Philips LatteGo im Test: Aufgehübscht mit dickem Preisschild

Philips LatteGo im Test: Aufgehübscht mit dickem Preisschild Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 1. November 2018 von 1

Manchmal möchte ich mich in die Ecke setzen und bocken. Denn wenn ich eines nicht leiden kann, dann Kaffeevollautomaten Tests, bei denen ich mich am Ende frage, wen der Hersteller eigentlich für dumm verkaufen will.

Denn der „neue“ Philips 5000 EP5335/10 Kaffeevollautomat, der uns auch bei der IFA 2018 mit viiielen Erklärungen angepriesen wurde, stellt sich schon nach wenigen Prüfblicken als kleine Luftnummer heraus.

Luft ist auch das Thema, um das sich bei der Präsentation dieser Maschine alles drehte: Das neue LatteGo-System, das für fluffigen Milchschaum ohne Schläuche sorgen soll, ist das wichtigste Verkaufsargument des Geräts.

Das Interesse an diesem Einfall war schon bei der Messe riesig und auch ihr wolltet nach unserem Bericht unbedingt wissen, was von der Maschine zu halten ist. Denn sie scheint, als ob sie damit eine große Hygienehürde beseitigt hat. Außerdem wirkt sie so schön einfach, dass auch der letzte Gegner keinen Grund mehr findet, sich keinen Vollautomaten für den automatischen Kaffeegenuss zuzulegen.

Philips LatteGo mit neuem Milchschaumsystem

All das ist auch grundsätzlich nicht falsch. Doch der Philips LatteGo, wie wir ihn alle inzwischen nennen, ist nur ein alter Hut mit neuem Anstrich und dickem Preisschild. Im Testbericht erkläre ich euch, was ich meine.

Aber eventuell rege ich mich umsonst auf und der Philips LatteGo ist jetzt bei Amazon schon viel günstiger geworden?

Der Philips LatteGo Kaffeevollautomat im Überblick

Wer schon länger in der Vollautomatenwelt unterwegs ist, kennt die enge Verbandelung von Philips und Saeco. Beide gehören zur Dachmarke Philips, Saeco-Maschinen rangieren allerdings im mittleren und oberen Preissegment, während Philips-Produkte zur Einsteigerkategorie zählen.

Die Philips LatteGo soll also theoretisch eher preisbewusste Käufer ansprechen, die bei einem Vollautomaten nichts weiter tun wollen, als Kaffeebohnen einzufüllen, auf den Knopf zu drücken und fertig.

Diesen Anspruch scheint die Maschine auch problemlos zu erfüllen. Die wichtigsten Getränke haben einen eigenen, physischen Knopf, die Funktionalität ist übersichtlich und das Display kommt ohne Schnickschnack aus.

Knöpfe ohne Touch

Doch musste ich sofort beim Auspacken erst einmal ins Archiv schauen und mich vergewissern:

Saeco Incanto vs. LatteGo

Bis auf das LatteGo-Milchschaumsystem und die Aufkleber mit „Innovation“ auf der Edelstahlfront entspricht der Philips 5000 EP5335/10 Kaffeevollautomat EXAKT dem Saeco Incanto!

Das regt mich deswegen so auf, weil der Saeco Incanto bereits seit 2016 auf dem Markt und damit in KVA-Jahren praktisch hornalt ist. Ich liebe den Saeco Incanto als kompakten und hochwertigen Vollautomaten, der für seinen Preis gute Qualität abliefert. Allerdings war damals das Milchschaumsystem noch verbesserungswürdig – weil sehr laut – und der Preis bei einer recht übersichtlichen Funktionalität doch recht hoch.

Aktuell kostet der Saeco Incanto etwas weniger als der Philips LatteGo bei Amazon, hat aber ebenfalls einen stolzen Preis. Wenn ihr den Saeco Incanto unter dem Namen Philips 5000 Serie EP5365/10 bestellt, dann zahlt ihr aktuell mit abstand am wenigsten! Den LatteGo habe ich im Oktober 2018 für 670€ gekauft. Kein Pappenstiel.

Wir zahlen bei der angeblichen Innovation also mehr für eine eigentlich alte Technik, die unter ihrem aktuellen Markennamen eigentlich auch noch günstiger sein müsste.

