Kaffeesorten im Überblick- Mythen und Kuriositäten

Es gibt viele Kaffeesorten, über die es sich lohnt zu schreiben, aber auch jene, die keiner Erwähnung wert sind. In diesem Artikel werdet ihr viele Informationen zur Botanik von Kaffee finden und Informationen, was welche dieser Sorten auszeichnet. Dieser Artikel wird von mir laufend ergänzt und erweitert. Hier gibt es aber keine Informationen über die Kaffeesorten von Nespresso oder Qbo Coffee (Tchibo) oder andere Kaffeekapseln.

Die versprochenen Mythen und Kuriositäten über einige Kaffeesorten gibt es aber auf jeden Fall.

Kaffeesorten Arabika und Robusta

Die Frage nach Arabika und Robusta und ihren Unterschieden kommt immer wieder auf. Ich möchte klar sagen: Es gibt gute und schlechte Arabika Sorten und es gibt gute und schlechte Robusta Sorten.

Wenn ihr auf der Suche nach einem sehr guten Espresso seid, schaut hier: Espresso Test.

Wenn ihr auf der Suche nach tollem Kaffee für den Handfilter oder die Kaffeemaschine seid, schaut hier: Kaffeebohnen Test.

Kaffeepflanzen, Arten und Varietäten

Wenn man der Legende glauben darf, haben äthiopische Hirten die Wirkung von Kaffee entdeckt, als ihre Ziegen die Kirschen der Kaffeepflanze gefressen hatten. Daraufhin waren diese wohl die ganze Nacht über aktiv. So angeblich geschehen im Königreich Kaffa.

Kaffeesorten

Kaffa lag im südwestlichen Äthiopien. Die Region hieß bis 1998 auch weiterhin Kaffa und war Namensgeber für seine Einwohner, deren Sprache und für unser aller Lieblingstrunk: Den Kaffee. Denn, was diese Ziegen da gefressen haben sollen, war der Vorläufer der Arabicabohne.

Arabica ist somit die wohl ursprünglichste aller Kaffeearten. Und viele Varietäten, die wir heute kennen, sind aus Kreuzungen und Exporten der Arabicapflanze entstanden. Als Basiskreuzungen gingen die Arten Bourbon, Ethiopia, Hybride und Typica aus dem Arabicakaffee hervor.

Äthiopien ist noch heute einer der Kaffeeexporteure schlechthin. Und noch heute ist Arabicakaffee der beliebteste Kaffee der Welt. Sein Marktanteil liegt, trotz höherem Preis, bei der doppelten Menge als der der Robustasorten (ca. 60:30). Dafür gibt es eine Vielzahl von Gründen.

Für viele Kaffeetrinker ist die Angabe „100% Arabica“ eine Art Qualitätssiegel. Woran das liegt? Also, abgesehen davon, dass wir uns als Käufer gerne von Emblemen und Qualitätsversprechen blenden lassen, gibt es auch, wenn man es so nennen will, biologische und kulturelle Ursachen dafür.

Arabicakaffee wird in höheren Gebieten angebaut. Dort wächst und reift er langsamer als etwa der Robusta. Dadurch hat er mehr Zeit, vielfältige Aromen zu entwickeln. Ein recht hoher Öl-, dafür aber niedriger Chlorogensäurenanteil machen den Arabica zu einem milden, gut verträglichen Kaffee.

Und darin liegt auch schon das Geheimnis seines Erfolges. Weniger Öl, mehr Chlorogensäure und höherer Koffeingehalt machen die Robustabohne für so manchen Gaumen zu erdig, bitter, schwer. Die Qualität hat also nicht unbedingt mit der Kaffeeart zu tun, sondern mit unserem persönlichen Geschmack.

Wem aber italienischer Espresso schmeckt, der wird vielleicht erstaunt zur Kenntnis nehmen, dass in seiner Espressotasse oft zwischen 30 und 50% Robustakaffee stecken. Daraus lässt sich vor allem eines ableiten: Die Qualität eines Kaffees ist eine Frage der Herkunft, Herstellung und Zubereitung.

Dass dabei auch gerne getrickst wird, hat vor einer Weile eine ARD-Dokumentation gezeigt. Besonders bereits gemahlener, angeblich reiner Arabicakaffee ist oft mit dem im Einkauf günstigeren Robusta vermischt. Anders als beim italienischen Espresso, bei dem der Robusta für die bessere Crema sorgt, ist es hier reine Geldmacherei.

Aber nicht nur wegen seinem milderen Aroma ist der Arabica des Deutschen Lieblingskaffee. Auch die Industrie hat gewaltigen Anteil an seiner Reputation. So richtig los ging das in der Nachkriegszeit.

Man war die jahrzehntelangen Entbehrungen leid und die Nachfrage nach hochwertigen Produkten stieg. Die Industrie machte sich das zunutze und pries Arabicakaffee von da an als das Nonplusultra an. So wurden aus dessen vermeintlichen Nachteilen beim Anbau plötzlich wirtschaftliche Vorteile.

Irgendwie scheint die Rechnung der Industrie bis heute aufzugehen. Denn nach wie vor greifen Kaffeetrinker bevorzugt zu „100 Arabica“-Kaffee. Auch wenn sie die Wahl gar nicht immer so richtig begründen können. Macht man halt so.

Viele Verbraucher scheinen immer noch überzeugt davon zu sein, dass Robustakaffee per se schlechter ist, als Arabicakaffee. Dabei gibt es durchaus auch schlechte Arabicas und sehr gute Robustas.

Was lernen wir daraus? Wer qualitativ hochwertigen, leckeren Kaffee trinken will, sollte sich nicht auf Supermarktangebote, Industrieröstungen oder auf vermeintliche, ausschlaggebende Merkmale, wie den Namen bzw. die Sorte eines Kaffees verlassen.

Wie die Pflanze, so der Kaffee?

Geht diese Gleichung auf? Wenn wir uns die Unterschiede der beiden Exportschlager Arabica und Robusta vor Augen führen, könnte man zu dem Schluss durchaus kommen. Je anspruchsvoller die Pflanze, desto feiner im Geschmack der Kaffee.

Wie bereits erwähnt braucht die Arabicapflanze andere klimatische Bedingungen, als beispielsweise die Robustapflanze. Milde Temperaturen, dünnere Luft und eher schattige Gefilde. So gedeiht der Arabica am besten. Und das hat auch Auswirkungen auf den Anbau.

Eine Arabicapflanze trägt erst nach circa vier Jahren das erste Mal Früchte. Und erst weitere 10 Monate später kann man diese ernten und weiterverarbeiten. Der Arabicakaffee trotzt uns also ein gewisses Maß an Geduld und Zuwendung ab.

Ganz anders die kleine, „ungeliebte“ Schwester, die Robustapflanze. Sie ist pflegeleichter und resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge. Robuster eben, wie es der Name schon erahnen lässt. Außerdem wächst sie schneller und trägt früher Früchte.

Damit sorgt sorgt sie im Vergleich zum Arabicakaffee natürlich für einen wesentlich höheren Ertrag. Das spiegelt sich später auch im Preis.

