Sage The Precision Brewer im Test 2020 – Neues Spielzeug für Kaffee-Nerds?

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Zwei Dinge beherrschen Promoter im Schlaf: steile Thesen aufstellen und mich herausfordern. Bei der IFA 2019 hatte Sage hier eindeutig die Nase vorn. Denn der Promoter stellte uns die Sage Precision Brewer Kaffeemaschine mit den Worten vor: „It’s waay better than the Moccamaster“.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Arne

Zwei Dinge beherrschen Promoter im Schlaf: steile Thesen aufstellen und mich herausfordern. Bei der IFA 2019 hatte Sage hier eindeutig die Nase vorn. Denn der Promoter stellte uns die Sage Precision Brewer Kaffeemaschine mit den Worten vor: „It’s waay better than the Moccamaster“.

Jeder anständige Kaffee-Nerd bekommt bei so viel Hybris erst einmal einen Lachanfall. Denn der Moccamaster führt das Feld im Kaffeemaschinen Test seit seinem Amtsantritt ohne ernsthafte Konkurrenz an. Und das Ding wurde in den Sechzigern entwickelt!

Bisher hat es kein anderes Gerät geschafft, mit derartiger Präzision automatischen Kaffee zu fabrizieren, der schmeckt wie aus dem Handfilter.

Allerdings wissen wir, dass der Angriff auf Moccamaster längst begonnen hat. Jüngst habe ich euch die Gastroback Design Brew Advanced als schamlosen Moccamaster-Klon präsentiert und dafür sehr gute Noten vergeben.

Die Beem Basic Selection Pour Over ist die Sache noch Handfilter-mäßiger angegangen und hat mich schwer begeistert.

Jetzt kommt also Sage um die Ecke und liefert euch eine hochpreisige Kaffeemaschine mit sechs (!) verschiedenen Brühmodi, die quasi alle anderen Neuversionen plus das Original in den Schatten stellen soll.

So gern ich weiter darüber meine Witze machen will: Sage ist mal wieder ein hervorragendes Maschinchen gelungen. Doch nach meiner Ansicht auf andere Weise als beim Moccamaster.

Wer nicht lesen, sondern gucken will, hat dazu wie immer bei YouTube Gelegenheit. Klickt euch rein!

Der Überblick: Rundumschlag durch die Brühwelt

KategorieEintrag
HerstellerSage
NameThe Precision Brewer
ProduktkategorieFilterkaffeemaschine
Material GefäßThermo oder Glas
Fassungsvermögen 1,8 l
Tassenportionen12
DauerfilterJa
Filter entnehmbarJa
ExtrasSechs Brühmodi, unterschiedliche Filterhalter (Kegel und Flach), 10 Flachfilter, Kaffeelöffel, Custom-Funktionen
Einstellbare BrühtemperaturJa
Gewicht 7,5 kg
Maße
31 x 17 x 40 cm

Bei einem Preis von fast 300 Euro (Februar 2020) können wir gar nicht anders, als zuerst die dafür angebotene Leistung abzuklopfen. Da lässt sich Sage auf jeden Fall nicht lumpen. Denn das Edelstahl-Riesen-Monster backt keine kleinen Brötchen:

  • Füllmenge bis zu 1,8 Liter
  • Sechs Brühmodi: Gold, Fast, Strong, Iced, Cold Brew, Custom (+ optional Pour Over)
  • Blooming, Temperatur und Durchlaufzeit einstellbar

1,8 Liter sind fast Gastrostandard. Es wundert also nicht, dass euch Sage zum Precision Brewer unterschiedliche Filterhaltergrößen für 4×4-Versionen und breitere Filter mit flachem Boden mitliefert. Die breiteren Filter kennen viele von euch sicher von den riesigen Gastrofiltermaschinen.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Filterhalter Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine mit großem Filter

Die sechs Brühmodi, für die Sage auch auf der Packung ganz groß wirbt, solltet ihr allerdings nicht ganz so ernst nehmen. Wichtig sind eigentlich nur die Versionen „Gold“ und „Custom“. Zu diesen kommen wir gleich.

