Siemens EQ.9 Kaffeevollautomat – digitaler Vorreiter mit klaren Verkaufsargumenten

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Euch Füchsen ist sicher schon aufgefallen, dass die Coffeeness-Seite einen neuen Look hat. Und im Zuge der Renovierung hat sich auch gezeigt, dass so mancher Testbericht dringend aufgeräumt werden muss.

App fürs Handy mit dem Siemens EQ 9

Euch Füchsen ist sicher schon aufgefallen, dass die Coffeeness-Seite einen neuen Look hat. Und im Zuge der Renovierung hat sich auch gezeigt, dass so mancher Testbericht dringend aufgeräumt werden muss.

Das gilt insbesondere für diesen Bericht zum Siemens EQ.9 Kaffeevollautomaten. Denn bei diesem Kaffeevollautomaten Test hatte ich zwar dezidiert die Siemens EQ.9 s500 plus connect am Wickel, rede jedoch eigentlich von einer ganzen Serie.

Es herrscht immer wieder Verwirrung, welches Modell der Serie denn nun was kann, und warum es überhaupt so viele unterschiedliche Geräte unter einem Namen gibt. Diese Verwirrung werde ich mit dem Update auflösen.

Unterdessen hat sich nichts daran geändert, dass ich den Siemens EQ.9 – insbesondere ab der s500-Ausführung und mit dem Feature-Zusatz „connect“ – für einen echten Klassiker unter den hochpreisigen Kaffeevollautomaten halte. Und ihn immer noch fast ungeschlagen als Rolls-Royce der Vollautomatenwelt bezeichne.

Mahlwerk der nächsten Generation

Siemens EQ.9 s500 Connect

sehr hochwertig und leise – mit hervorragendem Espresso. Nur der stolze Preis wirkt aus der Zeit gefallen.

Sehr leises Mahlwerk

Gute Funktionalität

Sinnvolle App

Überzeugende Optik

Leichte Reinigung

kostenintensiv

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Wer richtig viel Wert auf eine hochwertige Maschine legt und seine Kaffeebohnen am liebsten mit gekonnter App-Unterstützung zu fertigem Kaffee verarbeitet, ist hier goldrichtig.

Ich muss zwar zugeben, dass inzwischen eine ganze Reihe an Kaffeevollautomaten erhältlich ist, die weniger kostet und fast genauso viel kann. Auch in Sachen „leises Mahlwerk“ ist Siemens mit einem Preisschild weit über 1.000 Euro längst nicht mehr der allgültige Maßstab.

Ich sehe aber keinen Grund, den Testsieg als hochpreisiger Kaffeevollautomat zu revidieren. Denn wozu muss es das neueste Modell sein, wenn es ein bewährtes Produkt mit ungebrochen vielen Fans auch tut?

Folgt mir also in ein Update zu einer Serie, die mehr als ein gutes Argument für Kaffeefreunde mit geräumigem Geldbeutel liefert.

Siemens EQ.9 – Serie und Modelle im Vergleich

Wenn ich Siemens EQ.9 sage, meine ich damit drei unterschiedliche Grundmodelle:

Diese Modellverwirrung kennen wir auch schon aus dem Siemens EQ.6 Test, bei dem ihr euch ebenfalls zwischen drei Modellen entscheiden müsst. Wenigstens sind die Bezeichnungen klarer als etwa bei DeLonghi, wo ihr erst einmal eine ellenlange Seriennummer dechiffrieren dürft.

Die aufsteigende Nummerierung folgt einem aufsteigenden Preisniveau. Das Ganze wird dann noch einmal angehoben, wenn mit dem Zusatz plus connect eine smarte App-Steuerung ins Spiel kommt. Dieser widmen wir uns später ausführlich.

Zunächst einmal wollen wir herausfinden, was die jeweiligen Grundmodelle der Siemens EQ.9 überhaupt ausmacht. Und das geht am besten in einer Tabelle:

 Siemens EQ.9 s300Siemens EQ.9 s500Siemens EQ.9 s700
Gehäuse/ OptikHochglanz-SchwarzEdelstahlEdelstahl
DisplayTFT (farbig)TFT (farbig)TFT (farbig)
Mahlwerk1 x Scheibenmahlwerk aus Keramik1 x Scheibenmahlwerk aus Keramik2 x Scheibenmahlwerk aus Keramik
Wassertank2,3 l2,3 l2,3 l
Getränkeauswahl101515
Nutzerprofile61010
Milchschaumsystemintegriertintegriertintegriert
Zwei Getränke gleichzeitigJaJaJa
TassenvorwärmenNeinJaJa
connect-OptionNeinJaJa
baristaModeNeinJaJa
AutoMilk CleanJaJaJa
Preis bei Amazon zum Berichtzeitpunkt in Euro1.0001.2001.800
Preis bei Amazon zum Berichtszeitpunkt inklusive connect-Funktion-1.3001.500 (Drittanbieter)

Weil Siemens wohl der Meinung ist, dass es doch lustig wäre, die Kunden mit noch mehr Zusätzen zu verwirren, erhaltet ihr EQ.9 Vollautomaten auch mit dem Begriff „extraKlasse“. Dies ist laut Siemens das „gewisse Extra für Ihr Zuhause […] ohne Aufpreis“.

