Manuelle Kaffeezubereitung: Bester Kaffee ohne Maschine?

Seit über 15 Jahren koche ich hauptberuflich Kaffee – entweder im Kaffeevollautomat, in der Espressomaschine oder per Hand. Ich stelle immer wieder fest: Bis auf die Espressozubereitung gelingt Kaffee am besten ohne Maschine. Meine liebsten Methoden stelle ich euch hier vor und gebe Tipps für alles vom Kaffeepulver bis zum Gefäß.

Kaffeezubereitung Uebersicht verschiedene Kaffeebereiter

Woran denkt ihr beim Stichwort Kaffeekochen? Eine olle Pumpkanne mit Maschinenkaffee, den Siebträger, Mokka oder doch den Vollautomaten?

Ich wette, dass viele zuerst an Maschinen und Strom-Methoden denken, bevor ihnen eine manuelle Form der Kaffeezubereitung in den Sinn kommt.

Wozu auch? Warum sollte ich mir das Leben kompliziert machen, wenn mir eine Maschine alle Handgriffe abnehmen kann?

Ich sage euch, warum!

Eine manuelle bzw. traditionelle Kaffeezubereitung ohne Elektronik sorgt meist für den detailliertesten Kaffeegeschmack. Sie ist wesentlich günstiger. Sie ist eine Form der Meditation. Sie bietet so manches Aha-Erlebnis. Sie verbraucht weniger Platz und Energie. Sie …

Maschinen sind ein Convenience-Produkt. Bis auf Siebträger ist jede maschinelle Kaffeezubereitung nur eine „einfachere“ Variante eines manuellen Prinzips. Und diese Einfachheit zwingt euch zu Kompromissen.

Lange Rede, klarer Sinn: Dieser rundum erneuerte Ratgeber soll Lust aufs Kaffeekochen in Handarbeit machen und euch die verschiedenen Methoden vorstellen. Es wird italienisch und französisch, erfinderisch und eiskalt, manchmal schräg, aber immer lecker.

Kaffee kochen ohne Maschine – Welche Varianten sollte ich kennen?

Meine Kategorie Kaffeezubereitung hat sich über die Jahre zum Sammelpunkt vieler Aspekte des Kaffeekochens entwickelt:

Die French Press als Full Immersion-Methode ist eine perfekte Einsteigervariante und liefert sehr direkten, vorlauten Kaffee. Die „saubere“ Variante ohne Krümel heißt American Press.

French Press Kaffee fertig Arne gluecklich

Cold Brew ist das Trendgetränk jedes Sommers. Langsamer und einfacher als hier könnt ihr Kaffee kaum zubereiten. Das Beste daran: Ihr braucht noch nicht einmal spezielles Equipment! Einziges Manko: Is’ halt immer eine kalte Tasse Kaffee.

Der Espressokocher verstaubt bei mir oft in der Ecke. Ich habe schließlich Espressomaschinen en masse, die mir auch echten Espresso liefern. Aber ganz ehrlich: Wer kräftigen italienischen Kaffee im Espressostil mag, kommt niemals leichter und günstiger zu seinem Koffeinkick!

Handfilter Kaffee aufbruehen im Labor beim grossen Koffeintest

Oh, Handfilter, du Kaffeeliebe meines Lebens! Für mich gibt es keine bessere Art Kaffee zu kochen. Zumindest, wenn man Bock auf sehr facettenreichen Filterkaffee hat.

Hype, Hyper, Chemex! Manchmal amüsiert es mich, dass die schönste Kaffeekaraffe der Welt wie eine eigene Zubereitungsmethode behandelt wird. Lasst euch nicht verklapsen: Auch das ist ein Handfilter! Aber in klug.

Arne nutzt AeroPress als Fernrohr

Die AeroPress ist mein Lieblingsbegleiter für Kaffeespielereien auf Reisen. Das Ding sieht kompliziert aus, ist aber einfach zu bedienen – wenn ihr die Anleitung einmal durchgezockt habt. Hier erhaltet ihr eine Mischung aus Filterkaffee und Espresso ultralight. Ultraspannend!

Die Karlsbader Kanne ist ein echter Grobian – zumindest beim Mahlgrad. Denn das starre Porzellansieb benötigt Kaffeepulver in Kiesgrubenqualität. Genau genommen ist auch dieses Ding ein Handfilter. Aber die „Porengröße“ sorgt für einen ganz anderen Kaffeecharakter.

