Siemens EQ.900 Test 2022: Ein Kaffeevollautomat schließt zur digitalen Elite auf

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Von Siemens Kaffeevollautomaten gab es schon lange nicht mehr so viel Neues zu berichten. 

Von Siemens Kaffeevollautomaten gab es schon lange nicht mehr so viel Neues zu berichten. 

Erst kam der Siemens EQ.700 als sehr nettes Update zum EQ.6 auf den Markt. Dann verpasste die Traditionsmarke ihrer 3er-Serie mit dem Siemens EQ.300 einen aktuelleren Namen, hier gab es jedoch keine technischen Unterschiede.

Das war bereits eine nette Auswahl, aber noch nicht weiter spektakulär. Jetzt steht mit dem Siemens EQ.900 Kaffeevollautomat jedoch ein Gerät in den Regalen, das alle Register zieht: 

  • Elektronisches Mahlwerk! 
  • Auf Wunsch zwei! 
  • Riesiges Touch-Farbdisplay! 
  • Bedienbar im Comfort- oder Barista-Modus! 
  • Kaffeespezialitäten bis zum Abwinken! 
  • Deluxe-Ausstattung und geringe Lautstärke! 
  • Plus App-Steuerung, 
  • Zig Benutzerprofile, 
  • Kurze Aufheizzeit, 
  • Hoch einstellbare Auslaufhöhe! 

Damit schließt Siemens zwar faktisch nur zur digitalen Elite in meinem Kaffeevollautomaten Test 2022 auf. Jura, Saeco oder DeLonghi machen schon eine ganze Weile supermoderne, superdigitale Kaffeevollautomaten – und das sehr erfolgreich.

Das Siemens-Gerät ist trotzdem eine Klasse für sich. Sowohl im Preisvergleich als auch im Test mit meinen Kaffeebohnen begeistert es in vielen Punkten. Ganz vorne stehen der Schaum, die Handhabung, das Mahlgeräusch plus der besondere Kaffeegeschmack.

Ein paar kleine Einwände gegen das neue 2.000-Euro-plus-Topmodell habe ich trotzdem. Welche das sind und ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, seht ihr unter anderem im extra ausführlichen Test-Video – inklusive Special Guest und Süßkram!

Siemens EQ.900 Kaffeevollautomat im Vergleich: Preis-, Klassen- & Serienunterschiede

Der erste vergleichende Blick beim Siemens EQ.900 geht natürlich in Richtung Siemens EQ.9. Ihn soll das neue vollelektronische Modell schließlich ersetzen. Dabei kann in Sachen Funktion und Bedienung eigentlich nur der EQ.9 plus connect noch annähernd mit dem EQ.900 mithalten.

Der Siemens EQ.900 ist zwar das derzeit preisintensivste Produkt, mit seiner digitalen Steuerung und vielen Features aber auch der beste Kaffeevollautomat der Serie. Kaffee, Espresso und Milchspezialitäten erhalten hier einen besonders vielschichtigen Geschmack.

Zu den klassischen Siemens Kaffeevollautomaten, die es immer noch zu kaufen gibt, gehören der Siemens EQ 3, der Siemens EQ.6 und der Siemens EQ.9. Der Siemens EQ.500 integral hat das neue Zeitalter eingeläutet. Ganz neu sind der Siemens EQ 700 sowie das Luxus-Flaggschiff Siemens EQ.900.

Zunächst sollten wir jedoch klären, welcher Kaffeevollautomat gemeint ist, wenn wir vom Siemens EQ.900 sprechen. Denn seit den Tagen von EQ 3, EQ.6 und EQ.9 hat Siemens in Sachen unnötiger Geräte-Variationen kaum etwas dazu gelernt.

Eine andere Farbe, ein oder zwei Benutzerprofile sowie Kaffeevarianten mehr und vielleicht noch ein bestimmter Milchbehälter waren für Siemens schon immer ein Anlass, irgendwo „Extraklasse“ oder eine kryptische Nummer draufzuschreiben und mehr zu verlangen.

Lediglich beim Siemens EQ.700 geht es mit den Varianten classic und integral ruhiger zu, der kompakte Siemens EQ.500 belässt es sogar nur bei einem integral-Gerät. Und die neue Series? Seht selbst.