Und schon haben wir einen weiteren Grund dafür aufgetan, weshalb sich das Gerücht um die angeblich höhere Gesamtqualität des Arabicakaffees so hartnäckig hält: Der Preis. Denn was teuer ist, ist gut und was billig ist, ist schlecht. Richtig?

Dieser Logik folgend müsste der Libericakaffee, eine der günstigsten Kaffeearten, miserabel sein. Aber ist er das? Die ursprünglich aus Westafrika stammende Sorte ist reich an Koffein, aber geschmacklich eher herb und erdig. In seinem Herkunftsland ist er aber ein sehr gefragter Kaffee.

Bei uns trinkt man ihn dagegen kaum. Und wenn, dann als Blend mit Arabicakaffee. Oder in Form der Kaffeeart Maragogype, die vorwiegend im mexikanischen Hochland angebaut wird. Bei Maragogype handelt es sich um eine Kreuzung aus der Arabica- mit der Libericapflanze.

Gegen das Preisargument spricht außerdem, dass auch guter Robusta durchaus seinen Preis hat. Im Grunde geht die Rechnung „Robusta ist schlechter, weil er billiger ist“ also nur bei Industriekaffee aus dem Supermarktregal auf. Wenn überhaupt.

Da lohnt sich ein Besuch in ausgewählten Kaffeegeschäften. Kenner greifen für einen qualitativ und geschmacklich hochwertigen Robusta gerne etwas tiefer in die Tasche. Vor allem, wenn die Alternative ein schlechterer Arabica ist.

Lassen wir uns also nicht eher von Werbung und Namen blenden, wenn wir einer Kaffeesorte mehr Qualität zuschreiben, als einer anderen? Schauen wir uns hierzu doch mal die wichtigsten Kaffeearten ein bisschen genauer an.

Kaffeearten und ihre Eigenschaften

Das Anbaugebiet und der natürliche Wuchs der Kaffeepflanze haben Auswirkungen auf ihren jeweiligen Säure- und Koffeingehalt. Das heißt, auch auf ihre Verträglichkeit, ihr Aroma und ihren Geschmack. Die Röstung spielt dort natürlich ebenfalls mit rein, soll an dieser Stelle aber außen vorgelassen werden.

Der Beliebte – Arabicakaffee

Was den Arabicakaffee so beliebt macht, habe ich weiter oben bereits erläutert. Sein niedriger Chlorogensäurengehalt verleiht ihm ein mildes Aroma. Deshalb ist er nicht nur schmackhaft, sondern auch besonders verträglich.

Trotz seines weltweiten Marktanteils von 60 bis 70%, findet man Arabica nur in rund 5% aller als Spezialität gehandelten Kaffees. In Südamerika setzt man die Bohne der Arabicapflanze gern auch als Medizin gegen Durchfall ein. Dafür röstet man sie so lange, bis sie fast ganz verkohlt ist.

Der Robuste – Robustakaffee

Wie viel Koffein ist in Kaffee und EspressoDer etwas in Verruf geratene Robustakaffee enthält weniger Öle und mehr Säuren als beispielsweise der Arabica. Darum entwickelt er ein weniger breites Aromenspektrum, aber einen höheren Koffeinanteil. Das macht Robustakaffee stärker und bitterer als Arabicakaffee.

 

Durch schonende Röstverfahren kann man dem Robusta aber einen großen Anteil Chlorogensäure entziehen. Trotzdem wird er geschmacklich immer markant bleiben. Der meiste Robustakaffee kommt derzeit übrigens aus Vietnam.

Der Teure – Kopi Luwak

Der Kopi Luwak gilt mit einem Kilopreis von 800 Euro aufwärts als der teuerste Kaffee der Welt. Die Bohnen der indonesischen Kaffeesorte müssen erst den Verdauungstrakt der dort heimischen Schleichkatze durchlaufen, bevor sie weiterverarbeitet werden.

Aber nicht nur der Verdauungsdurchlauf selbst hat Einfluss auf das Aroma des Kaffees. Auch der Reifegrad der gefressenen Bohne und die Witterungsverhältnisse bestimmen den Endgeschmack. Kopi Luwak ist so begehrt, dass man ihn mittlerweile sogar in Schleichkatzenfarmen produziert. Zum Kopi Luwak findet ihr auf dem Link noch viel mehr Informationen in diesem Artikel.

Der Seltene – Excelsa

Die seltenste Kaffeeart ist der Excelsa. Er wird ausschließlich im Tschad angebaut und transportiert den rohen Geschmack seines Anbaugebietes: Stark und erdig. Seine Erträge sind nur zu geringen Teilen für den Export gedacht. Deshalb ist der Excelsa-Kaffee auf dem Weltmarkt kaum zu finden.

Wem Robustakaffee bereits zu herb oder bitter ist, wird sich mit dem Excelsa wahrscheinlich ohnehin nicht anfreunden können. Er wächst in einer sehr regenarmen, trockenen Gegend. Diese verlangt der Pflanze so einiges ab und beeinflusst entsprechend den Geschmack.

Der Magenfreundliche

Wenn man trotz empfindlichem Magen nicht auf Koffein verzichten möchte, kann man auf den lateinamerikanischen Maragogype zurückgreifen. Als Kreuzung aus Arabica und Liberica wird der Maragogype zu einem sehr milden, säurearmen Kaffee mit trotzdem recht viel Koffein.

Seinen Weg in europäische Kaffeetassen fand der Maragogype bereits im 19. Jahrhundert. Die Franzosen importierten ihn aus ihren Kolonialgebieten. Die Bohne des Maragogype ist eine der größten überhaupt und übertrumpft sogar die Arabicabohne um ein gutes Drittel.

Die meisten bekannten Kaffeevarietäten sind übrigens tatsächlich aus unterschiedlichen Kreuzungen mit der Arabicapflanze entstanden. Auch hier rangiert die Robusta mit 10 „Verwandten“ knapp auf dem zweiten Platz. Allerdings deshalb, weil aus vier der 12 Arabicakreuzungen noch eine Vielzahl weiterer Varietäten entstanden ist.

Die teuersten Kaffeesorten

Es gibt sie die zweifelhaften super Kaffees. Letztens habe ich eine Anfrage bekommen, ob ich nicht Ameisenbärkaffee testen wolle. Kopi Luwak, also Schleichkatzen Kaffee, kannte ich natürlich schon. Es ist immer wieder erschreckend, was sich Menschen einfallen lassen, um Umsatz zu machen.

Bei den meisten dieser Kaffees könnt ihr euch über drei Dinge sicher sein:

  • Ihr bezahlt zu viel Geld.
  • Ihr bekommt nur gewöhnlichen Kaffee.
  • Für das Geld hättet ihr mehr und besseren Kaffee bekommen können.

Kopi Luwak – zweifelhafter Luxuskaffee

Als Kaffeeliebhaber werde ich oft nach Kopi Luwak gefragt, der auch als Schleichkatzenkaffee oder „Civet Coffee” bekannt ist. Immerhin gehört er zu den exklusivsten und teuersten Kaffeesorten der Welt und ist von einer exotischen Aura umgeben, die zusätzlich neugierig macht.