Auf jede dieser Methoden gehe ich weiter unten noch intensiver ein.

Was ein hochwertiger Kaffeevollautomat auf Knopfdruck kann, habt ihr bei den vorgestellten Methoden anders zu lösen: Milchschaum müsst ihr hier irgendwie selber machen.

Siemens EQ.500 Kaffeevollautomat Arne mit fertigem Kaffee

Aber inzwischen wissen wir, dass Schaum für Latte Art auch extern funktionieren kann – einige automatische Milchaufschäumer schlagen Vollautomaten um Längen. Und ihre Maße passen perfekt zum manuellen Koch-Equipment.

Die Spezialthemen Tamper und Kaffeewaagen konnte ich nirgendwo anders unterbringen. Es wurde aber endlich Zeit, dass ich dazu auch mal mehr als zwei Worte verliere. Gerade die Waagen sind unersetzlich, wenn ihr es mit Kaffee (und Espresso) ernst meint.

Kaffeewaage Kaffee abwiegen

Über die hier vorgestellten Möglichkeiten hinaus gibt es noch manuelle Methoden und Spezialprodukte, die meist eine Variante der vorgestellten Hauptkategorien sind. Der Hario Woodneck als Chemex-Style-Karaffe mit besonderem Stofffilter ist ein perfektes Beispiel.

Den Siphon für Kaffee *müsste* ich *theoretisch* auch hier unterbringen. Aber ich weigere mich seit Jahren standhaft, die komplizierte Apparatur mit Unterdruck im Glaskolben ernst zu nehmen. Ich werde nämlich das Gefühl nicht los, dass Siphon-Kaffee dasselbe ist wie Kaffee aus der AeroPress – nur halt andersrum und mit zu viel Brimborium.

Und wenn wir solchen Quatsch anfangen, müssen wir auch gleich noch manuelle Espressomaschinen wie die Nanopress einbeziehen. Das wird jedoch zu kompliziert.

Hauptkategorien der Kaffeezubereitung: Full Immersion und Pour Over

Jede (manuelle) Zubereitungsmethode lässt sich mehr oder minder eindeutig einer von zwei Hauptkategorien zuordnen: Full Immersion (vollständiges Eintauchen) oder Pour Over (Übergießen). Sehr grob gesagt unterscheidet man zwischen der Zubereitung mit und ohne Filter.

Dies halte ich allerdings für nur halb richtig, weil der Filter nicht für die eigentliche Extraktion verantwortlich ist, sondern erst das fertige Produkt von Partikeln befreit. Das verändert natürlich den Stil erheblich – aber erst im zweiten Schritt. Dennoch ist diese gängige Definition vollkommen in Ordnung.

Moccamaster Kaffeemaschine Preinfustion

Grundsätzlich geht es jedoch darum, wie lange und in welcher Form jeder einzelne Kaffeekrümel während der Extraktion mit Wasser in Kontakt ist:

  1. Über die gesamte Brühzeit (Full Immersion)
  2. Im Vorbeilaufen je nach Brühschwall (Pour Over)

Auch wenn wir zum Beispiel bei der AeroPress abschließend einen Filter benutzen, ist die eigentliche Extraktion eine lupenreine Full Immersion. Der Filter hält erst am Ende feste Stoffe und bestimmte Bestandteile des Kaffeekörpers zurück.

Haben wir das einmal verstanden, ist die eindeutige Zuordnung der Methoden ziemlich einfach:

 Full ImmersionPour Over
French PressX
Cold BrewX
HandfilterX
ChemexX
AeroPressX
Karlsbader KanneX

Die Herdkanne nehme ich hier raus bzw. gebe ich dafür eine eigene Kategorie. Zwar ist sie im Prinzip auch eine Pour Over-Variante, weil das Wasser aus dem unteren Teil beim Kochen nach oben schießt und währenddessen an den Kaffeekrümeln vorbeiläuft.

Allerdings orientiert sich das Prinzip viel stärker an der Siebträgermaschine bzw. dem Stil von Espresso und gehört damit auch in Teilen in die gleichen Gefilde wie Kaffeevollautomaten.

Sage Oracle Touch Espressomaschine Uebersicht

Zudem müsste die Variante richtig Bubble Over heißen, da das Wasser hier thermodynamisch von unten nach oben gedrückt wird. Der Siphon funktioniert ähnlich.

