Latte Art: Ist das Kunst oder darf man das trinken?

Ich stelle jetzt mal eine schon fast senkrecht steile These auf: Latte Art wurde nur erfunden, damit wir uns alle völlig talentlos fühlen. Mit „alle“ meine ich mich. Denn ganz gleich, wie oft ich mir die YouTube-Tutorials reinziehe und vor der Dampflanze meiner Espressomaschine des Tages rumhantiere…

Es wird einfach nichts mit dem „sooo einfachen“ Latte Art Herz oder auch nur einem Bild, das nicht aussieht wie die Malerei eines Fünfjährigen. Und dabei kenne ich alle Steps der Latte Art Anleitung auswendig, weiß genau, was ihr dazu braucht und wie ihr Latte Art lernen könnt. Was stimmt nicht mit mir? Was????

Ihr seht, mein Versagen im Bereich Latte Art nagt an meiner Kaffee-Experten-Ehre. Aber wie heißt es so schön: Those who can’t do teach. Also bringe ich euch in diesem Artikel die wunderbare Welt der Milchkunst näher.

Ich zeige euch, was sich zum Thema Latte Art bei YouTube wirklich anzuschauen lohnt und erkläre euch, wie man Latte Art lernen kann, solange man nicht so vollkommen talentfrei ist wie ich.

Denn dass es sich bei der Milchmalerei nicht um Hexenwerk handelt, zeigt die fast schon inflationäre Schwemme an Herzen und Gesummse selbst auf Kaffee von der Tanke.

Außerdem habe ich einmal danach gegraben, woher der Hype um Latte Art eigentlich kommt, wer zuerst damit angefangen hat und wer momentan das Beste vom Besten macht. Kurzum: Dies ist ein Artikel über Kunst, die man auch noch trinken kann.

Und die mich wütend macht. So wütend.

Latte Art Übungen

Da meine Kaffeeexperten-Ehre jetzt ohnehin schon angegriffen ist, habe ich mir auch die Fotos für diesen Artikel erschnorrt. Von wem sonst, also von einem Kaffee-Blogger, der auch Fotograf ist. Der liebe Kollege Sinan war so nett, mir die Fotos zur Verfügung zu stellen. Sein Kaffee Blog kann übrigens getrost als einer der zwei besten im deutschsprachigen Raum bezeichnet werden! Für alle Fotos im Artikel zählt: ©Sinan Muslu coffeesomething.de

Alle machen Latte Art. Und keiner weiß warum

Wer sich auf die Suche nach der genauen Herkunft der Latte Art macht, kann genauso gut nach dem Namen des Künstlers der Steinzeitmalerei in der Höhle von Lascaux fragen.

Fest steht nur, dass irgendwann ein Profi-Barista mit seinem Milchkännchen beim Eingießen rumgewedelt haben muss, und plötzlich war da ein Latte Art Herz auf dem Cappuccino.

Oder so. Alle Anzeichen deuten nach meinem Wissen in die USA, genauer in Richtung Nordwestküste rund um Seattle. Aber verifizieren kann ich diesen Hinweis nicht.

Kommt Latte Art aus den USA?

Fest steht damit auch, dass sich Latte Art nur darum durchsetzen konnte, weil der Latte Macchiato-Hype mit seinen Schichtereien vorbei war und die Kaffeekenner mit Flat White und Co. die ideale „Leinwand“ für ihre Kunstwerke plötzlich in großer Zahl verkauften.

Es ist also nur legitim zu behaupten, dass Latte Art, Third Wave und Instagram-Poserei Hand in Hand gehen. Denn wenn keiner die schönen Milchbildchen zu Gesicht bekäme, müsste man sich auch die Mühe nicht machen, oder?

Vielleicht nicht ganz. Denn Latte Art sieht nicht nur schön aus, sie ist tatsächlich auch ein Zeichen von Güte. Nur, wenn der Espresso eine optimale Crema hat – und damit perfekt ausgewählt und extrahiert ist – kann das kunstvolle Eingießen überhaupt funktionieren.

Und nur, wenn der Milchschaum in Sachen Konsistenz und Temperatur ebenfalls am Optimum kratzt, dann erblühen Ornamente auf eurem Kaffee. Darum auch mein erster Tipp:

Sich mit Latte Art zu beschäftigen lohnt sich für Kaffeeliebhaber auch dann, wenn ihr null Maltalent habt.

