Schwarzwild Café Crème Test: Pflicht und Kür

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

In meiner neuen Runde an Kaffeebohnen Tests habe ich mich mal von den Ultra-Specialty Coffee-Angeboten verabschiedet und mir Kaffees bestellt, die euch überall als besondere Angebote begegnen, aber hauptsächlich über große Plattformen laufen.

In meiner neuen Runde an Kaffeebohnen Tests habe ich mich mal von den Ultra-Specialty Coffee-Angeboten verabschiedet und mir Kaffees bestellt, die euch überall als besondere Angebote begegnen, aber hauptsächlich über große Plattformen laufen.

Darunter sind nicht nur ausgemachte Supermarktkaffees (zu denen es sehr bald viele Tests geben wird, wie von euch gewünscht!), sondern auch ausgewiesene Handröstungen. Eine davon ist der Schwarzwild Café Crème, den ich im Rahmen eines Testpakets gekauft habe.

Espresso Mehrzahl

Dieser Kaffee mit muckeliger Aufmachung, die Heimatliebe mit etwas Ironie zelebriert, macht in der Pflicht alles richtig. Mir persönlich fehlt es nur ein wenig an der Kür, also dem letztendlichen Argument, warum er aus der Masse heraussticht.

Einmal mehr bin ich mir mit den Kaffeetestern des Crema Magazins etwas uneins, welche die Rösterei aus dem Schwarzwald 2013 zum Röster des Jahres ernannt haben. Wiederum gilt – wie auch beim Fortezza Länderkaffee Indien – eine Röstung macht noch keinen Röster, 2013 ist nicht 2019.

Anders als beim Fortezza ist bei der Schwarzwälder Mischung aber auf jeden Fall handwerkliche Sorgfalt und eine saubere Geschmacksorientierung zu erkennen, die viele von euch angenehm durch den Alltag schicken dürfte.

Der Schwarzwild Café Crème im Überblick

EintragWert
RösterRösterei Schwarzwild, Freiburg
NameSchwarzwild Café Crème
Bohne90% Arabica, 10% Robusta
HerkunftslandGuatemala, Indien, Mexiko, Brasilien,
Herkunftsortk.A.
HandelswegImporteure
VarietätAntigua, Monsooned Malabar, Maragogype, Yellow Bourbon, Canephora
Ernteverfahrenk.A.
Aufbereitungk.A.
Trocknungk.A.
ZubereitungsempfehlungSiebträger, Vollautomat, Filterkaffee
RöstdatumApril 2019
MHD31.10.20
Füllmenge250 g
Preis pro kg in Euro
26,00

Die Freiburger Rösterei Schwarzwild hat zwar eine etwas nervig gestaltete Website, die aber mit einem Haufen Informationen bestückt ist und ein breites Angebot an Mischungen und Single Origins in petto hat.

Auch wenn es teilweise an klaren Aussagen zur Nachhaltigkeit fehlt, so wird doch gesagt, dass „wir die verarbeiteten Rohkaffees nach Möglichkeit auf die jeweilige Plantage zurückverfolgen können, um Ihnen und den Kaffeebauern zu garantieren, dass im Ursprung sozial und nachhaltig gearbeitet werden kann.“

Siegel oder ähnliche Dinge gibt es nicht, aber es klingt erst einmal so, als ob sich Inhaberin Andrea Jauch als Barista und Coffeologin (das Kaffee-Äquivalent zum Sommelier) wirklich Gedanken macht.

Der Schwarzwild Café Crème ist keine Signature-Mischung, zumindest kommt es mir nicht so vor. Aber „Mischung“ wird hier groß geschrieben: Ganze fünf Varietäten aus vier Herkunftsländern klingen erst einmal nach Beliebigkeit. Oder es droht zumindest die Gefahr, dass sich Geschmackstendenzen gegenseitig aufheben.

Schaut man genauer hin, kann aber zum Beispiel ein spritziger Inder das richtige Gegengewicht zu einem kräftigeren Vertreter aus Guatemala bilden, während ein gefälliger Brasilianer die Breitenwirkung sicherstellt.

Sehr angenehm fiel mir bei der Kaffeepackung auch ins Auge, dass die Rückseite transparent mit Röstdaten, Röstmeisterin, Chargennummer und Sorten versehen ist.

Mit einem zehnprozentigen Anteil an Robustabohnen schreit der Cafè Creme geradezu nach der Zubereitung im Siebträger, noch eher aber nach dem Kaffeevollautomaten.

Clever wie ich bin, habe ich eine Mischung aus beiden Geräten gewählt und den Schwarzwilder in der hybriden DeLonghi La Specialista getestet. Das hatte die Bewandtnis, dass ich die Maschine sowieso gerade getestet habe und mit unterschiedlichsten Röstungen experimentieren wollte.

Ich habe zunächst einen Espresso mit der klassischen „7 g Kaffee zu 25 ml Wasser“-Brew-Ratio zubereitet, bin aber dann schnell dazu übergegangen, einen „Kaffee“ zu machen.

Dazu jagt die Maschine rund 100 Milliliter durch den 7-Gramm-Kaffeepuck, was auch der klassischen Filterkaffee-Einstellung entspricht – nur eben hier im direkten Verfahren, ohne Filter und mit mehr Druck.

