Kaffeekapseln: 5000 Tonnen Wahnsinn

Wieder das Thema Kaffeekapseln. Nachdem ich in den letzten Monaten immer wieder Anfeindungen wegen des Coffeeness Spruchs: “Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren”

Kapsel Kaffee Arne

bekommen habe, wollte ich mich diesem Thema ein weiteres mal widmen. Klar, der Spruch war eine gezielte Provokation. Hat geklappt. Mir wurde schon einiges, auf vielen Kanäle dazu gesagt.

Es sei “beleidigend”, “bist du wirklich so dumm” und immer wieder , “ich verstehe nicht, was du gegen die Kapseln hast”. Deswegen habe ich in diesem Artikel ein paar Gedanken und Recherchen dazu bereit gestellt. Was hat es denn nun mit dem Kontrollverlust auf sich?

Es gibt übrigens auch viele Leser mit Humor und Umsteiger von Kapseln auf echten Kaffee – die möchte ich noch mal beglückwünschen, alles richtig gemacht. Die Zuschriften von zufriedenen und glücklichen Umsteigern überwiegen und das motiviert mich sehr!

Ich muss zugeben: Als Strategie der Profitmaximierung ist Kapselkaffee genial.

Stellt euch vor, ihr seid ein Lebensmittelkonzern, der Kaffee für den Massenmarkt herstellt. Den Markt teilt ihr euch mit ein paar anderen Konzernen. Die Deutschen trinken viel Kaffee, aber der Kaffeekonsum insgesamt wächst nur schwach (2015 etwa um 1,1 Prozent). Jedes Marktwachstum müsst ihr euch natürlich mit der Konkurrenz teilen.

Jetzt würdet ihr gerne euren Gewinn mit dem Kaffee erhöhen. Aber wie? Zusätzliche Kunden von der Konkurrenz zu gewinnen geht nur sehr begrenzt.

Die meisten Konsumenten bleiben bei ihrer Lieblingsmarke oder wechseln je nach Sonderangebot hin und her. Die Unterschiede zwischen Supermarktkaffees sind nicht so riesig, dass ihr mit einem deutlichen Qualitätsvorsprung oder einem anderen schlagenden Argument Kunden gewinnen könntet. Auch über den Preis ist nicht viel zu holen, denn das Billigsegment ist längst besetzt und viel billiger geht es irgendwann nicht mehr.

Wenn ihr in dieser Situation einen Weg findet, Kaffee zum fünffachen Preis zu verkaufen, ist das eine beachtliche Leistung. Und genau das ist Nespresso mit seinem Kaffeekapsel-System gelungen. Allerdings hat es auch eine Weile gedauert: Die Markteinführung im kleinen Maßstab war schon 1986. Hier eine Eigendarstellung der Nespresso-Historie als PDF.

Ihren Boom erleben die Portionskapseln seit etwa 2005. Das mag damit zusammenhängen, dass zu dieser Zeit einige Nachahmer auf dem Markt erschienen, darunter Tchibo. Jedenfalls hält der Boom bis heute an. Im Jahr 2015 wuchs der Kapsel-Markt um stolze 16 Prozent. Der Stiftung Warentest zufolge verbrauchten allein die deutschen Kaffeetrinker im Jahr 2014 knapp 3 Milliarden Kapseln. Das sind 5.000 Tonnen Verpackungsmüll.

Kaffee-Kapsel Abfall

Die Masche: Lock-In und Rockefellerprinzip

Laut Selbstdarstellung soll Nespresso jedem ermöglichen, “die perfekte Tasse Espresso zuzubereiten”. Diese “Perfektion” kommt zustande, indem der Konsument nur noch die Nespresso-Maschine mit den Kapseln füttern und einen Knopf drücken muss.

Mit der Zubereitung hat er also eigentlich nichts mehr zu tun. Aber alle Kapseln sind gleich und jede Tasse Espresso ist wie jede andere. In unserer Warenwelt vermittelt das durchaus eine Aura von Perfektion – ein iPhone ist ja auch genau wie jedes andere.

