Eiskaffee – Totgesagte leben länger

Veröffentlichungsdat um: 16. August 2017 von 3

Alle Fitnessfans, Kaffeepuristen und Kalorienzähler müssen jetzt ganz stark sein. Denn in diesem Artikel geht es um Eiskaffee. Mit Sahne! Mit Speiseeis! Mit Sauce! Mit Toppings! Mit allem! So zumindest das Klischee, das Eisdielen hierzulande immer noch gern aufrecht erhalten.

Der Klassiker auf der Eisdielenkarte ist jedoch erwachsen geworden und wurde natürlich auch mit Schwung durch die Hipster-Mühle gedreht. Darum zeige ich euch hier auch Eiskaffee ohne Eis, wir reden über Cold Brew und schauen uns an, wie man Eiskaffee selber machen kann, ohne gleich den Energiebedarf einer ganzen Kompanie zu decken.

Vor einer Weile habe ich bereits einen Artikel zum Thema Eiskaffee verfasst, den ich jetzt etwas erweitern, an der ein oder anderen Stelle revidieren und vor allem mit neuen Ideen füttern will. Eine Erkenntnis gilt jedoch weiterhin: Zucker + Instantkaffee – schlimmer geht es nicht!

Die Herkunft: Italienischer Purismus und deutsche Völlerei

Schon im Artikel zum Latte Macchiato habe ich mich ausführlich darüber ausgelassen, dass wir Deutschen es hervorragend verstehen, die italienische Kaffeekultur ad absurdum zu führen.

Oder wie würdet ihr es nennen, wenn aus einem abgekühlten Espresso, der mit Wasser und vielleicht noch Eiswürfeln verlängert wird, plötzlich eine Hauptmahlzeit mit Speiseeis, Sahne und allem, was die Eistheke so hergibt, entsteht?

Der deutsche Eiskaffee und der italienische Caffè Freddo haben also in etwa so viel gemein wie ein dicker Benz und eine wendige Vespa. Und man könnte problemlos unterstellen, dass der Eiskaffee à la Teutonen mal wieder ein Beweis dafür ist, dass wir eigentlich gar keinen Kaffee mögen.

Denn unter der dicken Zutatenschicht lässt sich herrlich verstecken, dass die meisten Eisdielen einfach nur einen riesigen Batzen Filterkaffee aus der Großmarkt-Tüte in der Gastromaschine vorbrühen, diesen Batzen ewig abkühlen lassen und je nach Umsatz dann auch noch über mehrere Tage verkaufen.

An der grundsätzlichen Methodik für die Basis von Eiskaffee gibt es zwar nichts zu meckern, jedoch könnt ihr euch ausmalen, was so eine lange Standzeit für den Geschmack und die komplizierte Aromenbalance des Kaffees bedeutet: nichts Gutes, natürlich.

Darum lautet die erste Regel im Coffeeness-Manifest für guten Eiskaffee:

  • Auch kalter Kaffee muss frisch sein!

Und die zweite Regel heißt dementsprechend:

Und auch die dritte Regel ist einleuchtend:

  • Gebt euch bei der Zubereitung ein bisschen Mühe!

Genug rumkommandiert, schauen wir uns die Regeln im Einzelnen an und widmen uns zunächst den verschiedenen Zubereitungsmethoden für kalten Kaffee.

Die besten Methoden zur Zubereitung der Basis von Eiskaffee

Grundsätzlich ist es völlig egal, ob ihr eine Abkürzung nehmt, den Kaffee heiß aufbrüht und dann mit verschiedenen Methoden (auch schnell) abkühlen lasst oder euch die Zeit ans Bein bindet und Cold Brew macht.

Die Kunst besteht in jedem Fall darin, dass der kalte Kaffee eben nicht wie die bitter-saure Brühe schmeckt, die wir als letzten Schluck aus dem Kaffeebecher immer noch mit Brrrr-Miene in uns hineinschütten.

Cold Brew und Latte

Denn der (unkontrollierte) Temperaturabfall in gekochtem Kaffee sorgt dafür, dass sich die meisten der erwünschten Aromen schnell verflüchtigen und am Ende nur noch die Muskelprotze Säure und Bitterstoffe übrigbleiben.

