Melitta Caffeo Barista TS Smart im Test: Das Duell Mensch gegen Maschine

Melitta Caffeo Barista TS Smart im Test: Das Duell Mensch gegen Maschine Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 4. November 2018 von 2

Wer uns schon seit Längerem folgt, hat vielleicht mitbekommen, dass wir Melitta trotz des piefigen Images aus Blümchenkaffee und Jacobs Krönung-Mentalität ziemlich gut finden. Denn Melitta hat seine Expertise in der Kaffeezubereitung nicht nur in all den Jahren verteidigt. Auch der Sprung von der guten alten Kaffeemaschine in die Welt der Kaffeevollautomaten ist gelungen.

Mit dem Melitta Caffeo Barista TS Smart Kaffeevollautomaten haben wir jetzt endlich ein Gerät unter die Lupe genommen, das uns schon im vergangenen Jahr auf der IFA 2017 vorgestellt wurde. Das Jahr 2018 war für uns einfach zu voll.

Damals hatte uns die Knüller-Promoterin schon gewarnt, dass man den smarten Vollautomaten mit App-Steuerung und 21 (!) Kaffeevariationen ein bisschen austricksen muss, wenn man wirklich mit ihm zufrieden sein will.

Nach dem Test muss ich jetzt sagen: „ein bisschen“ ist untertrieben. Hat man aber erst einmal raus, wie man die Maschine überlisten kann, dann macht der Umgang mit ihr ausnehmend Spaß. Und als einer der wenigen Hersteller versteht es Melitta außerdem, die App-Mobilität sinnvoll zu integrieren.

Zum Test-Zeitpunkt im Oktober 2018 hat der Melitta Caffeo Barista TS Smart genau 899€ gekostet. Hier kannst du dir den aktuellen Preis auf Amazon anschauen.

Noch ein Hinweis: Sollten euch in diesem Testbericht Ausführungen und Hinweise fehlen, schaut einfach in meinen Melitta Caffeo Barista Test. Diese Maschine ist in vielen Facetten baugleich mit der Smart.

Der Melitta Caffeo Barista TS Smart Kaffeevollautomat im Überblick

Anders als bei vielen anderen Herstellern ist es vollkommen egal, ob ihr euch für die Melitta Caffeo Barista TS Smart in Schwarz (F850-102) oder in Silber (F850-101) entscheidet. Beide kosten bei Amazon das Gleiche.

Melitta Caffeo Smart im Test von Arne Preuss

Wir haben uns für die schwarze Variante entschieden, weil die recht große Maschine dann (nach meinem Geschmack) noch ein wenig eleganter wirkt und wie aus einem Guss erscheint. Für den aktuellen Preis von deutlich unter 1.000 Euro erwarten ziemlich viele Features und Funktionen:

EintragWert
NameMelitta Caffeo Barista TS Smart
DisplayTFT-Farbdisplay
BedienungTouch & Slide
Mahlwerk5-stufiges KEgelmahlwerk aus Edelstahl
Anzahl Getränke
21
Anzahl Benutzerprofile
8
Kapazität Bohnenbehälter in g
2 x 135
Kapazität Wassertank in l
1,8
2-TassenfunktionJa
maximale Auslaufhöhe in cm
14
Milchschaumsystemexterner Behälter
Maximaler Pumpendruck in bar
15
BesonderheitenApp-Steuerung, Automatic Bean Select, Intense Aroma Funktion, Italian Preparation Process, Auto Empty Grinding, LED-Beleuchtung
Maße in cm
46,7 x 25,9 x 37,2
Gewicht in kg
10,4

Schon an den Tabellenangaben, die ich direkt von der Produktseite der Melitta Caffeo Barista TS Smart gezogen habe, könnt ihr erkennen, worauf es dem typischen Melitta-Käufer wohl ankommen soll:

Der schert sich nur wenig um Fundamentales wie die Mahlwerkgestaltung oder Kapazität des Bohnenbehälters. Der will lieber möglichst viele besondere Einstellungen und schicke Marketingbegriffe, die klingen, als wäre die Maschine komplett autonom in der Lage, Kaffee zu kochen.