Diese Einstellung hat dem Café Crème tatsächlich geschmacklich am besten getan. Ich persönlich bin kein Fan von Robusta aus dem Handfilter, aber der geringe Anteil in dieser Mischung dürfte dennoch kein Problem sein, wenn ihr es ausprobieren wollt.

Bohnenbild

Ich glaube, dass die einzelnen Varietäten einzeln geröstet und dann erst gemischt wurden. Denn die Bohnen sind jeweils in sich sehr sauber, haben im Zusammenspiel aber klare Farbabweichungen. Das sieht man auf den Bildern ebenfalls sehr deutlich.

Dieses Vorgehen ergibt natürlich Sinn, weil jede Bohne bzw. Herkunft und Varietät eine etwas andere Behandlung braucht, um ihren eigenen Charakter zu entfalten. Bruch oder andere Fehler habe ich jedenfalls nicht gefunden. Einige Bohnen sahen sogar aus wie gemalt (ohne h), was mir immer positiv ins Auge fällt.

Geruch

„Kaffee“ macht gemeinsame Sache mit „Getreide“ – Der Schwarzwild Café Crème riecht, wie ein klassischer Kaffee riechen sollte. Unter den beiden Hauptnoten macht sich eine aber auch eindeutige Süße breit, die angenehm in der Nase kitzelt.

Insgesamt ist der Duft aber wesentlich feiner, als wir dies zum Beispiel bei Supermarktvarianten kennen. Andersherum könnte man argumentieren, das Aroma ist etwas platt.

Über allem schwebte dennoch eine Duftnote, die sehr eigentümlich und köstlich war, die ich aber ewig nicht identifizieren konnte. Am Ende habe ich mich mit mir selbst auf „Toffifee trifft auf gebrannte Jahrmarktsmandeln“ geeinigt. Ich glaube, das kommt hin und zeigt auch, in welche Richtung es wirklich gehen soll: Schoko, Nuss, Süße und ein Hauch Würze.

Geschmack und Säure

Beim ersten Schluck hat mich der Schwarzwild Café Crème dann doch noch überrascht. Und zwar mit einer klaren Säure, die man im Duft so nicht erwartet hätte. Diese Säure ist sehr sauber, ich würde sie aber eher in die zitrische als die fruchtige Richtung schieben, die beide auf der Packung angekündigt werden.

Darüber dominiert die eindeutige Bitterschokoladen-Stilistik, die wirklich die Kraft entfaltet, die euch versprochen wird. Und obwohl die unterschiedlichen Komponenten für sich genommen jeweils sehr klar abgezirkelt sind, und sich keiner dem anderen unterordnet, funktioniert der Geschmack.

Dieser Geschmack ist aber eben auch kein fein gezeichnetes Gemälde, sondern eher ein Bauplan vom Reißbrett: gerade, akkurat, umsetzungssicher, doch ein bisschen ohne tiefe Inspiration.

Körper und Mundgefühl

Der Kaffee hat eine ganz leichte Adstringenz, erzeugt also ein leichtes Zusammenziehgefühl auf der Zunge. Das ist (mir) nicht unangenehm, sorgt es doch dafür, dass ihr vom Kaffee ein wenig herausgefordert werdet, wenn ihr ihn trinkt.

Ansonsten finde ich den Kaffee nämlich nicht so voll und körperreich, wie er angekündigt wird. Zwar hat er genug Präsenz, um sich zu behaupten und macht aus seinem Bitterstoff-Gerüst auch gefühlstechnisch keinen Hehl. Aber spätestens hier zeigt sich tatsächlich, warum die Rösterei von einer „milden Mischung“ spricht.

Abgang und Nachhall

Den Nachhall finde ich ausnehmend angenehm, auch wenn ich euch nur schwer sagen könnte, woran das liegt. Es ist eher ein Nachflimmern eines guten Kaffeegefühls, als dass der Kaffee ein klares Geschmacksecho hinterlassen hätte.

Damit setzt der Schwarzwild Café Crème tatsächlich aber die richtige Unterschrift unter seine Performance: freundlich, ordentlich, ein wenig charakterlos.

Fazit: Für wen ist der Schwarzwild Café Crème geeignet?

Wenn ihr einen zugewandten, sauber gerösteten und kräftigen Kaffee sucht, macht ihr mit dem Schwarzwild Café Crème ganz sicher nichts falsch.

Der Preis ist für die Leistung absolut gerechtfertigt und ihr unterstützt eine „echte“ Rösterei mit Menschen, die ein Gesicht und einen Namen haben.

Erwartet aber keine Offenbarungen oder einen Kaffee, der so viel Eindruck hinterlässt, dass ihr noch nächsten Monat davon schwärmt. Letztendlich gilt aber auch:

Alles, was euch auf der Website und Verpackung versprochen wird, wird zu fast 100 Prozent eingehalten. Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern zeigt, dass sich die Rösterei Mühe gibt, die Arbeit und den eigenen Stil ohne Wischiwaschi-Marketing zu verdeutlichen.

Von so viel Geradlinigkeit bin ich angetan, auch wenn der Kaffee bei mir am Ende keinen Testsieg erhalten würde.

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