Cold Brewed Coffee – kalt gebrühter Kaffee – Rezepte

Cold Brewed Coffee – ein schöner und offensichtlich inhärenter Widerspruch. Wie kann Kaffee kalt gebrüht werden? Brühen bedeutet doch etwas mit kochendem Wasser zu übergießen.

Egal, gemeint ist eben den Kaffee mit kaltem Wasser auszugießen und die Extraktion von Aromen und Koffein ohne Hitze stattfinden zu lassen. Das ganze findet in der Regel über einen langen Zeitraum statt.

In diesem Artikel möchte ich diesem Verfahren auf die Spur kommen. Es gibt unterschiedliche Varianten, die sehr unterschiedlich aufwändig sind. Das tolle schon jetzt vorab, ihr braucht kein zusätzliches Equipment (und was noch schöner ist – man kann sich trotzdem etwas zulegen).

Cold Brewed Coffee Rezepte

Ich muss zugeben, die kalte Methode Kaffee zu “kochen”, ist lange an mir vorbeigegangen. Ich habe aufwändige Konstruktionen in guten Cafés bewundert, in denen Eiswürfel langsam das Wasser abgaben. Fasziniert, aber auch ein wenig überfordert, habe ich dann doch heißen Kaffee getrunken.

Wie dumm von mir. Ich bin seit einiger Zeit auf den Geschmack gekommen und bereite fast täglich Cold Brewed Coffee für den nächsten Tag vor. Aber bevor ich ins Schwärmen gerate (zum Geschmack gibt es später noch ein Kapitel), kommen wir zu den Rezepten und Zubereitungsmethoden.

Cold Brewed Coffee

Wie immer wäre es langweilig, wenn wir nur einen Weg hätten, wie wir kalten Kaffee kochen können. Es gibt die üblichen Parameter, mit denen gespielt werden kann:

  • Kontaktzeit von Wasser und Kaffee
  • Mengenverhältnis von Kaffee zu Wasser
  • Mahlgrad des Kaffees
  • Sorte des Kaffees
  • Ausgewähltes Wasser

Im Glas mit Schraubverschluss + Handfilter

Das Schöne an dieser Methode für den Cold “Brewed” Coffee ist, dass ihr nicht viel braucht. Grob gemahlenen Kaffee. Kaltes Leitungswasser. Einen Handfilter, Woodneck oder ein feines Sieb.

Ein Glas, das ihr zuschrauben könnt. Ich habe auch viele Rezepte gesehen, bei denen Folie zur Abdeckung genommen wurde – bitte Plastik vermeiden. Sieht besser aus, ist gesünder und schont die Umwelt, eure Gesundheit und den Geldbeutel. Außerdem sieht es scheiße aus – so ein schönes Weckglas macht einfach mehr her!

  • 10 Gramm groben Kaffee je 100ml, also für 1L Wasser 100g Kaffee (für ein Konzentrat aber auch gerne mehr).
  • Beides in ein Gefäß mit Deckel und 12-24 Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen.
  • Ihr könnt das Glas einige Male wenden (schütteln ist nicht nötig).
  • Dann Filtrieren (mit einem Handfilter, Woodneck oder einem feinen Sieb).
  • Jetzt pro Glas drei Eiswürfel.
  • Servieren

Die Kaffeemenge ist recht hoch, ihr bekommt auch einen kalten Kaffee, der einmal ein Wackelpudding werden wollte. Sehr voll, mit viel Aroma aber wenig Säure. Er ist eine Art Konzentrat, welches auch noch mit den Eiswürfeln gestreckt wird. Ihr braucht also doch etwas, vor allem Zeit!

Cold Brewed Coffee in der French Press

Praktisch, die French Press ist eine Glaskanne, sie hat einen Deckel und kann das ja ohnehin grobe Kaffeemehl ausfiltern.

So habe ich mir das vorher vorgestellt. Was ich nicht erwarte habe ist, dass das Kaffeemehl das über 12 Sunden Kontakt zum Wasser hat anfängt sich aufzulösen. Gerade bei kräftigen Röstungen ist der Kaffeesatz dabei sich zu atomisieren und erinnert eher an nasse, feine Blumenerde.

Wer jetzt aus der French Press einschenkt, schwemmt viel davon mit in den kalten Kaffee.

Das ist Geschmacksache, die meisten mögen einen klaren Kaffee lieber. Deswegen ist eine Kaffeepresse immer noch gut geeignet für das Ziehenlassen, ich würde auch den Stempel drücken, aber den Kaffee im Anschluss trotzdem durch einen Handfilter gießen.

Das hat sogar noch den Vorteil, dass der Kaffee schneller durch den Handfilter läuft, weil weniger feiner Kaffeesatz durch kommt (ein wenig fängt die French Press dann doch auf).

Geschmack von kalt zubereitetem Kaffee

Ihr bekommt einen wunderbaren Kaffee mit vollem Körper und kräftigem Abgang. Das faszinierende ist, dass er zwar extrem aromatisch und nuancenreich ist, aber keine Säure auf der Zunge zu spüren ist.

