Jura A1 Test 2021: Puristischer Vollautomat plustert sich auf

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Kaffeevollautomaten ohne Milchschaumsystem wirken längst nicht mehr so abwegig wie noch vor wenigen Jahren. Im Gegenteil. 

Kaffeevollautomaten ohne Milchschaumsystem wirken längst nicht mehr so abwegig wie noch vor wenigen Jahren. Im Gegenteil. 

Die Hersteller haben erkannt, dass immer mehr Menschen eine automatische Kaffeemaschine suchen, die sich einfach auf perfekten schwarzen Genuss aus hochwertigen Kaffeebohnen konzentriert. 

Dementsprechend größer, breiter und vor allem besser wird die Angebotspalette. Dass auch Jura Kaffeevollautomaten in dieser Nische vertreten sind, ist für die Schweizer vielleicht logisch. Ich hatte den Jura A1 bisher nicht auf dem Schirm. 

Ob ich dabei bisher etwas verpasst habe, kann ich euch gar nicht so genau sagen. Einerseits ist das unheimlich schicke Gerät in „Piano White“ oder „Piano Black“ ein weiterer Beweis dafür, dass ich langsam zum Jura-Fan mutiere. Nicht herausnehmbare Brühgruppe hin oder her.

Denn die Schweizer liefern den derzeit besten Kaffee und Espresso, den ihr aus Vollautomaten beziehen könnt. Das gilt bis zu einem gewissen Punkt auch für den A1.

Während ich aber bei Vertretern wie dem Jura Z6, dem Jura Ena oder von mir aus auch dem Jura S80 auf Anhieb halbwegs gute Erklärungen für den Preis finden kann, sieht das beim A1 etwas anders aus.

Denn Kaffeevollautomaten ohne Milchschaum gibt es auch wesentlich günstiger bei ähnlicher Qualität. Reicht allein der Jura-Nimbus aus, um Testsieger wie Melitta Caffeo Solo oder den Melitta Purista vom Thron zu stoßen?

Ich habe mir unseren Coffeeness-Kaffee geschnappt, ein Video gedreht und einen Testbericht geschrieben, der einmal mehr die Frage aufwirft, welchen Preis Vollautomaten eigentlich haben dürfen.

Der Jura A1 im Vergleich: Kompakt, edel & ein bisschen überheblich

Jura Kaffeevollautomaten dürfen nicht einfach Schwarz oder Weiß sein. Sie müssen in Piano Black und Piano White auftreten. Schon mit der Namensgebung kann man wieder ein paar Euro mehr rechtfertigen.

Das ändert aber nichts daran, dass der Hochglanzlook in den Nichtfarben wirklich großartig ist. Gerade in Weiß sorgt der A1 für Abwechslung in der Küche. Er wirkt wie ein edler Monolith in typisch cleaner Jura-Formensprache.

Von der Seite könnt ihr erkennen, dass das Gehäuse nach vorne geneigt ist. Ob das einen funktionellen Grund hat, kann ich nicht sagen. Ein Hingucker ist es auf jeden Fall. 

KategorieEintrag
TestmodellJura A1
Brühgruppe herausnehmbarNein
GehäusematerialKunststoff glänzend
Verfügbare Farben/DesignsWeiß, Schwarz
MilchschaumsystemNein
DisplayJa (Touchpanel)
AppNein
BenutzerprofileNein
Wassertank1,1 l
Minimale Auslaufhöhe5,8 cm
Maximale Auslaufhöhe14,1 cm
MahlwerkKegelmahlwerk Edelstahl
MahlgradeStufenlos
Bohnenfach125 g
Elektronisches MahlwerkNein
KaffeepulverfachJa
KannenfunktionNein
Kaffeegetränke auf KnopfdruckRistretto, Espresso, Kaffee
Kaffeestärke einstellbarJa (2 Stufen)
Temperatur Kaffee einstellbarNein
Temperatur Milchschaum einstellbarNein
2-Tassen-FunktionNein
HeißwasserfunktionNein
Heiße-Milch-FunktionNein
Nur Milchschaum beziehenNein
WasserfiltereinsatzJa
Lautstärke (selbst gemessen)69,8 dB
Gewicht8,9 kg
Maße (Höhe x Breite x Tiefe)32,3 x 23,0 x 44,5 cm

Da die Kaffeemaschine keine Karaffen-Ausbuchtungen oder Schläuche für Milchschaum benötigt, der Bohnenbehälter „nahtlos“ eingelassen ist und das Touch-Panel für die Bedienung auf der Oberseite angebracht wurde, ist dieses Modell auf jeden Fall eines der schicksten Geräte in meinem gesamten Kaffeevollautomaten-Test 2021. Aber das ist ja Geschmackssache.