Fangen wir also zunächst einmal mit den Grundlagen an und schauen uns das richtige Equipment und notwendige Zubehör an.

Latte Art Zubehör: Ohne diese Dinge braucht ihr gar nicht anfangen

Zwar reden alle bei jeder Latte Art Anleitung immer lang und breit über die Milch. Aber welche Malerei kommt bitte ohne anständig grundierte Leinwand aus? Darum finde ich, dass ein optimal extrahierter Espresso aus der Siebträgermaschine das eigentlich Essentielle ist.

Hier findet ihr in meinen Testberichten sicher das perfekte Gerät für euch, solange ihr ein Modell wählt, bei dem ihr eventuelle Schwächen der Extraktion mit verschiedenen Nachjustierungen ausgleichen könnt.

Latte Art vom Barista aus dem Siebträger

Kaffeevollautomaten mit ihrer Pseudo-Crema auf dem Pseudo-Espresso reichen zwar für den Anfang auch aus, aber perfekt wird das Kunstwerk damit sicher nicht. Außerdem haben hochwertige Vollautomaten, die beim KVA-Espresso sehr gute Ergebnisse leisten, meist einen entscheidenden Nachteil:

Sie bringen ein automatisches Milchschaumsystem statt einer Dampfdüse mit. Das entspricht zwar dem Automatismus-Gebot dieser Geräteklasse, macht sie aber für Latte Art fast unbrauchbar. Denn eine Dampfdüse ist euer wichtigstes Hilfsmittel, um die „Farbe“ für Latte Art anzurühren. Und zwar von Hand.

Kleiner Disclaimer: Es gibt auch einige wenige Milchaufschäumer, die fast Latte Art-würdigen Milchschaum produzieren. Dazu gehören der manuelle Bodum Latteo und der automatische WMF LONO Milk & Choc sowie der kompakte Senseo MilkTwister.

Das Problem: Die Kännchen und Korpusbestandteile dieser Geräte eignen sich leider überhaupt nicht zum präzisen Eingießen und Malen.

Ihr könntet den Milchschaum vor dem Latte-Artieren zwar noch einmal ins obligatorische Milchkännchen umgießen. Damit zerstört ihr aber bereits wieder die sensible Struktur eures Milchschaums und die Temperatur fällt bei diesem Umkippen schnell ab.

Bleibt also wirklich nur die Dampfdüse, bei der ihr ebenfalls genauer hinschauen solltet. Sie braucht mächtig Wumms beim Druck und muss auch in Sachen Temperaturstufen Profi-Ansprüchen genügen.

Diese beiden Bedingungen erfüllen Siebträgermaschinen (oder KVAs) aus dem Einstiegssegment leider kaum.

Eine von mir immer wieder hervorgekramte Empfehlung ist die Rancilio Silvia, die ordentlich Dampf macht und dennoch weniger als viele Kaffeevollautomaten kostet.

Wenn ihr dieses unverzichtbare, preisintensive Latte Art Zubehör angeschafft habt, fehlen nur noch zwei wichtige Kleinigkeiten, die aber keinesfalls nebensächlich sind: die Milchkännchen (eure Pinsel) und die Tassen (eure Rahmen).

Zubehör für Latte Art

Bei beiden gilt: Kauft euch sowohl größere Varianten für Anfänger als auch kleine Varianten für Fortgeschrittene.

Die größeren Kännchen eignen sich zwar weniger zum präzisen Malen, weil sie unhandlicher sind. Aber damit lernt ihr besser, die optimale Milchtemperatur zu finden, ohne dass es gleich zu Spritzereien und zum Überkochen kommt.

Am wichtigsten bei einem Kännchen ist der Schnabel, also der Ausguss. Je sauberer dieser gefaltet ist und je spitzer er zuläuft, desto feiner sind die Linien, die ihr damit produziert.

Der Henkel bzw. seine Form ist fast Nebensache, denn viele Barista umgreifen sowieso das ganze Kännchen.

Größere Tassen lassen euch mehr Platz zum Malen, auch wenn ihr Flat White und Co. natürlich nicht im Bottich, sondern eben in kleinen Tassen mit rund 200 Milliliter Füllmenge serviert.

