Online Barista-Kurs der Kaffeemacher im Check: Virtuell und digital zum Home Barista?

Es dürfte euch aufgefallen sein, dass ich das böse Wort mit C weitestgehend ignoriere. Zumindest in meinen aktuellen Veröffentlichungen. Natürlich bekomme ich mit, wie sehr Corona auch die Kaffeewelt verändert.

Es dürfte euch aufgefallen sein, dass ich das böse Wort mit C weitestgehend ignoriere. Zumindest in meinen aktuellen Veröffentlichungen. Natürlich bekomme ich mit, wie sehr Corona auch die Kaffeewelt verändert.

Ich bin nur in der falschen Position, um dazu eine fundierte Meinung zu äußern. Als Typ, der sich Sachen anguckt, sie testet und kommentiert, habe ich es sowieso viel leichter als Röstereien, Kaffeeschulen, Cafés und Kaffeefarmer.

So gesehen haben die Kaffeemacher aus Münchenstein in der Schweiz in der aktuellen Situation komplett die Arschkarte gezogen.

Denn die Jungs (und Mädels, auch wenn man sie nie im Onlineauftritt sieht) sind gleichzeitig Rösterei, Caterer, Equipment-Shop, Tester-Institution, Akademie und Transparency-Fighter.

Ich folge den Kaffeemachern schon eine Weile, habe sie bereits getroffen und bin ein großer Fan ihrer unaufgeregten und fundierten Herangehensweise an alle ihre Angebote.

Da mit Kaffeekursen und Workshops erst einmal Essig ist, haben sie eine E-Learning-Plattform aus dem Boden gestampft und viele Barista-Seminare und Schulungen ins Virtuelle verlagert. Sie haben mir einen Zugang zur Verfügung gestellt, damit ich mir das mal genauer anschauen kann.

Und weil ich ein Typ bin, der sich Sachen anguckt, sie testet und kommentiert, erfahrt ihr hier, ob sich der Home Barista Online Kurs lohnt.

Worum geht’s im Home Barista Online Kurs?

Was nützt es euch, wenn ihr euch eine bescheidenere Siebträgermaschine wie die Solis Barista Gran Gusto kauft, in einer Kaffeeschulung aber ausschließlich mit einer superprofessionellen Barista-Maschine arbeitet? Eben.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Video Espressobezug

Deshalb haben die Kaffeemacher den Home Barista Online Kurs so konzipiert, dass ihr alle Schritte und Tipps an eurer eigenen Espressomaschine und mit der eigenen Kaffeemühle umsetzen könnt. Das Versprechen der Schulung lautet, dass ihr am Ende sowohl perfekten Espresso als auch perfekten Milchschaum hinbekommt.

Wenn ihr euch als echte Streber erweist, könnt ihr nach dem Workshop sogar Latte Art und habt auch noch ein ziemlich umfangreiches Wissen zu verschiedenen nerdigen Kaffeethemen. Insgesamt gibt es fünf Kurseinheiten mit jeweils sehr detaillierten Unterpunkten:

  1. Inbetriebnahme eurer (!) Espressomaschine mit Grundeinstellungen und Tipps zu Mühle, Wasser, Kaffeebohnen
  2. Espressozubereitung als detaillierte Schritt für Schritt-Anleitung mit allen Fehlerquellen
  3. Milch schäumen von der Theorie zur Praxis
  4. Latte Art in Nahaufnahme und mit Anleitung
  5. Reinigung von A bis Z

Ich wüsste nicht, was hier noch fehlen könnte. Wenn selbst Themen wie „Welche Infos geben uns Kaffeepackungen“ oder „Warum wir in diesem Kurs mit einem 2er-Sieb arbeiten“ abgedeckt sind, ist alles gesagt. Überhaupt sind es gerade diese „Exkurse“, die das virtuelle Lernen (für mich) spannend machen.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Video zu 2er Sieben

Wie ist die digitale Ausbildung zum Home Barista aufgebaut?

Geht ihr in Hamburg, Köln, München oder sonstwo zur Kaffeeschulung, handelt es sich meist um einen kompakten Workshop, bei dem ihr in X Stunden (Home) Barista werden könnt. Wenn ihr Glück habt, kriegt ihr alles mit. Wenn ihr Pech habt, vergesst ihr die Hälfte bereits wieder auf dem Nachhauseweg.