Jura A1 Kaffeevollautomat Touch-Panel

Unter der sleeken weißen (oder schwarzen) Haube erwartet euch jedenfalls eine nachvollziehbar begrenzte Funktionalität:

  • „Stufenloses“ Mahlwerk aus Edelstahl
  • Drei Getränke: Kaffee, Espresso, Ristretto
  • Bedienung über Tasten auf Touch-Panel
  • Zwei Kaffeestärken einstellbar

Das war’s. Da wir weder einen Latte Macchiato schichten wollen noch Einstellungen für Benutzerprofile vornehmen müssen, brauchen wir auch nicht mehr. Das ist schließlich der Vorteil der gesamten Gerätekategorie: Reduktion aufs Wesentliche – nämlich leckeren schwarzen Kaffee.

Allerdings kommen wir nicht drumherum, den Jura A1 neben den Melitta Caffeo Solo, den Melitta Purista oder den Tchibo-Vertreter Esperto Caffè zu stellen. 

Eine Vergleichstabelle können wir uns sparen, denn alle vier Geräte bieten mehr oder weniger dasselbe. Auch wenn es etwas anders wirkt. Jura bietet euch schließlich drei statt nur zwei vorprogrammierte Getränke, oder?

Jein. Der „Ristretto“ von Jura ergibt nur wenig Sinn. Es handelt sich hierbei nur um einen etwas dichteren Espresso mit einer etwas geringeren Wassermenge. Normalerweise ist der Ristretto so speziell, dass er nur in einer Espressomaschine gelingt. Meine Meinung.

Darum können wir ihn für die Bewertung an dieser Stelle ignorieren. Und wenden uns zwangsläufig der Preisfrage zu:

Der Esperto Caffe von Tchibo kostet nicht einmal 200 Euro, der Solo rund 270 Euro. Der Purista umschmeichelt die 400 Euro-Grenze – und der Jura A1 verlangt fast 600 Euro.

Kann das stimmen? Nein, kann es nicht. Nur weil alles blinkt, edel aussieht und „Piano Black“ statt „Schwarz“ heißt, ist dieser Unterschied noch lange nicht gerechtfertigt. 

Jura hat zwar einen ausgesprochen guten Ruf als Aroma-Monster. Auch die Tatsache, dass ihr den Mahlgrad in einem endlichen Bereich stufenlos justieren könnt, ist super.

Für mich persönlich reichen diese Argumente jedoch nicht aus. Solo und Purista sind in dieser Subkategorie schon deshalb Sieger, weil sie ein tolles Aroma und einen tollen Preis liefern. 

Beim Jura A1 zahlt ihr nämlich unter allen Umständen auch für etwas überhebliches ChiChi. Was ihr damit macht, ist wie immer euch überlassen.

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Den A1 Kaffeeautomat richtig einstellen: Zwei Sekunden, fertig

Das Schöne an Kaffeevollautomaten ohne Milchschaum ist ihre unfassbar leichte Bedienung. Selbst der bisher teuerste Vertreter in dieser Kategorie kommt ohne Bedienungsanleitung aus. 

Höchsten beim Einsetzen der Filterpatrone für den Wasserfilter solltet ihr sie konsultieren – oder wenn ihr in eurem ganzen Leben noch keinen Bohnenbehälter aus der Nähe gesehen habt. Neuheiten im Sinne von besonderen Funktionsweisen gibt es hier jedenfalls nicht.

