Krups Evidence ECOdesign EA897B im Test 2022: Kaffeevollautomat mit Greenwashing-Preis?

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Öko ist leider geil. Inzwischen sollte auch der Letzte begriffen haben, dass wir im Schweinsgalopp in den klimatischen Abgrund rennen und dringend handeln müssen. Wenn die Welt nicht grüner wird, zahlen wir alle den ultimativen Preis.

Öko ist leider geil. Inzwischen sollte auch der Letzte begriffen haben, dass wir im Schweinsgalopp in den klimatischen Abgrund rennen und dringend handeln müssen. Wenn die Welt nicht grüner wird, zahlen wir alle den ultimativen Preis.

Ökologie ist aber auch eine Gelddruckmaschine. Greenwashing-Produkte helfen der Umwelt weitaus weniger als der Unternehmensbilanz. Davon kann auch die Kaffeewelt ein Lied singen.

Während so manche Industrie-Kaffeebohnen teilweise schon lange ihr Aroma nach grüngewaschener Kundenverarsche verbreiten, haben sich Kaffeevollautomaten bisher noch nicht einmal mit dem Thema „Ökologie“ an sich beschäftigt. 

Das ändert sich nun: Der Krups Evidence ECOdesign ist das erste Gerät in unserem Kaffeevollautomaten Test mit Recyclingmaterialien. Was in der Theorie super klingt, muss sich natürlich erstens dem Funktions-, zweitens dem Bullshit-Marketing- und drittens dem Preisvergleich stellen.

Denn der Verdacht liegt nahe, dass der Hersteller einen höheren Preis für einen schon längst etablierten Kaffeevollautomat aufruft – den Krups Evidence haben wir schließlich schon vor längerem getestet. Zudem fragen wir besonders laut, wie viel öko tatsächlich im ECO steckt. 

Nachrechnen fürs Klima: Der Krups Evidence ECOdesign in der Übersicht

Ich rechne es Krups hoch an, dass sie es mit der Öko-Tröterei nicht übertreiben. Das Marketing in dieser Hinsicht ist angenehm zurückhaltend. Sie sind sich offensichtlich bewusst, dass ihr Beitrag zu einer grüneren Kaffeewelt sehr endlich ist. 

Anstatt vom Weltretten zu reden, bescheinigen sie dem EA897B eine reduzierte Umweltbelastung. Wenn es darum geht, diese Reduzierung zu beziffern, kommen sie trotzdem nicht ohne ein bisschen Trickserei aus.

Auf der Produktseite steht in großen Lettern, dass dieser Kaffeevollautomat zu 62 Prozent* aus recyceltem Kunststoff hergestellt wurde.

Das Sternchen macht nach reichlich Scrollen klar, dass sich diese 62 Prozent nur auf den Kunststoffanteil der Maschine beziehen, der wiederum 31 Prozent der gesamten Maschine ausmacht. Der Rest ist konventionelles Plastik, Edelstahl und Drähte.

Krups Evidence ECOdesign
Testmodell

Evidence ECOdesign EA897B

Gehäusematerial

Kunststoff matt

Verfügbare Farben/Designs

Schwarz

Milchschaumsystem

Automatisch (Mit Schlauch)

Lautstärke (eigene Messung)

-

Brühgruppe herausnehmbar

Display

App

Benutzerprofile

2

Wassertank

2,3 l

Minimale Auslaufhöhe

-

Maximale Auslaufhöhe

-

Mahlwerk

Kegelmahlwerk Edelstahl

Elektronisches Mahlwerk

Bohnenfach

260 g

Mahlgrade

5 Stufen

Kaffeepulverfach

Kannenfunktion

Kaffeegetränke auf Knopfdruck

8

Kaffeestärke einstellbar

Kaffeetemperatur einstellbar

3 Stufen

Milchschaumtemperatur einstellbar

2-Tassenfunktion

-

Heißwasserfunktion

Heiße-Milch-Funktion

Nur Milchschaum beziehen

Wasserfiltereinsatz

-

Gewicht

7,7 kg

Maße (Höhe x Breite x Tiefe)

