Elephant Beans Test: Shilicho und Henna mit der Chemex

Elephant Beans Test: Shilicho und Henna mit der Chemex Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 15. August 2018 von 0

Ich gebe es zu, dieser Kaffeebohnen-Test ist der erste offizielle Test, den ich überhaupt durchführe. Nicht falsch verstehen, ich liebe es neue Kaffees auszuprobieren und mich bei einem neuen Kaffee durch die verschiedenen Zubereitungsmethoden zu testen. Aber eine derartige Versuchsanordnung, so könnte man es tatsächlich fast bezeichnen, ist Premiere für Mel, die Specialty Coffee Expertin.

Für den Test der beiden von Elephant Beans aus Direkthandel bezogenen und gerösteten Kaffees, habe ich mich aber dann doch ganz schön ins Zeug gelegt, die beiden Äthiopier auf Herzen und Nieren oder sollte ich besser sagen, Körper, Aromen und Geschmacksnoten zu checken.

Beide 250 Gramm Kaffeepäckchen enthielten als Filterkaffees geröstete Bohnen mit einem schönen hellen Bohnenbild, so wie ich es mag. Wer das nicht weiß, ‚I’m from the bright side’! Ich trinke sehr gern etwas heller geröstete Filterkaffees, bevorzugt Naturals, d.h. sonnengetrocknet aufbereitet, immer gern auch aus Äthiopien.

Der Shilicho und der Henna von Elephant Beans sind beides keine Naturals, sondern Washed, sprich gewaschen aufbereitet, waren aber dennoch für mich sehr interessant zu verkosten. Die Zubereitungsempfehlung auf der Verpackung lautet für beide Kaffees: Handfilter, AeroPress oder French Press.

Da ich beide über einen längeren Zeitraum getestet habe, habe ich mich durch mehrere verschiedene Brühmethoden getrunken. Den abschließenden Vergleichstest, sprich beide Kaffees nebeneinander, habe ich dann aber mit der Chemex gemacht. Dafür habe ich denselben Mahlgrad (medium-fein) sowie dieselbe Kaffee- und Wassermenge, heißt 19 Gramm Kaffeemehl auf 300 Milliliter Wasser, genutzt.

Kaffee im Chemex Brühen

Der Shilicho wurde am 23. April geröstet, der Henna am 30. April. Die ersten Verkostungen fanden ca. zwei bzw. drei Woche nach Röstdatum statt. Den Chemex-Vergleichstest habe ich am 11. Juni gemacht, also in der sechsten und siebenten Woche nach Röstdatum. Gerade noch mal die Kurve bekommen könnte man sagen, denn Elephant Beans schreibt auf seine Packungen, dass diese bis spätestens 6 Wochen nach Röstdatum zu verzehren seien.

Der Grund für den Test mit den verschiedenen Zubereitungsmethoden hat aber noch eine andere Ursache. In der zweiten bzw. dritten Woche nach dem Röstdatum hatte ich nach meinem 6-monatigen Auslandsaufenthalt noch nicht wieder Zugriff auf mein komplettes Brüh-Equipment, so dass ich lediglich mit der Kalita als auch mit der American Press testen konnte.

Wie für mich zu erwarten, hatten beide so zubereiteten Kaffees weniger Charakter, dafür aber jede Menge Körper. Ich habe die feinen Geschmacksnuancen, wie auf der Verpackung vermerkt, kaum wahrgenommen. Die Tasse hat mir bedingt durch die Brühmethoden einfach zu viel Körper entwickelt, war zu kräftig bzw. zu wenig clean oder klar, wie man das von gewaschenen Kaffees eigentlich erwarten würde. Von Haus aus haben derlei cleane Kaffees ohnehin eher einen mittleren Körper. Vor allem bei der American Press hatten beide Kaffees für meinen Geschmack außerdem zu viele Schwebstoffe, was die Klarheit noch mehr in den Hintergrund treten ließ.

Aufgrund dieser Erfahrungen und, weil Arne den Shilicho bereits mit dem Handfilter und der AeroPress getestet hatte, habe ich mich für den Vergleichstest für meine Lieblings-Filtermethode, die Chemex, entschieden. Aber nicht nur, weil die Chemex mein absoluter Favorit ist, sondern auch, weil mit dieser Brühmethode die Geschmacksnoten in den beiden äthiopischen Kaffees eindeutig klarer hervortreten. a

Hier nun der Vergleichstest von Shilicho und Henna geröstet von Elephant Beans aus Freiburg im Breisgau gebrüht mit der Chemex unter denselben Voraussetzungen in Bezug auf Mahlgrad, Wasser- und Kaffeemenge.

Elephant Beans: Shilicho

Laut Verpackung stammt dieser Kaffee aus der Region Sidama im Südosten Äthiopiens von der Kooperative Shilicho, die drei Kommunen in dieser Region umfasst. Bei der Varietät handelt es sich bei diesem Kaffee um ein Heirloom, eine wilde Varietät, die in den natürlichen Wäldern besonders im Südwesten Äthiopiens und auf fast 2.000 Metern Höhe wächst.

Geröstet wurde der Shilicho am 23. April, von mir mit der Chemex verkostet dann am 11. Juni, also sieben Wochen nach dem Röstdatum. Für mich persönlich noch völlig im Rahmen. Alles was über die 3-Monatsgrenze – drei Monate nach Röstdatum – hinausgeht, wird dann schon kritisch. Denn je länger die Kaffeebohnen gelagert werden, desto mehr der wunderbaren Aromen verliert der Kaffee.

Shilicho Kaffeebohnen

Schon nach dem Mahlen mit meiner Comandante Handmühle habe ich die intensiven und fruchtigen Aromen, die dem Kaffeemehl entströmen, wahrgenommen.

