Was ist ein Fairtrade-Siegel für Kaffee wert?

Schon lange wollte ich etwas über Fairtrade Kaffee schreiben, erst jetzt komme ich dazu. Kaffee wächst überwiegend in Ländern des Südens, wo leider immer noch viele Menschen in Armut leben. Bei den dortigen Bauern kommt nur wenig von dem Geld an, das wir in den reichen Ländern für landwirtschaftliche Importprodukte wie Kaffee ausgeben. Über Bio Kaffee habe ich schon letzte Woche berichtet.

Fairtrade Siegel Kaffee

Schon lange wollte ich etwas über Fairtrade Kaffee schreiben, erst jetzt komme ich dazu. Kaffee wächst überwiegend in Ländern des Südens, wo leider immer noch viele Menschen in Armut leben. Bei den dortigen Bauern kommt nur wenig von dem Geld an, das wir in den reichen Ländern für landwirtschaftliche Importprodukte wie Kaffee ausgeben. Über Bio Kaffee habe ich schon letzte Woche berichtet.

Das Prinzip Fair Trade soll dieses Problem lösen oder wenigstens abmildern. Der Handel verkauft Fair-Trade-Produkte mit dem Versprechen, dass die Bauern angemessene Preise erhalten und wir mit gutem Gewissen kaufen und konsumieren können.

Das kommt im Westen gut an. Der Fair-Trade-Markt wächst stark. Der gute Wille der Konsumenten ist erfreulich, aber die Frage, ob Fair Trade wirklich eine Lösung ist, steht auf einem anderen Blatt.

In diesem Artikel gebe ich einen Überblick der Pros und Kontras von Fair-Trade-Kaffee. Als bessere Alternative empfehle ich direkt gehandelten Kaffee. Der hat kein Siegel, ist aber fairer und nachhaltiger als Fair Trade – und besser.

Was ist Fair Trade?

Fair Trade oder “gerechter Handel” ist einfach das Prinzip, für Importe aus ärmeren Ländern so viel zu bezahlen, dass die Produzenten von ihrem Einkommen menschenwürdig leben können.

Fairtrade Logo“Fairtrade” zusammengeschrieben ist sozusagen ein Eigenname der Fairtrade Labeling Organisation International (FLO). Dies ist der weltweit größte Zusammenschluss von Organisationen, die Siegel für gerechten Handel vergeben. Dazu gehört das wohl bekannteste Logo zur Kennzeichnung fair gehandelter Produkte. Hier findet ihr die Webseite der Organisation für Deutschland.

Das Fairtrade-Siegel hat eine einheitliche Bedeutung, weil es sich auf die Zertifizierung durch eine bestimmte Organisation bezieht. Grundsätzlich kann aber jeder Begriffe wie “Fair Trade” oder “fairer Handel” verwenden. Was sich dahinter verbirgt, variiert.

Das Fairtrade-Siegel bekommen Produzenten, die eine Reihe von sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Kriterien erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Anforderungen an die demokratische Organisation von Kooperativen.
  • Geregelte Arbeitsbedingungen.
  • Keine Kinderarbeit.
  • Umweltschonender Anbau.
  • Verbot gefährlicher Pestizide.
  • Bezahlung eines Fairtrade-Mindestpreises und einer Prämie.
  • Transparenter Waren- und Geldfluss.

Sie bekommen es aber nicht automatisch, sondern müssen sich darum bewerben und dafür bezahlen. Im Gegenzug erhalten sie für ihren Kaffee einen Mindestpreis, den die FLO festlegt. Wenn der Weltmarktpreis für Kaffee höher liegt, bekommen sie diesen höheren Weltmarktpreis.

Das schützt sie in gewissem Umfang vor globalen Preisschwankungen. Zusätzlich gibt es eine Prämie, die für Investitionen gedacht ist.

Auf den Webseiten der FLO habe ich vergeblich nach einer verständlichen Erklärung gesucht, wie die Preise und Prämien zustande kommen. Das scheint recht kompliziert zu sein. Die Informationen sind meistens zu allgemein oder zu detailliert, um es wirklich zu verstehen. Eine Erklärung der Gepa gibt einen besseren Überblick.

GEPA LogoDass die Gepa das Ganze kritisch sieht, ist allerdings kein Wunder, denn sie gehört zur Konkurrenz. Während die FLO nur ein Zusammenschluss von Organisationen ist, die Zertifikate ausstellt, gibt es auch Importunternehmen, die sich auf fairen Handel oder “Fair Trade” spezialisieren. Die Gepa (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH) ist so ein Unternehmen – das größte in Europa.