Wichtig sind hier eine konische Form (kleinerer Durchmesser des Tassenbodens als am Tassenrand) und dass ihr die Tassen greifen und ankippen könnt. Abgerundete Kanten bzw. ordentlich geformtes Porzellan sorgen dafür, dass eure Crema bzw. der Schaum nicht von Ecken oder Vorsprüngen aufgerissen wird.

Fassen wir das Latte Art Zubehör also noch einmal zusammen:

  • Leinwand: Espressomaschine für perfekten (!) Espresso
  • Farbenmischer: Dampfdüse mit ordentlich Dampfdruck und guter Temperaturregulierung
  • Pinsel: Milchkännchen aus Edelstahl – Größen: 350 ml für Anfänger, alles darunter für Fortgeschrittene
  • Rahmen: Tassen in mehreren Größen von 200 bis 350 ml mit konischer Form

Latte Art Fotos

Wenn wir in unserer Malerei-Metapher bleiben, widmen wir uns als nächstes den beiden wichtigsten Elementen in jedem Latte Art Tutorial: der Leinwandgrundierung und der Farbe. Oder genauer, dem Espresso und dem Milchschaum.

Von Espresso zu Milchschaum zu Latte Art: Die Grundlagen

Bevor wir ans Werk gehen und Latte Art zubereiten, lasst mich noch ein wenig zu den Merkmalen der beiden wichtigsten Zutaten sagen. Und wieder mal einen Tipp loswerden:

Bevor ihr euch an Latte Art wagt, meistert erst einmal die einzelnen Schritte der Zubereitung von Espresso und Milchschaum. Ja, das kostet Zeit. Aber es lohnt sich auch abseits der Malerei, wie ich schon erwähnte. Und wie oft Meister vom Himmel fallen, wisst ihr ja.

Latte Art Ausbildung

Der perfekte Espresso (für Latte Art)

Wie ein perfekter Espresso aussieht und entsteht, ist eine der Kernfragen meiner gesamten Bloggerexistenz. Und ich muss noch einmal erwähnen:

Der perfekte Espresso für Latte Art ist ein perfekter Espresso an sich!

Darum will ich in diesem Latte Art Kurs à la Coffeeness auf diesen Punkt auch nur kurz eingehen und euch stattdessen auf einige andere (auch ewig alte) Einträge verweisen:

Bei den Espressobohnen lege ich euch hochwertige Mischungen ans Herz, die einen recht hohen Robusta-Anteil haben. Denn dieser ist im Wesentlichen für eine stabile Crema verantwortlich.

Und damit müsst ihr dann natürlich alle Anforderungen in Sachen Mahlgrad, Durchlaufzeit, Temperatur, Kaffeedosierung und Kaffeemenge in der Tasse erfüllen, die ein perfekter Espresso umsetzt:

  • Mahlgrad 1 bis 2 (bzw. sehr fein)
  • Kaffeemenge: 7 g
  • Wassermenge: 20 bis 25 ml
  • Durchlaufzeit: ca. 25 sek.
  • Brühtemperatur: ca. 94 Grad Celsius
  • Druck am Siebträger: 9 bar
  • Kaffeevolumen: ca. 25 ml

Der Espresso verzeiht zwar kleinere Abweichungen von diesen altbekannten Standards, aber eben nur wenige. Und bis ihr diese Eckpunkte nicht in Perfektion erfüllen könnt, braucht ihr gar nicht zum Milchschaum übergehen.

Latte Art Milchschaum

Als kleiner Kompass taugt die gern zitierte getigerte Crema, auch wenn es für Latte Art genauso ausreicht, dass sie stabil, haselnussbraun und möglichst gleichmäßig ist.

Ihr habt es gemeistert? Gut, dann weiter.

Der perfekte Milchschaum (für Latte Art)

Ist die Perfektion bei einem Espresso indiskutabel, sieht das bei Milchschaum für viele schon anders aus. Manche mögen es, wenn er recht fest ist und man ihn praktisch zerkauen kann. Andere lieben die feine Sämigkeit eines perfekten Mikroschaums. Dazu gehöre ich. Und dazu gehören alle Latte Art Künstler.

