Kaffeekapseln: 5000 Tonnen Wahnsinn

Wieder das Thema Kaffeekapseln. Nachdem ich in den letzten Monaten immer wieder Anfeindungen wegen des Coffeeness Spruchs: "Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren"

Kaffee Kapseln

Wieder das Thema Kaffeekapseln. Nachdem ich in den letzten Monaten immer wieder Anfeindungen wegen des Coffeeness Spruchs: „Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“

Kapsel Kaffee Arne

bekommen habe, wollte ich mich diesem Thema ein weiteres mal widmen. Klar, der Spruch war eine gezielte Provokation. Hat geklappt. Mir wurde schon einiges, auf vielen Kanäle dazu gesagt.

Es sei „beleidigend“, „bist du wirklich so dumm“ und immer wieder , „ich verstehe nicht, was du gegen die Kapseln hast“. Deswegen habe ich in diesem Artikel ein paar Gedanken und Recherchen dazu bereit gestellt. Was hat es denn nun mit dem Kontrollverlust auf sich?

Es gibt übrigens auch viele Leser mit Humor und Umsteiger von Kapseln auf echten Kaffee – die möchte ich noch mal beglückwünschen, alles richtig gemacht. Die Zuschriften von zufriedenen und glücklichen Umsteigern überwiegen und das motiviert mich sehr!

Ich muss zugeben: Als Strategie der Profitmaximierung ist Kapselkaffee genial.

Stellt euch vor, ihr seid ein Lebensmittelkonzern, der Kaffee für den Massenmarkt herstellt. Den Markt teilt ihr euch mit ein paar anderen Konzernen. Die Deutschen trinken viel Kaffee, aber der Kaffeekonsum insgesamt wächst nur schwach (2015 etwa um 1,1 Prozent). Jedes Marktwachstum müsst ihr euch natürlich mit der Konkurrenz teilen.

Jetzt würdet ihr gerne euren Gewinn mit dem Kaffee erhöhen. Aber wie? Zusätzliche Kunden von der Konkurrenz zu gewinnen geht nur sehr begrenzt.

Die meisten Konsumenten bleiben bei ihrer Lieblingsmarke oder wechseln je nach Sonderangebot hin und her. Die Unterschiede zwischen Supermarktkaffees sind nicht so riesig, dass ihr mit einem deutlichen Qualitätsvorsprung oder einem anderen schlagenden Argument Kunden gewinnen könntet. Auch über den Preis ist nicht viel zu holen, denn das Billigsegment ist längst besetzt und viel billiger geht es irgendwann nicht mehr.

Wenn ihr in dieser Situation einen Weg findet, Kaffee zum fünffachen Preis zu verkaufen, ist das eine beachtliche Leistung. Und genau das ist Nespresso mit seinem Kaffeekapsel-System gelungen. Allerdings hat es auch eine Weile gedauert: Die Markteinführung im kleinen Maßstab war schon 1986. Hier eine Eigendarstellung der Nespresso-Historie als PDF.

Ihren Boom erleben die Portionskapseln seit etwa 2005. Das mag damit zusammenhängen, dass zu dieser Zeit einige Nachahmer auf dem Markt erschienen, darunter Tchibo. Jedenfalls hält der Boom bis heute an. Im Jahr 2015 wuchs der Kapsel-Markt um stolze 16 Prozent. Der Stiftung Warentest zufolge verbrauchten allein die deutschen Kaffeetrinker im Jahr 2014 knapp 3 Milliarden Kapseln. Das sind 5.000 Tonnen Verpackungsmüll.

Kaffee-Kapsel Abfall

Die Masche: Lock-In und Rockefellerprinzip

Laut Selbstdarstellung soll Nespresso jedem ermöglichen, “die perfekte Tasse Espresso zuzubereiten”. Diese “Perfektion” kommt zustande, indem der Konsument nur noch die Nespresso-Maschine mit den Kapseln füttern und einen Knopf drücken muss.

Mit der Zubereitung hat er also eigentlich nichts mehr zu tun. Aber alle Kapseln sind gleich und jede Tasse Espresso ist wie jede andere. In unserer Warenwelt vermittelt das durchaus eine Aura von Perfektion – ein iPhone ist ja auch genau wie jedes andere.