Außerdem kann ein Kaffee nur dann auch kalt schmecken, wenn schon im heißen Zustand geschmacklich alles stimmt. Und dabei muss billiger Mist aus der Industrie-Trommel mit seinem Übermaß an Chlorogensäure noch schneller passen, eben weil er sich im kalten Zustand nicht mehr hinter der Temperatur verstecken kann.

Eiskaffee aus der French Press

Ich bin ein großer Fan der French Press wenn es darum geht, Eiskaffee für mehr als eine Person zu machen. Nur müssen wir für die kalte Variante ein wenig umdenken: Wir wollen den Kaffee ja nicht abkühlen lassen, bis er eine Algenschicht bildet, sondern in schnell und aromatisch kalt bekommen.

Eiskaffee aus der French Press

Normalerweise würden wir eine 1 Liter-French Press mit rund 55 g Kaffeepulver und 1 Liter Heißwasser auffüllen. Da wir das Eis, über das wir später den Kaffee gießen, natürlich auch als Wasser einberechnen, halbieren wir die Flüssigkeit. Also:

  • Der Mahlgrad für den Kaffee ist grob
  • Die Wassertemperatur beträgt etwa 95 Grad Celsius
  • Eine 1 Liter French Press wird mit 55 g Kaffeepulver und nur 500 ml Wasser aufgefüllt.
  • Nach der empfohlenen Ziehzeit von etwa 3 bis 4 Minuten gießen wir den Kaffee über rund 500 Gramm Eis.

Ob ihr Eiswürfel oder Crushed Eis nehmt, ist eigentlich gleich. Im Gegensatz zum Cocktaileis darf der Abkühlturbo für Eiskaffee allerdings so richtig schön tiefgekühlt sein. Da hier sehr heiß auf sehr kalt trifft, geht die Sache so schneller. Für andere French-Press-Größen findet ihr die jeweiligen Gramm-Zahlen in dieser Tabelle.

Kalter French Press Kaffee

Wenn ihr einen von Hause aus kräftigen Kaffee nehmt, dann kommt das dicke Aromengerüst auch dann zum Tragen, wenn ihr ihn mit Eis stark verdünnt.

Eiskaffee aus dem Handfilter

Wenn ihr einen Arne im absoluten Zen-Modus erleben wollt, müsst ihr ihn nur einmal beim Werkeln am Handfilter beobachten. Ich bin ein absoluter Fan dieser Methode und nutze sie daher natürlich auch immer dann, wenn ich kalten Kaffee brauche.

Eiskaffee aus dem Handfilter

Auch hier halten wir uns an die Halbierungsregel beim Wasser und helfen später mit Eis nach. Die grundsätzlichen Bedingungen für eine gute Portion Kaffee sind:

  • 150 ml Wasser
  • 30 g Kaffeepulver
  • Mahlgrad recht fein, aber nicht zu fein
  • Wassertemperatur rund 94 Grad Celsius
  • Ziehzeit rund 3 Minuten

Die Schritt-für-Schritt-Anleitung findet ihr im Handfilter-Ratgeber. Für Eiskaffee ist an dieser Stelle vor allem wichtig, dass ihr NICHT direkt aufs Eis brüht, sondern erst einmal den Umweg über die Kanne nehmt.

Denn so ein Handfilter-Kaffee entfaltet sein Aromengerüst in meinen Augen am besten, wenn er sich erst einmal einige Minuten mit sich selbst beschäftigen und quasi vor sich hin schmoren darf. Also: Ziehzeit abwarten und erst dann umkippen!

Eiskaffee aus der Aero Press

Nicht jeder von euch wird eine Aeropress zu Hause haben, dennoch nenne ich diese Methode für Eiskaffee sehr gern, weil hier schon im heißen Zustand ein wirklich kräftiger Kaffee entsteht.

Außerdem ist diese Zubereitung ideal, um ohne Verschwendung Einzelportionen kalten Kaffees zu zaubern, da ihr direkt in die Tasse bzw. ins Glas presst. Unser Abkühlturbo besteht hier aus etwa 150 g Eis pro Tasse.