Für mich als Kaffeefan ist die These ziemlich absurd, dass es einen einzigen perfekten Espresso gibt, der dann immer gleich ist. Ähnlich wie beim Wein liegt Perfektion doch viel mehr in der Vielfalt. Und noch besser als beim Wein ist, dass ich beim Kaffee selbst mit vielen Variablen spielen kann, um einen Espresso nach meinem Geschmack zu bekommen.

Aber bequem ist die Sache mit den Kapseln, das muss ich zugeben. Wenn man möglichst wenig mit der Zubereitung des eigenen Kaffees zu tun haben will, ist das ein Vorteil.

Viel größer sind die Vorteile aber für die Hersteller. Der wichtigste Vorteil neben dem absurd hohen Preis besteht darin, dass eine Nespresso-Maschine den Kunden zwingt, seinen Kaffee künftig ebenfalls bei Nespresso zu kaufen. Sonst könnte er mit der Maschine nichts anfangen. Dies bezeichnen Ökonomen auch als “Lock-In-Effekt”: Der Kunde wird im Produkt “eingesperrt”.

Damit verwandt ist das sogenannte Rockefellerprinzip. Der Legende nach hat John Rockefeller seine Öllampen spottbillig verkauft, um anschließend auf unbegrenzte Zeit mit dem Öl zu verdienen. Ein moderneres Beispiel für dieses Prinzip sind billige Drucker und teure Tintenpatronen.

Und eben Kapselkaffeemaschinen. Im März berichtete die “Welt”, dass sie aktuell wieder zu Spottpreisen im Angebot seien – mitsamt beigelegten Kapsel-Gutscheinen, “sodass die Geräte am Ende kein Geld kosten”.

Die Hersteller können also jedes Mal jubeln, wenn sie so eine Maschine verkaufen, weil das der Auftakt zu einem höchst lukrativen und dauerhaften Folgegeschäft ist. Es ist kein Wunder und kein Zufall, dass diese Maschinen so schick aussehen.

Kaffeekochen mit dem iPad: die Zukunft eines Lifestyle-Produkts

Der “Lock-In-Effekt” ist inzwischen etwas aufgeweicht. Im Jahr 2012 hat das Landgericht Düsseldorf entschieden, dass auch Konkurrenzunternehmen Kapseln für Nespresso-Maschinen verkaufen dürfen. Für “Cafissimo” von Tchibo und andere Kapsel-Systeme gilt das natürlich genauso.

Für das Geschäft mit dem Rockefellerprinzip ist das ungünstig. Wenn Kunden nur die Maschinen von Nespresso kaufen und sich dann bei Aldi mit Kapseln eindecken, lohnt sich die Sache für Nespresso nicht mehr.

Es ist den Herstellern aber gelungen, Kapselsysteme als Lifestyle-Produkt auf dem Markt zu platzieren. Der Chef des deutschen Kaffeeverbands, Holger Preibisch, bezeichnet sie sogar als “Statussymbol”, das der Käufer “stolz seinen Freunden zeigen” wolle.

Das macht irgendwie Sinn, denn Liebe zu gutem Kaffee kann kaum der Grund sein, so ein System zu benutzen, und der Preis ebenfalls nicht. Manche finden es einfach schick und cool.

Mit diesem Pfund versuchen die Hersteller zu wuchern, indem sie regelmäßig neue Maschinen herausbringen und bewerben. Und neuerdings auch mit der “Digitalisierung”.

In diesem Jahr hat Nespresso die Gerätefamilie “Prodigio” präsentiert, die sich über eine App mit dem Smartphone steuern lässt. Zu den “Konnektivitätsfunktionen” gehören der Homepage zufolge “Zubereitung, Festlegung des Zubereitungszeitpunkts, Verwaltung des Kapselvorrats” und “Wartungsalarme”.

Qbo Coffee Abfall Kapseln

Unter dem Namen “QBO” bietet Tchibo ein Konkurrenzprodukt an – mit neuen, würfelförmigen Kapseln, die zumindest für die Anlaufphase sicherstellen, dass die Kunden ihren Kaffee nur bei Tchibo kaufen können. Die Einstellungsmöglichkeiten per App ermöglichten “ein vollkommen neues, individuelles Kaffeeerlebnis”.