Auch eine Art von Fair-Trade-Siegel. Die Gepa ist allerdings keine Zertifizierungsstelle, sondern ein Unternehmen. Quelle: Wikipedia

Ich will nicht jede Initiative für fairen Handel über einen Kamm scheren. Es gibt keine klare und endgültige Antwort auf die Frage, was sie in der Dritten Welt tatsächlich bewirken. Um das herauszufinden, bedarf es aufwändiger Forschung. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, die Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen.

Aber wenn man sich die Diskussion zum Thema anschaut, ergibt sich durchaus ein Gesamtbild. Im folgenden Abschnitt stelle ich die wichtigsten Stärken und Schwächen des Fairtrade-Siegels der FLO dar. Bei anderen Initiativen und Zertifikaten sieht es vielleicht anders aus.

Pro und kontra Fairtrade Kaffee

Die wichtigsten Vorteile sind schnell benannt:

Produzenten sind vor Preiseinbrüchen auf dem Weltmarkt geschützt
Ein Mindestpreis ist garantiert und bietet Einkommenssicherheit – allerdings auf bescheidenem Niveau
Fairtrade fördert demokratisch organisierte Kooperativen und unterstützt so Selbst- und Mitbestimmung von Kleinbauern

Umstritten ist, ob das die Nachteile und möglichen negativen Wirkungen ausgleicht. Dazu gehören die folgenden. Die Quellen sind vor allem ein ausführlicher Artikel in der Stanford Social Innovation Review und einer in Foreign Affairs. Um den letzteren ganz lesen zu können, müsst ihr euch (kostenlos) bei Foreign Affairs registrieren. Leichter zugänglich und verdaulich sind Beiträge in der “Zeit” und von der ARD.

  • Von den Vorteilen profitieren nur Fairtrade-Produzenten. Das verschafft ihnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen, die vielleicht noch ärmer sind. Aber gerade die Ärmeren können sich die Zertifizierung vielleicht nicht leisten. Außerdem ist der Fairtrade-Markt verhältnismäßig klein. Er kann gar nicht die ganze Menge an Kaffee aufnehmen, die die zertifizierten Kooperativen herstellen.
  • Auf Seiten der Konsumenten entsteht durch das Siegel ebenfalls ein Wettbewerbsvorteil – auch gegenüber Anbietern, die den Produzenten mehr zahlen, aber kein Siegel verwenden. Das ist dann natürlich nicht mehr fair.
  • Ein Großteil des Verkaufspreises kommt nicht bei den Produzenten an, sondern bleibt bei Importeuren und Zertifizierungsstellen.
  • Der Mindestpreis und die Prämie sind wirtschaftlich betrachtet eine Subvention, die unabhängig von der Qualität des Kaffees ist. Wenn ein Produzent höher- und minderwertigen Kaffee zu verkaufen hat, dann lohnt es sich für ihn, den minderwertigen zum garantierten Fairtrade-Preis zu verkaufen und den höherwertigen zum höheren Marktpreis. Auf lange Sicht kann das sogar einen Anreiz bilden, grundsätzlich zweigleisig zu fahren: Spitzenkaffee für den freien Markt und schlechter zum Garantiepreis für Fairtrade.

Somit ist Fairtrade-Kaffee sicherlich sozialer als ein x-beliebiger Billigkaffee, aber das gute Gewissen, das er vermittelt, ist mit einem Fragezeichen zu versehen. Ein Patentrezept gegen ausbeuterische Verhältnisse im Kaffeehandel ist er nicht. Außerdem kann er nicht allzu hochwertig sein, denn für hochwertigen Kaffee ist der Mindestpreis zu niedrig.

Zum Glück gibt es aber eine bessere Alternative: Kaffee aus Direkthandel. Auch der ist teurer als Kaffee aus dem Supermarkt – sonst könnte er nicht “fair” sein. Aber von dem Geld kommt ein viel größerer Teil bei den Produzenten an. Außerdem gibt es hier eine riesige Auswahl an wirklich gutem Kaffee.

Direkthandel als bessere Alternative zu Fairtrade Kaffee

Beim Direkthandel stellen kleine Unternehmen eine direkte Verbindung zwischen Produzenten und Endverbrauchern her. Mitarbeiter dieser Unternehmen schauen sich in den produzierenden Ländern nach interessanten Kaffeesorten um, kaufen sie direkt von den Produzenten und verkaufen sie im eigenen Laden oder Online-Shop.