21 Kaffeespezialitäten bei 8 Nutzerprofilen sind auf jeden Fall Oberklasse. Bei der noch wesentlich preisintensiveren Saeco Xelsis, die auch auf der IFA 2017 vorgestellt wurde, sind es gerade einmal schnarchige 15 Möglichkeiten und ebenfalls 8 Profile in der teuersten Variante.

Viele Möglichkeiten der Einstellung

Unter den sexy neuen Varianten tummeln sich Trendgetränke wie der Black Eye, der Flat White, der Long Black und der Dead Eye. Allerdings schummelt Melitta hier auch ein bisschen und zählt zum Beispiel einen Latte Macchiato mit einem Triple Shot als eigenes Getränk. Nun ja.

Außerdem muss ich noch einmal festhalten: Die Anzahl an voreingestellten Getränken und Nutzerprofilen ist das Äquivalent zur Megapixelzahl bei Digitalkameras: Die Hersteller werben mit immer abenteuerlicheren Zahlen, die der Kunde weder benutzt, noch braucht.

Doch wenigstens bleiben euch eure Einstellungen auch dann erhalten, wenn ihr mal den Stecker zieht. Das ist zum Beispiel bei der DeLonghi PrimaDonna Reihe nicht der Fall.

Delonghi Primadonna im Test von Barista Arne

Bei all den Marketingbegriffen, mit denen Melitta um sich wirft, musste ich natürlich noch einmal genau checken, was damit eigentlich gemeint ist:

Automatic Bean Select: komplizierter Begriff für zwei Bohnenfächer, die ihr nach Wunsch befüllen könnt. Die Maschine nimmt dann die „richtigen“ Bohnen oder jene, die ihr vorgebt.

Intense Aroma Funktion: Wenn ich das richtig verstehe, wird hier das Kaffeepulver vor der Extraktion eingeweicht. Das nennt sich Preinfusion. Denn die Kaffee- und Wassermenge werden nicht verändert. Gut, das hilft beim Feinjustieren.

Italian Preparation Process: Mamma mia, Cappuccino oder Latte Macchiato kommen in der richtigen Reihenfolge der Zutaten in die Tasse. Joar …

Auto Empty Grinding:  Diese Funktion sorgt dafür, dass das Mahlwerk immer vollständig leergemahlen wird, wenn ihr Kaffee abruft. So ranzt weniger Kaffeemehl in der Mühle vor sich hin. Klingt gut.

Ihr seht schon, dass die tollen Wooow-Versprechungen entweder sehr bodenständige Funktionen widerspiegeln oder nicht zwingend genutzt werden. Aber irgendwie muss Melitta ja den vollkommen beknackten „Barista“-Titel im Namen rechtfertigen.

Ansonsten wüsste ich aber nicht, was mich an dieser Maschine auf den ersten Blick nicht ansprechen sollte. Ihr habt die Wahl, das Milchschaumsystem mit externem Behälter links oder rechts der Maschine zu positionieren und könnt damit das Platzangebot besser ausnutzen. Auch könnt ihr alles Wesentliche einstellen:

  • Kaffeepulvermenge: 5 Stufen
  • Temperatur: 3 Stufen
  • Bezugsmenge: zwischen 30 und 220 ml
  • Shots: 1 bis 3
  • Bohnenwahl: 2-fach

Das schöne TFT-Display setzt auf genau die richtige Kombination aus individuellen Einstellmöglichkeiten und One Touch-Funktionen. Theoretisch könntet ihr also direkt loslegen. Wenn ich überlege, dass ich für diesen ganzen Spaß „nur“ rund 900 Euro auf den Tisch gepackt habe, muss ich sagen, dass das mehr als gerechtfertigt ist. Aber …

Die Melitta Caffeo Barista TS Smart einstellen

Wenn es an die Personalisierung der Maschine geht, empfinde ich den Namenszusatz „Smart“ als gerechtfertigt. Insbesondere wenn ihr mit der App arbeitet.