Warum das dann nicht alle Geräte haben sollen, erschließt sich mir nicht. Bei den EQ.9 Vollautomaten bin ich mir nicht ganz sicher, worin dieses Extra bestehen soll. Der Milchbehälter sieht auf den ersten Blick etwas aufwendiger aus. Das war es dann aber auch schon.

Kommen wir zum Wesentlichen: den Unterschieden zwischen den Maschinen. Wir müssen nicht allzu genau hinsehen, um die Sprünge zwischen den Versionen nachzuvollziehen.

Die Siemens EQ.9 s300 verfügt über keine App-Möglichkeit, weniger Getränkeprofile und eine kleinere Auswahl an voreingestellten Getränken. Ihr habt beschränktere Einstellmöglichkeiten und müsst beim Gehäuse ohne Edelstahl auskommen.

Siemens EQ 9 S300

Das hochwertige Scheibenmahlwerk aus Keramik sowie das integrierte Milchschaumsystem sind aber ebenso an Bord.

Die EQ.9 s500 bringt dagegen die Möglichkeit zur Connect-App mit, liefert mehr Einstellungen – auch über den sogenannten baristaMode als Einstellfunktion für Kaffeeparameter – und hat zusätzlich eine einstellbare Tassenvorwärmung dabei.

Siemens EQ 9 Test

Das wichtigste Argument der EQ.9 s700 ist zweifelsohne das doppelte Mahlwerk, in dem ihr aus zwei getrennten Bohnenkammern jeweils unterschiedliche Kaffeebohnen beziehen und vollkommen separat mahlen könnt. Die Vorteile erkläre ich noch einmal ausführlicher.

Siemens EQ 9 s700

Bei einem Blick auf die Preisgestaltung wird ziemlich schnell klar, wer in Sachen Preis-Leistung wohl das Rennen macht. Mal abgesehen davon, dass es die 700er-Version bei Amazon nur noch aus zweiter Hand gibt, liefert der Preis des Siemens EQ.9 s500 plus connect die besten Argumente.

Aus diesen Gründen habe ich auch explizit dieses Modell bestellt und stelle es euch jetzt genauer vor. Vergleiche zu den anderen Modellen baue ich immer mit ein, damit ihr am Ende wirklich wisst, warum sich die Siemens EQ.9 s500 plus connect am meisten lohnt.

Die Siemens EQ.9 s500 plus connect im Überblick – Hochwertiger Spielautomat

Edelstahlgehäuse lösen bei mir stets einen Pawlow’schen Reflex aus: Ich gehe sofort davon aus, es mit einem hochwertigen Kaffeevollautomaten zu tun zu haben, der länger als ein paar Jährchen hält.

Vieles davon ist antrainierte Wahrnehmung, zumal uns eine Edelstahlfront nicht verrät, wie es um die Qualität im Inneren der Maschine steht.

Doch die Siemens EQ.9 s500 wirkt schon wegen des Gewichts und eben der Verarbeitung des Gerätemantels absolut hochwertig und seinen Preis wert. Da hat es die Siemens EQ.9 s300 mit ihrem schwarzen Klavierlack schon etwas schwerer, schließlich haben wir uns auch antrainiert, bei schwarzen Gehäusen auf Maschinen aus dem unteren Preissegment zu schließen.

Dieser Eindruck kommt jedoch bei allen Geräten der EQ.9-Reihe durch die sehr benutzerfreundliche Front mit großem, buntem Display, dem zentralen Einstellrad und den durchweg sinnvoll gestalteten Funktionstasten gar nicht erst auf.

Siemens EQ 9 Vollautomat mit vielen Möglichkeiten zum Einstellen

Die Bilder auf dem bunten Display zeigen unmissverständlich, wo ihr euch gerade im Menü befindet und was ihr dort machen sollt und könnt. Schon beim ersten Durchklicken bekommt ihr auf jeden Fall Lust, den Apparat in all seinen Facetten auszuprobieren.

Dazu habt ihr mit den zahlreichen Einstellmöglichkeiten auch reichlich Gelegenheit, selbst ohne App. Wenn es drauf ankommt, könntet ihr fast jede der 15 Kaffeespezialitäten in ihre Einzelteile zerlegen, von Grund auf neu aufbauen und dann als individuelles Rezept speichern.