Vielleicht sollte jemand denen mal sagen, dass man ein viel individuelleres “Kaffeeerlebnis” hat, wenn man selbst mahlt und brüht. So kann man dann auch nicht nur die 10 Sorten trinken, die es in Tchibo-Würfeln gibt, sondern alle Kaffeesorten der Welt ausprobieren.

Tausende Tonnen Kapselmüll

Im Oktober 2013 hat sich die Zeitschrift “Ökotest” ausführlich mit Kaffeekapseln beschäftigt. Tenor: Kapselkaffee erzeugt massenhaft Müll, der nur zum Teil recyclet wird. Außerdem ist Recycling besonders bei Kapseln aus Aluminium ein schwacher Trost. Denn die Herstellung von Aluminium verschlingt extrem viel Energie und zerstört den Regenwald.

Der Grundstoff, aus dem die Abbaubetriebe das Aluminium gewinnnen, ist Bauxit. Das meiste Bauxit liegt im Tropengürtel. Die wichtigsten Abbauländer sind Guinea, Jamaica, Indien, Australien und Brasilien.

Schlimm ist schon, dass die Unternehmen Regenwald roden, um an das Bauxit ranzukommen. Aber damit endet es nicht, denn nun gehen sie mit Natronlauge zu Werke, um das Aluminium aus dem Bauxit herauszulösen. Dabei entsteht als Abfallprodukt giftiger Rotschlamm, der dann als Giftsee zurückbleibt oder Flüsse verseucht. Dazu kommt die Umweltverschmutzung durch den Energieaufwand.

Die Konzerne haben in den letzten Jahren auf die wachsende Kritik an der Umweltkatastrophe namens Kapselkaffee reagiert. Nespresso holt verbrauchte Kaffeekapseln auf Wunsch bei seinen Kunden zu Hause ab (“Recycling at home”), und die QBO-Würfel sind aus recyclebarem Kunststoff, der in die gelbe Tonne kann.

Das ändert natürlich nichts daran, dass das Aluminium erst mal hergestellt werden muss und die Kapseln überflüssig sind. Schließlich kann man ohne sie einen besseren Kaffee zubereiten.

Es wäre außerdem naiv, zu glauben, dass alle Kapseln wirklich recyclet oder kompostiert werden, ob im Dualen System oder sonstwo. Im Mai 2015 fanden Forscher unter anderem Kaffeekapseln in den Mägen gestrandeter Wale.

Mehr Geschäft, weniger Kaffee

Tchibo wirbt damit, dass die QBO-Würfel “viel Kaffee” enthielten. “Viel” bedeutet hier 7,5 Gramm. Das ist tatsächlich etwas mehr als bei den herkömmlichen Nespresso-Kapseln, die auf 5 bis 6 Gramm kommen.

Wie viel kostet nun ein Pfund Kaffee, das in viele kleine QBO-Würfel aufgeteilt ist? Folgende Tabelle zeigt den Preis für die 8-er und die 27-er-Packungen, die Tchibo anbietet.

 Kaffee in der Packung
Preis für 500 Gramm

8 Kapseln à 7,5 Gramm für 2,95 €
60 Gramm
27,58 Euro

27 Kapseln à 7,5 Gramm für 9,95 €
202,5 Gramm
24,56 Euro

Bei Nespresso ist es etwas einfacher, weil das Unternehmen – immerhin transparent – einen 100-Gramm-Preis von 7,80 Euro angibt. Bei 39 Cent pro Kapsel sind das 5 Gramm pro Kapsel. Ein Pfund kostet somit 39 Euro.

Berechnen wir den Preis spaßeshalber für die vier Anbieter mit dem größten Umsatz in Deutschland: Nespresso (haben wir schon), Tassimo von Jacobs Douwe Egberts, Dolce Gusto (wie Nespresso von Nestlé) und Cafissimo (Tchibo).

