur mir so, oder ist Kaffee aus Guatemala eine Selbstverständlichkeit, die irgendwie immer mitzulaufen scheint? Aber wenn ihr euch an einen reinen Single Origin erinnern sollt, wird’s schwierig? Keine Ahnung, warum das so ist.

Eine Note, die für dieses Herkunftsland immer wieder genannt wird, ist „rauchig“. Das klingt schwierig, macht aber deutlich, dass der Geschmack sehr eigen ist. Freundlicher formuliert liefert Kaffee aus Guatemala reichlich Würze ab. Auf jeden Fall geht’s hier kräftig zur Sache.

So oder so kann dieser Charakter überzeugen oder abstoßen. Überzeugend ist er auf jeden Fall beim Martermühle Kaffee Guatemala. Ohne Rauch, dafür mit viel Schokolade und Kraft überzeugt auch der Green Cup Tempixque Antigua Guatemala.

Kaffeebohnen Test Handfilter

Ich habe noch längst nicht alle berühmten bzw. wichtigsten Kaffeeländer durch. Vietnam zum Beispiel ist der größte Robusta-Lieferant der Welt, damit aber eher ein Fall für den Espressobohnen Test.

Im Kaffeebohnenbereich halte ich Kenia für ein Land, dass ihr in der Tasse unbedingt näher kennenlernen solltet. Kaffee aus Kenia nimmt die typisch äthiopischen Noten und malt sie in kräftigen Farben mit dunkleren Schattierungen an.

Wie das teilweise herausragend und einzigartig wird, zeigt der mehrwert kaffee Test. Ein kenianischer Klassiker ist für mich auch der Kiganjo von CrossCoffee aus Bremen.

Kaffee Test Mehrwert Wikiendi Ueberblick

Indien hat für mich ein wenig einen „problematischen“ Beigeschmack, weil es sich sein Image mit dem Hype um den Monsoon Malabar versaut. Denn der angeblich vom Tropenregen veredelte Kaffee existiert in dieser Form gar nicht, wird aber in dieser Form für teuer Geld verscheuert.

Zieht man dies ab, bleibt in Reinform meist ein sehr schwachbrüstiger Kaffee zurück, der nicht so richtig zünden will. Darum ist indischer Kaffee in Blends meist am besten aufgehoben, wo er ihnen die Schwere nimmt. Ein etwas durchwachsenes Beispiel für diese Einschätzung liefert euch der Test des Fortezza Kaffee Indien.

Fortezza Ueberblick

Costa Rica ist für alle interessant, die Kaffeebohnen aus dem Honey Processing Verfahren lieben – also mit intensiver Süße, Kirsche und einem Stil, der das rein Tee-artige in der Third Wave langsam abzulösen scheint. Schöne Argumente dafür liefert zum Beispiel der Monday Morning Blues von Mare Kaffee.

Es gibt noch einen Haufen weiterer Länder, die in dieser Liste fehlen. Mexiko zum Beispiel. Oder Uganda. Aber da der Kaffeebohnen Test ein „Work in Progress“ ist, könnt ihr euch sicher sein, dass ich bald die gesamte Kaffee-Weltkarte abbilden kann.

Aufbereitung: Wischiwaschi-Angabe oder wichtig?

Ich gebe zu, dass ich die Fakten zur Aufbereitung der Kaffeebohnen meist unkommentiert in den formalen Angaben stehen lasse und mich darauf verlasse, dass ihr schon wisst, was ihr da lest. Das ist natürlich die falsche Herangehensweise.

Darum habe ich für euch einen ausführlichen Artikel zu den verschiedenen Formen der Kaffeeaufbereitung erstellt.

An dieser Stelle sei so viel gesagt: Zwischen einem natural und einem washed (den beiden Enden der Aufbereitungsskala) besteht ein himmelweiter Geschmacksunterschied. Sehr vereinfacht gesagt, holt die Nassaufbereitung die Säure nach vorne und bildet den „Landescharakter“ genau ab, während die natürliche (Trockenaufbereitung) für reichlich Süße und sehr fruchtig-blumige Akzente steht.

Viele gute Röstereien können diese Gegensätze hervorragend in ihrem Angebot abbilden. Ans Herz legen möchte ich euch da zum Beispiel den Quijote Kaffee aus Hamburg.

Röstprofil: Was will uns der Dichter damit sagen?

Ich habe mir angewöhnt, das Röstprofil immer mit anzugeben, wenn es auf der Packung oder in der Beschreibung der Kaffeebohnen steht. Denn mit Begriffen wie Light Roast oder Medium Roast teilen uns die Röster durch die Blume mit, was ihr von den Kaffeebohnen erwarten könnt.

Allgemein gilt: Je heller, desto blumiger-frischer.

Und es gilt: Je heller, desto Filter. Natürlich ist es genauso möglich, sehr helle Kaffeebohnen in den Vollautomaten zu werfen oder besonders dunkle Varianten mit dem Handfilter aufzubrühen.

Das kann gut gehen, ist aber meist eine recht schmerzhafte Geschmackserfahrung. Die von mir schon öfter erwähnten Omniroasts als goldene Mitte können theoretisch alle Zubereitungsmethoden abbilden.

Hier beweisen die Röster meist, ob sie es schaffen, solche Röstungen vor der Beliebigkeit zu bewahren. Gelungen ist dies auf jeden Fall beim Coffee Circle Cerrado.

Coffee Circle Cerrado und Gayo Espressobohnen Vergleich close

Andersherum kann die Angabe des Röstprofils auch ein Schuss ins eigene Bein sein. Denn wenn euch der Röster helle Noten verspricht und dann ein dunkles, scheckiges Bohnenbild abliefert, senkt das eure Meinung über den Röstmeister garantiert.