Gerade in dieser Sache beweist die Siemens EQ.9 s500 ihren Oberklasse-Charakter, weil sie das mit dem Einstellen wesentlich ernster meint als so manches Mittelklassemodell.

Andererseits – und auch das ist nicht selbstverständlich – könntet ihr euch theoretisch auf die Presets verlassen und die Maschine einfach machen lassen. Bis auf den Mahlgrad, den ihr runterstellen müsst, ist der Rest der Getränkefaktoren nämlich bereits hervorragend.

Apropos Mahlwerk: Mit einem Scheibenmahlwerk aus Keramik macht ihr in Sachen Qualität sicher nie was falsch, auch wenn ihr dafür in der Vollautomatenwelt mehr zahlen müsst.

Dabei führt die Siemens EQ.9 s500 ein gern zitiertes Mahlwerk-Argument problemlos ad absurdum: Zwar ist sie sicher größer bzw. breiter als so manches Modell mit Edelstahl-Kegelmahlwerk, aber immer noch eine ausnehmend kompakte Angelegenheit. Insbesondere im Vergleich zum ähnlich akzentuierten Siemens EQ.6 s700.

Das funktioniert selbst mit integriertem Milchschaumsystem, das clever an die linke Seite geklickt wird. Ihr habt sogar die Möglichkeit, einfach den Schlauch in eine Milchtüte zu hängen.

Milchschaumsystem

Über die App werde ich mich noch ausführlich auslassen, sage euch aber schon jetzt, dass sie sich wirklich lohnt. Denn sie schafft es tatsächlich, die User Experience mit der Maschine zu erweitern, statt sie nur einfacher zu machen. Sie ist also nicht nur Gimmick, sondern sinnvolles Feature.

Preislich macht sie ja eh kaum noch einen Unterschied. Überhaupt ist der Preis für die Siemens EQ.9 s500 plus connect mehr als gerechtfertigt, wenn ihr euch die ganzen Features einmal anguckt.

Ähnlich gelagerte Modelle wie die Saeco Xelsis bieten in den Details sogar etwas weniger bzw. haben sie Mini-Macken in der automatischen Reinigung, die ich hier nicht feststellen konnte. Schon deshalb hat die Siemens EQ.9-Reihe bisher keine Mühe, ihren Spitzenplatz gegen alle Neuerungen in der Oberklasse zu verteidigen.

Das Mahlwerk – keiner ist leiser

Die Kombination des Materials Keramik mit der Scheibenbauweise ist ein typisches Merkmal von Kaffeevollautomaten der Oberklasse. Im Allgemeinen stehen Scheibenmahlwerke aus Keramik in dem Ruf, leiser zu sein, präziser zu arbeiten und das Aroma der Kaffeebohnen durch geringere Hitzeentwicklung besser zu schonen.

Siemens EQ 9 Brühgruppe IIII

Zu solchen Pauschalisierungen hatte ich schon immer eine eigene Meinung. Ich bin aber auf jeden Fall begeistert, wie unfassbar leise der Siemens EQ.9 doch ist. Überhaupt scheint Siemens aktuell am besten zu verstehen, dass ihr in Sachen leiser Kaffeevollautomat immer anspruchsvoller werdet.

Auch die kleinen Brüder Siemens EQ.3 und Siemens EQ.6 s700 machen beim Mahlen sehr wenig Krach. Doch die große EQ.9 fällt wirklich aus dem Rahmen. Damit könntet ihr sogar nachts um drei neben eurem schlafenden Lieblingspartner Kaffee kochen. Naja, fast.

Ebenso stimmt die Sache mit der feinen Einstellbarkeit. Scheibenmahlwerke können im Gegensatz zu vielen Kegelmahlwerken der unteren Preisklassen häufig stufenlos justiert und mit sehr kleiner Körnung betrieben werden.

Ich hatte deshalb kein Problem, den Regler der Siemens EQ.9 direkt auf den feinsten Grad zu verschieben. Ein prüfender Blick in den Tresterbehälter präsentierte mir einen sauber komprimierten Kaffeepuck, der eine ordentliche Korngröße aufwies und daher offensichtlich eine saubere Extraktion ermöglichte.

Siemens EQ 9 Trester Behälter

All diese Erkenntnisse könnt ihr bei der Siemens EQ.9 s700 noch verdoppeln, weil es hier eben zwei unabhängige Mahlwerke mit zwei dazugehörigen Bohnenkammern und der gleichen Keramik-Scheibenbauweise gibt.