Für mich als Kaffeefan ist die These ziemlich absurd, dass es einen einzigen perfekten Espresso gibt, der dann immer gleich ist. Ähnlich wie beim Wein liegt Perfektion doch viel mehr in der Vielfalt. Und noch besser als beim Wein ist, dass ich beim Kaffee selbst mit vielen Variablen spielen kann, um einen Espresso nach meinem Geschmack zu bekommen.

Aber bequem ist die Sache mit den Kapseln, das muss ich zugeben. Wenn man möglichst wenig mit der Zubereitung des eigenen Kaffees zu tun haben will, ist das ein Vorteil.

Viel größer sind die Vorteile aber für die Hersteller. Der wichtigste Vorteil neben dem absurd hohen Preis besteht darin, dass eine Nespresso-Maschine den Kunden zwingt, seinen Kaffee künftig ebenfalls bei Nespresso zu kaufen. Sonst könnte er mit der Maschine nichts anfangen. Dies bezeichnen Ökonomen auch als “Lock-In-Effekt”: Der Kunde wird im Produkt “eingesperrt”.

Damit verwandt ist das sogenannte Rockefellerprinzip. Der Legende nach hat John Rockefeller seine Öllampen spottbillig verkauft, um anschließend auf unbegrenzte Zeit mit dem Öl zu verdienen. Ein moderneres Beispiel für dieses Prinzip sind billige Drucker und teure Tintenpatronen.

Und eben Kapselkaffeemaschinen. Im März berichtete die “Welt”, dass sie aktuell wieder zu Spottpreisen im Angebot seien – mitsamt beigelegten Kapsel-Gutscheinen, “sodass die Geräte am Ende kein Geld kosten”.

Die Hersteller können also jedes Mal jubeln, wenn sie so eine Maschine verkaufen, weil das der Auftakt zu einem höchst lukrativen und dauerhaften Folgegeschäft ist. Es ist kein Wunder und kein Zufall, dass diese Maschinen so schick aussehen.

Kaffeekochen mit dem iPad: die Zukunft eines Lifestyle-Produkts

Der “Lock-In-Effekt” ist inzwischen etwas aufgeweicht. Im Jahr 2012 hat das Landgericht Düsseldorf entschieden, dass auch Konkurrenzunternehmen Kapseln für Nespresso-Maschinen verkaufen dürfen. Für “Cafissimo” von Tchibo und andere Kapsel-Systeme gilt das natürlich genauso.

Für das Geschäft mit dem Rockefellerprinzip ist das ungünstig. Wenn Kunden nur die Maschinen von Nespresso kaufen und sich dann bei Aldi mit Kapseln eindecken, lohnt sich die Sache für Nespresso nicht mehr.

Es ist den Herstellern aber gelungen, Kapselsysteme als Lifestyle-Produkt auf dem Markt zu platzieren. Der Chef des deutschen Kaffeeverbands, Holger Preibisch, bezeichnet sie sogar als “Statussymbol”, das der Käufer “stolz seinen Freunden zeigen” wolle.

Das macht irgendwie Sinn, denn Liebe zu gutem Kaffee kann kaum der Grund sein, so ein System zu benutzen, und der Preis ebenfalls nicht. Manche finden es einfach schick und cool.

Mit diesem Pfund versuchen die Hersteller zu wuchern, indem sie regelmäßig neue Maschinen herausbringen und bewerben. Und neuerdings auch mit der “Digitalisierung”.

In diesem Jahr hat Nespresso die Gerätefamilie “Prodigio” präsentiert, die sich über eine App mit dem Smartphone steuern lässt. Zu den “Konnektivitätsfunktionen” gehören der Homepage zufolge “Zubereitung, Festlegung des Zubereitungszeitpunkts, Verwaltung des Kapselvorrats” und “Wartungsalarme”.

Qbo Coffee Abfall Kapseln

Unter dem Namen “QBO” bietet Tchibo ein Konkurrenzprodukt an – mit neuen, würfelförmigen Kapseln, die zumindest für die Anlaufphase sicherstellen, dass die Kunden ihren Kaffee nur bei Tchibo kaufen können. Die Einstellungsmöglichkeiten per App ermöglichten “ein vollkommen neues, individuelles Kaffeeerlebnis”.