Dark Inox, TQ903D09, TQ907DF5 oder einfach Siemens EQ.900? Die Ausführungen in der Übersicht

Siemens EQ.900
Testmodell

TQ905D03

Gehäusematerial

Edelstahl

Verfügbare Farben/Designs

Edelstahl, Schwarz

Milchschaumsystem

Automatisch (Integriert)

Lautstärke (eigene Messung)

63 dB

Brühgruppe herausnehmbar

Display

App

Benutzerprofile

10 Profile

Wassertank

2,3 l

Minimale Auslaufhöhe

-

Maximale Auslaufhöhe

15 cm

Mahlwerk

Scheibenmahlwerk Keramik

Elektronisches Mahlwerk

Bohnenfach

375 g

Mahlgrade

5 Stufen

Kaffeepulverfach

Kannenfunktion

Kaffeegetränke auf Knopfdruck

bis zu 30

Kaffeestärke einstellbar

nach Ausführung

Temperatur Kaffee einstellbar

Temperatur Milchschaum einstellbar

2-Tassenfunktion

Heißwasserfunktion

Heiße-Milch-Funktion

Nur Milchschaum beziehen

Wasserfiltereinsatz

wird mitgeliefert

Gewicht

12 kg

Maße (Höhe x Breite x Tiefe)

39,2 x 31,5 x 47,0 cm

Sonstiges

Beleuchteter Tassenauslauf, aktive Tassenvorwärmung

Aktueller Preis

2.049,00 Euro

bei Amazon kaufen

Zumindest hält sich Siemens in einer Hinsicht im Zaun. Die neue EQ-9-Variante verschont uns mit bescheuerten Zusätzen wie s500 connect, s100, plus, plus connect, extraklasse, EQ.9 s700 und was nicht alles. Bisher.

Ausschlaggebend für das jeweilige Modell ist die (kryptische) Modellnummer. Sie stellt aber sicher, dass ihr wirklich das bekommt, was ihr von eurem Kaffeevollautomaten erwartet. 

Am wichtigsten ist die Anzahl der Mahlwerke. Aber auch in anderer Hinsicht hat sich Siemens einige Dinge einfallen lassen, die unterschiedliche Preise je Kaffeevollautomat rechtfertigen sollen:

 TQ907DF5TQ907D03TQ905DF9TQ905D03 (+)TQ903D09TQ903D03
Farbe / MaterialDark inoxEdelstahlEdelstahlEdelstahlSchwarzEdelstahl
Mahlwerk221111
Schaltbare TassenvorwärmungNeinJaNeinJaNeinNein
Bean-Ident-FunktionJaJaJaJaNeinNein
KannenfunktionJaJaJaJaNeinNein
Milchadapter enthaltenJaNeinJaNeinNeinNein
Preis zum Testzeitpunkt (gerundet)2.600 Euro*2.540 Euro1.800 Euro*2.100 Euro1.800 Euro1.950 Euro

*(bisher) nicht bei den großen/bekannten Händlern

(+) unser Testgerät

Den aktuellen Preis aller Maschinen solltet ihr mit Vorsicht genießen. Werden Kaffeevollautomaten nur von „Spezialisten“ oder einzelnen Geschäften verkauft, ist der Preis nicht marktkorrekt. 

Zudem ist während des Verfassens dieses Berichts „Black Friday“ und die Händler drehen bei den älteren (z.B. dem EQ.9 plus connect) und bei neuen Kaffeevollautomaten an der Schraube.

Generell ist es offensichtlich, dass sich ein doppeltes Mahlwerk (mit doppelter Bohnenkammer) am stärksten auf den Preis auswirkt. Ergibt Sinn, schließlich braucht es hier mehr Technik, mehr Bauteile, mehr Platz fürs zweite Keramikmahlwerk usw.

Über das Für (ohne Wider) des Milchadapters reden wir ebenfalls noch genauer. Generell ist es schön, wenn er bereits im Lieferumfang enthalten ist. Ihr könnt ihn aber auch extra kaufen – zu einem Preis von rund 22 Euro.

Die Sache mit der Kannenfunktion müsst ihr individuell klären. Ich komme gut ohne aus, da eine hohe Füllmenge auch im besten Gerät der besten Preisklasse immer zu etwas wässrigem Kaffee führt. 