Das lässt mich vermuten, dass es sich um eine sehr verträgliche Kaffeevariante handelt (das werde ich noch ein meiner Uroma testen – nein natürlich nicht!).

Dieses Extraktionsverfahren bringt ein einmaliges und mit heißem Kaffee schwer vergleichbares Ergebnis.

Ich habe an anderer Stelle im Blog Verfahren vorgestellt, wie ihr Kaffee mit heißem Wasser aufbrühen und anschließend mit Eiswürfeln einen Eiskaffee draus machen könnt.

Cold Brewed drip Coffee

Verglichen mit einem Iced Coffee aus der Frech Press oder Aeropress – finde ich das Ergebnis der Cold Brewed Methode besser. Der Nachteil ist nur, sie kostet viel Zeit.

Vorteile:

  • Möglicherweise gute Verträglichkeit.
  • Einzigartiger Geschmack.
  • Kann mit normalen Küchenutensilien herstellt werden.
  • Koffeinbombe? (siehe Überlegungen unten).

Nachteil:

  • Dauert mindestens 12 Stunden

Cold Brewed Drip Coffee (Die aufwändige Alternative)

Oder was die Herzen von Equipment-Freaks höher schlagen lässt. Der Eine oder die Andere hat es sicher schon gesehen, eine Gläserne Konstruktion aus vielen Teilen. Einen Turm der Schönheit. Etwas zwischen Laborbedarf und Kunst. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber der löst bei mir extreme “Haben-Wollen-Reflexe” aus.

Aber dann meldet sich das Über-Ich zurück und sagt, die Küche ist voll. Du hast kein Geld. Du benutzt das sowieso nicht jeden Tag. Willst du dafür eine der Kaffeemühlen abschaffen – an der Stelle hat das Über-Ich gewonnen. Scheiß auf’s Geld aber die zweit Kaffeemühle abschaffen geht zu weit.

Solltet ihr so glücklich sein und kein funktionierendes  Über-Ich (oder keinen Partner oder Partnerin, die euch den Kopf abreist) haben, könnt ihr hier einen “Hario Water Dripper” Clear für schlappe 200€ kaufen. Sieht schon cool aus – und man kann sein Geld für unwichtigere Sachen ausgeben, wie verarbeitete Lebensmittel, die nur aus Zucker bestehen…

Schluss jetzt – ich baue meinen Cold Brewed Drip Coffee Gerät selbst…

Cold Brewed Drip Coffee selber bauen

Ab in die Werkstatt (also in unsere Küche) und schon wird Tetris gespielt. Eine Glaskanne für Öl mit Zapfhahn, eine Aeropress, eine Glaskanne, ein Trichter. Zwei Aeropress-Filter. Los geht’s.

Für das Kaffeepulver nutze ich den Trichter und Filter einer Aeropress. Unten kommt der übliche Filter rein. Auf des Kaffeepulver lege ich einen zugeschnittenen kleinen Filter.

Der dient dazu, dass das auftropfende Wasser gleichmäßig verteilt wird. Sonst bestünde die Gefahr, dass es an einer Stelle durchläuft.

Cold Brewed Aeropress

Als Wasserbehälter und Tropfstation dient eine Glaskanne, die ursprünglich für Olivenöl gedacht war – ich kaufe aber doch in Blech abgepacktes Öl und nutze sie deswegen nicht. Es funktioniert, als wäre es dafür gedacht.

Ich habe die Zeit gemessen und bin bei ca. 40 Tropfen pro Minute. Bin gespannt, wie lange es jetzt läuft.

Bei dem Rest des Aufbaus handelt es sich um beliebige Teile zum Draufstellen (der Trichter war wegen des besseren Winkels nötig).

Extra Ausgaben für mich sind 0 €. Wer keine Aeropress hat, kann auch was aus einer PET Flasche basteln und normale Filter verwenden. Ich glaube das “Ölglas” hat ca. 15€ gekostet.

Wie viel Koffein hat ein Cold Brewed Coffee?

Das ist eine gute Frage, mit der ich mich gerade eine Zeit beschäftigt habe. Ich habe in Foren und Blogs gelesen und Experten befragt. Dort, wo Angaben gemacht wurden, habe ich versucht valide Quellen zu bekommen. Mir scheint die Antwort auf der Hand zu liegen: so genau weiß das keiner.

In meiner subjektiven Wahrnehmung handelt es sich beim Cold Brewed Coffee um ein Getränk mit mehr Koffein, als bei einem konventionellen Handfilterkaffee.

Es gibt weitere anekdotische Evidenz dafür, dass dieser Kaffee besonders stark ist. Es gibt Berichte über überquellende Lebensfreude und schlaflose Nächte.

Hier ein paar Überlegungen:

Mit einem Refraktometer / TDS Meter ist es möglich Vergleichsmessungen mit dem Wasser und dem entstandenen Kaffee zu machen. Damit kann aber nur getestet werden, was sich insgesamt gelöst hat – wie der Zusammenhang zur Koffeinmenge ist, kann so nicht herausgefunden werden.