 Preis pro Kapsel
Kaffee pro Kapsel
Preis pro Pfund Kaffee
Tassimo25 bis 31 Cent
Ca. 7,7 Gramm
15 bis 20 Euro
Dolce Gusto
31 Cent
7 Gramm (geschätzt)
Ca. 23 Euro
Cafissimo28 bis 30 Cent
Ca. 7,5 Gramm
17 bis 20 Euro

Ich habe hier verschiedene Rechenwege benutzt, weil die Angaben der Hersteller variieren. Tassimo und Cafissimo geben Preise pro 100 Gramm oder Kilogramm an, was die Sache erleichtert. Bei Dolce Gusto fehlte beides, sodass ich nicht berechnen konnte, wie viel Kaffee in einer Kapsel ist. Deshalb habe ich 7 Gramm als Schätzwert verwendet, um einen ungefähren Pfundpreis zu berechnen.

Normal verpackt kostet ein Pfund Kaffee oder Espresso im Supermarkt oder Discounter 3 bis maximal 10 Euro. Ein schönes Ergebnis für die Konzerne: Sie verkaufen in Deutschland nur knapp 5 Prozent des Kaffees in Kapseln, aber machen damit 20 bis 30 Prozent ihres Kaffeeumsatzes!

Kaffeekapseln ist also nicht nur für die Umwelt schädlich, sie sind auch teurer, aber was gibt es für Alternativen? Wie wäre es mit echten Kaffeebohnen. In meinen Kaffeebohnen Tests findet ihr Berichte über viele tolle Kaffeeröster. Hier geht es zum Beispiel zu meinem Bericht über Quijote-Kaffee. Dort bekommt ihr Kaffee aus Direkthandel für ca. 20€ Euro pro Kilo. Qualitätskaffee kostet also weniger als der anonyme Massenkaffee aus Kapseln. Im vergleich zu Nespresso bezahl ihr also 1/4 und bekommt richtig guten Kaffee mit voller Trapezen! Das ist hier kein Marketing-Gelaber, sondern glaubhaft und aus Überzeugung. 

Und wenn ihr mit eurem Kaffee-Equipment eure Freunde beeindrucken wollt, wie der Chef des Kaffeeverbandes sagt, dann versucht es doch mal mit gutem Kaffee, den ihr selbst mahlt und frisch aufbrüht. Dann werden eure Kochkünste bewundert und nicht die der Maschine. Das macht euch und euren Freunden viel mehr Spaß und ergibt auch mehr interessanten Gesprächsstoff.

Wenigstens kann ich aber wohl Entwarnung geben, was die Gesundheit betrifft. In einem Beitrag von 2014 meint der NDR, dass aus den Deckeln der Kapseln in ganz kleinen Mengen Aluminium in den Kaffee rieseln könnte. Aluminium in der Nahrung kann je nach Menge schädlich sein.

In einer neueren Sammlung von Fragen und Antworten zu Aluminium stellt das Bundesamt für Risikobewertung aber fest, dass über Kaffeekapseln eigentlich kein Aluminium in den Körper gelangen dürfte.

Fazit: Wenig Kaffee und viel teurer Müll

Es ist glasklar, dass Kapselkaffee einfach eine Masche ist, um mit Supermarktkaffee mehr Geld zu verdienen. Ihr bekommt winzige Mengen gewöhnlichen Kaffees zu überhöhten Preisen, aufgehübscht mit funkelndem technischen Spielzeug und Verpackungsmüll. Die Umwelt und die Kaffeekultur haben Besseres verdient – und ihr selbst habt das auch. Einzelverpackungen sind natürlich nie schön – aber Kaffee ist einfach mein Thema. Spart Geld, schont die Umwelt und Trinkt besseren Kaffee. Eigentlich eine Win-win-Situation!