Im Gegensatz dazu ist die Tassenwärmer-Funktion schon sinnvoller. Ob sie abschaltbar sein muss, entscheidet ihr selbst. Heiß wird sie auf jeden Fall. Sie ist weit genug vom Bohnenbehälter entfernt, um die Bohnen nicht unnötig aufzuheizen.

Beim Bean-Ident-Punkt habe ich eine klare Meinung: Brauchen wir nicht. Hat keinen Einfluss auf die Bedienung, bringt den Kaffeebohnen nix, macht Cappuccino oder Latte nicht besser. Warum, klären wir später. 

Bezeichnungen wie TQ903D43, TQ907D43 TQ907D3, EQ900 plus, Extraklasse, Siemens EQ.900 plus oder ähnliches verweisen nicht auf den neuen EQ.900, sondern sind ein Merkmal des EQ.9 bzw. ein mehrfacher Tippfehler, den sich Google merkt. Sollte ein Händler solche Bezeichnungen für den neuen EQ.900 verwenden, würde ich skeptisch werden!

Leistung, Ausstattung, Bedienung, Features: Das kann der EQ.900 Kaffeevollautomat

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Eigentlich wäre es einfacher aufzuzählen, was der Siemens EQ.900 nicht kann. Schließlich hat er als hochklassiges Produkt alles an Bord, was wir von einem solchen Preis erwarten dürfen. Das war beim Siemens EQ.9 nicht anders, ist also keine Überraschung.

Zu den EQ-9-Standards gehören unter anderem

  • Alle Kaffeespezialitäten von Ristretto bis Café Crema
  • Mehr Edelstahl als alles andere
  • App-Anbindung, WiFi
  • 2-Tassenfunktion & Doubleshot-Funktion
  • Einfluss auf die Brühgeschwindigkeit & Vorbrühen
  • Heißwasserfunktion & nur Milchschaum beziehen
  • Wassertank mit ordentlichem Fassungsvermögen
  • Integrierter Milchaufschäumer
  • „SensoFlow“auch für stabile Brühtemperatur
  • Herausnehmbare Brühgruppe
  • Komplexes Clean System mit vielen automatischen Programmen

Für uns am interessantesten sind jedoch die Features, die den Siemens EQ.900 vor allem vom Siemens EQ9 abheben. Dazu gehören:

  • Elektronisches Mahlwerk (Scheibenmahlwerk aus Keramik) mit superSilent-Versprechen
  • 6,8” Full-Touch-Farbdisplay
  • BeanIdent System für automatische Erkennung unterschiedlicher Röstungen
  • BaristaMode für Feineinstellungen
  • ComfortMode für intuitive Zubereitung und Bedienung ohne viele Einstellungen

Das war’s schon? Im Grunde ja. Tatsache ist, dass ihr den Siemens EQ.9 genauso gut behalten könnt, falls er euch happy macht, und elektronische Dinge für euch eher nebensächlich sind. Hochwertig, leise und ein Cappuccino-Zauberer ist er schließlich auch.

Allerdings darf nicht unter den Tisch fallen, dass die generellen Einstellungen beim EQ.900 an den richtigen Stellen nochmal feiner und intuitiver geworden sind.

Klapprige Blende am Auslauf passt nicht zur Preisklasse

Siemens EQ.900 Kaffeevollautomat Espresso Crema

In Sachen Hochwertigkeit gibt es für mich nur an einer Stelle etwas zu meckern: Für einen solch edlen Kaffeevollautomaten mit Edelstahlgehäuse wirkt der Kaffeeauslauf ganz schön klapprig. Er besteht aus Kunststoff, sieht so aus und fühlt sich auch so an.

Das heißt nicht, dass der Kaffeeauslauf nach dem x-ten Bezug auseinanderfällt. Es fällt nur sehr ins Auge, wenn ein Bauteil (wohl aus Kostengründen) derart aus der Reihe tanzt. Doch zumindest passen Tassen und Gläser bis 15 Zentimeter darunter. Das ist auch was.

Siemens EQ.900 vs. Siemens EQ.9: Welcher ist der leiseste Kaffeevollautomat?

