Quijote x GEPA Kaffee Test 2022: Faire Kaffeebohnen zwischen Qualität und Kompromiss

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Collabs sind der heiße Scheiß – nicht nur in der Modewelt. Zwei unterschiedliche Hersteller von irgendwas tun sich zusammen, um mit Limited Editions einen Hype auszulösen. Das klappt auch mit Kaffeebohnen, nur mit einem anderen Dreh:

Collabs sind der heiße Scheiß – nicht nur in der Modewelt. Zwei unterschiedliche Hersteller von irgendwas tun sich zusammen, um mit Limited Editions einen Hype auszulösen. Das klappt auch mit Kaffeebohnen, nur mit einem anderen Dreh:

Ein Maschinenhersteller, Großhändler oder Blogger (*hust*) sucht sich eine Rösterei, die für ihn Bohnen nach bestimmten Geschmacks-, Kosten-, Transparenz- oder Sorten-Vorgaben röstet. Oder manchmal alles zusammen.

Bei der Bohnen-Zusammenarbeit meiner Freunde von Quijote Kaffee aus Hamburg und dem Fairtrade-Importeur GEPA geht es vor allem darum, auf 

  • Fair Trade, 
  • Fairtrade, 
  • Direct Trade und die 
  • Fairness 

im Kaffeeanbau aufmerksam zu machen. In meinem Post zu „Fairtrade-Kaffee“ erkläre ich für die Interessierten unter euch den Unterschied zwischen dem Prinzip „Fair Trade“ und dem Eigennamen „Fairtrade“. 

Daneben sollen der X-Roast Coffee und der X-Roast Espresso Nachhaltigkeit und Transparenz ohne komplizierte oder hohle Siegel in den Vordergrund spielen und natürlich auch noch schmecken.

Quijote hat mir die beiden Röstungen für einen Kaffeebohnen-Test zur Verfügung gestellt. Das wird meine Bewertung natürlich nicht beeinflussen. 

Die X-Roasts sind auf jeden Fall gelungen, weil sie ein und dieselben Kaffeesorten aus unterschiedlichen Perspektiven zeigen. Doch Kompromisse sind bei einer solchen Collab offensichtlich nötig.

X-Roast im Überblick

Mit einem Jahresumsatz von rund 70 Millionen Euro ist GEPA der größte europäische Importeur für fair gehandelte Produkte aus der Dritten Welt. Vielleicht kennt ihr„Faires Pfund Bio Kaffee“ aus dem Supermarkt.

Kaffeebohnen Test Rueckseite

Generell will GEPA Lebensmittel-Produzenten einen fairen Preis für ihre Produkte zahlen, den Konsumenten auf Fairtrade-Bedingungen und entscheidende Aspekte rund um den Anbau aufmerksam machen und etwas zu Klimagerechtigkeit, Umweltschutz, Menschenrechten und allgemein besseren Bedingungen für alle beitragen.

GEPA hat Bio-Kaffee im Angebot, führt eigene Siegel und ist Fair Trade (aber nicht Fairtrade). 

Quijote Coffee als „Kleinrösterei“ (so GEPA) setzt bei seinen Kaffeebohnen auf den direkten Handel: Zwischen Kaffeebauern und Rösterei gibt es keinerlei Zwischenschritte (wie einen Importeur), die Rückverfolgbarkeit und Transparenz der Bohnen ist am höchsten.

Das sind zwei Seiten derselben Medaille, die mit dem X-Roast-Projekt unterstrichen werden sollen. Die beiden Röstungen sollen beweisen, dass

„echter fairer Handel (wie ihn die GEPA praktiziert) und Direkter Handel unserer Spielart bestens zusammenpassen und sich gegenseitig ergänzen.“

Ich finde das ein bisschen Augenwischerei. Es geht nix über Direct Trade. Ich glaube, die GEPA will endlich mal richtig gut gerösteten Kaffee in den Handel bringen, während Quijote durch die Collab mehr Sichtbarkeit erhält.

Speciality Coffee wird zugänglicher, Klimaschutz und Weltretterauftrag kommen in der Mischung trotzdem nicht zu kurz. Auch ohne Bio-Kaffee-Zertifikat oder teurem Siegel.