Auch zum Thema Milchschaum habe ich mich auf Coffeeness und in unserem YouTube-Kanal schon mehr als einmal und in vielen Zusammenhängen ausgelassen.

Viele Informationen findet ihr natürlich auch im Übersichtsartikel zum Milchaufschäumer Test 2017.

Das Problem an der Sache: Bis auf die Aussagen zu den technischen Voraussetzungen an der Dampfdüse und zum Equipment nützt euch Theorie in Sachen perfekter Milchschaum für Latte Art absolut nichts! Ihr müsst ihn oft machen. Sehr oft.

Latte Art - viel, sehr viel üben!

Doch sämiger, fließfähiger und porenreiner Mikroschaum kennt trotzdem einige Geheimnisse, die ihr immer erfüllen solltet:

  • Kühlschrankkalte Milch ist bestens, weil die Flüssigkeit dann genug Zeit zum Schäumen hat, bevor sie zu heiß wird.
  • Vollmilch ist einfach unschlagbar, wenn es um den (wortwörtlichen) Zusammenhang zwischen Fettmolekülen, Eiweiß und Wassertröpfchen geht, der den Schaum ausmacht.
  • Zweimal Aufschäumen funktioniert nicht. Nie.
  • Der Pitcher sollte immer etwa zu 1/3 gefüllt sein .
  • Um die 63 bis 65 Grad Celsius hat Milchschaum die perfekte Temperatur.
  • Das gewünschte Schaumvolumen sollte aber schon bei etwa 40 Grad Celsius erreicht sein.
  • Gleichmäßige Geräusche beim Schäumen sind ein gutes Zeichen. Krach nicht.

Ich habe einen Crashkurs in Sachen Milchschaum mit der Steam Lance verfasst. Aber auch der ist nur graue Theorie. Anschaulicher wird es da schon bei meinen Freunden von Coffee Circle, die ein cooles Latte Art Tutorial zum Milchschäumen gemacht haben.

Sehr sympathisch finde ich auch dieses Barista-Tutorial: Milchschäumen wie ein Profi, in dem die Hostess sehr nett und schön knapp erklärt, warum wir tun, was wir tun.

Wie gesagt: lange Erklärungen nützen hier nichts, ihr müsst viele Liter den Milchjordan runterjagen, bis der erste Pitcher perfekten Milchschaums vor euch steht.

Latte Art lernen: Ran an die Milch!

Jetzt wissen wir, wie wir den Espresso zubereiten und unsere Milch aufschäumen müssen. Können wir dann jetzt bitte endlich mit der Latte Art anfangen? Noch nicht ganz. Denn wer einmal versteht, wie die Technik dahinter aussieht bzw. die Physik durchschaut, tut sich in der Praxis später nicht mehr ganz so schwer.

Grundlage der Latte Art ist es, dass ihr die Milch bzw. den Schaum in einem Rutsch unter die Crema befördert, sodass sich diese mit der Milch auf eine gewisse Art verbindet und so den Weg zum Malen frei macht. Schön zu sehen ist dies in diesem Slow-Motion Video:

  • In der ersten Phase der Malerei seht ihr keinen Schaum, nur die Crema.
  • Unter der Oberfläche wird die Crema vom Schaum angehoben und damit sanft aufgerissen,
  • sodass in der zweiten Phase genug Tragfläche vorhanden ist, um zu malen.

Damit ist klar, dass in der ersten Phase eigentlich schon alle Messen gesungen sind. Denn ohne Grundierung hält Farbe auf der Leinwand nun einmal nicht.

Am besten klappt dieses Unterheben der ersten Phase, wenn ihr die Tasse etwas schräg haltet und die Tülle beim Gießen nah an den Tassenrand haltet. So schafft ihr einen Zugangspunkt, ohne das Gefüge der Crema zu zerstören.

Diesen Schritt solltet ihr erst einmal bis zum Erbrechen üben. Denn alles andere danach ist im Grunde nur noch Kür bzw. eine Frage der richtigen Handgelenk-Moves!

Latte Art im Barista Kurs lernen

Herzen, Blumen, Firlefanz: Latte Art für Anfänger – eine Tutorial-Auswahl

Das Latte Art Herz ist deswegen auf allen Kaffees dieser Welt zu finden, weil es tatsächlich am einfachsten zu malen ist. Im Grunde ist es nur ein Fleck, der anschließend einmal durchgestrichen wird. Easy peasy. Nicht.