Die Pour Over-Zubereitung und Full Immersion sind keine gegensätzlichen Prinzipien, kitzeln aber aus ein und derselben Kaffeebohne völlig unterschiedliche Aromen hervor. Der fertige Kaffee hat ein vollkommen anderes Mundgefühl, der Koffeingehalt variiert ebenfalls.

Laut meiner Koffeinstudie führt Kaffee aus der AeroPress die Kickliste der eindeutig zuzuordnenden manuellen Methoden an. Der Espressokocher ist allerdings noch einen Zacken schärfer. Cold Brew (und Drip), French Press, Handfilter und Chemex kommen in absteigender Reihenfolge danach.

Das zeigt uns zumindest ansatzweise, dass direkte Brühmethoden mehr Koffein extrahieren. Und sonst noch?

Full Immersion steht für klare Bitterstoffe, ein dichtes Mundgefühl und eine sehr vorwitzige Stilistik, in der kräftigere Aromen wie Schokolade, Nüsse oder Kakao sehr gut zur Geltung kommen.

Der Filter im Pour Over-Prinzip hält diese schweren Komponenten größtenteils zurück. In Sachen Mundgefühl ist der Kaffee leichter, weniger nachklingend, frischer und leichtfüßiger. Das schafft Platz für zitrische Aromen, Säuren, Fruchtessenzen usw.

Demnach gibt es auch keine eindeutige Antwort auf die Frage: Welche Kaffeezubereitung ist die beste? Es kommt immer darauf an, was ihr von eurem Kaffee wollt!

Arne riecht an guten Kaffeebohnen

Sind die grundsätzlichen Herausforderungen erfüllt – gute Kaffeebohnen, frisch gemahlen, richtiger Mahlgrad –, zeigen sich Full Immersion-Methoden in jedem Fall weniger fehleranfällig als Pour Over-Varianten. Damit ist Full Immersion Kaffee perfekt für Einsteiger.

Aufbrühen mit der French Press – Dieser Klassiker geht immer!

Als ich den Ratgeber zur French Press jüngst aufgemöbelt habe, ist mir mal wieder aufgefallen, wie simpel die Kaffeepresse doch ist.

Ihr benötigt nur etwa 50 bis 70 g kräftig geröstete Kaffeebohnen pro Liter im mittelgroben Mahlgrad, die Stempelkanne eurer Wahl und Wasser um die 96 Grad.

Alles andere – von der richtigen Aufgießtechnik bis zum Umrühr-Tipp – ist eigentlich nur Pipifax für Kaffeenerds.

Nerds ignorieren die French Press jedoch gerne, weil sie ihrer Meinung nach für einen zu vorlauten Kaffee sorgt – Full Immersion sei Dank. Außerdem wird stets über die Kaffeekrümel in der Tasse gejammert.

Arne mit einer French Press

Das stimmt auch alles, es ist nur völlig egal. Denn bei der French Press könnt ihr in dem Sinne keine Fehler machen. Je nach Mahlgrad, Röstung oder Dosierung lernt ihr euren Kaffee immer wieder anders kennen, ohne wirklich eine Ahnung haben zu müssen.

Kleine Einschränkungen:

  1. Die etwas gröbere Mahlung ist essenziell. Zu fein gemahlener Kaffee aus der French Press schmeckt immer grausam! Warum, das erfahrt ihr auch im Artikel zum Mahlgrad für Kaffee.
  2. Macht die French Press immer voll. Halbe Portionen und komische Dosierung ergeben Bäh-Kaffee.
  3. 96 Grad Wassertemperatur sind die absolute Obergrenze. Lasst das Wasser lieber etwas länger kühlen.

Eines der schlagendsten Argumente für die Kaffeezubereitung in der French Press sind jedoch die laufenden Kosten: Abseits von Kaffeebohnen und Wasser kostet euch eine gute French Press von Bodum und Co praktisch nichts – lassen wir mal außen vor, wie ihr euer Wasser erhitzt.