Zwei verschiedne Mahlgrade sind also möglich

Damit sich dies für euch lohnt, müsst ihr es mit dem Wechsel der Bohnensorte aber ernst meinen – etwa, weil ihr morgens gern „richtigen“ und abends eher entkoffeinierten Kaffee zu euch nehmt.

Der Clou an einem solchen System ist, dass sich Bohne A und Bohne B im Mahlwerk nicht begegnen und vermischen. Ihr erhaltet also wirklich mit jedem Bezug zwei völlig unterschiedliche Kaffees.

Andere Maschinen wie die Melitta Caffeo Barista TS Smart versuchen das ausschließlich mit zwei Bohnenbehältern, die aber immer im selben Mahlwerk münden. Das ist natürlich etwas Quatsch – macht das Gerät dafür aber auch erschwinglicher.

Ich persönlich kann bei einem Vollautomaten hervorragend mit nur einem Mahlwerk leben, weil ich den Behälter eh nie bis zum Anschlag auffüllen würde und so schneller einen Bohnenwechsel vollziehen kann. Außerdem verlieren die Bohnen im Behälter schneller ihr Aroma.

Bei Amazon sieht man es momentan nicht so gut – aber der UVP für die EQ.9 s700 liegt fast ausschließlich wegen der zwei Mahlwerke stramme 550 Euro über dem UVP für unsere s500-Version. Da fällt mir die Entscheidung persönlich überhaupt nicht schwer.

Einstellungen und Getränke – Feintuning auf die Spitze getrieben

In der Betriebsanleitung der Siemens EQ.9 s500 nimmt das Kapitel zur Getränkeauswahl ungewöhnlich viel Platz weg. Das liegt schlicht daran, dass ihr so unheimlich viel ein- und umstellen könnt.

Mit 15 vorprogrammierten Getränken deckt die EQ.9 alle aktuellen Trends sehr gut ab: Der Flat White ist ebenso an Bord wie der Café Cortado. Außerdem will auch der s500 eine typische Kunden-Quengelei beantworten und liefert einen XL-Kaffee sowie eine Kannenfunktion.

Zwei tolle Flat White mit Latte Art stehen auf einem Tisch

Ich glaube, die Kannenfunktion ist eines dieser „extraKlasse“-Extras, da in der Beschreibung steht, dass sie nicht in allen Maschinenvarianten vorhanden ist. Bei mir war sie an Bord. Spätestens seit der IFA 2018 wissen wir ja, dass die Kannenfunktion zum wichtigsten neuen Verkaufsargument geworden ist.

Zusätzlich habt ihr über die HomeConnect-App Zugriff auf die „coffeeworld“, in der weitere Getränke zur Verfügung stehen.

Sollte euch das alles zu langweilig sein, habt ihr außerdem die Möglichkeit, allein die Kaffeestärke in unglaublichen 15 Abstufungen einzupendeln und das Mischverhältnis von Kaffee und Milch stufenlos auszutarieren.

Darüber hinaus fummelt ihr problemlos an der Wassermenge und der Temperatur rum und habt zusätzlich noch die Möglichkeit, das „aromaIntense“-Verfahren anzuwenden.

Das habe ich erst nicht ganz kapiert, finde es aber großartig. Nehmen wir an, ihr wollt einen Triple Shot Espresso mit extrastarkem Kick trinken. Dann könnt ihr einstellen, ob der neue Shot schon nach der halben oder einem Drittel der zubereiteten Menge des ersten Shots auf den Weg geschickt werden soll.

Siemens EQ 9 Espresso Bezug

Das hat zur Folge, dass weniger Bitterstoffe in der Tasse landen, der krasse Espresso soll trotz seiner hohen Konzentration milder schmecken. Das ist zwar nur eine Spielerei, die am Ende jedoch bei bestimmten Röstungen vielleicht noch etwas mehr aus der Bohne holen kann.

All diese Verstellmöglichkeiten sind in sich stimmig – wenn auch im Umfang teilweise etwas übertrieben. Doch für den Preis will der Kunde eben auch spielen dürfen und zahlt schon für die Möglichkeit, einen bestimmten Kaffee zubereiten zu können.

Daran ändert sich bei der kostenintensiveren s700 nicht mehr viel. Der Unterschied zur s300 wird aber sehr deutlich: Die hat keinen „baristaMode“ und bietet euch deswegen viele der Einstellungen, die ihr ab der s500 vornehmen könnt, erst gar nicht.

Die Individualisierung ist für mich aber ein wichtiges Merkmal eines guten Kaffeevollautomaten, weshalb ich der EQ.9 s500 abermals den Vorzug gebe. Ob ihr nun sechs individuelle Profile wie bei der s300 oder zehn individuelle Profile wie bei der s500 und s700 benötigt, ist eine Ermessensfrage.