Dennoch sind all die bekannten Free-Pour-Motive wie Blumen, Blätter und eben das Herz im Grunde immer eine Variation der gleichen Gießbewegung.

Kreisende und Zickzack-Moves sind für den Anfang ideal, solange ihr nicht vergesst, kurz vor Schluss noch einmal über die gesamte Oberfläche einen „Strich“ mit der Milch zu ziehen. Erst dann wird der Blob zu Kunst.

Das Herz wird in wirklich tausenden Latte Art Tutorials abgehandelt. Ziemlich gelungen finde ich das How to Make a Latte Art Heart Tutorial, indem sich der Barista richtig viel Zeit zum Erklären und Zeigen nimmt.

Im Video How to Create Latte Art solltet ihr euch das Gelaber über Lavazza (also bitte) unbedingt sparen und ab etwa Minute 5:00 genauer hingucken. Hier zeigt euch der Barista in Nahaufnahme, was es mit der Zickzack-Bewegung auf sich hat.

Und wiederum solltet ihr bei Coffee Circle und ihrem Barista Tutorial Einführung in die Latte Art vorbei schauen. Host Hannes hat auch hier wieder ein paar Tipps aus der Praxis für euch parat. Apropos…

Wenn es nicht klappen will: Latte Art Tutorials mit tollen Tipps

Geht es euch auch so, dass ihr euer Projekt nie so hinbekommt, wie es euch das Tutorial vormacht? Egal, wie oft ihr vor und zurück spult? Ich habe festgestellt, dass mir Tipps & Tricks-Tutorials bzw. Videos zu typischen Fehlern immer sehr weiter helfen. Und die gibt’s auch für Latte Art:

Quick Tip: Six Common Milk Frothing Mistakes klärt über typische Fehler beim Milchschäumen auf. Und das zackizacki.

Chris von Smokey Barn Coffee Roasters ist ein echt sympathischer Lehrmeister, der in seinem Tutorial Secret tips for Pouring Latte Art wirklich ins Detail geht, was die richtige Technik, Haltung usw. beim Malen betrifft.

„The Buff Barista“ ist allein schon wegen seines Brandings absolut genial und der Bodybuilder unter den Baristas hat auch ein anfänglich ziemlich bodenständiges Video zu Top 5 latte art mistakes gemacht.

Lasst euch von seinem Äußeren (und Genuschel) bloß nicht täuschen, später packt er mal eben tolle Skills aus und zeigt auch noch in Nahaufnahme und detailliert, was ihr ab jetzt nicht mehr falsch macht.

Latte Art Tutorials für Fortgeschrittene (oder zum Staunen)

Falls ihr euch schon am Anfang eurer Kipp-Karriere ein Bild davon machen wollt, was ihr später alles in der Tasse zaubern könnt, schaut doch einfach mal dieses Video an:
The World’s Most Satisfying Barista Latte Art Training Compilation!

Hier wird nicht geredet, nur in Nahaufnahme gegossen. Sehr Zen und ziemlich interessant, was man mit wenigen Ausgangsbewegungen und Akzenten doch so alles auf einer Tasse zaubern kann.

Das Coffeefusion Latte Art Tutorial – Fine Lines geht zwar sehr ins Detail, dafür aber auf einen Punkt der Latte Art ein, der für viele Fortgeschrittene ein echter Meilenstein ist: Wenn aus den dicken Strichen plötzlich filigrane Linien werden, mit denen ihr noch toller malen könnt!

Und so ein bisschen Hass und Neid (zumindest bei mir untalentiertem Typen) kommt schon auf, wenn man dem 2015 Australian Latte Art Champion Caleb Cha beim Meistern zuguckt. Es gibt Weltmeisterschaften im Milchmalen? Gibt es. Und die schauen wir uns kurz mal näher an.

Latte Art vom Weltmeister – World Barista Championship und World Latte Art Champion

Wie wichtig Kaffee als Lifestyleprodukt und Industrie geworden ist, zeigt sich an der wachsenden Anzahl von Wettbewerben, Conventions und Meisterschaften, auf denen sich alles um die perfekte Zubereitung und Präsentation von Kaffee und Kaffee-Milchvarianten dreht.