Fangen wir mit etwas Eindeutigem an: dem Mahlwerk. Das hat nur fünf einstellbare Stufen, was mir zu wenig ist, anderen aber vollkommen ausreichen dürfte. Zwangsläufig habe ich das Mahlwerk auf die Stufe 1 von 5 gestellt.

Mahlwerk mit 5 Stufen

Kaffeepulverfach

Normalerweise würde ich für meinen Espresso nun erst einmal die Kaffeepulvermenge auf Anschlag und die Wassermenge aufs Minimum drehen. Das solltet ihr hier lassen.

Aus irgendeinem Grund ist die Melitta Caffeo Barista TS Smart davon überzeugt, dass Viel viel hilft. Sie mahlt eine riesige Pulvermenge, die einen Mega-Puck erzeugt.

Sehr großer Kaffee-Puck mit viel Kaffeepulver

Das verbraucht nicht nur viel Kaffee, es krümelt auch unfassbar aus der Brüheinheit heraus. Das sieht nicht nur doof aus, es lässt sich auch nur schwer reinigen und sorgt dafür, dass nicht nur der Kaffeetester eures Vertrauens zwischendurch die Nerven verliert.

Außerdem habt ihr das Problem, dass ihr im „Schnell-Menü“ direkt an der Maschine nur Kaffee und Milchschaum im Tandem verstellen könnt. Mehr Kaffee heißt also auch zwangsläufig mehr Milch. Wenn ihr das einzeln machen wollt (wie es jeder normale Mensch will), müsst ihr die App bemühen.

Trotz eines übersichtlichen Displays und der Touch&Slide-Funktionalität lässt sich die Maschine direkt nur sehr umständlich bedienen. Sie kann zwar alles, was sie soll. Doch genau wie bei der Melitta Caffeo CI müsst ihr sehr viel Geduld aufbringen, bis ihr erreicht, was ihr wollt. Doch auch dazu hat sich der Hersteller etwas einfallen lassen.

Die App der Melitta Caffeo Barista TS Smart

Die Melitta Connect App ist ein perfektes Beispiel für das Sprichwort „das Pferd von hinten aufzäumen“. Denn alles, was mir an der Maschine so auf die Nerven geht, ist in der App ausnehmend intuitiv und grandios gelöst.

Eine smarte App für die Einstellung des Geräts

Ich würde sogar so weit gehen und behaupten, dass die Connect App die beste Lösung ist, die ich bisher auf diesem Gebiet gesehen habe. Wenn man es genau nimmt, passt das auch perfekt zum Melitta-Image: Gib den Leuten, was sie wollen und lenke damit ein bisschen vom Wesentlichen ab.

Denn Filterkaffee aus dem Melittafilter ist ja auch das, was alle wollen. Richtig genial wird das Getränk aber mit ein paar anderen Handgriffen und Tools.

Egal. Allein die App hat mich mit den Macken der Einstellbarkeit vollkommen versöhnt und dafür gesorgt, dass ich am Ende doch in diesen Kaffeevollautomaten verliebt war. Und das, obwohl ich sonst immer predige, dass eine App nur eine nette Zusatzspielerei ist.

Espresso und Milchschaum aus der Melitta Caffeo Barista TS Smart

Mensch 1, Maschine 0:

Nachdem ich den App-Twist bei der Melitta Caffeo Barista TS Smart kapiert hatte, wurden Espresso und Milchschaum sehr erfreulich. Insbesondere beim Latte Macchiato könnt ihr auf den Fotos sehen, dass der Schaum genug Tragfähigkeit für die Schichten besitzt. Damit ist er mir zwar zu fest, aber ich gehöre ja auch nicht zur Melitta-Klientel.

Espresso-Bezug mit der App

Crema auf dem Espresso

TS Smart im Barista Test

Die Crema meines per Smartphone eingestellten Espresso war etwas zu homogen, dementsprechend „anders“ hat auch der Espresso geschmeckt. Was ich damit meine:

Beispielsweise die neue DeLonghi PrimaDonna Class ist wesentlich besser in der Lage, die Parameter eines Espresso aus dem Siebträger zu imitieren. Die Melitta macht einfach ihr eigenes Ding und zaubert damit einen köstlichen KVA-Espresso, der aber ein wenig weiter vom Siebträger-Vorbild entfernt ist.

