DeLonghi La Specialista Espressomaschine – Hybrid für Engagierte & Gewohnheitstiere

Ich bin Arne Preuß und kämpfe für mehr hochwertigen Kaffee.

Noch im vergangenen Jahr habe ich euch angekündigt, dass die Hybrid-Automaten aus Espressomaschine und Kaffeevollautomaten zum nächsten großen Ding werden könnten. Und ich habe recht behalten.

Noch im vergangenen Jahr habe ich euch angekündigt, dass die Hybrid-Automaten aus Espressomaschine und Kaffeevollautomaten zum nächsten großen Ding werden könnten. Und ich habe recht behalten.

Nachdem ich euch die Gastroback 42612 S Design Espresso Advanced Pro GS als sehr guten Anfang gezeigt habe, krachte die Sage Oracle Touch als neuer Maßstab in der Crossover-Welt in die Läden.

Auch DeLonghi hatte bereits auf der IFA 2018 seine eigene Version unter dem Titel „La Specialista“ vorgestellt. Damals hatte das Vorführgerät noch ein paar Macken und war augenscheinlich noch nicht zu Ende entwickelt. Die arme Promoterin konnte jedenfalls nicht zeigen, wie der Kaffee aus der Maschine kommt.

Seit Mai 2019 ist die La Specialista nun zu haben und bei einem Preisschild von rund 800 Euro weit unter dem Sage-Niveau und leicht über der (zwischenzeitlich nicht mehr erhältlichen) Gastroback zu finden. Zum Testzeitpunkt gab es sie noch nicht bei Amazon, aber das dürfte sich bald ändern.

DeLonghi hat uns angefragt, ob wir die La Specialista testen wollen und uns dementsprechend ein Gerät zur Verfügung gestellt. Natürlich ändert das nichts an unserem Grundsatz: Wir testen ehrlich, knallhart und lassen uns nicht kaufen.

Im Grundsatz muss DeLonghi das Coffeeness-Urteil nicht fürchten: Die La Specialista ist eine gelungene Maschine, die euch echten Espresso und ausnehmend gelungenen Milchschaum bietet.

Allerdings müsst ihr dafür ein bisschen mehr von den einzelnen Faktoren eines guten Espresso verstehen bzw. gewillt sein, euch damit zu beschäftigen. Damit rutscht die La Specialista wesentlich näher an eine Espressomaschine als an einen Vollautomaten.

Das macht Spaß, wenn ihr Bock darauf habt, kann aber auch ein bisschen nerven, wenn ihr ständig neue Espressobohnen ausprobieren möchtet.

Darum bin ich überzeugt, dass die La Specialista eher bei Gewohnheitstieren Anklang finden wird, die sich für eine bestimmte Espresso- oder Kaffeeröstung entscheiden und weniger Lust auf Experimente haben.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine bester Espresso Dunkel

Denn wenn wir auf die eher professionell orientierte Consumer-Zielgruppe gucken, wird die ein paar Feinheiten vermissen. Welche das sind, seht ihr im Folgenden.

Die DeLonghi La Specialista im Überblick: Funktionen, Vorteile, Nachteile

In Sachen Optik lässt sich die La Specialista mit ihrem Mix aus Edelstahl und schwarzer Blende, altmodisch-modernen Knöpfen und der klassischen Druckanzeige als Mittelpunkt schonmal nicht lumpen.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Bedienpanel Gesamt

Das Gerät wirkt ausnehmend hochwertig, zumal es mit verträglichen 13 Kilogramm und einer relativ breiten Grundfläche sicher auf jeder Oberfläche steht.

Wie bei allen Hybriden ist die Maschine in zwei Zonen unterteilt: Links geht es ums Mahlen der Kaffeebohnen, ums Verdichten und Portionieren. Rechts befinden sich der Brühkopf, die (automatische) Milchschaumlanze und der Heißwasserauslass.