Zubereitungsempfehlung: Der Vollautomat ist etwas geschummelt

Mit den Zubereitungsempfehlungen mancher Hersteller habe ich immer dann meinen Spaß, wenn Quatsch wie „speziell für Kaffeevollautomaten entwickelt“ auf der Packung steht. Das gilt meist nur für Supermarkt-Kaffee, wo man die Käufer offensichtlich für Idioten hält.

Ich wiederhole mich gern tausendfach: Reinen „Vollautomatenkaffee“ gibt es nicht!

Tchibo Esperto Caffè Kaffee Crema Arne

Im Allgemeinen sind solche Röstungen tendenziell Espressobohnen, also dunklere Varianten. Denn der Vollautomat imitiert das Siebträgerprinzip so gut es geht, verbindet es jedoch mit einer eigenen Mechanik.

Typische Kaffeebohnen eignen sich für die Kaffeemaschine (gerne mit Mahlwerk), den Handfilter, die Chemex, die French Press oder auch die Karlsbader Kanne. Wird der Vollautomat in einem Atemzug mit diesen Brühmethoden genannt, dann reden wir wieder von einem Omniroast.

Gastroback 42706 Design Brew Advanced Kaffee fertig Tasse Arne

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ihr den Empfehlungen der Röster vorbehaltlos trauen könnt. Erst, wenn gar keine Angaben vorhanden sind, gehen bei mir die Fragezeichen an. Denn dann ist zu bezweifeln, dass sich der Röster mit seinem Produkt beschäftigt.

Röstdatum: Gibt’s die auch in frisch?

Zum Röstdatum als Qualitätskriterium habe ich mich schon an vielen Stellen abgearbeitet. Zum Beispiel im Aufsatz Kaffeedose oder Tüte?, in dem es um die richtige Lagerung geht. Oder in unserem Kaffeemarktplatz-Test, wo ich anhand des Röstdatums die Frage geklärt habe, wie frisch der Kaffee von der Plattform wirklich ist.

Kaffeemarktplatz Test Arne Coffeeness

Tatsache ist: Frischer Kaffee ist ein Muss. Das Röstdatum, wenn es denn angegeben wird, sollte möglichst nah am Kaufdatum liegen. Ist das Röstdatum nicht angegeben, gibt das von mir immer Punktabzug.

Ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist lebensmittelrechtlich Pflicht, nur leider lässt sich daraus nicht immer das Röstdatum ableiten. Zwar benutzt die Speciality-Szene gern die Formel „MHD – 12 Monate = Röstdatum“. Doch viele Anbieter leisten sich hier eigene Berechnungen.

Erscheinen euch die Angaben spanisch, schickt einfach eine Mail an den Support. Ich habe das schon öfter gemacht und herausgefunden, dass viele Röster bereitwillig Auskunft geben. Meistens ist ihnen einfach nicht bewusst, dass sie mit ihrem MHD Verwirrung stiften.

Wie ich Kaffeebohnen teste: und was ihr davon habt

Klar, Kaffee ist Geschmacksache. Doch es ist erstaunlich, wie weit sich dieser Geschmack bzw. der Eindruck eines Kaffees objektivieren lässt. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.

Hätte ich auch nur irgendeinen Funken wissenschaftlichen Anstands im Leib, würde ich diese Objektivierbarkeit in Tasting-Skalen mit Zahlenwerten übersetzen.

Das würde mich aber in ein Korsett pressen und euch nichts bringen. Was hilft uns eine Einordnung wie Säure = 7 oder Frucht = 3,5? Nüscht. Als Blogger ist es meine Aufgabe, objektive Kriterien möglichst anschaulich näherzubringen.

Wie ich das mache, erkläre ich im Folgenden. Anhand dieser Notizen könnt ihr auch für eure eigenen Kaffeebohnen Tests trainieren und euch nach und nach einen feineren Geschmackssinn zulegen. So bin ich auch vorgegangen.

Bohnenbild: Der schmale Grat zwischen Natur und Fehler

Die Natur macht keine Fehler, der Mensch schon. Doch manchmal sieht das eine aus wie das andere. Das Bohnenbild einer Röstung beschreibe ich immer sehr genau und gehe mit der Kamera ganz nah ran.

Kaffee Test Mehrwert Wikiendi Bohnenbild

Denn je regelmäßiger die Größe, Farbe, Form und Oberfläche der Bohnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Röster die optimalen Bohnen ausgewählt und sie besonders schonend geröstet hat.

Dieses Idealbild ist allerdings recht selten. Selbst hochwertige Röstungen haben Farbabweichungen oder liefern einen gewissen Anteil an Bruch mit. Das kann ich jedoch gut verknusen, solange das Gesamtbild sauber ist und die Fehler nicht überhandnehmen.

Kurzen Prozess mache ich aber mit Bohnen, wenn sie

  • offensichtlichen Schädlingsfraß aufweisen (Löcher in den Bohnen)
  • in Größe, Form und Farbe erheblich voneinander abweichen
  • sich sehr leicht und trocken anfühlen (Hinweis auf alte Bohnen)
  • farblich vom angestrebten Röstprofil/den Zubereitungsempfehlungen weit entfernt sind
  • eine sehr stumpfe oder sehr fettige Oberfläche besitzen
  • mehr Bruch als alles andere in der Tüte ist

Wie sowas aussehen kann, könnt ihr euch in allen Schattierungen im Supermarkt-Kaffee Test anschauen. Ein überzeugendes Bohnenbild könnt ihr zum Beispiel im Testbericht zur Tegernseer Kaffeerösterei anschmachten.