Milchschaumsystem

Die einzige Neuerung dabei ist das „innovative“ Milchschaumsystem, dass den Fluff ohne große Schläuche zaubern soll. That’s it! Um das mit Fakten zu unterfüttern, stelle ich euch beide Maschinen mal direkt im technischen Vergleich nebeneinander:

EintragWertWert
NameSaeco Incanto
Philips LatteGo
DisplayLCDLCD
Anzahl Getränke
66
Kapazität Bohnenbehälter in g
250250
Kapazität Wassertank in l
1,81,8
2-TassenfunktionJaJa
Milchschaumsystemintegriertintegriert (ohne Schlauch)
Maximaler Pumpendruck in bar
1515
BesonderheitenEinstellung Kaffeestärke, Bezugsmenge, TemperaturEinstellung Kaffeestärke, Bezugsmenge, Temperatur, „Espressotassen-Treppchen“
Maße in cm21,5 x 42,9 x 33,0
22,1 x 43 x 34
Gewicht in kg
7,27,2
MahlwerkScheibenmahlwerk aus Keramik
Scheibenmahlwerk aus Keramik

Wäre diese hanebüchene Augenwischerei nicht, wäre die Philips LatteGo auf dem Papier dennoch eine tolle Angelegenheit. Denn mit der Umetikettiererei hat es Philips (das Unternehmen) geschafft, einen Edelstahl-lastigen Vollautomaten für Philips (die Marke) abzuliefern, wo sonst Kunststoff das Maß aller Dinge ist.

Außerdem erhalten Käufer einen sehr einfach einstellbaren Vollautomaten mit einem hochwertigen Scheibenmahlwerk aus Edelstahl, was bei Philips (der Marke) sonst auch nicht selbstverständlich ist.

Mahlwerk LatteGo

Kaffeepulverfach beim LatteGo

Die Funktionalität mit (jetzt) sechs Kaffeevariationen ist völlig ausreichend. Die Promoterin bei der IFA erklärte auch mit Nachdruck, dass der Philips LatteGo hauptsächlich für die ältere Kundschaft gedacht ist. Diese bevorzugt klare Ansagen auf klaren Knöpfen, ist aber beim Look etwas pingeliger und konservativer als die jüngere Zielgruppe.

Nur: Das hätte die Kundschaft auch schon vor zwei Jahren mit dem Saeco Incanto und im vergangenen Jahr mit dem Philips-Pendant haben können! Und da wäre der Preis auch noch gerechtfertigter gewesen. Menno!

Das Milchschaumsystem LatteGo – die Maschine einstellen

Doch was ist denn nun eigentlich am LatteGo-Milchschaumsystem so Wow? Ganz einfach: Statt mit Schläuchen zu arbeiten, besteht der Milchbehälter bzw. das externe System nur aus zwei großen Kunststoffteilen, die trotzdem Milchschaum produzieren. Damit soll die Reinigung supereinfach gehen.

Milchschaum-Bezug mit dem LatteGo

Und noch einmal: Das ist wirklich die einzige Neuigkeit am Gerät! Denn im Inneren verlaufen auch bei der LatteGo-Serie die Schläuche wie gewohnt, alle anderen Vorgänge vom Mahlen bis zur Brühgruppe sind exakt gleich.

Aber allein das Argument „Sie müssen weniger putzen“ reicht schon aus, um den unbedarften Vollautomatenkäufer zum Sabbern zu bringen – denkt zumindest Philips.

Doch hören wir kurz einmal auf zu meckern und würdigen die Saeco Incanto …. Äääh, ich meine die Philips LatteGo … als die durchdachte Maschine, die sie ist:

  • Der Mahlgrad lässt sich problemlos einstellen
  • Ihr könnt die Kaffeeintensität in fünf Stufen verstellen (Kaffeebohnen-Skala)
  • Die Bezugsmenge kann auf 25 ml pro Espresso heruntergeregelt werden (top!)
  • Die Brühtemperatur könnt ihr ebenso leicht anpassen (kann man auf Standard lassen)

Alle sechs Getränkevarianten sind also nicht in Stein gemeißelt, funktionieren aber theoretisch auch sehr gut in ihrer Standardeinstellung. Klasse ist zudem, dass ihr den Milchschaumbehälter wirklich sehr einfach anklicken und abnehmen könnt, ohne auf Schläuche und Gedöns achten zu müssen.

Espresso und Milchschaum aus dem Philips LatteGo 5000 EP5335/10

Siehste, siehste, siehste: Einfach den Schlauch weglassen macht noch keine Innovation. Denn das Milchschaumsystem ist immer noch so (nervig) laut wie bei der Saeco Incanto. Wenigstens an diesem Detail hätten die Entwickler noch einmal arbeiten können, wenn sie schon das Milchschaumsystem in den Mittelpunkt stellen.

Philips LatteGo immer noch Laut

Auch ist der Schaum irgendwie nicht so recht überzeugend. Er ist okay, erinnert aber in Konsistenz und Optik eindeutig an Zeiten, als die meisten Genießer sowieso noch keine Ahnung hatten, wie guter Schaum aussehen und schmecken sollte.