Kaffeemehl Shilicho in der Chemex

Ich muss es zugeben, ich bin kein Cupping-Experte, für das Erkennen und Benennen der Aromen und Geschmacksnoten fehlt mir einfach die nötige Übung. Daher bin ich vielen Kaffeeröstern dankbar, dass sie die von ihnen erkannten Noten auf die Päckchen drucken. So ganz für bare Münze nehme ich diese Beschreibungen allerdings dann doch nicht, sondern sehe es eher als Vorschlag. Denn Geschmack ist sehr subjektiv bezogen auf die eigene Erfahrung, auf die Beschaffenheit der eigenen Geruchs- und Geschmacksknospen und nicht zuletzt abhängig von eventuellen Beeinträchtigungen durch Rauchen und Ähnliches.

Kaffeebohnen im Coffeeness Test

Die Verpackung verspricht Bergamotte, Schwarztee und Apfel, wobei mir nicht ganz klar ist – man denke an das Aroma-Rad –, bei welchen Beschreibungen es sich um das Aroma (riechen) und bei welchen um die Geschmacksnoten (schmecken) handelt. Wenn ich mich recht an meine Sensorik-Schulung zurück erinnere, dann handelt es sich bei Schwarztee um den Geschmack (‚Flavor’), um die Säure bei der Bergamotte – eine recht seltene Zitrusfrucht –, und bei Apfel um den Abgang (‚Aftertaste’). Ich meine auch beim Riechen (‚Aroma’) bereits einige florale und fruchtige Noten wahrgenommen zu haben.

Die intensive Säure, die der Kaffee laut Verpackung haben soll, tritt für mich zugunsten der starken Fruchtnoten aber eher zurück. Im Vergleich zum Henna erinnert mich der Shilicho sogar fast an einen Natural. Mit dem Attribut ‚Schwarztee’ allerdings stimme ich völlig überein, denn besonders beim Abkühlen schmeckt der Shilicho sehr schön teeartig. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieser Kaffee auch super als Cold Brew oder Iced Brew – kann man übrigens auch in der Chemex machen – funktioniert.

Elephant Beans: Henna

Henna wurde eine Woche nach Shilicho geröstet, am 30. April. Die Bezeichnung für diesen ebenfalls gewaschenen Kaffee stammt vom ‚henna forest’, eine der wenigen noch verbliebenen Wildkaffeeregionen Äthiopiens. Die Kaffeebaumschule Shetaye Dhisasa betreibt seit 20 Jahren Kaffeeanbau und pflanzt die aus den Wäldern entnommenen Wildpflanzen am Ufer des Gati-Baches in einem traditionellen Agrarforstsystem an. Die so gezüchteten Wildsorten wachsen auf ca. 1.600 bis 1.800 Metern Höhe und werden durch die Kooperative Torban Anfillo exportiert.

Henna Kaffeebohnen

Im Vergleich zum Shilicho fällt mir sofort auf, dass der Henna weniger charakterstark ist. Und das bereits beim Riechen des Kaffeemehls, als auch später beim Verkosten. Das Geschmacksprofil laut Verpackung verspricht Jasmin und Zitrus, was für florale Noten (‚Aroma’ und ‚Flavor’?) sowie eine hohe Säure spricht. Diese nehme ich dann tatsächlich auch beim Verkosten wahr, allerdings lediglich im heißen Zustand. Beim Abkühlen tritt die Süße stärker hervor, wie auch auf der Verpackung zu lesen ist. Der Henna hat im Vergleich zum Shilicho eine intensivere Süße. Dies trifft auch auf den Körper zu.

Kaffeepulver Henna

Hier eine kurze zusätzliche Erläuterung in Sachen Körper im Kaffee: Was heißt Körper überhaupt?

Der Körper beschreibt das Mundgefühl des Kaffees, also wie fühlt sich der Kaffee im Allgemeinen auf eurer Zunge und in eurem Mund an. Kaffees mit viel Körper schmecken demnach runder, intensiver und vollmundiger.

Neben dem Körper, der sich durch die Aufbereitung entwickeln kann – Naturals haben mehr Körper als Washed – als auch durch das Brühen – Papierfilter-Brühen entzieht dem Kaffee seine Öle, der Kaffee wird klarer und hat demzufolge weniger Körper.

Henna im Test

Eine weitere Komponente kommt aber noch hinzu: Das Rösten. Jeder Kaffeeröster kann individuell steuern, ob er den Körper im Kaffee herausarbeiten möchte oder nicht. Wie das geht? Nun, einige Röster versuchen durch das Hinauszögern des First Crack – ein hörbares Aufplatzen der Kaffeebohne durch die Hitze im Röstofen bei der sich die Feuchtigkeit in der Bohne in Dampf und schließlich Druck umwandelt – die Intensität des Körpers im Kaffee zu erhöhen. Sprich, je länger die Phase bis zum First Crack, desto mehr Körper hat der Kaffee.

Sind Kaffeeröster unter euch? Wer kann das bestätigen? Bitte rein damit in die Kommentare!

Was ist mein Fazit dieser beiden äthiopischen Kaffees geröstet von Elephant Beans?

Für Mel die Filterkaffee-Liebhaberin sind hell geröstete äthiopische Kaffees immer spannend. Auch wenn sie keine Naturals sind! Denn der gewaschene Shilicho mit seinen teeartigen und fruchtigen Noten hat mir schon echt sehr gut gefallen. Da ging der für mein Empfinden weniger charakterstarke Henna daneben fast unter.

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

Ich freue mich über deinen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.