PourX Oura Test: Wenn die digitale Kaffeewaage zum Barista-Guide wird

Moin! Ich bin Arne. Nach einigen Jahren als Barista habe ich mich einer Mission verschrieben: mehr guten Kaffee unter die Leute zu bringen. Dafür stellen mein Team und ich eine breite Wissensbasis zum Thema Kaffee für euch bereit.

Wie wir testen | Unser Team

Normalerweise halte ich nichts von Geräten, die mir neben ihrer eigentlichen Aufgabe noch irgendwelche Gimmicks andrehen wollen. 

Normalerweise halte ich nichts von Geräten, die mir neben ihrer eigentlichen Aufgabe noch irgendwelche Gimmicks andrehen wollen. 

Bei Kaffeewaagen ist diese Aufgabe klar: Wir wollen eine punktgenaue Erfassung der aktuellen Kaffeemenge – ob als Pulver oder Flüssigkeit.

Die Pourx Oura Kaffeewaage will uns nebenbei zum perfekten Barista erziehen. Mit einer Lichtshow und Soundeffekten sagt uns diese Coffee Scale, wann wir beim Handfilter und anderen Pour Over-Varianten Wasser aufgießen oder warten sollen, wann wir zu schnell sind oder genau richtig liegen.

Das klingt zunächst wie eine reine Gimmick-Idee, die den hohen Preis rechtfertigen soll. Doch ich gebe gern zu, dass diese Funktionalität sehr viele Vorteile hat und Spaß macht.

Das Smartphone-kompatible Gerät mit App besitzt jedoch auch einige Macken. Diese werfen die Frage auf, was am Ende von der Preisgestaltung übrig bleibt. 

Die PourX Oura wurde mir von Captn Coffee aus Hamburg zur Verfügung gestellt. Das hat auf meine Bewertung natürlich keinen Einfluss – wie immer.

PourX Oura im Überblick: Genauigkeit & schickes Design

Wenn ich das Internet richtig interpretiere, ist die PourX Oura aus Kunststoff und Aluminium in Space Black eine Erfindung aus Taiwan. Das dazugehörige Unternehmen oder Start-up hat nur diese Waage mit lichtgesteuertem Brewing Guide im Angebot.

VORTEILE

  • Sehr präzise und punktgenau
  • Unterstützt beim perfekten Aufgießen
  • Hochwertige Digitalwaage für alle Pour-Over-Zubereitungen

NACHTEILE

  • Preis
  • App bisher nicht wirklich brauchbar

Diese hat 2021 den IF Design Award kassiert und sieht mit ihren abgerundeten Ecken und dem sleeken digitalen Look tatsächlich „designt“ aus.

KategorieEintrag
NamePourX Oura
Wiegebereich in g0,1 bis 2000
Messgenauigkeit in g0,1
TimerJa
StromzufuhrLithium-Ionen-Akku (USB-Anschluss)
WasserabweisendNur mit Sonderzubehör
FunktionenLichtlenkung, Soundunterstützung, Brühkurven speichern (App), Timer, Auto-Tara
Empfohlen fürPour Over, Handfilter, French Press, Chemex
AbschaltautomatikJa
Maße in cm15,0 × 15,0 × 2,2
Gewicht in g375

Die Oura besitzt drei generelle Modi – Licht, Aufgießen, Wiegen – die ihr über eine gute lesbare Digitalanzeige und natürlich über den umlaufenden LED-Ring ablesen könnt. Außerdem meldet sie sich mit Soundeffekten zu Wort – beim Einschalten, beim Gießen und beim Einstellen der Funktionen:

  1. Light-Guide: Der Lichtlenkmodus ist das zentrale Verkaufsargument und funktioniert wie ein soundunterstütztes Ampelsystem: Erfasst die Waage einen Wasserdurchfluss, sagt sie euch für verschiedene Röstungen und Zubereitungsmethoden, wann ihr Wasser aufgießen sollt (grün), wann ihr fürs Blooming etc. warten sollt (rot) und wann es Zeit zum Umrühren ist (lila).