Wenn große Player und kleine Röstereien gemeinsame Sache machen, kommt zwangsläufig irgendein Detail zu kurz. Das zeigt sich beim Blick auf die beiden Packungen und in die jeweiligen Shop-Beschreibungen.

Während die Lieferkette für die drei Bohnensorten relativ eindeutig beschrieben ist und wir die Kooperativen kennenlernen, erfahren wir leider wenig über die eigentlichen Inhaltsstoffe: Varietäten, Lots und genaue Aufbereitung? Kein Plan.

Das finde ich insbesondere bei einer Limited Edition ein bisschen schwach. Schließlich ändert sich die Zusammensetzung nicht – einmal ausgewählt und importiert, werden die Kaffeebohnen geröstet, bis sie alle sind.

 X-Roast CoffeeX-Roast Espresso
RöstprofilFilterkaffee (Intensität 2 von 5)Espresso (Intensität 3 von 5)
Bohne100% Arabica100% Arabica
HerkunftslandPeru (35%), Kolumbien (35%), Äthiopien (30%)Peru (35%), Kolumbien (35%), Äthiopien (30%)
HerkunftsortPeru, Kooperative Sol y Café
Kolumbien, Kooperative Cosurca
Äthiopien, Kooperative Taramesa
Peru, Kooperative Sol y Café
Kolumbien, Kooperative Cosurca
Äthiopien, Kooperative Taramesa
HandelswegFair Trade nach GEPAFair Trade nach GEPA
Varietätk.A.k.A.
AufbereitungGewaschen und NaturalGewaschen und Natural
ZubereitungsempfehlungFilter, French PressEspressomaschine, Vollautomat
RöstdatumNeinNein
Füllmenge in g500500
Preis pro kg in Euro
(im Verhältnis zur Füllmenge)
2424

Zusätzlich fehlt das Röstdatum, wir erhalten nur einen MHD-Aufkleber bis Januar 2023. Auf der anderen Seite ist die Verpackung alufrei, während der Preis für einen superfair gehandelten Kaffee wirklich günstig ist.

Zudem erhalten wir hier die Gelegenheit, dieselbe Mische von vermutlich denselben Kaffeepflanzen in ihren beiden Extremen zu erleben. 

Das ist ein super Einstieg für alle, die sich mit dem Geschmack von Filterkaffee und Espresso auseinandersetzen und etwas über das Rösten und die Entwicklung von Aroma in der Röstkurve lernen wollen.

Ich habe den X-Roast Coffee als Filterkaffee im Handfilter zubereitet, den X-Roast Espresso habe ich mir als Double Shot aus der Espressomaschine gegönnt.

Bohnenbild

Man sieht beiden Varianten an, dass es sich um drei verschiedene Kaffeesorten aus Afrika und Lateinamerika handelt. Die Bohnengrößen sind bunt gemischt. Allerdings erkennt ihr genauso, dass diese Bohnen von einem Profi geröstet wurden.

Bohnenbild Filter

Die Farbe ist jeweils relativ gleichmäßig, die Oberfläche und das Gewicht deuten auf die versprochene langsame Trommelröstung bei geringerer Temperatur hin. 

Die Qualität stimmt, auch wenn sich unter dem kalten, harschen Licht der Studiobeleuchtung offensichtliche Unregelmäßigkeiten auftun.

Bohnenbild Espresso

Geruch

Bei den Tasting-Notizen sind sich GEPA und Quijote nicht ganz einig. Die Rösterei spricht von einem klassischen, kräftigen und sehr komplexen Filterkaffee mit Schokolade, Beeren und Karamell. Auf der Packung wird Frucht mit spritziger Säure und ausgewogene Harmonie angekündigt. GEPA bringt noch Ausgewogenheit und Vollmundigkeit ins Spiel.

Hängt ihr die Nase das erste Mal in die Tüte, dominiert jedoch ein ausgeprägter und sehr leckerer Duft nach Waldhonig. Süße ist hier auf jeden Fall ein Hauptthema. Die Beeren mögen vorhanden sein, bleiben aber im Hintergrund.