Im Büro ergeben zehn verschiedene Einzelprofile sicherlich Sinn, wenn Karin aus der Buchhaltung und Günther aus dem Vertrieb sehr unterschiedliche Geschmäcker bei einem Latte Macchiato haben. Im Privathaushalt sind zehn Profile vielleicht etwas übertrieben.

Aber wiederum gilt: Ab einer bestimmten Preisklasse will der Kunde einfach die Möglichkeit haben, etwas zu tun.

Espresso aus der Siemens EQ.9 s500 – Was zu erwarten war …

Top Mahlwerk, top Einstellbarkeit, top Komponenten: Mal ehrlich, habt ihr etwas Anderes als einen sehr guten Espresso aus dieser Maschine erwartet?!

Ich auch nicht. Und natürlich wurde ich nicht enttäuscht. Mahlgrad runterdrehen, Kaffeestärke einfach auf „stark“ und die Füllmenge bei 25 Millilitern einpegeln – schon kommt aus der Siemens EQ.9 s500 ein Espresso, wie er sich gehört. Die Temperatur gefiel mir auch auf Anhieb.

Siemens EQ 9 Espresso im Test III

Ich habe außer der Reihe noch ein wenig an den anderen Kaffeegetränken rumprobiert und musste mal wieder feststellen, dass ich kein Fan von Café Crème aus dem Vollautomaten bin. Das kriegen die Maschinen einfach nicht sauber und geschmackvoll hin.

Auch für die Siemens EQ.9 s500 lautet daher mein Tipp: Setzt lieber auf den Americano als Espresso, der mit heißem Wasser aufgefüllt wird. Das sorgt für einen balancierteren Geschmack.

Die Kannenfunktion ist aus diesen Gründen auch eher sowas wie ein Lippenbekenntnis – zumindest in meiner Wahrnehmung. Der Kaffee ist dann einfach in rauen Mengen unlecker.

Es lohnt sich fast immer, den Kaffee lieber in der Chemex oder French Press zuzubereiten, wenn ihr wirklich viele Gäste zur gleichen Zeit mit dem gleichen Kaffee versorgen wollt.

Die EQ.9 bietet aber natürlich auch den gleichzeitigen 2-Tassenbezug, weshalb die individuelle Zubereitung am Automaten dann doch nicht so lange dauert, wie manche Kunden (und die Hersteller) oft zu befürchten scheinen.

In dieser Hinsicht sind sich übrigens alle drei Modelle der EQ.9-Reihe absolut gleich. Deshalb macht es auch keinen Unterschied, für welche Version ihr euch in Sachen Espresso-Qualität entscheidet. Sie sind alle exzellent.

Milchschaum aus der Siemens EQ.9 – Zurücklehnen, genießen

Der Milchschaum ist wirklich ein Selbstgänger. Ihr könnt einfach mit den Werkseinstellungen arbeiten. Der Schaum wird homogen und fein, ohne dass ihr mehr als einen Finger rühren müsst. Und das ist an sich schon eine Seltenheit.

Hier erfüllt der EQ.9 wirklich alle Erwartungen an einen hochpreisigen Vollautomaten. Wollte ich nur ein bisschen meckern, dann hätte ich mir noch eine Einstellung der Milchschaumkonsistenz gewünscht, wie sie bei der DeLonghi PrimaDonna möglich ist.

Bezug eines Cappuccino

Gut, auch dabei würdet ihr sowieso ein bevorzugtes Setting haben, das ihr in den meisten Fällen nicht mehr verstellt. Das „Extra“ wäre also nur von Verkäuferseite ein wirklich starkes Argument.

Analog zum Espresso funktioniert das Milchschaumsystem bei der Siemens EQ-Reihe bei allen drei Versionen gleich. Und sollte deswegen auch eure Kaufentscheidung nicht wesentlich beeinflussen.

Wenn ihr übrigens keine Lust habt, den zugehörigen Milchbehälter vollzusauen, könnt ihr den Schlauch auch einfach Cappucinatore-mäßig in eine Milchtüte hängen. Ich bin ein Fan davon, weil es Abwasch spart. Die Wahlmöglichkeit allein ist schon ein ziemliches Top-Kaufargument.

Latte aus dem EQ 9 im Test

Der Milchbehälter wird so in die Maschine geklickt, dass er anschließend keinen Platz mehr wegnimmt. Ist euch das wichtig, seid ihr hier also hervorragend beraten. Außerdem darf er umstandslos in die Spülmaschine, was der Hygiene immer gut tut.