Cold Brew Aeropress 16

Ansonsten bleibt die Zubereitung gleich, ausführlich erkläre ich sie im Aero Press-Artikel, hier nur der Schnelldurchlauf:

  • 22 g Kaffeepulver pro Tasse
  • Brühtemperatur rund 90 Grad Celsius
  • Brühzylinder und Presskolben leicht ineinanderstecken, das Ganze auf den Kopf stellen
  • Kaffeepulver rein
  • Filter in den Filterhalter stecken und mit Heißwasser benetzen
  • Mit Wasser komplett bis zur Maximalmarke auffüllen
  • 10 Sekunden rühren
  • 30 Sekunden ziehen
  • Alles zusammenstecken, mit sanftem Druck Kaffee in die Tasse pressen

Gerade bei Aeropress Eiskaffee muss ich eine kleine Warnung aussprechen: Auch wenn es besonders einfach wäre, ein dekoratives Kaltgetränke-Glas für den Eiskaffee zu nehmen und auch darin gleich zu arbeiten, nehmt lieber ein dickwandiges Latte-Glas oder geht den Umweg über die Tasse.

Denn ihr habt das Glas vorher durch das Eis extrem heruntergekühlt und jetzt kommt der Schock des heißen Kaffees obendrauf. Das sorgt für heftige Oberflächenspannungen, die bei einem dünnwandigen Glas zum Explodieren führen. Und mit Explosion meine ich Explosion.

Eiskaffee aus der Siebträgermaschine

Eiskaffee und Espresso vertragen sich grundsätzlich hervorragend, denn der konzentrierte Kaffeeschluck bringt die volle Aromenwucht mit. Nur ist dieses Aromengerüst ein wenig empfindlich, was wohl jeder nachvollziehen kann, der schon einmal vergessen hat, seinen Espresso sofort zu trinken.

Eiskaffee Siebträger

Außerdem finde ich, dass ein Espresso auch im Eiskaffee seinen Grundcharakter behalten sollte. Will heißen: Statt ihn ewig zu verlängern, wollen wir ihn konzentriert halten. Natürlich könnt ihr es wie die Italiener machen und ihn direkt aus der Siebträgermaschine zum Caffè Freddo umbauen.

Ich habe allerdings eine andere Idee. Aber die verrate ich euch erst weiter unten bei den verschiedenen Rezepten. Oh, die Spannung ist kaum auszuhalten.

Cold Brew und Eiskaffee – Ist das nun das Gleiche, das Selbe oder eine ganz eigene Nummer?

Ein Eiskaffee-Artikel ohne Cold Brew-Absatz ist sowas von Neunziger. Denn dass der Eiskaffee überhaupt wieder ein Thema außerhalb von Bild der Frau und Apotheken Umschau ist, liegt in meinen Augen vor allem am Cold Brew-Trend.

Natürlich ist das Endergebnis auch hier schlicht kalter Kaffee, doch geht Cold Brew eben den langsameren Weg über die Kaltextraktion. Darum kann man von Natur aus kalten und abgekühlten Kaffee geschmacklich kaum vergleichen.

Ausführlich widme ich mich jedem einzelnen Aspekt der Kaltbrüherei mit Video und allem Pipapo im Cold Brew-Artikel, an dieser Stelle und im Zusammenhang mit Eiskaffee will ich nur erwähnen: Wer sich die Mühe macht und Cold Brew zaubert, sollte ihn auch möglichst puristisch genießen. Es lohnt sich!

Eiskaffee Rezepte: Klassiker, Kurioses und auch Ideen für den Sondermüll

Ich lehne mich jetzt mal ganz weit aus dem Fenster und behaupte, dass die meisten den schwarzen Eiskaffee ganz ohne Kalorien nur deswegen den verschiedenen Misch-Rezepten vorziehen, weil er von mehr Finesse, Gourmet-Könnerschaft und Blablüblablü zeugt.

Freunde, es ist Sommer und wir alle sollten das trinken, was uns schmeckt. An der Bikinifigur können wir auch morgen oder nächste Woche arbeiten.

Das heißt zwar nicht, dass ich Monster-Kreationen mit Schlagsahne-Berg und Schokosauce nebst halber Kekspackung gutheiße. Aber es gibt eben genug Ideen, wie man Eiskaffee selber machen kann, und zwar so richtig lecker und trotzdem edel. Und dazu kommen wir jetzt.