Online und bei den Kaffeemachern passiert das nicht. Der Kaffeekurs besteht aus mehr als 30 Einzelvideos in tiptop Qualität. Neben dem Video zu jeder Lektion gibt es Textmaterialien, Grafiken und/oder Downloads. Ihr habt die freie Wahl, welche Lektionen ihr schauen wollt – und in welcher Reihenfolge. Ihr könnt ein Video unendlich oft starten und pausieren.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Video mit Beschreibungstext

Will heißen: Habt ihr den Workshop einmal gebucht, könnt ihr immer auf eure Inhalte zugreifen. Außerdem sollen nach Aussage von Kaffeemacher Benjamin sukzessive weitere Inhalte pro Schulung hinzukommen – der Online-Lehrgang wächst also beständig.

Anders als bei einem Live-Lehrgang könnt ihr Ausbildungsleiter Michel allerdings nicht fragen, falls es Probleme bei der Handhaltung am Tamper oder andere Herausforderungen gibt. Online hilft nur mehrmaliges Anschauen. Ihr könnt auch einen Kommentar hinterlassen und erhaltet eine Antwort. Dennoch bleibt das Manko des Frontalunterrichts.

Dieses Manko wird jedoch schon dadurch aufgefangen, dass wirklich jedes Detail minutiös erklärt wird. Die reine Anguckzeit der Videos beträgt rund 2,5 Stunden. Da ihr davon ausgehen solltet, dass ihr jede Lektion (nach eurem Können) üben müsst, solltet ihr für den Kurs wenigstens doppelt so viel Zeit einplanen. Da ihr euch diese Zeit aber frei einteilen könnt, wären selbst 25 Stunden kein Problem.

Wie groß ist der Lerneffekt im Online-Barista-Kurs?

Viele Lektionen habe ich mir nur angeguckt, um mein eigenes Wissen zu bestätigen. Doch selbst in diesen Einheiten habe ich immer noch etwas dazulernen können – und sei es nur, wie man Profi-Geschwurbel allgemeintauglich erklärt.

Denn darin sind die Kaffeemacher – allen voran Kursleiter Michel – absolute Spitze. Fachsprache und technische Konzepte werden nachvollziehbar erklärt und begründet. Die Ausbildung findet die richtige Balance zwischen absolutem Anfängerniveau und Leuten, die schon viel über Kaffee, aber noch wenig über die eigene Espressomaschine wissen.

Wie schon erwähnt, gefallen mir die Exkurse besonders gut – sie erzeugen echte Aha-Momente bei fortgeschritteneren Anwendern und Kursteilnehmern.

Kaffeemacher Online Barista Kurs das richtige Wasser

Beispiele wären die hervorragende Begründung, warum das Doppelsieb praktisch immer die bessere Wahl ist oder warum der Kalkgehalt im Leitungswasser ein komplizierterer Faktor ist, als man denkt.

Was gefällt mir am Kaffeemacher-Kurs besonders gut?

Klingt komisch, ist aber ernst gemeint: Dass die Kaffeemacher nicht aus Berlin oder Düsseldorf kommen, sondern eben aus der Schweiz, macht euch den digitalen Lehrgang noch einfacher. Das Schweizer Hochdeutsch feuert wesentlich weniger Worte pro Minute ab als etwa der norddeutsche Schnack eines gewissen Kaffeebloggers.

Michel hat beim Reden nicht nur ein wunderbares Tempo zum Lernen, Mitschreiben und direkt Ausprobieren, er spart sich auch jedes überflüssige oder arrogante Bla. Hier steht kein Obernerd vor der Kamera, der zu anderen Obernerds spricht.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Lektion Fehler Latte Art

Michel klingt aber auch nicht, als würde er mit Vollidioten reden, die sich gerade mal die Schuhe binden können. Jeder Satz ist eine wertvolle Information, die freundlich und neutral vorgetragen wird.

Optisch gibt es auch absolut nichts zu meckern. Wenn es was zu zeigen gibt, wird es gezeigt – in Großformat, HD und mit schnieker Klarheit. Der Lernmaterialmix ist ein dickes Plus, weil ihr manche Dinge vielleicht nochmal zusammengefasst lesen wollt und keine Zeit für ein ganzes Video habt. Euer Kurs-Dashboard wird so zum perfekten Spickzettel.

Was machen andere Barista-Kurse online besser?