Santa Rosa Kaffeebohnen

Geruch: An der Nase herumgeführt

In meiner Analyse zu schwarzem Kaffee beschäftige ich mich intensiv damit, warum Kaffee schmeckt, wie er schmeckt. Die eigentliche Hauptarbeit erledigt die Nase – auch beim Schmecken.

Darum schnüffele ich eine Weile an den ganzen Bohnen, den gemahlenen Bohnen und dem fertigen Kaffee herum, bevor ich den ersten Schluck nehme.

Bohnen riechen Arne

Denn bevor die Zunge das Kommando übernimmt und eher basale Geschmackseindrücke wie bitter und süß ans Gehirn weiterleitet, soll meine Nase die Feinheiten klären. Häufig wird die Besonderheit eines Kaffees hauptsächlich im Geruch deutlich.

Anders als bei gutem Tee setzt sich dieser Geruch meist nur schwer beim Trinken fort, weil die Zungeneindrücke so mächtig sind. Aber allein der Geruch reicht schon aus, um immer wieder zu diesen Kaffeebohnen zurückzukehren.

Das gelingt zum Beispiel dem Elbgold Mischgold hervorragend, der nach einer ganzen Vitrine voller Desserts duftet. Der Geschmack ist zwar platter, doch die Nase weckt immer wieder Freude auf den nächsten Schluck.

Andersherum kann ein stechender oder gummiartiger Geruch auch dafür sorgen, dass ihr den Kaffee überhaupt nicht trinken wollt. Mal wieder sind die Supermarktröstungen darin Spezialisten. Aber auch ein etwas muffig-staubiger Eindruck, wie er beim Solino Harar entstanden ist, sorgt für weniger gute Noten.

Geschmack und Säure: Lebendiger Widerspruch

In diesem Punkt widersprechen sich viele Tests. Auch weichen sie häufig von den Tasting-Angaben des Rösters ab. Das ergibt Sinn. Schließlich kann man nicht davon ausgehen, dass etwa der Penya Valley Estate von Huber Kaffee für euch genauso nach Weihnachtsstollen schmeckt wie für mich.

Ich gebe mir immer sehr viel Mühe, den Geschmackseindruck so konkret wie möglich in Worte zu fassen. Also etwa nicht nur „Schokolade“ zu schreiben, sondern einen Unterschied zwischen „Zartbitter“ und „Vollmilch“ zu machen.

Eine Fruchtnote ist nicht nur hell oder rot, nicht nur Beere oder Steinobst, sondern ein Pfirsich, eine Brombeere oder sogar ein kandierter Apfel.

Das Schöne an solchen Zuschreibungen ist: Unser Gedächtnis speichert den zugrundeliegenden Geschmacks- bzw. Geruchseindruck detailliert ab und ruft ihn auf, sobald wir ein bestimmtes Trigger-Wort hören.

Wenn ich etwa davon rede, dass ein Kaffee schmeckt, als dürftet ihr die Teigschüssel nach dem Plätzchenbacken mit Oma auslecken, geht es in eurem Hirn heftig ab. Ihr wisst (hoffentlich) sofort, welchen Geschmackseindruck die Bohne erzeugt.

Eiskaffee mit Zitrone

Beim Thema Säure gehe ich etwas schematischer vor, weil sich hier simple Unterscheidungen finden lassen. Säure kann zitrisch, blumig, fruchtig, frisch oder auch widerlich sein. Ich persönlich treffe häufig noch die Einordnung „warm“ oder „kalt“, weil sich Säure tatsächlich verschieden anfühlen kann.

Einen ziemlich ausführlichen Ausflug in das „Temperaturverhalten“ von Säure habe ich im mehrwert kaffee Test unternommen.

Körper und Mundgefühl: Starker Auftritt oder Luftnummer?

Wenn ich sage, ein Kaffee fühlt sich samtig oder eckig, spitz oder breit, schmal oder stechend an, wisst ihr damit ziemlich schnell etwas anzufangen. Denn beim Körper- und Mundgefühl geht es um ähnliche Eindrücke wie beim Berühren von Texturen und Oberflächen.

Verantwortlich dafür sind die elementaren Bestandteile der Kaffeebohne, die wir in der Zubereitung herauslösen. Bitterstoffe, Öle und Säuren provozieren eine direkte Reaktion der sensiblen Mundschleimhaut.

Da unsere Zunge verschiedene Grundeindrücke wie sauer oder salzig an verschiedenen Stellen unterschiedlich intensiv wahrnimmt, entsteht bei jedem Schluck eine sehr genaue Gefühlskarte, mit der sich der Kaffee im Mund breitmacht – oder eben nicht.

Ich finde allerdings, dass es in dieser Hinsicht kein perfektes Beispiel und nur sehr wenige Totalausfälle gibt. Denn je nach Tagesform wollt ihr einen muskelbepackten Kaffee mit reichlich Action im Mund, habt Lust auf das Kitzeln von Säure oder wollt einfach sanft geweckt werden.

Schwarzer Kaffee trinken Arne

Nur, wenn absolut gar nichts im Mund passiert, solltet ihr die Bohnen wechseln.

Abgang und Nachhall: ICE oder freundlicher Gruß?

Ein langer Abgang und Nachhall sind im Allgemeinen erstrebenswert. Denn das bedeutet, dass euer Kaffee ordentlich Charakter hat. Wie auch immer der aussieht.

Auf der anderen Seite will nicht jeder noch ewig nach dem Trinken an seinen Kaffee erinnert werden – vor allem, wenn er nicht so überzeugend ist.