Der 250 Gramm fassende Bohnenbehälter lässt sich mit einem einfachen Klick-System auf das Edelstahlmahlwerk aufsetzen und auch wieder abnehmen. Ihr kommt also ohne Probleme direkt bis ans Mahlwerk heran und könnt es sehr gut reinigen bzw. beim Bohnenwechsel von Resten befreien.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Closeup Bohnenbehaelter

Das Mahlwerk meldet sich auch rechtzeitig per Leuchtsymbol auf der schwarzen Front, wenn der Inhalt nicht mehr für die nächste Portion reicht. Direkt am Behälter befindet sich auch die sechsstufige Mahlgradeinstellung, die ihr mit einem großen Schieberegler im laufenden Betrieb justieren könnt.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Mahlgradeinstellung

Mir fiel aber schon beim ersten Ausprobieren auf, dass dieser Regler ein bisschen viel Spiel hat und irgendwie nicht ganz hochwertig wirkt. Schon einmal ein Spoiler: Der Mahlgradeinstellung tut das nichts, das klappt leicht und die Mahlung ist auf Stufe 1 auch ausnehmend Espresso-tauglich.

Das Kaffeemehl kommt an der „Smart Tamping Station“ in den Siebträger, der dafür sicher in die Halterung geklickt werden muss. Das Verdichten funktioniert hier nicht wie bei Sage automatisch, ihr müsst dafür den Tamping-Hebel an der linken Seite betätigen. Dazu komme ich nachher noch einmal.

Wo die Sage Oracle Touch mit ihrem bunten Display eine klar funktionsstarke Richtung einschlägt, zeigt sich die DeLonghi La Specialista auf der Front sehr reduziert:

  • Einstellräder für Kaffeemenge und Kaffeegetränke
  • Knöpfe für Doppel-Mehlbezug, Spülen, Brühstart, Heißwasser, Individual-„Profil“

Die Profile und Kaffeegetränke sind im Grunde nichts weiter als unterschiedliche Einstellungen für die Wassermengenzufuhr bzw. für das Verhältnis von Brühen, Wasser und Espresso.

Ihr habt die Wahl für einen Espresso, den ihr zwischen vorbildlichen 25 und 90 Milliliter regulieren könnt. Voreingestellt sind 35 Milliliter. Der Kaffee jagt mehr Wasser (zwischen 50 und 120 Milliliter) durch den Kaffeepuck, der Americano brüht erst den Espresso und schenkt dann heißes Wasser nach. Da der Heißwasserauslass direkt neben dem Brühkopf sitzt, müsst ihr dafür nichts weiter verschieben.

Obwohl das im Vergleich zur Sage sehr weniger funktionsstark wirkt, macht die DeLonghi La Specialista keinen Hehl daraus, was bei einer Hybridmaschine zu tun ist: Ihr braucht eine bestimmte Form von Kaffee und müsst anschließend noch Milchschaum zubereiten (lassen). Mit den Grundrezepten könnt ihr faktisch sowieso alle „Kaffeespezialitäten“ bauen.

Allerdings zeigt euch die Sage, wie das geht, während sich die DeLonghi sagt: Ihr müsst wissen, was ihr tut. Das erklärt ein wenig auch die Zeigerskala für den Druck in der Mitte, die ein typisches Element professioneller Siebträgermaschinen ist.

Für die typische Zielgruppe von Hybriden ist sie aber – glaube ich – eher ein hübsches Gimmick. Denn die Maschine brüstet sich im Branding und Marketing gerade damit, dass bei allen wichtigen Dingen – Druck, gleiche Dosierung, Temperatur etc. – die Automatik greift.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Druckanzeige

Die Skala ist aber gut dazu geeignet, am Anfang das Zusammenspiel von Mahlgrad und Kaffeemenge zu kontrollieren. Dazu später mehr.

Ich persönlich bin ein großer Freund von so viel Eigenverantwortung und auch ein Fan reduzierter Maschinen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren. Mich beschleicht nur der Verdacht, dass ich im Endeffekt eine absolute Einsteiger-Siebträgermaschine vor mir haben könnte, bei der die Mühle nur deswegen dran gebastelt wurde, damit DeLonghi beim Hybrid-Trend mitspielen darf.

Es fehlt so ein wenig das letztendliche Kaufargument, wie es gerade bei der Sage vorhanden ist: Dort haben wir ein Gerät, das euch an die Hand nimmt und langsam dazu animiert, von der Automatik zum selbstständigen Arbeiten und Entdecken überzugehen.

