WMF Perfection Test 2022: Raus aus der Gastro, rein in den Privathaushalt – die Kaffeevollautomat-Preview

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Jeder von uns kennt automatische WMF Kaffeemaschinen – selbst, wenn uns das nicht bewusst ist. WMF Kaffeevollautomaten bevölkern die Snack-Gastronomie, zahllose Frühstücksräume, Tankstellen, Bäcker und so manches Büro.

Jeder von uns kennt automatische WMF Kaffeemaschinen – selbst, wenn uns das nicht bewusst ist. WMF Kaffeevollautomaten bevölkern die Snack-Gastronomie, zahllose Frühstücksräume, Tankstellen, Bäcker und so manches Büro.

Versionen wie der bekannte WMF 1100S bieten eine üppige Ausstattung und eine Deppen-sichere Bedienung bei einem Mindestmaß an Maschinen-Erfahrungen. Sie sind im gesamten Brühvorgang darauf ausgelegt, Tasse auf Tasse im Eiltempo und ohne langes Einstellen zu produzieren.

Mit dieser Marktkonzentration war WMF bisher sehr erfolgreich. Während sich andere Hersteller um die Endverbraucher kloppten, konzentrierte sich WMF auf gewerblichen Kaffee auf Knopfdruck, während man in privaten Küchen alle anderen Gerätekategorien bespielte – inklusive Melonenbällchenmacher und einfache Kaffeemaschinen.

Doch das Unternehmen aus Geislingen an der Steige will nun offensichtlich auch ein Stück vom Privatkunden-Kuchen. 

Mit dem WMF Perfection 840L und dem WMF Perfection 880L Kaffeevollautomaten präsentieren sie ab April 2022 zwei Geräte, die den typischen WMF-Style feiern: viel Edelstahl, viel Design, ein bisschen Snobismus und ein entsprechender Preis.

Wir sind uns sicher einig, dass niemand auf diese Kaffeevollautomaten gewartet hat. Dazu müsste die Technologie im Vergleich zum riesigen Angebot in meinem Kaffeevollautomaten Test mindestens einen Quantensprung hinlegen. Tut sie nicht.

Doch allein die Tatsache, dass WMF diesen Schritt überhaupt geht, ist ein perfekter Grund für einen Test.

Bevor ich die beiden Kandidaten mit meinen Kaffeebohnen für Vollautomaten füttern und ausprobieren kann, müssen wir uns noch etwas gedulden. Unter die Lupe nehmen wir sie trotzdem schon.

WMF Perfection 800-Serie: Welche Kaffeevollautomaten gibt es?

Eine Marktregel hat WMF schonmal verstanden: Verwirre den Kunden mit möglichst vielen Modell-Zahlen! Die Perfection-Serie wird vom Hersteller derzeit mit zwei Maschinen beworben:

  • WMF Perfection 840L für rund 1.600 Euro
  • WMF Perfection 880L für rund 1.900 Euro

Außerdem soll es einen 890L Kaffeevollautomat für knapp 2.000 Euro sowie einen 860L für rund 1.800 Euro geben. Über diese Maschinen redet WMF jedoch nur in der überall kopierten Pressemitteilung, nicht auf den eigenen Seiten.

Wenigstens tut uns WMF den Gefallen und baut die Kaffeevollautomaten-Serie logisch auf: Die Höhe der Zahl bestimmt die Anzahl der Funktionen und Onboard-Programme.

WMF Perfection 840L

Es ist Quatsch, bei einem Preis von rund 1.600 Euro von einem Einsteiger-Kaffeevollautomat zu sprechen. Aber es zeigt uns, in welcher Liga die neuen WMF Kaffeemaschinen spielen sollen. Das passt zum Markenimage – immer ein bisschen mehr verlangen. Dafür erhaltet ihr:

  • Gehäuse aus Cromargan-Edelstahl
  • Edelstahl-Kegelmahlwerk mit 5 Stufen
  • Bedienung über 4,3 Zoll-TFT-Touchscreen (ca. 11 cm)
  • 15 Kaffeespezialitäten
  • 4 Benutzerprofile
  • Kaffeestärke 3-stufig einstellbar
  • Wassermenge relativ individuell prorgammierbar
  • „Aroma Perfection System“ – Brühgruppe aus Metall
  • Doppel-Thermoblock
  • Milchschaum über Cappuccinatore (Behälter separat)
  • „LED-Ambient-Light“

Ob und wie diese Ausstattung zum derzeitigen Stand der Technik passt und mit welcher Ausrichtung sich WMF im Consumer-Wettbewerb positionieren will, diskutieren wir gleich.