Bevor wir uns um den eigentlichen Testbericht kümmern, räumen wir eine der wichtigsten Fragen im Umfeld von Siemens Kaffeevollautomaten aus dem Weg: Kann der neue Siemens EQ.900 den alten Siemens EQ.9 als leisesten Kaffeevollautomaten vom Thron stoßen?

Ja und Nein.

Der Siemens EQ.9 ist mit gemessenen 59,6 Dezibel weiterhin leiser als der Siemens EQ.900 mit gemessenen 63 Dezibel. Allerdings kann ich im Betrieb kaum einen Unterschied hören.

Die Isolierung des Gehäuses ist auch beim neuen Kaffeevollautomaten perfekt, auch Brüheinheit und Milchzubereitung arbeiten leise.

Die versprochene Geräuschreduzierung ist also einmal mehr rundum erfüllt. Haben wir etwas anderes erwartet?

Siemens EQ.900 einstellen: Macht’s einfach

Latte Macchiato Einstellungen am grossen Display des Siemens EQ.900

Mit Connect-App-Steuerung, superbuntem Riesen-Display und einem intuitiven Konzept kann das neue Gerät genauso punkten wie alle anderen Maschinen aus dem Hause Siemens.

Ihr müsst im Grunde nur den Bohnenbehälter füllen, den Wasserfilter einsetzen, die Tassen bereithalten und ein paar Menüpunkte drücken. 

Habt ihr keine Lust, euch mit den Kaffeebohnen und den Parametern einer Bohnensorte zu beschäftigen, übernimmt der Kaffeevollautomat das Kommando. Schöner ist es jedoch, wenn ihr selbst Hand anlegt. Sonst reicht auch ein alter EQ.6.

Mahlwerk einstellen

Bis zu diesem Gerät habe ich noch nie darüber nachgedacht, doch von einem vollständig elektronischen Kaffeevollautomaten erwartet man theoretisch unendlich viele Mahlgrade, oder?

Denkste. Denn das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wundert euch also nicht, dass ihr sowohl in der App als auch am EQ.900-Display nur fünf Stufen zur Auswahl habt. Das hat tatsächlich seine Richtigkeit.

Wie auch bei einem mechanischen Mahlwerk kommt es nur darauf an, dass jede Stufe einen starken Einfluss auf den Geschmack und die Ergebnisse bei den Kaffeespezialitäten haben. Haben sie das hier? Jawohl.

Dafür müsst ihr euch in jedem Fall nie wieder mit Tipps wie „nur im laufenden Betrieb verstellen“ rumschlagen. Feinster Mahlgrad gefällig? Einfach die App starten, den entsprechenden Regler verschieben und der Extraklasse-Ristretto oder Espresso kommt aus dem Auslauf.

Solltet ihr unsicher sein, ob eure Bohnen lieber feiner oder gröber gemahlen werden sollten, kann der neue EQ.9 das angeblich selbst feststellen. Angeblich.

Was ist BeanIdent?

Die BeanIdent-Sensorik soll alle Getränke-Einstellungen automatisch an die Kaffeebohnen anpassen. Das gibt es zum Beispiel auch als Adapt-Bean-Verfahren bei DeLonghi. Egal, wie man es nennt:

Unser Röster Wolfram und andere Experten sagen, dass das Humbug ist. Ich sage das auch.

Wie soll eine Kaffeemaschine Details erkennen, für die ein Röster sowohl komplizierte Messtechnik als auch seine fünf Sinne und eine jahrelange Ausbildung braucht? Diese Funktion können wir aus vollem Herzen ignorieren.

Stellt das Mahlwerk stattdessen schon vor der ersten Zubereitung auf die feinste Stufe und lasst es da. Für alle Kaffeesorten. Für jeden Geschmack. Bei jeder Auswahl. Ob mit Milch oder ohne. Andere Parameter sind interessanter.

Getränke einstellen: App oder Display?

Espresso Einstellungen am grossen Display des Siemens EQ.900

Der wohlbekannten Siemens Home Connect App sieht man auch bei der Bedienung des Siemens EQ.900 an, dass sie eine All-in-One-Lösung für alle Siemens-Hausgeräte ist. 