Vielleicht sollte jemand denen mal sagen, dass man ein viel individuelleres “Kaffeeerlebnis” hat, wenn man selbst mahlt und brüht. So kann man dann auch nicht nur die 10 Sorten trinken, die es in Tchibo-Würfeln gibt, sondern alle Kaffeesorten der Welt ausprobieren.

Tausende Tonnen Kapselmüll

Im Oktober 2013 hat sich die Zeitschrift “Ökotest” ausführlich mit Kaffeekapseln beschäftigt. Tenor: Kapselkaffee erzeugt massenhaft Müll, der nur zum Teil recyclet wird. Außerdem ist Recycling besonders bei Kapseln aus Aluminium ein schwacher Trost. Denn die Herstellung von Aluminium verschlingt extrem viel Energie und zerstört den Regenwald.

Der Grundstoff, aus dem die Abbaubetriebe das Aluminium gewinnnen, ist Bauxit. Das meiste Bauxit liegt im Tropengürtel. Die wichtigsten Abbauländer sind Guinea, Jamaica, Indien, Australien und Brasilien.

Schlimm ist schon, dass die Unternehmen Regenwald roden, um an das Bauxit ranzukommen. Aber damit endet es nicht, denn nun gehen sie mit Natronlauge zu Werke, um das Aluminium aus dem Bauxit herauszulösen. Dabei entsteht als Abfallprodukt giftiger Rotschlamm, der dann als Giftsee zurückbleibt oder Flüsse verseucht. Dazu kommt die Umweltverschmutzung durch den Energieaufwand.

Die Konzerne haben in den letzten Jahren auf die wachsende Kritik an der Umweltkatastrophe namens Kapselkaffee reagiert. Nespresso holt verbrauchte Kaffeekapseln auf Wunsch bei seinen Kunden zu Hause ab (“Recycling at home”), und die QBO-Würfel sind aus recyclebarem Kunststoff, der in die gelbe Tonne kann.

Das ändert natürlich nichts daran, dass das Aluminium erst mal hergestellt werden muss und die Kapseln überflüssig sind. Schließlich kann man ohne sie einen besseren Kaffee zubereiten.

Es wäre außerdem naiv, zu glauben, dass alle Kapseln wirklich recyclet oder kompostiert werden, ob im Dualen System oder sonstwo. Im Mai 2015 fanden Forscher unter anderem Kaffeekapseln in den Mägen gestrandeter Wale.

Mehr Geschäft, weniger Kaffee

Tchibo wirbt damit, dass die QBO-Würfel “viel Kaffee” enthielten. “Viel” bedeutet hier 7,5 Gramm. Das ist tatsächlich etwas mehr als bei den herkömmlichen Nespresso-Kapseln, die auf 5 bis 6 Gramm kommen.

Wie viel kostet nun ein Pfund Kaffee, das in viele kleine QBO-Würfel aufgeteilt ist? Folgende Tabelle zeigt den Preis für die 8-er und die 27-er-Packungen, die Tchibo anbietet.

 Kaffee in der Packung
Preis für 500 Gramm

8 Kapseln à 7,5 Gramm für 2,95 €
60 Gramm
27,58 Euro

27 Kapseln à 7,5 Gramm für 9,95 €
202,5 Gramm
24,56 Euro

Bei Nespresso ist es etwas einfacher, weil das Unternehmen – immerhin transparent – einen 100-Gramm-Preis von 7,80 Euro angibt. Bei 39 Cent pro Kapsel sind das 5 Gramm pro Kapsel. Ein Pfund kostet somit 39 Euro.

Berechnen wir den Preis spaßeshalber für die vier Anbieter mit dem größten Umsatz in Deutschland: Nespresso (haben wir schon), Tassimo von Jacobs Douwe Egberts, Dolce Gusto (wie Nespresso von Nestlé) und Cafissimo (Tchibo).

 Preis pro Kapsel
Kaffee pro Kapsel
Preis pro Pfund Kaffee
Tassimo25 bis 31 Cent
Ca. 7,7 Gramm
15 bis 20 Euro
Dolce Gusto
31 Cent
7 Gramm (geschätzt)
Ca. 23 Euro
Cafissimo28 bis 30 Cent
Ca. 7,5 Gramm
17 bis 20 Euro

Ich habe hier verschiedene Rechenwege benutzt, weil die Angaben der Hersteller variieren. Tassimo und Cafissimo geben Preise pro 100 Gramm oder Kilogramm an, was die Sache erleichtert. Bei Dolce Gusto fehlte beides, sodass ich nicht berechnen konnte, wie viel Kaffee in einer Kapsel ist. Deshalb habe ich 7 Gramm als Schätzwert verwendet, um einen ungefähren Pfundpreis zu berechnen.