Der Espresso ist ebenso unverändert wie im Incanto-Test, überzeugt also immer noch mit der gleichen hohen Qualität, wie sie mich schon damals begeistert hat. Die Nuancen werden sehr gut herausgearbeitet. Außerdem sorgen die guten Einstelloptionen dafür, dass ihr einen Schluck zubereitet, der wirklich sehr nah an „echten Espresso“ herankommt.

Philips LatteGo Espresso

Philips LatteGo Espresso im Test

Was ich noch zu erwähnen vergaß: Die „neue“ LatteGo bringt einen kleinen Podest mit, auf dem ihr die Espressotasse näher an den Auslauf schieben könnt.

Ständer für die Espresso Tassen

Das ist eine nette Idee, aber bei einem Vollautomaten auch irgendwie Unsinn. Der Crema tut dies keinen Abbruch (bzw. macht es sie nicht besser), die Extraktion wird nicht verändert.

Barista Arne testet den LatteGo Espresso

Die Reinigung der Philips LatteGo 5000 EP5335/10

Ich gebe zu: Die Reinigung des Milchbehälters war noch nie so einfach, schnell und bequem.

Um Spülungen usw. müsst ihr euch hier einfach keine Gedanken machen. Das ist auch die einzige wirkliche Verbesserung zur Saeco Incanto, wo ich mich ausführlich über die komplizierte Milchreinigung ausgelassen habe.

Philips LatteGo Milchsystem zusammen Stecken

Milchsystem zwei Teile

Milchsystem Deckel

Reinigung der Teile des Milchschaumsystems

Ansonsten gibt es Spül-, Entkalk- und Reinigungsprogramme, wie es sich gehört. Die Brühgruppe ist ordentlich entnehmbar und leicht zu reinigen. Wenn ihr das genauer wissen wollt, schaut in den Testbericht zur Saeco Incanto!

Reinigung der Schale

Reinigung des Trester Behälters

Entnehmbar Brühgruppe

Reinigung der Brüheinheit

Fazit zum Philips LatteGo 5000 EP5335/10 Vollautomaten

Ich erspare euch jetzt meine zusammenfassende Tirade zur Frechheit des Philips LatteGo 5000 EP5335/10 Kaffeevollautomaten. Denn dass die „Neuetikettierung“ eines Uraltgerätes mit einer winzigen Neuerung zum teureren Preis eine Frechheit ist, steht fest!

Macht das die Maschine an sich schlechter? Eben nicht. Denn die Saeco Incanto gilt bei Coffeeness als absoluter Klassiker und Referenzgerät für einen Preis-Leistungssieger in der Mittelklasse. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Cappuccino aus dem LatteGo

Ich frage mich einfach nur, ob Philips wirklich der Meinung ist, dass keiner hinter diese Schummelei kommt? Die Antwort muss lauten: Wenn die Kunden nicht gerade Coffeeness-Fans sind, dann wird der Hersteller wohl damit durchkommen 😉.

Aber eventuell rege ich mich umsonst auf und der Philips LatteGo ist jetzt bei Amazon schon viel günstiger geworden?

Im Ernst, ihr als Verbraucher zahlt hier definitiv zu viel. Und zwar, weil ihr von Tatsachen ausgeht, die so nicht stimmen. Darum noch einmal deutlich:

  • Die Philips LatteGo ist eine Saeco Incanto
  • Das neue Milchschaumsystem ist zwar leichter zu reinigen, ansonsten bringt es keine Vorteile
  • Ihr zahlt einen Preis, der längst nicht mehr aktuell und damit zu hoch ist
  • Die Maschine ist super, aber in dieser Verkleidung kein Preis-Leistungssieger!

Wollt ihr noch mehr wissen oder mir eure Meinung mitteilen? Dann hinterlasst einen Kommentar!

1 Kommentar
  • Gudio
    5 November, 2018

    Servus,

    aber ich bekomme momentan die Saeco Incanto auch nicht wirklich günstiger für ein 2 Jahre altes Modell. Aktuell günstig in der Bucht für 600,- und bei Amazon für 629,- und im weiteren Handel für 700,- € bis 800,- €.
    Wie du schon gesagt hast, liegt der Preis für die schwarze Maschine jetzt, mit einer aktullen Gutscheinaktion von 20 € bei Amazon bei 579,- € , also mit dem Latte Go System.
    Da find ich den Preis jetzt ganz in Ordnung. Wobei es natürlich immer noch bedeutet, dass es ein 100er Unterschied zu Philips 5000 Serie EP5365/10 bedeutet.

Ich freue mich über deinen Kommentar

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