  • Copyright Beitragsbild: iStockPhoto.com/Pedro7
  • Copyright Bild I: Arne Preuß
  • Copyright Bild II: iStockPhoto.com/xahhax
  • Copyright Bild III: Arne Preuß und Lego Barista Larry
1 Kommentar
  • Besucher
    29 August, 2016

    sehr guter Bericht 🙂
    Bei sowas brauchst du Dich nicht von Kapseltrinkern anschwärzen lassen.
    Ja, du bist damit provokant – aber wie sagt man so schön, manchmal tut die Wahrheit weh 😉

    Die Moral aus der Geschicht: Trinkt guten Kaffee und zelebriert das Zubereitungsritual :]

  • Petra
    29 August, 2016

    Hallo, Arne,

    dass die schicken, bunten Kapseln eine geniale Marketing-Strategie sind, ist unbestreitbar.
    Dass man/frau für schnell/bequem/hip teuer bezahlt – selbst schuld.
    Dass der Schaden für Natur/Umwelt dafür billigend in Kauf genommen wird – höchst ärgerlich aber leider typisch “schöne neue Welt”.
    Der auf Massentauglichkeit getrimmte Einheitsgeschmack ; tja, es gibt auch Menschen, die schwören auf McDonalds …
    Kaffee aus Kapseln ist Fast Food flüssig – gruselig.

    Guter, “unbequemer” Artikel!
    Lieber Gruß

  • Peter Mertens
    29 August, 2016

    “Was hat es denn nun mit dem Kontrollverlust auf sich?”

    Sorry, aber jetzt hast du viel und durchaus zutreffend beschrieben, dass – und warum – du Kapseln nicht magst (letztlich aber auch Geschmacksache) dass sie die Umwelt schädigen (das der Anbau von Kaffee an sich umweltschädlich, weil “nicht existentiell notwendig”, aber z.B. mit hohem Wasserverbrauch verbunden ist, muss ich dir ja wohl kaum erklären) und das du dabei das “Erlebnis bzw das Zeremoniell der Kaffezubereitung” vermisst usw

    Aber deine “provokative” Fragestellung , ist eben nicht provokativ (denn du erklärst auch hier mit keiner Zeile einen wie auch immer gearteten “Kontrollverlust” – denn die Kapselfans entscheiden sich ja bewusst für diese Variante) sondern tats. einfach nur dümmlich beleidigend gegenüber Leuten, die deine Sicht der Dinge bewusst (!) nicht teilen.
    Würdest du bspw deinen Nachbarn/Vater…so titulieren,, wenn er dir einen Kaffee aus einer Kapselmaschine anbieten würde ? Wohl kaum…

    Dieses peinliche T-Shirt und dein hier geäußerter kindlich trotziger Versuch einer Erklärung, passt so gar nicht zu deinem sonstigen Auftreten (ob visuell via YT, oder schriftlich, rhetorisch hier im Blog) das fachlich fundiert, neugierig und sympathisch erscheint….

    Schade

  • Sebastian
    29 August, 2016

    Ganz meine Meinung. Sind vor kurzem auf einen VA umgestiegen. Weniger wegen des Preises sondern einfach wegen dem vielen Müll. Das finde ich einfach unverantwortlich.
    MfG,
    Sebastian

    P.S.: weiter so! Sehr schöne Internet-Seite!

  • Peter Mertens
    29 August, 2016

    “Hut ab”

    Bei aller von mir vorgebrachten Kritik bzgl. deines Kaffekapsel-Motto (und der ebenso offen geäußerten Bewunderung für deinen toll gemachten Blog ) muss ich dir in einer Hinsicht doch wirklich Respekt zollen:

    Das du ( nun zum wiederholten Male) von mir deutlich geäußerte Kritik, hier einstellst, statt sie, (wie bei leider gar nicht so wenigen Seiten) einfach zu löschen, ist dir wirklich hoch an zu rechnen

    Lg
    Peter

    PS
    Im übrigen lief soeben auf NDR ein thematisch passender sehr interessanter Beitrag – u.a. auch zu Kapselkaffee – “Kaffe und Tee – aufgebrüht und abkassiert”. Evtl. ist der via Mediathek in den nächsten Tagen abrufbar…