Less talky, more showy! An mancher Stelle wäre es besser, auf den „Frontalunterricht“ zu verzichten und Erklärsequenzen zur eigentlichen Sache einzublenden. Alles, wofür es keine Step-by-Step-Anleitung braucht, wird durch einen Monolog oder im Talkshow-Style abgehandelt.

Im Abschnitt zu Kaffeebohnen gibt es beispielsweise nur kurze Bohneneinblendungen zum Unterschied zwischen Arabica und Robusta. Ansonsten sitzen Philipp und Michel rum und reden – anstatt dem Kursteilnehmer zu zeigen, was sie meinen.

In der Einheit „Voluminöse Milchmischgetränke (II)“ hält die Kamera die meiste Zeit auf Michel, während Felix am Rand an der Siebträgermaschine hantiert. Es müsste andersherum sein: Hantieren im Fokus, Erklärung aus dem Off. Man kann nicht oft genug zeigen, wie Abläufe aussehen sollten!

Nochmal zu den Bohnen: Ich finde es ein bisschen befremdlich, dass die Kaffeemacher als Anteilseigner an der Finca Santa Rita – und damit als Kaffeeproduzenten! – so freundlich über Supermarktkaffee reden. Man merkt, dass sie mit ihren Aussagen niemandem auf die Füße treten wollen. Da regt sich in mir sehr lauter Widerspruch – aus bekannten Gründen.

Ich weiß außerdem, dass es die Kaffeemacher mit der Korrektheit der Begriffe seeehr genau nehmen. Allerdings verwenden sie oft Worte, die in der allgemeinen Kaffeewelt nicht dermaßen verbreitet sind – das könnte für Verwirrung bei Anfängern sorgen. Gutes Beispiel: „Kaffeekuchen“ statt „Kaffeepuck“.

Gucken wir jedoch genauer hin, sind das Details, die wir vernachlässigen können. Sie sind mir aufgefallen, weil ich die Inhalte anders betrachte als Leute, die den Kaffeekurs absolvieren. Keiner dieser Punkte hat Einfluss auf den letztendlichen Wert des Angebots.

Was kostet der Home Barista Online Kurs – und lohnt es sich?

Beim heutigen Umrechnungskurs müsst ihr für den Kaffeemacher-Kurs rund 61 Euro (65 CHF) zahlen. Für viele ist das viel. In meinen Augen ist es fast noch zu wenig.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Uebersicht

Schließlich erhaltet ihr eine All-you-can-eat-Ausbildung zum Home Barista, bei der ihr euch so oft Nachschlag holen könnt, wie ihr wollt. Außerdem sind die Inhalte und Anleitungen hervorragend. Wer nix lernt, ist selbst schuld.

Solltet ihr bereits wissen, was ihr tut, muss der Kurs nicht sein. Doch dafür ist er ja auch nicht gedacht. Die Rechnung lautet vielmehr:

Wenn ihr 300 Euro aufwärts und 100 Euro aufwärts in Siebträger und Kaffeemühle investiert, aber nicht wisst, wie ihr ordentlich Espresso und Milchschaum macht, kippt ihr mehr als 400 Euro ins Klo. Mit rund 60 Euro holt ihr euch das Wissen, um die 400 Euro perfekt auszunutzen.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Dashboard

Dennoch bleibt das Problem, dass ein Onlinekurs den Live-Unterricht in der Akademie nicht ersetzen kann. Es fehlt an der Interaktion und dem direkten Dialog.

Auf der anderen Seite müsst ihr keine Angst haben, dass andere Kursteilnehmer die bessere Maschine anschleppen oder sich besser anstellen als ihr. Barista-Kurse haben online also keine Hemmschwelle.

Machen uns die Kaffeemacher zu Kaffeemachern?

Obwohl die Kaffeemacher mit ihrem großartigen YouTube-Content und vielen Blogbeiträgen zu meiner „Konkurrenz“ gehören, empfehle ich sie euch aus vollem Herzen. Das gilt auch für den Home Barista Online Kurs.

Kaffeemacher Online Barista Kurs Start

Denn ich unterstütze jeden, der euch in Sachen Kaffee und Ausbildung nichts andrehen, sondern etwas beibringen will. Und gerade in Zeiten wie diesen sollten wir gelungene Konzepte für eine Post-Corona-Kaffeewelt unbedingt feiern!

Noch Fragen oder Anmerkungen? Lasst es mich wissen!