36,7 x 24,0 x 38 cm

Sonstiges

-

Aktueller Preis

569,99 Euro

bei Amazon kaufen

Interessant finde ich jedoch vor allem, dass ein derart „kunststoffig“ wirkender Kaffeevollautomaten nur so wenig Plastik haben soll. Bei Krups Kaffeevollautomaten lässt sich das jedoch recht leicht erklären.

Hier besteht die (fest) verbaute Brühgruppe aus Metall – Pumpe und Thermoblock sowieso. Andersherum gerechnet sind um 60 Prozent zwar ein Anfang, aber angesichts des geringeren Kunststoffanteils dann doch nicht die Recyclingwelt. 

Krups täte sehr gut daran, drei andere Umweltfaktoren in den Vordergrund zu spielen, die das Öko-Image des EcoDesign in meinen Augen viel glaubwürdiger machen:

  1. Plastikfreie und deutlich reduzierte Verpackung
  2. Zwei Jahre internationale Garantie
  3. 15 Jahre (!) Reparierbarkeit

Damit auch jeder Dödel kapiert, dass dieser Vollautomat einen Preis für seine Umweltfreundlichkeit verdient, wurde die Oberfläche im Vergleich zu den anderen Evidence-Geräten neu interpretiert. 

Statt üblichem Schwarz mit Klavierlack gibt es hier eine Schieferoptik, die für mich und Mauricio entweder nach schöner Spanplatte oder leicht zerknülltem Papier aussieht. So oder so ist dieses Design eine gekonnte Abwechslung und weniger anfällig für Fingerabdrücke.

Unter der Haube bleibt der Öko-Kaffeevollautomat den Vorgaben der Evidence-Reihe treu und folgt weitestgehend dem bereits von uns getesteten Krups EA8918 Evidence:

  • Mahlwerk aus Edelstahl
  • 5 Mahlgradstufen
  • Kaffeestärke, Füllmenge und Temperatur in 3 Stufen einstellbar
  • Milchschaum über (metallverstärkten) Cappuccinatore-Schlauch
  • One-Touch-Bedienung über einfache Symbol-Tasten
  • 8 Kaffeegetränke
  • 2-Tassenbezug möglich

Wo der EA8918 noch ein kleines Display hatte, geht der ECOdesign nochmals reduzierter ans Werk und konzentriert sich ganz auf die Tastenbedienung. Weder App noch Display oder Touchscreen fehlen euch hier, das Krups-Einfachheits-Versprechen wird erneut hervorragend umgesetzt: 

Der Nutzer findet jede Einstellung für jedes Getränk, ohne in ein Untermenü zu müssen. Gut, das ist hier keine Kunst. Allzu viel einzustellen gibt es nicht. Die Ausstattung richtet sich sowieso nicht an Barista, sondern an Fans vollautomatischer Kaffeebohnen-Verarbeitung.

Derzeit kostet die Öko-Version um die 600 Euro, während unser Test-Evidence mit etwas mehr Funktionen (15 Getränke, Display) als beginnendes Auslaufmodell nur noch um die 500 Euro kostet. Aktuellere Evidence-Vertreter sind ebenfalls für rund 600 Euro zu haben (Stand 06/22).

Über den Daumen gepeilt zahlen wir für den EcoDesign auf jeden Fall mehr für weniger Leistung. Allerdings gelten die Leistungsabzüge nur für die Getränkevielfalt. 

Rechnen wir die Reparaturmöglichkeiten und die neue Qualität von Material und Verpackung gegen, relativiert sich der Preis wieder etwas.