Im Test zum Fortezza Länderkaffee habe ich festgehalten, dass der Kaffee durch den Mund rauscht wie ein ICE durch den Bahnhof Wolfsburg – ohne Halt und Spuren. Das finde ich genauso schlecht, als wenn eine Rumpelröstung noch lange mit eckigen Bitterstoffen im Rachen hängt.

Fortezza Close Up Front

Abgang und Nachhall müssen daher perfekt zum Thema des Kaffees passen und sollten weder dem Geruch, dem Geschmack noch dem Mundgefühl widersprechen. Denn mit dem letzten freundlichen Gruß kann eine Kaffeebohne dafür sorgen, dass sie euch im Gedächtnis bleibt und ihr sie erneut kaufen wollt.

Auch wenn der Preis recht stolz ist, liefert die Tegernseer Kaffeerösterei (nicht nur) in dieser Hinsicht perfekt komponierte Gemälde, bei denen ihr merkt, wie sorgfältig alles komponiert ist.

Für wen ist der Kaffee geeignet? Kategorien für jeden Genießer

Ich glaube, dass es die Aufgabe eines Testers ist, so nah wie möglich am Alltag des Konsumenten zu sein. Er muss alles dafür tun, dass dieser sofort weiß, ob die Kaffeebohne zu ihm passt oder nicht.

Hier noch ein tolles Video der Kollegen von „Kaffeemacher“  mit 3 Tipps zur Kaffeeauswahl.

Darum habe ich es mir in den vergangenen Jahren zur Aufgabe gemacht, meine Kandidaten im Kaffee und Espresso Test in Kategorien einzusortieren. Diese Kategorien gehen über die Zubereitung hinaus und entfernen sich bewusst von typischen Profi-Standards.

Denn für mich steht zum Beispiel außer Frage, dass nicht jeder Kaffee ein bombastisches Produkt sein muss, dass euch vom Hocker reißt.

Ziemlich häufig sucht ihr gute Alltagskaffees, die leisere Töne anschlagen und euch morgens nach dem Aufstehen nicht sofort mit ihrer Großartigkeit anbrüllen. Das kann nämlich auch stressen. Ein blitzsauberer Alltagskaffee ist zum Beispiel der Elbgold Mischgold.

Elbgold Mischgold Kaffeebohnen Uebersicht

Dann wiederum habt ihr das Problem, dass ihr eine bestimmte Stilrichtung bei Kaffee besonders liebt, während sich eure Gäste regelmäßig schütteln, wenn ihr diesen Stil auftischt. Auftritt für Kompromisskaffees wie von Martermühle. Sie binden unterschiedliche Facetten zusammen, ohne dass sich ein Genießer auf den Schlips getreten fühlt.

Über Jahreszeitenkaffees als eigene Kategorie habe ich mir erst jüngst genauer Gedanken gemacht. Dabei ist diese Einordnung fast zwingend logisch und wurde von mir unterschwellig schon oft benutzt.

Im Sommer brauche ich Leichtigkeit und Erfrischung. Am besten in Form eines Cold Brews. Gerade viele zarte Äthiopier und die seltenen guten Inder beherrschen diesen Stil im Schlaf. Schon etwas in Richtung Spätsommer geht es für mich zum Beispiel beim Elephantbeans Silichio.

Silicho Kaffee Brew

Im Herbst will ich mich mit etwas Wohligem einkuscheln, das aber immer noch ein sonniges Gemüt hat. Der Kushukuru von mehrwert kaffee ist für mich hier momentan das Maß aller Dinge.

Und im Winter? Da möchte ich es schokoladig, warm, süß und anheimelnd. Das allerdings können die Espressoröstungen besser. Doch ihr seht: Jede Jahreszeit hat ihren Kaffee!

Weniger Hauptkategorie als geschmacklicher Unterpunkt sind für mich Yogurette-Kaffees, die keinen Hehl aus ihrem Süßigkeiten-Vorbild machen. Sie bilden einen ganzen Korb voller roter Früchte ab, ballern Schokolade hinterher und runden das Ganze mit einem entschiedenen Klecks Creme ab.

Noch nicht offiziell getestet, aber im gesamten Coffeeness-Team beliebt, ist der Fire Finch von Flying Roasters, der diese Kategorie für mich momentan offiziell anführt.

Wollten wir vom Markennamen wegkommen, könnten wir diese Kategorie auch getrost (und bescheuert) als Schlemmer- oder Gourmand-Kaffees (nach der Duftrichtung bei Parfums) bezeichnen. Welche Wortfindung findet ihr besser?

Außerdem bin ich hier sehr neugierig, wer von euch weitere Röstungen kennt, die diesen Stil ausgeprägt fahren. Denn ich merke, wie begeistert die Leute sind, sobald ich ihnen eine solche Röstung vorsetze. Ich möchte abseits meiner Tee-Stil-Liebe in dieser Richtung mehr vorstellen.

Kaffeebohnen im Barista Test

Apropos: Natürlich sind und bleiben Tee-Kaffees eine Hauptkategorie in meinem Kaffeebohnen Test, weil ich das Zart-Blumige einfach zu sehr genieße. Aber ich bin mehr als offen dafür, von euch noch weitere Kategorievorschläge zu erfahren.

Fairtrade, Bio, Direkthandel: Was wirklich zählt

Sagen wir es so, wie es ist: Nachhaltiger Konsum ist ein unauflöslicher Widerspruch. Sobald wir ein Produkt kaufen, das nicht direkt vor unserer Haustür wächst, schaden wir der Umwelt. Darum gibt es in diesem Sinne auch keinen „nachhaltigen Kaffee“ – siehe den langen Weg jeder Kaffeebohne.

