Nivona NICR 520 CafeRomatica Test 2021: Kaffeevollautomat für anspruchsvolle Einsteiger?

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Es ist schon komisch: Einem Hersteller sehr günstiger Kaffeemaschinen traut man kaum zu, dass er im hochpreisigen Segment überzeugen kann. Genauso wenig traut man einer an sich elitären Marke zu, dass sie einen vernünftigen günstigen Kaffeevollautomat produziert.

Es ist schon komisch: Einem Hersteller sehr günstiger Kaffeemaschinen traut man kaum zu, dass er im hochpreisigen Segment überzeugen kann. Genauso wenig traut man einer an sich elitären Marke zu, dass sie einen vernünftigen günstigen Kaffeevollautomat produziert.

Die Angst: Entweder sind die anderen Geräte sonst zu teuer – oder der günstige Kaffeevollautomat ist am Ende einfach billig. Warum sollte der Hersteller sonst seine gewohnte Qualität plötzlich so günstig verscherbeln?

Mit diesen Vorbehalten bin ich auch an den Nivona 520 Test gegangen. Der NICR CafeRomatica 520 kostet um die 400 Euro und liegt damit nicht ganz auf dem Einstiegsniveau in meinem Kaffeevollautomaten Test 2021. 

Für Nivona Kaffeevollautomaten ist das jedoch ein geringer Preis. Das führt zu erwartbaren Abstrichen, die sich trotz allem in Grenzen halten. Ihr seid beim Aufschäumen stärker gefragt als sonst, müsst die Symbolsprache der Maschine auf dem Display erlernen und beim Einstellen öfter mal schätzen.

Das alles finde ich absolut erträglich. Über das Mahlgeräusch werden wir allerdings reden müssen. Wie es sich anhört, wenn meine schokoladigen Kaffeebohnen verarbeitet werden, seht ihr im Nivona 520 Video. Ob es euch wirklich stört, müsst ihr selbst entscheiden. 

Doch unter Umständen geht euch dann ein ansprechender und hochwertiger Kaffeevollautomat auf mehr als solidem Einstiegsniveau durch die Lappen.

Der Nivona NICR 520 CafeRomatica im Überblick: Bei den richtigen Konkurrenten gespickt?

Als ich den CafeRomatica 520 ausgepackt habe, musste ich sofort an den Melitta Avanza bzw. andere Puristen von Melitta denken. Die Nivona-Bedienfront mit Einstellrädern für die Füllmenge und Drehschalter für den Wechsel von Kaffeefunktion auf Milchaufschäumer erinnert mächtig verdächtig an so manchen Melitta-Kaffeevollautomaten.

Wer da bei wem gespickt hat, ist eigentlich wurscht. So oder so finde ich diese reduzierte Bedienform nämlich ziemlich klasse. 

Anstatt lange auf einem Display zu touchen oder App-gesteuert nach jeder Einstellung suchen zu müssen, dreht ihr den linken Schalter für die Füllmenge einfach so weit hoch oder runter, wie ihr wollt. Über Bohnen- bzw. Balkenskalen auf dem Symbol-Display klärt ihr den Rest. Der CafeRomatica 520 ist so reduziert, dass sich nicht einmal ein TFT-Farbdisplay lohnt. Leuchtende Symbole sind vollkommen ausreichend. Die beiden Kaffeesorten haben einen eigenen Schalter. Das war es auch schon.

Nivona NICR 520 CafeRomatica Kaffeevollautomat

Wie oft wir uns von verzwickten Funktionen und tollen Bedienelementen blenden lassen, sehen wir spätestens, wenn sie bei einem Kaffeevollautomat fehlen – und er sich trotzdem in allen entscheidenden Faktoren zwischen Bohnenbehälter und Auffangschale einstellen lässt: 

  • Kegelmahlwerk aus Edelstahl mit drei Stufen
  • Temperatur in drei Stufen (Balken-Anzeige)
  • Menge an Kaffeepulver in drei Stufen (Bohnen-Skala)
  • 2-Tassen-Bezug für Kaffee (Kaffee-Taste zweimal hintereinander drücken)
  • Wechsel zwischen Heißwasser und Milchschaum über rechten Drehschalter

 Ein Wasserfilter ist ebenfalls am Start, 15 Bar Pumpendruck sind vollkommen ausreichend, das „Aromatica System“ mit Pre-Infusion ist auch hier eingebaut. 