Die HomeConnect-App – Ein durchaus schlagendes Argument

Geht es um App-Steuerungen für Kaffeevollautomaten, sage ich immer wieder, dass ihr eure Kaufentscheidung niemals daran treffen solltet. Und ich bleibe bei dieser Meinung. Eine App ist immer nur eine Ergänzung, die euch Komfortpunkte liefern soll. Alles andere muss die Maschine selbst hinkriegen.

Das ist auch bei der HomeConnect-App für Siemens der Fall. Allerdings liefert der direkte Preisvergleich zwischen den Versionen mit und ohne App-Anbindung kaum noch Unterschiede. Ihr wärt als schön blöd, wenn ihr auf die smartere Variante verzichten würdet.

Das Schöne an der HomeConnect-App ist ihre wirklich intuitive Steuerung, die euch klar durch das Programmieren führt. Ich mag das zum Beispiel für die Einstellung der Wasserhärte, die ich nie gern am Automaten selbst vornehme.

Auch alle Faktoren, die ich bereits bei den Einstellungen für Kaffee genannt habe, lassen sich im übersichtlichen Menü steuern. Dabei beweist gerade diese App einen großen Vorteil der smarten Steuerung:

Wenn ihr gemütlich auf der Couch hängt, macht es viel mehr Spaß, sich mit seinem Kaffeevollautomaten vertraut zu machen und neue Rezepte zu entdecken. Ihr verliert nicht so schnell die Lust und müsst euch nicht in der Küche die Beine in den Bauch stehen.

Schöne Ideen wie die coffeePlaylist übersetzen gewohnte User-Erfahrungen mit Spotify und Co. in die Kaffeewelt. Ihr könnt eine Zubereitungsreihenfolge von bestimmten Kaffees einstellen, die das Gerät nach und nach abarbeitet.

Hier zeigen sich aber auch die Grenzen jedes smarten Features: Tassen müsst ihr immer noch drunter stellen. Und das geht meist nicht von der Couch. Vergesst ihr das, gibt’s Sauerei.

Ich finde die Idee aber deswegen so schnuckelig, weil ihr zum Beispiel bei einer größeren Runde einfach das Tablet rumreichen könnt, mit dem sich jeder seinen Kaffee aussuchen kann, ohne euch mit seinen Wünschen zuzubrüllen.

Wenn ihr beim nächsten Kaffee-Date richtig klugscheißen wollt, führt euch außerdem die coffeeWorld zu Gemüte. Dabei erscheint eine Weltkarte, auf der 16 Kaffeegetränke nach Herkunft zu sehen sind und angesteuert werden können. Das finde ich niedlich, wenn auch nicht zwingend notwendig.

Solltet ihr außerdem nicht unter Aluhutitis leiden, könnt ihr dem Kundenservice sogar Zugriff auf das Gerät geben, der im Bedarf eine Ferndiagnose vornimmt. Dann spart ihr euch im E-Fall den Besuch eines Technikers und müsst das Ding nicht einschicken.

Und noch ein Pluspunkt: Ihr könnt die Siemens EQ.9 auch einfach über die App ein- und ausschalten. Also abends eine Tasse drunterstellen, morgens sanft das Gerät aufwecken und über die App schonmal das Lieblingsgetränk ordern. All dies, während ihr noch gemütlich im Bett liegt. Wenn dann der frische Kaffeeduft in eure Nase steigt, könnt ihr euch vielleicht überlegen, mal langsam aufzustehen.

Ihr seht schon – die smarte Anbindung ist ein durchaus schlagendes Verkaufsargument, das dem spielverliebten Grundgedanken der Maschine folgt.

Da beide Komponenten so perfekt aufeinander abgestimmt sind, würde ich persönlich immer die connect-Option wählen und damit zur EQ.9 s500 oder EQ.9 s700 greifen. Doch nur, weil der Preisunterschied nicht mehr so groß ist.

Die Reinigung – Einfach sauber

Es gibt viele Horror-Reportagen, in denen behauptet wird, es sei nicht möglich, einen Vollautomaten sauber und schimmelfrei zu halten. Das ist Quatsch. Mit der richtigen und regelmäßigen Pflege bzw. Wartung bleibt ein Kaffeevollautomat stets rein und hygienisch.

Da seid jedoch wie immer ihr gefragt und solltet euer Gerät, das euch immerhin stramm über 1.000 Euro gekostet hat, dementsprechend pflegen. Das ist alles nicht zeitaufwendig und geht bei der gesamten EQ.9-Reihe einfach. Viele Teile dürfen in die Spülmaschine und die Brühgruppe kann natürlich ausgebaut werden.

Siemens EQ 9 Brühgruppe

Die Siemens EQ.9 verfügt über die üblichen Reinigungsprogramme. Für diese sind teilweise Reinigungstabletten nötig. Nutzt sie! Ihr müsst nicht unbedingt die empfohlenen Produkte wählen, könntet sie aber im Bedarfsfall auch über die App bestellen. Es gibt also wirklich keine Ausreden.