In manchen Details stößt sie an Grenzen, die ihr beim Kaffeevollautomaten an sich nicht habt. Mir ist durch Zufall aufgefallen, dass in der Connect-App kein zweiter Mahlvorgang für einen Kaffee eingeleitet wird, sobald ihr die Kaffeestärke über Stufe 5 hinaus einstellt. Ob das nur ein Darstellungs- oder auch ein Funktionsfehler ist, kann ich nicht sagen.

Richtig gut gefällt mir jedoch, dass alle Einstellungen in der Connect-App am Display nachvollzogen werden. Wenn zwischendurch der Akku versagt oder ihr keine Lust habt, auf dem kleinen Smartphone-Bildschirm rumzutatschen, könnt ihr am Gerät an derselben Stelle weitermachen.

Mal abgesehen von der Bequemlichkeit, Getränke auch von der Couch aus in einer App zu programmieren, ist der Kaffeevollautomat mit seinem geräumigen Touchdisplay sowieso die komfortablere und effizientere Lösung.

Im Vergleich zum Saeco Xelsis Suprema mit erweiterter Display-Größe fehlt mir bei der Siemens-Lösung nur ein Detail: Wäre das Display etwas schräger angebracht, könntet ihr noch bequemer vor dem Kaffeevollautomaten stehen.

Davon abgesehen ist auch die Siemens-Bedienung mit Wisch-und-Touch-Möglichkeiten ausgereift, toll gemacht und völlig ohne Bedienungsanleitung möglich.

BaristaMode oder ComfortMode?

Für die Zusammenstellung und Anpassung eurer Getränke könnt ihr entweder den Barista-Modus oder den Komfort-Modus wählen. 

Im ersten Fall habt ihr detaillierten Einfluss auf alle Parameter von der Temperatur bis zu jedem aromatischen Fitzel eurer Kaffeespezialitäten. Im zweiten Fall verlasst ihr euch auf ein paar Einflussgrößen und die automatischen Fähigkeiten der Maschine.

Ich arbeite natürlich im Barista-Modus, auch wenn die Komforteinstellungen ebenfalls Qualität in die Tassen bringen. 

Nur ist ein solch funktionsstarker Kaffeevollautomat darauf ausgerichtet, dass ihr euch mit der Einstellung für besten Genuss bis ins Detail beschäftigt. Das macht dank App und Display ja auch mordsmäßigen Spaß.

Espresso & Kaffee: Die gute Seite von „interessant“

Kräftig-schokoladig ist der Espresso aus meinen Kaffeebohnen immer. Zumindest bei einem anständigen Gerät mit ordentlichem Mahlwerk, ordentlichem Pumpendruck und schnuckeliger Funktionalität. Dafür wurde die Röstung schließlich entwickelt. 

Hyper-karamellig mit frischen Fruchtuntertönen wie aus dem Siemens EQ.900 ist der Espresso jedoch selten.

Allein dieses mehr als interessante (und leckere) Aroma macht den Nachfolger des Siemens EQ.9 bereits zu einer Art Testsieger und sichert ihm auf jeden Fall einen Platz in meiner Bestenliste. Derartige Aroma-Kapriolen bekommen sonst nur Nivona Kaffeevollautomaten hin.

Sowohl Crema als auch Temperatur beeindrucken mich ebenso. Gerade in Sachen Temperatur waren ältere Siemens-Geräte oft glücksspielig unterwegs. Hier habe ich noch nicht einmal an den Einstellungen für die Temperatur herumspielen müssen.

Beim Kaffee habe ich das wohlweislich gemacht – und den Wert nach unten korrigiert. Durch das viele heiße Wasser verbrennt ihr euch an Vollautomaten-Kaffee schnell mal die Zunge. 

Das haben wir erfolgreich abgewendet und können uns an 92 Grad Zubereitungstemperatur und einer optimalen Balance in der Tasse trotzdem ordentlich wärmen.

Auch der Kaffee hat mich begeistert, auch wenn ich hier die Kontaktzeit von Wasser und Kaffeepulver hochstellen musste, um die gewünschte Intensität zu erreichen. An den drei komplexen Aroma-Einstellungen, die euch der Automat vorgibt, habe ich nichts verändert. 

Wie es sich für diese Extraktion gehört, wurden die klassischen Schoko-Noten der Kaffeebohnen in den Vordergrund gespielt.