Hier seid ihr von Anfang an stärker auf euch selbst gestellt und solltet zudem grundsätzlich wissen, wie man Kaffeemühlen bzw. Espressomaschinen einstellt und welche Kniffe bzw. Hinweise einen perfekten Espresso markieren.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Beste Einstellung Espresso

Dafür liegt der Preis aber weit unter dem Sage-Niveau, was die Kauflaune natürlich schneller anheizt. Der Lieferumfang ist dabei zwangsläufig etwas reduziert:

  • Siebträger plus Einzel-, Doppelsieb
  • Milchpitcher aus Edelstahl (super handlich!)
  • Entkalker
  • Teststreifen für Wasserhärte
  • Reinigungsbürste

Ich hätte mir dringend noch eine (standfähige) Knockbox zum Ausschlagen der gebrauchten Kaffeepucks gewünscht und vermisste auch einen Blindeinsatz für die Siebe, was euch die Tiefenreinigung der Brüheinheit erleichtert.

Die Betriebsanleitung in meinem Testgerät war noch eine Vorführversion, darum kann ich euch nicht genau sagen, ob darin alles so beschrieben ist, wie wir es brauchen. Aber mit ein bisschen Wissen (von dem ich ausgehe, dass es hier vorausgesetzt wird) braucht ihr kaum eine Anleitung.

KategorieEintrag
HerstellerDeLonghi
NameLa Specialista
ArtSiebträgermaschine mit eingebautem Kegelmahlwerk
(„halbautomatische Siebträgermaschine“)
MahlwerkEdelstahl
Voreingestellte GetränkeKaffee, Espresso, Americano
Individuelle GetränkeprofileNur Wassermenge
Größe Wassertank2,5 l
Wassertank entnehmbarJa
Größe Bohnenbehälter250 g
Steuerung/DarstellungKnöpfe, Display
Kaffees einstellbarJa
VorbrühfunktionJa
WasserfilterNein
MilchschaumautomatikJa
HeißwasserfunktionJa
GehäusematerialEdelstahl
Pumpendruck maximal
19 bar
Gewicht13 kg
Maße31,5 x 36,9 x 44,5 cm
Preis zum Kaufzeitpunkt799€ (Mai 2019)

Inbetriebnahme und Vorbereitung

Sobald ihr die Maschine an den Strom hängt und den Hauptschalter betätigt, erwachen auf der schwarzen Front der La Specialista Symbole zum Leben. Die sind sehr gut nachvollziehbar und sagen euch zum Beispiel, dass ihr das Tampen nicht vergessen sollt oder dass der Bohnenbehälter gleich leer ist.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Lieferumfang

Der Wassertank befindet sich auf der Rückseite der Maschine, lässt sich aber gut nach oben entnehmen. Mit 2,5 Liter ist er sehr geräumig. Obwohl ich das Gerät nicht nur im eigenen Test, sondern auch für den Check diverser neuer Espressobohnen genutzt habe, war der Tank noch nicht einmal zur Hälfte geleert.

Bevor ihr mit dem Einstellen loslegt, solltet ihr erst einmal alle wichtigen Auslässe spülen bzw. alle beweglichen Teile (Bohnenbehälteraufsatz, Siebträger, Siebe etc.) unter heißem Wasser abspülen.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Bohnenbehaelter Oben

Zum Spülen der Auslässe nutzt ihr den „Wassertropfenknopf“ auf der linken Seite, ihr könntet aber auch einen Kaffeebezug über OK starten. Auch der Heißwasserzufluss darf mit Druck auf den Teeknopf gern einmal durchgespült werden.

Die Milchlanze könnt ihr über den riesigen Drehknopf auf der rechten Seite kurz einmal mit heißem Wasserdampf flashen.

Vorteile

  • Hochwertiger Hybrid aus Vollautomat und Espressomaschine
  • Übersichtliche Einstellungsmöglichkeiten & Funktionen
  • Sehr guter Milchschaum ohne Gefrickel
  • Hervorragende Reinigung und Handhabung
  • Sehr leise

Nachteile

  • Verlangt mehr Engagement und Justierung

Espresso aus der La Specialista

Ich schiebe es auf die hohen Temperaturen am Testtag, dass ich ewig gebraucht habe, um die Mahlmengeneinstellung zu kapieren. Das Rad auf der linken Seite besitzt quasi zwei wichtige Bereiche – nur Tampen ohne Mahlen (zwischen den beiden Symbolen) und Mahlmenge als größter Teil der Skala.

