Berliner Flying Roasters im Test | Warum gibt es keinen Truthuhn Kaffee?

Berliner Flying Roasters im Test | Warum gibt es keinen Truthuhn Kaffee? Ergebnis
Veröffentlichungsdat um: 2. Dezember 2018 von 0

Ein weiterer Kaffeebohnen-Test, den ich für Coffeeness durchführe. Und was für einer! Es gab nicht nur gleich vier verschiedene Kaffees zu verkosten, sondern zudem auch noch einen Espresso! Für mich die Filterkaffee-Liebhaberin zunächst eine kleine Herausforderung, nicht nur was das Probieren betrifft, sondern auch die Zubereitung.

Denn ich habe keine Espressomaschine! Aber, ich weiß mir natürlich zu helfen. Und wenn man wie ich in Berlin lebt, hat man nicht nur Zugang zu zig erstklassigen Cafés und Röstereien, sondern auch Kontakte zu lieben Kaffeemenschen wie die deutsche Barista-Meisterin Nicole Battefeld, die mir mit ihrem Know-How mit Rat und Tat zur Seite stand.

Flyingroasters im Kaffeebohnen Test

Erfahrt in diesem Artikel also nicht nur, wie mir die drei Filterkaffees von Flying Roasters – ebenfalls aus Berlin – geschmeckt haben, sondern auch der Espresso! Und nicht nur irgendeiner!

Und ich beantworte natürlich die spannendste Frage: Lohnt sich eine Kaffeebohnen-Bestellung bei den Flying Roasters?

Als das Flying Roasters Päckchen bei mir ankam, staunte ich nicht schlecht: Vier Kaffees, drei davon als Filter geröstet, einer als Espresso. Das Erstaunliche daran, die drei Filterkaffees stammen aus Äthiopien, Peru und Kolumbien und waren eher Medium geröstet, der Espresso dagegen war eine helle Röstung.

Vor einigen Jahren noch hätte es mich beim Probieren eines hell gerösteten Espresso geschüttelt. Vor allem in Verbindung mit Milch war mir ein Cappuccino oder Flat White mit einem ‚light roast’ oft viel zu sauer. Inzwischen bin ich aber ein großer Fan von hellen Espressi, auch in Verbindung mit Milch.

Arne Preuß Coffeeness.de

Kommentar von Arne: Die Flying Roasters kenne ich schon eine weile. Als ich noch in Berlin gewohnt habe, bin ich immer gerne mit dem Fahrrad aus Weißensee in den Wedding geradelt und habe dort guten Kaffee gekauft. Mit Nadine habe ich auch schon mal das gesamte Sortiment des Teams durch einige Vollautomaten in meiner Küche gejagt, um zu testen, wie das funktioniert. Noch eine lustige Anekdote, für die mir bis heute nachgesagt wird, das sei geplant und ein abgekartetes Spiel gewesen. Das stimmt nicht, es war reiner Zufall. Ich bin gerade mit dem Fahrrad im Hinterhof angekommen und dort war ein RBB-Team am Drehen. Das Team hat gerade einen Kunden, der Kaffee kauft gesucht. Das war mein erster Fernsehauftritt. Und das als Kunde bei den Flyingroasters. Ich habe es sogar hinbekommen in meinen 10 Sekunden die Flying Roasters (zu Recht) zu loben und Kapselkaffee (zu Recht) zu dissen. Aber seht selbst:

Flying Roasters: Der Kaffeebohnen-Test

Beim Kaffeebohnen-Test mit den vier Kaffees von den Flying Roasters bin ich folgendermaßen vorgegangen:

Ich habe jeden der Filterkaffees mit meiner V60 verkostet. Aus einem einfachen Grund, mit der V60 sind auch kleine Brühmengen möglich. Bei drei zu testenden Kaffees genügte mir eine Menge von 150 Millilitern, also ein kleines Glas völlig, um einen Eindruck vom Kaffee zu bekommen. Nach- und nebeneinander gebrüht hatte ich außerdem die Möglichkeit, die Kaffees in verschiedenen Trinktemperaturen zu probieren.

