Rommelsbacher EKM 200 Test 2022: Eine günstige Kaffeemühle meistert den Widerspruch

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Das gilt sogar im Kaffeemühlen Test 2022. Normalerweise kostet eine hochwertige (brauchbare) Mühle für Kaffee oder Espresso mindestens 100 Euro. 

Rommelsbacher EKM 200 Kaffeemuehle Uebersicht mit Arne

Zu jeder Regel gibt es eine Ausnahme. Das gilt sogar im Kaffeemühlen Test 2022. Normalerweise kostet eine hochwertige (brauchbare) Mühle für Kaffee oder Espresso mindestens 100 Euro. 

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine Kaffeemühle weit unter 100 Euro, die auch noch ein Scheibenmahlwerk besitzt, kein gutes Angebot sein kann und höchstens rumpeliges Kaffeepulver produziert.

Die Rommelsbacher EKM 200 in Schwarz für einen Preis unter 50 Euro löst diesen Widerspruch garantiert nicht vollständig auf. Aber sie meistert ihn.

Sie hat kein Barista-Niveau, ist ganz sicher kein Testsieger und nicht einmal die beste Alternative zu einer guten Handmühle. Aber das will sie auch gar nicht. Sie richtet sich an Kaffee-Anfänger, die den ersten Schritt in die richtige Richtung gehen wollen. 

Das Mahlergebnis kann überzeugen – wenn wir die Profi-Brille abnehmen, ein bis zwei Augen zudrücken und uns fragen, was eine solch günstige Kaffeemühle erreichen soll und will.

Die Antwort findet ihr in diesem aktualisierten Erfahrungsbericht zu einem Modell, das (ein bisschen) mehr kann als irgendwie Kaffee mahlen.

Perfekt für Einsteiger

Rommelsbacher EKM 200

Gut für den Einstieg in frischen Kaffee.

Sehr günstig

Sehr einfache Bedienung

Gute Einstellbarkeit

Relativ homogene Mahlergebnisse

Statische Aufladung

Etwas komplizierte Reinigung

KategorieEintrag
NameRommelsbacher EKM 200
MahlwerkScheibenmahlwerk Edelstahl
Mahlgrade9 (18)
GehäusematerialKunststoff
Mahlleistung-
Größe des Bohnenbehälters250 g
AbschaltautomatikJa
DisplayNein
Grind-on-TimeNein
Grind-on-DemandNein
SiebträgerhalterungNein
Gewicht1,4 kg
Maße18,0 x 10.5 x 26.5 cm

Rommelsbacher EKM 200 im Preisvergleich: Mahlgrad-Messlatte für die Einstiegsklasse?

Nüchtern betrachtet ist die EKM 200 ein kompakter Haufen Kunststoff in Schwarz, der genauso aussieht, wie man sich eine supergünstige Kaffeemühle vorstellt:

Ihr erhaltet einen großen Behälter für die Bohnen, einen ebenso großen Behälter für das fertige Kaffeepulver und dazwischen eine Mühlenkonstruktion, die aufs Rudimentäre zusammen gedampft ist: neun Einstellungen für den Mahlgrad, Mengendosierung über Tassenportionen von zwei bis zwölf.

Rommelsbacher EKM 200 Mahlmenge einstellen

Die Einsteiger-Qualität der Kaffeemühle zeigt sich insbesondere am riesigen Einschaltknopf, der aussieht, als wäre er für Deppen gemacht. So nach dem Motto „HIER drücken, du Blindfisch!“ Auch die Rädchen für die Einstellungen von Füllmenge und Mahlgrad sind idiotensicher groß.

In diesem Grundaufbau ähnelt die Rommelsbacher anderen Verkaufshits dieser Preisklasse – von der Melitta Molino bis zu Varianten von Rosenstein & Söhne oder anderen Marken.

Rommelsbacher wirbt dabei mit einem Scheibenmahlwerk, das die Kaffeebohnen besonders schonend und präzise mahlen soll. Ob das stimmt, sehen wir gleich. Selbst Laien sollten nämlich zumindest stutzig werden, wenn auch die hauseigenen Konkurrenten in den höheren Preisklassen „nur“ ein Kegelmahlwerk mitbringen. 

Rommelsbacher EKM 200 vs. EKM 300

Grundsätzlich solltet ihr alle Rommelsbacher Kaffeemühlen mit einer kleineren Modellzahl als 200 komplett ignorieren. Die EKM 100 bzw. 150 besitzen nur ein Schlagmesser als „Mahlwerk“. Das ist ungefähr so, als würdet ihr mit einer Machete eine Frisur schneiden – von Präzision keine Spur.

Die Rommelsbacher EKM 300 ist als nächsthöhere Alternative zur EKM 200 schon interessanter. Sie besitzt Kegel, hat zwölf Mahlgrad-Stufen und kann „nur“ bis zu zehn Tassenportionen Kaffee auf einmal mahlen.