Dennoch besteht ein himmelweiter Unterschied zwischen 08/15-Bohnen aus der Standardtüte und Varianten, die nach fairen, ökologischen und sinnvollen Handelsprinzipien hergestellt wurden. Das Problem dabei:

Weil wir als Konsumenten schnell erfassbare Anker benötigen, damit wir diese Kaffees im Regal sofort erkennen, gibt es einen Wildwuchs an Siegeln, Initiativen und Zertifikaten. Und nicht alle halten, was sie versprechen.

Eines dieser zweischneidigen Siegel ist Fairtrade. Es steht für Kaffeebohnen, die unter sozial-ökologisch angemessenen Bedingungen produziert werden und den Kaffeebauern mehr Geld für ihr Produkt bringen. „Fairtrade“ – also fairer Handel – ist zwar ein allgemeines Prinzip, doch Fairtrade als Siegel ist ein Zertifikat, für das der Träger Geld zahlen muss. Und zwar nicht zu knapp.

Dennoch hat dieses Zertifikat inzwischen ein ähnliches Image wie das Bio-Siegel. Im Jahr 2018 betrug der Umsatz mit Fairtrade-Produkten in Deutschland laut Dachorganisation 1,6 Milliarden Euro. Kaffee hatte daran einen Anteil von rund 20.000 Tonnen. Der Konsum ist zwischen 2012 und 2017 um 177 Prozent gestiegen.

Ähnlich gut geht es auch dem Bio-Siegel: Laut einer großen Umfrage betrug der Anteil von Biokaffee am täglichen Kaffeekonsum in Deutschland im Jahr 2018 rund 31 Prozent – ein Zuwachs von 11 Prozent seit 2011. Und natürlich wird auch für das Bio-Siegel sehr viel Geld fällig.

Neben diesen zwei großen Zertifikat-Prinzipien gibt es auch noch zig andere Siegel, die vorrangig von der Industrie selbst aus der Taufe gehoben wurden. Eine sehr gut funktionierende „Marke“ ist Rainforest Alliance. Auch UTZ stammt von einem Kaffeeröster aus den Niederlanden.

Zwischen Verbraucher und Industrie hat sich dabei eine stillschweigende Übereinkunft etabliert: Je mehr Siegel eine Tüte Kaffeebohne hat, desto besser scheint das Produkt für Umwelt und Mensch – und desto beruhigter können wir es kaufen. Gerne auch zum höheren Preis.

Nicht umsonst sehen viele Supermarkt-Kaffee-Tüten aus wie Litfaßsäulen mit Siegelwerbung. Doch mal Hand aufs Herz: Wisst ihr, welche Maßstäbe diese Siegel anlegen? Interessiert es euch überhaupt? Hat das Siegel nicht nur den Zweck, das Gewissen zu besänftigen?

Das sollte euch insbesondere deshalb durch den Kopf gehen, weil sich viele kleine Kaffeebauern, die nach Standards weit über den Siegel-Messlatten produzieren, diese Siegel nicht leisten können. Gleiches gilt für kleine Röstereien am anderen Ende dieser hochwertigen Lieferketten.

Wenn ihr mich fragt, gibt es für diesen Widerspruch nur zwei Lösungen. Erstens: Ignoriert jedes einzelne (!) dieser Siegel. Achtet darauf, dass der Röster die Herkunft seiner Bohnen genau benennen kann und sie direkt vom Bauern bezieht. Dieser Direkthandel ist zwar auch kein Garant für absolute Fairness, erhöht aber die Chancen weitaus mehr als ein gekauftes Siegel.

Zweitens: Wendet euch nur an Röster, die absolut transparent mit ihrer Beschaffungs- und Wertschöpfungskette umgehen. Was noch vor kurzem mühselig war, ist nun dank der Initiative The Pledge saueinfach geworden.

Es gibt kein Siegel, kein Unterstützer muss Geld zahlen, sondern einfach nur den Code einhalten. Das aber rigoros. Dieses Konzept geht auf, denn immer mehr Röstereien auf der ganzen Welt machen mit.

Aus Deutschland wären neben meinen Lieblingsröstereien wie Wood Grouse Coffee, Elephantbeans oder Flying Roasters auch Mokuska Caffè zu nennen, die sich auf dem Berlin Coffee Festival 2019 als Ultrasympathen mit superschnuckeligem Kaffee herausgestellt haben.

Coffee Festival 2019 Plakat

Allerdings hat auch The Pledge einen „Haken“: Weiterhin seid ihr als Kaffeebohnenkäufer in der Pflicht, euch mit den Inhalten des jeweiligen Transparenzberichts zu beschäftigen und ihn gegebenenfalls zu hinterfragen.

Denn auch The Pledge enthebt euch nicht von der Verantwortung, dass ihr mit eurem Konsum festlegt, was Kaffeebauern für ihre Arbeit bekommen und unter welchen Umständen euer morgendlicher Koffeinkick produziert wird.

Einfacher gesagt: Nur, weil ein Röster einen Transparenzbericht abliefert, heißt das nicht, dass die Zahlen darin dem Ideal entsprechen! Allerdings könnt ihr euch zumindest sicherer sein, dass Pledge-Röstereien wesentlich näher am Ideal liegen als Industriemischen, die sich ein Rainforest Alliance-Siegel auf die Front klatschen.