Normal verpackt kostet ein Pfund Kaffee oder Espresso im Supermarkt oder Discounter 3 bis maximal 10 Euro. Ein schönes Ergebnis für die Konzerne: Sie verkaufen in Deutschland nur knapp 5 Prozent des Kaffees in Kapseln, aber machen damit 20 bis 30 Prozent ihres Kaffeeumsatzes!

Kaffeekapseln ist also nicht nur für die Umwelt schädlich, sie sind auch teurer, aber was gibt es für Alternativen? Wie wäre es mit echten Kaffeebohnen. In meinen Kaffeebohnen Tests findet ihr Berichte über viele tolle Kaffeeröster. Hier geht es zum Beispiel zu meinem Bericht über Quijote-Kaffee. Dort bekommt ihr Kaffee aus Direkthandel für ca. 20€ Euro pro Kilo. Qualitätskaffee kostet also weniger als der anonyme Massenkaffee aus Kapseln. Im vergleich zu Nespresso bezahl ihr also 1/4 und bekommt richtig guten Kaffee mit voller Transparenz! Das ist hier kein Marketing-Gelaber, sondern glaubhaft und aus Überzeugung. 

Und wenn ihr mit eurem Kaffee-Equipment eure Freunde beeindrucken wollt, wie der Chef des Kaffeeverbandes sagt, dann versucht es doch mal mit gutem Kaffee, den ihr selbst mahlt und frisch aufbrüht. Dann werden eure Kochkünste bewundert und nicht die der Maschine. Das macht euch und euren Freunden viel mehr Spaß und ergibt auch mehr interessanten Gesprächsstoff.

Wenigstens kann ich aber wohl Entwarnung geben, was die Gesundheit betrifft. In einem Beitrag von 2014 meint der NDR, dass aus den Deckeln der Kapseln in ganz kleinen Mengen Aluminium in den Kaffee rieseln könnte. Aluminium in der Nahrung kann je nach Menge schädlich sein.

In einer neueren Sammlung von Fragen und Antworten zu Aluminium stellt das Bundesamt für Risikobewertung aber fest, dass über Kaffeekapseln eigentlich kein Aluminium in den Körper gelangen dürfte.

Fazit: Wenig Kaffee und viel teurer Müll

Es ist glasklar, dass Kapselkaffee einfach eine Masche ist, um mit Supermarktkaffee mehr Geld zu verdienen. Ihr bekommt winzige Mengen gewöhnlichen Kaffees zu überhöhten Preisen, aufgehübscht mit funkelndem technischen Spielzeug und Verpackungsmüll. Die Umwelt und die Kaffeekultur haben Besseres verdient – und ihr selbst habt das auch. Einzelverpackungen sind natürlich nie schön – aber Kaffee ist einfach mein Thema. Spart Geld, schont die Umwelt und Trinkt besseren Kaffee. Eigentlich eine Win-win-Situation!

  • Copyright Beitragsbild: iStockPhoto.com/Pedro7
  • Copyright Bild I: Arne Preuß
  • Copyright Bild II: iStockPhoto.com/xahhax
  • Copyright Bild III: Arne Preuß und Lego Barista Larry

22 Kommentare

    Schöner Bericht, allgemein ist deine Seite sehr gut.

    Aber etwas Kritik an dem Spruch „Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ muss dann doch sein.
    Er ist zwar sehr lustig, aber wenn man den Original Spruch vom deutschen Modedesigner schon kennt, stört es doch irgendwie, wenn jemand anderes diesen für seine Zwecke missbraucht.
    Das alleinige Gute daran, er macht auf den Kapsel-Irrsinn aufmerksam.

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    Schöner Blog, habe hier viel gelernt!

    Gut wäre, wenn du eine Erklärung zu deinem Spruch „Wer Kapsel-Kaffee trinkt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“ abgeben könntest.
    Da das Original von Karl Lagerfeld ist, sieht es immer ein bissl doof aus.