3 Kommentare

    Das ist doch mal Alles in Allem sehr erfreulich. Bericht ist sehr gut und wohl auch richtig in der Wertung.
    Kompetenz trifft auf Kompetenz. Die Kaffeemacher stehen bei mir in sehr hoher Wertung, natürlich ebenfalls Coffeeness.
    Bleibt der Supermarkt! Kaffee aus dem Supermarkt ist kein Kaffee von eine seriösen, guten Spezial-/“Kleinröster“. Eine billige (..preiswerte) Kamera ist keine Leica!
    Arne – Kompliment!
    Kaffeemacher – Kompliment!

    Antworten
    Arne

    Hi Wolu, vielen, lieben Dank für dein Kompliment und deinen Kommentar. Das freut uns sehr 🙂 Liebe Grüße von deinem Coffeeness-Team

    Antworten

    Lieber Arne, liebes Coffeeness-Team,
    wir freuen uns riesig über Deinen Artikel und dass Du dir die Zeit genommen hast, komplett durch alles durchzugehen. Vielen Dank!

    Mittlerweile wurden über 1600 Lektionen abgeschlossen und wir haben unglaublich viel Feedback erhalten, was wir nun peu à peu in den Kurs einbauen. Auch die von Dir angesprochenen Verbesserungsmöglichkeiten bei einigen Getränkedefinitionen (mehr zeigen, weniger frontal) gehören dazu. Da ist uns tatsächlich einfach die Kraft ausgegangen.

    Eine sehr geschätzte zusätzliche Unterstützung für alle TeilnehmerInnen haben wir noch nachträglich in den Kurs integriert, bewerben es aber bisher noch gar nicht offensiv. Vor einer Woche haben wir zum ersten Mal die bisherigen TeilnehmerInnen zu einem Live-Webinar eingeladen. Eine Stunde haben wir alle Fragen der TeilnehmerInnen beantwortet und wer wollte, konnte auch sein Maschinensetup und direkte Probleme an der Maschine zeigen.
    Das werden wir bis auf weiteres alle 3 Wochen machen, um noch besser zu unterstützen. Klar, wir können dann immer noch nicht probieren ob der Kaffee schmeckt, aber offensichtliche optische Fehler ansprechen. Die Aufzeichnungen der Video-Unterstützung (jeweils eine Stunde) stellen wir als ergänzendes Material im Kurs zur Verfügung.

    Zum Supermarktkaffee. Wir sind da vorsichtig mit einer einseitigen Einordnung. Wir stimmen Deiner Einschätzung wohl zu 98 % und haben auch Mitleid mit Dir, wegen den Kaffees, die Du da getrunken hast. Aber gleichzeitig haben wir auch schon sehr viel nicht-guten, von der Börse gekauften Kaffee von Kleinröstereien getrunken. Eine grundsätzliche Einordnung in Supermarktkaffee ist schlecht, kleinere Röstereien sind gut (machst du nicht, aber könnte man im Umkehrschluss herauslesen), greift für uns zu kurz.

    Hinzu kommen noch drei weitere Gründe, warum wir hier vorsichtiger formulieren:
    – Wir sind selbst eine Rösterei. Deshalb loben wir lieber andere Röstereien, sprechen über „schwierige“ Kaffees von anderen Röstereien aber sehr behutsam und möglichst differenziert.

    – Wir haben einige Grossröstereien, die für Supermärkte rösten, dabei beraten und unterstützt, ihr Sortiment zu verbessern und in Beziehung zu Produzenten zu treten und direkt einzukaufen. Auf diese Art und Weise versuchen wir dazu beizutragen, dass da ein gewisser Wandel passiert.

    – Uns gefällt nicht, dass viele Kleinröstereien sich oft mit Falschaussagen und undifferenziert gegen Grossröstereien/Supermarktkaffees versuchen zu positionieren. Kleineröstereien sollten ihre Qualität betonen, dieser verbessern und damit glänzen. Die vermeintlichen „Schockröstungen“ in 90 Sekunden haben wir vor Ort in den Grossröstereien (und dazu gehörten die grössten in DE und CH) nicht erlebt und bezweifeln, ob damit die geltenden Richtwerte in DE und EU u.a. in Sachen Acrylamide überhaupt eingehalten werden könnten.

    Viele Grüsse aus der Schweiz und danke für deine verbindende und wissen-teilende Arbeit für den guten Kaffee.
    Benjamin

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