Bester Kaffee für den Siemens EQ.900

Coffeeness Kaffee für Vollautomaten Bester Kaffee für den Siemens EQ.900

Wir haben einen Kaffee extra für Kaffeevollautomaten entwickelt – auch für alle Getränke aus dem Siemens EQ.900. Wir haben getestet: Espresso, schwarzer Kaffee und Latte Macchiato erhalten eine spritzig-karamellige Kakaonote. Hier geht es zu unserem Shop.

Auf den Kaffee kommt es an: Kippt ihr oben was Gutes rein, kommt unten was Gutes raus!

Kaffee für Vollautomaten by Coffeeness

Kaffee entwickelt für den Vollautomaten

Bester Kaffee für den Siemens EQ.900.

Für Latte Macchiato

Espresso, schwarzer Kaffee

Schokoladig-nussig

Frisch geröstet

Zum Coffeeness Shop

Das sind die richtigen Einstellungen für unseren Kaffee mit dem Siemens EQ.900: 

  • Nutzt den feinsten Mahlgrad (einfach per Smartphone oder am Display verstellen)
  • Espresso als Doppelbezug mit 40 ml, Kaffee bei 120 ml
  • Kaffeestärke auf höhere Stufe (5 bis 6)
  • Die Temperatur kann bei Espresso bleiben, bei Kaffee etwas runterstellen

Milchschaum: Her mit dem Adapter & dem Latte

Fassen wir uns zunächst kurz: Der Milchschaum ist ein Träumchen! Besser als bei allen anderen Siemens Kaffeevollautomaten, so gut wie bei Jura Kaffeevollautomaten und sogar über vielen Saeco– oder Nivona-Maschinen.

Insgesamt ist der Latte Macchiato besser komponiert als der Cappuccino, auch wenn das hauptsächlich an meinen manchmal chaotischen Voreinstellungen liegen dürfte.

Milchsystem nach Maß

Der Milchschaum kommt standardmäßig aus einer integrierten Karaffe. Sie ist gut, brauchbar und völlig in Ordnung. Allerdings bietet uns Siemens seit dem EQ.9 die Möglichkeit, per Adapter einen Milchschlauch anzubringen.

Ein Cappuccinatore hat einen unbestreitbaren Vorteil: Ihr hängt den Schlauch einfach in ein Gefäß eurer Wahl, könnt immer frische Milch verwenden und habt es weniger kompliziert bei Reinigung und Aufbewahrung.

Leider könnt ihr den Schlauch nicht ohne Adapter anbringen, da der Kaffeevollautomat über einen Sensor checkt, ob der Milchbehälter verankert und voll ist. Ist das nicht der Fall, streikt er.

Das Bescheuerte (und ein bisschen Freche) an diesem Adapter ist, dass ihr ihn bei vielen Varianten der 900-Serie extra kaufen müsst. 

Selbst, wenn ihr euch für die einfachere Version in Schwarz entscheidet, und dafür unter 2.000 Euro ausgebt, ist der Preis trotzdem immer noch so hoch, dass der Hersteller ruhig mal einen Adapter für alle springen lassen könnte.

Nun gut, mit einem Preis von rund 25 Euro kostet das Bauteil nicht die Welt. Aber ihr müsst es eben extra bestellen und kaufen, bevor ihr euch einen Espresso Macchiato oder Flat White zaubern könnt.

Reinigung: Kleiner Denkfehler, oder nicht?

Wie in allen anderen Aspekten macht es sogar Spaß, den Siemens EQ.900 zu reinigen. Die meisten Aufgaben werden von einem Programm der Maschine selbst erledigt. Trotzdem müsst ihr etwa bei der Brüheinheit oder den Auffangbehältern weiterhin selbst Hand anlegen.

Exakt diese beiden Teile zeigen auch einen besonderen Vorteil und eine kleine Merkwürdigkeit der Maschine. 

Wenn ihr die Brühgruppe aus dem Kaffeevollautomat nehmt, befindet sich direkt darunter eine kleine Schale aus Plastik. Diese fängt (feuchte) Kaffeereste aus der Brühgruppe auf und verhindert so, dass sie in die Maschine plumpsen. Quasi ein Flusensieb für einen Kaffeevollautomaten. 