    Aber er passt perfekt zum diesem Kapsel-Irrsinn, von daher ist die Verwendung durchaus legitim.

    Grüße
    Christian

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    First-Wolrd Problems.

    Alles muss schnell gehen, einfach sein, cool sein.
    Da passt der Kapselkaffe wunderbar in den durchgetimten digitalen Alltag.

    Reicht doch wenn man „Grün“ wählt. Sich um Umwelt Sorgen machen dann bitte andere.

    Und ich stimme dir da zu 100% zu: Kontrollverlust!
    Wer sich, wie Peter Mertens oben schreibt, für eine derartig teure und umweltschädliche Sache entscheidet, hat definitiv die Kontrolle verloren oder ist grenzenlos Selbstsüchtig und Ignorant. Uns geht es einfach zu gut und das ist ein typisches „Ich-will-aber!“ Denken. Was kostet die Welt und nach mit die Sintflut. D.Trump trinkt bestimmt auch Kapselkaffee. Das mit dem Müll und der Umwelt sind doch nur Lügen…
    Und unsere Kinder dürfen dann den Müll entsorgen oder müssen damit Leben oder wie?

    Sorry! Kein aber überhaupt kein Verständnis! Betrifft aber leider nicht nur den Kaffee sondern so ziemlich jeden Lebensbereich. Überall nur noch Egomanen…. Man man man, ich kriege Puls ob solcher lächerlichen Argumente für Kapselkaffee.

    Und ja Peter, Kaffeeanbau ist per se schon umweltschädlich. Aber muss man dem ganzen dann noch einen drauf setzten? Mit Müll und allem was die Aluminiumherstellung verursacht?

    Ich akzeptiere das nicht und wenn mein Vater mir einen Kapselkaffee servieren würde, da kannst du dich drauf verlassen, würde ich das Zeug wegkippen und ihm eine Standpauke halten! Zum Glück hat er die Kontrolle nicht verloren und hat genug Verantwortungsbewusstsein.

    Amen und das musste jetzt mal sein!

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    Du sprichst mir aus der Seele!
    Es wird zwar auf dem Kaffeesektor meiner Ansicht nach manchmal etwas viel Kult betrieben, wenn man sich beispielsweise ernsthaft über die Art der Kreisbewegung beim Wassereingießen in den Filter auslässt, aber so aus der Hand sollte man sich die Zubereitung wirklich nicht nehmen lassen. Es ist hier wie in allen Lebensbereichen. Der Verbraucher wird konsequent zum Volltrottel hin erzogen. Wir müssen weder am Berg anfahren, einparken oder uns orientieren können, noch sowas Schwieriges wie uns selbst zu bekochen.
    Zwar würde ich das Kaffeetrinken nicht aufgeben wenn es nur noch Kapseln gäbe, aber auch ich lehne das Zeug ab und würde mir nie ohne Not sowas anschaffen. Irgendwie passen Nespresso und sein Hersteller Nestle auch super zusammen. Von Denen hört man ja mit schöner Regelmäßigkeit: Palmöl, schlechtes Milchpulver für die dritte Welt, dubiose Trinkwassergeschäfte u.v.m. Ich kauf meinen Kaffee lieber beim lokalen Röster und in deutlich besserer Qualität.
    (Bitte ändere doch Trapezen in Transparenz – Scheiß Autokorrektur °_^ )

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    Es lebt sich einfach leichter, wenn man die gewissen Maschen der Industrie zu überlisten weiß und z.B. aus einem Lock-in ein Lock-out macht: Anstatt die Kapseln wegzuwerfen, kann man sie reinigen , mit seinem handgemahlenen Lieblingskaffe wiederbefüllen ( dabei noch selber dosieren) und immer wieder benutzen. Dazu kann man sie obendrein auch noch mit Tee befüllen- zur Abwechslung. Ich mache dies nun schon ziemlich lange , allerdings mit dem Kaffepulver des Testsiegers von Stiftung Warentest , Bellaroma (Lidl). Kosten für 1 Tasse ? 8 cent.

    Lieber Arne, ich möchte ab sofort meine Kapseln mit frisch geröstetem Kaffee befüllen, weiß aber überhaupt nicht, welche Art von Bohnen sich für eine Kapselmaschine eignen würden und welchen Malgrad man da einstellt ? Hast du ’nen Tip ?