Im vorherigen Eiskaffee-Artikel habe ich bereits verschiedene andere Eiskaffee Rezepte vorgestellt, darunter den Iced Black Eye sowie den Iced Bulletproof Coffee. Diese Rezepte findet ihr also dort, wir kümmern uns jetzt um ein paar andere Ideen.

Iced Latte Macchiato

Während wir die Sache mit kaltem Kaffee bei gewisser Sorgfalt problemlos hinkriegen, sieht es bei Milchschaum schon etwas schwieriger aus. Denn rein physikalisch ist kalter Milchschaum ein kleiner Widerspruch in sich, brauchen wir doch den Wasserdampf, um die Struktur des Schaums zu bauen.

Latte Macchiato

Allerdings heißt das nicht, dass es nicht funktioniert. Eigentlich alle Milchaufschäumer, ob nun elektrisch, manuell oder batteriebetrieben, können grundsätzlich auch kalte Milch aufschäumen. Nur wird die Sache dann eben nicht besonders stabil.

Und Milchschaum abzukühlen funktioniert nicht. Doch keine Sorge, auf einen tollen Iced Latte Macchiato müsst ihr trotzdem nicht verzichten. Hier einmal mein Rezeptvorschlag, der so ein bisschen aus Trial and Error entstanden ist.

Zutaten:

  • Einfacher Espresso frisch aus dem Siebträger (ruhig stärker, evtl. einen doppelten Ristretto)
  • optional einen Spritzer Vanille-Mark oder -Extrakt, dann wird die Sache richtig geschmeidig
  • etwa 200 ml kühlschrankkalte Milch eurer Wahl
  • Crushed Ice (keine Eiswürfel! Und bitte nicht ultrakalt!)
  • ein Schraubglas, Mason Jar oder gerne auch einen Cocktailshaker

Bei dieser Methode basteln wir uns den notwendigen Milchschaum einfach mit roher Schüttelgewalt und holen uns zusätzliche Stabilität für einen stilechten Schichten-Look durch das Crushed Ice.

Wer keine Shake-Erfahrung mit dem Cocktailshaker hat, fährt mit einem Schraubglas am besten, denn ihr müsst hier wirklich richtig kräftig ans Werk gehen. Also:

  • Milch, (Vanille) und Crushed Ice ins Glas geben, gut verschließen.
  • Shake it like a polaroid picture! (Oder genauer: Schütteln, schütteln, schütteln!)
  • Die geschüttelte Milch mit dem Crushed Ice in ein hohes Glas geben.
  • Den Espresso langsam und mittig darüber gießen, sofort servieren.

Natürlich geht es hier auch um den Show-Effekt, aber da der Espresso wirklich sofort kalt wird, wenn er mit dem Eis in Berührung kommt und die Milch mit der richtigen Shake-Technik ultrageschmeidig wird, zergeht dieser Iced Latte sehr lecker auf der Zunge. Also wie ein guter Latte Macchiato.

Solltet ihr kalten Milchschaum aus einem Milchaufschäumer nehmen, müsst ihr den Espresso natürlich vorher extra kalt machen.

Eiskaffee mit dem Milchaufschäumer
Eiskaffee mit Vanilleeis: Der Affogato al caffè und seine Freunde

Keine Sorge, liebe Puristen, auch bei dieser Variante lassen wir die Sirupflaschen und den Sahne-Syphon schön beiseite und werden sogar richtiggehend italienisch. Allerdings ist der Affogado al caffè als Eiskaffee ohne Eis (aus Wasser) eher ein Dessert als ein wirkliches Sommergetränk – und typisch italienisch ausnehmend quick and dirty.

Im Grunde müsst ihr nur eine Kugel Vanilleeis in eine Cappuccinotasse oder ein kleines, dickwandiges Glas aus dem Kühlschrank geben und direkt darauf einen (doppelten) Espresso aus dem Siebträger gießen.

Das Ganze wird eine sehr schmelzige Angelegenheit, die vor allem durch die sehr vordergründige Mischung aus süßem Eis und bitterem Kaffee Spaß macht. Ich muss sicher nicht noch einmal extra erwähnen, dass ein sahniges Vanilleeis mit echter Vanille dreimal leckerer ist als die gefärbte Pampe aus dem Riesenbecher für Einsfuffzig, oder?