Meine Überlegung war, dass beim Handfilter oder Espresso ca. ¼ der Koffeinmenge aus den Bohnen ausgelöst wird.

In Wasser ist aber extrem viel mehr Koffein löslich. Je heißer das Wasser, desto mehr. Aber auch schon bei Zimmertemperatur 20g pro Liter. Also viel mehr als in jedem Kaffee jemals drin sein wird.

Kaffein ist also wasserlöslich – bedeutet dann nicht eine sehr lange Kontaktzeit eine sehr hohe Koffeinauslösung? Oder kann das heiße Wasser so schnell mehr Koffein auslösen?

Also ist die Frage, wie sich die Parameter ZEIT und TEMPERATUR in ihrer Fähigkeit das Koffein aus der Bohne in den Kaffee zu lösen, verhalten.

Wenn wir davon ausgehen, dass in Kaffee 1,3% mg Koffein in den Bohnen enthalten sind und 100% ausgelöst werden, sind es bei 0,1L =130mg als Maximum (bei einem handgefilterten Kaffee sind es ca. 0,1L=57mg Koffein) Jeweils bei einer Kaffeemenge von 10g . Also muss der Wert zwischen 0 und 130mg rangieren. Ich vermute es wird mehr Koffein ausgelöst als bei einem herkömmlichen handgefilterten Kaffee.

Gibt es Chemiker die mehr dazu sagen können?

Gibt es eine praktikable Möglichkeit das zu testen?

 

5 Kommentare
  • Susanne Steinbeck
    2 October, 2015

    Tolle Informationen rund um kalten Kaffee brauen. Setze ich gleich in die Tat um.Danke

  • Sabine
    31 December, 2015

    Bei uns steht das erste Schraubglas mit Kaffee-Wasser-Mischung. Morgen gibt es dann den ersten cold brew, wahrscheinlich mit heissem Wasser aufgegossen.
    Alles Gute fürs neue Jahr und danke für die guten Tipps!
    Liebe Grüße
    Sabine

  • Marion Rieke
    18 April, 2016

    Hallo Arne,
    mittlerweile habe ich verschiedene Zubereitungen für Cold Brew Coffee gelesen. Bei einigen wird das komplette Wasser auf einmal zum Kaffee gegeben; bei anderen
    läuft es ganz langsam tröpfelnd durch. Dann wieder werden Eiswürfel benutzt.
    ??????????
    Jetzt habe ich die Frage an Dich: Kommt man bei allen diesen verschiedenen Möglichkeiten zum selben Ergebnis?

    LIebe Grüße

    Marion Rieke

  • Arne
    19 April, 2016

    Hallo Marion,

    es gibt “Cold Brew Coffee” hier ist das Kaffeepulver die gesamte Zeit mit dem Wasser in Verbindung. Dann gibt es noch “Cold Drip Coffee”. Bei dieser Variante tropft das Wasser langsam durch das Kaffeepulver. Eine Variante davon ist mit Einswürfeln.

    “Cold Brew Coffee” ist die einfachere Variante mit sehr guten Ergebnissen. Es gibt unterschiede im Geschmack, aber ich würde diese ausprobieren. Wie das geht habe ich im Artikel beschrieben.

    Viele Grüße, Arne

  • Marion Rieke
    19 April, 2016

    Hallo Arne,

    vielen Dank für Deine schnelle Antwort!
    Wie heißt es so schön? Probieren geht über Studieren!

    LIebe Grüße nach Berlin

    Marion

  • Silke
    16 May, 2016

    Hallo Arne,

    toll beschrieben. Ich hab mir das nach der Methode “Kaffe in kaltes Wasser und einen Tag warten” im letzten Sommer mehrmals zubereitet. Das Ergebnis ist fantastisch. Ich trinke das Konzentrat gern mit Milch.
    Ein Problem gibt es aber doch und das ist das abseien. Dabei verbrate ich immer mehrere Papaierfilter (oder Tücher), weil die sich immer wieder mit dem feinen Mehl zusetzen und dann kein Wasser mehr durchgeht. Das Ganze ist immer eine Riesenschweinerei, die ich nur um des Ergebnisses willen in Kauf nehme. Hast du einen Tipp?

    Liebe Grüße, Silke

  • Arne
    16 May, 2016

    Hallo Silke, genau das Problem kenne ich. Meinen ersten Cold Brew habe ich in einem Weckglas gemacht und dann im Handfilter gefiltert. Das Kaffeepulver löst sehr feine Partikel über die lange Zeit im Wasser und verstopft den Filter sehr schnell. Weil mir das zu aufwändig war habe ich einfach eine French Press genutzt. In der habe ich dann sozusagen vorgefiltert aber immer noch einen Handfilter genutzt. Das war schon besser aber immer noch zu aufwändig. Seit einem Jahre habe ich einen Hario Cold Brew Coffee Pot. Ich bin noch nicht dazu gekommen über den zu schreiben. Er ist aber eine wunderbar Lösung und auf einen Schlag gibt es keine Riesenschweinerei mehr :) Viele Grüße aus Berlin, Arne

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