Kleiner Tipp am Rande: Ich würde immer empfehlen, vor einem Urlaub die Brühgruppe zu entnehmen und die Maschine offen stehen zu lassen, damit während der Pause kein feuchtes Klima in den Geräten entsteht. Ansonsten reinigt ihr die Brühgruppe am besten mindestens wöchentlich unter fließendem Wasser.

Die Maschine selbst quengelt in angemessenen Abständen und angemessenem Umfang, wenn sie gereinigt werden will. Über das Display werdet ihr außerdem sehr präzise durch die einzelnen Schritte geleitet. Darum wäre es schon ein Wunder, wenn ihr hier irgendwas falsch macht.

Wie schon erwähnt, bin ich ein Fan der Milchschlauch-in-Tüte-Kombination, weil uns das die Reinigung des Milchbehälters spart. Außerdem kommt ihr dann nicht in die Verlegenheit zu vergessen, wie alt die Milch eigentlich ist, die ihr da im Behälter in den Kühlschrank verfrachtet habt.

Nutzt ihr den Behälter, gehört der wenigstens täglich in die Spülmaschine. Der Schlauch wird über die On-Bord-Reinigungsprogramme durchgespült, was völlig ausreicht.

Auch die beiden Tagesaufgaben „Abtropfschale säubern“ und „Tresterbehälter reinigen“ erledigen sich fast von allein, da ihr beide Bauteile genauso einfach in die Spülmaschine hauen könnt.

Abstellfäche Gitter

Ich wüsste also wirklich nicht, wie ihr es schaffen solltet, dass die Siemens EQ.9 versifft. Auch hier gibt es wieder keinen Unterschied zwischen den Modellen, sauber werden sie alle. Nur eben zum unterschiedlichen Preisschild.

Siemens EQ.9 und Siemens EQ.6 – Zwei Doofe, ein Gedanke?

Auf den ersten Blick scheinen sich die Siemens EQ.9 s500 und das Premium-Modell der „kleineren“ Reihe Siemens EQ.6 Plus s700 unheimlich ähnlich zu sein. Bis auf die Tatsache, dass die EQ.6 mal eben rund 500 Euro weniger kostet.

Siemens EQ 6 700

Dieser Preisunterschied macht natürlich viele Leute auf der Suche nach Kaffeevollautomaten hellhörig. Grundsätzlich sind beide Versionen ähnlich leise, ähnlich umfangreich ausgestattet und in ihren Ergebnissen in der Tasse sehr überzeugend.

Doch der Sprung in die Oberklasse liefert auch ein paar eigene Argumente. Die EQ.9 hat der kleineren Serie Folgendes voraus:

  • App-Anbindung
  • Integriertes Milchschaumsystem statt nur Schlauch
  • Größeres und übersichtlicheres Display
  • Vollkommen neue Brühgruppe
  • Brita-Filter dabei
  • Schlanker und moderner
  • Bessere und feinere Einstellmöglichkeiten

Ehrlich gesagt gibt für mich der letzte Punkt den Ausschlag, warum ich die EQ.9 noch ein wenig besser finde. Wie ich schon mehrfach sagte, ist ein Höchstmaß an Individualisierung auch ein schlagendes Argument für die Vollautomatenwelt an sich.

Die Brühgruppe wurde deswegen neu designt, damit sie unter die zwei Mahlwerke passt. Zumindest ist das meine Erklärung. Ansonsten besteht noch die Möglichkeit, dass der Hersteller mit einem neuen System mehr Geld bei den Ersatzteilen verdienen will. Siehe Apple.

Ein Brita-Filter ist sicherlich immer eine gute Idee, aber nie so wichtig, dass euch sein Fehlen vom Kauf einer bestimmten Maschine abhalten sollte. Dann müsst ihr gegebenenfalls einfach öfter entkalken. Das ist nun auch kein Beinbruch.

Welche der beiden Maschinen zu euch passt, ist am Ende des Tages also genauso eine individuelle Frage wie die Entscheidung zwischen den drei Modellen der EQ.9-Reihe. Und ich glaube, der Preis wird für euch den Ausschlag geben.

Fazit zur Siemens EQ.9 – Immer wieder gut

Beim Rewrite zu diesem Testbericht habe ich mich noch einmal intensiv mit der Maschine beschäftigt. Ich habe mich hauptsächlich gefragt, ob meine Einschätzung, dass die Siemens EQ.9 s500 ein Testsieger der Oberklasse sein sollte, überhaupt noch stimmt.