Spätestens bei der Schäumfunktion sehen wir aber, warum dieser Kaffeevollautomat im Nivona-Vergleich günstiger ist. Der „Spumatore“ bzw. Cappuccinatore ist eine Mischung aus manuellem Aufschäumer und automatischem Milchsystem:

Ihr müsst eure Tassen von Hand unter den Extra-Auslauf rücken und den Milchschaumbezug per Drehschalter manuell starten (und stoppen). Die Schäumerei selbst könnt ihr dem Schlauch bzw. den automatischen Düsen überlassen.

Was vielleicht nervig klingt, ist dennoch meilenweit „automatischer“ als eine manuelle Milchschaumdüse, die das Einstiegssegment (ab oder sogar unter 250 Euro) sonst dominiert. Aber bei einem Preis von um die 400 Euro möchte man schon ein bisschen mehr erwarten dürfen als von echten Einstiegsgeräten wie meinem Testsieger DeLonghi 22.110.B.

DeLonghi ECAM 22.110.B Kaffeevollautomat Milch aufschaeumen

Sollte euch der mattschwarze Kunststoff des CafeRomatica 520 nicht zusagen, könnt ihr euch mit dem NICR 530 eine silberne Version aussuchen. Der Kunststoff ist zwar kein Hauptgewinn in Sachen Qualität, passt aber zum Preis – und wirkt auch ausreichend hochwertig.

Überhaupt stellt sich der CafeRomatica bei der Hochwertigkeit generell gut an. Im Kaffeevollautomaten-Test der Stiftung Warentest kam der NICR 520 zwar nur mit einem „befriedigend“ davon. Aber wann habe ich deren Urteil je vorbehaltlos unterschrieben?

Den NICR 520 Kaffeevollautomat einstellen: Ein Hauch von Tiefenbohrung

Sprechen wir zuerst über das Negativmerkmal des CafeRomatica 520: Das Kegelmahlwerk aus Edelstahl erinnert verdächtig an einen Zahnarztbesuch. 

Mit gemessenen 73,8 Dezibel liegt es klar über dem Durchschnitt hochwertiger Nivona-Modelle. Der begeisternde NICR 825 Kaffeevollautomat etwa liegt um ganze 10 Dezibel darunter.

Nivona NICR 520 CafeRomatica Kaffeevollautomat

Die Lautstärke allein ist nicht das Problem. Die Geräuschqualität fetzt ebenfalls nicht. Viele von euch haben bereits in den YouTube-Kommentaren gesagt, dass diese Bohrer-Attitüde ein guter Grund ist, den 520 nicht zu kaufen. Das kann ich gut verstehen.

KategorieEintrag
HerstellerNivona
NameNICR 520 CafeRomatica
ArtKaffeevollautomat
Brühgruppe herausnehmbarJa
GehäusematerialKunststoff
MilchschaumsystemHalbautomatisch (Cappuccinatore)
DisplayJa
AppNein
BenutzerprofileNein
Wassertank2,2 l
MahlwerkKegelmahlwerk Edelstahl
Bohnenfach250 g
Mahlgrade3 Stufen
KaffeepulverfachJa
KannenfunktionNein
Kaffeegetränke auf Knopfdruck2
Kaffeestärke einstellbarJa (3 Stufen)
Temperatur Kaffee einstellbarJa (3 Stufen)
Temperatur Milch(-schaum) einstellbarNein
2-Tassen-FunktionJa (schwarzer Kaffee)
HeißwasserfunktionJa
Heiße-Milch-FunktionNein
Nur Milchschaum beziehenJa
WasserfiltereinsatzJa
Lautstärke (in Dezibel von Arne gemessen)73,8 dB
Gewicht10 kg
Maße (Höhe x Breite x Tiefe)34 x24 x 46 cm

Auf der anderen Seite hat dieser Kaffeevollautomat zwar nur drei Mahlgrade. Doch die Maschine kommt auch mit der feinsten Einstellung zurecht und kann damit auch mit sehr frischen Kaffeebohnen umgehen, ohne allzu viel vom Aroma wegzurasieren.