Filterkaffee aus dem Handfilter – Neverending Love Story

Arne brueht Kaffee mit dem Handfilter

Ich werde euch nicht mit der x-ten Lobeshymne auf den Handfilter nerven, meinen Liebesbrief findet ihr im ausführlichen Ratgeber. Für mich ist diese Methode aus vier Gründen unersetzlich:

  • Beim Zubereiten könnt ihr schon mit kleinen Änderungen völlig neue Geschmackswelten entschlüsseln
  • Helle Röstungen mit sehr feinen Aromen schmecken nirgendwo besser
  • Ihr könnt eine kleine Menge Kaffee ohne Aufwand zubereiten
  • Ihr müsst nur überschaubares Equipment zum günstigen Preis kaufen

Mit hellen bis mittleren Röstungen im mittelfeinen Mahlgrad und einer Brew Ratio von 8 bis 12 Gramm auf 120 ml kann es losgehen. Es dauert zwar etwas, bis ihr die optimalen Parameter gefunden und den Aufgußablauf mit 96 Grad Celsius heißem Wasser verinnerlicht habt – doch die Übung lohnt sich.

Ich halte den Handfilter für die überzeugendste Variante vonKaffee machen“, weiß aber auch, wie fehleranfällig das Ganze ist. Darum schrecken auch so viele davor zurück und greifen lieber zur Kaffeemaschine.

Beem Selection Pour Over Wasseraufguss nah

Die kann jedoch im Normalfall nicht einmal ansatzweise mit der Präzision des Handfilters mithalten. Das schmeckt ihr vor allem bei typischen Third Wave-Röstungen mit klarem Säureprofil. In der Maschine wird dieses Profil „sauer“. Manuell wird dieses Profil spritzig, zitrisch, frisch, fruchtig …

Das hat nicht nur etwas mit der typischen Dosierung oder dem Mahlgrad zu tun. Es liegt auch am perfekten Aufguss, eurer Ruhe beim Kaffee-Brauen und der großen Vielfalt an Kaffeearten, die es für den Handfilter aus eurer liebsten Kaffeerösterei gibt.

Espresso vom Herd – Was kann ein Espressokocher?

Mit einer Bialetti für den Herd ist es wie mit einer French Press: Viele haben sie, kein Profi nimmt sie ernst. Auf Brew Charts für den Barista taucht die Herdkanne oft nicht einmal auf. Warum bloß?

Einerseits tut der Kaffee zwar so, als wäre er ein Espresso, ist aber meilenweit vom Original aus dem Siebträger entfernt. Das Gebräu ist sehr stark, sehr italienisch und durchaus lecker. Aber es ist auch recht rumpelig. Denn der Kaffeekocher für den Herd ist viel zu ungenau, wenn es um die Parameter geht.

Andererseits macht das die Kanne zu einer hervorragenden Einsteigervariante. Ihr müsst das Kaffeepulver nur fein mit leichter Tendenz zu grob mahlen, bis zum Anschlag in den Siebeinsatz geben, leveln und etwas festdrücken. Danach müsst ihr Wasser bis zum Ventil in den unteren Teil geben, die Kanne auf die Herdplatte stellen und warten, bis es aufhört zu blubbern.

Es gibt keine Dosiervorgaben, keine komplizierte Anleitung und noch weniger aufwendige Zubereitungstipps. Kein Wunder also, dass die Profis hier fast genauso intensiv wegschauen wie bei Kaffeekapseln.

Im Gegensatz zu Kapseln ist Kaffee aus dem Herdkocher aber keine Umweltsauerei und einen Versuch absolut wert. Er ist sicher keine Offenbarung, aber eine kompakte, ordentlich koffeinhaltige Angelegenheit. Er ist schmeichelhafter als ein Mokka, mit mehr Kick als andere Methoden.

Kaffeekapseln mit Kaffeebohnen auf einem Tisch

Viel Putzen müsst ihr auch nicht und welcher Kaffee reinkommt, ist fast egal. Dunklere Röstungen sind jedoch traditionell im Vorteil. Eine Herdkanne aus Aluminium oder Edelstahl (für Induktion) ist außerdem spottbillig zu kaufen und hält im Bestfall ewig.

What’s not to like? 

Schauen wir genau hin, begeht ihr beim Espresso-Kochen mit der Herdkanne von Natur aus einen Kardinalfehler: Die Brühtemperatur ist mit 99 bis 100 Grad Celsius viel zu hoch. Viele Aromen überleben diese Schockbehandlung nicht.

Arne mit einem Espressokocher

Wenn Mahlgrad und Dosierung mehr oder weniger wurscht sind, gelingt auch keine perfekte Extraktion. Diese Kaffeezubereitung rasiert also hochwertige Röstungen mehr, als es sinnvoll wäre.