Wer will, kann sich auch mit Schoko, Stracciatella oder Nusseis austoben, zu veganen Varianten greifen oder sich seine eigene Eis-Kaffee-Mischung ausdenken. Ich würde allerdings eher vom ultrasüß-fruchtigen Ende der Speiseeis-Skala fernbleiben.

Ich habe es vor ewigen Zeiten mal mit Mango probiert. War eher so mittelgut. Säuerliche Sorbets können aber durchaus lecker werden. Warum, sehen wir später noch einmal.

Diese Mischung funktioniert natürlich auch hervorragend mit allen anderen kalten Kaffeesorten aus Handfilter und Co. und es gibt nichts Schöneres, als einen ohnehin schon kalten (und guten) Kaffee noch mit einer Kugel Vanilleeis zu pimpen. Oder zwei. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Süßer Eiskaffee ohne Zucker – geht das?

Obwohl ich mich mit der Empfehlung für die Verwendung von Speiseeis für Eiskaffee schon ganz weit von meiner Kernüberzeugung entferne, bleibe ich bei der Maxime, dass zusätzlicher (Kristall-)Zucker in den meisten Fällen vollkommen unnötig ist.

Überhaupt kein Problem habe ich dagegen mit Fett – und frisch geschlagene Sahne ohne Zuckerzusatz steht auch dem Eiskaffee hervorragend. Nur eben bitte nicht der Industriemist aus der Sprühflasche. Und von guter Butter im Bulletproof wollen wir gar nicht erst anfangen zu schwärmen.

Worauf ich hinaus will: Wir lieben Eiskaffee alle doch gerade deswegen, weil er eben nicht nur skinny ist, sondern auch eine kleine Sünde darstellt. Wir sollten aber nicht aus falscher Vorsicht am falschen Ende der Geschmacksskala sparen, sondern einfach unser Hirn austricksen.

Und Fett, ob nun viel oder nur ein bisschen, kommt uns dabei hervorragend zur Hilfe. Als intensiver Geschmacksträger sorgt es dafür, dass unser Hirn bei Eiskaffee das Gefühl hat, hier kommt gleich was richtig Leckeres an.

Und jetzt bringen wir noch ein paar Zutaten ins Spiel, die unser Gehirn mit „süß“ assoziiert – obwohl kein Zucker am Start ist. Dazu gehören vor allem:

  • Zimt. Wie in „Zimt und Zucker“. Genau diese Verknüpfung stellt auch unser Hirn her. Probiert es mal aus, den Zucker denkt ihr euch auch geschmacklich unterbewusst immer dazu. Und wenn ihr kalten Milchschaum mit Zimt bestreut, ist das recht leicht und fühlt sich auf der Zunge trotzdem wie eine Kalorienbombe an.
  • Vanille. Hatten wir vorhin bereits. Zur gewürzeigenen Grundsüße kommt erstens unser Assoziationsvermögen, zweitens unterstreicht Vanille die Süße von Milch und nimmt etwas Bitterkeit aus dem Kaffee.
  • Reiner Kakao. Die beste Hirn-Verarsche für alle Schokofans. Hier müsst ihr nur vorsichtig dosieren, sonst wird es zu bitter.
  • Salz. Wait, what?! Ja genau, Salz. Jeder Bäcker weiß: Alles, was süß schmecken soll, braucht ein wenig Salz. Im Eiskaffee mit Milch oder Sahne solltet ihr aber nur einen Mini-Hauch einstreuen, sonst war es das mit dem Genuss.

Wenn ihr wirklich nicht auf echte Süße verzichten wollt, dann gibt genug Alternativen zur Industrieware. Allerdings achtet dann bitte darauf, unbedenkliche Ersatzstoffe zu nehmen.

Eine echte Empfehlung will ich lieber nicht aussprechen, auch wenn Birkenzucker, Kokosblütenzucker oder Erythrit momentan in der alternativen Küche hoch gehandelt werden.