Geschmeckt hat mir das Testgetränk aber trotzdem in jeder Hinsicht. Und nachdem ich den Dreh mit der App entdeckt habe, habe ich auch „off camera“ noch eine Weile mit der Maschine rumgespielt und diverse Getränke zubereitet. Das ist ja immer ein gutes Zeichen.

Getränke mit Espresso und Milchschaum

Die App für einen Latte

Die Reinigung der Melitta Caffeo Barista TS Smart

Brühgruppe raus, Tresterbehälter und Auffangschale raus, Wassertank raus, alles abspülen und/oder in die Spülmaschine, einsetzen, fertig. In Sachen Reinigung gibt es absolut nichts zu meckern.

Wassertank

Milchschaumbehälter

Schale und Trester Behälter

Brühgruppe

Auch beim Milchschaumsystem seid ihr dank „Easy Steam Cleaning“ und automatischen Reinigungssystemen selbst schuld, wenn sich Dreck ansammelt und Düsen oder Schläuche verstopfen.

Der Milchschlauch wird automatisch gereinigt

Mein Fazit

Normalerweise würde ich Zeter und Mordio schreien, wenn sich ein Kaffeevollautomat beim Einstellen so affig anstellt wie die Melitta Caffeo Barista TS Smart. In diesem Fall erhält das Gerät dennoch volle Punktzahl von mir.

Arne, wie kann das sein?

Als technikaffiner Mensch kann ich über die Anfangsmacken großzügig hinwegsehen, weil sie in der App in jeder Hinsicht gelöst werden. Und habt ihr einmal die perfekten Einstellungen gefunden, gibt es nur selten Grund, noch einmal daran rumzudoktern.

Zum Test-Zeitpunkt im Oktober 2018 hat der Melitta Caffeo Barista TS Smart genau 899€ gekostet. Hier kannst du dir den aktuellen Preis auf Amazon anschauen.

Sobald ihr der Maschine ihre volle Betriebsfähigkeit abgerungen habt, macht es einfach Spaß, sie zu benutzen. Ihr bekommt tollen Kaffee und genug Abwechslung. Durch die vielen Funktionen und die zwei Bohnenfächer lädt euch die Melitta Caffeo Barista TS Smart dazu ein, neue Kaffees zu entdecken, andere Zubereitungsmethoden auszuprobieren und euch wirklich mit dem Thema zu beschäftigen. Was will man mehr?

Cappuccino aus dem TS Smart

Vielleicht noch einen angemessenen Preis, den Melitta für dieses Gerät auf jeden Fall verlangt. Unter 1.000 Euro für einen (an sich) sehr kundenorientierten Vollautomaten mit Luxus-Ausstattung halte ich sogar für äußerst günstig.

Die Qualität der Verarbeitung, die Optik und das „Melitta“-Feeling von einfach leckerem Kaffee sprechen ebenfalls für sich.

Wie haltet ihr das: To App or not to App? Ich freue mich auf eure Kommentare!

2 Kommentare
  • Erik
    12 November, 2018

    I am on the fence and don’t know what to choose:

    – Melitta Barista TS Smart
    – Saeco Xelsis 7685
    – DeLonghi PrimaDonna

    And maybe also the Saeco PicoBarista Deluxe (but I don’t like the coffee pictures on the front that are static images, and no user profiles is a negative for me.)

    Help me choose… I have nowhere to see and try these devices.

  • Erik
    16 November, 2018

    I went to look at all the three contenders in store but they were made of flimsy plastic. The Melitta was the worst of all. The top hinge of the watertank had already broken and the plastic was really scratched up.

    I am now thinking about a Jura ENA 8. At least it looks good. I know inside it’s all mostly the same stuff that breaks down sooner or later. The Jura costs the same as the Melitta and I like the small form factor.

    The Xelsis was just really really ugly even though it was the stainless steel version for 900 euros. Which is again the same price.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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