  2. Wiegemodus: Hier verwandelt sich die PourX Oura in eine „einfache“ Kaffeewaage mit gewohnt begrenzter Tragkraft bis 2 Kilogramm und einer Genauigkeit von 0,1 Gramm.

  3. Übergießmodus: Wollt ihr keine Lichtshow, aber benötigt Angaben zur Flüssigkeitsmenge und einen Timer, ist dieser Modus der richtige für euch.

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Das Ganze wird durch eine App für Android und iOS ergänzt. Hier könnt ihr Brührezepte speichern oder auf eine Rezeptdatenbank zurückgreifen, die von verschiedenen internationalen Röstern für ihre Kaffeebohnen hinterlegt wurden. Fehlt es der Waage an Saft, könnt ihr sie per USB aufladen.

All das ist ziemlich smart und kostet euch rund 250 Euro. 

Ist das viel? Ja. 

Ist das zu viel? Kommt darauf an. 

Das Maß aller digitalen Waagendinge ist für mich momentan die Acaia Lunar, die rund 300 Euro kostet. Sie ist kleiner (also auch perfekt für die Siebträgermaschine) und supersmart. 

Mit ihrer ausladenderen Größe (und dem Namen) macht die PourX direkt klar, dass sie eher für Filtermethoden gedacht ist – das ergibt angesichts ihrer Funktionalität natürlich auch Sinn. Bleibt also die Preisfrage.

Perfekter Pour Over nach Ampelschaltung? PourX Oura im Einsatz

Größe und Gewicht der PourX deuten schon beim Auspacken auf standfeste Qualität. Ihr bekommt sie jedoch kaum auf ein Abtropfgitter von Siebträgern oder Kaffeevollautomaten. Das finde ich ein bisschen schade, weil Allrounder-Qualitäten immer von Vorteil sind.

Doch der wichtigste Testaspekt ist sowieso das Lichtleitfeature. Obwohl eine Kaffeewaage natürlich zuallererst mit ihrer Genauigkeit und Anwenderfreundlichkeit überzeugen muss, gäbe es sonst kaum einen Grund für die PourX-Existenz, oder?

Braucht man die App?

Ich sehe keinen Grund, für jeden Scheiß das Handy rauszuholen. Vor allem nicht bei eigentlich mechanischen Vorgängen wie dem Abwiegen. 

Bei der PourX kommen jedoch die Brühguides ins Spiel, die sich nun mal nur über die App in ihrer ganzen Vielfalt präsentieren. Oder es zumindest sollen.

Nachdem ihr euch zwingend einen Account erstellt habt, müsst ihr euer Mandarin aufpolieren. Die meisten Menüpunkte sind (noch) nicht übersetzt – und können teilweise nicht ausgewählt werden. 

Mit etwas Rumklicken findet ihr eine Rezeptliste und könnt OR-Codes zu Röstprofilen scannen. Auch hier zickt die App, ich muss mein Rezept zweimal herunterladen. 

Trotz aller Bemühungen kann ich euch jedoch nicht sagen, ob das Aufzeichnen oder Brühen nach Appvorgabe funktioniert. 

Denn nach dem Pairen über Bluetooth passiert einfach gar nichts im Brew-Guide-Rezepte-Fenster. Kompatibilität? Konnektivität? Das sieht anders aus. Braucht es also die App? Erstmal nicht.

PourX Oura App Startseite
PourX Oura App Homemenue
PourX Oura App Vorauswahl Rezept
PourX Oura App Rezept

Wiegen & Brühen mit Licht & Sound: Show mit Sinn

Ähnlich buggy wie die App ist auch der Quickstart-Guide. Hier werden einfach falsche Angaben dazu gemacht, wie ihr zwischen den Funktionsmodi hin- und herschaltet. Auch hier habe ich ein wenig rumgeklickt und die Lichtsteuerung am Ende doch noch gefunden – nach dem Einschalten einfach auf die linke Touchtaste drücken statt auf beide!