Zudem finde ich erneut, dass der Evidence sein begrenztes Funktionsangebot voll ausnutzt und in eine gelungene Zubereitung übersetzt. So manch anderer Automat bietet diese Qualität nur auf dem Papier.

Espresso & Kaffee: Kräftig zugelangt

Wir hatten schon bei anderen Krups Kaffeevollautomaten festgestellt, dass an der Brühgruppe aus Metall mit ihrer Quattro-Force-Technologie etwas dran sein muss.

Krups Evidence ECO Espresso

Hinter dem Quarkbegriff steht ein Zusammenspiel aller Komponenten vom Mahlvorgang über den Pumpendruck bis zur Extraktion der Bohnen in der Brühgruppe. Demnach soll das Getränk in Barista-Qualität aus dem Auslauf kommen.

Und falsch ist das nicht. Selbst, wenn wir mit meinen kräftigen Kaffeebohnen etwas schummeln, zeigt der ECOdesign doch, dass er den Kaffeegeschmack ziemlich dicht herausarbeiten kann.

Jede Stufe im Mahlwerk hat offensichtlich eine Daseinsberechtigung, in der Brühgruppe scheint der Kaffee sehr gut zusammengepresst und mit ordentlichem Wasserdruck extrahiert zu werden.

Das gilt auch bei normalerweise plörrigen Angelegenheiten wie Lungo – also allen verlängerten Kaffeevarianten, die anders als ein Americano schon beim Brühen mit Wasser gestreckt werden.

Selbst diese werden auf Knopfdruck dicht und schokoladig. Von überragender Qualität würde ich zwar dennoch nicht sprechen. Und obwohl ich inzwischen fein damit bin, dass Krups-Geräte erst bei einer Füllmenge von 40 Milliliter mit Espresso loslegen, wäre eine 25-Milliliter-Möglichkeit dennoch super. 

Dafür habt ihr jedoch auch die Ristretto-Option zur Verfügung – wenn es richtig schwarz und richtig stark werden soll.

Das Mahlwerk arbeitet übrigens angenehm leise, auch wenn ich im direkten Vergleich nicht sagen kann, wie es sich zu anderen Krups-Geräten verhält. Es nervt jedenfalls nicht, der Klang schraubt sich auch nicht unangenehm in die Höhe.

Bester Kaffee für den Krups Evidence ECOdesign

Coffeeness Kaffee für Vollautomaten Bester Kaffee für den Krups Evidence ECOdesign

Wir haben einen Kaffee extra für Kaffeevollautomaten entwickelt – auch für alle Getränke aus dem Krups Evidence ECOdesign. Wir haben getestet: Espresso, schwarzer Kaffee, Cappuccino und Latte Macchiato erhalten eine kräftig-cremige Kakaonote. Hier geht es zu unserem Shop.

Auf den Kaffee kommt es an: Kippt ihr oben was Gutes rein, kommt unten was Gutes raus!

Kaffee für Vollautomaten by Coffeeness

Kaffee entwickelt für den Vollautomaten

Bester Kaffee für den Krups Evidence ECOdesign.

Für Latte Macchiato

Espresso, schwarzer Kaffee

Schokoladig-nussig

Frisch geröstet

Zum Coffeeness Shop

Das sind die richtigen Einstellungen für unseren Kaffee mit dem Krups Evidence ECOdesign: 

  • Den Mahlgrad fein stellen (1 von 5)
  • Achtung: Bitte immer nur bei laufendem Mahlwerk verstellen!
  • Espresso bei Mindestmenge 40 ml am aromatischsten (Stufe M), Kaffee bei 120 ml (Stufe L)
  • Die Temperatur könnt ihr auf Werkseinstellung belassen

Milchschaum: Schön trinkbar

Der Milchschaum aus dem Eco-Cappuccinatore mit Milk Advanced-Geschwurbel haut uns zwar nicht um, ist aber trotzdem sehr gut. Außerdem ist er auch als Zwei-Tassen-Version verfügbar und braucht keinen besonderen Milchbehälter. Der Tetra Pack oder ein Latte-Macchiato-Glas tun es auch.