Kaffeesorte Kopi Luwak - Katzenkaffee

Das Exotische daran ist nicht nur die fernöstliche Herkunft, sondern auch die kuriose Herstellungsweise. Die Bohnen kommen wirklich von katzenartigen Tieren, sogenannten Fleckenmusangs oder Schleichkatzen, die in Süd- und Südostasien leben und gerne reife Kaffeekirschen fressen. Die Kerne finden sich weitgehend unverdaut in den Ausscheidungen der Tiere wieder. Zuerst kamen Indonesier auf die Idee, diese Bohnen einzusammeln, zu waschen und daraus Kaffee zu machen.

Exotischer Kaffee mit besonderem Aroma?

Eine ganz besondere Geschmacksnote soll Kopi Luwak haben, sagen Fürsprecher. Etwas Exotisches, einen „Geschmack des Dschungels”. Dieser soll durch die besondere Fermentierung der Bohnen im Katzenmagen entstehen. Vermeintliche Genießer lassen sich den Kaffee 50 Euro pro Tasse oder mehr kosten, für ein Kilo zahlen sie mehrere hundert. Nur eine halbe Tonne pro Jahr soll es weltweit davon geben.

Nicht nur exotisch also, sondern auch noch selten – da hat man doch das Gefühl, etwas ganz Besonderes zu trinken. Die Geschichte ist einfach zu gut.

Kuriose Tradition und Durchbruch im Westen

In Südostasien ist Kopi Luwak schon seit vielen Jahrzehnten bekannt, ohne dass damit aber große Geschäfte gemacht worden wären. Das änderte sich schlagartig, als im Jahr 1991 der britische Kaffee-Experte Tony Ward ein Kilo davon in den Westen mitbrachte.

Ward hatte keine Vermarktung im Sinn gehabt, sondern in dieser exotischen Kaffeeart nur eine interessante Kuriosität gesehen, die er mit seinen Landsleuten teilen wollte. Doch damit setzte er unbeabsichtigt einen Trend. Kopi Luwak breitete sich wie ein Lauffeuer im Spezialitätenhandel und in der Luxusgastronomie westlicher Länder aus.

Die grausame Massentierhaltung einer mafiösen Industrie

Doch während dies geschah, entstand in den Herkunftsländern eine zwielichtige Industrie, unter der vor allem die Musangs leiden. Eine BBC-Dokumentation von 2013 zeigt, wie die Tiere mit Drahtschlingen-Fallen gefangen und an Farmen verkauft werden, wo man sie wie Legehennen in Käfige sperrt.

https://www.youtube.com/watch?v=cvIl4mpPMkk

In der Natur brauchen die Musangs viel Bewegung, die sie hier nicht bekommen. Sie entwickeln Verhaltensstörungen und laufen auf engstem Raum hektisch auf und ab oder kauern depressiv in der Ecke, die Füße wund vom Boden der Drahtkäfige.

Zur Profitmaximierung werden sie mit Kaffeekirschen geradezu gemästet. Sie bekommen zu viel Koffein und zu wenig Vitamine, werden krank, verlieren die Haare und sterben vorzeitig.

Dazu kommt als Stressfaktor für die nachtaktiven Einzelgänger, dass sie in Gefangenschaft ständig Artgenossen und Menschen um sich haben. Manche Farmen verdienen doppelt, indem sie die Katzen als Touristenattraktion zur Schau stellen. So wird der Kaffee noch mehr zum Event gemacht und der Stress für die Tiere noch größer. Sollte Kopi Luwak in traditioneller Herstellung besondere Qualitäten gehabt haben, dürfte davon wenig übrig bleiben, wenn er von kranken und unterernährten Tieren kommt.

Als einer der BBC-Reporter aufgrund der unwillkommenen Recherchen mit einer Waffe bedroht wurde, ergriff das Team die Flucht. Doch das ausgestrahlte Material ergibt auch so ein klares Bild. Unter anderem wird eine Farm vorgestellt, die etwa 500 Kilo Kopi Luwak im Monat erzeugt – die Menge, die angeblich weltweit in einem Jahr produziert wird.

Die vermeintliche Seltenheit ist einfach Teil der Verkaufsstory und ermöglicht die hohen Preise, meint Tony Ward. Er schätzte die weltweite Jahresproduktion 2013 auf mindestens 50 Tonnen. Und dies ohne dass man als Käufer wüsste, was man wirklich bekommt. Inzwischen sei auch Kaffee aus dem Dung von Elefanten, Vögeln und Affen auf dem Markt.

Tierfreundliche Alternativen?

Manche Händler und Anbieter behaupten, ihr Kopi Luwak stamme von wild lebenden Schleichkatzen, um die Bedenken westlicher Konsumenten zu zerstreuen. Es gibt dafür aber keine Zertifizierung und keinen gesonderten Markt, auf dem logischerweise die Preise höher sein müssten. Dass man irgendwo im Westen tatsächlich solchen tierschutzgerechten Kopi Luwak bekommt, ist äußerst unwahrscheinlich.

Auch Farmen mit „freilaufenden” Musangs sind keine echte Alternative. Die Tiere brauchen viel Fläche zum Laufen und Bäume zum Klettern, und sie sind wie erwähnt Einzelgänger. Ein artgerechtes Gehege wäre enorm aufwändig und könnte sich auf dem Markt kaum gegen die grausamen, aber effizienten Käfigfarmen behaupten.

Dementsprechend rufen Tierschutzorganisationen dazu auf, das Produkt keinesfalls zu kaufen – unterstützt von Tony Ward, der inzwischen bitter bereut, was er mit seinem eigentlich harmlosen Mitbringsel im Jahr 1991 angerichtet hat.

Gute Story, traurige Wirklichkeit – und schlechter Kaffee

Aber eine artgerechte Alternative braucht auch niemand. Es wäre nämlich nichts verloren, wenn Kopi Luwak komplett vom Markt verschwände. Es gibt zur Genüge wunderbaren Kaffee verschiedenster Sorten, denen Kopi Luwak nichts entgegenzusetzen hat – außer eben einer Story, die nicht hält, was sie verspricht.

Der Geschmack von Schleichkatzenkaffee hat wirkliche Kenner nie überzeugt, und es gibt auch keine nachvollziehbare Begründung für seine angeblich besondere Qualität. Das Ganze ist wohl eher ein Beispiel für die Kraft der Suggestion – gute Bühnen-Hypnotiseure können Freiwillige aus dem Publikum bekanntlich auch dazu bringen, ein Glas Essig auszutrinken und für leckere Limonade zu halten. Allerdings ist der Essig für die Betroffenen wenigstens gratis.

Tony Ward sieht heute die einzige Chance gegen diese „hässliche” Industrie darin, dass die Verbraucher sich von dem Produkt abwenden. Ganz meine Meinung: Einfach nicht kaufen, den Sch…leichkatzenkaffee, und beteiligte Händler konsequent boykottieren. Ein Trend, den kein Mensch braucht – und erst recht kein Musang.