  • Kilian
    30 August, 2016

    Gut und umfangreich erklärt. Der Link bzw. ein klares Statement zum Kontrollverlust fehlt zwar, allerdings warst du mit deinem Aufbau schon fast am Ziel. Was sich aus deinem Text ableiten lässt ist, dass man die Kontrolle über das Endergebnis den Konzernen überlässt (vielleicht kann man sogar so weit gehen zu sagen: die Kontrolle über den eigenen Geldbeutel, da die Kundenbindung stark ist und der Preis diktiert wird). Ein Kontrollverlust über das eigene Leben findet hier sicherlich nicht statt, ist aber philosophisch betrachtet durchaus diskutierbar, denn auf lange Sicht ist eine derartige Einstellung gegenüber unseren Konsumgütern als schrittweise Aufopferung des freien Willens zu interpretieren. Aber auch hier muss man dazu sagen, dass wir das in vielen Fällen schon tun oder getan haben.

    Die Provokation ist trotzdem erlaubt und auch gut so, denn sie regt zum Nachdenken an. Etwas, das viele Menschen heutzutage auf ein Minimum reduziert haben…

    Danke für den Beitrag!

  • Marcus
    2 September, 2016

    Hallo,

    habe vor kurzem Deinen Blog entdeckt, weil ich was zu Cold Brew nachlesen wollte und bin natürlich fündig geworden. Vielen Dank dass Du Deine Kaffee-Kenntnisse mit uns teilst!

    Ich muss ja gestehen, ich habe über Dein T-Shirt sehr gelacht – durch Kapsel-Kaffee die Kontrolle über sein leben zu verlieren ist doch herrlich absurd. Wobei mir als jahrelangem Gourmet-Kaffeetrinker die eigentliche Message durchaus klar ist. Keine Ahnung wie ich das finden würde, wenn ich jetzt selbst ein Kapselfan wäre. Letzten Endes muss natürlich jeder selbst wissen, was er trinken mag.

    Nur an den Fakten (Preis/Leistung, Qualität, Umwelteinflüsse, evtl. große Konzerne vs. direkt trading Röstereien) ändert das nunmal nichts. Für einen VW-Fan ist es ja bestimmt auch interessant zu wissen, was genau mit den Abgaswerten nun los ist. Dann kann man sich aber wenigstens bewusst entscheiden. Falls jemand Kapselfan ist, finde ich das wie gesagt ok. Ich wünsche den Kapselfans sogar, dass sie Ihren Kaffee wenigstens genießen können. Wenn sie den Kapselkaffee aber lecker finden, dann könnte ich mir allerdings sehr gut vorstellen, dass sie über den Duft und das Aroma, den Körper und die Komplexität und letztlich des Geschmacks eines frisch gemahlenen Bohnenkaffees sehr positiv überrascht wären. Nach mehreren Jahren bewussten Kaffee-Genusses bin sogar ich es nach jeder Tasse auf Neues.

    Vielleicht hast Du schonmal darauf hingewiesen und bestimmt kennt der eine oder andere diesen Text schon, aber ich möchte die Gelegenheit nutzen und trotzdem auf diesen etwas älteren aber mittlerweile kultigen Blog-Post zu dem Thema hinweisen:

    http://futterblog.weberphilipp.de/mull-hat-einen-namen-nespresso/

  • Thorsten Müller
    3 September, 2016

    Sehr guter Beitrag wie ich finde! 🙂
    Besonders erschreckend fand ich es mit dem Preisvergleich.
    Ich wusste gar nicht , dass man so ein paar Euro sparen kann!

  • Kruemel
    6 September, 2016

    Hallo Arne,

    Dein Bericht ist gut und ich geh komplett konform. Bleib deiner Linie treu und mache den Leuten weiterhin Mut, die richtige Zubereitungsart nebst Bohne zu finden. Scheinbar ist es keine leichte Mission. Aber gerade beim Geschmack und beim Zubereiten sollten mE keine Kompromisse eingegangen werden. Kaffee ist Wissenschaft, Kunst und Leidenschaft und nicht nur Knöppe drücken