Krups Evidence Ecodesign Uebersicht

Allerdings müsst ihr auf die richtige Glasgröße achten. Der Krups Kaffeevollautomat gibt nämlich nur sehr wenig, sehr mittel oder sehr viel Milchschaum aus:

Die Milchmenge lässt sich nur relativ ungenau über M, L oder XL-Angaben regulieren – wie übrigens auch die Kaffeemenge. 

In der übertrieben umfangreichen Bedienungsanleitung könnt ihr zumindest nachlesen, was das heißt: Demnach hat ein XL-Latte Macchiato ein Volumen von 340 Milliliter, ein XL Cappuccino kommt mit 240 Milliliter in die Tasse.

Da es keine App gibt und ich auch sonst nichts finden konnte, gehe ich mal davon aus, dass diese Angaben final sind, selbst über die beiden Profile scheint sich daran nichts ändern zu lassen. Habe ich was übersehen?

Reinigung: Ihr habt ja recht … (oder auch nicht)

Seitdem ich meinen Langzeit-Schimmel-Test mit einem Krups und einem Jura Kaffeevollautomaten abgeschlossen habe, fresse ich beständig Kreide: Ja, ihr habt Recht, eine fest verbaute Brüheinheit ist keine Schimmelfalle. Mea culpa und was nicht alles.

Ich bleibe zwar dabei, dass ein einziger Jahrestest noch längst kein Gesetz macht. Doch wenigstens bin ich guter Dinge, dass der EcoDesign auf Dauer genauso sauber bleibt wie mein zerlegter Schimmel-Kandidat.

Tägliche Pflege-Routinen vom Wassertank bis zum Tresterbehälter könnt ihr erwartungsgemäß ebenfalls einfach umsetzen und für meinen Geschmack auch gründlich genug erledigen. Der Kaffeevollautomat ist ausreichend spülfreudig und blinkt, wenn er irgendetwas braucht. Die entsprechenden Programme zur Reinigung laufen zuverlässig.

Krups Evidence ECO Wassertank

Auch wenn er kein Display und keine App besitzt, versteht ihr also trotzdem, was zu tun ist, wenn euer Getränk aus irgendeinem Grund nicht aus dem Auslauf kommt. Wechselt der Kaffee von Schwarz zu Grau, solltet ihr den Fehler zuerst bei euch suchen.

Krups Evidence ECOdesign: Der Anfang ist gemacht

Nachhaltigkeit und Recycling-Anteile werden uns in der kommenden Zeit hoffentlich immer häufiger im Kaffeevollautomaten Test begegnen. Ich bin jetzt schon gespannt, wer als nächstes nachzieht. 

Der Krups Evidence ECOdesign macht einen sehr gelungenen Anfang, ist aber sicher nicht das Ende der Fahnenstange.

Schon mit kurzem Nachrechnen zeigt sich, dass der Eco-Anteil der Materialien noch relativ gering ist, die eigentliche Öko-Stärke liegt vielmehr im Verzicht auf Verpackung und der langen Reparaturfähigkeit. Diesem Ansatz dürfen andere Hersteller gern schleunigst folgen.

Nehmen wir den Kaffeevollautomat selbst ins Visier, setzt er bekannte Evidence-Vorteile praktisch identisch um: Supereinfache One-Touch-Bedienung, kein Schnickschnack, gelungene Qualität von Kegelmahlwerk bis Milch-Kaffee-Getränke.

Diese Vorteile versieht er aber mit einem (noch) etwas höherem Preis. Der Anbieter spielt mit der Annahme, dass wir für ein ruhigeres Gewissen beim Espresso-Knopfdruck gern etwas tiefer in die Tasche greifen. 

Hat er Recht? Ich bin sehr auf eure Kommentare gespannt!

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