Eiskaffee mit Zitrusaromen

Im ursprünglichen Eiskaffee-Artikel habe ich mich bereits ausführlich mit dem Einsatz von Zitrusfrüchten bei Eiskaffee auseinandergesetzt. Alles dazu erfahrt ihr also auch dort. An dieser Stelle will ich nur noch einmal darauf hinweisen, dass purer Eiskaffee plus Eis (aus Wasser) und Zitronensaft oder Grapefruit eine Knaller-Erfrischung ist.

Eiskaffee mit Zitrone

Eiskaffee mit Urlaubsfeeling – Vietnamesischer Eiskaffee und Co.

Die Sehnsucht nach kaltem Kaffee ist auf der ganzen Welt verbreitet und deshalb kennt auch jedes Land mit nennenswerter Kaffeekultur eine eigene Methode, um durch die heiße Jahreszeit zu kommen.

Ganz oben auf der Trendliste steht Vietnam. Vietnamesischer Eiskaffee lebt erstens von seinen Wumms-Röstungen, zweitens von einem ganz eigenen Equipment und drittens von ultrasüßer Kondensmilch. Das Ganze nennt sich Ca Phe Da, auf Neudeutsch Iced Pour Over. Mit Schlafen wird es danach jedenfalls nichts.

Und Varianten davon gibt es auf der ganzen Welt. In Kalifornien hält man sich mit einem Palazzo wach, der im Grund nur aus einem gekühlten Double-Shot mit gesüßter Sahne besteht. Der Mazagran kommt aus Österreich und mischt kalten Kaffee mit Cognac oder Maraschino. Wo wir gerade dabei sind…
Eiskaffee Cocktails – Hoch die Tassen, doch welche Spirituosen passen?

Auch wenn sich etwa das SZ-Magazin schon vor fünf Jahren mit dem Thema Eiskaffee Cocktails auseinandergesetzt hat, kommt der Trend erst in jüngster Zeit wirklich ins Rollen.

Nichts zu tun und leicht Einen sitzen“ macht ja auch im Sommer am meisten Spaß. Die Feinschmecker-Bibel Falstaff hat dazu auch schon einmal einen wunderbaren Artikel verfasst.

Die einfachste Möglichkeit wäre es, zur sowieso schon bereitstehenden Mischung für Eiskaffee (mit welchen Begleitern auch immer) noch ein paar passende Spirituosen zuzugeben.

Kahlua, Bailey’s und andere Cremeliköre bieten sich natürlich sofort an, bringen aber auch wieder ziemlich viel industriellen Mist in unsere so elegante Grundmischung.

Ein gut gereifter Rum ist da schon eine ganz andere Hausnummer und passt mit seiner Weichheit ziemlich gut zum puren Eiskaffee. Auch ein entsprechend runder Whiskey ohne zu harten Torf-Einschlag macht was her, doch dann liegt man bei heftiger Hitze schon nach wenigen Minuten unter dem Tisch.

Dass Cold Brew und Tonic hervorragend zusammenpassen, ist für euch bestimmt keine Neuigkeit mehr. Also ist es doch keine Frage, dass der Gin hier auch nicht weit ist. Welcher Gin am besten passt, ist tatsächlich eine Frage des Stils, den euer Kaffee fährt.

Schöne Zitrusknaller mit definitiver floraler Note sind als Cold Brew sowieso eine optimale Idee und vertragen sich genauso gut mit sehr wacholdrigen, klassischen Gins wie mit ultra-blumigen Interpretationen wie dem Hendrick’s.

Es gibt auch Bartender, die sind völlig schmerzfrei und hauen Champagner, Campari, Mezcal oder Prosecco mit Eiskaffee zusammen. Da ist der Grat zwischen Mjam und Bläch allerdings ultraschmal, und ihr müsst schon sehr viel ausprobieren, bis ein brauchbares Getränk herauskommt.

Bloß nicht – Wovon ich bei Eiskaffee dringend abrate!

Ich schreibe diesen Absatz nur, weil es immer wieder Experten gibt, die Eiskaffee mit Pulver für eine gute Idee halten. Oder ein Frappé von Mäckes ohne Ironie trinken. Auch Eiskaffee im Thermomix ist ein Schlag ins Gesicht jedes Kaffeeliebhabers – Stichwort Instantkaffee.