Beim X-Roast Espresso geht es laut Röster kräftig, klassisch und nach norditalienischem Stil zu. Schoko, Beeren und Karamell dominieren auch hier. 

Die Packung spricht fruchttechnisch aber von Kirsche. Der generelle Eindruck bestätigt sich jedoch in der Nase: Süße, Kraft und Schokoprofil treten klar hervor.

Geschmack & Säure

Die Beeren-Ankündigung lässt sich im X-Roast Coffee auch in der Tasse nur mit zwei zugedrückten Augen ausmachen. An versprochener Komplexität mangelt es ihm aber nicht. 

X Roast Espresso

Dunkle Kakaoakzente, spannende Würze, ein minimaler Hauch Salz und eine angenehm unterschwellige Frische machen ihn zu einem klasse Kaffee zum Aufwachen.

Der X-Roast Espresso ist vor allem deswegen spannend, weil er dieselben Bohnen tatsächlich von einer ganz anderen Seite zeigt. Wer klassischen Espresso aus dem Siebträger oder Vollautomaten mag, ist hier zu 100 Prozent an der richtigen Adresse.

Die Fruchtnoten konzentrieren sich nur auf die Zungenspitze, am restlichen Gaumen ist Zartbitterschokolade das Hauptthema. Ich finde diese Aromenverteilung wirklich gelungen.

Grundsätzlich gilt für beide Varianten, dass sie einfach lecker sind. Ohne Abstriche oder Ecken. Sie machen es nicht zu kompliziert und nicht zu komplex. Zumindest in dieser Hinsicht geht der „Kompromiss“ auf jeden Fall zugunsten der Röstexpertise aus.

Körper & Mundgefühl

Kleiner Testtipp: Wenn ihr dem X-Roast Coffee einen minimalen Schuss Milch oder neutrale Pflanzenmilch verpasst, vervielfacht ihr die Cremigkeit und das Mundgefühl des Kaffees. 

Von Haus aus ist er nicht überragend dicht. Das dürfte morgens, wenn ihr nicht überfordert werden wollt, genau der richtige Charakter sein.

Andersherum ist es bei den Espressobohnen: Hier solltet ihr euch die Milch sparen. Die blitzsaubere Cremigkeit dieses Kaffees funktioniert im Soloauftritt am besten. Natürlich könnt ihr ihn auch zu Cappuccino oder Latte Macchiato verarbeiten. Doch das hat er nicht nötig.

Abgang & Nachhall

Im Abgang und im Nachhall bleibt der X-Roast Coffee vor allem mit seinen würzigeren Elementen auf der Zunge und im Rachen. Mir persönlich gefällt das, andere werden sicher etwas von der vorlauten Süße vermissen.

Die Espressovariante lässt euch relativ bald nach ihrem Abgang in Ruhe, ist aber so clever, euch mit süßen Elementen zum nächsten Schluck zu animieren. Das richtige Maß an Bitterstoffen sorgt für ein wohliges „Kaffeegefühl“, sodass ihr euch auf die nächste Tasse freut.

Für wen ist X-Roast Coffee geeignet?

Müsste ich mich zwischen dem X-Roast Coffee und dem X-Roast Espresso entscheiden, würde ich die Espressomischung wählen. Sie ist zwar nichts Besonderes, aber durch ihr absolut rundes Geschmacksbild doch hervorragend.

Die Kollaboration von GEPA und Quijote ist so etwas wie ein Einstiegsangebot für alle, die sich mit fairem Kaffeeanbau und den Sorgfaltspflichten auseinandersetzen wollen, ohne sich mit Specialty-Coffee-Gehabe rumschlagen zu müssen. Wie ich schon sagte, ist gerade der Preis ein überzeugendes Argument.

Letztendlich dürfte das X-Roast-Projekt vor allem ein Anschub für Quijote sein. GEPA gibt’s schließlich sogar bei Rewe oder Edeka, die Markenbekanntheit ist relativ hoch. Wenn das mehr Leute dazu animiert, sich an echte Röstereien mit noch klarerem Engagement zu trauen, bin ich zu 100 Prozent dafür!

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