Hier noch ein guter Nationalgeographic Artikel zu dem Thema. Allerdings in englischer Sprache.

Blue Mountain

Bereits als Columbus 1494 auf Jamaika vor Anker ging, erhob sich das majestätische Gebirge über den Osten der karibischen Insel. Fast 80.000 Hektar umfasst das Gelände. Die Blue Mountains sind längst Naturschutzgebiet.

Dadurch stehen der Regenwald und das größte Süßwassereinzugsgebiet der Insel unter Schutz. Und mit ihnen die mehr als 800 Pflanzenarten, die in der Gebirgsregion wachsen. Eine davon ist der Blue-Mountain-Kaffee.

Der bläuliche Nebel, der die Gebirgshöhen fast das ganze Jahr über einhüllt, steht nicht nur Pate für den Namen der Berge und des Kaffees. Er sorgt außerdem für genau das Klima, dass die Kaffeepflanze zum Wachsen braucht.

Zu Columbus’ Zeiten waren die Berge noch vollständig bewaldet. Der Zuzug von immer mehr Siedlern aber erforderte mehr Weide- und Ackerland. Das vernichtete einerseits zwar die Waldgebiete. Andererseits haben die Bewohner so den Boden für den Anbau des begehrten Blue-Mountain-Kaffees bereitet, den sie bereits seit 1728 an den Hängen des jamaikanischen Gebirges kultivieren.

Ein kurze Erfolgsgeschichte, oder?!

Der Gouverneur Sir Nicholas Lawes war es, der die ersten Kaffeepflanzen in die Region brachte. Die Kaffeepflanze auf der Karibikinsel zu kultivieren gelang dem britischen Gouverneur so erfolgreich, dass Jamaika innerhalb eines Jahrhunderts sogar Kaffeeexportland Nummer eins geworden war.

15.000 Tonnen Kaffee gingen von den Blue Mountains aus um die Welt. Mit dem Verbot der Sklaverei auf Jamaika wurde auch der Ertrag schlagartig weniger. Die riesigen Plantagen lohnten sich für die Kolonialherren nicht länger, die Ansprüche der Kaffeetrinker weltweit stiegen. 1943 kollabierte der Kaffeemarkt Jamaikas nahezu.

Man könnte jetzt meinen, das wäre das Aus für den Blue-Mountain-Kaffee gewesen.
Stattdessen aber, gründete sich das Jamaika Coffee Industry Board, das seither Qualität und Anbau des Kaffees in den Blue Mountains streng überwacht. Mittlerweile bauen kleine Privatfarmen den Großteil des Blue-Mountain-Kaffees an.

Der größte Abnehmer der jamaikanischen Kaffeesorte ist Japan. In unseren Gefilden ist der Blue Mountain wegen seiner kleinen Produktionsmenge eine begehrte und mit um die 100 Dollar pro Kilo auch recht hochpreisige Kaffeespezialität geworden.

Was macht den Blue Mountain so besonders?

Die wichtigsten vier Faktoren, die den Blue-Mountain-Kaffee so speziell machen, will ich an dieser Stelle einmal kurz zusammenfassen. Denn abgesehen von seiner spannenden Geschichte, verdankt der jamaikanische Edelkaffee seine Besonderheit auch anderen Umständen, wie:

Seiner Exklusivität

Nur tatsächlich auf Jamaika angebauter Blue-Mountain-Kaffee darf das Siegel „100% Jamaica Blue Mountain Coffee“ tragen. Das Coffee Industry Board reguliert, prüft und überwacht diese Echtheit streng. Konsequente Kontrollen und das daraus resultierende Reinheitsbranding erweisen sich natürlich ein Stück weit auch als wirksame Marketingstrategie. Da für den den Anbau aber gerade einmal 6.000 Hektar Land zur Verfügung stehen, der Ertrag somit denkbar klein ist, ist so eine Marketingstrategie zumindest akzeptabel bis gerechtfertigt.

Seiner Verarbeitung

Jamaica-Blue-Mountain-Kaffee wird nicht wie viele, gängigere Arabicasorten großindustriell und hoch maschinell verarbeitet. Stattdessen hat fast jeder der Kaffeebauern auf der Karibikinsel seinen eigenen mehr oder weniger geheimen Verarbeitungsprozess: Von der Ernte von Hand über die Trocknung und Lagerung in Holzfässern bis hin zur Röstung.

Seiner Herkunft

Das Klima macht’s. Und wenn Kaffeeliebhaber gewillt sind, einen Kilopreis von bis zu 100 US-Dollar zu bezahlen, muss das Klima in den Blue Mountains ganz schön was geleistet haben. Der konstante Nebel im Gebirge, Niederschlagsmengen zwischen 5.000 und 7.000 l/m2 im Jahr und Temperaturen von 5 bis 13 Grad lassen die Kaffeepflanzen nur gemächlich wachsen. So haben sie genug Zeit, ein volles, würziges Aroma zu entwickeln. Bitterstoffe und Säuren dagegen entstehen unter solchen Bedingungen nur in geringen Dosen.

Seiner Bohne

Seiner Herkunft bzw. dem dortigen Klima verdankt der Jamaican Blue Mountain eine ganz besondere Eigenschaft: Seine Bohne. Durch die lange Reifezeit im feucht-kühlen Klima der Berge entwickelt sich die Kaffeebohne erheblich langsamer. Sie bleibt kleiner und kompakter. Und häufig entwickeln die Pflanzen des Blue-Mountain-Kaffees sogar nur eine einzige, statt wie üblich zwei Bohnen pro Kirsche. Der sogenannten Perlbohne (Englisch: Peaberry) sagt man nach, dass sie aromatischer und süßer ist.

Kaffee aus Perlbohnen

Woher wisst ihr also, dass es sich beim gekauften Jamaica Blue Mountain auch wirklich um Perlbohnenkaffee handelt? Ihr könnt ihn an seinem Namen ganz einfach erkennen. Der Blue-Mountain-Kaffee ist in fünf gängigen Qualitätsklassen erhältlich.

Zu erwerben als No.1, No.2, No. 3, Peaberry oder Triage. Beim Jamaica Blue Mountain Peaberry handelt es sich dann um die Perlbohnenvariante. Sie ist aufgrund ihrer exklusiven Eigenschaften besonders beliebt.

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Normalerweise entwickeln Kaffeekirschen zwei Fruchtknoten, die nach der Bestäubung zu Kaffeebohnen heranwachsen. Wird aber nur einer der beiden Knoten bestäubt, entwickelt die Kaffeepflanze entsprechend auch nur eine Bohne.

Da der Platz in der Kirsche allerdings für zwei Bohnen gedacht ist, kann sich die Einzelbohne nun ausdehnen. So erhält sie ihre rundliche, perlenähnliche Form. Die Perlbohne ist sozusagen das Einzelkind einer Spezies, in der Zwillinge die Regel sind.