Sie kostet um die 70 Euro und versucht, in ihrem Aufbau und Design an hochwertigere Kaffeemühlen wie die Baratza Encore heranzukommen. Ganz ehrlich – kommt sie nicht. 

Investiert lieber rund 50 Euro mehr und holt euch fast viermal so viele Mahlgrade und eine wirklich individuelle Kaffeemehl-Dosierung.

Rommelsbacher EKM 200 vs. EKM 500

Die Rommelsbacher EKM 500 versucht sich mit Siebträger-Halterung und 39 Mahlstufen als Espressobohnen-Mühle. Die EKM 200 tut gar nicht erst so, als könnte sie den feinen Mahlgrad, der für Espresso notwendig ist, erreichen. Zumindest nicht in ihrem Aufbau mit Auffangbehälter. 

Zur 500-Mühle habe ich noch keine Meinung. Sie bringt für rund 100 Euro nicht nur den Espressomühlen-Aufbau mit, sondern auch eine integrierte Kaffeewaage, ein Display und sogar Grind-on-Time.

Das klingt zumindest in der Theorie nach Schnäppchen-Potenzial. Doch bei einer Kaffeemühle zählt immer das Mahlergebnis und damit die praktische Rezension. Alles andere fällt im Vergleich überhaupt nicht ins Gewicht.

Das Scheibenmahlwerk: Klares Argument für Geschmack und Kaufempfehlung?

Insbesondere im Kaffeevollautomaten Test mache ich immer wieder den Vergleich zwischen Kegel- und Scheibenmahlwerk auf. Die Essenz meiner Bewertungen: Ein Kegelmahlwerk aus Edelstahl hat genauso Vor- und Nachteile wie ein Scheibenmahlwerk aus Keramik.

Rommelsbacher EKM 200 Mahlwerk

In der EKM 200 Kaffeemühle steckt zwar auch ein Scheibenmahlwerk, aber hier ist es aus Stahl. Das widerspricht dem üblichen Gegensatz und wirkt sich damit auch auf das Verkaufsargument aus.

Eine Keramikscheibe kann Kaffeebohnen meist extrem fein und gleichmäßig mahlen. Das Material sorgt für eine geringere Hitzeentwicklung und damit mehr Aroma. Sind die Scheiben aus Edelstahl, erhalten wir theoretisch ein geschmacksärmeres Ergebnis – und der Mahlvorgang ist generell lauter.

Aber: Stahl ist robuster und langlebiger, die Mühle kann also bei halbwegs anständiger Bedienung und Reinigung lange durchhalten. Die Vorteile von Scheiben als Mahlwerk kann die EKM 200 trotzdem ausspielen. Zumindest auf dem Papier.

Denn am Ende kommt es darauf an, wie feinteilig ihr bei der Mahlgradeinstellung vorgehen könnt. Dabei setzt euch dieses Modell klare Grenzen.

Auch wenn der Hersteller in den Stufen 1 und 2 „Extra-Feines“ Kaffeemehl verspricht, das für Espresso funktioniert, stimmt das nicht.

Nicht nur, weil ihr die Mahlscheiben nicht nah genug zusammenbringen könnt. Sondern auch, weil der Motor weniger Power hat, die Mahlscheiben zu klein sind und nicht versenkte Schrauben die Homogenität behindern.

Damit disqualifiziert sich die Rommelsbacher EKM 200 von Haus aus als Espressomühle, hat aber noch alle Chancen auf eine gute Bewertung als Angebot für gröbere Mahlgrade Richtung Filterkaffee, Chemex oder French Press.

Wenn wir echten „Kaffeestaub“ ignorieren und in den gröberen Mahlgraden nach Kaufargumenten suchen, ist die EKM in der Praxis sogar noch ein bisschen besser als auf dem Papier. Denn die neun Hauptstufen lassen sich am Einstellrad in Zwischenschritte unterteilen.

In meinem ursprünglichen Testbericht habe ich jeweils sieben Unterstufen identifiziert, die die Gesamtrange auf 63 Positionen verbessern. 

Allerdings zeigt sich, dass diese Zwischenstufen größtenteils keinen Effekt auf die Bohnen haben. Die Halbschritte hingegen schon. Für die French Press steht die EKM 200 zum Beispiel auf 5,5 relativ gut. 

Wir kommen also realistisch bei 18 Stufen raus. Das ist für Handfilter, Filterkaffee in der Maschine oder eben die French Press völlig ausreichend.

Rommelsbacher EKM 200 im Einsatz: Idiotensichere Handhabung, zufriedenstellendes Ergebnis

Wer keine Ahnung von der Dosierung für verschiedene Arten der Kaffeezubereitung hat, wird sicher nicht merken, dass die Tassen-Portionierung der Kaffeemühle nervt. Denn die Dosierung entspricht ungefähr den üblichen Angaben einer klassischen Kaffeemaschine.