Dennoch: Sehnt ihr euch nach einem Getränk à la Espresso, wollt aber nicht den Aufwand à la Espresso, ist die Bialetti eine hervorragende Alternative.

Kaffeezubereitung mit der Chemex – Alles anders und doch gleich

Ich habe schon an vielen Stellen erwähnt, dass die Chemex nichts weiter als eine schnieke Variante der Handfilterung ist, die die notwendige Kanne gleich mitbringt. Außerdem hat Chemex von Anfang an auf ein eigenes Filtersystem gesetzt, das die Handfilterfraktion übernommen hat:

Arne mit der Chemex

Statt die Melitta-Form mit flachem Boden zu nutzen, faltet ihr das spezielle Filterpapier in der Chemex zur spitz zulaufenden Tüte. Diese Form, wie wir sie auch von Hario-Handfiltern kennen, sorgt für einen gleichmäßigen Durchfluss des Wassers. Hier sammelt sich also keine extrahierte Suppe am Filterboden.

Da es keinen Filterhalter gibt, kann sich in der Chemex sowieso nichts ansammeln – der Kaffee wird extrahiert und direkt in die Kanne transportiert. Das ist der wichtigste Grund, warum viele Connaisseure vor der Renaissance des Handfilters stets auf die Chemex gesetzt haben:

Macht ihr alles richtig, gibt es hier hervorragenden Filterkaffee, wie er vom Erfinder gedacht ist!

Chemex zwei Groessen im Ueberblick

Das Design ist ebenfalls unübertroffen und sieht in jeder Küche hervorragend aus. Zur Abwechslung gibt es also mal Style und Substance.

Die Chemex hat gegenüber dem Handfilter nur zwei klare Nachteile:

  • Ihr müsst (wie bei der French Press) immer exakt zur Kannengröße brühen
  • Das Original-Equipment kostet und kann schnell kaputtgehen

Meine verschiedenen Chemex-Größen halten zwar schon lange, aber ich gehe auch sehr vorsichtig mit ihnen um. Je nach Shop kostet die übliche 8 Tassen-Größe um die 50 Euro, die Filter kosten rund 16 Euro pro Packung. Natürlich gibt es viele Nachahmer, darunter die Hario Woodneck oder in Teilen die Bodum Pour Over. Hier wird meist etwas an den Filtern geändert.

Unterm Strich ist die Chemex ein Handfilter, der sich von Kopf bis Fuß fein gemacht hat. Darum fällt diese Methode zur Kaffeezubereitung in meinem Alltag meist unter den Tisch. Für einen Test oder eine Portion Kaffee kippe ich mein Kaffeepulver lieber in den unkomplizierteren Handfilterapparat.

Tasse Kaffee aus der AeroPress – Lehrstück in Sachen Experimentierfreude

Die merkwürdige Zwischenmethode AeroPress habe ich gerade erst wieder neu lieben gelernt. Ein bisschen French Press, ein bisschen Filterstil, ein bisschen Druck – die AeroPress vereint Zubereitungsmethoden, von denen man dachte, dass sie sich ausschließen.

Arne mit der AeroPress

Viel wichtiger ist aber, dass dieser „Druckkolben mit Filterpapier“ Experimente nicht nur zulässt, sondern ausdrücklich anregt. Stellt das Ding auf den Kopf, verändert die Menge an Kaffee, nehmt Espresso statt Filterröstung … alles, was sonst in einer Anleitung steht, dürft und sollt ihr hier infrage stellen.

Genau entgegengesetzt zur French Press oder Herdkanne ist die AeroPress damit aber auch kein wirkliches Gerät für Anfänger. Um Parameter wie den Mahlgrad herauszufordern und neu zusammenzusetzen, muss man sie erst einmal verstehen.

Arne mit der AeroPress Wasser eingiessen

Die Kaffeestilistik bildet die Mischform der Kaffeezubereitung sehr deutlich ab – mit Zuschreibungen wie: voller als Filter, leichter als Espresso, eleganter als French Press. Das ist super für alle, die wissen, was damit gemeint ist. Alle anderen sollten ihre Geschmacksknospen erst einmal pur trainieren.

Ich kann dennoch jedem empfehlen, sich näher mit der AeroPress zu beschäftigen. Denn sie kitzelt eure Neugier und macht unheimlich Spaß.

Porzellaniger Filterkaffee aus der Karlsbader Kanne – Guten Morgen, du Grobian!