Kaffeesorte Perlbohnen

Botaniker würden sagen, dass Kaffeesorten, die besonders viele Perlbohnen produzieren, in ihrer Fruchtbarkeit geschwächt sind. Da diese Entwicklung aber vor allem bei Arabicasorten zu beobachten ist, wozu auch der Jamaica Blue Mountain gehört, lässt sich die Perlbohne auch anders erklären.

Einerseits durch Züchtung, andererseits durch die klimatischen Bedingungen und nicht zuletzt auch durch die Neigung zur Selbstbestäubung bei Arabicas. “Genetische Mutationen“ vererben sich so leichter weiter.

Grundsätzlich kommen Perlbohnen bei allen Kaffeesorten immer mal wieder vor. Sie sind also kein Alleinstellungsmerkmal des Blue-Mountain-Kaffees, sondern entwickeln sich auch in anderen Anbaugebieten.

Je nach klimatischen Bedingungen und Kaffeesorte nur eben unterschiedlich häufig. Und in den meisten Fällen kommen die Perlbohnen auch nicht aussortiert als eigene Kaffeevarietät in den Handel. Es kann also durchaus passieren, dass auch im handelsüblichen Bohnenkaffee die ein oder andere Perlbohne auftaucht.

Perlbohne oder nicht, wo ist der Unterschied?

Ob die Perlbohne besseren Kaffee liefert, sei dahin gestellt. Fakt ist: Die Nachfrage nach dem Jamaica Blue Mountain Peaberry ist enorm hoch. Und es ranken sich reichlich Mythen um die Perlbohne. In manchen Kaffeenationen wird sie als Symbol für Männlichkeit und Fruchtbarkeit angesehen. Was ziemlich im Gegensatz zum Ansatz der Botaniker steht. Wahrscheinlich leitet sich diese Symbolik aber eher vom ihr nachgesagten, würzigeren, kräftigeren Aroma ab. Was da dran ist?

Darin scheiden sich die Geister. So mancher Kaffeeliebhaber meint, dass man aus Perlbohnen besseren Kaffee gewinnt. Immerhin musste sich die Einzelbohne die Nährstoffe nicht mit einem Zwilling teilen.

So vereint sie mehr Öle, Aromen und Säuren in sich, als die „doppelten Lottchen“. Andere Kaffeefans behaupten das Gegenteil und berufen sich auf die geschwächte Fruchtbarkeit der Kaffeepflanze. Die kann ja unmöglich eine bessere Versorgung der Bohne gewährleisten.

Da die Perlbohne aber nun mal definitiv andere Vorraussetzungen hat, als die normalen Flachbohnen, kann man sich zumindest darauf einigen, dass der Kaffee anders schmeckt. Allerdings kann ich hier nicht wirklich eine klare Linie feststellen. Mal voller, mal weniger, mal heller, mal dunkler. Ob Perlbohnenkaffee grundsätzlich besser schmeckt, als sein “gewöhnlicher” Verwandter, liegt wohl eher an anderen Faktoren: An der Qualität, dem persönlichen Geschmack, an der Röstung und wie immer vor allem an der Frische.

Kaffeesorten nach Röstung:  Kaffee und Espresso

Kaffeesoprte Espresso mit CremaDer Unterschied zwischen den Röstungen ist immer ein wenig fließend. Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Philosophien. Die einen rösten einen Kaffee dunkler als die anderen einen Espresso. Insgesamt sind natürlich die meisten Espressobohnen dunkler geröstet.

Dann gibt es noch die “Caffe Crema Röstungen” die für Kaffeevollautomaten verkauft werden. Die sind aber oft minderwertig.

Für Espressomaschinen und Kaffeevollautomaten würde ich Espresso Röstungen Empfehlen. Für alles andere Filterröstungen, also “normale Kaffeebohnen”.

Kaffeesorten im Test

Kaffeebohnen TestAuf Coffeeness teste ich seit 2009 Kaffees und Espressos und zwar für alle Zubereitungsmethoden:

  • für Siebträger /Espressomaschine.
  • Kaffeevollautomat.
  • Kaffeebereiter.
  • Kaffeemaschine.
  • Handfilter.

und viele Weitere. Alle Kaffeebohnen Tests findet ihr hier. Alle Espresso Tests hier. Warum ich Espresso für den Kaffeevollautomaten empfehle, kann das hier nachlesen: Kaffee für Kaffeevollautomaten.

Kaffeesorten mit wenig Säure

Schonkaffee – schonend für wen? Koffeinfrei, säurearm, mild. Attribute, die vor allem eine Sorte Kaffeetrinker ansprechen: Die, die Kaffee aus unterschiedlichen Gründen nicht so gut verträgt. Egal, ob man von Sodbrennen oder Herzrasen geplagt wird, der Markt hat die Unverträglichkeiten längst erkannt und entsprechend gehandelt.

Die Regale sind voll von entkoffeiniertem oder säurereduziertem Kaffeepulver und milden Röstungen. Was aber genau bedeutet Entkoffeinierung und Säurereduktion für den Kaffee? Macht es ihn wirklich verträglicher bei beispielsweise Magenbeschwerden?

Säurearmer Kaffee

Hartnäckig hält sich das Gerücht, wonach entkoffeinierter Kaffee auch magenschonend sein soll. Das muss an dieser Stelle eindeutig revidiert werden. Bei Magenproblemen schafft auch koffeinfreier Kaffee keine Abhilfe. Warum? Weil Koffeingehalt und Säuren nur geringfügig Anteil an der Unverträglichkeit haben. Es sind einzelne Wirkstoffe im Kaffee, wie etwa das C5HT genannte Kaffeeöl, die die Salzsäureproduktion des Magens anregen und so zu einer Übersäuerung führen können.

Gesundheitliche Vorbelastungen erhöhen das Risiko natürlich. Grundsätzlich aber ist unsere Magensäure um einiges saurer als jede Säure im Kaffee. Je nach Grad der Unverträglichkeit, kann deshalb die Wahl der richtigen Röstung bereits den entscheidenden Unterschied machen. Denn: Tatsächlich braucht Kaffee Säuren, damit er uns schmeckt. Je nach Kaffeesorte ist sie mitunter sogar wichtig, um fruchtige Geschmacksnoten und einzelne Komponenten zu betonen.

Wenn also keine chronischen und bedenklichen Magenerkrankungen vorliegen, können Kaffeetrinker mit leichten Unverträglichkeiten durch Ausprobieren und Testen auch normalen Kaffee ohne Probleme genießen.

Die guten und die schlechten Säuren

Jede Kaffeesorte enthält Säuren. Und zwar schon bevor sie überhaupt in irgendeiner Form verarbeitet wird. Hauptsäuren sind hierbei die Chlorogensäuren. Diese reduzieren sich beim Röstverfahren schon um gut die Hälfte. Das heißt, sofern man die Bohnen nicht industriell „schockröstet“, also extrem kurz aber extrem hoch erhitzt.