Eine der wichtigsten Zusammenkünfte der Besten der Zunft ist die World Barista Championship (WBC). 2000 ins Leben gerufen, treffen sich die hart ausgesiebten Teilnehmer immer wieder an einem anderen Ort bzw. bei einer anderen Convention.

Latte Art von den besten leren

Kurzentschlossene unter euch können sich in diesem Jahr noch schnell ein Ticket nach Seoul organisieren und vielleicht noch eine Eintrittskarte zur Seoul Cafe Show in Korea ergattern. Bei der WBC ist Latte Art eine von drei Disziplinen, die anderen beiden drehen sich um die Zubereitung des perfekten Espresso und um Signature Drinks mit Kaffee und der Zutat des Jahres.

Genauso wichtig – wenn nicht noch wichtiger – ist der Titel World Latte Art Champion, den sich die Finalisten bei der World of Coffee 2017 in Budapest abholen konnten. Auch dieser Wettbewerb findet jährlich statt und ist immer an eine große Kaffee-Show gebunden.

Der World Latte Art Champion 2017 heißt Arnon Thitiprasert und kommt aus Thailand. Überhaupt sind die Asiaten in Sachen Hammerkaffee schon in den vergangenen Jahren immer ganz vorne mit dabei gewesen.

Arnon in Aktion in Budapest seht ihr in diesem Video. Mir gefällt besonders das nervöse Zittern des Meistermalers, das zeigt, dass selbst mit dem größten Herzflattern immer noch tolle Kunstwerke entstehen.

Und was ist mit den Deutschen? Die sind leider schon in der Vorrunde rausgeflogen. Qualifiziert hatte sich zumindest Markus Badura, der letztendlich Platz 22 belegte.

Badura arbeitet im Weincafé (!) kostbar in der Pfalz. Er ist amtierender deutscher Latte Art Meister, weshalb er überhaupt eine Fahrkarte nach Budapest ergattern konnte.

In diesem Jahr wird es also nichts mit einem deutschen World Barista Champion. Bei der World Barista Championship 2016 in Dublin standen die Chancen schon besser.

Erna Tosberg schaffte es im Halbfinale auf Platz 10. Tosberg trat für die Roestbar Jokar e.K. an, die ebenfalls abseits aller Metropolen in Münster zu finden ist. Dieses Video zeigt ihre Performance in Dublin.

Und für 2018 könnt ihr euch schon einmal einen Termin eintragen, für den ihr nicht nach Seoul oder Budapest reisen müsst, sondern nur bis Bremen fahrt:

Die Deutschen Kaffeemeisterschaften finden vom 25. bis 27. Februar 2018 beim GASTRO IVENT in der Messe Bremen statt.

Hier gibt es zwei Disziplinen, Latte Art und Barista.

Bisher hat der Veranstalter Specialty Coffee Association (SCA) noch keine genauen Angaben zur Anmeldung etc. gemacht, darum solltet ihr öfter mal auf der Webpräsenz von SCA vorbeischauen.

Latte Art lernen: Buch oder Kurs?

Viele von euch suchen nicht nur Latte Art Tutorials, sondern fragen mich auch öfter nach einem Buch, das die Grundlagen erklärt.

Auch wenn ich felsenfest überzeugt bin, dass die Disziplin Latte Art nicht in der Theorie und schon gar nicht auf gedrucktem Papier erlernt werden kann, sind Bücher doch eine tolle Idee, um die wirklichen Basics – also Kaffee und Kaffeezubereitung – kennenzulernen.

Es gibt viele flashy Veröffentlichungen auf Amazon. Manche drehen sich dezidiert um Latte Art, andere zeigen euch Kaffeewissen in hübsch aufbereiteten Bildern. Mein Tipp ist aber ein ziemlich unscheinbares Buch, das vor fast genau 15 Jahren auf den Markt kam.

Kaffee, Espresso & Barista von Thomas Leeb und anderen Autoren ist absolut unsexy und dabei absolut informativ. Ich kenne mehr als einen guten Barista und Latte Art Könner, der am Anfang seiner Karriere erstmal seine Nase in dieses Buch gesteckt hat.

Latte Art im Glas

Hier bekommt ihr sinnvoll aufbereitete Grundlagen im kompakten Format mit Bildern, die nicht besonders hübsch sind, aber die einzelnen Schritte des Milchaufschäumens oder Zubereitens sehr gut erklären.