Dieser Einfall ist so simpel, wie genial. Ich weiß nicht, ob ich das bei einem anderen Gerät schon mal gesehen habe.

Auf der anderen Seite ist der Tresterbehälter auffällig flach. Sobald sich hier einige Kaffeepucks ansammeln, purzeln sie zwangsläufig über den Rand. 

Der Tresterbehaelter und die Auffangschale beim Siemens EQ.900 Kaffeevollautomat

Zwar werden sie von einer weiteren Schale aufgefangen, doch bei vollem Behälter bei erhöhter Kaffeemenge meckert der Kaffeevollautomat und verweigert die Zubereitung.

Wie ihr wisst, habe ich grundsätzlich keine Probleme damit, Dinge öfter zu reinigen, die andere lieber ignorieren. Aus dieser Perspektive bin ich also fast ein bisschen „schadenfroh“, wenn euch ein Modell dazu zwingt, an die regelmäßige Reinigung zu denken.

Von diesen Faktoren abgesehen sind mir weder an der Brühgruppe an sich, noch am Wassertank oder anderen Dingen Besonderheiten aufgefallen. Macht den Siemens EQ.900 so sauber, wie er sauber gemacht werden will.

Noch ein Hinweis: Die ausbaubaren Teile dürfen nicht in die Spülmaschine. Da ist Siemens streng und markiert die Produkte eindeutig. Ich finde sowieso, dass dies bei einem Wassertank oder einer Milchdüse bzw. einem Milchschlauch etc. nicht notwendig ist.

Elektronisches Mahlwerk reinigen?

Mit dem Siegeszug der elektronischen Mahlwerke sollten wir beizeiten genauer darüber reden, wie ihr diese Bauteile reinigen könnt. Der Klassiker „Staubsauger an den Öffnungen in Bohnenbehältern ansetzen und los“ funktioniert natürlich auch hier.

Ob und wie ihr diese Art Mahlwerk jedoch manuell – also per Ausbau – reinigen könnt, steht auf einem anderen Blatt. Wo Elektronik im Spiel ist, haben Laien mit Schraubenziehern nix verloren. 

Die Bedienungsanleitung schweigt sich dazu hartnäckig aus. Übersetzt heißt das: Nehmt hier lieber spezielle Reinigungsbohnen und den Staubsauger. Alles andere überlasst ihr (im Ernstfall) dem Profi und der Garantie.

Siemens EQ.900 Kaffeeautomat: Applaus von der Kritik?

Wäre der Siemens EQ.900 die erste vollelektronische Maschine in meinem Kaffeevollautomaten Test 2022, hätte ich vielleicht noch euphorischer und staunender über ihn geschrieben als damals über den DeLonghi Maestosa.

Inzwischen wird diese Technik immer mehr zum Standard, der Siemens EQ.900 holt also tatsächlich nur auf. Das macht er jedoch mit einem Selbstbewusstsein, das Siemens Kaffeevollautomaten schon immer auszeichnet und mir besonders gut gefällt.

Die Maschine ist genauso edel wie der Vorgänger EQ.9, sie ist genauso hochwertig und funktionsverliebt wie die Konkurrenz von Jura oder DeLonghi. Dabei ist der Preis im Spiegel der Bedienung, der Qualität aller Kaffeespezialitäten, der Einstellungsmöglichkeiten und vor allem der Ergebnisse in der Tasse sogar noch ein bisschen besser als zum Beispiel bei Jura.

Wie ich den Kommentaren unter meinem Testvideo zum EQ.900 entnehmen kann, ist Jura vs. Siemens ein Duell, das wir demnächst mal genauer ausfechten sollten. Viele von euch ziehen nämlich ein etwas anderes Fazit zur neuen Siemens-Oberklasse als ich.

Mein Fazit lautet: einschalten, ausprobieren, begeistert sein. Von Kleinigkeiten abgesehen, ist dieses Konzept absolut zu Ende gedacht. Die neue Generation an Siemens Kaffeevollautomaten lässt hoffen, dass die Traditionsmarke noch einige spannende Ideen in petto hat.

Kommentiert fleißig weiter – ob unter dieser Review oder unter dem Video. Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen zum Modell!

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