Kaffeebohnen aus dem Handfilter

Meine Brew-Ratio betrug 10 Gramm Kaffee auf 150 Milliliter Wasser. Da die gebrühte Menge bei diesem Test recht gering war, habe ich diese Wassermenge in einem Schwung aufgegossen und nicht wie sonst jeweils 30 Sekunden bis zum nächsten Aufgießen gewartet.

Eines möchte ich vorweg nehmen, meine Vorliebe für helle Röstungen und fruchtige Kaffees hat sich wieder einmal bestätigt. Auch wenn nach der Verkostung der vier Flying Roasters Kaffees mein Favorit schließlich anders ausfiel, als ich das persönlich erwartet hatte. Jetzt aber erstmal weiter zur Verkostung der Kaffeebohnen von den Röstern aus meiner Wahlheimat Berlin.

Fliegende Röster mit geflügelten Namen

Die Flying Roasters sind eine der Röstereien in Deutschland, die auf ihrer Website nicht nur ihr Kaffeeangebot preisgeben, sondern auch auf sehr transparente Weise ihre Arbeitsweise von der Farm bis in die Tasse offenlegen. Für alle, die mehr zu den Flying Roasters wissen wollen, sei ein Blick auf ihre Website dringend empfohlen.

Mir persönlich als Kaffee-Expertin mit einem Background in Marketing und Kommunikation fehlt allerdings dort jegliche Info zu den fliegenden Röstern selbst. Welche Menschen stecken denn eigentlich hinter der Rösterei? Wie sind sie auf den Namen Flying Roasters gekommen und warum tragen alle Kaffees geflügelte Namen und ist jedes Kaffeepäckchen mit der Illustration eines Vogels versehen?

Da ich auf der Website nichts finden konnte, habe ich mich kurzerhand direkt an die geflügelten Röster gewandt. Dort bestätigte man mir, dass zu derlei Infos tatsächlich kaum etwas zu finden sei. Dabei ist gerade die Story rund um ihren allerersten Kaffee ‘Nightingale’ eng mit dem inzwischen vierköpfigen Team verknüpft:

“[Der Name ist ein] Dankeschön und [eine] Hommage an einen Freund, der uns damals sehr viel beim Aufbau der Website und allem Technischem geholfen hat. Naja, und irgendwie sind wir dann bei den Vögeln geblieben.”

Transparenz zu zeigen bezüglich des Sourcings und der Verarbeitung der Kaffees finde ich wichtig und richtig, vor allem, wenn ich als Kaffeetrinkerin Wert auf Qualität lege. Allerdings kaufe ich als Konsumentin von den Menschen, die meinen Kaffee rösten und verkaufen und möchte demzufolge wissen, wer hinter der Marke Flying Roasters steckt und habe auch aus dem Grund nachgehakt: Das Flying Roasters Team besteht aktuell aus Olli, Röster und Barista, Georg ebenfalls Röster, Nadine, die für Sensorik und Rohkaffee verantwortlich ist, sowie Daniel, Barista und angehender Röster.

Bin ich allein mit dieser Ansicht? Lasst es mich in den Kommentaren gern wissen.

Aber zurück den Kaffees. Auf der Flying Roasters Website gibt es für alle angebotenen Kaffees Zubereitungsempfehlungen. Wer also unsicher ist, wie er oder sie die Kaffeebohnen daheim zubereiten soll, folgt den Anweisungen auf der Website.

Eine Anmerkung noch zu den getesteten Bohnen, auf keiner der Verpackungen sind detaillierte Angaben zur Herkunft der Kaffeebohnen. Lediglich das Land ist auf das Päckchen gedruckt. Für weitere Infos empfiehlt sich auch hier ein Blick auf die Website und in den Online-Shop der Flying Roasters, dort sind zu jedem Kaffee sogar sehr ausführliche Informationen zur Herkunft und zum Anbau zu finden.