Die Cold Brew und „Over Ice“-Funktion sind nur Marketing-Quark. Denn dafür müsst ihr die Maschine recht kompliziert aufsetzen. Cold Brew ist das Einfachste der Welt und ihr braucht dafür kaum mehr als ein großes Schraubglas. Wozu also der Aufwand und Umweg mit der Sage?

Hier musste der Promoter übrigens selbst zugeben, dass das eigentlich nur draufsteht, weil es gerade trendet. Spart euch das also.

Die „Pour Over“-Möglichkeit, von der Sage ebenso gern redet, ist ebenso Quatsch. Denn ihr könnt euch extra (!) einen Adapter kaufen, der dafür sorgt, dass euer Gefäß nah an eurem Handfilter sitzt, den ihr statt des normalen Filtersystems verwenden sollt. Im Grunde wird die Kaffeemaschine damit zu einem ziemlich teuren Wasserkocher – auch wenn der Wasserauslass davon nicht weniger präzise wird.

Allein an den vielen Worten zur Erklärung seht ihr: Spart euch auch hier den Umweg und nehmt einfach gleich den Handfilter!

Es wäre leicht, die überflüssigen Funktionen als Begründung heranzuziehen, warum der Preis zu hoch ist. Allerdings sind die sinnvollen Funktionen umso besser. Außerdem ist das 7,5 Kilo-Gerät auch ein Ausbund an Hochwertigkeit.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Thermo- und Glaskanne

Bei Amazon erhaltet ihr eine Version mit Glas- und eine mit Thermoskanne. Die Thermo-Version ist öfter ausverkauft. Schlagt aber lieber bei ihr zu. Denn Glaskanne und Wärmeplatte ergibt verbrannten Kaffee – was bei riesigen Füllmengen wie hier umso ekliger ist.

Die Sage Precision Brewer einstellen: Let‘s go, Nerds!

Ich rechne dieser Kaffeemaschine besonders hoch an, dass sie den Einknopf-Fan genauso abholt wie uns bekloppte Kaffeenerds.

Für die Einknopfer ist die Funktion „Gold“ das Maß aller Dinge. In dieser Einstellung wird euer Kaffee nach dem „Gold Cup-Standard“ der Specialty Coffee Association (SCA) zubereitet. Es würde viel zu weit führen, diesen Standard auseinander zu basteln – aber er trägt seinen Namen zurecht.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine sechs Bruehmodi

Die Funktionen „Strong“ und „Fast“ verändern die Durchlaufzeit, sorgen damit also wirklich für einen stärkeren oder dünneren (weil schneller extrahierten) Kaffee. Beide Versionen finde ich nicht so gut, da sie das Aroma des Kaffees immer etwas in Schieflage bringen.

Für mich ollen Nerd ist die Custom-Variante besonders spannend. Denn bei Sage habt ihr nicht nur Einfluss auf die Brühtemperatur und die Durchlaufgeschwindigkeit, ihr könnt sogar die Blooming-Phase präzisieren.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Custom Bruehmodus

Zur Erinnerung: Beim Blooming feuchtet ihr das Kaffeemehl im Handfilter gleichmäßig mit Wasser an und lasst es rund 30 Sekunden quellen, damit anschließend eine gleichmäßige Extraktion möglich wird.

Sage gibt euch die Möglichkeit, die Blooming-Zeit und die verwendete Wassermenge einzustellen. Hier gibt es keine allgemeingültigen Standards, probiert euch einfach aus. Ich habe jedenfalls sehr lange damit herumgespielt, bis ich mich für den Test wieder beim Gold-Standard eingefunden habe.

Für diesen Test habe ich 60 Gramm Kaffee auf einen Liter Wasser verwendet, die Kaffeebohnen im feinmittleren Mahlgrad frisch zerkleinert und natürlich beste Bohnen aus einer kleinen Rösterei genommen.

Eine Sache macht Sage übrigens wie fast jede andere Filterkaffeemaschine: Die Maschine hört erst mit dem Brühen auf, wenn das Wasser im Tank alle ist. Das macht der gelungene Angeber Beem Basic Selection Pour Over besser.