WMF Perfection 880L

Für nochmal 300 Euro bietet der 880-Perfection-Kaffeevollautomat erwartbar mehr Funktionen, Programme und Zubehör. Außerdem erkennen wir im 880, dass sich WMF von seiner Hotellerie-Profi-Ebene nicht ganz lösen will:

  • Gehäuse, Mahlwerk, Brüheinheit, Thermoblock, Bedienkonzept identisch
  • 18 Kaffeespezialitäten
  • 16 Benutzerprofile
  • Kaffeestärke 4-stufig einstellbar
  • Milchbehälter aus Glas enthalten

Der Sprung von vier auf 18 Benutzerprofile ist enorm. Mir fällt auf Anhieb keine Consumer-Marke ein, die sich bei einer Serien-Konzipierung dermaßen auf dieses Feature konzentriert. 

Das macht aber auch deutlich, dass der 880L vermutlich die Grenze zu den Gastro-Kaffeemaschinen markieren und zum Beispiel als kleinerer Kaffeevollautomat fürs Büro fungieren soll.

WMF & der Wettbewerb: Wen sprechen die Kaffeevollautomaten an?

Es steht völlig außer Frage, dass die Perfection-Kaffeevollautomaten mit ihrem supercleanen Design echte Hingucker sind. Hässlich war der typische WMF-Cromargan-Style schließlich noch nie. 

Aus meinen Erfahrungen mit WMF Kaffeemaschinen weiß ich außerdem, dass auch die Verarbeitung stimmt. WMF ist also Style and Substance. Was nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. 

Zudem zeigen uns die Datenblätter, dass sich die Geräte an Menschen richten, die guten Kaffee trinken wollen, ohne von Technik erschlagen zu werden. Fünf Mahlgrade und keine App wirken jedoch ein bisschen überholt. Auch die sonstigen Verkaufsargumente schreien nicht gerade vor Innovativität.

Das geschulte Auge sieht damit jedoch sofort, wen sich WMF als direkte Konkurrenz ausgeguckt hat: Miele Kaffeevollautomaten schlagen in mehreren Punkten in dieselbe Kerbe – schickes Material, schickes Design, guter Kaffee, wenig Spielereien, distinguierte Kunden.

Wer diese Kunden im Endeffekt besser anspricht, werden wir natürlich in einem direkten Kaffeevollautomaten-Duell überprüfen.

Sobald ich an Miele denke, denke ich auch stets an Nivona oder Jura. Aber die WMF-Schnittmenge zu diesen beiden Marken endet bei Look und Image. 

Jura Kaffeevollautomaten als Technologie-Innovatoren spielen auf einem völlig anderen Preis-Leistungs-Niveau. Nivona Kaffeevollautomaten versuchen, den Mittelweg zwischen moderner Technik und einfacher Bedienung zu finden.

Sobald wir vom Gerät zur Marke herauszoomen, drängt sich eine ganz bestimmte Verhältnisgleichung auf: WMF Kaffeevollautomaten verhalten sich zu Krups Kaffeevollautomaten wie Saeco zu Philips

Beide Paare gehören jeweils zu einem Konzern (in unserem Fall Groupe SEB). WMF und Saeco bespielen die Oberklasse, während Krups und Philips das Einsteigerniveau bedienen.

Als mir dieses Verhältnis klar wurde, hat sich mir ein „schrecklicher Verdacht“ aufgedrängt, der sich mit einem kurzen Blick in die WMF-Betriebsanleitung bestätigt hat. Genau wie Krups ist WMF sehr stolz auf seine Temperaturgenauigkeit. Doch die hat ihren Preis.

Brüheinheit, Thermoblock & die Sache mit der Reinigung

Analog zu Krups Kaffeevollautomaten gehen die WMF-Geräte mit einer Brühgruppe aus Metall (Aroma Perfection System) hausieren. Das soll dem Wärmeverlust im Brühvorgang vorbeugen und durch mehr Material-Power einen optimalen Druck ermöglichen. 

Das Kaffeemehl wird demnach besser komprimiert, Espresso und Kaffee kommen aromastärker in die Tasse.

Die Doppel-Thermoblock-Idee ist ebenfalls nicht dumm. Da wir für Tee und Milchschaum andere Temperaturen als für Kaffee benötigen, muss ein einzelner Block zwischen einem Aufschäum- und einem Brühvorgang stets hin und her wechseln.

Das sorgt zwangsläufig für Erwärmung, die gutem Kaffee weniger guttut. Indem das Wasser für Tee oder Milchschaum aus einem eigenen Kreislauf kommt, müssen wir uns mit diesem Temperatur-Crossover nicht mehr herumschlagen.

Das macht einen Kaffeevollautomaten theoretisch auch schneller, weil der Schaum-Kreislauf schon bereit gemacht werden kann, während der Brühvorgang noch läuft.

Alles super, alles klasse.

Nur hat uns schon Krups erzählt, dass es für dieses System notwendig ist, die Komponenten perfekt ineinandergreifen zu lassen. Deshalb sei es auch notwendig, dass sich die Brühkammer nicht ausbauen lässt.