Zuerst habe ich den Regler möglichst klein gestellt und mich gewundert, warum die Mühle nicht loslegt. Ich Depp. Der Siebträger ist dabei nicht das Problem, denn er lässt sich sehr gut einsetzen und rastet schon beim ersten Versuch sauber ein.

Nach der kleinen Verständnishürde habe ich die Mahlmenge erst einmal niedrig eingestellt. Der Siebträger war noch relativ leer, die Riffel an der Seite des Siebes waren sichtbar. Das ist laut Anleitungs-Mockup zu wenig, ich habe den Espresso in dieser Einstellung trotzdem gebrüht.

Folgerichtig war die Crema eine sehr blasse und sehr dünne Angelegenheit, die sofort zerfaserte. Also habe ich die Menge graduell immer weiter erhöht, bis ich ungefähr im oberen ersten Drittel der Skala fündig wurde.

Das Mahlwerk habe ich direkt am Anfang auf die erste Stufe gestellt und die Einstellung dann auch nicht mehr verändert. Die Mahlung war fein und gleichmäßig. Zum Einstellen habe ich übrigens den XO EFA Kaffee genommen – der sowieso für nichts anderes taugt.

Diese öligen Dunkelstbohnen brauchen einen wesentlich feineren Mahlgrad als hellere Versionen, was sich später bei den anderen Tests noch sehr deutlich zeigen sollte – dazu mehr im Schwarzwild Kaffee Test und im Angelique’s Finest Espressotest.

Ich muss gestehen, dass ich etwas frustriert war, dass die Mahlmenge mit der La Specialista so merkwürdig einzustellen ist. Die Skala gibt euch wenig Anhaltspunkte und der Knopf ist zu grobmotorisch, als dass man genau erfühlen könnte, wie viel denn nun gerade im Sieb landet.

Ich hatte irgendwann die Schnauze voll und habe meine Kaffeewaage herausgeholt, um mich dem Optimum von 7 Gramm Espressopulver anzunähern und die „Argumentation“ der Maschine zu verstehen. Denn so ganz will mir nicht in den Kopf, warum der Knopf noch so viel Spielraum nach oben hat. Doppelmahlung gibt es ja als Extra-Button.

Ich muss aber sagen, dass die für diese Kaffeebohnen optimale Menge tatsächlich 7 Gramm betragen hat. Insofern also alles schick.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Espresso in the making

Auf den einarmigen Tamper-Banditenhebel hatte ich mich von Anfang an gefreut. Spielkind bleibt Spielkind. Hier sind Federn und Vorrichtungen dafür verantwortlich, dass der in der Maschine verbaute Stempel das Kaffeemehl sauber, gleichmäßig und mit dem richtigen Druck zum Puck verdichtet.

Auch hier war ich erst weniger begeistert. Wenn ihr nur einmal kurz am Hebel zieht, dann wird das Mehl zwar verdichtet, aber die Oberfläche ist für meinen Geschmack nicht plan genug. Wenn ihr den Hebel zweimal zieht, wird das Ganze wieder etwas zu stramm.

Ich glaube, hier muss sich die richtige Mischung aus Hebelbewegung und Dauer erst einspielen. Ich würde DeLonghi vorschlagen, hier unbedingt Tipps ins Handbuch zu schreiben und nicht darauf zu pochen, dass der Hebel ALLES von allein richtig macht. Macht er nicht.

Es stimmt aber, dass die Smart-Tamping-Station wirklich keine Sauerei veranstaltet, wenn ihr sie richtig benutzt. Die abenteuerlichen Kaffeereste auf meinem Beweisfoto kommen daher, dass ich den Siebträger immer wieder ohne Tampen herausgenommen habe, um die Menge zu checken.

Noch ein Wörtchen zur Lautstärke: Hier ist die DeLonghi La Specialista echte Spitzenklasse. Sowohl Mahlwerk als auch Brühvorgang sind unglaublich leise und auf ein angenehmes Hören eingestellt. Ich hatte das Ding den ganzen Tag in Betrieb und war nicht eine Sekunde genervt oder hatte Sorge um die Nachbarn.