Jura A1 Kaffeevollautomat Bohnenbehaelter

Ich habe den Drehschalter des Mahlwerks im Bohnenbehälter auf die „zweitfeinste“ Stufe gestellt – wenn wir nach der Punkteskala auf dem Rädchen gehen. Zwar werden die Kaffeebohnen auch beim feinsten Anschlag verarbeitet, aber das Aroma hat mir nicht gefallen. Daher die etwas gröbere Wahl.

Die Kaffeestärke könnt ihr in diesem Gerät in zwei Zuständen auswählen: eine Bohne oder drei Bohnen. Keine Ahnung, was an zwei Bohnen nicht gestimmt hätte.

In der schwächeren Version nutzt Jura laut eigenen Angaben 7 Gramm Kaffeepulver für einen Puck, in der starken Variante sind es 10 Gramm. Das könnt ihr jeweils ins Verhältnis zur Füllmenge setzen, die zum Beispiel beim Ristretto von 15 bis 80 Milliliter reicht.

Die vorhin angemeckerte Dreifach-Auswahl lohnt sich übrigens dennoch, wenn ihr euch zum Beispiel den Ristretto als Espresso mit 25 bis 30 Milliliter zurechtbastelt, den Espresso als Doppio kalibriert und den Kaffee auf rund 125 Milliliter einstellt. Dann habt ihr die gesamte schwarze Range an „Kaffeespezialitäten“ gut abgedeckt.

Überhaupt muss man dem Jura A1 zugutehalten, dass er sich bei seinen Einstellmöglichkeiten und transparenten Mengenangaben an erfahrenen Kaffeetrinkern orientiert, die eher eine Kaffeewaage als eine Espressotasse zum Kalibrieren nehmen.

Das habe ich im Vergleich zu sonst auch einmal gemacht: Der Ristretto liefert in der Voreinstellung 24 Gramm Kaffee in der Tasse. Der Espresso ist mit 34 Gramm eher ein Doppio. Der normale Kaffee versorgt euch in der Voreinstellung mit 85 Gramm, was für meine Kaffeebohnen leider etwas zu kompakt ist. 

Kaffee hat eine andere Dichte als Wasser, wir müssen auch die Crema hinzurechnen. Extraktion, Zubereitungsmethode usw. spielen auch in die Umrechnung von Gramm in Milliliter hinein. Generell können wir sagen, dass das Gewicht als reiner Zahlenwert rund 10 Prozent unter dem Volumen liegt.

Espresso & Kaffee: Endlich ein Kaffeevollautomat für Frostbeulen!

Sobald das Mahlwerk loslegt, zeigt mein Messgerät 69,8 Dezibel. Das scheint ein Standardwert für Jura Kaffeevollautomaten zu sein. Selbst das Pumpengeräusch hat einen Jura-typischen Klang, der sich stets leicht erkältet anhört. Doch zumindest nervt hier nichts. 

Jura A1 Kaffeevollautomat Kaffee

Viel wichtiger ist sowieso, dass der Jura A1 endlich alle glücklich machen wird, die sich bei anderen Vollautomaten stets über die zu kalten Getränke beschweren. Jura-Kaffee ist heiß. So richtig heiß. Und er ist auch ziemlich lecker: 

Der „Ristretto“ holt eine dichte, saubere Schoko-Note aus meinen Kaffeebohnen heraus. Der Espresso wird vielseitiger, weil er ein paar spritzige Noten aus dem Aroma herauskitzelt, die das Ganze abrunden. 

Beim normalen Kaffee bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob ich ihn mag. Ich bin mir jedoch sicher, dass er über dem typischen Vollautomaten-Standard liegt und ganz sicher keine Probleme mit Wässrigkeit hat. 

So oder so stellt auch der Jura A1 unter Beweis, dass die Schweizer beim Aroma aktuell unangefochten die Nase vorn haben. Obwohl er so „günstig“ und klein ist. Zumindest in dieser Hinsicht tut der Preisvergleich schon nicht mehr ganz so weh.

Bester Kaffee für den Jura A1

Coffeeness Kaffee für Vollautomaten Bester Kaffee für den Jura A1

Wir haben einen Kaffee extra für Kaffeevollautomaten entwickelt – auch für alle Getränke aus dem Jura A1. Wir haben getestet: Espresso und schwarzer Kaffee erhalten eine volle Schoko-Note. Hier geht es zu unserem Shop.