Rommelsbacher EKM 200 Mahlgrad einstellen

Wer Ahnung hat, wird sich diese EKM sowieso nicht kaufen. Es sei denn, er möchte eine günstige Zweit- oder gar Drittmühle. Dann sollte er wissen, dass ein Doppeltassen-Bezug ziemlich genau 14 Gramm Kaffee entspricht – exakt der Standard-Angabe für alle Zubereitungsmethoden jenseits von Espresso.

Wer will (und die Muße hat), kann den Bezug auch über den Start-Stopp-Button abbrechen und so individuelle Portionen mahlen. Ob der Motor das auf Dauer aushält, steht auf einem anderen Blatt.

Unbestritten ist jedoch, dass das Mahlwerk mit einer hohen Lautstärke an die Arbeit geht und dabei etwas rachitisch klingt. Der Sound deutet auf das Preissegment hin – der Kunststoff als Hülle tut sein Übriges.

Dieser Kunststoff ist auch der Grund für eine intensive statische Aufladung. Insbesondere im Behälter mit „Aroma-Schutzdeckel“ bleibt viel Kaffeemehl kleben. In der Mühle selbst sieht es kaum besser aus.

Auf der Haben-Seite ist das Kaffeemehl in jeder Einstellung recht gleichmäßig, wenn auch nicht perfekt. Das habe ich aber auch nicht erwartet – siehe „Preis-Leistungs-Verhältnis“.

Unterm Strich kann ich mich den vielen Bewertungen zur Rommelsbacher EKM 200 fast uneingeschränkt anschließen: Der Aufbau, die Handhabung und die Funktionen machen sie zu einer Einsteigermühle mit Empfehlungscharakter, deren Grenzen im täglichen Einsatz schnell klar werden. Aber wenigstens braucht ihr zur Benutzung keine Bedienungsanleitung.

Die Reinigung: Ganz auf Kundenlinie

Man muss dieser Mühle unabhängig von den Bewertungen lassen, dass sie ihre Zielgruppe nie aus dem Blick verliert. Nicht einmal bei der Reinigung. 

Ihr erhaltet einen Reinigungspinsel und könnt den oberen Mahlstempel mit ein wenig Fummelei aus dem Mahlwerk nehmen.

Der Auffangbehälter nebst Deckel darf problemlos in die Spülmaschine, das Bohnenfach müsst ihr per Hand auswischen. Weil es so groß und geräumig ist, ist das jedoch kein Problem.

Rommelsbacher EKM 200 Mahlgut Behälter

Wenn ihr diese Mühle nicht zerlegen und mit dem Pinsel reinigen wollt, könnt ihr mit einem Reinigungsgranulat ans Werk gehen, das ihr bei Media Markt, Saturn und überall sonst erhaltet. 

Die meisten Kunden bevorzugen diese Methode, sollten sich aber klarmachen, dass die Reinigung dann nur grob bleibt und viel Mahlgut im Inneren der Mühle vor sich hin ranzen kann.

Für wen ist die Rommelsbacher EKM 200 gedacht?

Schon eine nur halbwegs vernünftige Kaffeemühle ist besser als gar keine Mühle. Die Rommelsbacher EKM 200 ist in dieser Hinsicht ein perfekter Einstieg in die Welt von frisch gemahlenem Kaffee und handwerklich durchdachten Varianten der Zubereitung.

Perfekt für Einsteiger

Rommelsbacher EKM 200

Gut für den Einstieg in frischen Kaffee.

Sehr günstig

Sehr einfache Bedienung

Gute Einstellbarkeit

Relativ homogene Mahlergebnisse

Statische Aufladung

Etwas komplizierte Reinigung

Sie gleicht eine mangelnde Erfahrung mit dem richtigen Grad an Automatisierung aus, liefert eine ziemlich exakt dosierte Kaffeemenge und Drehwähler ohne Missverständnisse. Für Espresso aus dem Siebträger ist sie überhaupt nicht geeignet – aber dafür auch nicht gedacht.

Dafür müsstet ihr zum Beispiel Richtung Graef CM 800 gehen, die allerdings mehr als doppelt so viel kostet und in mancher Hinsicht eine durchwachsenere Rezension erhält – einfach, weil wir von ihr mehr erwarten.

Eine bessere Alternative zur EKM 200 ist die Baratza Encore, die ebenfalls dreimal teurer ist, aber im direkten Vergleich auch dreimal mehr kann.

Ihr habt schon viele Meinungen zu meiner EKM-Rezension abgegeben. Ich freue mich auf weitere Kommentare! Habt ihr noch Tipps auf Lager oder kennt Tricks fürs Einstellen für verschiedene Zubereitungsarten? Lasst es uns wissen!

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