Sobald ihr die Mahlhürde genommen habt, müsst ihr nur noch das gewünschte Getränk am rechts positionierten Drehrädchen einstellen, den Siebträger in den Brühkopf einsetzen und auf OK drücken.

Der Espresso kam in der richtigen Temperatur und mit einer brauchbaren Menge im Glas an, auch wenn ich am Ende dann doch wieder auf die 25 Milliliter Mindestmenge runtergeregelt habe. In der Werkseinstellung klappt der Espresso (nach ein paar Einstellungsanläufen) aber auch sehr gut.

Geschmeckt hat er trotzdem nicht – aber das lag ausschließlich an den Bohnen. Apropos: Jetzt muss ich zu dem kommen, was ich in der Überschrift gesagt habe.

Die La Specialista ist in meinen Augen ein Modell für Gewohnheitstiere, die immer die gleiche Röststufe bzw. immer die gleichen Bohnen trinken. Sobald ihr nämlich von dunkel auf heller oder andersherum wechselt, geht die Einstellerei von vorne los.

Gerade beim Wechsel von Dunkel auf Hell zeigt sich, dass der feinste Mahlgrad plus aktuelle Menge nicht mehr funktioniert. Denn es kommt zu viel Mehl im Sieb an. Das merkt ihr daran, dass ihr den Siebträger nicht mehr in die Brüheinheit setzen könnt.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Closeup Espresso

Also wieder rumfummeln – insbesondere an der Menge. Aber gerade weil das Rädchen so kryptisch ist und die Justierung nicht perfekt genug funktioniert, nervt das gewaltig. Spätestens an dieser Stelle bin ich zur Baratza Sette 270W Kaffeemühle übergegangen und habe den Drehknopf auf „nur Tampen“ gestellt.

Nun wechselt nicht jeder an einem einzigen Tag dreimal die Bohnen. Aber mancher hat vielleicht Lust auf Abwechslung. Andersherum bin ich auch sicher, dass sich das Verhältnis zwischen Nutzer und Maschine auf Dauer einstellt und ihr genau wisst, auf welcher Position ihr am Ende landen solltet. Für Ungeduldige ist die La Specialista so aber ganz sicher nicht geeignet.

Zum Schluss habe ich auch den Ikea Glas-Test durchgeführt: Das übliche Glas für Latte Macchiato passt definitiv nicht unter den Auslauf, noch nicht einmal aufs Abtropfgitter. Aber da ihr euren Latte Macchiato sowieso einzeln zusammenbaut, ist das wurscht.

Milchschaum: Volle Punktzahl

Hier muss ich dem Gerät, ohne mit der Wimper zu zucken, volle Punktzahl geben. Die „automatische Dampflanze“ macht alles richtig. Ich habe den Pitcher nur leicht gefüllt und außerdem Sojamilch verwendet, weil ich vergessen hatte, Testmilch zu kaufen.

Das konnte ich mir aber sowieso sparen. Lanze in die Milch hängen, Riesenrad an der rechten Seite nach vorne drehen und entspannen. Die Milch wird sehr leise, sehr gleichmäßig und sehr gut kontrollierbar aufgeschäumt.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Milchschaumgetraenk

Ihr könnt einfach an jeder Stelle den Schäumvorgang abbrechen und damit die Konsistenz beeinflussen. Ich habe den „Extremtest“ gemacht und das Ding laufen lassen, bis die Milch die Oberkante erreicht hatte.

Und trotz Sojamilch und eigentlich viel zu viel Volumenzuwachs war der Schaum am Ende saucremig, perfekt temperiert und auch noch vollkommen porenfrei.

Da die Maschine über zwei unabhängige Thermoblöcke verfügt, könnt ihr die Milch ohne Zwischenwartezeit direkt aufschäumen und theoretisch auch gleichzeitig mit dem Espresso ansetzen. Dann wird’s aber zu eng auf dem Abtropfsieb, wo der kleine Pitcher am besten aufgehoben ist.

Vergesst nicht, die Milchlanze nach dem Schäumen direkt abzuwischen und stellt das Rad noch einmal kurz an, um Milchreste aus der Düse zu flashen.