Achtet also darauf, eure Wassermenge abzumessen. Nehmt dazu am besten einen externen Messbecher. Sage hatte keine Lust, die Skala auf dem Wassertank ordentlich ins metrische System zu übersetzen. Deshalb gibt’s Eichstriche bei 0,9 Liter und solchen Quatsch. Egal, man gewöhnt sich dran.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Wassertank

Brühvorgang und Kaffee in der Tasse: Recht ham se, ham se Recht?

Spätestens beim Brühvorgang und den Tassenergebnissen erwarte ich, dass die Sage Precision Brewer die Behauptungen ihrer Promoter mit Beweisen untermauert.

Ich hoffe also auf einen Kaffee, der mindestens genauso gut wie aus dem Handfilter und besser als aus dem Moccamaster ist.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine fertiger Kaffee ausschenken

Die Sage geht extrem ruhig und mit einem sanften Gluckern ans Werk, bei dem ich mich sofort heimelig fühle. Was ihr zum Brühvorgang wissen müsst, seht ihr im Display. Und ja, alle eingegebenen Voreinstellungen werden auch sehr präzise umgesetzt.

Das Wasser gelangt sanft auf das Kaffeemehl. Am Nachher-Foto erkennt ihr sehr gut, dass es keine Krater gibt, sondern die gesamte Oberfläche offensichtlich gleichmäßig für die Extraktion genutzt wurde.

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Kaffeesatz

Deshalb ist es auch keine Überraschung, dass am Ende ein Kaffee in meiner Tasse landet, den ich tatsächlich nicht von einer Handfilter-Version unterscheiden kann: fruchtig, frisch, facettenreich und mit dem richtigen Kick bei der richtigen Temperatur. Es war alles super, ich habe ihn gern ausgetrunken!

Sage The Precision Brewer Kaffeemaschine Kaffee trinken

Mein einziger Einwand: Das bekomme ich auch aus dem Moccamaster – für derzeit fast 100 Euro weniger und ohne das ganze Marketing-Krakele drumherum.

Das schmälert in keiner Weise meine positive Einstellung zur Sage, doch bin ich inzwischen zu der Ansicht gelangt, dass die Australier diese Maschine anders vermarkten sollten …

Fazit zur Sage Precision Brewer: Präzisionskaffee fürs Großraumabteil

Die Sage Precision Brewer Kaffeemaschine schließt eine Marktlücke, von der sie (glaube ich) nicht einmal selbst weiß, dass sie existiert:

Sie liefert hochpräzisen Kaffee nach Handfilter- und Goldstandard-Manier (fast) in Gastrogröße. Wo sonst nur Rumpelröstungen als halbarschiger Kaffee aus Riesenfiltern kleckern, könnt ihr damit Gästen, Kunden, Kollegen oder Geschäftspartnern außergewöhnlich guten Kaffee servieren, ohne einen riesigen Aufwand zu betreiben.

„Hervorragende Kaffeemaschinen fürs Büro“ klingt aber nicht so sexy wie „Moccamaster-Konkurrenz“, weshalb sich Sage wohl lieber auf die hippe Schiene konzentriert hat. Das ist zwar nicht falsch, doch auch zu hoch gegriffen.

Die Sage Precision Brewer spielt ihre Vorteile zwar auch in kleineren Füllmengen aus, aber wozu sollte sich eine Kleinfamilie oder ein Hipster-Single eine so dicke Kaffeemaschine zulegen?

Sage und der Moccamaster sind nach meiner Ansicht zwei Paar Schuhe, es gibt hier kein Original und keine „Weiterentwicklung“. Das Sage-Modell geht mit seinen vielen Einstellungen und der schieren Größe eigene Wege – diese aber sehr gelungen!

Was ist eure Meinung? Ich freue mich auf einen Kommentar!

2 Kommentare

    Was mich stört ist genauso wie bei Mokka Master, dass es einen plöterigen Kunststoffbehälter zum Wasser kochen gibt. Bei dem Preisniveau würde ich Glas erwarten.
    Ansonsten sieht die Maschine robust und Wertigkeit aus, wobei ich bei Mokka Master den Eindruck habe, dass es alles etwas wacklig wirkt.

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    Und wie soll eine Kaffeemaschine einen Glasbehälter praktikabel auf Brühtemperatur bringen?

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