Daneben setzt der CafeRomatica 520 bei den Einstellungen für die Zubereitung an den richtigen Stellhebeln an. Meinen Espresso habe ich auf ungefähr 35 bis 40 Milliliter eingestellt. So genau weiß man es nicht, weil es keine genaue Angabe auf dem Stellrad gibt.

Bei zwei von drei Bohnenskala-Punkten für die Kaffeestärke finde ich die Pulvermenge pro Tasse optimal. Laut Bedienungsanleitung werden 9 Gramm Kaffee pro Bezug durch die Brühgruppe gejagt. Bei der milden Variante wären es 7 Gramm, bei der intensiven Version 11 Gramm.

Die Temperatur habe ich auf dem voreingestellten Wert „hoch“ (2 von 3) belassen. Das ist selbst für Frostbeulen ausreichend.

Espresso & Kaffee: Lebendiger als gedacht

Dass ein halbwegs versierter Kaffeevollautomat die Schokonoten in meinen Coffeeness-Bohnen immer herausarbeiten kann, ist für mich inzwischen Voraussetzung. Umso erfreulicher finde ich, dass der CafeRomatica 520 auch ein paar spritzig-lebendige Grundelemente in die Tasse bringt.

Nivona NICR 520 CafeRomatica Kaffeevollautomat Kaffee

Wo etwa der 825 dann doch sehr „klassisch“ und „massentauglich“ unterwegs ist, gönnt sich die Einsteigerversion mit weniger Einstellmöglichkeiten offensichtlich mehr Aromenbreite. Das „Aromatica System“ scheint also zu funktionieren.

Ähnliches gilt für „normalen“ Kaffee bei einer Füllmenge von rund 120 Milliliter. Hier gibt es keine wässrigen Unannehmlichkeiten, das Getränk schmeckt rund, voll, schokoladig und trotzdem ein wenig animierend.

Bester Kaffee für den Nivona CafeRomatica NICR 520

Coffeeness Kaffee für Vollautomaten Bester Kaffee für den Nivona CafeRomatica NICR 520

Wir haben einen Kaffee extra für Kaffeevollautomaten entwickelt – auch für alle Getränke aus dem Nivona CafeRomatica NICR 520. Wir haben getestet: Espresso, schwarzer Kaffee, Cappuccino und Latte Macchiato erhalten eine volle Schoko-Note. Hier geht es zu unserem Shop.

Auf den Kaffee kommt es an: Kippt ihr oben was Gutes rein, kommt unten was Gutes raus!

Kaffee für Vollautomaten by Coffeeness

Kaffee entwickelt für den Vollautomaten

Bester Kaffee für den Nivona CafeRomatica NICR 520.

Für Latte Macchiato

Espresso, schwarzer Kaffee

Schokoladig-nussig

Frisch geröstet

Zum Coffeeness Shop

Das sind die richtigen Einstellungen für unseren Kaffee mit dem Nivona CafeRomatica NICR 520: 

  • Stellt das Mahlwerk auf den feinsten Mahlgrad (1 von 3)
  • Achtung: Bitte immer nur bei laufendem Mahlwerk verstellen.
  • Bei Kaffeestärke und Füllmenge haltet ihr euch jeweils an den Mittelwert: Ein Espresso mit 35 bis 40 ml und Menge 2 von 3 funktioniert am besten. 

Milchschaum: Mensch & Maschine als gutes Team

Wer daran gewöhnt ist, seine Tasse nur hinzustellen und für einen Cappuccino auf einen Knopf zu drücken, muss beim 520 Kaffeevollautomat natürlich umdenken. Hier müssen nicht nur Tassen gerückt und Umschalthebel betätigt werden. Ihr müsst auch selbst entscheiden, ob Kaffee oder Schaum zuerst in der Tasse landen sollen – und in welcher Menge.

Nivona NICR 520 CafeRomatica Kaffeevollautomat Milchschaum

Was auf der einen Seite nach ganz schön viel Arbeit an einem angeblichen KaffeeVOLLautomaten klingt, hat andererseits immense Vorteile:

  • Ihr könnt ohne hektische Einstellungen jederzeit neu entscheiden, wie euer Getränk am Ende aussehen soll
  • Weil der Schaum eine eigene Düsen-Einheit bekommt, muss sich die Technik nicht allzu sehr auf Kompromisse einlassen
  • Schnell ein bisschen Milch beziehen? Gar kein Problem!