  • Marco
    18 September, 2016

    Ich habe nach mehreren Jahren Nespresso auf eine Siebträgermaschine (mit separater Mühle) gewechselt. Nespresso-Kaffee schmeckt okay, aber an wirklich guten Espresso den ich schon in Bars, Restaurants etc. getrunken habe reicht er schlichtweg nicht ran. Nespresso-Kaffee ist einfach zu erzeugen, man muss nur ein Knöpfchen drücken. Dafür ist das Produkt “Kaffee” hier völlig abstrakt, man sieht und riecht es gar nicht mehr und es gibt auch nichts was man einstellen oder verändern könnte. Verglichen mit einer schönen Siebträgermaschine sind Nespresso-Maschinen zudem billig anmutende Plastikbomber. Eine richtige italienische Espressomaschine aus Stahl und mit glänzend-schwarzen Kolbengriffen verströmt einfach einen unglaublichen Charme.
    Ich kann jeden verstehen, der Nespresso verwendet: es ist einfach zu verwenden und in vielen Situationen (z.B. in der Firma) das einzig machbare. Ich persönlich brauche aber nicht Kaffee für eine ganze Familie zuzubereiten, stehe also nicht unter Zeitdruck, dafür habe ich gerne kleine Rituale. Und die Zubereitung mit dem Kolben ist ein schönes Ritual. Und der Espresso, selbst wenn er nicht perfekt ist (und mir als Anfänger gelingt er nicht immer perfekt) schmeckt immer noch um Längen besser als Nespresso. Natürlich ist auch die Auswahl viel grösser, ich kann z.B. einmal einen 100% Robusta ausprobieren wenn ich das möchte, das wird es bei Nespresso kaum geben.
    Noch ein Wort zu den Apps. Ich bin selber Informatiker, SW-Entwickler. In meiner Freizeit jedoch, möchte ich bei meinen Hobbies ein “unverfälschtes” und “ursprüngliches” Erlebnis. Das betrifft auch die Photographie (eine DSLR muss sich für mich wie ein Fotoapparat anfühlen, mit Rädern, optischem Sucher, und ganz bestimmt brauche ich darauf nicht irgendwelche Apps…) aber eben auch Kaffee (ich will sehen, riechen, fühlen, aber ich brauche keinen allgegenwärtigen Computer der für mich entscheidet, ich will etwas manuelles und mechanisches).
    Der Unterschied zwischen Nespresso und Kolbenmaschine ist für mich der gleiche wie zwischen Fertigfrass und selber kochen. Fertigfrass ist praktisch, aber schmeckt immer gleich, die Auswahl ist gering und es verleidet einem schnell. Selber kochen ist immer besser, auch wenn es viel zeitaufwendiger ist, dafür macht es viel mehr Spass und die Auswahl ist nahezu unbeschränkt.

  • Arne
    19 September, 2016

    Hallo Marco, danke für den tollen Kommentar. Das hört sich doch super an! Ich habe noch ein kleines “Fotolabor” das ich reanimieren müsste. Das mit den Apps als Entwickler verstehe ich total. Es gibt auch viele Röster und Barista die wirklich nicht mehr so gerne Kaffee oder Espresso trinke. Den Spaß daran konnte ich mir (noch) erhalten. Bei mir gibt es aber weniger Espresso und mehr Kaffee aus dem Handfilter.

    Viele Grüße,
    Arne

  • Christian
    25 January, 2017

    Schöner Bericht, allgemein ist deine Seite sehr gut.

    Aber etwas Kritik an dem Spruch “Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren” muss dann doch sein.
    Er ist zwar sehr lustig, aber wenn man den Original Spruch vom deutschen Modedesigner schon kennt, stört es doch irgendwie, wenn jemand anderes diesen für seine Zwecke missbraucht.
    Das alleinige Gute daran, er macht auf den Kapsel-Irrsinn aufmerksam.

  • Christian
    26 January, 2017

    Schöner Blog, habe hier viel gelernt!

    Gut wäre, wenn du eine Erklärung zu deinem Spruch “Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren” abgeben könntest.
    Da das Original von Karl Lagerfeld ist, sieht es immer ein bissl doof aus.

    Aber er passt perfekt zum diesem Kapsel-Irrsinn, von daher ist die Verwendung durchaus legitim.

    Grüße
    Christian

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