Zwar ist auch dieses Buch nicht das Nonplusultra, aber ich halte es für einen perfekten Start in die professionelle Kaffeemacherei.

Die meisten Champions und Kaffeekönner, die ich euch im vorigen Abschnitt vorgestellt habe, geben außerdem Kurse in Sachen Latte Art und Barista. Und solche Kurse sind natürlich der beste und schnellste Weg, um Erfolge zu erzielen. Vor allem, wenn ein Titelträger mit an der Maschine steht.

Barista Kurse in Berlin und Hamburg habe ich bereits in einem eigenen Artikel vorgestellt, wobei ich in Berlin den Latte Art Kurs der Berlin School of Coffee wärmstens empfehlen kann.

Wer nicht in der Hauptstadt wohnt, muss aber nicht extra in die Großstädte reisen. Wie gesagt, die Champions kommen eher aus Käffern als aus dem Kiez.

Da ja quasi morgen schon Weihnachten ist, finde ich so einen Latte Art Kurs übrigens eine tolle Präsentidee für den Kaffee-Kenner in eurem Leben!

Latte Art: Nicht nur Budenzauber

Falls ihr euch jetzt fragt, warum ich in diesem ganzen Artikel nichts zum Thema 3D Latte Art geschrieben habe: Ja, sie ist süß und in mancher Hinsicht atemberaubend.

Aber der Milchschaum dafür muss tatsächlich Badeschaum-Qualitäten haben, gegen die ich auf Coffeeness in einer Tour wettere. Und die 3D-Bastelei dauert so lange, dass der Kaffee danach kalt ist.

Mein Verständnis von Latte Art und den Anforderungen dafür bezieht sich auf die Qualität der Komponenten und eben auf den Genuss: exzellenter Espresso trifft auf exzellenten Mikroschaum und ergibt nicht nur ein optisches Highlight.

Oder kurz: Von der Qualität der Latte Art könnt ihr ziemlich oft auf die Qualität des Getränks schließen. Und je gekonnter und schneller das geht, desto heißer ist auch der Kaffee. Ergibt Sinn, oder?

Latte Art saubern für Instagram

Andersherum finde ich, dass ein Kaffee mit Milchschaum, egal mit welchem Namen, auch dann schmeckt, wenn sich der Mensch an der Maschine keine Mühe macht, euch Herzen oder seinen Namen drauf zu kritzeln.

Der Hype um Latte Art hat im Instagram-Zeitalter ein bisschen überhand genommen, aber trendende Hashtags und Follower sind heutzutage nun einmal die härteste Währung im Marketing. Ich kann ein Lied davon singen.

Klingt nach Entschuldigungen von jemandem, der die hohe Kunst des Milchmalens einfach nicht gemeistert kriegt? Stimmt. Aber ich stehe dazu.

Wer von euch kann es besser und hat vielleicht noch den ein oder anderen Tipp für Newbies? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

3 Kommentare
  • Christian Th.
    30 October, 2017

    Schöner und spannender Artikel Arne. Ich finde, wenn man mal einen Cappuccino bekommt, der so liebevoll gestaltet ist, dann schmeckt der auch besser. Nicht nur, weil er sicher auch wirklich gut ist, sondern weil man sich gewertschätzt fühlt, wenn jemand ein so tolles Produkt für einen zaubert. Es ist halt fernab von Tasse drunter und Knopf gedrückt. Das ist Handarbeit und das schmeckt man auch. Ich find Latte Art toll!

  • Stephan
    6 November, 2017

    Gott sei Dank! Ich dachte schon, dass ich der einzige Talentbefreite bin 😉

    Ich weiß gar nicht wo viele Liter Milch ich schon geschäumt und wie viele Flat-White ich schon getrunken habe.

    So richtig zufrieden bin ich nicht. Es klappt mehr oder weniger und fast immer ausversehen. Der Espresso und die Milch sind dabei selten das Problem. Eher das “wiggeln” und “schnakeln” und “schnökeln” mit dem Schaum.

    Plan Herz und Ergebnis irgendwas zwischen Giraffe und Kaktus…
    Ich behaupte aber immer , das sei Absicht 😉

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