Der Preis liegt höher als im Supermarkt, ist aber nicht unbezahlbar. Da der Kaffee durch weniger Hände geht, bleibt ein größerer Teil des Verkaufspreises für die Produzenten übrig. Als Käufer bekommt ihr ein breites Spektrum spannender Kaffeesorten in handverlesener Qualität.

Andere Direkthandel-Röstereien sind Elbgold, Carles Kaffee und Elephant Beans. Nicht zu vergessen Quijote Kaffee, über die ich auch schon mal geschrieben habe. Seht euch am besten selbst um und findet eine Rösterei, die euch sympathisch ist. Am meisten Spaß macht es natürlich, den Kaffee direkt im Laden zu kaufen.

Ein weiter Direkthandel Anbieter ist Coffee Circle. Die Firma handelt nicht nur mit Kaffee, sondern unterstützt die Bauern und ihre Gemeinden aktiv in ihrer Heimat. Ich habe selbst schon mal Kaffees von Coffee Circle getestet: Rocko Mountain und Limu, beide aus Äthiopien. Ich war sehr angetan.

Da findet ihr eine vielfältige Auswahl an wirklich guten Kaffees und wisst immer genau, woher sie kommen und was das Besondere daran ist. So transparent und fair ist keine Zertifizierung.

Wie ist eure Meinung zu Fairtrade? Habe ich eine wichtige Alternative übersehen? Wart ihr schon mal in einer direkt handelnden Rösterei? Ich freue mich wie immer auf eure Kommentare.

  • Quelle Artikelbild: Eigenbau.
  • Quelle Bild I: Das bekannte Fairtrade-Siegel der FLO: Wikipedia
  • Quelle Bild II: Gepa ist allerdings keine Zertifizierungsstelle, sondern ein Unternehmen. Wikipedia

 

2 Kommentare

    Hallo Arne Preuß,
    ich habe schon bei mehreren kleinen Röstern genau nachgefragt, wie fair denn ihr direkt gehandelter Kaffee ist. Und je mehr ich nachfrage, desto unfairer wird es dann. Bis dahin, dass nach dem Gespräch mit mir der Hinweis fair schnell von der Homepage genommen wurde. Das Problem ist einfach die Transparenz und die Marktrelevanz. Da versucht Fairtrade eine Lücke zu schließen. Es kann eben nicht jeder nach Kolumbien fliegen und seinen Kaffee selber kaufen – schon allein wegen des Klimas nicht. Und die Infos sind Dir entweder zu flach oder zu genau? Das klingt nicht nach einer fairen Auseinandersetzung, oder?
    Ich denke, Bashing gegenüber denen, die wirlich nur auf Ausbeuten aus sind, wäre irgendwie fairer.
    So long, Ingeborg

    Antworten

    Hallo Arne Preuß,

    ich bin seit einiger Zeit in einem Weltladen tätig und beschäftige mich seitdem mit diesem Thema. Für mich ist der fair gehandelte Kaffee von GEPA oder El Puente auch nur eine Zwischenlösung.
    Der Direkthandel kann auch nicht die Lösung sein, um den fairen Handel aus seinem Nischendasein herauszuholen. Da bedarf es anderer Lösungen.
    Ich bin auf der Suche danach. Der faire Welthandel braucht eine größere Unterstützung in der Gesellschaft. Dann wird der Kaffee der Kooperativen auch nicht zu 25% fair gehandelt, sondern zu wesentlich höheren Prozentzahlen.
    Ein Weg kann dabei sein, die Petition zur Steuerbefreiung des Kaffees von der Steuer zu unterstützen. 2.19€ weniger für ein Kilo Kaffee zu bezahlen macht den fair gehandelten Kaffee für Käufer schon attraktiv.
    Außerdem unterstützen wir vom Weltladen eine Initiative, die den Kaffee im Anbauland röstet. Da kommt die gesamte Wertschöpfung der Frauenkooperative in Ruanda zugute. Das kann meiner Meinung nach nur der richtige Weg zur fairen Beschaffung von Kaffee sein.
    Vielleicht ist das für Sie ein Anreiz, auch mal in diese Richtung weiterzudenken.

    Mit freundlichen Grüßen

    Burkhardt Engelke

    Antworten

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