Ostrich: Der Neuling bei den Flying Roasters

Meinen Test habe ich gestartet mit dem Neuzugang im Hause Flying Roasters, einem gewaschenen Äthiopier von der Kooperative Shilicho, wie mir ein Blick ins Netz zeigt.

Das Bohnenbild beim Öffnen der Verpackung war im Vergleich zu den anderen getesteten Kaffees eher unregelmäßig. Das kann, muss aber nicht an der leicht bis medium Röstung liegen. Da ich aber kein Röster bin, kann ich dazu keine fachgerechte Aussage treffen.

Kaffeeroester Wedding Berlin

Zu Geruch und Geschmack dagegen schon. Die Beschreibung auf der Verpackung und online verspricht ganz viel Earl Grey. Und genau das konnte ich auch schmecken. Wer noch nie einen teeartigen Äthiopier getrunken hat und auf leichte Kaffees steht, hat mit dem Ostrich die Chance das nachzuholen.

Für mein Empfinden ist dieser Kaffee super geeignet für Leute, die gerade erst anfangen Kaffee zu trinken, die vielleicht sogar Schwarztee-Trinker sind, und denen der meiste (Supermarkt)Kaffee zu stark und bitter ist.

Auch die Geschmacksbeschreibung ‚Karamell-Bonbon’ konnte ich sehr gut nachvollziehen, da der Ostrich tatsächlich sehr sahnig und rund auf meiner Zunge lag. Zu diesem Kaffee kann ich mir gut etwas mit Äpfeln und / oder Nüssen vorstellen, beispielsweise einen Muffin, der beide Zutaten enthält. Mein morgendlicher Porridge mit Früchten und Nüssen passt aber auch hervorragend dazu. Der Ostrich ist dank der geringen Säure vielseitig kombinierbar.

Pintail: Der Kolumbianer mit Karamell-Note

Der zweite von mir getestete Kaffee war ein ebenfalls gewaschener Kaffee aus Kolumbien von der Kooperative Fondo Paez.

Beim Ausbreiten der Kaffeebohnen ist mir sofort aufgefallen, wie gleichmäßig gebräunt die Bohnen aussehen. Ein schönes Karamellbraun, das sich auch im Geschmack wiederfinden sollte. Das verspricht zumindest die Verpackung.

Beim Verkosten des Pintail fällt mir besonders beim Abkühlen der ebenfalls leicht bis medium Röstung eine angenehme Süße, für die kolumbianische Kaffees oft bekannt sind, und ein weicher runder Körper auf. Wer es intensiver mag, dem sei die French Press als Zubereitungsmethode empfohlen. Damit holt ihr noch mehr Körper aus dem Pintail.

Auf der Website ist außerdem zu lesen, dass sich Noten von Orangen im Geschmack zeigen sollen, die ich allerdings – ich bin kein Sensorik-Profi – nicht herausschmecken konnte. Ich mag fruchtig-saftige Kolumbianer sehr, der Pintail hatte für mein Empfinden aber zu wenig fruchtige Noten – vielleicht kommen die aber mit der French Press noch mehr raus –, dafür ganz viel karamellige Süße. Probiert dazu mal eine Zimtschnecke, die unterstreicht die Süße des Pintail noch mal zusätzlich.

Funky: Medium-Roast aus Peru

Der dritte von mir verkostete Filterkaffee von den Flying Roasters stammt aus Peru, genauer aus der Region Cajamarca im Norden des Landes und von der Kooperative Cenfrocafe.

Flyingroasters im Handfilter Test

Für mich als ‚light roast’-Fan, hat dieser Kaffee trotz Medium-Röstung eine angenehm helle Bohnenfarbe. Aus meiner Erfahrung heraus hatten medium-geröstete Kaffees bisher auch eine dunklere Bohnenfarbe. Dies ist beim Funky anders.

In der Tasse schmeckt er sehr kräftig und würzig-schokoladig. Wer auf Kaffees mit intensiven Kakakonoten steht, für den ist der Funky auf jeden Fall die richtige Wahl.