Dieser Modus wird euch mit einem weißen LED-Ring angezeigt. Die Waage verfügt über drei einprogrammierte Guides – Sour, Balanced und Strong. Die Unterschiede liegen in der jeweils empfohlenen Durchflussmenge und -geschwindigkeit des Wassers. Ich habe mich im Test für Balanced entschieden und einen Handfilter-Kaffee in einer Hario-Kanne zubereitet.

Bis ihr die Töne und Lichter eurer Waage genau versteht, braucht es sicher mehr als einen Testdurchlauf. Doch ihr findet ziemlich schnell heraus, dass die PourX wirklich daran interessiert ist, besseren Kaffee zu machen.

Für jeden Zustand (genau richtig, zu schnell, zu langsam, warten) hat der Ring ein eigenes Lichtsignal. Macht ihr alles richtig, rotiert das gründe Licht gemütlich um den Waagenrand. Seid ihr zu schnell, blinkt der Ring. Wenn ihr warten sollt, wechselt die Waage zu rot usw.

Damit ihr immer einsatzbereit seid, zählt die Waage außerdem mit einem akustischen Countdown runter, wann es mit dem Gießen weitergehen soll oder wann es Zeit zum Aufhören ist.

Auch wenn wir diskutieren können, ob es diese Funktion tatsächlich braucht, macht sie total Spaß. Ich habe mal eine Stoppuhr mitlaufen lassen: Die Phasen entsprechen wirklich den üblichen Rezepten zu Pour-Over-Methoden.

Eben weil ihr jedoch nicht mehr auf die Zeit oder eure Gießmethode achten müsst, macht euch die PourX tatsächlich zum Barista. Zumindest zu einem entspannteren Barista. 

Wiegen & Brühen ohne Licht & Sound: Einfach eine gute Waage

Habt ihr genug von Licht und Sound, könnt ihr die PourX auch als herkömmliche Waage mit Timer, Auto-Tarieren und zum einfachen Wiegen nutzen. Doch auch hier spielt die totale Digitalisierung ihre Stärken aus.

Die Angaben in 0,1-Gramm-Schritten sind nicht nur ausgesprochen präzise, sie werden auch auf den Punkt genau angezeigt. Jedes Kaffeekörnchen und jeder Tropfen Wasser werden sofort erfasst, ohne dass die gut lesbare Anzeige schwankt oder „nachschleift“.

Allein diese saubere Messung ist ein guter Grund für eine Empfehlung, schließlich ist dies bei Barista-Waagen viel wichtiger als die digitale Erfassung irgendwelcher Brühdaten oder eine lustige Lightshow.

Für wen ist die PourX Oura geeignet?

Die Pourx Oura Kaffeewaage ist zwar eine sehr eigenständige Idee, muss sich aber dennoch mit Modellen wie der Acaia Lunar messen. Es geht um Profipreise für Profigenauigkeit

PourX Oura Ueberblick

In dieser Hinsicht muss sich die flashy Pourover-Waage von Pourx absolut nicht verstecken. Auch wenn ihre Größe leider nicht zu Espresso passt, ist sie innerhalb ihrer 2-kg-Range mühelos in der Lage, sich mit anderen Präzisionswaagen zu messen.

Wenden wir uns dem Alleinstellungsmerkmal zu – also der Lichtanleitung nebst Smartphone-Anbindung – ist noch Luft nach oben. 

Das System an sich ist klasse, die Anleitung ist sinnvoll und ihr erhaltet eine bessere Tasse Profikaffee. Die App ist bisher eine sinnlose Katastrophe und geht mir auf die Nerven. 

Aber da es ohne sowieso besser geht, kann sich die PourX in meinem Kaffeewaagen-Test 2024 überraschend gut behaupten, obwohl sie weiterhin gimmicky wirkt.

Ich glaube, dass es bis zur echten Marktreife noch ein oder zwei Überarbeitungen geben wird. Daher solltet ihr selbst entscheiden, ob ihr euch diese Waage für alles außer Espresso schon jetzt in die Küche stellen wollt.

Wie seht ihr das? Ich freue mich auf eure Kommentare!

Dein Kaffee-Experte
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Arne Preuss

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