Ich kann jeden von euch verstehen, der keine Lust darauf hat, fast zehn Euro in einer Kaffeebar für guten Eiskaffee auszugeben, nur weil der Besitzer seine Miete fürs Mitte-Apartment und die Gebühren für die fünfsprachige Kita mit Delfintherapeutin aufbringen muss.

Aber guter Kaffee ist zwar kein Billigprodukt, doch ganz sicher nicht so teuer, dass ihr dafür den Geschmack, die Freiheit von Chemie und vor allem den Spaß an der Zubereitung aufgeben müsstet. Und wie wir gesehen haben, geht die Zubereitung von Eiskaffee wirklich babyeierleicht.

Das Beste zum Schluss: „Instant“Eiskaffee für ganz Eilige

Ja, wir sind alle faul. Sonst gäbe es keine Vollautomaten. Und manchmal ist es einfach zu heiß, um noch ewig in der Küche zu werkeln, bis der Eiskaffee mal fertig ist. Kluge Köpfe und Faultiere bedienen sich deswegen eines einfachen Tricks:

Eiskaffee aus dem Kaffeevollautomaten

Bereitet eine Kanne Kaffee zu – am besten in der French Press, das ist kein Aufwand und bringt ordentlich Vorrat. Achtet auch hier wieder auf die halbe Wassermenge. Dann füllt ihr den Kaffee in diese praktischen Eiswürfelformen, die es zu vielen Kühlschränken bereits dazu gibt. Lasst die Sache aber noch etwas abkühlen, bis ihr die Form ins Gefrierfach stellt.

Danach geht der Instant-Eiskaffee in cool nach einem heißen Tag auch wirklich fix: Eiskaffeewürfel in ein Glas geben, mit (am besten) zimmerwarmer Milch auffüllen, ein paar unserer Süß-Alternativen rein und fertig ist die erfrischende Gartenlaube.

Soll es schneller gehen, könnt ihr natürlich auch warme Milch nehmen. Doch dann ist der Erfrischungseffekt nicht ganz so groß und ihr müsst schon ein wenig schneller schlürfen.

Diese Variante ist zwar nichts gegen all die Ideen, die ich euch hier vorgestellt habe, doch eine Kompromisslösung, mit der sogar ich alter Meckerkopp und Kaffeepedant klar komme.

Habt ihr noch Ideen für Eiskaffee, welche Variante trinkt ihr am liebsten und kann ich euch sonst noch irgendwie weiterhelfen? Die Kommentarspalte wartet auf euch!

3 Kommentare
  • Sven
    16 August, 2017

    Hallo Arne,
    ich habe letztens mit der Hario Mizudashi mal einen Cold Brew Kaffee probiert.
    Ich hab mich da an deine Anleitung gehalten, aber das Ergebnis nach 12 Stunden ziehen, war doch sehr bitter bzw, säurelastig.
    Ich vermute mal das es am Mahlgrad lag, der Kaffee schmeckt mir nämlich aus der Frenchpress ausgezeichnet.

    Hast du in deinem Blog ein hochauflösendes Bild, bei dem man den Mahlgrad gut erkennen kann?
    Ich benutze die Hario Skerton zum Kaffee mahlen (die nicht unbedingt ein einheitliches Ergebnis liefert) und hatte mir für den Cold Brew den Rungeto Kaffee von Coffeecircle gekauft.

  • Arne
    16 August, 2017

    Hallo Sven, danke für den Kommentar. Ich werde ein Foto machen. Aber so grob wie möglich. Hast du mal versucht die Lösung zu verdünnen? Das klappt auch sehr gut. Viele Grüße, Arne

  • Sven
    16 August, 2017

    Vielen Dank für deine schnelle Rückmeldung.

    Danke, ich denke ein Bild wird zumindest mir sehr helfen.

    Ich hatte ihn mit Tonic oder mit ungesüßter Mandelmilch probiert, da war er trotzdem noch recht bitter, aber schon besser.
    Beim nächsten mal werde ich ihn vorher mit Wasser verdünnen.

    Die Idee mit den Kaffeeeiswürfeln finde ich auch sehr klasse und werde ich beim nächsten mal direkt testen.

    Liebe Grüße

Ich freue mich über deinen Kommentar

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