In einer Hinsicht ist die Karlsbader Kanne der exakte Gegenentwurf zum Espresso: Sie verlangt den gröbsten aller Mahlgrade, also mehr als Kiesgrubenqualität. Ansonsten stellt sich sehr oft die Frage, ob diese klassische Kombi aus Porzellankanne und sehr grobmaschigem Porzellanfilter überhaupt eine eigene Methode ist.

Arne mit der Karlsbader Kanne

Einerseits ganz sicher nicht. Nur, weil der Kaffee gröbstens gemahlen wird, macht ihr beim Aufbrühen nichts anderes als beim Handfilter. Andererseits sorgen grobe Kaffeepulver und grobe Filter dafür, dass der Kaffee ziemlich rein in der Tasse ankommt.

Das ist super für den Lernprozess, weil ihr so zum Beispiel auch Aufbereitungsarten eindeutig erschmecken könnt. Auf der anderen Seite kann ansonsten sehr überzeugender, facettenreicher Kaffee in der Bayreuther Kanne schnell in sich zusammenkrachen.

Insbesondere die Röstungen, bei denen flüchtige und feine Geschmacksnuancen gegeneinander antreten, werden hier schnell zum Einheitsbrei ohne Aussage. Es fehlt einfach die Unterstützung durch feines Filterpapier.

Wenn wir es von dieser Seite betrachten, ist die Karlsbader nur eine umgedrehte French Press – beziehungsweise hat die Stempelkanne das Karlsbader Prinzip auf den Kopf gestellt. Denn das Porzellan-Ensemble gibt es schon weitaus länger.

Und wenn wir es ganz genau nehmen, ist der Grobian unter den Filtermethoden am Ende des Tages dann doch nicht so besonders. Filterkaffee bleibt nunmal Filterkaffee.

Ich habe jedoch das Gefühl, dass diese Zubereitungsform durchaus wieder in Mode kommt und ein sexy Comeback feiern könnte. Allein schon wegen der Ästhetik. Dagegen spricht nur der Preis, denn die Sets sind schweineteuer und alles andere als praktisch.

Abseits aller Zubereitungstipps: Was ihr sonst noch wissen müsst

Ich bin mir bewusst, dass in meiner Liste noch einige Methoden fehlen. Mokka als „stärkster Kaffee der Welt“ aus der Ibrik ist ein absolutes Trendthema, das ich beständig ignoriere. Einfach, weil ich die doppelt gekochte Mischung (mit und ohne Gewürze) schlichtweg nie trinke.

Wir könnten auch darüber diskutieren, ob „türkischer Kaffee“ – also Cowboykaffee mit Kaffeepulver direkt in der Tasse – nicht auch eine eigene Methodik ist und einer Anleitung bedarf.

Kaffeezubereitung verschiedene Methoden Ueberblick

Doch egal, um welche maschinenfreie Zubereitungsmethode es sich handelt: Am wichtigsten ist nicht, wie viel Löffel Kaffeepulver ihr nehmt. Am wichtigsten ist, dass ihr euch für die Herstellung Zeit lasst. Seelenruhe, Zen und ein bisschen Engagement sind wichtiger als alle technischen Zubereitungstipps.

Außerdem ist es mir wichtig, dass wir bei Fragen zu Kaffee für French Press, Filter und Co nicht immer darauf schielen, ob diese oder jene Methode besser ist. Man kann sie zwar alle miteinander vergleichen, aber kein abschließendes Urteil abgeben. Was ich damit meine? Das hier:

Jede. Keine. Was weiß ich. In der ersten Version dieses Ratgebers habe ich noch gesagt, dass der Ruf von Kaffee insgesamt besser zu werden scheint. Ich habe das Gefühl, dass sich diese Entwicklung derzeit wieder umdreht.

Je mehr die Leute über Kaffee lernen, desto misstrauischer begegnen sie den einzelnen Sorten. Die Frage, ob ein Espresso grundsätzlich besser ist als ein Filterkaffee, halte ich unterdessen jedoch für überflüssig.

Kaffee sollte keine Gesundheitsversprechen erfüllen oder irgendwelche Ziele promoten. Kaffee ist ein Genussmittel. Darum würde ich mich heute auch nicht mehr auf Aussagen versteifen, dass Kaffee zum Flüssigkeitshaushalt gezählt werden darf oder in dieser und jener Variante bekömmlich ist. Ich überlasse euch die Schlussfolgerungen und verweise auf:

Diese Frage kann ich nach Jahren des Geschwurbels und der Ungenauigkeiten endlich richtig und vor allem wissenschaftlich beantworten. In meiner groß angelegten Koffeinstudie habe ich alle gängigen Methoden des Kaffeekochens im Labor auf ihren Koffeingehalt untersuchen lassen.