WMF hat dazu zwar nichts Offizielles gesagt. Doch ein Blick in die Bedienungsanleitung bestätigt den Verdacht: Auch bei den neuen WMF Kaffeevollautomaten ist die Brühgruppe fest verbaut, die maschinellen Spülprogramme sollen für die Reinigung ausreichen.

Seufz.

Wenigstens wissen wir es bald ganz genau. Mein Jahres-Dauertest mit zwei Nicht-Ausbau-Kaffeevollautomaten von Krups und Jura ist bald abgeschlossen. Sobald wir sie auseinandernehmen, können uns die Hersteller nichts mehr erzählen. 

Ein Blick auf den WMF-Funktionsumfang: Kaffee wie in der Gastronomie?

Mit der Konzentration auf die Temperaturgenauigkeit, der fehlenden App und den eher überschaubaren Einstellungen bleibt sich WMF beim Schritt in den Endkundenmarkt treu.

Demnach sollen die Anwender nur kurz den Touchscreen berühren und ohne Wissen oder lange Einstellungen ihren Cappuccino, Cafe Crema oder Espresso erhalten. Ganz so, als würden sie Kaffee in der SB-Gastronomie ziehen.

Das ist auf jeden Fall ein Plus für die Markenabgrenzung. Ob sie sich damit einen Gefallen tun, weiß ich bisher nicht. Privatkunden sind in Sachen Vollautomaten verwöhnt und bewerten den Maschinenpreis nach harten Zahlen.

15 oder 18 Kaffeespezialitäten sind für sie Standard, jeder Mahlgrad weniger, jede fehlende Eingriffsmöglichkeit in die Temperatur macht sie skeptisch. Da kann der Hersteller noch so viel über Wärmeverlust oder einen doppelten Wärmeblock reden.

Der Blick in die Betriebsanleitung hat mir zumindest bestätigt, dass ihr euren Americano, Espresso oder Kaffee in Sachen Wassermenge jeweils in 5 Milliliter-Schritten verstellen und bei 20 Milliliter loslegen könnt – je nach ausgewähltem Getränk.

Bevor ihr fragt: Eine Kannenfunktion gibt es nicht.

Drei bzw. vier Einstellungen für die Kaffeestärke dürften ausreichen, auch wenn viele Vollautomaten mit fünf Stufen protzen. Drei Temperaturstufen sind ebenfalls in Ordnung. Ich werde natürlich im Test herausarbeiten, ob jede Stufe Sinn ergibt. Apropos …

Was der WMF Perfection Vollautomat im Test beweisen muss

Alles, was wir bis hierhin festgehalten haben, ist zwangsläufig spekulativ – bzw. nicht der eigentliche Knackpunkt. Zwar können wir aus den Datenblättern, Marketingsätzen und Angaben zur Technologie in hohem Maße auf die Performance der Maschine schließen.

Doch am Ende zählt, was ein Kandidat in meinem Kaffeevollautomaten Test 2022 in die Tassen bringt. Beim WMF Perfection Kaffeevollautomat halte ich es für besonders wichtig, hinter die Design-Fassade mit LED Ambient Light zu blicken und Fragen zu stellen, die WMF bisher in seiner Selbstdarstellung teils komplett ignoriert:

  • Mit welcher Lautstärke arbeitet das Mahlwerk?
  • Wie intuitiv und responsiv ist der Touchscreen?
  • Wie fein arbeitet der feinste Mahlgrad?
  • Wie steht es um den Espresso-Style, die Crema, die Aromen?
  • Welche Konsistenz haben Cappuccino oder Latte Macchiato?
  • Macht die Thermoblock-Sache wirklich einen Unterschied in Sachen Erwärmung?
  • Beseitigt die Maschine Kaffeemehl wirklich so gründlich?

Vor allem suche ich jedoch nach einer Begründung, den WMF Perfection 840L oder 880L kaufen zu wollen. Wenn er mir ein besonderes „Hotellerie-Feeling“ vermittelt, bin ich glücklich.

Ich weiß zwar nicht genau, was ich damit meine. Ich habe aber das Gefühl, dass es mit einer supereinfachen Bedienung und superschnellen Ergebnissen zu tun hat. Der doppelte Thermoblock ist schließlich eines der stärksten Verkaufsargumente.

Wenn Kaffee und Milchschaum überragend werden, habe ich natürlich ebenfalls nichts dagegen. Doch ich bin erst einmal skeptisch, ob der WMF-Vorstoß in den Endkundenbereich zu Ende gedacht und sinnvoll umgesetzt ist. Schuster, bleib bei deinem 1100S und so.

In jedem Fall bin ich schon sehr gespannt auf den Test. Ihr auch? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
7 Kommentare
Neueste
Älteste
Inline Feedbacks
View all comments
Inhaltsverzeichnis