Barista Arne ist zu frieden mir dem Test

Gerade angesichts der Tatsache, dass viele moderne Geräte mit kleinerem Preisschild eine ähnlich hohe Einstellbarkeit und genauso gute Apps bieten, war ich mir erst nicht sicher.

Aber soll ich euch mal was sagen? Es gibt keinen Grund, ständig den neuesten Krempel in meinen Kaffeevollautomaten Tests zu hypen, wenn ihr wie hier eine absolut verlässliche, kompakte, leise und schlichtweg hervorragende Maschine erhaltet.

Und gerade weil sie schon etwas älter ist, fällt der Preis beständig. Ihr könnt euch also eine Spitzenleistung für einen verträglichen Geldbeutel abholen. Gut, das Preisschild ist immer noch saftig, aber ihr werdet sicher nicht über den Tisch gezogen.

Wenn ihr Qualität und Anspruch mit unbedingter Einstellfreude sucht, seid ihr bei der Siemens EQ.9-Reihe auf jeden Fall richtig. Was sagt ihr dazu? Hinterlasst mir einen Kommentar!

12 Kommentare

    Hallo

    ich habe in verschiedenen Foren gelesen, das der Milchschaum wohl nicht so doll wäre und sich von heißer Milch kaum unterscheidet.
    Welches Gerät wurde getestet? Modell 2019?

    Antworten
    Arne

    Hallo Dietmar,

    danke für deinen Kommentar. Die Basis war die 2017er-Version. Es spielen aber unsere Erfahrungen auch mit neueren EQ.9 Modellen mit rein :). Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

    Hallo. liebe Coffeness-Team,
    ich habe zwei Fragen:
    1. Bzgl. des Milchschhaums: Ein richtig guter Milchschaum ist mir schon wichtig. Ist die Kritik einger Kunden bezogen auf die EQ9-Modelle berechtigt?
    2. Gibt es das EQ9-Modell mit zwei Mahlwerken nur in Verbindung mit EQ9–Connect? Ich hätte gern zwei Mahlwerke, aber lege keinen Wert auf die App-Funktion?

    Danke für eure Antwort!
    Herzliche Grüße
    Marion

    Antworten
    Arne

    Hallo Marion,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Die Kritik am Milchschaum können wir nicht nachvollziehen, da wir ausschließlich gute Erfahrungen mit dem Milchschaum aus dem EQ.9 gemacht haben. Die EQ.9 s700 hat auch das doppelte Mahlwerk. Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

    Ich hab mir heute die Maschine gekauft, nachdem ich deinen Kommentar gelesen habe, und zwar das Flaggschiff. Sehr geile Maschine, absolut gut erklärt. Danke für die Tipps.

    Antworten

    Lässt sich der Schlauch des Milchsystems tatsächlich – wie beschrieben – in eine Milchtüte hängen?
    War bisher davon ausgegangen, dafür braucht es einen separaten Adapter.

    Antworten

    Den Adapter braucht man schon, gibt’s aber für einen guten Zwanni im Zubehör.

    Antworten

    Hallo,
    wo liegen die Unterschiede zwischen der EQ9 S500 und EQ9 S400?
    Danke
    Gruß

    Antworten
    Arne

    Hallo Karsten,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Die EQ.9 S400 ist uns nicht wirklich bekannt bzw. wir haben sie nicht getestet. Laut ein paar Recherchen handelt es sich dabei aber ziemlich um das gleiche Gerät, weshalb wir jedoch lieber auf das uns bekannte S500-Modell setzen würden ;). Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

    Hallo, wie bewertest du den Espresso im Vergleich zwischen der EQ9 und der EQ6?

    Antworten

    Hallo, ich habe mir in der letzten Woche eine EQ9 700 zugelegt. Leider habe ich ein Thema mit dem Milchschaum. Bei mir ist der Schaum zwar schön feinporig, aber nur in sehr geringer Menge vorhanden. Habe das Ganze natürlich mit dem schönen Ikea-Glas versucht nachzustellen. Leider komme ich nicht auf das gleiche Ergebnis, wir ihr in eurer Produktvorstellung. Ich verwende H-Milch mit 3,5% Fettanteil. Könnt ihr mir kurz angeben, welche Milch ihr in eurem Test verwendet habt?

    Antworten
    Arne

    Hallo Dirk,

    danke für deinen Kommentar. Eine Vollmich (selbst als H-Milch) auf Kühlschranktemperatur funktioniert unserer Erfahrung nach am besten. Die Marke können wir nicht mehr sagen, das ist schon zu lange her und wir nehmen auch relativ unterschiedliche Marken. Einfach mal durchprobieren. Wir haben dem Milchschaum auch einen extra Artikel gewidmet: https://www.coffeeness.de/milchschaum/. Liebe Grüße Team Coffeeness

    Antworten

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