Gebrüht mit der V60 hatte der Funky für mich trotz der kräftigen Tasse eine gewisse Leichtigkeit. Diese Brühmethode macht aufgrund ihres Papierfilters das Resultat in der Tasse grundsätzlich klarer und sanfter. Denn auch hier gilt, das Brühverfahren hat Einfluss auf das Brühergebnis, sprich auf den Körper des Kaffees.Ein voller Körper geht mit geringer Klarheit des Getränks einher. Klare Kaffees dagegen haben einen leichten Körper.

Lasst mich gern wissen, wie euch dieser Kaffee mit der French Press oder einer anderen Brühmethode geschmeckt hat.

Übrigens, wer aus dem Funky die Kakaonoten so richtig rauskitzeln will, der sollte dazu mal einen Schoko-Brownie probieren.

Fire Finch: Die Fruchtbombe

Einen Tag vor meinem Filterkaffee-Test habe ich mich in die Berliner Röststätte begeben und mir von einem Profi den Espresso von den Flying Roasters zubereiten lassen. Ich nenne zwar einen ROK-Espresso-Maker mein Eigen, allerdings habe ich damit zu wenig Brüherfahrung, als das ich es wagen wollte, den Fire Finch mehr schlecht als recht zuzubereiten.

Der Espresso im Barista Test

Espresso Bezug aus dem Siebträger

So ging es also zu Nicole Battefeld, ihres Zeichens Deutsche Barista-Meisterin 2018. Gemeinsam mit ihr habe ich den Fire Finch als Espresso (19 Gramm Kaffeemehl) und Cappuccino verkostet.

Was soll ich sagen, dieser Espresso ist eine Bombe, eine Fruchtbombe in eurer Tasse! Die leichte Röstung gibt dem sonnengetrocknet aufbereiteten Äthiopier von der Kooperative Taramesa eine gewisse Säure, die ich inzwischen zu schätzen gelernt habe.

Mit Milch zubereitet – und darauf hatte ich mich bereits gefreut – schmeckte dieser Espresso wie ein Frucht-Milchshake. Oberlecker! Den trinke ich gerne auch mal so, ohne Kuchen oder Gebäck dazu.

Spannend finde ich auch die Brühempfehlung auf der Flying Roasters Website, die besagt, dass dieser Espresso auch super als Cold Brew funktioniert. Das muss ich definitiv ausprobieren!

Espresso in Milch

Fazit: Ich mag fruchtige Kaffees, nicht immer als Filterkaffee

Eigentlich ist das schon eine schön knackige Zusammenfassung meiner Verkostung der vier Flying Roasters Kaffees. Von den drei Filterkaffees gefiel mir der Ostrich mit seinen teeartigen Noten am besten. Die beiden Südamerikaner Pintail und Funky waren für meinen Geschmack mit der V60 gebrüht zu kräftig. Entgegen aller Erwartungen – dicker Dank an Nicole für die fachgerechte Zubereitung – überzeugte mich der Fire Finch mit seinen Fruchtnoten am meisten. Der Cold Brew wird auf jeden fall ausprobiert! Vielleicht ja sogar mit meinem neuen Spielzeug, dem Brew Jar.

Kaffeebohnen im Barista Test

Kommentar von Arne: Jetzt habe ich mehrere Tipps für euch. Wenn ihr in Berlin oder sogar im Wedding seid, geht bei den Flying Roasters vorbei. Es handelt sich nicht nur um ein Team, das seine Handwerkskunst beherrscht, sondern auch um unglaublich liebenswerte Menschen. Hier werdet ihr toll beraten (wie ich im Video) und könnt euch mit tollen Kaffees eindecken. Ich möchte aber immer noch einen Truthuhn Kaffee. Der nächste Tipp ist ein Probierset zu bestellen. Lecker, Lecker! Tipp drei ist es einfach gleich ein Kaffee-Abo abzuschließen. Das könnt ihr übrigens auch verschenken. Wie ihr seht, ich bin ein kleiner Fan-Boy. Kennt ihr schon Kaffees der Flying Roasters und wie gefallen sie euch?

Nicht so schüchtern. Ich freue mich von dir zu hören.

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