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    Oh cool, Nespressobashing mit Halbwahrheiten…

    Ja, der Kilopreis ist höher, als bei üblichem Supermarktkaffee (Single Origins vom Kleinröster liegen trotzdem im Nespresso-Preisbereich). Es gibt nur einen Unterschied. Pro Nespresso-Milliliter wird weniger Mehl gebraucht als beim typischen Espresso. Und dazu schmeckt dieser noch besser als bei 80 % der Restaurant-Espressos in Deutschland. Das relativiert das ganze deutlich. Ist übrigens auch vorteilhaft für die Umweltbilanz, da die Bohnenherstellung selbst immer noch den größten Batzen an der der Umweltsauerei Kaffee ausmacht.

    Aber nun direkt zur Umweltbilanz: 1300 kWh und 1,7 m³ Wasser pro Tonne recycletes Aluminium. Neues Alu wird nicht berücksichtigt, weil ich meine Kapseln zu 100 % ins Recycling gebe und sie somit Teil eines wiederkehrenden Kreislaufs sind.

    Sagen wir ein Durchschnitts-Nespresso-Trinker trinkt pro Tag 3 Tassen. Eine Kapsel besteht aus weniger als 2 Gramm Aluminium. Das macht dannn in einem Jahr 2190 Gramm Aluminium. D.h. für das Recycling werden 2,87 kWh und rund 1,3 Liter Wasser benötigt.

    WOW! D.h. wenn ich als Verbraucher einmal weniger die Toilettenspülung betätige und eine 40 Watt-Birne für ein Jahr gegen eine LED-Lampe auswechsle, habe ich soviel Ressourcen gespart, daß ich dafür 10 Jahre lang meine Nespresso-Maschine betreiben kann. Und wenn man sich anschaut, wieviele Warmhalteplatten von einfachen Kafeemaschinen und Gastrosiebträger im Heimbetrieb stundenlang laufen, wird Nespresso aus ökologischer Sicht noch sympathischer.

    Ich sage: Viel Lärm um nichts. Du hast beim Schreiben dieses Artikels wahrscheinlich mehr Ressourcen verschwendet, als ein typischer Nespresso-Trinker während seines gesamten Lebens.

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    Danke für diese Sichtweise Kalkulator!!

    Im Büro haben wir ebenfalls einen KVA und mir fällt immer wieder der enorm hohe Kaffeeverbrauch (Melitta) dieser Maschine im Vergleich zum Inhalt einer einzelnen Kapsel auf.
    In die Summen-Energiebilanz kann man zudem noch den Energieeinsatz bei der Herstellung einer aufwändigen Siebträgermaschine oder eines KVA mit einberechnen. Dagegen stehen die Nespresso Maschinchen vermutlich auch nicht so schlecht da.

    Arne kannst du hier nicht vielleicht nochmal in dieser Richtung etwas recherchieren und hier zusammentragen?

    Auch hinsichtlich der Kaffeepreise pro Tasse wäre das sehr interessant. Ist Nespresso tatsächlich so teuer, oder ist ein Espresso in vergleichbarer Kaffeequalität aus einem Siebträger / KVA evtl. gar nicht so weit davon entfernt?

    Wie hoch ist der kWh Einsatz bei neuem Aluminium?
    Wie viel wird von der Kapseln recyclet?

    Wäre ein super Beitrag! Ansonsten nebenbei bemerkt noch großes Kompliment für den Blog!