Mit Pingo und Katze von Quijote Kaffee habe ich mich zum Interview über dieses Thema getroffen. Schaut euch gerne das Video Was ist „The Pledge“ und warum ist Transparenz im Kaffeehandel so wichtig? an:

Auch der Frage, ob Biokaffee nun wirklich ökologisch vertretbarer Kaffee bedeutet, bin ich einmal intensiv nachgegangen. Lest dazu meinen Text Biokaffee – sinnvoll oder Verbrauchertäuschung?

Rund um einen Faktor, der bei Kaffee unheimlich wichtig ist, aber meistens unter den Tisch fällt, habe ich mich mit der Frage „Wie viel Wasser verbraucht Kaffee?“ beschäftigt. Und erschreckende Antworten gefunden.

Kaffeebohnen zubereiten: Alle Zeit der Welt

Es mag zum Teil an den falschen Assoziationen zum Wörtchen Espresso liegen, dass ich helle Kaffeebohnen lieber mag. Denn für mich ist die Zubereitung eines Kaffees eine meditative Angelegenheit, für die ich mir gern alle Zeit der Welt nehme. Üblicherweise setze ich auf eine von drei Zubereitungsmethoden:

  • Handfilter
  • Chemex
  • French Press

Handfilter und Chemex sind praktisch dasselbe: Ihr gebt wohltemperiertes Wasser in langsam kreisenden Bewegungen auf mittelkörniges Kaffeemehl; das Tassenergebnis entsteht durch eine Filterung mit dem Medium Papier. Beide Methoden sind Pour Over-Varianten.

Handfilter Barista Arne

In der French Press als Full Immersion-Gerät schwimmt das Kaffeemehl direkt im Wasser, die Extraktion erfolgt also ohne Medium. Nach der Ziehzeit von ca. 4 Minuten „fischt“ ihr die Kaffeekrümel mit dem Siebeinsatz nur noch aus dem Getränk.

Beide Methoden holen jeweils ganz unterschiedliche Facetten aus der Kaffeebohne. Viele von euch bevorzugen die French Press, weil sie so einfach und schnell zu bedienen ist und ein Full Immersion-Kaffee von Natur aus viel Präsenz zeigt.

Ich liebe traditionell den Handfilter, weil das Medium Papier einen Kaffee produziert, in dem auch Aromen und Nuancen schmeckbar sind, die sonst eher untergehen. Die Kehrseite der Medaille: Das Ganze dauert seine Zeit, die sich viele von euch nicht nehmen möchten.

Darum sind Kaffeemaschinen auch so beliebt. Auch wenn sie meistens grobschlächtig ans Werk gehen. Top gelöst haben das allerdings der Klassiker Moccamaster oder die clevere Neuerfindung Beem Basic Selection Pour Over. Sie kann tatsächlich als „automatisierter Handfilter“ bezeichnet werden.

Beem Basic Selection Pour Over Ueberblick Arne

Bei solchen Helfern (und auch bei Handfilter und French Press) habe ich eine klare Forderung: Mahlt den Kaffee frisch oder lasst es gleich bleiben!

Schon aus diesem Grund bin ich im Großen und Ganzen ein Fan der Kaffeemaschinen mit Mahlwerk, weil sie das Problem Kaffeemühle lösen. Allerdings wird hier (noch) viel Murks produziert, auch wenn etwa die Beem Fresh Aroma Perfect Superior sehr gute Ergebnisse abliefert.

Viele Kaffeebohnen – insbesondere die Omniroasts – werden auch für Kaffeevollautomaten empfohlen. Doch wenn es sich vermeiden lässt, nutze ich sie nicht für die Tests.

Das hat einen simplen Grund: Vollautomaten arbeiten näher am Prinzip Espressomaschine als am Prinzip Handfilter. Insbesondere facettenreiche hellere Röstungen verlieren im Vollautomaten viel von ihrer Vielseitigkeit.

Philips 3200 Latte Go Espresso nah

Das ist allerdings nur mein Geschmack bzw. ein Standard, den ich für mich selbst anlege. Wenn ihr Bock auf Kaffeebohnen aus dem Vollautomaten habt, dann nur zu. Vergesst aber nicht: Kaffeebohnen für den Kaffeevollautomaten gibt es nicht. Egal, was euch die Hersteller erzählen!

Und noch ein Tipp: Je heller die Röstung ist, die ihr im Vollautomaten oder der Kaffeemaschine mit Mahlwerk zubereiten möchtet, desto gröber solltet ihr den Mahlgrad stellen. „Gröber“ meint in diesem Fall aber einfach nur „nicht so fein wie für Espressobohnen“ – nicht Kiesgrube!

Unterschied Kaffee und Espresso: Zwei Seiten des gleichen Produkts

Es fällt mir meistens sehr schwer, klare Grenzen zwischen dem Kaffeebohnen- und dem Espressobohnen Test zu ziehen. Denn wo der Kaffee aufhört und der Espresso anfängt, ist bei immer mehr Testkandidaten Einstellungssache. Das zeigen insbesondere Omniroasts als Bohnen, die sich (theoretisch) für alle Zubereitungsmethoden eignen.

Das kann natürlich nach hinten losgehen, wenn bei allen Varianten nur Blabla in der Tasse landet. Oder das funktioniert ausnehmend gut, wie ihr im Koffein Test sehen könnt. Auch der Coffee Circle Cerrado ist ein gelungenes Beispiel.

Keine Frage gibt es allerdings, wenn Robusta Teil der Mischung ist. Als ausgeprochene Espressobohne liefert sie unter anderem viel Wumms und eine stabile Crema. Als klassischer Filter funktionieren solche Versionen definitiv nicht.