Auf den Kaffee kommt es an: Kippt ihr oben was Gutes rein, kommt unten was Gutes raus!

Kaffee für Vollautomaten by Coffeeness

Kaffee entwickelt für den Vollautomaten

Bester Kaffee für den Jura A1.

Für Latte Macchiato

Espresso, schwarzer Kaffee

Schokoladig-nussig

Frisch geröstet

Zum Coffeeness Shop

Das sind die richtigen Einstellungen für unseren Kaffee mit dem Jura A1: 

  • Stellt das stufenlose Mahlwerk auf eine feine Stufe in der Nähe des “Anschlags”
  • Achtung: Bitte immer nur bei laufendem Mahlwerk verstellen
  • Bei Kaffeestärke (zwei Stufen) und der individuellen Füllmenge könnt ihr experimentieren. Die Werkseinstellung für den Espresso ist mengentechnisch schon sehr gut (als Doppio)

Den Jura A1 reinigen: Zeit für die Wahrheit!

Ja, eine herausnehmbare Brühgruppe wäre schön. Aber darauf können wir bei Jura Kaffeevollautomaten lange warten.

Dieses Feature macht mir die faire Bewertung der Reinigung immer etwas schwer. Zwar könnt ihr das Gehäuse öffnen und euch die Sache mal näher angucken. Dennoch seid ihr zum großen Teil auf die automatischen Programme der Kaffeemaschine angewiesen.

Jura A1 Kaffeevollautomat Punk

Auch die sind Klassen-typisch reduziert, doch müssen wir hier natürlich nur Kaffeereste entfernen, Bauteile entkalken und ab und zu die Filterpatrone wechseln. Über ranzige Milch müssen wir uns keine Gedanken machen.

Weil ich aber endlich mal wissen will, was es denn nun mit der fest verbauten Brühgruppe und der Schimmelgefahr auf sich hat, ist der Jura A1 Bestandteil meines Langzeittests: ein Jahr Dauerbenutzung, dann bauen wir das Ganze auseinander und schauen nach.

Wird alles schwarz vor Schimmel sein, oder habe ich die ganzen Jahre umsonst gemeckert? Hui, was bin ich gespannt.

Weniger spannend ist der Rest der Reinigung. Und das ist auch gut so. Der kleine Wassertank nebst Wasserfilter zwingt euch zum häufigen Auffüllen, auch die Abtropfschale ist nicht gerade riesig.

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Wir brauchen natürlich generell weniger Wasser. Und der A1 ist ja auch nur auf wenige Tassen am Tag ausgelegt. Generell sind fipsige Bauteile aber immer ein Gewinn – denn so habt ihr öfter Gelegenheit, sie zwischendurch zu reinigen.

Fazit zum Jura A1 Test: Seien wir mal nicht so?

Jura Kaffeevollautomaten haben immer ihren Preis. Egal, was sie im Vergleich zu allen Kaffeevollautomaten im Test können – oder eben nicht. Daran könnten wir uns beim A1 prächtig aufhängen. 

Oder wir sehen die Kaffeemaschine ohne Milchaufschäumer als das, was sie ist: eine schicke Entscheidung für Küchen, in denen ihr ein bisschen angeben wollt. Das Aroma von Kaffee, Espresso (und „Ristretto“) überzeugt, auch wenn ihr euch ein bisschen Mühe mit der Einstellung der Wassermenge geben müsst.

Nehmen wir es jedoch ganz genau, ist etwa der Caffeo Solo von Melitta die bessere Jura A1-Alternative. Auch der Melitta Purista macht euch ein insgesamt besseres Angebot. 

Aber dennoch kann ich gut verstehen, wenn ihr trotzdem den Jura A1 kaufen wollt. Er macht Eindruck und hat ein bisschen was von „volle Gönnung“ für Erwachsene. Seien wir also nicht so und schielen zur Abwechslung nicht dermaßen auf den Preis. Oder doch?

Ich bin auf eure Erfahrungen mit diesem Modell und eure Meinung zum Preis gespannt! Hinterlasst mir gern einen Kommentar – auch bei YouTube.

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