Desweiteren enthalten Kaffeebohnen auch Zitronen- und Apfelsäuren. Diese wiederum vermehren sich während des Röstens, zusätzlich entstehen bei dem Prozess Essigsäuren. Je länger und dunkler der Kaffee aber geröstet wird, desto magenfreundlicher wird er am Ende.

Bei Sodbrennen durch Kaffee also einfach mal den Kaffee daheim überprüfen – und gegebenenfalls die helle Röstung gegen eine dunkle austauschen. Eventuell liegt da ja schon der Hund begraben. Denn je dunkler die Röstung, umso höher der Säureabbau.

Kaffeetipps für sensible Mägen

Ein recht hoher Anteil der Säuren in den Kaffeebohnen wird also bereits während des Röstvorgangs herausgelöst. Je länger und schonender die Röstung vonstatten geht, desto mehr Säure verliert der Kaffee. Deshalb ist es ratsam, auf Industriekaffee zu verzichten. Stattdessen lieber an kleine, private Röstereien wenden und sich nach dem Röstverfahren erkundigen. Nebenwirkungen wie Sodbrennen können damit schon eingedämmt werden.

Zusätzlich empfehle ich langsam geröstete Kaffeesorten, die von Natur aus säureärmer sind. Darunter fallen grundsätzlich sortenreine Arabicakaffees und im Speziellen der indische Monsooned Malabar, sowie der brasilianische Maragogype.

Wer dann den Kaffee noch etwas kürzer brüht, kann den Säuregehalt noch weiter reduzieren. Allerdings verlieren sich hierbei auch viele Aromastoffe. Man sollte es also nicht übertreiben. Den Kaffee gleich im Cold Brew Verfahren, sprich, mit kaltem Wasser aufzubrühen, verhindert das. Milch neutralisiert die Säure ebenfalls – allerdings wohl eher die Magensäure, wodurch unsere Mägen nicht ganz so empfindlich auf den Kaffee reagieren.

Auch die Wasserhärte kann die Säuren im Kaffee und damit seinen Geschmack beeinflussen. Wenn jemandem vor allem der erste Kaffee des Tages zusetzt, kann eine kleine Umstellung der Morgenroutine helfen. Denn vor allem ein nüchterner Magen reagiert sensibel auf Kaffee. Also einfach mal zuerst frühstücken und dann den Kaffee trinken. Zu guter Letzt darf bei Unverträglichkeiten gern auch mal die Menge an Kaffee, die man so am Tag zu sich nimmt, überdacht werden. Und gegebenenfalls korrigiert, versteht sich.

Kaffeeempfehlungen von Coffeeness

Ich hatte es gerade schon angeschnitten: Es gibt keinen säurefreien Kaffee, aber grundsätzlich säureärmere Kaffeesorten und -varietäten. Als besonders säurearm werden gerne Sorten aus brasilianischen und guatemaltekischen Anbaugebieten genannt.

Wichtiger als das Herkunftsland aber ist die Sorte, deren Reinheit und die spätere Verarbeitung und Zubereitung. Im Zuge meiner Kaffeetests gehe ich immer auch bewusst auf den Säuregehalt ein. So kann ich ruhigen Gewissens einige Kaffeesorten empfehlen, die auch für empfindliche Mägen durchaus geeignet sind.

Darunter fällt zum Beispiel der Rocko-Mountain-Kaffee von Coffee Circle: Fast keine Säure aber bombige Frucht und eine schöne Süße.

Auch für den trocken aufbereiteten El Zapote von Sonntagmorgen aus NRW gilt: Dunkle Beeren sind hier dominant aber ohne Säure und die starke Süße.

Beim El Salvador Finca „Santa Rosa“ honey aus der Tegernseer Kaffeerösterei fand ich den Säuregehalt, sehr dezent aber harmonisch.

Es gibt allerdings auch Sorten und Hersteller, die man als magenempfindlicher Kaffeetrinker weitgehend vermeiden sollte. Auffällig häufig finden sich darunter die großen Namen der Kaffeebranche. Lavazza, Illy oder Dallmayr. Woran das liegt? An der bereits erwähnten industriellen Röstung.

Kaffeesorte Dallmayr

Illy Kaffeesorte

Kaffeesprte Lavazza Espresso

Denn das ist eben der Preis, den man für billigen Kaffee bezahlt. Schnelle statt schonende Verarbeitung und somit hohe Anteile an Bitterstoffen und schlechten Säuren (Chlorogen- und Essigsäuren).

Ein abschließender Hinweis

Kaffeesorte HandfilterDieser Artikel bezieht sich ausdrücklich auf leichte Unverträglichkeiten. Bei chronischen Krankheiten, wie Gastritis, Magengeschwüren oder Gallenbeschwerden, sollten keine waghalsigen Experimente in Eigenregie erfolgen. Bitte in solchen Fällen den Kaffeekonsum oder das Ausprobieren diverser Sorten und Brühverfahren mit dem Arzt absprechen.

Entkoffeinierung

Wenn Euch Kaffee den Schlaf raubt, wenn er Euch nervös macht und Euren Herzschlag erhöht, dann ist die einfachste Lösung oft entkoffeinierter Kaffee. Ob das allerdings wirklich die erste Wahl sein sollte, ist zumindest einmal fraglich. Denn die koffeinhaltigen Rohbohnen werden zum Zwecke der Entkoffeinierung – sowie aus Kosten- und Effizienzgründen – mit Lösungsmitteln behandelt.

Diese Lösungsmittel sind zwar nicht per se giftig, sollten aber zumindest kritisch betrachtet werden. Denn einige davon stehen sehr wohl im Verdacht, krebserregend zu sein. Zwar verflüchtigen sich die Lösungsmittel großteils nach der Trocknung der behandelten Bohnen. Allerdings kann man eben nie wirklich ausschließen, dass bestimmte Anteile der Lösungsmittel doch im Kaffee verbleiben.

Moderne Ansätze, wie etwa die Zucht einer koffeinfreien Kaffeepflanze, waren bisher noch nicht von nennenswertem Erfolg gekrönt. So bleibt bei Koffeinunverträglichkeit oft nur Verzicht oder entkoffeinierter Kaffee. Oder der Griff zum Ginsengkaffee. Dieser erfreut sich aktuell im Kaffeeland Italien steigender Beliebtheit. Peu à peu fasst er als Alternative zum koffeinfreien Kaffee auch hier Fuß.

Kaffeesorten entkoffeiniert

Entkoffeinierter Kaffee ist nicht jedermanns Sache. Ich bin ja selbst wählerisch beim Kaffee und kann es niemandem verübeln, der auf den natürlichen Wachmacher Koffein nicht verzichten will – auch wenn ich nicht so weit gehen würde, von “kastriertem Kaffee” zu sprechen, wie böse Zungen es manchmal tun.

Aber hat ein Entkoffeinierter nicht auch Vorteile? Was spricht dafür und was dagegen?

Zuallererst muss ich noch einmal darauf hinweisen, dass normaler Kaffee mit Koffein nicht grundsätzlich ungesund ist, wie immer wieder behauptet wird. Jedenfalls gibt es dafür trotz umfangreicher Studien keine Belege.