Guter Espresso aus der Silvia

So oder so gilt: Der Unterschied zwischen Kaffee und Espresso entsteht praktisch ausschließlich im Röstvorgang. Je länger die Bohne röstet, desto mehr wird sie zum Espresso. Davor ist eine Bohne einfach eine Bohne.

Ich finde, hier solltet ihr euch auf die Zubereitungsempfehlungen der Röster verlassen. Sie müssen schließlich wissen, was die richtige Überschrift für ihren Kaffee ist.

Was ist gesünder: Kaffeebohnen oder Espressobohnen?

Ginge es nur nach mir, würden wir nie wieder ein Wort über Chlorogensäure oder die Frage Ist Kaffee gesund? verlieren. Denn keiner hat darauf eine definitive Antwort, die Wissenschaft findet ständig neue Aspekte heraus.

Sicher sind nur wenige Dinge. Je länger eine Kaffeebohne geröstet wird, desto weniger Chlorogensäure befindet sich darin. Und die Chlorogensäure kann bei manchen Menschen Magenbeschwerden auslösen. Rein unter diesem Aspekt – und nur unter diesem Aspekt – sind Kaffeebohnen also etwas schwieriger als Espressobohnen.

Aber: Mit einer langsamen, schonenden Röstung und einem Röstmeister, der sein Handwerk versteht, sind beschwerdeauslösende Faktoren auch in hellen Kaffeebohnen nicht zwingend ein Thema.

Der Wassertrick im Supermarkt

Im Zusammenhang mit Supermarkt-Kaffee möchte ich euch noch auf einen kleinen Zaubertrick hinweisen, der ebenfalls ziemlich deutlich macht, warum ich Industriekaffee so verabscheue.

In der Verordnung über Kaffee, Kaffee- und Zichorien-Extrakte wird vom Gesetzgeber festgehalten, wie viel Wasser pro Kilogramm Röstkaffee enthalten sein darf. Die Obergrenze liegt bei 5 Prozent.

Je dunkler Kaffeebohnen geröstet werden – und das ist bei den bummsdunklen Mischungen aus dem Turboröster immer der Fall –, desto mehr Wasser geht in der Bohne verloren.

Weniger Wasser heißt weniger Gewicht. Und das wiederum würde bedeuten, dass die Hersteller mehr Kaffee in ihre Tüte füllen müssen, um die angegebene Menge zu erreichen. Aber das würde ihren Gewinn bei einem Kilopreis von vielleicht sechs Euro empfindlich schmälern.

Bei einem Naturprodukt wie Kaffeebohnen können wir davon ausgehen, dass der Wassergehalt unterhalb der Obergrenze schwankt. Logisch, oder? Doch Supermarkt-Kaffees schaffen immer die Punktlandung und liefern 5 Prozent Wassergehalt.

Zauberei? Neee, eher (legaler) Trick: Kommen die Bohnen aus dem Röster, müssen sie kühlen. Wo echte Röstereien auf kalte Luft setzen, nutzen Konzerne kalten Wasserdampf.

Das Wasser wird dem fertigen Produkt also wieder zugesetzt, ohne dass es ein deklarationspflichtiger Zusatzstoff wäre.

Supermarktkaffe Test

Mal abgesehen davon, dass jeglicher Kontakt mit Wasser nach dem Röstvorgang einen vorzeitigen Extraktionsprozess zur Folge hat, gebt ihr euer Geld bei jeder Tüte Supermarkt-Kaffee auch immer für Wasser aus, das mit dem eigentlichen Produkt nichts zu tun hat.

Das ist nur ein Nebenaspekt, für den mir mancher von euch vielleicht eine grundsätzliche Antihaltung gegen alles, was nicht Speciality Coffee ist, vorhalten mag. Doch ehrlich gesagt kann ich damit gut leben, solange es bedeutet, dass immer weniger Leute Kaffee aus dem Supermarkt kaufen.

Kaffeebohnen lagern: Je kürzer, desto besser

Sehr agil streitet sich die Kaffeewelt auch über die Frage, wie man Kaffeebohnen lagert. Mit meiner Einstellung dazu habe ich mich auch schon öfter in die Nesseln gesetzt. Eine ausführliche Darstellung dazu findet ihr im Beitrag Kaffeedose oder Tüte? Warum wir unsere Bohnen verstecken sollten. Und worin.

Zusammengefasst lautet meine Aussage: Je kürzer ihr eure Kaffeebohnen lagert, desto besser. Der Lagerort muss stimmen. Kaffee gehört niemals in den Kühlschrank und einfrieren solltet ihr ihn auch nicht.

Natürlich weiß ich, dass das grundsätzlich geht. Bohnen kann man gefahrlos einfrieren, im Kühlschrank bleiben sie (rein physikalisch) länger frisch. Aus dieser Richtung weht auch immer wieder eure Kritik.

Doch jeder dieser Vorgänge ist ein Sargnagel im Aromengerüst der Bohne. Mit jedem Tag, den der Kaffee nach dem Reifezeitpunkt in der Gegend rumlungert, wird er schlechter. Punkt.

Ruanda Kaffee

Übrigens: Dies gilt umso mehr für helle Röstungen und dezidierte Kaffeebohnen. Denn insbesondere die feinen floralen Noten oder fruchtigen Akzente machen sich besonders schnell aus dem Staub.

Kaffeesatz als Dünger

Diesen Abschnitt musste ich unbedingt mit ins Update nehmen, weil ich mir in der ursprünglichen Fassung einen ziemlichen Fehler erlaubt und Regenwürmer als Insekten bezeichnet habe. Das ist natürlich Quark.