Auch wenn wir anerkennen, dass ich nur eine einzige Röstung nur ein einziges Mal durchgetestet habe, hat uns das Labor doch erstmals klare Ansagen gemacht. Die Hitliste Koffeinkick für Zubereitungsmethoden sieht so aus:

Koffeinstudie Koffeingehalt nach Zubereitungsmethode Infografik

Der kompakte Espressoverschnitt aus der Herdkanne ist sozusagen manueller Überraschungssieger – allerdings nur bei der absoluten Konzentration. Im Verhältnis zur üblichen Trinkportion sieht die Reihenfolge etwas anders aus:

Koffeinstudie Koffeingehalt nach typischer Portion Infografik

Da Kaffee zu fast 100 Prozent aus Wasser besteht, solltet ihr euch ein paar Gedanken zur Qualität machen. Zu viel Kalk geht gar nicht, abgestanden auch nicht.

Zum Einlesen empfehle ich euch folgende Artikel:

Ich halte es für völlig bekloppt, wenn ihr euch Equipment kauft, nur um einmal zu schauen, ob die Zubereitung etwas für euch ist. Egal, wie günstig der Spaß ist.

Bestellt im Cafe lieber öfter mal was Neues und spart euch dabei unbedingt die Milch! Nur pur lernt ihr, welcher Kaffee euch wirklich schmeckt. Fragt den Profi hinter der Theke nach seiner Meinung – aber nur, wenn er kein arroganter Hipster-Arsch ist!

Beschreibt ihm dabei unbedingt, welche Geschmacksrichtungen ihr bei Kaffee bevorzugt, welche Mengen ihr pro Tasse trinkt usw. Aus solchen Angaben lässt sich mit geschultem Auge sehr schnell herausfinden, ob ihr Pourer oder Immerser seid. Ganz nebenbei findet ihr so auch noch heraus, aus welchen Teilen der Erde der Kaffee für euch kommen sollte.

Außerdem müsst ihr für euch überprüfen, wie viel Zeit und Muße ihr in die tägliche Zubereitung und den Lernprozess stecken wollt. Am „längsten“ dauert die Handfilterung – sowohl beim Aufguss als auch bei der Perfektionierung. Bei der French Press macht ihr nichts falsch und seid fix fertig – tretet aber geschmacklich schnell auf der Stelle.

Arne mit Kaffeemuehlen

Was auch immer ihr tut, vergesst eines nicht: Die erste Anschaffung sollte immer eine Kaffeemühle sein. Kommt der Kaffee fertig gemahlen aus der Supermarkttüte, könnt ihr euch den ganzen Aufwand direkt sparen.

Manuell oder Maschine – Machen wir uns nichts vor …

Wir müssen noch nicht einmal die Augen zukneifen, um eine Wahrheit zu erkennen: Bis auf die Siebträgermaschine gibt es kein Gerät, das besser ist als die manuelle Methode. Leichter ja, komfortabler auch. Besser nicht.

Ein Kaffeevollautomat ist ein Kompromissgerät, das echten Espresso genauso imitiert wie der Kocher – wenn auch wesentlich erfolgreicher. Die Kaffeemaschine (mit Mahlwerk) versucht seit neuestem, an das Prinzip Handfilter heranzureichen – nicht umgekehrt.

Bei einer French Press wäre jede Form von Strom völlig überflüssig und würde die Zubereitung unnötig kompliziert machen. Gleiches gilt für die AeroPress, die mit Strom garantiert nicht mehr so experimentierfreudig wäre.

Cold Brew aus der Maschine ist vollkommen aberwitzig – wurde aber schonmal „versucht“. Sage wollte damit auf seiner Precision Brewer angeben und wurde dafür von mir zurecht angezählt.

Machen wir uns also nichts vor: Wenn ihr euch auf Maschinen verlasst, verpasst ihr was. Nämlich das volle, klare Kaffeeprofil der jeweiligen Zubereitungsmethode und die Möglichkeit, euch mit eurem Kaffee zu beschäftigen.

Habt ihr noch Fragen oder Ergänzungen? Kommentiert fleißig weiter!

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