Es könnte sogar sein, dass die Wirkung auf die Gesundheit insgesamt positiv ist. Studien weisen darauf hin, dass er vor Diabetes Typ 2, Lebererkrankungen und Parkinson schützt und für die geistige Fitness im Alter gut ist. Da sind die Forscher sich allerdings noch nicht sicher. Hier ein Überblick vom European Food Information Council zum heutigen Wissensstand.

Wie aber wohl jeder Kaffeeliebhaber aus Erfahrung weiß, ist durchaus eine Überdosierung von Koffein möglich, und die ist ganz einfach unangenehm. Wer gerne viel Kaffee trinkt, muss sich mit entkoffeiniertem Kaffee weniger zügeln.

Außerdem vertragen manche Koffein grundsätzlich nicht so gut. Auch schwangere Frauen, die Rücksicht auf ihr Kind nehmen und nicht ganz auf Kaffee verzichten wollen, fragen mich oft nach einem guten entkoffeinierten Kaffee.

Ein aktuelles wissenschaftliches Gutachten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit hält es für unbedenklich, wenn schwangere und stillende Frauen 200 Milligramm Koffein pro Tag konsumieren. Das entspricht etwa zweieinhalb Tassen Filterkaffee. Bei Erwachsenen gilt sonst die doppelte Menge als unproblematisch.

Geht mit diesen Mengenangaben aber vorsichtig um, denn der Koffeingehalt einer Tasse Kaffee variiert stark.

Es ist jedenfalls vernünftig, wenn schwangere und stillende Frauen auf ihren Kaffeekonsum achten, und entkoffeinierter Kaffee erleichtert das.

Kritisch sehe ich bei entkoffeiniertem Kaffee vor allem drei Punkte: der Aromaverlust durch die Entkoffeinierung, die eventuellen chemischen Rückstände in den behandelten Bohnen und die Umweltbelastung durch die verwendeten Chemikalien. Mal abgesehen davon, dass natürlich die anregende Wirkung verloren geht.

Aber der Reihe nach. Wie entkoffeiniert man eigentlich Kaffee?

Das direkte Verfahren

Dieses Verfahren wenden die Hersteller billiger Supermarkt-Kaffees am häufigsten an. Sie weichen die rohen Kaffeebohnen mit Wasserdampf auf und legen sie dann in eines der Lösungsmittel Dichlormethan oder Ethylacetat (Essigsäureethylester) ein. Ja, das klingt nicht so lecker. Ist es auch nicht. Ich komme darauf zurück. Die Lösungsmittel entziehen den Bohnen jedenfalls das Koffein.

Damit ein Kaffee in der EU als entkoffeiniert verkauft werden darf, muss sein Koffeinanteil unter 0,1 Prozent liegen. Dieser Rest ist immer noch enthalten, weshalb auch nicht von “koffeinfrei” die Rede ist. Bei unbehandelten Bohnen liegt der Koffeinanteil bei ein bis zwei Prozent. Man wiederholt die Extraktion so lange, bis die 0,1 Prozent unterschritten sind.

Das Dichlormethan oder Ethylacetat verflüchtigt sich anschließend beim Trocknen der Bohnen. Es können aber Reste zurückbleiben, und das lässt aufhorchen, denn das sind fiese Chemikalien.

Dichlormethan wird unter anderem als Abbeizmittel für Lacke sowie Lösungsmittel für Kunststoffe verwendet und steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Schon bei Hautkontakt ist es giftig. Bis zu zwei Milligramm Dichlormethan darf ein Kilo Kaffee enthalten.

Wenn von einem “natürlichen” Entkoffeinierungsverfahren die Rede ist, wurde vielleicht trotzdem Ethylacetat verwendet. Kleine Mengen davon sind von Natur aus in Spirituosen enthalten. Es kann auch aus manchen Obstsorten gewonnen werden und ist insofern “natürlich”.

Man benutzt Ethylacetat auch als Lösungsmittel für Klebstoffe, denen es ihren charakteristischen Geruch verleiht. Außerdem kommt es häufig in Nagellackentfernern vor. Auch Ethylacetat ist giftig und der Einsatz am Arbeitsplatz streng reguliert.

Der Schweizer-Wasser-Prozess

Die Swiss Water Decaffeinated Coffee Company entwickelte in den 1970er Jahren eine elegante und giftfreie Alternative. Im ersten Schritt waschen Maschinen das Koffein einfach mit heißem Wasser aus den Bohnen heraus. Dabei verlieren die Bohnen natürlich auch andere feste Stoffe, die man eigentlich behalten möchte.

Doch die eigentliche Entkoffeinierung erfolgt erst im zweiten (eigentlich dritten) Schritt. Das erzeugte Kaffeewasser läuft nämlich als nächstes durch einen Aktivkohlefilter, wodurch das Koffein entzogen wird, aber alle anderen Inhaltsstoffe im Wasser erhalten bleiben. Bei einer weiteren Behandlung von Bohnen mit dem gefilterten Wasser verlieren diese Bohnen nun nur das Koffein, weil die Flüssigkeit mit den anderen Stoffen schon gesättigt ist.

Der Schweizer-Wasser-Prozess kommt also komplett ohne Chemikalien aus. Er ist allerdings aufwändiger als die direkte Methode, verbraucht viel Wasser und macht bei jedem Durchgang einen Schwung Kaffeebohnen unbrauchbar – die Bohnen des ersten Schritts landen auf dem Müll. Deshalb wird dieses Verfahren nur selten angewendet.

Das indirekte Verfahren

Das sogenannte indirekte Verfahren kann man sich als Kombination des direkten Verfahrens und des Schweizer-Wasser-Prozesses vorstellen. Am Anfang steht wieder die Auswaschung der Bohnen mit heißem Wasser. Dichlormethan oder Ethylacetat entfernen das Koffein. So bleibt wie bei der Schweizer Variante entkoffeiniertes Kaffeewasser zurück, das im zweiten Durchgang einer neuen Portion Bohnen nur das Koffein entzieht.

Das Kohlenstoffdioxid-Verfahren

Hierbei spielt ein Stoff mit der explosiv klingenden Bezeichnung “überkritisches Kohlenstoffdioxid” die Rolle des Lösungsmittels. Kohlenstoffdioxid ist “überkritisch”, wenn man Temperatur und Druck über bestimmte kritische Punkte hinaus erhöht. Es wird dann flüssig und bildet ein attraktives Lösungsmittel für die Entkoffeinierung. Attraktiv deshalb, weil es ungiftig ist und wiederverwendet werden kann. Dies ist die bevorzugte Methode zur Herstellung von entkoffeiniertem Bio-Kaffee.

Das gewonnene Koffein kann der Hersteller ebenfalls weiterverwenden, zum Beispiel für Energydrinks oder Koffeintabletten. Das geht auch bei den chemischen Verfahren, indem man das Koffein mit Aktivkohlefiltern von den Lösungsmitteln trennt. Dabei kommt allerdings nicht genug zusammen, um die Nachfrage zu decken. Deshalb enthalten zum Beispiel Energydrinks in der Regel künstlich hergestelltes Koffein.