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    Hi Arne! Die Provokation sei erlaubt! Wer sich dabei persönlich angegriffen fühlt und die dramaturgische Überspitzung (Provokation eben …) nicht versteht, macht eh was falsch (und hat die Kontrolle verloren…) – unabhängig vom Kaffee.
    Dass das Thema selbst bei deinen Blog-Lesern doch noch recht kontrovers diskutiert wird erstaunt mich ein Bisschen. Ich dachte beim Lesen eher, das wäre „preaching to the choir“. Ich bin wahrlich kein Öko-Fanatiker, aber das Müllaufkommen und die ENergieverschwendung durch die Kaffeekapseln ist einfach nur so unnötig wie nur überhaupt möglich. Klar, Recycling, wenn man das denn auch tut (die Realität sieht leider anders aus…) aber selbst bei 100% Recycling wäre es immer noch eine riesige Energieverschwendung. Dabei geht es auch nicht nur um den Energieverbrauch beim Aluminium-Recycling, das Zeug muss transportiert werden, die Kapseln müssen hergestellt und befüllt/verpackt und so weiter.
    Und was gewinnt man dabei? Ein Sch***-Ergebnis (okay, das ist Geschmacksache…), den besagten Kontrollverlust (Auswahl an Kapseln vs. Bohnenkaffee plus Zubereitungsarten/-parameter) und ein kleines Bisschen Bequemlichkeit die wunderbar mit unserem eh schon viel zu hektischen Lebensstil zusammenpasst. Herzlichen Glückwunsch!
    Beim Kaffeeanbau selbst von Umweltbelastung zu sprechen, lässt sich auch relativieren, immerhin gibt man das Wasser ins Gesamtökosystem zurück (sei es durch Bodenbewässerung der Verdampfen) anstatt es mit Rotschlamm verseucht auf die Deponie oder in die Botanik zu kippen und das CO2, das während Herstellung und Zubereitung aus dem Kaffee ausgast, das hat die Kaffeepflanze vorher aus Luft und Boden abgezogen. Der Energieverbrauch in der Verarbeitung kommt natürlich dazu, aber das ist in allen Fällen mehr oder weniger gleich.
    Nebenbei, dass Kaffee ein reines Luxusgut ist, tut der Tatsache keinen Abbruch, dass man im Luxus ein Bisschen Umsicht walten lassen sollte…

    @Kalkulator: Sorry, aber das Argument Kaffeemenge pro Getränkvolumen ist absoluter Schwachsinn. Wie im Artikel beschrieben, ist die enthaltene Kaffeemenge zwischen einem Nespresso-Gebräu und einem Siebträger-Espresso ziemlich identisch, und man wird wohl eher die gleiche Anzahl an Tassen als die gleiche Getränk-Flüssigkeitsmenge konsumieren. Sonst kann man im Extremfall auch gleich den Nespresso-Americano (150 ml) gegen einen Siebträger-Ristretto (~15 ml) vergleichen. Kein Mensch trinkt das in gleicher Flüssigkeitsmenge (10 Ristretto). Und wo du deinen Kaffee kaufst zu einem 79€/kg Preisstandard (selbst bei single origin) möchte ich nicht wissen – abgesehen davon, dass Kaffee für so einen Preis in der Qualität mit Nespresso überhaupt nicht zu vergleichen ist (sonst wäre Nespresso wahrscheinlich noch 5-10-mal so teuer). So viel zum Thema Halbwahrheiten …

    @Florian: Dazu war der Link weiter oben ganz interessant: http://futterblog.weberphilipp.de/mull-hat-einen-namen-nespresso/ Wenn du Arnes Beitrag/T-Shirt provokativ findest, … Ich glaube, dass wenige Siebträgerbesitzer Kaffe von der Qualität eines Nespresso-Kapselinhalts verwenden und selbst dann wird es vermutlich einen Qualitätsunterschied geben. Ein Vergleichstest zwischen Kapsel, KVA und ST mit identischen Ausgangsbohnen würde mich aber auch wirklich interessieren. Dann aber eher alle drei mit gutem Kaffee als auf Nespresso-Standard.

    PS: Mal bitte bei „Kaffee mit voller Trapezen“ die Transparenz korrigieren. Trapeze findet man ja doch eher im Zirkus als beim Kaffeeröster. Hat aber trotzdem zur Unterhaltung beigetragen. ;P

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    Arne

    Danke für den tollen Kommentar! Ist korrigiert 🙂

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    Lieber Arne Preuß, es gibt auch nachfüllbare Stahl Kapseln für die nespresso Maschinen. Die kann man mit seinem Wunsch Kaffee und Mahlgrad etc. Befüllen. Macht es dann bei geringem Umsatz am Kaffee und wenn man vor allem Espresso möchte (für Latte macchiato) nicht doch Sinn ein so Mini Drucksystem zu verwenden? Anders als mit hohem Druck bekommt man doch keinen guten Espresso?
    https://www.compatible-capsules.com

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    Guter Beitrag! Nestle‘ ist in Sachen Nachhaltigkeit/ Umwelt eh nicht gerade ein Musterknabe. Da sieht’s mit Unilever auch nicht viel besser aus.

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Ich freue mich über deinen Kommentar