Ich finde den „Spumatore“-Schlauch nebst Extradüse aus all diesen Gründen sogar ziemlich genial und rechne ihn positiv in das Preis-Leistungs-Verhältnis hinein.

Obendrauf erhaltet ihr generell eine Schaumqualität, die sich mehr als sehen lassen kann. Ganze drei Mauri-Finger breit, ist die Haube sehr cremig, gut temperiert und sämig-lecker.

Reinigung: Typisch Nivona CafeRomatica!

Wenn ich lange darüber nachdenken muss, welche Aussagen zur Reinigung in den Testbericht geschrieben werden sollen, ist das immer ein gutes Zeichen. Dann lässt sich der Kaffeevollautomat nämlich so gut reinigen, dass ich weder klagen noch irgendeine außergewöhnliche Besonderheit erwähnen muss.

Beim CafeRomatica 520 müsst ihr höchstens lernen, was ihr beim Aufblinken eines bestimmten Symbols reinigen oder entkalken sollt. Wenn ihr schon einmal eine Brüheinheit aus einem Gerät entfernt habt, habt ihr die Brühgruppe hier auch in zwei Sekunden entnommen.

Da der Spumatore nicht vollautomatisch ist, wird er natürlich auch nicht vollautomatisch durchgepustet. Dazu müsst ihr den Schlauch aus dem Milchbehälter eurer Wahl entnehmen, das Gerät auf Dampf stellen und es dann „flashen“, also durchspülen.

Erledigt das am besten ebenfalls mit einem extra Behälter, weil die Auffangschale dieses CafeRomatica dann doch so klein ist, wie man das in der Baureihe erwarten kann.

Fazit zum Nivona CafeRomatica NICR 520: Stimmt das Verhältnis?

Während wir es ab einer bestimmten Preisklasse im Kaffeevollautomaten Test nicht mehr ganz so genau mit den Hundertern nehmen, sieht das bei einem Kaffeevollautomat der Einstiegsklasse natürlich anders aus.

Auch wenn es naheliegt, den Nivona CafeRomatica NICR 520 (oder NICR 530) mit DeLonghi-Geräten als „Kings of Einstiegsniveau“ zu vergleichen, ist dies das falsche Duell. Ein Blick auf das (gern genommene) Verhältnis von Nivona und Jura funktioniert hier ebenfalls nicht. 

Nivona NICR 520 CafeRomatica Kaffeevollautomat Milchschaumbezug

Zwar haben wir im Jura A1 Test ein Einstiegsgerät mit ähnlichem Preisschild untersucht, doch besitzt dieses überhaupt keinen Milchaufschäumer. Das gilt also nicht.

Der CafeRomatica 520 muss vielmehr den Vergleich mit dem Melitta Avanza bestehen. Und das bekommt er ziemlich gut hin. Während wir beim Melitta-Modell zehn Meilen gegen den Wind riechen, dass ein „einfacher“ Melitta Purista mit einem Milchschlauch „nachgerüstet“ wurde, wirkt der Nivona-Kaffeevollautomat wie aus einem Guss.

Die Qualität der Maschine scheint insgesamt harmonischer, was sich direkt in besserem Espresso und wirklich gutem Milchschaum niederschlägt. Das macht den NICR 520 nicht nur gut, sondern insbesondere im Vergleich zu Melitta auch günstiger.

Spätestens bei diesem Blick widerspreche ich der Stiftung Warentest vollends, die vom Avanza mehr gehalten hat als vom 520.

In der eigenen Markenwelt muss sich die 5er-Kategorie jedoch definitiv dem Nivona CafeRomatica 825 bzw. generell der 8er-Reihe geschlagen geben. Die spielt bei Funktionen und Preis zwar in einer ganz anderen Liga, aber hier macht die Maschine noch deutlicher, warum wir einem Nivona Kaffeevollautomaten mehr Aufmerksamkeit schenken sollten.

Und wie steht ihr zur gesamten CafeRomatica-Reihe? Besitzt ihr selber einen solchen Kaffeevollautomat? Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Kommentare!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Inhaltsverzeichnis