Übrigens arbeiten Forscher fleißig daran, eine Kaffeepflanze zu züchten, die von Natur aus koffeinarme Bohnen produziert. Weil das Koffein aber ein natürliches Abwehrmittel der Pflanzen ist, gestaltet sich das schwierig – die koffeinärmeren sind immer die schwächeren Pflanzen, und die setzen sich gemäß Darwin nicht durch.

Und wie steht’s mit dem Genuss?

Entkoffeiniertem Kaffee fehlt der Koffein-Kick. So weit, so gut. Damit ist aber nicht gesagt, dass er irgendwie “lasch” schmeckt, wie viele meinen. Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Viele Faktoren tragen dazu bei, einen Kaffee lasch, mild oder kräftig schmecken zu lassen. Das Koffein spielt dabei nicht die Hauptrolle.

In Experimenten mit falscher Etikettierung haben Tester den Kaffee mit der Aufschrift “entkoffeiniert” immer wieder als weniger aromatisch eingestuft, auch wenn es in Wirklichkeit ganz normaler Kaffee war. Hier ist klar ein Placebo-Effekt im Spiel.

Geschmacklich ist entkoffeinierter Kaffee sicher nicht grundsätzlich schlecht. Eher steht zu befürchten, dass industrielle Kaffeeröster keine hochwertigen Bohnen und kein schonendes Verfahren zur Entkoffeinierung verwenden, um Kosten zu sparen.

Fazit: Auf Qualität achten!

Wie immer empfehle ich also, keine Discount-Produkte zu kaufen und sich beim Händler genau darüber zu informieren, was man bekommt. Ethylacetat und vor allem Dichlormethan als Lösungsmittel für die Entkoffeinierung zu verwenden ist für mich wegen des Krebsrisikos und der Umweltbelastung völlig inakzeptabel. Umso mehr, da es mit Kohlenstoffdioxid eine praktikable und saubere Alternative gibt.

Solange die gesetzlichen Regelungen bleiben, wie sie sind, werden sich die großen Hersteller nur durch entsprechende Nachfrage zum Umsteuern bewegen lassen. Vergewissert euch also, dass keine giftige Chemie verwendet wird, und kauft nicht unkritisch das Billigste, was gerade im Regal steht. Eure Gesundheit und die Umwelt werden es Euch danken.

Um konkrete Tipps geben und mehr zum Aroma sagen zu können, werde ich demnächst einige entkoffeinierte Kaffees testen. Die Berichte findet ihr dann wie immer hier im Blog. Bis dahin wünsche ich unbeschwerten Kaffeegenuss – ob mit Kick oder ohne.

Kaffeesorten – Koffeingehalt

Die Kaffeesorten habe einen unterschiedlichen Koffeingehalt. Aber auch die Zubereitung spielt bei der Extraktion von Koffein eine Rolle. Einen ausführlichen Artikel zu dem Thema findet ihr hier: Kaffee Koffein.

Hier eine Übersichtstabelle aus dem Artikel:

GetränkMg Koffein pro 100 ml
Portion
% des empfohlenen Tagesmaximums
Filterkaffee55
82,5 (150 ml)
20,6
Espresso13333,25 (25 ml)
8,3
Entkoffeiniert23 (150 ml)
0,75
Instantkaffee39
58,5 (150 ml)
14,6
Schwarzer Tee2030 (150 ml)
7,5
Grüner Tee1928,5 (150 ml)
7,1
Trinkschokolade69 (150 ml)
2,2
Coca-Cola10
33 (Dose 330 ml)
8,2
Coca-Cola light/zero
1239,6 (Dose 330 ml)
9,9
Afri Cola1020 (Flasche 200 ml)
5
Afri Cola 25
5
50 (Flasche 200 ml)
12,5
Fritz-Kola2582,5 (Flasche 330 ml)
20,6
Club Mate20100 (Flasche 500 ml)
25
Red Bull
3280 (Dose 250 ml)
20

Kaffeesorten – Kalorien

Schwarzer Kaffee und Espresso erhält fast keine Kalorien. Was ihr zum Dickmacher machen kann, sind Zucker, Milch, Sahen und Sirups. Zu dem Thema habe ich vor kurzen einen ausführlichen Artikel veröffentlich: Kaffee Kalorien.

Hier eine Tabelle aus dem Artikel, in dem ihr die Kalorien vergleichen könnt.

Kalorien in der Milch
100 ml
20 ml (“ein Schuss”)
125 ml (Cappuccino)
325 ml (Starbucks “Tall”)420 ml (Starbucks “Grande”)
540 ml (Starbucks “Venti”)
Kondensmilch 4%
11122----
Kondensmilch 7,5%
13327----
Kondensmilch 10%
17635----
Kaffeesahne
12024----
Magermilch (0,1%)
35744102*131*174*
Fettarme Milch (1,5%)
46958143*188*248*
Vollmilch (3,5)
641380172*223*299*
Sojamilch551169110*
148*185*
Hafermilch42853137176227
Reismilch204256584108
Mandelmilch13316425570
Haselnussmilch2963694122157
Kokosmilch
22745284121*163*204*

So weit so gut

Das war ein kleiner Einstieg für euch und ich hoffe er hat geholfen. In diesem Artikel geht es bald weiter und ich werde ihn regelmäßig ergänzen und aktualisieren. Mich interessiert natürlich noch was eure liebste Kaffeesorte ist!

  • Copyright Beitragsbild: iStockPhoto.com/urf
  • Copyright Bild 1: iStockPhoto.com/msk.nina
  • Copyright Bild 2: iStockPhoto.com/BartoszLuka
  • Copyright Bild 3: iStockPhoto.com/Bhakpong
  • Copyright Bild 4: iStockPhoto.com/bonchan
  • Copyright Bild 5: von mir an der Pavoni
  • Copyright Bild 6: von mit mit Lego Barista Lerry
  • Copyright Bild 7,8,9 : alles aus meiner Küche mit der Pavoni
  • Copyright Bild 10 : ich mit Handfilter
13 Kommentare
  • Marco
    15 October, 2016

    Hey Arne, ein spannender Artikel! Sehr ernüchternd der Teil über den Katzenkaffee, das stimmt nachdenklich. LG Marco

  • alexander hemmer
    30 November, 2016

    Hallo Arne, guter Artikel, danke.
    Ich interessiere mich auch für entkoffeinierten Kaffee und habe einen gefunden, der mir besonders zusagen würde. Das Entkoffeinierungsverfahren durch Quellkohlensäure soll besonders schonend und unschädlich sein. Was meinst du dazu?

    BIO & FAIR Der entkoffeinierte Kaffee 500g Bohne

  • Arne
    30 November, 2016

    Hallo Alexander, dazu kann ich noch nichts sagen. Danke für den Hinweis. Ich plane schon länger eine Test mit entkoffeinierten Bohnen. Ich hoffe ich komme bald dazu. Viele Grüße, Arne

Ich freue mich über deinen Kommentar

Your email address will not be published. Required fields are marked *