Mehr muss ich dazu eigentlich nicht sagen. Außer vielleicht, dass ihr hier auch die Möglichkeit habt, die Schaumlanze nur auf „Erhitzen“ zu stellen. Aber auch hier musste ich beim „Schieberegler“ wieder feststellen, dass er nicht ganz eindeutig einrastete bzw. zu viel Spiel hatte.

Die Reinigung: Spielend einfach

Wie alle Hybriden macht euch auch die DeLonghi das hygienische Reinigen relativ einfach, weil das Kaffeemehl niemals in der Maschine mit Wasser in Kontakt kommt. Schimmel wird also von Natur aus vorgebeugt.

Lediglich das Duschsieb am Brühkopf ist ein Tummelplatz für nasses Kaffeemehl, das ihr mit einer Zwischenspülung relativ leicht abbekommt. Die startet ihr über den „Wassertropfen-Knopf“.

Die beiliegende Bürste ist lang und biegsam genug, um von unten das Duschsieb zu schrubben oder sie in den Mahlkanal zu führen und Kaffeereste raus zu bürsten. Achtet aber darauf, immer von trocken zu nass zu gehen. Sonst bringt ihr Feuchtigkeit in die Mahlstation, die da besser nichts zu suchen hat.

Für die Endreinigung der Mahleinheit habe ich zum Staubsauger gegriffen, weil ihr damit auch das Mahlwerk von oben gut sauber bekommt, ohne den Kegel rauszufummeln. Der hatte einen Henkel, ließ sich aber ohne entsprechende Anleitung nicht gefahrlos rausmanövrieren. Also habe ich es gelassen.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Dreck Nach Testtag

Doch wo Henkel, da auch Rausnehmbarkeit. Ich schätze einmal, dass die finale Betriebsanleitung da genauer ist.

Alle beweglichen Teile vom Siebträger über den Wassertank bis zu Bohnenbehälter und Abtropfschale lassen sich super leicht entnehmen und von Hand reinigen. In die Spülmaschine darf absolut nichts, wie die Symbole auf jedem Plastikteil unmissverständlich klar machen.

Aber ich finde, die braucht ihr auch nicht. Mit ein bisschen altmodischer Waschleistung bekommt ihr die Maschine wirklich von Kopf bis Fuß sauber.

Fazit: Solide Hybrid-Maschine

Im Direktvergleich zur Sage Oracle Touch schlägt die DeLonghi La Specialista sehr leise Töne an. Die Sage macht einen auf „Grundschullehrer“, der euch alles von der Pike auf beibringt. Die La Specialista ist eher Ausbilder im letzten Lehrjahr: Es gibt noch ein bisschen Hilfe, den Rest solltet ihr schon können.

Sie ist wesentlich manueller und verlangt Geduld und Wissen, soll aber als Hybrid (theoretisch) eher auf den unbedarfteren Kaffeetrinker fokussieren. Profis wiederum würden an der Ungenauigkeit einzelner Einstellungsaspekte verzweifeln und Feinteiligkeit vermissen.

Wenn ihr etwas Geduld und Interesse habt, bekommt ihr für ein sehr verträgliches Preisschild eine solide Hybrid-Maschine, die euch praktisch dazu herausfordert, euch mit Kaffee zu beschäftigen.

Sie verzichtet auf jeglichen Schnickschnack und macht das, wofür sie gebaut wurde, sehr gut – an den Getränken an sich gibt’s nichts zu meckern. Zudem ist der Milchschaum wirklich hervorragend, die Reinigung ist super, der Look überzeugt.

DeLonghi La Specialista Espressomaschine Ikea Glas

Nur müsst ihr euch auf wesentlich mehr Trial & Error einstellen, als dass bei Sage der Fall ist. Das macht sicher Spaß, wenn man nicht wie ich von Anfang an darauf fokussiert ist, mit dem geringstmöglichen Aufwand zu den besten Ergebnissen zu kommen.

Und weil sie so super leise ist und auch im Wesentlichen alles richtig macht, gibt’s von mir eine hohe Punktzahl. Und wie steht es mit euch? Habt ihr Fragen oder Lust auf die La Specialista? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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