Außerdem habe ich gesagt, dass das Koffein im Kaffeesatz der Gartenfauna schaden kann. Da haben mir viele von euch widersprochen und festgehalten, dass insbesondere Regenwürmer mit ein bisschen Kaffeesatz in der Erde so richtig aufdrehen und ihren hervorragenden Job erledigen.

Da vertraue ich eurer Expertise und halte mich in Sachen Gefahr für Gartenbewohner durch Koffein zurück. Ich bleibe jedoch bei meiner Ansicht, dass Kaffeesatz als Dünger zwar eine gute Idee, aber im Garten besser als in der Zimmerpflanze aufgehoben ist.

Beem Basic Selection Pour Over Kaffeesatz

Eine Einschränkung: Wenn ihr den Kaffeesatz gut trocknet, bevor ihr ihn unter die Erde hebt, könnt ihr ihn auch im Zimmer ohne Schimmelgefahr einsetzen. Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass trockener Kaffeesatz nicht halb so gut funktioniert wie feuchter.

Wie viel dürfen gute Kaffeebohnen kosten?

Diese Frage stelle ich ganz ans Ende meines Ratgebers und nutze sie auch als einen Ersatz für ein Fazit. Denn um den richtigen Preis für die Kaffeebohne diskutieren sich unterschiedliche Gruppen in der Kaffeewelt den Mund fusselig.

Fakt 1: Der Weltmarktpreis für Kaffee ist im September 2018 erstmals seit zehn Jahren auf einen Handelswert unter 1 US-Dollar pro Pfund gefallen. Siehe dazu die Statista-Preiskurve. Am 04. November 2019 waren es laut Börsennotierung immer noch nur 1,04 US-Dollar.

Fakt 2: Dieser historisch niedrige Wert mit fatalen Auswirkungen auf den Beginn der Kaffeekette (also die eigentlichen Produzenten) ist aus einer Kombination aus dem Preisdruck durch Großabnehmer und einer weltweiten Überproduktion entstanden. Verkürzt gesagt: aus den Zutaten des Turbokonsums.

Richtig gut nachlesen könnt ihr das im Coffee Market Report September 2019. Danach lag die Überproduktion bei 4,05 Millionen „Bags“ (Säcke zu je rund 60 kg).

Fakt 3: Laut Internationalem Kaffeeabkommen (International Coffee Agreement, ICA), das zuletzt 2007 erneuert wurde, würde ein Kaffeepreis von rund 1,40 US-Dollar pro Pfund wenigstens die Herstellungskosten decken. Das war vor über zehn Jahren und wir müssen die Inflation einberechnen. Die Diskrepanz zwischen Weltmarktpreis und notwendigem Preis wird mit jedem Tag deutlicher.

Ich rechne euch das alles nur vor, um zu fragen, wie eine Packung Dallmayr Prodomo, die im November 2019 für rund 4 Euro das Pfund angeboten wurde, in diese Rechnung passt. Der gesunde Menschenverstand sagt: gar nicht.

Supermarktkaffee Dallmayr Prodomo

Schon vor mehr als zehn Jahren hat es Kommentatorin Annika unter einem meiner Texte zum Thema Kaffeepreis perfekt zusammengefasst: „Kaffee zu Dumpingpreisen für unter 10 Euro pro Kilo sollte man allein aus Gewissensgründen nicht trinken…“

Ich würde sogar noch weitergehen.

Auch wenn der grundsätzliche Tenor eines Artikels des Tagesspiegels zu den Kaffeepreisen richtig ist, finde ich die Überschrift etwas zynisch: Warum Kaffee schon bald zum Luxus-Produkt wird.

Liebe Redaktion, Kaffee ist ein Luxusgut! Schon immer gewesen! Wir haben nur dank Dumpingpolitik durch Krönung und Co. sowie durch unseren eigenen Geiz verlernt, es als solches zu betrachten!

Luxus muss man honorieren und die Preisströme dahin lenken, wo sie hingehören. Pledge-Röstereien haben laut ihrer Transparenzberichte 2018 durchschnittlich sechs Dollar pro Kilo Rohkaffee bezahlt.

Ein Großteil davon kommt bei den Kaffeebauern direkt an. Darum steht es auch irgendwie außer Frage, warum ihr als Kaffeekonsumenten für 250 Gramm exzellenten Kaffees aus einer hervorragenden Rösterei rund 10 Euro kalkulieren solltet. Mindestens.

Das summiert sich zu einem Kilopreis von rund 40 Euro, der viele schlucken lässt. Doch ganz ehrlich: Das wäre ein allgemeiner Wert, der die Turboproduktion in der Kaffeewelt auf ein vernünftiges Maß schrumpfen ließe und damit weitreichende Konsequenzen für die gesamte Wertschöpfungskette hätte.

Kaffeebohnen in der Box

Ich weiß, das ist naives Wunschdenken. Im Durchschnitt halte ich jedoch einen Kilopreis von rund 28 Euro (im Verhältnis zu 250 Gramm Kaffee pro Tüte) für einen Wert, über den wir gar nicht erst diskutieren sollten.

Über alles andere – eure Fragen, Einwände, Hinweise und Tipps zu den besten Kaffeebohnen – können wir sehr gern diskutieren. Und zwar in den Kommentaren!

P.S.: Eure vielen spannenden Hinweise auf kleine Röstereien, die ihr schon seit Jahren hinterlasst, stehen dort nicht ungehört. Ich schaue mir die Seiten immer mal genauer an und bestelle Bohnen, wenn ich glaube, dass sie zur Coffeeness-Philosophie passen. Teilt also unbedingt weiter eure Ideen!

Ich freue mich über deinen Kommentar